Warum die neuen Apps für Kunden gefährlich sind

Insuretechs Warum die neuen Apps für Kunden gefährlich sind

Oliver Mest
von Oliver Mest
09.04.2017
Auf einen Blick
  • Versicherungs-Apps wie Clark, Getsafe oder Knip machen Versicherungsvertreter und Makler Konkurrenz. 
  • Die digitalen Helfer sollen den Umgang mit Versicherungen vereinfachen und somit den Verbraucher vor unnötigen Kosten schützen.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Die Liste der Anbieter von Versicherungs-Apps wird fast täglich länger: Knip heißen sie, Clark, GetSafe, Financefox und das ist nur die Spitze des App-Eisberges von Anbietern, die alle ein Versprechen haben: Mit uns bist Du besser versichert. Deine Verträge werden besser, günstiger, übersichtlicher verwaltet. Aber stimmt das wirklich? Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt es hier.

Was muss ich machen, um die App zu nutzen?

Meist lädt der Kunde eine App auf sein Smartphone herunter und gibt nach einer Autorisierung über die Handynummer an, bei welchen Versicherern er welche Verträge hat. Alternativ gibt es auch Desktop-Varianten dieser Services. Mit dem Absenden der Daten stimmt der Kunde in der Regel zu, dass er einen neuen Betreuer für seine Versicherungen haben möchte – den Anbieter der App oder des Services. Die Versicherungsverträge werden also mit einem neuen Betreuer versehen, der jetzt verantwortlich ist. 

Für weitere Informationen rund um das Thema Versicherungen abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter.

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein

Was sind die Konsequenzen?


Für den Kunden ändert sich erst einmal kaum etwas, lediglich die Adresse des Betreuers im Briefkopf der Versicherung wird ausgetauscht. Im Hintergrund aber passiert einiges: Der neue Berater tritt in alle Rechte und Pflichten der Betreuung ein. Vor allem verdient er in Zukunft die Provisionen aus dem Vertrag. Und er ist dafür verantwortlich, dass der Vertrag zu der Lebenssituation des Kunden passt und ausreichenden Schutz bietet. Was aber zu kritisieren ist: Die Firmen kennen die Lebenssituation ihrer Kunden in der Regel gar nicht.

Da stellt sich dann schon die Frage, wie der Betreuer seiner Sorgfaltspflicht nachkommen soll, die ihn dazu verpflichtet, auf veränderte Lebensumstände des Kunden zu reagieren und Angebote für einen angepassten Schutz zu unterbreiten. Einer der Anbieter sieht in seinen AGB vor, dass bestehende Verträge auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Zweckmäßigkeit überprüft und neu geordnet werden, wenn der entsprechende Wunsch geäußert und mitgeteilt wird.

Bei der Schadensregulierung könne man aber leider nicht helfen. Aber wann - wenn nicht im Schadensfall - braucht man wirklich mal Hilfe? Als aktive Betreuung kann man das eher nicht bezeichnen, vor allem, wenn lediglich über eine App kommuniziert wird.

Kann ich auf alle Versicherer zugreifen?

Grundsätzlich werden erst einmal viele relevante Versicherer in den Apps gelistet - interessant ist aber auch hier der Blick ins Kleingedruckte, wo zum Beispiel Versicherer ausdrücklich ausgeschlossen werden, wenn Sie Versicherungsmaklern keine Courtage in marktüblicher Höhe gewähren. Damit fallen attraktive Nettopolicen und Verträge mit geringerer Provision schon einmal weg - schade für Sie als Kunden, der mit einem solchen Vertrag wechseln möchte.

Und in anderen AGB erfolgt auch noch einmal ausdrücklich der Hinweis, dass günstige Direktversicherer nicht immer angeboten werden können. Was passiert dann in einem solchen Fall? Der App-Betreiber verzichtet darauf, Geld zu verdienen oder muss den Kunden zum Wechsel zu einem anderen Anbieter bewegen, wenn er selbst Geld verdienen will. Nach "einfacher" und "besser" für Sie als Kunden hört sich das nicht an!

Vergleich Haftpflichtversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 Premium-2016-Single-5Mio 40,62 Euro weiter
2 BlueLine-Tip-5Mio-Single 42,01 Euro weiter
3 Tarif TOP-VIT Single 42,48 Euro weiter
4 NV-PrivatSpar-5.0-Single-5Mio 44,03 Euro weiter
5 BestSelection-2015-Single-10Mio 44,56 Euro weiter
Hier Ihren persönlichen Tarif Haftpflichtversicherung berechnen

Wird der Schutz günstiger?

Zum einen ist das – zumindest offiziell – nicht das Versprechen der App-Betreiber, zum anderen ist es aber auch eher unwahrscheinlich. Fakt ist: Der übertragene Vertrag wird durch den Wechsel des Betreuers und die Übertragung in die App erst einmal nicht verändert – vor allem wird der Versicherer oder Risikoträger ihn nicht günstiger machen.

Dazu kommt der fehlende Kundenkontakt: Woher sollen die App-Betreiber wissen, ob der Kunde einen Vorschaden in der Rechtsschutz- oder Wohngebäudeversicherung hat? Das aber ist ein wichtiges Kriterium bei einem Wechsel zu einem günstigeren Versicherer und lässt sich standardisiert über eine App oder ein Desktop-Menü kaum in Erfahrung bringen. Hier ist umfassende Beratung wichtig – und keine paar Euro Ersparnis!

Wird mein Versicherungsschutz besser?

Genau das ist das Hauptproblem der Apps. Um einen besseren Schutz zu vermitteln, muss man den bestehenden Schutz analysieren und den Kunden kennen. Eine Analyse ist attraktiv bei hoch provisionierten Verträgen – etwa einer Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung. Hier ist ein Wechsel aber nur mit Einschränkungen sinnvoll – und erfordert viel Beratungsaufwand.

Bei anderen Verträgen wie einer Rechtsschutzversicherung ist ein Wechsel eher sinnvoll – aber eine Analyse des bestehenden Schutzes ist aufwändig und muss mit dem Kunden gemeinsam gemacht werden. Ob die App-Betreiber sich diese Zeit für die Beratung nehmen? 

Was ist denn im Schadensfall?

Einige dieser Services schließen Unterstützung im Schadensfall aus – für den Kunden ein Albtraum, wenn er sich selbst an die Arbeit machen und seine Ansprüche anmelden muss. Ganz zu schweigen davon, dass er ohne fachliche Begleitung vielleicht Ansprüche falsch geltend macht und auf viel Geld verzichtet. In anderen Fällen soll der Ansprechpartner über ein Call-Center der jeweiligen App-Betreiber erreichbar sein, die dann die entsprechenden Formulare zur Verfügung stellen oder Ansprechpartner nennen.

Was ist die Motivation der App-Betreiber?

Zunächst einmal ist die Motivation natürlich finanzieller Art, weil die zukünftige Courtage der übertragenen Verträge bei den App-Betreibern landet. Vor allem dürfte aber das Folgegeschäft interessant sein, also der Abschluss weiterer Versicherungen nach dem Wechsel in die App. Einmal gewonnene Kunden können dann per Mail oder telefonisch für weitere Versicherungs- oder auch andere Geld-Produkte angesprochen werden.

Warum nutzen viele die App?

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass der Hype durchaus nachgelassen hat. In der ersten Welle waren es vor allem internetaffine Kunden, die die Apps genutzt haben - zudem kümmern sich viele Berater nicht um Bestandskunden mit ein paar günstigen Versicherern: Der Aufwand für die Beratung ist hoch, die Courtage gering.

Genau diese allein gelassenen Kunden sind natürlich offen für neue Angebote und sind begeistert auf die Apps aufgesprungen – viele sind aber auch wieder abgesprungen, wenn sie feststellen, dass auch die digitalen Berater nicht besser beraten haben.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Oliver Mest
Oliver Mest
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de