Festgeld im Ausland anlegen

Geldanlage Festgeld im Ausland anlegen

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger Michael Schreiber
10.10.2018
Auf einen Blick
  • Viele Banken im europäischen Ausland bieten höhere Zinsen als deutsche Institute. 

  • Banken innerhalb der europäischen Union sind dazu verpflichtet, Spareinlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro je Anleger abzusichern.

  • Grundsätzlich gilt: Die Einlagensicherung ist immer nur so sicher, wie die Kreditwürdigkeit des Staates, der sie garantiert.

  • Auch steuerlich müssen Sie bei der Geldanlage im Ausland einiges beachten. So wird auch bei ausländischen Zinserträgen die Abgeltungsteuer fällig.

  • Außerdem berechnen viele ausländische Staaten auf Zinszahlungen an auswärtige Anleger die sogenannte Quellensteuer.
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Bei den Minizinsen, die eine Vielzahl von deutschen Banken ihren Kunden bezahlen, lässt sich keine anständige Rendite erwirtschaften. Vor allem wenn man bedenkt, dass die steigende Inflation zusätzlich am Ersparten nagt.

Wer also den Weg an die Börse scheut und weiterhin auf konservative Anlageformen setzt, muss zwangsläufig seinen Blick auf ausländische Banken richten. Zwar gibt es im europäischen Ausland zum Teil deutlich mehr Zinsen zu holen, allerdings hat das auch seinen Preis – in Form eines erhöhten Risikos.

Festgeld im Ausland: Wie groß sind die Zinsunterschiede?

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld müssen Sparer froh sein, überhaupt noch Zinsen auf konservative Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld zu bekommen. Viele Banken und Sparkassen haben nämlich die Verzinsung ihrer Tages-und Festgeldanlagen auf null gesenkt. Laut Biallo-Festgeld-Index liegt der aktuelle Durchschnittszins aller bei biallo.de gelisteten Anbieter bei 0,29 Prozent pro Jahr – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einer Anlagesumme von 5.000 Euro (Stand: Oktober 2018).

Zum Vergleich: Bei der schwedischen Klarna Bank gibt es 1,20 Prozent für zwölf Monate – und das bei höchster Sicherheit (AAA = "Triple A").

Warum sind die Zinsen im Ausland höher als in Deutschland?

Nun stellen Sie sich sicherlich die Frage, wie dieses Zinsgefälle zwischen hiesigen und ausländischen Banken zustande kommt. Das liegt an mehreren Faktoren, etwa am allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld, Angebot- und Nachfrage und der Größe des Instituts.

Zudem müssen ausländische Institute mit einem deutlich höheren Zins aufwarten, um die Gunst der deutschen Sparer zu gewinnen, die gewöhnlich einheimische Banken bevorzugen.

Wie sicher ist Festgeld im Ausland?

Neben der Rendite sollten Sie auch immer die Sicherheit Ihrer Anlage fest im Blick behalten. Wie solide ein Kreditinstitut aufgestellt ist, lässt sich für Laien nur schwer abschätzen. Jede Bank mit Sitz innerhalb der Europäischen Union (EU) ist inzwischen verpflichtet, 100.000 Euro Spareinlagen pro Anleger zu garantieren. Diese EU-Richtlinie zu den nationalen Sicherungssystemen wurde nach der Finanzkrise 2008 eingeführt und 2014 nochmals überarbeitet. Generell bedeutet "Einlagensicherung", dass Anleger im Falle einer Bankpleite ihr angelegtes Geld bis zu einem festgelegten Wert von 100.000 Euro zu 100 Prozent zurückbekommen – staatlich garantiert.

Die EU-Richtlinie legt für die Euro-Länder sowohl die Höhe der Einlagensicherung, als auch die Spielregeln wie Auszahlungszeitraum oder Sicherungssystem fest. Dennoch bleibt das jeweilige Land selbst der Garant für die Spareinlagen am heimischen Markt.

Konkret bedeutet das, dass etwa das Festgeld der Denizbank vom österreichischen oder das der Crédit Agricole vom französischen Staat garantiert wird. Bei der Einschätzung des Risikos einer ausländischen Geldanlage spielt Ihr persönliches Vertrauen in das Finanzsystem des Nachbarstaates also eine berechtigte Rolle.

Ratingagenturen und ihre Bewertungen

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Die drei weltweit einflussreichsten Agenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. Um die Bonität eines Staates zu bewerten, nutzen die Agenturen Buchstabencodes.

 

Beste Bonität

Sichere Anlage

Durchschnittlich Spekulativ

Höchst spekulativ

risikohaft

Zahlungsausfall

S&P

AAA

A-

BBB+

B-

CCC+

D

Moody's

Aaa

A3

Baa1

B3

Caa1

C

Fitch

AAA

A-

BBB+

B-

CCC

D

Die Ratings der verschiedenen EU-Staaten.

Land

S & P

Moody's

Fitch

Belgien

AA

Aa3

AA-

Bulgarien

BBB-

Baa2

BBB

Dänemark

AAA

Aaa

AAA

Deutschland

AAA

Aaa

AAA

Estland

AA-

A1

A+

Finnland

AA+

Aa1

AA+

Frankreich

AA

Aa2

AA

Großbritannien

AA

Aa2

AA

Griechenland

B+

B3

BB-

Irland

A+

A2

A+

Italien

BBB

Baa2

BBB

Kroatien

BB

Ba2

BB+

Lettland

A-

A3

A-

Litauen

A

A3

A-

Luxemburg

AAA

Aaa

AAA

Malta

A-

A3

A+

Niederlande

AAA

Aaa

AAA

Österreich

AA+

Aa1

AA+

Polen

BBB+

A2

A-

Portugal

BBB-

Ba1

BBB

Rumänien

BBB-

Baa3

BBB-

Schweden

AAA

Aaa

AAA

Slowakei

A+

A2

A+

Slowenien

A+

Baa1

A-

Spanien

A-

Baa1

A-

Tschechische Republik

AA-

A1

A+

Ungarn

BBB-

Baa3

BBB-

Zypern

BB+

Ba2

BB+

Quelle: Ratingagenturen; eigene Recherche; Stand: Oktober 2018.

So beurteilt biallo.de die Einlagensicherung

Was viele Anleger nicht wissen: Es existiert keine gemeinsame Haftung innerhalb der Europäischen Union.

Das bedeutet:
Die Einlagensicherung ist nur so sicher, wie der Staat, der sie garantiert. Eine gemeinsame europäische Lösung gibt es bislang noch nicht.

Deshalb beurteilen wir von biallo.de die Einlagensicherung eines Landes nur als vertrauenswürdig, wenn die renommierte Ratingagentur Standard & Poor's die Finanzkraft des Landes mit mindestens hoher Sicherheit (AA-) bewertet. Denn bei Herkunftsländern mit geringerer Bonität bestehen bei einer Bankenpleite durchaus Zweifel, ob sie Anleger zeitnah entschädigen können.

Diese Anbieter bei zweijähriger Laufzeit empfiehlt biallo.de

Bank

Zins p.a.

Einlagensicherung

Anlagebetrag

Zinszahlung

S&P-Rating

Klarna Bank

1,20 % 

950.000 SEK pro Person / Schweden

10.000 - 500.000 Euro

jährlich

AAA

Crédit Agricole 1,11 % 100.000 € pro Person / Frankreich 5.000 - 500.000 Euro jährlich  AA

Denizbank

1,00 %

100.000 € pro Person / Österreich

1.000 - 1.000.000 Euro

am Laufzeitende

AA+


Biallo-Tipp: Mit dem Festgeldvergleich von biallo.de können Sie nach Anbietern suchen, die für Ihre bevorzugte Laufzeit die höchsten Festgeldzinsen offerieren. Wählen Sie dazu einfach oben im Vergleich die entsprechende Laufzeit aus.

Wie lege ich Festgeld im Ausland an?

Um Geld in einem bestimmten Land anzulegen, war früher ein Bankkonto im Zielland und eine Meldeadresse notwendig. In Zeiten des grenzenlosen Verkehrs von Gütern und Menschen haben die Banken inzwischen jedoch auch Wege gefunden, um ausländisches Privatvermögen über nationalstaatliche Grenzen hinwegzubewegen. Und das in den meisten Fällen ohne Zusatzkosten.

Niederlassungen und Zweigstellen sind ein geschicktes Instrument, um Kundenvertrauen zu gewinnen und Präsenz vor Ort zu zeigen. Die Denizbank ist Teil der türkischen Denizbank Financial Services Group. Die in Deutschland vertretene Denizbank AG ist de facto jedoch eine österreichische Universalbank mit österreichischer Einlagensicherung und einer Zweigniederlassung in Frankfurt am Main.

Andere Banken wie die Bigbank aus Estland oder die Crédit Agricole aus Frankreich sind in Deutschland rein als Direktbanken vertreten.

Das bedeutet: Sie haben in Deutschland keine Niederlassungen und stehen den Kunden daher nur online zur Verfügung. Notwendig für eine Kontoeröffnung sind hier: ein Wohnsitz in Deutschland und ein Girokonto als Referenzkonto.

Umweg über eine Zinsplattform

Eine weitere Möglichkeit, um Festgeld im Ausland anzulegen, ist der Umweg über sogenannte Zinsportale. Die bekanntesten Vertreter hierzulande sind Savedo, Weltsparen und Zinspilot. Sparer melden sich bei einer dieser Plattformen an und eröffnen lediglich ein Verrechnungskonto bei einer Partnerbank. Von dort aus fließt das Geld an die jeweilige ausländische Bank. 

Festgeld im Ausland: So funktioniert die Besteuerung

Abgeltungssteuer gilt auch für ausländische Zinserträge

Auch steuerlich müssen Sie bei der Geldanlage im Ausland einiges beachten. Haben Sie in der Bundesrepublik einen Wohnsitz, sind Sie mit Ihrem gesamten rund um den Globus verdienten Welteinkommen auch hier steuerpflichtig – egal ob es sich dabei um einen Haupt- oder Nebenwohnsitz handelt.

Sparzinsen unterliegen als Einkünfte aus Kapitalvermögen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidarzuschlag. Für Kirchenmitglieder erhöht sich die Steuerbelastung noch um die Kirchensteuer.

Steuerfrei bleiben pro Single-Anleger und Jahr nur Zinserträge in Höhe eines Sparerpauschbetrages von 801 Euro. Verheiratete können 1.602 Euro steuerfrei einstreichen. Dieses steuerfreie Volumen können Sie bereits unterjährig nutzen, in dem Sie Ihrer heimischen Bank auf einem speziellen Formular einen Freistellungsauftrag erteilen.

Biallo-Tipp

Wer sein Freistellungsvolumen optimal nutzen möchte, wählt Anlagen mit jährlicher Zinsauszahlung. Steuerlich nachteilig können dagegen mehrjährige Angebote sein, bei denen der gesamte Zinsertrag erst am Ende der Laufzeit in einer Summe ausgezahlt wird.

Denn in den Jahren ohne Zinsertrag wird der Sparerpauschbetrag ungenutzt verschenkt – im Jahr der Zinsauszahlung ist der Ertrag vielleicht so hoch, dass der Sparerpauschbetrag überschritten wird. Die Folge sind unnötige Steuern. Bei mehreren Bankverbindungen kann man das Freistellungsvolumen auch aufteilen.

Doch Vorsicht: Inländische Banken melden die erteilten Freistellungsaufträge seit Jahren automatisch an das Finanzamt. Wer ein größeres Freistellungsvolumen verteilt, als ihm zusteht, fliegt also recht schnell auf.

Geringverdiener können von "Günstigerprüfung" profitieren

Für inländische Zinserträge übernimmt die Bank den Steuerabzug direkt am Tag der Zinsauszahlung. Sie berechnet die fällige Steuer und behält die Abgaben ein. Der Sparer erhält am Jahresende eine entsprechende Steuerbescheinigung.

Für Geringverdiener kann es sich lohnen, über die Einkommensteuererklärung (Anlage KAP/Zeile 4) eine sogenannte Günstigerprüfung durchführen zu lassen. Das Finanzamt berechnet dann im Steuerbescheid automatisch, ob Anleger eine Rückerstattung der Abgeltungsteuer erhalten können.

Biallo-Tipp

Besonders lohnt sich das für Rentner, denn sie erhalten im Steuerbescheid mit dem Altersentlastungsbetrag einen weiteren Freibetrag, den die Bank übers Jahr nicht berücksichtigen darf. Direkte Zinsanlagen aus dem Ausland müssen in der jährlichen Steuererklärung über das Steuerformular Anlage KAP nachgemeldet werden. Das Finanzamt berechnet dann die fällige Abgeltungsteuer nach.

Verschweigen sollten Sie Ihre im Ausland erwirtschafteten Erträge auf keinen Fall, denn es drohen Strafen wegen Steuerhinterziehung. Seit 2017 informieren sich hundert Staaten rund um den Globus auch gegenseitig über die Zinserträge ausländischer Sparer. Die deutschen Finanzämter sind also bestens im Bilde und können fehlende Angaben in der Steuererklärung schnell ausfindig machen.

Quellensteuer zehrt Rendite auf

Viele ausländische Staaten berechnen auf Zinszahlungen an auswärtige Anleger eine eigene Abgabe – die sogenannte Quellensteuer. Ein Freistellungsauftrag kann den Abzug dieser Steuer nur verhindern, wenn die kontoführende Bank in Deutschland eine Niederlassung hat.

Anleger müssen schon bei der Auswahl des Anlagelandes aufpassen, dass sie nicht unnötig hohe Steuern zahlen – das drückt die ohnehin schon schmale Rendite.

Biallo-Tipp

Bis zu 15 Prozent ausländische Quellensteuern rechnet die Bundesrepublik Deutschland auf die im Inland fällige 25-prozentige Abgeltungsteuer an – der Anleger zahlt also in Deutschland nur noch die fehlenden zehn Prozent. Es kann deshalb sinnvoll sein, Anlageländer zu meiden, die höhere Quellensteuern auf Zinsen fordern.

Bei Verwaltung im Inland berücksichtigt die Depotbank automatisch die Quellensteuerverrechnung. Bei Direktanlagen im Ausland muss man einbehaltene Quellensteuern über die eigene Steuererklärung geltend machen.

Biallo-Tipp: Mit Hilfe einer Ansässigkeitsbescheinigung können Zinssparer aus Deutschland in manchen Ländern den Quellensteuerabzug ganz vermeiden oder etwas reduzieren. Onlineportale wie etwa unser Kooperationspartner Zinspilot helfen dabei, in dem sie die entsprechenden Formulare elektronisch zur Verfügung stellen.

Land

Quellensteuer auf Zinsen (Prozent)

Mit Ansässigkeitsbescheinigung

Ohne Ansässigkeitsbescheinigung

Quellensteuer vollständig vermeidbar

Belgien

0

30

Irland

0

20

Kroatien

0

40

Rumänien

0

16

Slowakei

0

19

Tschechien

0

15

Quellensteuer nicht vollständig vermeidbar

Bulgarien

5

10

Lettland

10

20

Litauen

10

15

Polen

5

20

Portugal

15

28

Quelle: Bundeszentralamt für Steuern, Stand 1. Juli 2018

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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