Ratgeber der Woche

Die besten Geschäftskonten für Jungunternehmer

Update: 11.09.2020
Auf einen Blick
  • Wer eine Firma gründet, kommt mit einem privaten Girokonto nicht mehr aus.

  • Gründer und Freiberufler haben eine breite Auswahl an günstigen Konten.

  • Reine Online-Konten kosten fast nichts, allerdings fordern Beratung und Bargeld ihren Preis.
Selbständige und Gründer haben gut lachen. Sie sind die neue Zielgruppe der etablierten Banken und jungen Fintechs.
GaudiLab / shutterstock.com

Wenn Sie ein Unternehmen gründen wollen, sollten Sie sich ein Geschäftskonto zulegen – das ist aus drei Gründen sinnvoll:

  • Das Stammkapital einer UG oder GmbH muss auf ein separates Konto fließen.
  • "Normale" Girokonten bei Geschäfts- und Direktbanken sind nur für den privaten Zahlungsverkehr gedacht und werden Ihnen im anderen Fall gekündigt.
  • Das Finanzamt sollte bei einer Prüfung nur in Ihre geschäftlichen Vorgänge Einblick erhalten, nicht aber in Ihre privaten Dinge.

Das "richtige" Geschäftskonto zu finden ist im Grunde viel einfacher als ein privates Girokonto – einfach deswegen, weil die Auswahl deutlich geringer ist.

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Privatkonto und Geschäftskonto – der Unterschied

Das Girokonto, das man für seine privaten Dinge braucht, unterscheidet sich in der Funktion nicht von einem Businesskonto: Sie überweisen Beträge, freuen sich über hereinkommende Zahlungen, legen Daueraufträge an, holen Bargeld ab oder zahlen welches ein. Beide unterscheidet in der Praxis die Anzahl der Geschäfts- oder Buchungsvorgänge.

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Und noch etwas: Geschäftskonten waren bisher deutlich teurer. Das hat sich mittlerweile geändert. Fintechs wie Fyrst, Holvi, Kontist oder N26 sind mit Geschäftskonten ohne monatliche Grundgebühr unterwegs. Deren Konten sind online schnell eröffnet. Da wird sich so manche Sparkasse zweimal überlegen, ob sie weiter an der Gebührenschraube für Businesskonten dreht oder potentielle Kunden mit langen Wartezeiten langweilt. 

Aber: Ein Konto, das schnell eröffnet ist, muss nicht besser sein als eines, das mehr Zeit benötigt, bis es läuft. Und – wenn man ganz genau hinschaut – leistet ein Geschäftskonto von N26 zum Besiepiel auch nicht mehr als jedes andere einer beliebigen Sparkasse. Deren Marketing ist nur deutlich pfiffiger. Dennoch: Lassen Sie sich bitte nichts vormachen. Das gilt übrigens auch für so manche Zusatzfunktionen, welche die Fintech-Unternehmen anbieten, wie beispielsweise das Zusammenspiel von Banking und Buchhaltungs-Software. Was als neue technische Errungenschaft angepriesen wird, gibt es seit mehr als 20 Jahren und ist längst Standard.

Lesen Sie auch: Unseren Ratgeber zu Girokonten ohne Kontoführungsgebühren

Rechner girobusiness
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Anbieter
monatliche Grundgebühr
 
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In vier Schritten zum richtigen Konto

Diese vier Fragen sollten Sie sich stellen, um das richtige Geschäftskonto auszuwählen:

  1. Möchten Sie als Unternehmer einen Ansprechpartner der Bank vor Ort haben und wickeln einen Teil Ihres Geschäfts auch noch bar ab?

  2. Bargeld spielt noch eine Rolle, Sie legen aber vor allem Wert auf eine preiswerte und schlanke Banking-Lösung?

  3. Ist Ihr Geschäftsmodell rein online-basiert, bieten Fintechs attraktive Lösungen an. Einige davon bieten Zusatzleistungen wie Buchhaltungssoftware, die für Sie als Unternehmer interessant sein können.

  4. Zuletzt erfahren Sie, was Sie für die Kontoeröffnung benötigen.

Beratung und Bargeld kosten ihren Preis

Im Vergleich zu anonymen Internetbanken, die für Sie nur günstig den Zahlungsverkehr abwickeln, können Banken und Sparkassen mit ihren Firmenkunden-Beratern doch ein bisschen mehr leisten. Sie verhelfen Ihnen zum Beispiel zu KfW-Krediten oder Zuschüssen, die gerade in der Gründungsphase oft sehr wichtig sind. Oder sie vergeben eigene Darlehen, die Sie für Ihre geschäftliche Expansion brauchen.

Wenn Sie beispielsweise eine Boutique eröffnen, werden viele Ihrer Kunden die Kleidungsstücke zwar mit der Girocard oder einer Kreditkarte zahlen, aber eben einige auch immer noch in bar. Dieses Bargeld werden Sie am Abend, nach Geschäftsschluss, sicher bei einem Geldinstitut einzahlen wollen. In diesem Fall kommen Sie an einer regionalen oder überregionalen Bank oder Sparkasse kaum vorbei.

Eine Bank, die vor Ort Kundenberater beschäftigt und auch das Bargeldgeschäft abwickelt, hat eine andere Kostenstruktur als eine reine Internetbank. Das schlägt sich dann natürlich auch in den Preisen nieder. Dies zeigen drei typische Beispiele von Geschäftskonten regional tätiger Geldhäuser:

  • Die Stadtsparkasse München nimmt für das günstigste Konto, das "Geschäftskonto Klassik", immerhin 8,20 Euro im Monat. Jeder Buchungsposten wird mit 62 Cent berechnet. Hinzu kommen elf Cent für jede Online-Buchung, 1,55 Euro für Überweisung im SB-Center oder am Telefon, 1,03 Euro ab der vierten Einzahlung von Banknoten am Automaten, 62 Cent für Banknoten-Auszahlungen am Automaten und zehn bis 50 Cent je Rolle Geldmünzen.

  • Die Bremische Volksbank verlangt 8,90 Euro im Monat für ihr günstigstes Businesskonto, das "Business Klassik". Hinzu addieren sich 20 Cent für jede Online-Buchung, 50 Cent für jede beleglose Buchung (am SB-Automaten) und 2,50 Euro für Bargeldein- und -auszahlungen per SafeBag an der Kasse. Bargeldein- und Auszahlungen am Automaten sind hingegen kostenlos.

  • Bei der Commerzbank kostet das günstigste "Klassik Konto" die ersten sechs Monate null Euro, danach werden 9,90 Euro im Monat berechnet. Nach zehn gebührenfreien Online-Überweisungen im Monat fallen 15 Cent je Stück an. Bargeldein- und Auszahlungen an Automaten kosten 1,00 Euro. Wer Münzen an der Kasse zahlt, zahlt 2,50 Euro je Auftrag.

Die Preise von überregionalen Anbieter wie Deutsche Bank, Targo Bank, Hypovereinsbank, Postbank und Commerzbank sind bundesweit einheitlich. Unterschiedlich hoch sind die Gebühren von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, da alle rechtlich selbstständige Institute sind.

Diese bieten unterschiedliche Kontomodelle, die nach dem folgenden Muster aufgebaut sind:

  • niedriger Monatspreis bei wenigen Kontobewegungen, aber zum hohen Stückpreis
  • mittlerer Monatspreis bei mehr Kontobewegungen zum geringeren Preis je Buchung
  • hoher Monatspreis bei sehr vielen Kontobewegungen zum niedrigen Preis je Posten.

Oder es werden – je nach Kontomodell – unterschiedlich viele Freiposten angeboten, bis eine Berechnung einsetzt.Dafür ist die Grenke Bank ein gutes Beispiel:

Kontomodell:

Business

Business Professionell

Business Premium

Monatspreis

0,00 Euro

7,90 Euro

14,90 Euro

Kostenlose Buchungsposten / Monat

50 – dann 0,10 Euro

100 – dann 0,10 Euro

200 – dann 0,10 Euro

Sollzins

8,90 Prozent

7,90 Prozent

6,90 Prozent

Mastercard inklusive?

im 1. Jahr kostenlos, danach ab 3.000 Euro Jahresumsatz kostenfrei

Standard

Gold

Lesen Sie auch: Firmenkreditkarte – ideal für Ihre Geschäftsausgaben

Bargeld und Beratung plus attraktive Preise

Fyrst ist eine Digitalbank für Gründer, Freiberufler und Selbstständige. Dieser Geschäftsbereich der Postbank ist eine attraktive Mischung aus etablierter Bank und Fintech. Das heißt in der Praxis: Preise, Geschwindigkeit, Tools sind Fintech – also schnell und günstig. Bargeldein- und -auszahlung an bis zu 10.000 Stellen deutschlandweit und qualifizierter Support durch ausgebildete Banker via Mail oder Telefon sind solides, etabliertes Banking.

Das Kontomodell BASE kostet 0,00 Euro und beinhaltet unter anderem 50 kostenlose Buchungsposten pro Monat. 75 kostenlose Buchungsposten sind es beim Modell COMPLETE für 10,00 Euro im Monat. Außerdem bietet Fyrst voll digital abschließbare Kredite ab 1,59 Prozent im Jahr angeboten.

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Fintechs: Günstiger Zahlungsverkehr – und sonst ?

Die nachfolgenden Anbieter von Geschäftskonten bieten – wie Fyrst – zumindest ein Konto für den Zahlungsverkehr von Freiberuflern und Selbstständigen ohne monatliche Grundgebühr an. Ganz kostenlos sind sie dennoch nicht, denn jede Gehaltszahlung an Mitarbeiter beispielsweise wird als einzelner Buchungsposten erfasst.

Die meisten Fintechs bieten eine bestimmte Anzahl kostenfreier Buchungen pro Monat. Aber fast alle anderen Dinge kosten – je nach Kontomodell – unterschiedlich viel Geld. Das gilt für:

  • Bargeldauszahlungen
  • Bargeldeinzahlungen (wenn überhaupt möglich)
  • Girocard
  • Kreditkarte
  • Überweisungen ins Ausland.

Wir stellen Ihnen nun die wichtigsten Player mit ihren Stärken und Schwächen vor, damit Sie sich vor der Nutzung unseres Vergleichs ein genaueres Bild von den einzelnen Unternehmen machen und so schon eine Vorentscheidung treffen können.

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Fidor – aktive Nutzung zahlt sich aus

Diese Bank belohnt Aktivitäten. Das Geschäftskonto Fidor "Smart"  kostet zunächst einmal 5,00 Euro im Monat. Aber ab der elften Transaktion fallen die fünf Euro wieder weg. So viele Aktivitäten sollten bei einem Geschäftskonto schon drin sein. Die digitale Debit Mastercard ist gebührenfrei, die physische Karte kostet allerdings 36 Euro im Jahr. Bargeld gibt es mit der Debitcard bei 12.000 Einzelhändlern. Der Dispo ist mit 12,5 Prozent sehr teuer. Bareinzahlungen bei ausgesuchten Einzelhändlern sind möglich. Aber nur die ersten 100 Euro kosten nichts – danach 1,99 Prozent des Betrages. Und nur die erste Bargeldauszahlung beim Händler ist frei, jede weitere kostet 3,00 Euro.

Holvi – Banking pur für wenig Geld

Auch dieses Fintech bietet attraktive Business-Kontomodelle: Beim Holvi "Starter"  ohne monatliche Grundgebühr sind sämtliche Sepa-Überweisungen ohne Einschränkungen kostenlos. Zudem gibt es eine gebührenfreie Holvi Business Mastercard (Debitkarte) und auch juristische Personen können hier ein Konto eröffnen. Zudem ist die recht weit verbreitete Buchhaltungssoftware "Lexoffice" kostenfrei integriert – man kann sie mit dem Konto synchronisieren. Das geht übrigens auch mit jeder anderen Online-Banking-Software. Bargeldabhebungen sind mit 2,5 Prozent vom Abhebebetrag jedoch vergleichsweise teuer.

Kontist – einfach und preiswert

Dieses Fintech-Unternehmen bietet eine übersichtliche Preisstruktur an. Das "Kontist Free" ohne monatliche Grundgebühr enthält sämtliche Online-Überweisungen und eine virtuelle Mastercard. Im Paket "Kontist Premium" für 9,00 Euro im Monat ist dagegen auch ein physische Kreditkarte enthalten und eine Anbindung an die Buchhaltungs-Software Lexoffice. Das ist eigentlich bei jeder normalen Banking-Software Standard. Bargeldabhebungen kosten 2,00 Euro. Akzeptiert werden nur Freiberufler und Selbstständige, keine juristischen Personen wie UGs oder GmbHs.

N26 – in Deutschland Bargeld besser nicht

Das Berliner Fintech bietet Freelancern und Selbstständigen das Kontomodell N26 Business zu monatlich 0,00 Euro. Hier sind alle Online-Buchungsposten kostenfrei und es ist eine kostenlose MasterCard Debit dabei. Mit dieser lässt sich weltweit gebührenfrei bezahlen und an Geldautomaten außerhalb Deutschlands kostenfrei Bargeld abheben. Innerhalb Deutschlands sind nur drei Auszahlungen monatlich kostenfrei – jede weitere kostet 2,00 Euro. Daneben gibt es noch die etwas umfangreicher ausgestatteten Kontomodelle N26 Business You für 9,90 Euro und N26 Business Metal für 16,90 Euro im Monat. Eine juristische Person kann hier kein Konto eröffnen. 

Revolut – mit vielen Einschränkungen

Das englische Unternehmen bietet vier Kontomodelle mit unterschiedlichen Monatspreisen an:

  • Free für 0,00 Euro...

  • Grow für 25,00 Euro
  • Scale für 100,00 Euro
  • und Enterprise – hier wird der Preis individuell vereinbart.

Dieser Anbieter versteckt leider seine Preise und ist nur schwer zu erreichen. Im Standard Paket mit der kostenfreien Mastercard-Debit sind nur fünf freie Posten enthalten, danach werden 20 Cent für jede Buchung berechnet. Bargeldeinzahlungen sind nirgends möglich. Bargeld abheben kostet 2,00 Prozent. Revolut ist sicher eine der unattraktivsten Fintech-Offerten.

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Rechner giroonline
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Online-Girokonto
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00 €
Sofortdispo 6,65%
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2.
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Sofortdispo 6,99%
0,00 €
ING
3.
0,00 €
Sofortdispo 7,25%
0,00 €


Die Eröffnung eines Geschäftskontos

Ganz gleich, ob Sie ein Konto bei der Deutschen Bank, einer Sparkasse oder einem Fintech eröffnen: Sie müssen je nach Gesellschaftsform die gleichen Belege und Unterlagen vorlegen. Welche das sind, zeigt Ihnen die nachfolgende Übersicht. Nur die Geschwindigkeit bei der Kontoeröffnung ist unterschiedlich.

Dass man heute aufgrund der Technik und schlanker Prozesse ein Konto in einer Viertelstunde eröffnen kann, ist zwar einerseits klasse. Aber Geschwindigkeit allein ist auch nicht alles. Denn wie wir gesehen haben, gibt es bei den Sprinter-Banken keine Beratung, keine Darlehen, kein Cash-Management.

Wenn Sie aber als Gründer ohne dies alles auskommen, sind Sie dort gut aufgehoben, zumal in der Anfangszeit das Geld sicher eher knapp ist. Diese Unterlagen müssen Sie für die Kontoeröffnung parat haben:

Rechtsform

Personal-ausweis

Gewerbe-Anmeldung

Handelsregister-

Auszug

Gesellschafts-Vertrag

Freiberufler/in

ja

Kleingewerbe

ja

ja

GbR

ja, alle

ja

ja

Personenges. OHG, KG

ja, alle

ja

ja

ja plus Liste der Gesellschafter

Kapitalges. UG, GmbH

ja

ja

ja

Ja plus Liste der Gesellschafter




  Horst Biallo


 
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