Mischfonds
Thomas Brummer
Thomas Brummer
Mischfonds sollen im Idealfall die Ertragschancen des Aktienmarkts und die Stabilität von Anleihen nutzen.

Flexibel zum Erfolg

Basis einer erfolgreichen Geldanlage ist nicht maximaler Gewinn, sondern die Begrenzung von Verlusten. Wer kein Geld verliert, kann praktisch nur noch gewinnen. Kursverluste wiegen hingegen schwer. Verliert ein Fonds beispielsweise 50 Prozent seines Wertes, benötigt er einen Kursanstieg von 100 Prozent, um den Verlust auszugleichen. Bei einem Verlust von 70 Prozent braucht er bereits 233 Prozent.  

Mischfonds versuchen durch flexibles Portfoliomanagement Verluste so weit wie möglich zu vermeiden. Zugleich verfolgen sie das Ziel möglichst guter Renditechancen. „Ein optimales Portfolio ist eine ausbalancierte Einheit, die gleichermaßen Chancen und Absicherung bietet“, erkannte bereits Nobelpreisträger Harry Markowitz im Jahr 1952. Seine berühmte Portfoliotheorie, nach der die Streuung auf verschiedene Anlageklassen Stabilitäts- und Renditevorteile bringt, ist bis heute gültig. Mischfonds orientieren sich besonders an dieser Theorie.

Vorteile von Mischfonds

  • Gedämmtes Risiko: Im Gegensatz zum Kauf einzelner Wertpapiere, der vergleichsweise hohe Anlagerisiken beinhaltet, verteilt sich das Risiko bei einer Fondsanlage auf viele verschiedene Wertpapiere. Verluste einer Aktie oder Anleihe können durch Gewinne anderer Papiere ausgeglichen werden.
  • Signifikante Kostenvorteile: Für Privatanleger ist es finanziell unattraktiv 50, 60 oder gar 80 Einzelwerte im Depot zu führen, wie es für Investmentfonds üblich ist. Ein Mischfonds kann viele Einzeltitel viel preiswerter verwahren und managen.
  • Hohe Flexibilität: Für Fondsanteile bestehen keine Kündigungsfristen. Sie können börsentäglich ge- und verkauft werden. Der Anlagebetrag ist frei wählbar, häufig gibt es Fondsanteile bereits ab 50 Euro.
  • Know How und Zeitersparnis: Fondsmanager beschäftigen sich im Auftrag der Anleger täglich viele Stunden mit der Börsenentwicklung und den Chancen und Risiken einzelner Wertpapiere. Privatanleger haben weder das Knowhow noch die Zeit dazu.

So funktionieren Mischfonds

Mischfonds arbeiten nach dem Prinzip der Risikostreuung. Das heißt, sie verteilen die Anlegergelder auf chancenreiche Aktien sowie auf sichere Renten- und Geldmarktpapiere. Je nach Marktlage können die Fondsmanager die Zusammensetzung flexibel ändern und so Verluste verhindern bzw. Gewinne sichern. In schlechten Börsenzeiten werden sie Renten-, Geldmarkt- und Immobilienwerte stärker gewichten; in Börsen-Boomphasen Aktientitel. Die Kombination verschiedener Anlageklassen gleicht die Schwankungen der einzelnen Klassen untereinander regelmäßig aus.  

Mischfonds sind quasi eine Art Vermögensverwaltung für den kleinen Mann, weil sie kostengünstig eine hohe Bandbreite von Anlageklassen in einem Portfolio kombinieren. Würden Sie als Privatanleger eine gleich hohe Anzahl von unterschiedlichen Wertpapieren erwerben und sich ins Depot legen, entstünden deutlich höhere Kosten und ein enormer Zeitaufwand. Denn die Papiere müssen ständig beobachtet und verwaltet werden.  

Wichtig ist, dass das Fondsmanagement Umschwünge an den Kapitalmärkten rechtzeitig erkennt und die Fondszusammensetzung entsprechend ändert, damit Verluste vermieden und Gewinnchancen bestmöglich gewahrt werden. Neben diesem, sogenannten Market-Timing entscheidet die Wahl der Anlageklassen über den Erfolg eines Mischfonds. Studien zeigen immer wieder, dass der Erfolg einer Geldanlage vor allem von den gewählten Anlageinstrumenten abhängt – also davon, ob der Fondsmanager Aktien, Anleihen oder Immobilien klug kombiniert. Wobei ein Grundprinzip feststeht: Einen für alle Marktlagen und für jeden Anleger optimalen Mischfonds gibt es nicht.

Welche Kategorien von Mischfonds sind am Markt?

Um bestmögliche Ergebnisse für unterschiedliche Anforderungen zu erzielen, arbeitet die Fondsbranche mit drei Arten von Mischfonds:  

  • Defensive Mischfonds: Die rentenorientierten Fonds setzen vorrangig auf verzinsliche Wertpapiere, der Aktienanteil liegt bei maximal 25 Prozent.
  • Ausgewogene Mischfonds: Diese Fonds halten rund die Hälfte des Fondsvermögens in Aktien und die andere Hälfte in sicheren Anleihen und Geldmarktpapieren.
  • Offensive Mischfonds: Hier investieren die Fondsmanager vorrangig in Aktien, schichten aber bei schlechter Börsenlage so weit möglich in Rentenpapiere um.

 

Defensive Mischfonds:

Defensiv anlegende Mischfonds sind geeignet für konservative Anleger. Die Schwankungsintensität ist gering, ebenso die Verlustwahrscheinlichkeit. Der Anlageschwerpunkt liegt auf verzinslichen Wertpapieren wie Anleihen, Pfandbriefen und Immobilienwerten. Im Schnitt stecken zwei Drittel des Fondsvolumens in sicheren Rentenpapieren, nur etwa ein Viertel fließt in Aktien. Der Aktienanteil kann in ungünstigen Börsenzeiten komplett zurückgefahren werden. Die Renditeaussichten sind geringer als bei ausgewogenen oder offensiven Mischfonds, langfristig können sind etwa drei bis vier Prozent zu erwarten.  

  • Vorteil: Geringe Schwankungen, Chance auf kontinuierliche Wertzuwächse, attraktiver Vermögensparkplatz für vorhandene Vermögen.   
  • Nachteil: Magere Renditechancen in guten Börsenzeiten.  

 

Ausgewogene Mischfonds:

Neutral gewichtete Mischfonds verteilen die Fondsgelder in der Regel ausgewogen auf Aktien, verzinsliche Rentenpapiere und andere gering schwankende Vermögenswerte. Die Gewichtung der Anteilsklassen schwankt je nach Lage an den Finanzmärkten. Bei Börsenturbulenzen wird der Rentenanteil hochgefahren und ein größerer Anteil der Fondsgelder am Geldmarkt geparkt. Läuft die Börse rund, wird verstärkt auf Aktien gesetzt. Die Schwankungsintensität und das Anlagerisiko ausgewogener Fonds sind höher als bei defensiven Fonds, liegen aber unterhalb offensiv ausgerichteter Mischfonds.   Besteht Ihr Anlageziel in Kapitalsicherheit plus einem ordentlichen Schuss Rendite über dem Zinsmarkt, dann sind ausgewogene Mischfonds genau das Richtige für Sie. Langfristig sind vier bis fünf Prozent Rendite realistisch.  

  • Vorteil: Überschaubare Verlustwahrscheinlichkeit; mittelfristig erzielen Sie kontinuierliche Wertzuwächse.
  • Nachteil: In guten Börsenzeiten bleiben die Renditechancen hinter denen offensiv ausgerichteter Fonds und Wertpapiere zurück. Defensive Mischfonds bergen Anlagerisiken, da sie in Minus rutschen können.  

 

Offensive Mischfonds:

Offensiv ausgerichtete Mischfonds versuchen die Renditechancen der Aktienmärkte zu nutzen. Zu diesem Zweck wird überwiegend in Aktien und Aktienfonds investiert, das Restguthaben fließt in Rentenpapiere und Immobilienwerte. Die Gewichtung der Anteilsklassen schwankt je nach Lage an den Börsen. Bei Börsenturbulenzen wird der Aktienanteil verringert, in Haussephasen entsprechend hochgefahren.   Innerhalb der Mischfonds bieten offensive Fonds die höchste Schwankungsintensität und das höchste Risiko. In Ausnahmefällen entwickeln sich offensive Mischfonds wie reine Aktienfonds. Anleger, die vorrangig Kapitalsicherheit wünschen, sind mit diesen Portfolios falsch am Platz. Bei offensiven Mischfonds sollte Ihr Anlageziel klar auf Gewinnmaximierung fokussiert sein. Die Möglichkeit, Teile des Guthabens in Rentenpapiere umzuschichten, ist eine Art Notbremse, um in schlechten Zeiten hohe Kursverluste zu vermeiden. Da aber stets ein gewisser Aktienanteil im Portfolio verbleibt, sind Minuszeichen nie auszuschließen. Langfristig sind fünf bis sieben Prozent Rendite realistisch.  

  • Vorteil: Hohe Renditechance mit kleinem Airbag gegen Kurscrashs. 
  • Nachteil: Keine kontinuierliche Wertsteigerung, hohe Schwankungsintensität, Kursverluste sind möglich. In der Regel höhere Kosten als defensive Fonds.

Kosten und Gebühren

Ausgabeaufschlag: Mischfonds verursachen Anschaffungskosten zwischen drei und sechs Prozent der Anlagesumme. Die Höhe des Ausgabeaufschlags richtet sich stark nach dem Fondskonzept. Als Faustregel gilt: Defensiv ausgerichtete Fonds, die vorrangig auf Rentenwerte setzen, sind kostengünstiger als offensive, aktienorientierte Mischfonds.  

  • Tipp:

    Direktbanken wie ING-DiBa, Comdirect oder Consorsbank sowie freie Fondsvermittler bieten Mischfonds mit Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Üblich sind 25 bis 50 Prozent, in Ausnahmefällen auch bis zu 100 Prozent. 

 


Verwaltungsgebühr: Eine ähnliche Faustregel gilt für die jährlichen Managementgebühren. Wobei hier ganz entscheidend ist, in welche Wertpapiere der Fonds investiert. Als Faustregel gilt: defensive, rentenorientierte Mischfonds kosten häufig 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr; aktienorientierte, offensiv ausgerichtete Mischfonds berechnen zwei Prozent bis drei Prozent.  

Erfolgsabhängige Gebühren: Viele Investmentgesellschaften und Vermögensverwalter verlangen zusätzliche erfolgsabhängige Gebühren. Erreicht der Fonds eine bestimmte Zielrendite, wird von dem Gewinn, der über der Zielrendite liegt, ein Teil als Erfolgsbeteiligung einbehalten.  

  • Tipp:

    Versuchen Sie erfolgsabhängige Gebühren, die sogenannte Performance-Fee, zu vermeiden. Informationen dazu finden Sie im Fondsprospekt.

 

Depotgebühren: Die Kosten für die Aufbewahrung der Fonds werden zwar nicht vom Fonds erhoben, sind für Fondssparer aber oft unvermeidlich. Schließlich müssen die Fondsanteile irgendwo verwahrt werden, und dies geschieht im Bankdepot. Banken berechnen dafür entweder Pauschalgebühren von 20 bis 40 Euro im Jahr oder volumenabhängige Gebühren von 0,1 bis 0,2 Prozent, in seltenen Fällen auch mehr.  

  • Tipp:

    Besitzen Sie bereits Aktien, Anleihen oder Zertifikate, können Sie Fondsanteile in das gleiche Depot einbuchen lassen. Bei pauschalen Depotgebühren erhöhen sich die Kosten dadurch nicht. Viele Banken bieten kostenlose Wertpapierdepots, etwa Consorsbank, DKB und Maxblue. Unter bestimmten Bedingungen verzichten auch 1822 direct, Comdirect und S-Broker auf Depotgebühren.

 

Was passiert bei Pleite einer Fondsgesellschaft?

Rechtlich gesehen sind Sie als Anleger Miteigentümer des Fondsvermögens. Das Fondsvermögen gilt innerhalb der Investmentgesellschaft als Sondervermögen.

Vorteil: Sollte die Fondsgesellschaft in Zahlungsschwierigkeiten geraten, stehen die Fondsgelder nicht zur Disposition. Die Fondsanteile werden an Sie zurückgegeben und Sie können frei darüber verfügen.

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