Ratgeber der Woche

Lange Krankheit und Berufsunfähigkeit finanziell absichern

Update: 27.05.2020
Annette Jäger
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Auf einen Blick
  • Gemäß Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird statistisch gesehen jeder Vierte mindestens einmal während seiner Erwerbstätigkeit berufsunfähig – durchschnittlich im Alter von 44 Jahren.

  • Die Krankenkasse zahlt bei Krankheit sechs Wochen lang eine Lohnfortzahlung über den Arbeitsgeber. Reicht das gesetzliche Krankengeld nicht aus, ist eine zusätzliche Absicherung entscheidend.

  • Finanzierungslücken können beispielsweise mit einer Krankentagegeld- beziehungsweise Berufsunfähigkeitsversicherung geschlossen werden.
Das Risiko, berufsunfähig zu werden, ist groß und bringt Betroffene nicht selten in eine existentielle Schieflage.
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Jeder rechnet damit, mal krank zu werden. Doch hat man sich auch schon einmal Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn man lange krank wird, möglicherweise monatelang? Wie ist das finanziell abgesichert? Die Frage betrifft Arbeitnehmer genauso wie Selbstständige und Freiberufler.

Eine lange Krankheit, die möglicherweise sogar in eine Berufsunfähigkeit mündet, birgt ein finanzielles Risiko. Angestellte genießen zwar zunächst Lohnfortzahlungen ihres Arbeitgebers und das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse – doch das kann zu gering sein, wenn hohe monatliche Ausgaben zu bestreiten sind oder wenn das monatliche Einkommen fest verplant ist, etwa wegen der Ratentilgung eines Immobilienkredits. Um einen umfassenden Berufsunfähigkeitsschutz müssen sie sich immer selbst kümmern.

Selbstständige und Freiberufler müssen bedenken, dass sie in der Regel keine automatische Absicherung haben – sie müssen sich selbst um ihre Existenzsicherung kümmern, ab Tag eins der Krankheit.

Wegen einer Krankheit in eine finanzielle Schieflage zu geraten, kommt gar nicht so selten vor. Ein Indikator dafür ist das Risiko der Berufsunfähigkeit: Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird jeder Vierte im Verlauf seines Erwerbslebens mindestens einmal berufsunfähig und das durchschnittlich im Alter von 44 Jahren. Die häufigste Ursache dafür sind Erkrankungen – nicht etwa Unfälle. Nervenerkrankungen stehen an erster Stelle, gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats. Und wer aus diesen Gründen als berufsunfähig eingestuft wird, hat meist eine langwierige Krankengeschichte hinter sich, die ebenfalls zu finanzieren ist.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie sich Arbeitnehmer, Selbstständige wie auch Freiberufler rundum finanziell absichern können.

Lange krank: Das zahlt die Krankenkasse

So sind Arbeitnehmer abgesichert

Arbeitnehmer erhalten bei Krankheit zunächst sechs Wochen lang Lohnfortzahlung ihres Arbeitsgebers. Wer länger als sechs Wochen wegen derselben Krankheit krank geschrieben ist, erhält dann das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse. Arbeitnehmer, die pflichtversichert sind, haben Anspruch darauf ab dem 43. Krankheitstag. Das Krankengeld beträgt maximal 70 Prozent vom Brutto- beziehungsweise maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens – davon abgezogen werden Sozialversicherungsbeiträge. Und es wird für längstens 72 Wochen lang innerhalb von drei Jahren wegen derselben Krankheit bezahlt.

Gut zu wissen: Auf Krankengeld fallen keine Steuern an. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt, so dass steuerpflichtiges Einkommen stärker belastet wird.

Arbeitnehmer, die ein hohes Einkommen haben, das über der Versicherungspflichtgrenze von 5.212,50 Euro brutto im Monat liegt (Betrag für 2020) gelten als freiwillig versichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie erhalten ebenfalls ein Krankengeld, wenn sie den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent (plus Zusatzbeitrag der Krankenkasse) entrichten. Das Krankengeld ist dann in der Höhe gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze. Sie erhalten also nur 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, die im Jahr 2020 bei 4.687,50 Euro im Monat liegt, abzüglich Sozialversicherungsbeiträgen.

  • Biallo-Tipp: Verdient man deutlich mehr, kann das gesetzliche Krankengeld zu wenig sein, um die Ausgaben zu decken. Für solche Arbeitnehmer ist eine zusätzliche private Absicherung wichtig.

Das zahlt die Kasse für Selbstständige

Selbstständige können sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern. Zahlen sie nur den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent (plus Zusatzbeitrag der Krankenkasse), erhalten sie kein Krankengeld. Sie stehen ab Tag eins der Krankheit ohne Einkommen da. Sie benötigen eine private Absicherung, soweit sie den Einkommensausfall auch über einen längeren Zeitraum nicht aus dem privaten Vermögen decken können oder wollen.

Gegen Zahlung des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 Prozent (plus Zusatzbeitrag der Krankenkasse) können sich Selbstständige einen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag sichern. Die sechs Wochen bis dahin müssen sie finanziell überbrücken. Sie erhalten 70 Prozent ihres Arbeitseinkommens, das zuletzt auch für die Berechnung des Beitrags maßgeblich war. Maximal können sie 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze erhalten, die im Jahr 2020 bei 4.687,50 Euro im Monat liegt. Die Auszahlungsdauer des Krankengeldes ist dieselbe wie für Arbeitnehmer: 72 Wochen.

Selbstständige, die voll privat krankenversichert sind, haben keinerlei Anspruch auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie müssen ein Krankentagegeld über eine zusätzliche Police absichern. Das gilt auch für gut verdienende Arbeitnehmer, die privat versichert sind.

Hamburger Modell

Das Hamburger Modell bezeichnet die stufenweise erfolgende Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag. Der Arbeitnehmer soll sich nach einer Krankheit, die sechs Wochen oder länger dauert, schrittweise wieder an die volle Arbeitsbelastung gewöhnen. Auch Selbstständige, die den Krankengeldanspruch versichert haben, können das Modell nutzen. Sowohl die Arbeitszeit wie auch die Tätigkeit selbst können nach und nach gesteigert beziehungsweise angepasst werden. Welche Steigerung sinnvoll ist, wird mit dem behandelnden Arzt besprochen. Während der Eingliederung ist der Betroffene weiterhin krank geschrieben und erhält das Krankengeld der Krankenkasse. Die Teilnahme am Hamburger Modell ist freiwillig, weder Arbeitnehmer noch Chef sind verpflichtet, es zu nutzen.

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Krankengeld aufstocken: Wahltarife der Krankenkassen

Wenn das gesetzliche Krankengeld nicht ausreicht, können Versicherte die Leistung über eine private Krankentagegeldversicherung aufstocken oder aber über Wahltarife, die die gesetzlichen Krankenkassen anbieten.

Viele Angebote von Wahltarifen richten sich an freiwillig versicherte Selbstständige, die so die Möglichkeit erhalten sollen, die sechs Wochen, bis das gesetzliche Krankengeld bezahlt wird, zu überbrücken. Denn sie erhalten – anders als Arbeitnehmer – keine Lohnfortzahlung. Es gibt aber auch Tarife für Arbeitnehmer mit hohem Einkommen und für Arbeitnehmer, die nur kurzfristig angestellt sind und deshalb keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben. Ebenso gibt es spezielle Tarife für Künstler und Publizisten. In der Regel müssen alle den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent entrichten, um einen Wahltarif abschließen zu können.

Bei den Tarifen gilt eine Bindungsfrist von drei Jahren. In dieser Zeit kann man den Tarif nicht kündigen. Man ist demnach auch drei Jahre lang an die Krankenkasse gebunden und kann nicht wechseln. Auch das Sonderkündigungsrecht – etwa, wenn sich der Zusatzbeitrag erhöht – gilt nicht.

  • Biallo-Tipp: Die Wahltarife eigenen sich besonders für ältere Versicherte oder solche mit Vorerkrankungen, denn es gibt keine Gesundheitsprüfung wie bei einer privaten Krankentagegeldversicherung.

Wichtig zu wissen ist, dass die Krankenkassen einen Tarif auch wieder vom Markt nehmen können, wenn er sich als unwirtschaftlich erweist. Ein Wechsel zu einem privaten Krankentagegeldanbieter kann dann womöglich teuer werden, denn dort fließen Alter und Gesundheitszustand in die Beitragsberechnung mit ein.

Beispiele für Wahltarife

Techniker

Ergänzungstarif KG Klassik 22: für Selbstständige und Arbeitnehmer ohne Lohnfortzahlung. Der Tarif sichert ein Krankentagegeld ab dem 22. bis zum 42. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Die Höhe lässt sich selbst festlegen, je nach Einkommen sind zwischen 30 und 200 Euro in fünf Euro-Schritten möglich. Je fünf Euro Krankengeld fallen 1,90 Euro an Beitrag im Monat an. Ein Krankengeld von 30 Euro am Tag kostet demnach 11,40 Euro im Monat an Beitrag. Versicherte können maximal 70 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens als Krankengeld absichern.

Tarif KG Plus:für Selbstständige und Arbeitnehmer ohne Lohnfortzahlung. Die Leistung aus diesem Tarif gibt es zusätzlich zu dem gesetzlichem Krankengeld ab dem 43. Tag. Er eignet sich damit, um Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze abzusichern. Die Krankengeldhöhe kann zwischen zehn und 100 Euro am Tag in Zehn-Euro-Schritten gewählt werden. Je zehn Euro Krankengeld fallen acht Euro an Beitrag im Monat an.

Barmer

Ergänzungstarif KGS22:für Selbstständige, der ein Krankengeld in Höhe von 70 Prozent des beitragspflichtigen Arbeitseinkommens sicherstellt. Der Tarif sieht eine Krankengeldzahlung ab dem 22. Krankheitstag vor, bis zum 42. Tag. Der Beitrag liegt bei 1,0 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zur Krankenversicherung, maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Volltarif KGS92: Der Tarif sichert ein Krankengeld ab dem 92. Tag und eignet sich somit für Selbstständige, die aus eigenen Mitteln drei Monate lang finanziell überbrücken können, bis das Krankengeld fließt. Sie zahlen dafür 0,4 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zur Krankenversicherung, maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

AOKs

Krankengeld KG22: richtet sich an Selbstständige sowie unständig und kurzzeitig beschäftigte Arbeitnehmer bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres. Wer älter ist, muss besondere Bedingungen erfüllen. Der Tarif sieht ein Krankengeld vor ab dem 22. Tag bis zum 42. Tag der Krankheit. Die Höhe ist nicht frei wählbar, sie beträgt immer 70 Prozent des beitragspflichtigen Arbeitseinkommens. Der Beitrag liegt bei 0,7 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen.

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Lange Krankheit mit privatem Krankentagegeld absichern

Wem das Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung nicht ausreicht, kann die Finanzierungslücke über eine private Krankentagegeldversicherung schließen. Das Krankentagegeld kann bei gesetzlich Krankenversicherten die Differenz zwischen dem gesetzlichen Krankengeld und dem Nettogehalt ausgleichen. Eine Krankentagegeldversicherung leistet zeitlich unbefristet.

Im Leistungsfall erhält man einen Tagessatz ausbezahlt. Wie hoch dieser ist, wird bei Vertragsabschluss festgelegt, ebenso der Zeitpunkt, also ab dem wie vielten Krankheitstag es ausgezahlt wird. Selbstständige können Leistungen ab dem ersten Krankheitstag beziehen, Arbeitnehmer erst ab der siebten Krankheitswoche, da sie vorher durch die Lohnfortzahlungen ihres Arbeitsgebers abgesichert sind.

Höhe des Tagessatzes

Wie hoch der Tagessatz sein soll, hängt von der individuellen finanziellen Situation ab. Je früher das Tagegeld ausgezahlt wird und je höher es ist, desto höher sind auch die Beiträge. Eine Absicherung am dem ersten Tag ist wesentlich teurer, als eine Absicherung ab dem 43. Tag.

Das Gute ist, dass Krankentagegeldtarife in der Regel eine Staffelung der Leistungen erlauben. So kann man zu Beginn einer Erkrankung ein niedriges Krankentagegeld festlegen, das man zu einem späteren Zeitpunkt aufstocken kann. Das ist insbesondere für Selbstständige interessant, die möglicherweise die ersten ein oder zwei Monate einer Erkrankung noch gut überbrücken könnten, weil noch Rechnungsbegleichungen ausstehend sind.

  • Biallo-Tipp: Das Krankentagegeld darf auf den Monat gerechnet nicht höher als das monatliche Nettoeinkommen sein.

Darüber hinaus fließen auch Alter und Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers in die Beitragskalkulation mit ein. Man sollte also in jungen Jahren, wenn man noch gesund ist, einen Vertrag abschließen – dann sind die Beiträge deutlich niedriger als wenn man älter ist und Vorerkrankung hat, die zu Risikozuschlägen führen.

Diese Tarifleistungen sind wichtig

Nachversicherungsoption: Die Höhe des vereinbarten Krankengelds sollte sich ohne erneute Gesundheitsprüfung und Wartezeit beispielsweise bei Einkommenssteigerungen nachträglich anpassen lassen.

Rückfallerkrankung: Der Versicherer leistet bei Rückfallerkrankungen und wiederholter Arbeitsunfähigkeit ohne erneute Karenzzeiten (vertraglich festgelegte Wartezeit bis Zahlung beginnt, zum Beispiel 22. Tag, beziehungsweise 43. Tag). Das gilt zumindest innerhalb eines festgelegten Zeitraums.

Reha: Auch während Kur- und Sanatoriumsaufenthalten oder stationärer Reha-Maßnahmen besteht ein tariflicher Leistungsanspruch auf Krankentagegeld.

Schwangerschaft: Frauen erhalten bei schwangerschaftsbedingter Arbeitsunfähigkeit Krankentagegeld.

Alkohol: Das Krankentagegeld wird bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder nach Unfällen bezahlt, auch wenn Alkohol dabei eine ursächliche Rolle gespielt hat.

Kündigungsrecht: In den ersten drei Jahren nach Vertragsabschluss verzichtet der Versicherer auf sein ordentliches Kündigungsrecht.

Tarifbeispiele für Krankentagegeld

Modellfall: Krankentagegeldtarife für einen Versicherungsnehmer, Freiberufler, 35 Jahre, 100 Euro pro Tag ab dem 22. bzw. 43. Tag. Versicherungsbeginn 1. September 2020

Anbieter*

Krankentagegeld

ab dem 22. Tag in Euro

Krankentagegeld

ab dem 43. Tag in Euro

Allianz

140,00

60,80

Alte Oldenburger

71,60

49,80

Deutsche Familienversicherung

-

37,20

Deutscher Ring

44,40

25,40

Hallesche

55,80

41,40

Hanse Merkur

94,10

39,10

Huk-Coburg

53,40

30,60

SDK

98,00**

56,00

Signal

88,90

47,70

*Manche Unternehmen bieten mehrere Tarife für Freiberufler an und begünstigen zum Beispiel besondere Berufsgruppen (beispielsweise Allianz)

**ab dem 29. Tag

Quelle: Biallo.de; Stand April 2020. Angaben ohne Gewähr. Alle Angaben haben die Anbieter zur Verfügung gestellt.

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So sichern Sie eine Berufsunfähigkeit ab

Manchmal dauert eine Krankheit so lange, dass eine dauerhafte Berufsunfähigkeit daraus wird. Leider reichen die Leistungen, die der Staat für diesen Fall anbietet nicht aus, um die Finanzlücke, die sich dann auftut, zu schließen. Jedem, der auf sein Einkommen angewiesen ist, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist dringend geraten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Lesen Sie, welche Zahlungen Sie vom Staat erwarten können:

Diese Rente zahlt der Staat

Für alle, die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, kann in bestimmten Fällen eine Erwerbsminderungsrente in Frage kommen. Das sind die Voraussetzungen:

  • Der Betroffene muss mindestens fünf Jahre lang in die gesetzliche Rente eingezahlt haben und gleichzeitig

  • innerhalb der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsunfähigkeit mindestens drei Jahre lang pflichtversichert gewesen sein. Für diese Wartezeiten gelten in bestimmten Lebenssituationen auch Ausnahmen.

Die Zahlungen vom Staat sind an weitere Bedingungen geknüpft:

  • Ist der Betroffene nach 1961 geboren, erhält er eine volle Rente nur dann, wenn er nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann.

  • Kann er zwischen drei und sechs Stunden arbeiten, kommt eine Teilerwerbsminderungsrente in Frage.

  • Kann er mehr als sechs Stunden am Tag arbeiten, erhält er gar keine Rente.

Biallo-Tipp

Der ausgeübte Beruf spielt bei der Erwerbsminderungsrente keine Rolle. Ein Universitätsprofessor kann auch auf eine ungelernte Tätigkeit verwiesen werden. Allerdings wird die Arbeitsmarktlage berücksichtigt. Wer bis zu sechs Stunden arbeiten könnte, aber keine Stelle findet, erhält die volle Rente.

Wer vor 1961 geboren ist, genießt noch Berufsschutz. Er erhält die Erwerbsminderungsrente auch dann, wenn er in seinem erlernten oder einem gleichwertigen Beruf nicht mehr arbeiten kann.

Rentenhöhe

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente richtet sich nach der Anzahl der Versicherungsjahre in der Rentenversicherung und den dort bereits gesammelten Entgeltpunkten. Im Durchschnitt beträgt die Rente weniger als ein Drittel des letzten Bruttogehalts.

  • Fazit: Auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kann man sich nicht verlassen. In der Regel leistet sie viel zu wenig, um den Einkommensverlust bei längerer Arbeitsunfähigkeit aufzufangen. Im Durchschnitt erhalten Betroffene Rentner rund 800 Euro im Monat.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitspolice leistet, wenn man wegen Krankheit oder wegen eines Unfalls langfristig nicht mehr arbeiten kann. Der Versicherungsnehmer erhält eine monatliche Rente für die Dauer der Berufsunfähigkeit, notfalls bis zum Rentenalter. In der Regel erhält man die volle Monatsrente schon ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit.

  • Biallo-Tipp: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift viel früher, als viele meinen: Dauert eine Erkrankung voraussichtlich länger als sechs Monate gewährt die Police in der Regel eine monatliche Rente. Wird man wieder gesund, kehrt man in seinen Beruf zurück.

Gute Verträge zahlen ab Tag eins der Krankheit, wenn die Prognose bereits getroffen werden kann, dass die Erkrankung länger als sechs Monate dauern wird. Die Police zahlt auch rückwirkend ab dem ersten Tag der Krankheit, wenn zum Zeitpunkt der Erkrankung nicht absehbar war, dass daraus eine Berufsunfähigkeit wird, die sechs Monate aber vergangen sind und man immer noch krank ist.

Rentenhöhe

Die monatliche Rente sollte etwa 70 bis 80 Prozent des Nettogehalts betragen. Das ist aber nur eine Richtgröße. Wer frei verfügbares Einkommen aus anderen Quellen hat – beispielsweise Vermietung der Vermögensanlagen – kann dies bei der Berechnung der Rentenhöhe mit einkalkulieren. Eine Laufzeit bis zum Rentenalter ist wichtig.

  • Biallo-Tipp: Viele unterschätzen den monatlichen finanziellen Bedarf, der sich bei einer Berufsunfähigkeit ergibt. Noch dazu scheuen viele die relativ hohen Beiträge einer umfassenden Absicherung. Doch die Investition lohnt sich. Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Policen. Besser verzichtet man auf andere, weniger relevante Versicherungen und sichert dafür das Einkommen umfassend ab, denn das ist existenziell.

Das sollte ein guter Vertrag leisten

Beitrags- und Leistungsdynamik: Mit der Beitragsdynamik steigt der Beitrag kontinuierlich an, was die Inflationsrate über die gesamte Laufzeit der Police ausgleicht. Die Leistungsdynamik garantiert, dass im Rentenfall der Inflationsausgleich bei der Auszahlung berücksichtigt wird.

Verzicht auf abstrakte Verweisung: So ist man nicht gezwungen, auf einen anderen Beruf auszuweichen, wenn man berufsunfähig wird.

Nachversicherungsoptionen: Sie ermöglicht die Anpassung der monatlichen Rentenhöhe, wenn man mehr verdient. Der Versicherer sollte dies ohne erneute Gesundheitsprüfung ermöglichen.

Sechs-Monats-Prognose: Entscheidend ist für den Versicherungsnehmer die Frage, für wie lange er voraussichtlich berufsunfähig sein muss, damit die Versicherung die Rente ausbezahlt. Manchen Versicherern reicht es aus, wenn der behandelnde Arzt eine voraussichtliche sechsmonatige Berufsunfähigkeit bescheinigt, um die Rente auszubezahlen. Andere Versicherer verlangen eine Prognose von drei Jahren, die ein Arzt oft nur sehr schwer machen kann. Der Versicherungsnehmer hat es demnach schwerer, an seine monatliche Rente zu kommen.

Anerkennung ab Beginn der Erkrankung: Manchmal ist zu Beginn einer Krankheit noch gar nicht absehbar, dass aus dem Leiden eine Berufsunfähigkeit wird. Ist der Versicherungsnehmer länger als sechs Monate nicht in seinem Beruf einsatzfähig, zahlen viele Versicherer rückwirkend ab Eintritt der Berufsunfähigkeit.

Rückwirkende Zahlung: Manchmal vergehen Monate und Jahre, bis ein Versicherungsnehmer begreift, dass er nie wieder in seinem Beruf arbeiten kann. Günstig ist es dann, wenn die Versicherung bei verspäteter Meldung der Berufsunfähigkeit bis zu drei Jahre rückwirkend die Rente ausbezahlt.

Beiträge

Es lohnt sich, die Police in jungen Jahren abzuschließen, denn es ist eine umfassende Gesundheitsprüfung nötig. Wer chronische Erkrankungen hat, muss meist Aufschläge zahlen oder wird unter Umständen sogar ganz abgelehnt. Auch für Berufe, die eine erhöhte Gefahr für die Gesundheit darstellen, sind Risikoaufschläge zu zahlen. Wer einmal eine Psychotherapie gemacht hat, hat kaum Chancen, einen Vertrag zu erhalten.

Wer eine Police abschließt, sollte die Beitragsstruktur der Berufsunfähigkeitsversicherung kennen. Die Versicherer weisen zwei Beiträge auf: einen Tarif- und einen Zahlbeitrag, auch Brutto- oder Nettobeitrag genannt.

Tarifbeitrag: Das ist die vertraglich festgelegte Prämie, die für den jeweiligen Versicherungsschutz kalkuliert wurde. Sie weist den Maximalbeitrag aus, den der Versicherungsnehmer zu bezahlen hat.

Zahlbeitrag: Tatsächlich bezahlt der Versicherungsnehmer aber nur den günstigeren Zahlbeitrag. Das liegt daran, dass den meisten Verträgen das Modell Beitragsverrechnung zu Grunde liegt: Die Unternehmen beteiligen ihre Kunden an den erwirtschafteten Überschüssen, Gewinne werden somit direkt mit den Beiträgen verrechnet und statt des Tarifbeitrags kann das Unternehmen den günstigeren Zahlbeitrag anbieten. Allerdings gibt es für diese Überschüsse keine Garantie. Erwirtschaftet das Unternehmen geringere Überschüsse, steigt der Zahlbeitrag – maximal bis zum Tarifbeitrag.

Deshalb müssen Kunden bei Abschluss einer Police immer beide Beträge im Augen haben. Gut ist, wenn die Tarife eine möglichst geringe Differenz zwischen Zahl- und Tarifbeitrag aufweisen. Als Faustregel gilt: Die Spanne zwischen beiden Werten soll nicht mehr als 30 Prozent betragen. Ist die Differenz dagegen sehr groß, stellt sich die Frage nach der realistischen Kalkulation des Anbieters, der möglicherweise mit einem geringen Zahlbeitrag auf Kundenfang geht.

Tarifbeispiele Berufsunfähigkeitsversicherung

Modellkunde: Versicherungsnehmer, 30 Jahre, Nichtraucher, Bürokaufmann/-frau, 100 % Bürotätigkeit, Versicherungsbeginn ab 1.7.2020. Garantierte monatliche Rente 1.500 Euro, Vertragslaufzeit bis zum Alter von 67 Jahren. Überschussverwendung als Sofortrabatt. Genannt sind Tarife mit Verzicht auf abstrakte Verweisung und Nachversicherungsgarantie bei Heirat/Geburt eines Kindes/Adoption.

Versicherer

Tarif

Zahlbeitrag pro Monat in Euro

Bruttobetrag pro Monat in Euro

Canada Life

BU

60,06*

60,06*

Dialog

SBU professional

61,70

77,13

Signal Iduna

Comfort SI Worklife Exklusive-Plus

64,43

93,37

Bayerische

BU Komfort

65,65

106,75

Europa

E-BU

67,64

112,73

Hannoversche

B1

69,64

90,24

Stuttgarter

BUV Plus Tarif 91

69,95

105,99

Basler

BP

70,00

93,33

*Festpreis, keine Erhöhung während der Laufzeit

Quelle: biallo.de / Anbieter / Morgen & Morgen, Stand April 2020, alle Angaben ohne Gewähr.

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Krank oder berufsunfähig?

Viele meinen, sie benötigen keine Krankentagegeldabsicherung, weil bei einer längeren Krankheit die Berufsunfähigkeitsversicherung greift. Es stimmt, dass bei Krankheiten, die länger als sechs Monate dauern, die Berufsunfähigkeitsversicherung greift – bei älteren Verträgen gelten allerdings Fristen von bis zu drei Jahren. Folgendes ist zu bedenken: Oft ist zu Beginn einer Krankheit nicht absehbar, dass daraus eine Berufsunfähigkeit wird. Dann muss man die Zeit bis zur möglichen Feststellung einer Berufsunfähigkeit finanziell überbrücken.

Umgekehrt ersetzt auch eine Krankentagegeldpolice keine Berufsunfähigkeitsabsicherung. Es heißt zwar, das Krankentagegeld wird unbefristet bezahlt. Doch oft findet sich in den Bedingungen der Zusatz, dies gelte, solange man nicht auf "unabsehbare Zeit" erkranke. Bei psychischen Erkrankungen oder Krebs ist es schwer abzuschätzen, wie eine Krankheit verläuft und wie lange sie einen beeinträchtigt. Der private Krankenversicherer wird schnell nachprüfen, ob nicht eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Ist das der Fall, werden die Zahlungen eingestellt. Dann sollte man mit einer Berufsunfähigkeitspolice vorgesorgt haben.

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