Wichtige Vorsorge für ein selbstbestimmtes Leben

Vorsorgevollmacht Wichtige Vorsorge für ein selbstbestimmtes Leben

03.03.2018
Auf einen Blick
  • Selbstbestimmt leben

  • Vorsorge treffen

  • Vorausschauend planen
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Ein weiteres Instrument für ein selbstbestimmtes Leben auch in Notfällen ist – neben der Patientenverfügung – die Vorsorgevollmacht. Stellen Sie sich vor: Plötzlich sind Sie durch eine Krankheit oder einen Unfall nicht mehr in der Lage, Ihre Dinge selbst zu regeln – beispielsweise keine Bank- oder Versicherungsgeschäfte alleine mehr durchzuführen. Viele Menschen verlassen sich für einen solchen Fall auf die Familie oder einen Partner, der sich um alles kümmern wird. Das mag sogar stimmen, aber auch nahestehende Personen dürfen für Sie nicht einfach die Rechtsgeschäfte übernehmen: Sie müssen bevollmächtigt sein, sonst wird ein Betreuer von Amts wegen bestellt.

Zu betreuende Bereiche festlegen

Mit dem Vorsorgedokument legen alleine Sie als Verfasser fest, was Ihre Vertrauensperson für Sie regeln darf oder auch nicht. Bei Vorlage einer umfassenden Vollmacht entfällt die gerichtlich anzuordnende Betreuung. Sie können frei entscheiden, für welche einzelnen Bereiche Ihre Vollmacht Gültigkeit haben soll. So legen Sie zum Beispiel fest, dass der Bevollmächtigte

  • die Vermögensangelegenheiten führen kann,
  • alle Rechtsgeschäfte führen darf,
  • keinen Grundbesitz veräußern darf,
  • alle Wohnungsangelegenheiten regeln darf,
  • über seinen Aufenthaltsort mitbestimmen kann,
  • alle postalischen Angelegenheiten regeln kann,
  • die Gesundheitsfürsorge wahrnehmen soll,
  • über die Verwendung von finanziellen Mitteln aus einer Pflegezusatzversicherung entscheiden soll.

Bedenken Sie bitte: Vorsorgevollmachten geben der/dem oder den Bevollmächtigten umfangreiche Rechte und Befugnisse, über Ihr Leben, Ihre Rechte und Ihr Vermögen zu verfügen. Seien Sie sich über diese Konsequenzen im Klaren.

Es ist durchaus sinnvoll, mehrere Bevollmächtigte einzusetzen: Zum einen kann jeder in "seinem” Bereich die besten Entscheidungen treffen, zum anderen führen verschiedene Bevollmächtigte dazu, dass sie gezwungen sind, die für Sie beste Lösung zu finden.

Tipp

Bei Vermögensangelegenheiten ist unbedingt zu beachten, dass viele Banken und Sparkassen keine allgemeine Vorsorgevollmacht akzeptieren. Deshalb ist es ratsam, sich vorher bei Ihrem Geldinstitut zu erkundigen. Oft ist hierzu eine notariell oder bankintern beglaubigte Unterschrift erforderlich. Diese Bankvollmacht können Sie jederzeit widerrufen.

Sind Formerfordernisse zu beachten?

Es gibt keine Formerfordernisse für die Vorsorgevollmacht, allerdings ist es ratsam, sie schriftlich niederzulegen, um Unklarheiten zu vermeiden. Rechtliche Beratung ist in vielen Fällen nicht erforderlich. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz bietet eine sehr gute Vorlage. Eine Vollmacht gilt von dem Tag an, an dem Sie sie erteilen, und Sie können eine einmal erstellte Vorsorgevollmacht jederzeit widerrufen: Lassen Sie sich in diesem Fall eine schriftliche erteilte Vollmachtsurkunde zurückgeben, bzw. widerrufen Sie die Vollmacht auch den entsprechenden Institutionen gegenüber – sonst besteht die Gefahr, dass eine Vollmacht noch missbräuchlich verwendet wird und Sie sie gegen sich wirken lassen.

Generalvollmacht als Alternative

Eine Generalvollmacht deckt dabei viele Bereiche ab, aber kann nicht in allen Lebenslagen helfen – gerade dann, wenn es um höchstpersönliche Entscheidungen wie etwa eine geschlossene Unterbringung geht. Sie können in der Vorsorgevollmacht selbst, aber auch in ergänzenden Dokumenten detailliert Ihre Vorsorge-Wünsche festlegen – von finanziellen Anordnungen über die Frage der Unterbringung (zum Beispiel in einem bestimmten Heim) bis hin zu Anordnungen bezüglich Ihrer Beerdigung. Wenn Sie zu bestimmten Punkten genaue Vorstellungen haben, dann können Sie sie in einer Vorsorgevollmacht besser formulieren als in einer Generalvollmacht.

Eine Vollmacht ersetzt kein Testament

Viele erstellen eine Vollmacht und sehen dadurch ihren Willen durchgesetzt – den letzten Willen, das Testament, müssen sie dennoch erstellen. Denn eine Vorsorgevollmacht stellt lediglich sicher, dass der Vollmachtgeber betreut wird und seine Entscheidungen durchgesetzt werden, wenn er selbst keine Entscheidungen mehr treffen kann. Ein Testament dagegen ändert die gesetzliche Erbfolge ab. Grundsätzlich kann der Bevollmächtigte natürlich Erbe sein und der Erbe bevollmächtigt werden – beide Vorgänge haben aber nichts miteinander zu tun.

Eine Vorsorgevollmacht ist keine Frage des Alters

Eine Vorsorgevollmacht kann in vielen Lebensbereichen sinnvoll sein – und sie kann in jedem Alter notwendig werden, denn auch ein junger Mensch kann in die missliche Lage geraten, nicht mehr selbst entscheiden zu können. Wenn er dann nicht von einem durch das Gericht bestimmten Betreuer vertreten werden möchte, muss er selbst eine Vorsorgevollmacht an eine Person seines Vertrauens erteilt haben.

Vorsorgevollmacht richtig erstellen und aufbewahren

Eine Vorsorgevollmacht hat weitreichende Auswirkungen - und es gibt zahlreiche Fallstricke dabei. Wenn Sie unsicher sind und keine der Vorlagen aus dem Internet nutzen wollen, dann gehen Sie zu einem Anwalt, der Sie beraten und bei der Erstellung unterstützen kann. Oft trägt die eigene Rechtsschutzversicherung dafür sogar die Kosten!  Denken Sie immer daran: Eine Vorsorgevollmacht ist nur dann sinnvoll, wenn sie im Ernstfall auch aufgefunden wird. Ein sicherer Ort ist zum Beispiel das Zentrale Vorsorgeregister, das bei der Bundesnotarkammer geführt wird. Dort kann jede erteilte Vollmacht registriert werden, per Brief oder über das Internet (www.vorsorgeregister.de). Der entscheidende Vorteil: Vormundschaftsgerichte müssen nicht mehr langwierig nachforschen, sondern können jederzeit über eine Online-Abfrage feststellen, ob bereits eine Vollmacht besteht. Im Schnitt gibt es dort über 20.000 Anfragen im Monat. Über zwei Millionen Vorsorgevollmachten sind bereits registriert. Eine Kopie des Dokuments kann dann bei der betreffenden Vertrauensperson liegen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de