Steuer-Serie Teil 1

Steuererklärung 2019: Schritt für Schritt durch die Steuerformulare

03.06.2020
Auf einen Blick
  • 1.007 Euro Steuerrückzahlung kassiert Otto Normalbürger im Schnitt mit der Steuererklärung.
  • Mit unseren Tipps & Tricks für die Steuererklärung 2019 holen Sie sich Ihr Geld zurück.
Die jährliche Steuererklärung gehört nicht unbedingt zu den Lieblingsbeschäftigungen. Doch sie wird üppig belohnt mit Steuerrückzahlungen.
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Für viele Bürger rangiert die jährliche Steuerabrechnung mit dem Finanzamt auf der Liste der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen gleich hinter dem Zahnarzttermin oder einem Elternabend in der Schule. Dabei wird kaum eine andere Tätigkeit so üppig entlohnt wie das Erstellen der eigenen Steuererklärung.

1.007 Euro Steuerrückzahlung kassiert Otto-Normalbürger im bundesweiten Schnitt, so die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Das macht bei einem angenommenen Zeitaufwand von vier Stunden einen Stundenlohn von 252 Euro. Und für viele Steuerzahler ist sogar noch mehr drin – auch wegen neuer steuerzahlerfreundlicher Urteile der Finanzgerichte.

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Pflicht oder Kür?

Arbeitnehmer, die im Jahr 2019 nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt waren und keinerlei Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen (Elterngeld & Co.) erhielten, sind nicht zum Ausfüllen der Steuerformulare samt Mantelbogen, Anlage N & Co. verpflichtet. Doch wenn sie zum Beispiel Kirchensteuer gezahlt haben, hohe Werbungskosten geltend machen können, nur einige Monate gearbeitet haben oder sich ihr Familienstand – etwa durch eine Hochzeit – verändert hat, lohnt sich die Mühe, die Formulare auszufüllen.

Haben Arbeitnehmer neben ihrem üblichen Gehalt noch Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen (zu Beispiel Arbeitslosen-, Kurzarbeiter- oder Elterngeld) von mehr als 410 Euro eingestrichen, dann haben sie keine Wahl: Sie müssen die Formulare ausfüllen – per Papier oder über die elektronische Steuererklärung Elster. Minijobs oder abgeltungssteuerpflichtige Kapitaleinkünfte zählen hier nicht mit.

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Gleiches gilt, wenn sie im vergangenen Jahr mehrere Jobs mit Steuerklasse VI hatten. Oder wenn beide Ehepartner mit der Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor gearbeitet haben. Auch, wenn Sie sich in der elektronischen Lohnsteuerkarte (ELStAM) einen Steuerfreibetrag haben eintragen lassen und sie übers Jahr mehr als 11.600 Euro Arbeitslohn hatten, ist die Steuererklärung verpflichtend.

  • Biallo-Tipp: Selbstständige und Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn ihr Einkommen den Grundfreibetrag für 2019 von 9.168 Euro (Ledige) beziehungsweise 18.336 Euro (Verheiratete) übersteigt.

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Abgabetermine beachten

Steuerzahler, die für 2019 zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, müssen diese erst bis zum 31. Juli 2020 beim Finanzamt einreichen. Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein mit der Erstellung seiner Steuererklärung beauftragt, hat dafür sogar noch bis Ende Februar 2021 Zeit. Da der letzte Februartag 2021 auf einen Sonntag fällt, muss die Erklärung spätestens bis Montag den 1. März 2021 beim Fiskus eingegangen sein. Wer als Otto-Normalbürger mehr Zeit braucht, kann wie bisher auch mit einer plausiblen Begründung (zum Beispiel Erkrankung oder fehlende Unterlagen) einen Zeitaufschub erhalten. Dazu reicht ein kurzes Schreiben an das Finanzamt normalerweise aus. Die neu vereinbarte Abgabefrist sollte dann aber auch eingehalten werden.

Verstöße gegen die Abgabefristen werden von den Finanzämtern seit letztem Jahr strenger geahndet: Wer den Abgabetermin verschwitzt, zahlt künftig automatisch einen Verspätungszuschlag von 0,25 Prozent der festgesetzten Steuerlast, mindestens aber 25 Euro pro angefangenem verspätetem Monat. Einen Ermessenspielraum haben die Beamten nur noch, wenn Steuerzahler eine Rückzahlung erhalten oder wenn die Abrechnung einen Steuerbescheid über null Euro auswirft – ansonsten nicht mehr.

  • Biallo-Tipp: Wer schon bisher immer alles auf den letzten Drücker eingereicht hat, läuft Gefahr die verbleibende Zeit bis Juli wieder zu vertrödeln und dann Strafen zu kassieren. Denn wer hat schon Lust, sich im Hochsommer und kurz vorm Jahresurlaub durch die eigene Zettelwirtschaft zu wühlen? Papiermuffel sollten deshalb so früh wie möglich ihre Steuerabrechnung beim Fiskus einreichen.

Wer freiwillig die Formulare ausfüllt, hat vier Jahre – bis Ende 2023 – dafür Zeit. Wer diese Abgabefrist verpasst, hat Pech gehabt: Einen weiteren Aufschub gewähren die Finanzämtern dann nicht mehr.

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Mit Elster geht es schneller

Die elektronisch erledigte Einkommensteuerklärung liegt voll im Trend: Nach Informationen des Digitalverbandes Bitkom reichten in 2019 fast 24 Millionen Bürger ihre Steuererklärung über Elster online ein. Seit 2012 (zwölf Millionen) hat sich die Zahl damit verdoppelt. Die Finanzverwaltung hält im Internet unter www.elster.de eine kostenlose Steuersoftware "Mein ELSTER" für jedermann parat. Sie müssen sich für den Service online registrieren und – in der kostenlosen Variante – eine Zertifikatsdatei herunterladen.

  • Biallo-Tipp: Die Finanzämter stellen in Aussicht, dass sie online erhaltene Steuererklärungen zügiger abwickeln. Wer seine Steuererstattung flott erhalten möchte, sollte die Steuererklärung also online einreichen. Papier-Fans, die lieber offline arbeiten, erhalten die Formulare beim örtlichen Finanzamt oder auch im Internet über das Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung.

Bislang hat der Fiskus mit "Elster-Formular" auch noch ein weiteres Online-Produkt im Angebot. Wer dieses Programm bisher genutzt hat, kann dies letztmals auch für die Steuererklärung 2019 tun. Danach ist Schluss. Für die im nächsten Jahr fällige Steuererklärung 2020 gibt es dann nur noch das amtliche Online-Programm "MeinELSTER".

Wer möchte, kann in diesem Jahr erstmals auch den Steuerbescheid 2019 digital erhalten. Dazu muss man allerdings über das Elster-Portal bereits bei Abgabe der elektronischen Steuererklärung vorab in die digitale Übersendung des Steuerbescheides einwilligen. Gibt man sein "OK" zu diesem papierlosen Verfahren, informiert die Finanzverwaltung den Steuerzahler per E-Mail, sobald der Steuerbescheid im persönlichen Elster-Postfach zum Abruf bereitliegt.

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Alles neu bei den Steuervordrucken 2019

Umgewöhnen müssen sich Steuerzahler, die ihre Erklärung in Papierform abgeben möchten. Der bisher vierseitige Mantelbogen für die persönlichen Angaben und steuersparenden Privatausgaben wie Sonderausgaben wurde deutlich vereinfacht und entschlackt. Der neue, auf nur noch zwei Seiten geschrumpfte, Mantelbogen ist jetzt lediglich für die persönlichen Angaben des Steuerzahlers vorgesehen – das schafft mehr Übersicht. Für alle anderen Angaben des alten Mantelbogens gibt es jetzt vier neue Formulare, die Steuerzahler wie nach einem Baukastenprinzip individuell zusammenstellen können:

Die bis 2018 mögliche "Vereinfachte Steuererklärung" suchen bequeme Steuerzahler für Ihre Abrechnung 2019 allerdings vergeblich – sie ist ersatzlos entfallen.

In den Bundesländern Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen läuft ein Pilotprojekt für Senioren. Die Finanzämter dieser Länder stellen für Rentner und Pensionäre eine vereinfachte Steuererklärung für Alterseinkünfte zur Verfügung. Das klappt aber nur dann, wenn sie neben ihrer Rente oder Pension keine weiteren Einkünfte haben.

Neue Struktur der Steuerformulare

Die neue Struktur der Steuerformulare ist zwar gewöhnungsbedürftig, schafft auf jeden Fall aber mehr Platz für Steuerparmöglichkeiten. Gerade bei den "außergewöhnlichen Belastungen" kann man jetzt deutlich mehr Angaben zu steuersparenden Krankheitskosten machen – das hilft besonders steuerlichen Laien, die sonst vielleicht eine abzugsfähige Ausgabe übersehen würden.

Die neuen Steuerformulare für 2019 sind auch in der Farbgebung deutlich bunter als bisher. Das ist allerdings kein Selbstzweck. Mit der differenzierten Farbgebung macht der Fiskus deutlich, welche Daten für die Steuerklärung bereits vom Arbeitgeber, der Rentenzahlstelle, der Krankenkasse oder anderen Trägern von Sozialleistungen automatisch gemeldet wurden und vom Steuerzahler eigentlich nicht mehr ausgefüllt werden müssen.

Die entsprechenden Felder sind vor allem in der Anlage N für Arbeitnehmer, der Anlage R für Rentenbezieher und der Anlage Vorsorgeaufwand für steuerlich absetzbare Versicherungsbeiträge dunkelgrün hinterlegt und mit einem "e" markiert. Man spart sich also lästiges Abtippen – etwa von Krankenkassendaten, Riester- und Rürup-Verträgen oder Lohnsteuerbescheinigungen – da diese Daten üblicherweise dem Finanzamt auch elektronisch gemeldet worden sind. Die Devise "alles im grünen Bereich kann unausgefüllt bleiben" gilt allerdings nur, wenn man sicher ist, dass die übermittelten Daten auch richtig sind. Dann besteht die abzugebende Erklärung möglicherweise auch nur aus dem unterschriebenen zweiseitigen Hauptvordruck – alle anderen Daten hat das Finanzamt ja schon.

  • Biallo-Tipp: Die von anderen Stellen übermittelten Daten können fehlerhaft sein. Daher sollte man den Angaben nicht einfach blind vertrauen, sondern sie gegenchecken. Füllen Sie die dunkelgrünen Rubriken in den Formularen aus, wenn sie wissen, dass die dem Finanzamt übermittelten Daten falsch oder unvollständig sind. Wer einen Datenfehler erst im Steuerbescheid findet, legt innerhalb von vier Wochen Einspruch ein und verlangt eine Korrektur.

Und eines ist auch klar: Frei Haus bekommt man vom Fiskus keine Steuerspar-Tipps. Schon allein deshalb funktioniert die voll elektronische Einkommensteuererklärung nur bedingt. Denn Werbungskosten für den Beruf oder Zahlungen für Handwerker oder die Putzfrau im vergangenen Jahr kennen nur die Steuerzahler selbst – daher müssen sie sie auch selbst angeben. Denn vor allem mit diesen und weiteren Eingaben können sie eine Steuerrückerstattung einheimsen.

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Finanzamt, bitte prüfen Sie!

Die Finanzämter sollen viele eingehende Steuererklärungen vollautomatisch bearbeiten und nur noch stichprobenartig beim Steuerzahler nachfragen. Steuerzahler können aber sicherstellen, dass sich ein Beamter ihre Steuererklärung genau ansieht. Dazu gibt es im Mantelbogen 2019 die Zeile 40. Tragen Sie dort eine "1" ein und erläutern Sie auf einem Beiblatt ihr Anliegen oder ihre Frage. Sie müssen dem Beamten auch kenntlich machen, an welcher Stelle sie von der üblichen Rechtsauffassung der Finanzverwaltung abgewichen sind, die sich aus den amtlichen Ausfüllhilfen, Merkblättern und Formularen ergibt.

  • Biallo-Tipp: Wer die Zeile 40 ausfüllt, verhindert, dass ihm das Finanzamt später den Vorwurf der versuchten Steuerhinterziehung macht, wenn sich herausstellt, dass man – eventuell aus Versehen – nicht alle steuerlich relevanten Informationen mitgeteilt hat.

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  Michael Schreiber


 
 
 
 
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