Auf einen Blick
  • Die Zinsen für Ratenkredite haben seit Mai dieses Jahres deutlich angezogen.

  • Wir erklären, wo Sie den günstigsten Ratenkredit finden und mit welchen Zinsen Sie derzeit rechnen müssen.

  • Außerdem erfahren Sie, von welchen Faktoren der Kreditzins abhängig ist und was es mit bonitätsabhängigen Kreditzinsen auf sich hat.

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Verbraucherdarlehen haben sich in den vergangenen Wochen spürbar verteuert. Für Darlehen mit dreijähriger Laufzeit werden laut Biallo-Index derzeit im Schnitt Zinsen von 6,41 Prozent effektiv pro Jahr aufgerufen. Das sind rund 80 Basispunkte mehr als noch zu Jahresanfang, als der Durchschnittswert bei 5,62 Prozent lag. Damit hat sich der seit Oktober 2019 verlaufende Aufwärtstrend in diesem Jahr beschleunigt. Damals lag das Ausgangstief noch bei 4,99 Prozent. Das Rekordtief datiert vom Frühjahr 2017 bei 4,88 Prozent.

Biallo-Ratenkedit-Index (Laufzeit 36 Monate)

Für Darlehen mit vierjähriger Laufzeit beträgt der durchschnittliche effektive Jahreszins aktuell 6,43 Prozent pro Jahr (Jahresanfang: 5,69 Prozent). Das Rekordtief markierte der Index im Frühjahr 2017 bei 4,99 Prozent. 

Dennoch: Im längerfristigen Vergleich ist das aktuelle Zinsniveau noch verhältnismäßig günstig. Anfang 2010 lagen die Zinsen für beide Laufzeiten im Schnitt noch bei rund acht Prozent pro Jahr.

 

Kreditzinsen vergleichen und die besten Konditionen sichern

Wenn Sie die aktuellen Kreditangebote genau unter die Lupe nehmen, werden Sie feststellen: Die Kreditzinsen der einzelnen Anbieter klaffen weit auseinander. Oft ist es sogar so, dass die Konditionen bei ein und derselben Bank unterschiedlich ausfallen. So kann es sein, dass der Kredit in der Filiale mehr kostet, als wenn Sie ihn übers Internet abschließen. Auch innerhalb einer Bankengruppe können die Zinssätze von Region zu Region abweichen. Deshalb sollten Sie die Angebote immer online vergleichen.

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Der Ratenkredit-Vergleich von biallo.de zeigt: Die Top-Anbieter bieten deutlich bessere Konditionen als der Durchschnitt. Bei einer Laufzeit von vier Jahren und einer Kreditsumme von 10.000 Euro können Sie noch Zinsangebote für unter drei Prozent effektiv pro Jahr erhalten.

 

Die besten bonitätsabhängigen Zinsen

Anbieter Zinsspanne p. a. eff. Zwei-Drittel-Zins p. a. eff. Mtl. Rate in Euro
Deutsche Skatbank1 2,99 - 4,02 % 2,99 %  220,95
Creditplus 1,99 - 10,99 % 3,90 % 225,04
Volkswagen Bank 2,99 - 8,99 % 3,99 % 225,43
Hypovereinsbank 2,99 - 4,99 % 3,99 % 225,43
Bank of Scotland 2,99 - 4,75 % 4,15 % 226,12
Degussa Bank 2,19 - 9,99 % 4,19 % 226,29
Norisbank 2,29 - 9,30 % 4,49 % 227,59
SKG Bank 2,49 - 8,79 % 4,79 % 228,88
Santander 1,99 - 7,98 % 4,99 % 229,75
Targobank 2,29 - 8,35 % 4,99 % 229,75

Quelle: biallo.de / Stand: 26. August 2022 / Laufzeit: 48 Monate / Kreditvolumen: 10.000 Euro / Angaben ohne Gewähr.
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Allerdings bekommen nur wenige Verbraucherinnen und Verbraucher den niedrigsten Zinssatz bei den genannten Banken. Denn die ausgewiesenen Zinsen sind bonitätsabhängig. Das bedeutet, die besten Konditionen können Sie nur mit höchster Bonität erhalten – die Betonung liegt hier aber auf „können“. Meist müssen Sie sich mit einem höheren Zinssatz begnügen. 

Als Orientierungshilfe sollten Sie daher auf den ausgewiesenen Zwei-Drittel-Zins achten. Das ist der Zins, den zwei Drittel der Kunden bei dem betreffenden Kreditinstitut erhalten.

Dennoch kann es sich für bonitätsstarke Verbraucher lohnen, ein Kreditangebot mit bonitätsabhängigen Zinsen einzuholen. Bei Anbietern wie Santander oder Creditplus sind mit Top-Bonität bereits Zinsen ab 1,99 Prozent effektiv möglich. Wer unter anderem einen sicheren Arbeitsplatz und ein hohes Einkommen hat, zahlt in der Regel weniger Kreditzinsen als jemand, der knapp bei Kasse ist und dessen Job durch Branchenrisiken gefährdet ist  – deshalb auch bonitätsabhängige Kreditzinsen. 

Die obige Tabelle zeigt auch: Die Spanne der bonitätsabhängigen Zinsen variiert je nach Anbieter und kann weit mehr als zehn Prozentpunkte betragen.

 

Zwei-Drittel-Zins (auch 2/3-Zinssatz): Das sollten Sie beachten

Seit 2010 sind Kreditinstitute gesetzlich dazu verpflichtet, immer auch den sogenannten Zwei-Drittel-Zins anzugeben. Allerdings kritisieren Verbraucherschützer, dass der Zwei-Drittel-Zins bei manchen Vergleichsportalen oder Einzelangeboten zum Teil nur versteckt oder mit Sternchen-Hinweis ausgewiesen wird.

Zudem ist für Verbraucher nicht ersichtlich, welche Daten bei der Ermittlung des Zwei-Drittel-Zinses herangezogen wurden. Hier hat der Kreditgeber nämlich Spielraum. Wenn eine Bank zum Beispiel mit einem Möbelhaus oder Elektromarkt kooperiert und häufig eine Null-Prozent-Finanzierung vergibt, dann fließen diese Nullzinsen auch in die Berechnung des Zwei-Drittel-Zinses mit ein. So kann dieser Zins optisch viel niedriger ausfallen, als er tatsächlich ist.

  • Biallo-Tipp: In unserem Ratenkredit-Vergleich wird bei Krediten mit bonitätsabhängigen Zinsen die Sortierung immer nach dem Zwei-Drittel-Zins angezeigt. Dieser wird transparent dargestellt. Somit wird die Trefferanzeige nicht verzerrt und Sie erhalten einen wirklich objektiven Vergleich.

Sehen Sie auch unser Youtube-Erklärvideo zum Thema Ratenkredit:

 

Schufa-Score beeinflusst Zinshöhe

Für die Festsetzung des Zinssatzes ist auch das sogenannte Schufa-Scoring entscheidend, das Banken und Sparkassen zur Bewertung Ihrer Bonität heranziehen. Die Wirtschaftsauskunftei Schufa Holding AG führt für jede in Deutschland gemeldete Person, die ein Geschäft mit einem Vertragspartner der Schufa eingegangen ist, einen Score. Der Wert gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie das Darlehen auch ordnungsgemäß bedienen können. Je höher der Schufa-Score, desto niedriger das Ausfallrisiko, was vom Kreditgeber meist mit einem Zinsabschlag honoriert wird. 

Auf der anderen Seite hat jedes Kreditinstitut seine eigenen Bewertungskriterien, um die Kreditwürdigkeit des Kunden zu bestimmen. Diese internen Richtlinien können jederzeit verändert werden. Verbraucherschützer kritisieren die mangelnde Transparenz. Denn nach welchen Maßstäben die interne Bonitätseinstufung erfolgt, wird dem Kreditnehmer nicht mitgeteilt. So kann es vorkommen, dass Sie mit hohem Einkommen und sicherem Job trotzdem einen hohen Zins zahlen müssen – ohne dass Sie von der Bank den Grund erfahren.

 

Ratenkredite mit bonitätsunabhängigen Kreditzinsen

Um auf Nummer sicher zu gehen und am Ende nicht enttäuscht zu werden, sollten Sie immer auch ein Angebot mit bonitätsunabhängigen Kreditzinsen einholen. Denn hier gibt es einen Einheitszinssatz, der für alle Kunden gleichermaßen gilt. Bonitätsunabhängig heißt allerdings nicht, dass die Schufa-Auskunft entfällt. Die Bonität muss trotzdem stimmen.

Oft sind die Richtlinien für die Kreditvergabe sogar noch strenger als bei Krediten mit bonitätsabhängigen Zinsen. Denn bei bonitätsunabhängigen Zinsen haben Kreditinstitute keinen Handlungsspielraum, um etwa eine schlechtere Bonität beziehungsweise ein höheres Ausfallrisiko mit einem Zinsaufschlag zu versehen. Bei Krediten mit bonitätsunabhängigen Zinsen gilt der Einheitszinssatz meist auch für alle Laufzeiten und Kreditsummen.

 

Die besten bonitätsunabhängigen Zinsen

  Zinssatz p.a. eff. Mtl. Rate in Euro
PSD Bank West
(bundesweites Angebot)
2,90 % 220,73
Deutsche Skatbank 3,56 % 223,57
Ethikbank 3,56 % 223,57 
PSD Bank Nürnberg
(bundesweites Angebot)
4,06 % 225,73
Comdirect 4,29 % 226,72
Cosmos direkt 4,69 % 228,45
DKB2 4,75 % 228,71

Quelle: biallo.de / Stand: 26. August 2022 / Laufzeit: 48 Monate / Kreditvolumen: 10.000 Euro / Angaben ohne Gewähr.

1bonitätsunabhängig nur für das Produkt "Skatbank-NetCredit"

2DKB-Aktivkunden erhalten einen Zinsabschlag von 0,46 Prozentpunkten auf den effektiven Jahreszins bei Abschluss im Banking.

Hinweis: Die PSD Banken oben werden aufgeführt, da sie ihren Ratenkredit überregional anbieten. Die regionalen PSD Banken offerieren ebenfalls bonitätsunabhängige Zinsen von zum Teil deutlich unter vier Prozent – zum Beispiel die PSD Bank Koblenz mit 3,51 Prozent effektiv bei Laufzeiten von 25 bis 48 Monaten. Nutzen Sie daher auch die Postleitzahl-Suchfunktion in unserem Ratenkredit-Vergleich.

Biallo-Tipp: Datenschutz Grundverordnung

Mit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25. Mai 2018 sind Auskunfteien wie CRIF Bürgel, Creditreform oder Schufa gesetzlich dazu verpflichtet, mehrmals im Jahr kostenlos über die gespeicherten Daten Auskunft zu geben (Art. 15 Abs. 3 DSGVO). Vorher war das in der Regel nur einmal pro Jahr möglich. Wenn Sie eine Kreditaufnahme planen, sollten Sie diese Selbstauskunft vorher auf jeden Fall nutzen. Bei fehlerhaften Einträgen zu Ihrem Nachteil können Sie eine Korrektur veranlassen. Dadurch kann sich Ihr Score erhöhen und damit auch Ihre Chance auf einen günstigeren Kredit.
Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber: So verbessern Sie Ihre Bonität.
 

Sollzins versus Effektivzins

Bei den Kreditzinsen wird zwischen dem Sollzins und dem Effektivzins unterschieden. Vor Einführung der Verbraucherkreditrichtlinie im Juni 2010 hieß der Sollzins noch Nominalzins. Es ist derjenige Zins, der nominal pro Jahr vom Darlehensbetrag erhoben wird. Mithilfe des Sollzinses wird die Kreditrate berechnet, die sich aus Schulden- und Zinstilgung zusammensetzt. 

Der Sollzins spiegelt allerdings nicht die Gesamtkosten eines Kredits wider und ist für einen Kreditvergleich eher ungeeignet. Deshalb sind Banken seit 2010 dazu verpflichtet, immer auch den effektiven Jahreszins auszuweisen, mit dem sich Angebote besser vergleichen lassen.

Der Effektivzins liegt meist etwas höher als der Sollzins und zeigt, wie viel ein Kredit wirklich kostet. So können Sie Kreditangebote mit gleichem Volumen und identischer Laufzeit optimal vergleichen. Der Effektivzins wird nach einer bestimmten Formel berechnet. In die Berechnung fließen unter anderem der Sollzins ein, der Nettokreditbetrag, die Tilgung, die Dauer der Zinsfestschreibung und ein mögliches Disagio – also ein Abschlag zum Auszahlungswert.

Kreditbearbeitungsgebühren spielen keine Rolle mehr, da der Bundesgerichtshof im Mai 2014 die Erhebung von Bearbeitungsentgelten bei Verbraucherdarlehen für unzulässig erklärt hat (Az. XI ZR 405/12, XI ZR 170/13). Bei Ratenkrediten fällt der Unterschied zwischen Soll- und Effektivzinsen daher meist gering aus, zumal es hier in der Regel auch kein Disagio oder andere relevante Kosten wie etwa Kontoführungsgebühren oder Abschlussgebühren gibt, die den Effektivzins in die Höhe treiben (Ausnahme siehe unten).

  • Ein Beispiel: Wenn bei einem Ratenkredit von 3.000 Euro der Nominalzins 3,0 Prozent pro Jahr beträgt, dann liegt der Effektivzins bei 3,042 Prozent pro Jahr. Grund für den Aufschlag ist hier allein das Ratenintervall. Würde die Rückzahlung jährlich stattfinden, dann lägen Sollzins und Effektivzins identisch bei 3,0 Prozent. Beim Sollzins wird nämlich davon ausgegangen, dass die Zinsen am Jahresende fällig werden. Da der Kreditnehmer bei einem Ratenkredit aber Monat für Monat die Zinsen anteilig im Voraus bezahlt, entsteht ihm ein Nachteil. Dadurch zahlt er rechnerisch einen höheren Zins als den Sollzins.
 

Wann der Effektivzins in die Höhe schnellt

Bei Baufinanzierungen kann der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins beträchtlich ausfallen, wie ein Beispiel der Verbraucherzentrale Bremen zeigt: Eine Bank bot einem Verbraucher an, eine Immobilie mit einem tilgungsfreien Vorausdarlehen in Verbindung mit einem Bausparvertrag zu finanzieren. Der Sollzins für das Darlehen lag bei 2,15 Prozent. Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht.

Doch es fielen eine ganze Reihe relevanter Kosten an, unter anderem Abschlusskosten für den Bausparvertrag und Gebühren für die Eintragung einer Grundschuld. Der Verbraucher hätte zusätzlich 7.613 Euro zahlen müssen. „Diese Mehrkosten führen dazu, dass der effektive Darlehenszins deutlich höher ist“, konstatiert die Verbraucherzentrale Bremen. Der Effektivzins lag durch die zusätzlichen Kosten bei 3,34 Prozent und damit gut die Hälfte höher als der Sollzins.

Eine repräsentative Umfrage der Verbraucherzentrale Bremen vom Mai 2017 zeigt, dass zwar knapp zwei Drittel der Verbraucher schon mal den Begriff Effektivzins gehört haben, aber nur jeder Fünfte weiß, dass der Effektivzins in der Regel höher ausfällt als der Sollzins und die Kreditnebenkosten beinhaltet. „Besonders erschreckend ist, dass jeder Vierte der Befragten, die den Begriff Effektivzins noch nie gehört haben, schon einmal ein Darlehen bei einer Bank oder Sparkasse aufgenommen hat“, resümierten die Verbraucherschützer.

Biallo-Tipp: Es zählt immer der Effektivzins!

Gerade bei größeren Kreditsummen, die typischerweise bei Baufinanzierungen anfallen, ist es enorm wichtig, sich nicht vom günstigen Sollzins leiten zu lassen. Unterm Strich zählt immer das, was Sie wirklich zahlen müssen. Erkundigen Sie sich daher stets nach dem Effektivzins.
 

Restschuldversicherung erhöht Effektivzins

Der Effektivzins berücksichtigt allerdings nicht sämtliche Kosten, die bei einem Kredit entstehen können. Bereitstellungszinsen, Kontoführungsgebühren und Gebühren für Sondertilgungen fließen laut Preisabgabenverordnung (PAngV) nicht in die Berechnung des effektiven Jahreszinses ein.

Prämien für eine Restschuldversicherung werden nur dann berücksichtigt, wenn das Kreditinstitut die Police als Bedingung für die Kreditvergabe voraussetzt. Wenn Sie die Restschuldversicherung aus freien Stücken abschließen, muss die Bank die Kosten nicht in den effektiven Jahreszins einrechnen. 

Wie eine Restschuldversicherung den tatsächlichen Effektivzins in die Höhe treibt, zeigt folgendes Beispiel: Bei einem Ratenkredit von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren beträgt der jährliche Sollzins 3,72 Prozent. Der Effektivzins liegt bei 3,78 Prozent. Die monatliche Rate beläuft sich auf 294 Euro.

Nun entscheiden Sie sich für eine Restschuldversicherung. Diese kostet für die gesamte Laufzeit angenommen 1.565,94 Euro und wird auf den Nettokreditbetrag draufgeschlagen. Dadurch erhöht sich die monatliche Rate auf 340,03 Euro. Der tatsächliche Effektivzins steigt auf 14,53 Prozent!

 

Variable und fixe Zinsen

Bei Ratenkrediten werden die Zinsen in der Regel über die gesamte Laufzeit festgeschrieben. Man spricht hier deshalb auch von fixen Zinsen oder gebundenen Sollzinsen. Ändern sich die Kapitalmarktzinsen, bleibt der Zins für das Darlehen trotzdem auf dem vorher festgelegten Niveau.

Anders sieht es beim ungebundenen Sollzins aus, auch variabler Zins genannt. Dieser schwankt mit den Kapitalmarktzinsen. Variable Zinsen kommen zum Beispiel beim Dispokredit vor. Der Dispozins richtet sich meist nach dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Hebt die EZB beispielsweise den Leitzins wie zuletzt um 50 Basispunkte, dann steigt der Dispozins auch um den gleichen Prozentsatz.

Bei variablen Hypothekendarlehen mit sehr kurzer Zinsfestschreibung (meist vierteljährlich) richtet sich der Zins in der Regel nach dem Euribor (Euro Interbank Offered Rate). Das ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Die Zinsanpassung bei variablen Darlehen erfolgt jeweils zum Quartalsanfang.

Eine Sonderform stellen die Annuitätendarlehen bei der Baufinanzierung dar. Hier ist der Sollzins nicht über die gesamte Laufzeit gebunden, sondern die Zinsbindung beträgt – je nach Finanzierungsmodell – fünf bis 30 Jahre. Das heißt, in diesem Zeitraum kann die Bank nicht an den Zinsen rütteln. 

Nach Ablauf der Zinsbindungsfrist werden die Zinsen in der Anschlussfinanzierung neu verhandelt und an das dann gültige Zinsniveau angepasst. Deshalb ist der Sollzins nur in der Zinsfestschreibungsdauer gebunden und danach variabel. Für den Effektivzins bedeutet das, dass dieser nicht für die gesamte Dauer der Finanzierung ermittelt werden kann. Deshalb spricht man hier auch vom anfänglichen Effektivzins, der für die Dauer der Zinsbindung gilt.

 

Leitzinsen beeinflussen Kreditzinsen

Bei der Entwicklung der Kreditzinsen gibt die Europäische Zentralbank (EZB) generell den Takt vor. Mehrere Jahre lag der Leitzins, zu dem sich Banken bei der EZB refinanzieren, bei null Prozent. Der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristige Liquidität bei der EZB parken, wurde im September 2019 auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Am 21. Juli schließlich hob die Europäische Zentralbank die Leitzinsen jeweils um 0,50 Prozentpunkte an. Bei der nächsten EZB-Ratssitzung am 8. September erwarten Experten einen Zinsschritt in selbiger Höhe, wenn nicht sogar von 0,75 Prozentpunkte.

Die Zinswende der Europäischen Zentralbank ist bei den Bauzinsen noch deutlicher zu spüren als bei den Ratenkrediten. Denn die Zinsen für Baufinanzierungen orientieren sich an der Rendite für zehnjährige Bundesanleihen. Die Bundrenditen haben die Zinswende bereits im Frühjahr antizipiert und sind seit Anfang März von rund minus 0,1 Prozent auf zwischenzeitlich gut 1,9 Prozent im Juni angestiegen. Aktuell rentieren zehnjährige Bundesanleihen in einer Spanne von 1,3 bis 1,4 Prozent (Stand: 26. August)

Biallo-Baugeld-Index für zehnjährige Annuitätendarlehen

 

Kreditzinsen versus Dispozinsen

Wer auf seinem Girokonto einen regelmäßigen monatlichen Geldeingang erhält, bekommt von seiner Bank oder Sparkasse meist einen Dispokredit eingeräumt. Die Dispozinsen fallen allerdings deutlich höher aus, als die Zinsen für einen Ratenkredit. Laut Biallo-Index liegen die Dispozinsen derzeit im Schnitt bei 10,01 Prozent und damit rund 3,6 Prozentpunkte höher als für Ratenkredite mit einer Laufzeit von 36 Monaten. 

Wer seinen Disporahmen regelmäßig ausschöpft oder zuweilen sogar überzieht, sollte seinen Dispokredit mit einem Ratenkredit umschulden, zumal immer noch viele Geldinstitute die Überziehung des Disporahmens mit einem Zinsaufschlag bestrafen. Die Überziehungszinsen liegen aktuell bei durchschnittlich 12,31 Prozent.

Auch einen bestehenden Ratenkredit umzuschulden, kann sich lohnen. Denn Banken dürfen für die vorzeitige Ablösung eines Verbraucherdarlehens nur noch eine gesetzliche Vorfälligkeitsentschädigung von einem Prozent der ausstehenden Kreditsumme verlangen – bei einer Restlaufzeit von unter zwölf Monaten sogar nur 0,5 Prozent. Das macht bei einer Restschuld von 10.000 Euro maximal 100 Euro Strafgebühr, die sich über die Zinsersparnis locker wieder reinholen lässt.

Wer beispielsweise einen Ratenkredit zu sechs Prozent abgeschlossen hat, spart bei einer Restschuld von 10.000 Euro und einer Restlaufzeit von drei Jahren mit einer Umschuldung zu drei Prozent fast 500 Euro an Zinskosten. Dazu fällt die monatliche Rate mit etwa 290 Euro rund zehn Euro geringer aus.

  • Biallo-Tipp: Viele Banken bieten auch kostenlose Sondertilgungsoptionen ohne Zinsaufschlag an, unter anderen DKB, Comdirect, ING und SKG Bank.

Hinweis

Eine günstige Alternative zum Dispokredit ist auch ein sogenannter Rahmen- oder Abrufkredit. Dieser funktioniert ähnlich wie ein Dispokredit, allerdings sind die Zinsen deutlich niedriger. Empfehlenswert sind die Rahmenkredite der ING und VW Bank.
 

Welche sonstigen Faktoren beeinflussen die Höhe der Kreditzinsen?

Schufa-Auskunft

Bei der Bearbeitung einer Kreditanfrage holt das Kreditinstitut eine Schufa-Auskunft ein. Bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa sind wichtige Merkmale des Kreditnehmers hinterlegt wie zum Beispiel: bestehende oder getilgte Kredite (Einträge werden erst drei Jahre nach Tilgung gelöscht), Girokonten, Kreditkarten, Mobilfunkverträge, Zahlungsrückstände, Mahnbescheide et cetera. Wichtig ist vor allem der Schufa-Score. Dieser wirkt sich auf die Kreditzinsen aus.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Schufa-Score, desto niedriger die Zinsen. Bei einem Schufa-Score unter 90 Prozent ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie überhaupt einen Kredit erhalten.

Vorsicht:
Anbieter, die einen " Kredit ohne Schufa" versprechen, sind unseriös und wollen nur an Ihr Geld. Denn in Deutschland sind Banken dazu verpflichtet, eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen. Und dazu gehört eben auch die Schufa-Auskunft.

Kreditsumme und Laufzeit

Generell gilt: Je höher die Laufzeit und der Kreditbetrag, desto höher die Kreditzinsen. Denn mit steigender Laufzeit und größeren Kreditsummen wächst auch das Risiko für die Bank, dass der Kreditnehmer das Darlehen irgendwann nicht mehr bedienen kann. Für das höhere Ausfallrisiko verlangt der Kreditgeber einen Zinsaufschlag. Verbraucher wiederum haben die Möglichkeit, durch Anpassung der Laufzeit und Kreditsumme die Zinsen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Verwendungszweck

Auch der Verwendungszweck bestimmt die Höhe der Kreditzinsen. Gewöhnlich sind Konsumentenkredite frei verwendbar und an keinen Zweck gebunden. Oft lohnt es sich aber, einen bestimmten Verwendungszweck für einen Kredit anzugeben, um von günstigeren Zinsen zu profitieren. Wer zum Beispiel mit dem neuen Darlehen bestehende Kredite umschulden will, erhält bessere Konditionen, wenn er als Verwendungszweck die Umschuldung angibt, als wenn er die alten Kredite einfach weiterlaufen lässt.

Allerdings besteht für den Kreditnehmer auch die Pflicht, den angegeben Verwendungszweck einzuhalten – andernfalls droht die Vertragskündigung seitens des Kreditgebers. Klassische Beispiele von Krediten mit besonderem Verwendungszweck sind zum Beispiel der Autokredit oder das Hypothekendarlehen. Hier dient das Auto bzw. die Immobilie dem Kreditgeber als Faustpfand. Für die hinterlegte Sicherheit wird der Kreditnehmer mit günstigeren Zinsen belohnt. Weitere Darlehen mit besonderem Verwendungszweck sind zum Beispiel der Modernisierungskredit oder Studienkredit.

Sicherheiten

Auch beim normalen Konsumentenkredit können Kreditnehmer Sicherheiten hinterlegen und so günstigere Zinsen erhalten. So können Kreditnehmer zum Beispiel Wertpapiere oder Spareinlagen einbringen. Letztere sind bei Banken und Sparkassen sehr beliebt, weil diese auch zu 100 Prozent als Sicherheit angesetzt werden können. Eine spezielle Form der Sicherheit stellt eine Bürgschaft dar. Wer einen bonitätsstarken Bürgen beim Kreditantrag mit ins Boot holt, erhöht seine Kreditchancen und wird in der Regel auch mit günstigeren Zinsen belohnt.

Persönliche Verhältnisse

Neben dem Schufa-Score durchleuchtet der Kreditgeber auch Ihre persönlichen Verhältnisse. Dabei ist nicht so sehr entscheidend, wie hoch Ihr Gehalt ist, sondern vielmehr, wie viel Geld Sie monatlich nach allen Abzügen zur freien Verfügung haben. Je mehr finanziellen Spielraum Sie haben, desto höher steigen Ihre Chancen auf einen guten Zins. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes spielt ebenfalls eine große Rolle. Ein Beamter oder Angestellter im öffentlichen Dienst erhält in der Regel bessere Konditionen als zum Beispiel ein Bauarbeiter. Bei der Beurteilung der Jobsicherheit spielt es für die Banken auch eine Rolle, ob Sie verheiratet sind oder Kinder haben. Denn dadurch sind Sie vor betriebsbedingten Kündigungen besser geschützt als ein Alleinstehender ohne Kinder.

Hinzu kommen andere zinsbeeinflussende Faktoren wie das Alter oder die Wohngegend. Je älter der Kreditnehmer, desto höher das Sterbe- bzw. Ausfallrisiko, was wiederum höhere Zinsen zur Folge hat. Auch der Wohnort kann die Höhe der Kreditzinsen beeinflussen. Lässt zum Beispiel die Zahlungsmoral Ihrer Nachbarn zu wünschen übrig oder tauchen in Ihrem Umkreis gehäuft Privatinsolvenzen auf, dann stehen für Sie die Chancen auf einen Zinsbonus eher schlecht.
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Über den Autor Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach. Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. 2014 baute er in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus als Chefredakteur und Moderator den österreichischen TV-Sender DAF-Austria mit auf. 2016 wechselte er zur Biallo & Team GmbH und übernahm Mitte 2017 die Redaktionsleitung. 

Co-Autoren:
  Kevin Schwarzinger
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