Die besten Geschäftskonten für Jungunternehmer

Ratgeber der Woche Die besten Geschäftskonten für Jungunternehmer

Update: 31.12.2019
Horst Biallo
von Horst Biallo
Update: 31.12.2019
Auf einen Blick
  • Wer eine Firma gründet, kommt mit einem privaten Girokonto nicht mehr aus.

  • Gründer und Freiberufler haben eine breite Auswahl an günstigen Konten.

  • Reine Online-Konten kosten fast nichts, allerdings fordern Beratung und Bargeld ihren Preis.
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Warum ein Geschäftskonto sinnvoll ist

Wenn Sie ein Unternehmen gründen wollen, sollten Sie sich ein Geschäftskonto zulegen. Dies aus drei Gründen:

  • Das Stammkapital einer UG oder GmbH muss auf ein separates Konto fließen.
  • "Normale" Girokonten bei Geschäfts- und Direktbanken sind nur für den privaten Zahlungsverkehr gedacht und werden Ihnen im anderen Fall gekündigt.
  • Das Finanzamt sollte bei einer Prüfung nur in Ihre geschäftlichen Vorgänge Einblick erhalten, nicht aber in Ihre privaten Dinge.

Das "richtige" Geschäftskonto zu finden ist im Grunde viel einfacher als ein privates Girokonto, einfach deswegen, weil die Auswahl deutlich geringer ist.

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Anbieter
monatliche Grundgebühr
 
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Privatkonto und Geschäftskonto – der Unterschied

Das Girokonto, das man für seine privaten Dinge braucht, unterscheidet sich in der Funktion nicht von einem Businesskonto: Sie überweisen Beträge, freuen sich über hereinkommende Zahlungen, legen Daueraufträge an, holen Bargeld ab oder zahlen welches ein. Beide unterscheidet in der Praxis die Anzahl der Geschäftsvorfälle.

Und noch eines: Geschäftskonten waren bisher deutlich teurer. Das ändert sich gerade. Fintechs wie Penta, Holvi oder N26 sind mit Geschäftskonten ohne monatliche Grundgebühr unterwegs. Und deren Konten sind in einer Viertelstunde eröffnet. Da wird sich so manche Sparkasse zweimal überlegen, ob sie weiter an der Gebührenschraube für Businesskonten dreht oder potentielle Kunden mit langen Wartezeiten langweilt.

Aber: Ein Konto, das schnell eröffnet ist, muss nicht besser sein als eines, welches mehr Zeit benötigt, bis es läuft. Und wenn man ganz genau hinschaut, leistet ein Geschäftskonto von N26 nicht mehr als jedes andere einer beliebigen Sparkasse!!!

Deren Marketing ist nur viel pfiffiger. Lassen Sie sich bitte nichts vormachen. Das gilt übrigens auch für so manche Zusatzfunktionen, die die Fintech-Unternehmen anbieten, wie z. B. das Zusammenspiel von Banking und Buchhaltungs-Software. Was da als technische Errungenschaft angepriesen wird, gibt es seit mehr als 20 Jahren und ist einfach Standard. Für das Lesen dieses Textes brauchen Sie maximal 20 Minuten und wissen dann Bescheid.

In vier Schritten zum richtigen Konto

Lassen Sie uns die nächsten Fragen gemeinsam beantworten:

  1. Möchten Sie als Unternehmer/in eine/n Ansprechpartner der Bank vor Ort haben und wickeln einen Teil Ihres Geschäfts auch noch bar ab?

  2. Bargeld spielt noch eine Rolle, Sie legen aber vor allem Wert auf eine preiswerte und schlanke Banking-Lösung?

  3. Ist Ihr Geschäftsmodell rein Online-basiert, bieten Fintechs attraktive Lösungen an. Einige davon bieten Zusatzleistungen wie Buchhaltungssoftware, die für Sie als Unternehmer interessant sein können.

  4. Zuletzt erfahren Sie, was Sie für die Konto-Eröffnung benötigen.

Beratung und Bargeld kosten ihren Preis

Im Vergleich zu anonymen Internetbanken, die für Sie nur günstig den Zahlungsverkehr abwickeln, können Banken und Sparkassen mit ihren Firmenkunden-Beratern viel mehr. Sie verhelfen Ihnen beispielsweise zu KfW-Krediten oder Zuschüssen, die gerade in der Gründungsphase oft sehr wichtig sind. Oder sie vergeben eigene Darlehen, die Sie für Ihre geschäftliche Expansion brauchen.

Wenn Sie beispielsweise eine neue Boutique aufmachen, werden viele Ihrer Kunden die Klamotten zwar mit der Girocard oder einer Kreditkarte zahlen, aber eben viele auch in bar. Dieses Geld werden Sie abends loswerden wollen. In diesem Fall kommen Sie an einer regionalen oder überregionalen Bank oder Sparkasse kaum vorbei.

Wer als Bank Berater vor Ort für seine Kunden vorhält und das Bargeldgeschäft abwickelt, hat eine andere Kostenstruktur als eine reine Internetbank. Das schlägt sich dann natürlich auch in den Preisen nieder.

Das zeigen die drei folgenden typischen Beispiele von Geschäftskonten regional tätiger Geldhäuser:

  • Die Stadtsparkasse München nimmt das günstigste Konto, das "Geschäftskonto Klassik", immerhin 8,20 Euro im Monat. Jeder Buchungsposten wird mit 62 Cent berechnet. Hinzu kommen 11 Cent für jede Online-Buchung, 1,55 Euro für Überweisung im SB-Center oder am Telefon, 1,03 Euro ab der 4. Einzahlung von Banknoten am Automaten, 62 Cent für Banknoten-Auszahlungen am Automaten und zehn bis 50 Cent je Rolle an Geldmünzen

  • Die Bremische Volksbank verlangt 12,90 Euro im Monat für ihr günstigstes Businesskonto, das "Business 25". Hinzu addieren sich 15 Cent für jede Online-Buchung, 38 für jede beleglose Buchung (am SB-Automaten) und 2,50 Euro für Bargeld- Ein- und Auszahlungen per SafeBag an der Kasse. Bargeldein- und Auszahlungen am Automaten sind hingegen kostenlos.

  • Bei der Commerzbank kostet das günstigste "Klassik Konto" 9,90 Euro im Monat. Nach zehn gebührenfreien Online-Überweisungen im Monat fallen 15 Cent je Stück an. Bargeldein- und Auszahlungen an Automaten kosten 1,00 Euro. Wer Münzen an der Kasse zahlt, zahlt 2,50 Euro je Auftrag.

Die Preise der überregionalen Anbieter wie Deutsche Bank, und Targo Bank, Hypovereinsbank, Postbank und Commerzbank sind bundesweit einheitlich. Unterschiedlich hoch sind die Gebühren von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, da alle rechtlich selbstständige Institute sind.

Diese bieten unterschiedliche Kontomodelle, die nach diesem Muster aufgebaut sind:

  • niedriger Monatspreis bei wenigen Kontobewegungen, aber zum hohen Stückpreis
  • mittlerer Monatspreis bei mehr Kontobewegungen zum geringeren Preis je Buchung
  • hoher Monatspreis bei sehr vielen Kontobewegungen zum niedrigen Preis je Posten.

Oder es werden je nach Kontomodell unterschiedlich viele Freiposten angeboten, bis eine Berechnung einsetzt. Dafür ist die Grenke Bank ein gutes Beispiel:

Kontomodell:

Business

Business Professionell

Business Premium

Monatspreis

0,00 Euro

7,90 Euro

14,90 Euro

Kostenlose Buchungs-posten/ Monat

20 dann 0,10 Euro

100 dann 0,10 Euro

200 dann 0,10 Euro

Sollzins

8,90 Prozent

7,90 Prozent

6,90 Prozent

Mastercard inklusive?

nein

Standard

Gold

Bargeld und Beratung plus attraktive Preise

Fyrst ist eine Digitalbank für Gründer, Freiberufler und Selbstständige. Dieser Geschäftsbereich der Postbank ist ein attraktives Mittelding zwischen etablierter Banken und den Fintechs, die wir gleich vorstellen werden.

Das heißt in der Praxis: Preise, Geschwindigkeit, Tools sind Fintech, also schnell und günstig. Bargeldein- und Auszahlung an bis zu 10.000 Stellen deutschlandweit und qualifizierter Support durch ausgebildete Banker via Mail oder Telefon sind solides, etabliertes Banking.

Das Konto BASE kostet 0,00 Euro und beinhaltet u.a. 50 kostenlose Buchungsposten pro Monat. 75 kostenlose sind es beim Modell COMPLETE für 10,00 Euro im Monat. Zudem werden hier voll digital abschließbare Kredite ab 1,59 Prozent (!) im Jahr angeboten.

Fintechs: Günstiger Zahlungsverkehr – und sonst?

Die nachfolgenden Anbieter von Geschäftskonten bieten wie Fyrst zumindest ein Konto für den Zahlungsverkehr von Freiberuflern und Selbstständigen ohne monatliche Grundgebühr an. Kostenlos sind sie dennoch nicht. Denn diese Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern ja auch Gehälter zahlen und diese fallen nicht vom Himmel.

Die meisten bieten eine bestimmte Anzahl von Buchungen pro Monat, für die keine Gebühren anfallen. Aber fast alle anderen Dinge kosten je nach Kontomodell unterschiedlich viel Geld. Das gilt für:

  • Bargeldauszahlungen
  • Bargeldeinzahlungen (wenn überhaupt möglich)
  • Girocard
  • Kreditkarte
  • Überweisungen ins Ausland.

Wir stellen Ihnen nun die wichtigsten Player und ihre Stärken und Schwächen vor, damit Sie vor der Nutzung unseres Vergleichs eine Vorentscheidung treffen können. Zudem werden wir jedes dieser Unternehmen ausführlich portraitieren, damit Sie sich ein noch genaueres Bild machen können.

Penta - ohne Bargeldeinzahlungen und Kredite

Bei Penta ist uns der superschnelle Kontoeröffnungsprozess positiv aufgefallen. In gut zehn Minuten war alles erledigt. Willkommen sind auch juristische Personen wie UGs oder GmbHs. Es gibt drei Konten für 0,00 sowie 9,00 und 19,00 Euro im Monat. Je teurer das Konto ist, desto mehr Leute aus dem Unternehmen können es nutzen.

Schwächen: Man kann kein Bargeld einzahlen, es gibt keine Lastschrifteinzüge und auch keinerlei Kredite. Und wenn man den Chat am Sonntag-Mittag ausprobiert, der angeblich rund um die Uhr funktionieren soll, passiert nichts.

Revolut - Mit vielen Einschränkungen

Dieses englische Unternehmen bietet ähnlich wie Penta drei Kontomodelle mit unterschiedlichen Monatspreisen an:

  • Standard für 0,00 Euro
  • Premium für 7,99 Euro
  • Metal für 13,99 Euro.

Dieser Anbieter versteckt leider seine Preise und ist nur schwer zu erreichen. Im Standard Paket sind auch nur fünf freie Posten enthalten, danach werden 20 Cent für jede Buchung berechnet. Bargeldeinzahlungen sind nirgendwo möglich. Je nach Modell sind nur 200, 400 oder 600 Euro im Monat kostenlos abzuheben. Revolut ist sicher eines der unattraktivsten Fintech-Offerten.

Holvi – Banking pur für wenig Geld

Deutlich attraktiver sind die Offerten dieses Anbieters. Beim Kontomodell "Builder" ohne monatliche Grundgebühr sind sämtliche Sepa-Überweisungen ohne Einschränkungen kostenlos. Zudem gibt es eine gebührenfreie Mastercard. Die sehr weit verbreitete Buchhaltungssoftware "Lexware" kann man mit seinem Konto synchronisieren. Das geht übrigens auch mit jeder anderen Online-Banking-Software. Bargeldabhebungen sind mit 2,5 Prozent jedoch vergleichsweise teuer.

N26 – Transparenz sieht anders aus

Dieses Unternehmen spricht auf seiner Internetseite von Transparenz. Doch viel mehr als dass ein Businesskonto 0,00 Euro kostet und ein besser ausgestattetes 9,90 Euro ist nicht zu erfahren. Nur eines teilt man den Interessenten mit: "Mit deiner N26 Business Mastercard kannst du weltweit gebührenfrei bezahlen und in der Eurozone kostenlos Geld abheben.

So bleibst auch flexibel, wenn du mal einen Auftrag im Ausland hast." Ob es andere Kosten gibt und wenn welche, darüber schweigt sich N26 aus. Transparenz sieht anders aus. Zudem kann eine juristische Person hier kein Konto eröffnen.

Kontist – einfach und preiswert

Im Gegensatz zu N26 bietet dieses Unternehmen sehr schön übersichtlich seine Preisstruktur an. Das "Kontist Free" ohne monatliche Grundgebühr enthält sämtliche Online-Überweisungen und eine virtuelle Mastercard. Im Paket "Kontist Premium" ist dagegen auch ein physische Kreditkarte enthalten und eine Anbindung an die Buchhaltungs-Software Lexware. Das ist eigentlich bei jeder normalen Banking-Software Standard. Bargeldabhebungen kosten 2,00 Euro. Akzeptiert werden nur Freiberufler und Selbstständige, keine juristischen Personen wie UGs oder GmbHs.

Fidor – Bares lieber nicht

Diese Bank belohnt Aktivitäten. Das Geschäftskonto kostet zunächst einmal 5,00 Euro im Monat. Aber ab der 11. Transaktion fallen die fünf Euro wieder weg. So viele Aktivitäten sollten bei einem Geschäftskonto schon drin sein. Die Debit Mastercard ist auch gebührenfrei. Und Bargeld gibt es bei 12.000 Einzelhändlern mit der Debitcard.

Der Dispo ist mit 12,5 Prozent sehr teuer. Bareinzahlungen bei ausgesuchten Einzelhändlern sind möglich. Aber nur die ersten 100 Euro kosten nichts, danach 1,99 Prozent des Betrages. Und nur die erste Bargeldauszahlung beim Händler ist frei, jede weitere kostet 3,00 Euro.

Die Eröffnung eines Geschäftskontos

Ganz gleich, ob Sie ein Konto bei der Deutschen Bank, einer Sparkasse oder einem Fintech eröffnen: Sie müssen je nach Gesellschaftsform die gleichen Dinge vorlegen. Welche das sind, zeigt Ihnen die nachfolgende Übersicht. Nur die Geschwindigkeit bei der Kontoeröffnung ist unterschiedlich.

Dass man heute aufgrund der Technik und schlanker Prozesse ein Konto in einer Viertelstunde eröffnen kann, ist zwar einerseits klasse. Aber Geschwindigkeit allein ist auch nicht alles. Denn wie wir gesehen haben, gibt es bei den Sprinter-Banken keine Beratung, keine Darlehen, kein Cash-Management.

Wenn Sie aber als Gründer ohne dies alles auskommen, sind Sie dort gut aufgehoben, zumal in der Anfangszeit das Geld sicher eher knapp ist.

Diese Unterlagen müssen Sie für die Kontoeröffnung haben:

Rechtsform

Personal-ausweis

Gewerbe-Anmeldung

Handelsregister-

Auszug

Gesellschafts-Vertrag

Freiberufler/in

ja

     

Kleingewerbe

ja

ja

   

GbR

ja, alle

ja

 

ja

Personenges. OHG, KG

ja, alle

ja

ja

ja plus Liste der Gesellschafter

Kapitalges. UG, GmbH

ja

ja

ja

Ja plus Liste der Gesellschafter

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Horst Biallo
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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de

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