Elterngeld Sechs Dinge, die Eltern wissen sollten

Elterngeld Sechs Dinge, die Eltern wissen sollten

von Klaus Winter
15.03.2016
Auf einen Blick

So lukrativ das Elterngeld für junge Eltern ist, so voller Fallstricke ist der Antrag, den man stellen muss. Wichtig ist es vor allem, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, was für den eigenen Elterngeldantrag wichtig ist − und entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. Welche Dinge Eltern unbedingt beachten müssen, erfahren Sie hier.

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1. Steuerklassen rechtzeitig wechseln

Die Höhe Ihres Elterngeldes hängt vom Einkommen der letzten zwölf Monate vor Beginn der Mutterschutzfrist ab – und das wird auch durch die Steuerklasse bestimmt. Das bedeutet: Durch einen Steuerklassenwechsel von Klasse V oder IV zu Klasse III erhöhen Sie das relevante Einkommen deutlich – und damit auch Ihr Elterngeld. Dieser kleine Trick ist nach Meinung des Bundessozialgerichts (AZ: B 10 EG 3/08 R und B 10 EG 4/08 R) erlaubt, auch wenn er von den Elterngeldstellen nicht gern gesehen wird. Denken Sie jedoch daran, dass ein Steuerklassenwechsel nur dann wirkt, wenn die günstigere Steuerklasse mindestens sieben von zwölf Monaten vor der Mutterschutzfrist (bei Männern: vor der Geburt) gewählt wurde. Sie müssen den Wechsel also schnellstmöglichst nach Beginn der Schwangerschaft umsetzen – oder am besten schon vorher, wenn ein Kind geplant wird.

2. Nebenjob erhöht das Elterngeld

Für die Berechnung des Elterngeldes zählt das gesamte Einkommen in den letzten zwölf Monaten vor Beginn der Mutterschutzfrist. Dazu gehören auch Zweitjobs, die als Mini-Job oder im Rahmen einer Selbstständigkeit ausgeübt werden. Für die Mutter wird es schon aus gesundheitlichen Gründen in aller Regel keine Option sein, einen zusätzlichen Job aufzunehmen – aber wenn Väter planen, in Elternzeit zu gehen, erhöht ein Zweitjob das Elterngeld massiv.

3. Betriebliche Altersvorsorge im Blick behalten

Wer im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge für eine Zusatzrente spart, wird dafür bei der Elterngeld-Berechnung bestraft. Denn der Teil des Gehalts, der in die betriebliche Altersvorsorge fließt, zählt nicht als Einkommen bei der Elterngeldberechnung. Das hat das Bundessozialgericht (AZ: B 10 EG 9/08 R) entschieden und darauf hingewiesen, dass steuerfreie Einkünfte bei der Berechnung des Elterngelds nicht berücksichtigt werden dürften. Die Beiträge für die betriebliche Altersvorsorge seien aber steuerfrei und können damit nicht berücksichtigt werden. Bei einem Kinderwunsch sollten Eltern also darüber nachdenken, die Zusatzvorsorge auszusetzen, um das Elterngeld nicht unnötig zu schmälern.

4. Clevere Planung bringt mehr Elterngeld

Wenn Eltern ihre Kinder sehr schnell hintereinander bekommen, können Sie in den Genuss einer ganz besonderen Verlängerung des Elterngeldes kommen. Wird nämlich das zweite Kind unmittelbar nach Auslaufen des Elterngeldbezugs für das erste Kind geboren, ist das Elterngeld für das zweite Kind genau so hoch wie für das erste Kind. Der Grund: Zeiten des Elterngeldbezuges werden bei der Einkommensberechnung nicht berücksichtigt. Damit zählt das Einkommen vor der Geburt des ersten Kindes. Ein weiterer Bonus: Das Elterngeld wird zusätzlich noch erhöht um den Geschwister-Bonus: So können zu dem Maximal-Elterngeld von 1.800 Euro nochmals 180 Euro hinzukommen.

5. Variables Gehalt mit einplanen


Oft werden Arbeitnehmern neben dem Fixgehalt variable Gehaltsbestandteile gezahlt. Solche Zahlungen wurden zunächst bei der Bemessung des Elterngeldes nicht berücksichtigt. Das allerdings störte das Bundessozialgericht (AZ: B 10 EG 3/09), das mit seiner Entscheidung dafür gesorgt hat, dass solche Gehaltsbestandteile bei der Elterngeldberechnung mit einfließen. Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld, Provisionen und andere Gratifikationen bleiben jedoch grundsätzlich unberücksichtigt.

Tipp: Wenn möglich, sollten diese Einmalzahlungen arbeitsvertraglich zumindest für die Monate vor der Geburt auf das Gesamtgehalt umgelegt werden. So steigt das regelmäßige Netto-Einkommen – und das Elterngeld fällt entsprechend höher aus.

6. Elterngeld und arbeiten

Wer neben dem Elterngeldbezug arbeiten will, muss genau planen. Denn grundsätzlich bekommen Sie Elterngeld nur dann, wenn Sie neben der Kinderbetreuung nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten – und zwar im Monatsdurchschnitt! Das heißt aber, dass Sie frei wählen können, wie Sie Ihre Arbeitszeit einteilen. Sie können zwei Wochen jeweils 45 Stunden arbeiten und die anderen beiden Wochen ganz frei nehmen – in diesem Fall kommen Sie auf 22,5 Wochenstunden (90 Stunden aus zwei Wochen durch vier Wochen geteilt) und bekommen Elterngeld – wenn auch das Einkommen angerechnet wird.

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