
Schweden
Deutschland
DeutschlandPrivate Banken und Broker rüsten sich für den Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027, das staatliche Standarddepot lässt aber auf sich warten. Berichten zufolge gilt der Starttermin Anfang Januar in Regierungskreisen inzwischen als kaum haltbar. Für Sparerinnen und Sparer heißt das: Zu Beginn fehlt der günstige staatliche Vergleichsmaßstab, an dem sich alle Anbieter messen lassen sollten.
Als der Bundestag im April die Einführung des Altersvorsorgedepots, des Nachfolgers der Riester-Rente als staatlich geförderte private Altersvorsorge, beschlossen hat, war auch ein staatliches Standarddepot fest eingeplant. Doch wenn zum 1. Januar 2027 die neue Form der Altersvorsorge startet, könnten Bürgerinnen und Bürger vergeblich danach suchen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, liegt der Bund deutlich hinter dem Zeitplan zurück. Während bei Banken und anderen Anbietern die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, tut sich beim staatlichen Vorsorgeprodukt wenig.
Ob Altersvorsorge, Geldanlage oder Kredit: Mit dem Biallo-Newsletter bleiben Sie bei allen Finanz-Themen gut informiert. Jetzt anmelden und nichts mehr verpassen!
Das staatliche Standarddepot soll vor allem Menschen als kostengünstiger Vergleichsmaßstab für die vielen privaten Angebote dienen, soweit die Idee. Das Problem liegt in der Umsetzung. Offen ist bislang, welche staatliche Stelle das eingezahlte Kapital anlegen und welche Behörde die Verträge verwalten soll. Im Gespräch sind Institutionen, die bereits für den Staat Geld verwalten: die Deutsche Bundesbank und der Staatsfonds Kenfo, der Milliarden angelegt hat, um die Lagerung von Atommüll zu finanzieren. Beide können Vermögen anlegen. Doch ein Standarddepot stellt andere Anforderungen.
So braucht ein Massenprodukt für Millionen Kunden mehr als Anlagekompetenz. Jeder Kunde benötigt ein eigenes Depot, dazu kommen Kundenservice, Identifizierung, Vertragsverwaltung und IT-Systeme. Für Hunderttausende Kundenkontakte sind weder Bundesbank noch Kenfo gerüstet. Bei einer Vergaben nach außen käme allerdings eine formale Hürde hinzu: Dann wäre nach dem Handelsblatt-Bericht eine europarechtliche Ausschreibung nötig, die Monate dauern würde.
Der Zeitplan selbst dürfte dennoch nicht in Frage stehen. Das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027, ab dann können Anbieter ein kostengünstiges Standarddepot mit einem Effektivkostendeckel von einem Prozent pro Jahr anbieten. Der Bundestag hatte diese Grenze im März 2026 von zuvor geplanten 1,5 Prozent auf ein Prozent gesenkt, um den Verbraucherschutz zu stärken. Ob aber auch das staatliche Standarddepot am 1. Januar startet, lässt das Bundesfinanzministerium offen. In Regierungskreisen rechnet man inzwischen aber damit, dass dies nicht der Fall sein wird.
Für Sparerinnen und Sparer hat das konkrete Folgen. Startet die Reform ohne das Staatsdepot, stehen zum 1. Januar 2027 zunächst nur Angebote privater Banken, Broker, Fondsgesellschaften und Versicherer zur Wahl. Gerade Menschen ohne Kapitalmarkterfahrung müssen sich damit ohne staatlichen Vergleichsmaßstab durch ein breites Angebot navigieren.
Zur Erinnerung: Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente, die als teuer und intransparent galt. Neue Riester-Verträge sind ab 2027 nicht mehr möglich, bestehende laufen unter Bestandsschutz weiter. Genau die Menschen, denen einst teure Riester-Verträge verkauft wurden, weil sie auf Beratung statt auf Eigeninitiative setzten, sollte das staatliche Standarddepot künftig auffangen. Fällt es zum Start weg, fehlt ausgerechnet dieser Gruppe zum Start die einfache Alternative.
Für Sparerinnen und Sparer gilt: Ab dem 1. Januar 2027 lässt sich gefördert im Altersvorsorgedepot anlegen, allerdings zunächst voraussichtlich nur bei privaten Anbietern. Wer bereits Erfahrung am Kapitalmarkt hat und die Kosten selbst prüfen kann, findet auch ohne staatliche Referenz günstige Depots. Wer dagegen eine einfache, geprüfte Standardlösung sucht, dürfte oft besser damit fahren, den Start des Staatsdepots abzuwarten, als sich zum Jahreswechsel in einen teuren Vertrag drängen zu lassen.

Schweden
Deutschland
Deutschland