Kreditzinsen legen Verschnaufpause ein

Verbraucherdarlehen Kreditzinsen legen Verschnaufpause ein

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
12.11.2018
Auf einen Blick
  • Nach dem Jahreshoch von Anfang Oktober haben die Kreditzinsen zuletzt eine kleine Verschnaufpause eingelegt.

  • Laut Biallo-Ratenkredit-Index wird für ein Darlehen mit dreijähriger Laufzeit aktuell ein durchschnittlicher effektiver Jahreszins von 5,35 Prozent berechnet (Anfang Oktober: 5,36 Prozent).

  • Im historischen Vergleich ist das Zinsniveau nach wie vor günstig. Unser Ratenkredit-Vergleich zeigt: Bei den Top-Anbietern liegen die Zinsen mehr als drei Prozentpunkte unter dem Branchendurchschnitt.

  • Lassen Sie sich nicht von Schaufensterzinsen blenden! Für einen objektiven Vergleich sollten Sie nicht den Sollzins, sondern immer den Effektivzins heranziehen.
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Die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist Gift für Sparer – für Kreditnehmer allerdings ein Segen. Denn die historisch niedrigen Leitzinsen wirken sich positiv auf die Kreditzinsen aus.

Zwar haben die Zinsen für Verbraucherdarlehen seit Jahresanfang um rund 30 Basispunkte angezogen, im historischen Vergleich sind Ratenkredite aber nach wie vor günstig. Laut Biallo-Ratenkredit-Index – einer Zusammenschau von knapp 100 Kreditangeboten – liegen die Effektivzinsen für einen Ratenkredit mit einer Laufzeit von 48 Monaten derzeit im Schnitt bei 5,39 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren mussten Verbraucher noch gut 3,5 Prozentpunkte mehr bezahlen, nämlich knapp neun Prozent. Der EZB-Leitzins lag damals bei vier Prozent.

Kreditzinsen: Vergleichen und günstigste Zinsen sichern

Der Unterschied wird nicht nur im historischen Vergleich deutlich. Auch zum jetzigen Zeitpunkt klafft die Schere bei den Kreditzinsen der einzelnen Anbieter weit auseinander. Deshalb sollten Sie vor einer Kreditaufnahme die Angebote genau vergleichen.

Oft ist es sogar so, dass die Konditionen bei ein und derselben Bank unterschiedlich ausfallen können: So kostet der Kredit in der Filiale oft mehr als beim Online-Auftritt. Auch innerhalb einer Bankengruppe können die Zinssätze von Region zu Region abweichen. Deshalb sollten Sie die Angebote immer online vergleichen.

Unser Ratenkredit-Vergleich zeigt: Die Top-Anbieter bieten deutlich bessere Konditionen als der Durchschnitt. Bei einer Laufzeit von vier Jahren und einer Kreditsumme von 10.000 Euro gibt es bereits Zinsangebote von zwei Prozent und sogar darunter – so zum Beispiel bei Deutscher Skatbank (ab 0,97 Prozent effektiv pro Jahr) und 1822 Direkt (ab 1,97 Prozent effektiv pro Jahr). Bei den genannten Kreditinstituten sind die Zinsen allerdings bonitätsabhängig. Das bedeutet, den Top-Zins erhalten nur Kreditnehmer mit bester Bonität (siehe auch bonitätsabhängige Kreditzinsen).

Zwei-Drittel-Zins (auch 2/3-Zinssatz): Das sollten Sie beachten

Lassen Sie sich nicht von sogenannten Schaufensterzinsen blenden. Das sind die Zinsen, welche oft als Lockangebot ausgewiesen werden. So heißt es bei vielen Kreditangeboten zum Beispiel "Zinsen ab". Stellen Sie dann eine konkrete Kreditanfrage, fällt der tatsächliche Zins oft deutlich höher aus. Zwar sind Kreditinstitute seit 2010 verpflichtet, immer auch den sogenannten Zwei-Drittel-Zins anzugeben – also den Zins, den zwei Drittel der Kunden bei dem betreffenden Geldhaus erhalten.

Allerdings kritisieren Verbraucherschützer, dass der Zwei-Drittel-Zinssatz bei manchen Vergleichsportalen oder Einzelangeboten zum Teil nur versteckt oder mit Sternchen-Hinweis ausgewiesen wird. Zudem ist für den Verbraucher nicht ersichtlich, welche Daten bei der Ermittlung des Zwei-Drittel-Zinses herangezogen wurden. Hier hat der Kreditgeber nämlich Spielraum.

Wenn eine Bank zum Beispiel mit einem Möbelhaus oder Elektromarkt kooperiert und häufig eine Null-Prozent-Finanzierung vergibt, dann fließen diese Nullzinsen auch in die Berechnung des Zwei-Drittel-Zinses mit ein. So kann der Zwei-Drittel-Zins optisch fiel niedriger ausfallen, als er eigentlich ist.

Biallo-Tipp

In unserem Vergleich wird bei Krediten mit bonitätsabhängigen Zinsen (siehe nächster Punkt) die Sortierung immer nach dem Zwei-Drittel-Zins ausgespielt. Dieser wird transparent dargestellt. Somit wird die Trefferanzeige nicht verzerrt und Sie erhalten einen wirklich objektiven Vergleich.

Für den Verbraucher hat der Zwei-Drittel-Zins ohnehin nur wenig Aussagekraft. Denn Banken und Sparkassen prüfen jeden potenziellen Kreditnehmer auf seine Kreditwürdigkeit beziehungsweise Bonität. Wer zum Beispiel einen sicheren Arbeitsplatz und ein hohes Einkommen hat, zahlt in der Regel weniger Kreditzinsen als jemand, der knapp bei Kasse ist und in einem befristeten Arbeitsverhältnis steht – deshalb auch bonitätsabhängige Kreditzinsen. Die Spanne der bonitätsabhängigen Zinsen variiert je nach Anbieter und kann bis zu acht Prozentpunkte betragen.

Für die Festsetzung des Zinssatzes ist auch das sogenannte Schufa-Scoring entscheidend, das Banken und Sparkassen zur Bonitätsbewertung des Kunden heranziehen. Die Wirtschaftsauskunftei Schufa Holding AG führt für jede in Deutschland gemeldete Person, die ein Geschäft mit einem Vertragspartner der Schufa eingegangen ist, einen Score. Der Wert gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Kreditnehmer ein Darlehen zurückzahlen kann. Je höher der Schufa-Score, desto niedriger das Ausfallrisiko, was vom Kreditgeber meist mit einem Zinsabschlag honoriert wird. Auf der anderen Seite hat jedes Kreditinstitut seine eigenen Bewertungskriterien, um die Kreditwürdigkeit des Kunden zu bestimmen.

Diese internen Richtlinien können jederzeit verändert werden. Verbraucherschützer kritisieren die mangelnde Transparenz. Denn nach welchen Maßstäben die Bonitätseinstufung erfolgt, wird dem Verbraucher nicht mitgeteilt. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Kreditnehmer mit hohem Einkommen und sicherem Job trotzdem einen hohen Zins zahlen muss – ohne dass er von der Bank den Grund erfährt.

Bonitätsunabhängige Kreditzinsen

Um auf Nummer sicher zu gehen und keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Sie einen Kreditanbieter mit bonitätsunabhängigen Kreditzinsen wählen. Denn hier gibt es einen Einheitszinssatz, der für alle Kunden gleichermaßen gilt. Bonitätsunabhängig heißt allerdings nicht ohne Schufa-Auskunft. Die Bonität muss trotzdem stimmen. Oft sind die Richtlinien für die Kreditvergabe sogar noch strenger als bei Krediten mit bonitätsabhängigen Zinsen.

Denn bei bonitätsunabhängigen Zinsen haben Kreditinstitute keinen Handlungsspielraum, um etwa eine schlechtere Bonität bzw. ein höheres Ausfallrisiko mit einem Zinsaufschlag zu versehen. Bei Krediten mit bonitätsunabhängigen Zinsen gilt der Einheitszinssatz meist auch für alle Laufzeiten und Kreditsummen.

Bonitätsunabhängige Zinsen unter vier Prozent bieten derzeit*:

  1. PSD Bank Köln (2,49 Prozent)
  2. Ethikbank (2,95 Prozent)
  3. PSD Bank Nord (2,99 Prozent)
  4. DKB (3,49 Prozent)
  5. Comdirect (3,65 Prozent)
  6. ING-Diba (3,79 Prozent)
  7. Netbank (3,88 Prozent)
  8. Moneyou (3,99 Prozent)
*Beispiel: Effektivzins für Nettokreditsumme 10.000 Euro, Laufzeit 48 Monate (Stand: 12.11.2018)

Hinweis: Die PSD Banken Köln und Nord sind hier aufgeführt, da sie ihren Ratenkredit überregional anbieten. Viele regionale Sparda- und PSD-Banken bieten ebenfalls bonitätsunabhängige Zinsen unter drei Prozent – wie beispielsweise die PSD Bank München (3,51 Prozent) oder Sparda-Bank München (3,54 Prozent). Manche Anbieter sind nicht verlinkt, das sie über uns derzeit keine neuen Kunden akquirieren wollen. Wir wir uns finanzieren, haben wir in der Rubrik "Über uns" transparent offengelegt.

Für Kreditnehmer mit sehr guter Bonität (Schufa-Score > 97,5 %), sicherem Job und hohem frei verfügbaren Einkommen kann ein Kredit mit bonitätsabhängigen Zinsen dagegen die bessere Wahl sein. Denn meist liegt das untere Ende der Spanne bei bonitätsabhängigen Zinsen deutlich niedriger als der Einheitszins bei Krediten mit bonitätsunabhängigen Zinsen.

Biallo-Tipp

Mit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25. Mai 2018 sind Auskunfteien wie CRIF Bürgel, Creditreform oder Schufa gesetzlich dazu verpflichtet, mehrmals im Jahr kostenlos über die gespeicherten Daten Auskunft zu geben (Art. 15 Abs. 3 DSGVO). Vorher war das in der Regel nur einmal jährlich möglich. Wenn Sie eine Kreditaufnahme planen, sollten Sie diese Selbstauskunft vorher auf jeden Fall nutzen. Bei fehlerhaften Einträgen zu Ihrem Nachteil können Sie eine Korrektur veranlassen. Dadurch erhöht sich Ihr Score und damit auch Ihre Chance auf einen günstigeren Kredit.

Sollzins (Nominalzins) versus Effektivzins

Bei den Kreditzinsen wird unterschieden zwischen dem Sollzins und dem Effektivzins, auch effektiver Jahreszins genannt. Vor Einführung der Verbraucherkreditrichtlinie im Juni 2010 hieß der Sollzins noch Nominalzins. Es ist derjenige Zins, der nominal pro Jahr vom Darlehensbetrag erhoben wird. Der Sollzins spielt bei der Berechnung der Kreditrate eine wichtige Rolle, die sich aus Schulden- und Zinstilgung zusammensetzt.

Der Sollzins oder nominale Zins spiegelt allerdings nicht die Gesamtkosten eines Kredits wider und ist daher ungeeignet, Kreditangebote miteinander zu vergleichen. Deshalb sind die Kreditinstitute seit der Verbraucherkreditrichtlinie dazu verpflichtet, bei ihren Angeboten stets auch den Jahreseffektivzins, auszuweisen.

Dieser ist meist etwas höher als der Sollzins und zeigt, wie teuer ein Kredit wirklich ist. Mit dem Effektivzins können Verbraucher Kreditangebote mit gleicher Darlehenshöhe und identischer Laufzeit optimal vergleichen. Der Effektivzins wird nach einer bestimmten Formel berechnet. In die Berechnung fließen unter anderem der Sollzins ein, der Nettokreditbetrag, die Tilgung, die Dauer der Zinsfestschreibung und ein mögliches Disagio – also ein Abschlag zum Auszahlungswert. Kreditbearbeitungsgebühren werden beim effektiven Jahreszins nicht mehr berücksichtigt, da der Bundesgerichtshof im Mai 2014 die Erhebung von Bearbeitungsentgelten bei Verbraucherdarlehen für unzulässig erklärt hat. Bei Ratenkrediten fällt der Unterschied zwischen Soll- und Effektivzinsen eher minimal aus, da es hier meist kein Disagio oder andere relevante Kosten wie etwa Kontoführungsgebühren oder Abschlussgebühren gibt, die den Effektivzins in die Höhe treiben.

  • Ein Beispiel: Wenn bei einem Ratenkredit von 3.000 Euro der Nominalzins 3,0 Prozent p.a. beträgt, dann liegt der Effektivzins bei 3,042 Prozent p.a. Grund für den Aufschlag ist hier allein das Ratenintervall. Würde die Rückzahlung jährlich stattfinden, dann lägen Sollzins und Effektivzins identisch bei 3,0 Prozent. Beim Sollzins wird nämlich davon ausgegangen, dass die Zinsen am Jahresende fällig werden. Da der Kreditnehmer bei einem Ratenkredit aber Monat für Monat die Zinsen anteilig im Voraus bezahlt, entsteht ihm ein Nachteil. Dadurch zahlt er rechnerisch einen höheren Zins als den Sollzins. 


Bei Baufinanzierungen kann der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins beträchtlich ausfallen, wie ein Beispiel der Verbraucherzentrale Bremen zeigt: Eine Bank bot einem Verbraucher an, eine Immobilie mit einem tilgungsfreien Vorausdarlehen in Verbindung mit einem Bausparvertrag zu finanzieren. Der Sollzins für das Darlehen lag bei 2,15 Prozent. Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht.

Doch es fiel eine ganze Reihe effektivzins-relevanter Kosten an, unter anderem Abschlusskosten für den Bausparvertrag und Kosten für die Eintragung einer Grundschuld. Der Verbraucher hätte zusätzlich 7.613 Euro zahlen müssen "Diese Mehrkosten führen dazu, dass der effektive Darlehenszins deutlich höher ist", sagt Philipp Rehberg, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Bremen. Der Effektivzins lag durch die zusätzlichen Kosten bei 3,34 Prozent und damit gut 50 Prozent höher als der Sollzins.

Eine repräsentative Umfrage der Verbraucherzentral Bremen vom Mai 2017 zeigt, dass zwar knapp zwei Drittel der Verbraucher schon mal den Begriff Effektivzins gehört haben, aber nur jeder Fünfte (21 Prozent) weiß, dass der Effektivzins in der Regel höher ist als der Sollzins und die Kreditnebenkosten beinhaltet. "Besonders erschreckend ist, dass jeder Vierte der Befragten, die den Begriff Effektivzins noch nie gehört haben, schon einmal ein Darlehen bei einer Bank oder Sparkasse aufgenommen hat", sagt Verbraucherschützer Rehberg.

Biallo-Tipp

Gerade bei größeren Kreditsummen, die typischerweise bei Baufinanzierungen anfallen, ist es enorm wichtig, sich nicht vom günstigen Sollzins leiten zu lassen. Unterm Strich zählt immer, was Sie wirklich zahlen müssen. Erkundigen Sie sich daher immer nach dem Effektivzins.

Restschuldversicherung verteuert Effektivzins

Auch der Effektivzins beinhaltet nicht alle Kosten, die bei einem Kredit entstehen können. Bereitstellungszinsen, Kontoführungsgebühren und Gebühren für Sondertilgungen fließen laut Preisabgabenverordnung (PAngV) nicht in die Berechnung des effektiven Jahreszinses ein. Prämien für eine Restschuldversicherung werden nur dann berücksichtigt, wenn das Kreditinstitut die Police als Bedingung für die Kreditvergabe voraussetzt. Wenn der Kunde die Restschuldversicherung aus freien Stücken abschließt, muss die Bank die Kosten nicht in den effektiven Jahreszins einrechnen.

Wie eine Restschuldversicherung den tatsächlichen Effektivzins in die Höhe treibt, zeigt folgendes Beispiel: Bei einem Ratenkredit von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren beträgt der jährliche Sollzins 3,72 Prozent. Der Effektivzins liegt bei 3,78 Prozent. Die monatliche Rate beläuft sich auf 294 Euro. Der Kreditnehmer entscheidet sich nun für eine Restschuldversicherung. Diese kostet für die gesamte Laufzeit 1.565,94 Euro und wird auf den Nettokreditbetrag draufgeschlagen. Dadurch erhöht sich die monatliche Rate auf 340,03 Euro. Der tatsächliche Effektivzins steigt auf 14,53 Prozent.

Variable und fixe Zinsen

Bei Ratenkrediten werden die Zinsen in der Regel über die gesamte Laufzeit festgeschrieben. Man spricht hier deshalb auch von fixen Zinsen oder gebundenen Sollzinsen. Ändern sich die Kapitalmarktzinsen, bleibt der Zins für das Darlehen trotzdem auf dem vorher festgelegten Niveau. Anders sieht es beim ungebundenen Sollzins aus, auch variabler Zins genannt. Dieser schwankt mit den Kapitalmarktzinsen. Variable Zinsen kommen zum Beispiel beim Dispokredit vor.

Der Dispozins richtet sich meist nach dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Hebt die EZB beispielsweise den Leitzins um 25 Basispunkte, dann steigt der Dispozins auch um den gleichen Prozentsatz. Bei variablen Hypothekendarlehen mit sehr kurzer Zinsfestschreibung (meist vierteljährlich) richtet sich der Zins in der Regel nach dem Euribor (Euro Interbank Offered Rate). Das ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Die Zinsanpassung bei variablen Darlehen erfolgt jeweils zum Quartalsanfang. Eine Sonderform stellen die Annuitätendarlehen bei der Baufinanzierung dar. Hier ist der Sollzins nicht über die gesamte Laufzeit gebunden, sondern die Zinsbindung beträgt – je nach Finanzierungsmodell – fünf, zehn, 15 oder 20 Jahre. Das heißt, in diesem Zeitraum kann die Bank nicht an den Zinsen rütteln.

Nach Ablauf der Zinsbindungsfrist werden die Zinsen in der Anschlussfinanzierung neu verhandelt und an das dann gültige Zinsniveau angepasst. Deshalb ist der Sollzins nur in der Zinsfestschreibungsdauer gebunden und danach variabel. Für den Effektivzins bedeutet das, dass dieser nicht für die gesamte Dauer der Finanzierung ermittelt werden kann. Deshalb spricht man hier auch vom anfänglichen Effektivzins, der für die Dauer der Zinsbindung gilt.

Leitzinsen beeinflussen Kreditzinsen

Bei der Entwicklung der Kreditzinsen gibt die Europäische Zentralbank den Takt vor. Seit März 2016 liegt der Leitzins der EZB bei null Prozent. Experten rechnen frühestens Mitte 2019 mit einer ersten Anhebung. Falls Sie also planen, in nächster Zeit einen Kredit aufzunehmen, sollten Sie nicht mehr allzu lange warten. Denn viel günstiger als jetzt wird das Zinsniveau wohl nicht mehr.

In einem Jahr werden die Kreditzinsen aller Voraussicht nach höher stehen als jetzt, da der Kreditmarkt eine erwartete Leitzinserhöhung durch die EZB gewöhnlich antizipiert. Zudem sollten Sie bei Ihrer Finanzierung darauf achten, einen Kredit mit festen Zinsen über die gesamte Laufzeit zu wählen. Denn bei variablen Zinsen besteht aktuell die Gefahr, dass die Zinskosten während der Kreditlaufzeit deutlich steigen könnten.

Biallo Index (1 Jahr)
Ratenkredit (eff. Zins) 36 Monate
Chart Ratenkredit (eff. Zins) 36 Monate
Biallo-Index
5,33%
basierend auf
85Angeboten
Tief/Hoch
5,00% / 5,36%

Kreditzinsen versus Dispozinsen

Wer auf seinem Girokonto einen regelmäßigen monatlichen Geldeingang erhält, bekommt von seiner Bank oder Sparkasse meist einen Dispokredit eingeräumt. Die Dispozinsen sind allerdings deutlich höher als die Zinsen für einen Ratenkredit. Laut Biallo-Index liegen die Dispozinsen derzeit im Schnitt bei 10,21 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie für Ratenkredite mit einer Laufzeit von 36 Monaten (5,35 Prozent).

Wer seinen Disporahmen regelmäßig ausschöpft oder zuweilen sogar überzieht, sollte seinen Dispokredit mit einem Ratenkredit umschulden, zumal immer noch viele Geldinstitute die Überziehung des Disporahmens mit einem Zinsaufschlag bestrafen.

Ein Beispiel: Wer sein Girokonto übers Jahr gesehen im Durchschnitt mit 3.000 Euro monatlich belastet, zahlt jährlich Zinsen von mehr als 300 Euro. Das Problem: Der Dispokredit ist auch am Ende des Jahres meist noch bis zum Anschlag ausgereizt. Wer dagegen einen Ratenkredit für die Umschuldung des Dispos aufnimmt, zahlt bei zwölfmonatiger Laufzeit derzeit einen durchschnittlichen effektiven Jahreszins von 5,13 Prozent. Bei Zinskosten von 82,09 Euro beträgt die Zinsersparnis rund 220 Euro. Vorteil: Das Konto ist wieder ausgeglichen – vorausgesetzt, man kann die monatliche Rate von 256,84 Euro stemmen.

Biallo-Tipp

Eine günstige Alternative zum Dispokredit ist auch ein sogenannter Rahmen- oder Abrufkredit. Dieser funktioniert ähnlich wie ein Dispo, allerdings sind die Zinsen deutlich niedriger.

Welche sonstigen Faktoren beeinflussen die Höhe der Kreditzinsen?

Schufa-Auskunft

Bei der Bearbeitung einer Kreditanfrage holt das Kreditinstitut eine Schufa-Auskunft ein. Bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa sind wichtige Merkmale des Kreditnehmers hinterlegt wie zum Beispiel: bestehende oder getilgte Kredite (Einträge werden erst drei Jahre nach Tilgung gelöscht), Girokonten, Kreditkarten, Mobilfunkverträge, Zahlungsrückstände, Mahnbescheide, etc. Wichtig ist vor allem der Schufa-Score. Dieser wirkt sich auf die Kreditzinsen aus.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Schufa-Score, desto niedriger die Zinsen. Bei einem Schufa-Score unter 90 Prozent ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie überhaupt einen Kredit erhalten.

Vorsicht:
Anbieter, die einen "Kredit ohne Schufa" versprechen, sind unseriös und wollen nur an Ihr Geld. Denn in Deutschland sind Banken dazu verpflichtet, eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen. Und dazu gehört eben auch die Schufa-Auskunft.

Kreditsumme und Laufzeit

Generell gilt: Je höher die Laufzeit und der Kreditbetrag, desto höher die Kreditzinsen. Denn mit steigender Laufzeit und größeren Kreditsummen wächst auch das Risiko für die Bank, dass der Kreditnehmer das Darlehen irgendwann nicht mehr bedienen kann. Für das höhere Ausfallrisiko verlangt der Kreditgeber einen Zinsaufschlag. Verbraucher wiederum haben die Möglichkeit, durch Anpassung der Laufzeit und Kreditsumme die Zinsen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Verwendungszweck

Auch der Verwendungszweck bestimmt die Höhe der Kreditzinsen. Gewöhnlich sind Konsumentenkredite frei verwendbar und an keinen Zweck gebunden. Oft lohnt es sich aber, einen bestimmten Verwendungszweck für einen Kredit anzugeben, um von günstigeren Zinsen zu profitieren. Wer zum Beispiel mit dem neuen Darlehen bestehende Kredite umschulden will, erhält bessere Konditionen, wenn er als Verwendungszweck die Umschuldung angibt, als wenn er die alten Kredite einfach weiterlaufen lässt.

Allerdings besteht für den Kreditnehmer auch die Pflicht, den angegeben Verwendungszweck einzuhalten – andernfalls droht die Vertragskündigung seitens des Kreditgebers. Klassische Beispiele von Krediten mit besonderem Verwendungszweck sind zum Beispiel der Autokredit oder das Hypothekendarlehen. Hier dient das Auto bzw. die Immobilie dem Kreditgeber als Faustpfand. Für die hinterlegte Sicherheit wird der Kreditnehmer mit günstigeren Zinsen belohnt. Weitere Darlehen mit besonderem Verwendungszweck sind zum Beispiel der Modernisierungskredit oder Studentenkredit.

Sicherheiten

Auch beim normalen Konsumentenkredit können Kreditnehmer Sicherheiten hinterlegen und so günstigere Zinsen erhalten. So können Kreditnehmer zum Beispiel Wertpapiere oder Spareinlagen einbringen. Letztere sind bei Banken und Sparkassen sehr beliebt, weil diese auch zu 100 Prozent als Sicherheit angesetzt werden können. Eine spezielle Form der Sicherheit stellt eine Bürgschaft dar. Wer einen bonitätsstarken Bürgen beim Kreditantrag mit ins Boot holt, erhöht seine Kreditchancen und wird in der Regel auch mit günstigeren Zinsen belohnt.

Persönliche Verhältnisse

Neben dem Schufa-Score durchleuchtet der Kreditgeber auch ihre persönlichen Verhältnisse. Dabei ist nicht so sehr entscheidend, wie hoch Ihr Gehalt ist, sondern vielmehr, wie viel Geld Sie monatlich nach allen Abzügen zur freien Verfügung haben. Je mehr finanziellen Spielraum Sie haben, desto höher steigen Ihre Chancen auf einen guten Zins. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes spielt ebenfalls eine große Rolle. Ein Beamter oder Angestellter im öffentlichen Dienst erhält in der Regel bessere Konditionen als zum Beispiel ein Bauarbeiter. Bei der Beurteilung der Jobsicherheit spielt es für die Banken auch eine Rolle, ob Sie verheiratet sind oder Kinder haben. Denn dadurch sind Sie vor betriebsbedingten Kündigungen besser geschützt als ein Alleinstehender ohne Kinder.

Hinzu kommen andere zinsbeeinflussende Faktoren wie das Alter oder die Wohngegend. Je älter der Kreditnehmer, desto höher das Sterbe- bzw. Ausfallrisiko, was wiederum höhere Zinsen zur Folge hat. Auch der Wohnort kann die Höhe der Kreditzinsen beeinflussen. Lässt zum Beispiel die Zahlungsmoral Ihrer Nachbarn zu wünschen übrig oder tauchen in Ihrem Umkreis gehäuft Privatinsolvenzen auf, dann stehen für Sie die Chancen auf einen Zinsbonus eher schlecht.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de