Senioren und Studenten helfen sich gegenseitig

Wohnen für Hilfe Senioren und Studenten helfen sich gegenseitig

Helga Riedel
von Helga Riedel
14.10.2017
Auf einen Blick
  • "Wohnen für Hilfe" sind Projekte, bei denen Studenten ein Zimmer im Haus von Senioren, Pflegebedürftigen oder Familien bewohnen und dafür im Haushalt oder Garten helfen.

  • Nach Kennenlernen und Probewohnen von etwa vier Wochen schließen beide Wohnpartner mit Unterstützung der Vermittlungsstelle einen Vertrag.

  • Ein möglichst detaillierter Vertrag ist dabei kein Ausdruck von Misstrauen, sondern die beste Basis für ein harmonisches Miteinander.
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Möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben – das wünschen sich die allermeisten Senioren. Das Projekt "Wohnen für Hilfe" kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Schon Anfang der 90er Jahre suchten angehende Studenten in den Universitätsstädten verzweifelt und oft vergeblich nach bezahlbaren Unterkünften. Gleichzeitig lebten viele der Eltern der geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre in Häusern und Wohnungen mit all den verwaisten Kinderzimmern. Im Kölner Stadtteil Heimersdorf beispielsweise, in den 60er Jahren einer der kinderreichsten Deutschlands, sind die Häuser ganzer Straßenzüge nur von betagten Paaren oder Witwen bewohnt.

Diese beiden Tatsachen brachten die Studenten der Fachhochschule für Sozialwesen in Darmstadt auf eine ebenso naheliegende wie geniale Idee: Wohnungssuchende Studenten mit klammen Kassen und hilfsbedürftige Senioren mit reichlich Platz zu gegenseitigem Nutzen zusammen zu bringen. Unter Leitung von Professorin Anne-Lotte Kreickemeier entwickelten sie daraus 1992 das Projekt "Wohnen für Hilfe".

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Die Idee dahinter

Mögen Senioren heute so aktiv und fit sein wie nie zuvor, irgendwann beginnen die Kräfte doch nachzulassen. Zwar lässt sich der Alltag auch dann noch einigermaßen bewältigen, aber Schnee schippen, Getränkekisten schleppen, Hecken schneiden oder auf Leitern rumturnen, um Vorhänge zu waschen oder Zwetschgen zu ernten, sind eines Tages einfach nicht mehr drin oder ein unkalkulierbares Unfallrisiko.

Deshalb das geliebte Zuhause mit all den Erinnerungen zu verlassen, das vertraute soziale Umfeld mit Nachbarn, Freunden, Kirchengemeinde, Vereinen und Ärzten aufzugeben, kommt für die meisten Senioren nicht so schnell in Frage. Schließlich sind sie noch nicht reif fürs Altersheim, bräuchten nur ein wenig Unterstützung.

Die könnte ihnen ein junger tatkräftiger Mitbewohner bieten, obendrein noch kostenfrei, wenn man ihn dafür in einem nicht mehr benötigten Raum wie Kinder- oder Arbeitszimmer einquartiert. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Sie müssen sich nur finden.

Partnervermittlung der besonderen Art

Hier setzt das Projekt "Wohnen für Hilfe" an. Ursprünglich ausschließlich im Umfeld der Hochschulen angesiedelt, registrieren die Mitarbeiter zunächst die interessierten Studierenden ebenso wie potenzielle ‚Vermieter‘ und überprüfen die Eignung der angebotenen Räumlichkeiten. Doch anders als bei einer Zimmervermittlung werden die Suchenden nicht einfach mit Kontaktdaten versorgt und von Haus zu Haus geschickt.

Am Anfang der Vermittlung stehen detaillierte schriftliche Selbstauskünfte sowie ausführliche Interviews. Auf diese Weise versuchen die Projektleiter ähnlich einer Partnervermittlung herauszufinden, welche Kandidaten unter den Senioren und Studierenden am besten miteinander harmonieren könnten. Je ehrlicher und offener hier die Auskünfte sind, umso größer die Chancen, den richtigen WG-Partner zu finden.

Denn natürlich haben vielleicht schon länger alleinlebende Senioren eingefahrene Gewohnheiten und gänzlich andere Bedürfnisse als ein junger Mensch, der gerade ins selbstständige Erwachsenenleben startet. Rücksichtnahme, Toleranz und Einfühlungsvermögen sind deshalb Eigenschaften, die alle Beteiligten mitbringen sollten.

Haben die Mitarbeiter des Projekts mögliche Partner ausgemacht, findet zunächst ein unverbindliches Treffen zum gegenseitigen Kennenlernen statt. Können sich beide ein Zusammenleben vorstellen, steht einem Einzug nichts mehr im Wege – allerdings zunächst für vier Wochen auf Probe. Erst nach dieser Frist schließen Vermieter und Mieter einen tragfähigen detaillierten Vertrag.

Bei den mittlerweile über 40 Vermittlungsstellen für Wohnen für Hilfe in ganz Deutschland gibt es sicherlich im Detail manche Unterschiede beispielsweise bei der Erhebung von Gebühren. Während in Köln, Freiburg oder Würzburg die aufwendige Vermittlung kostenlos erfolgt, werden in München für Studierende drei Euro Anmeldegebühr und bei erfolgreicher Vermittlung von beiden Parteien jeweils 25 Euro fällig.

In Starnberg kostet der gleiche Service für den Vermieter 75 und den Mieter 50 Euro. Einige Eckdaten sind aber allen Projekten unter dem Dach von "Wohnen für Hilfe" gemeinsam:

  • Pro Quadratmeter Wohnfläche eine Stunde Hilfe im Monat.
  • Die Nebenkosten trägt der Mieter.
  • Vier Wochen Probezeit.
  • Mietdauer mindestens ein Jahr.
  • Es gilt die gesetzliche Kündigungsfrist (möblierte Zimmer zwei Wochen zum Monatsende, unmöblierte Räume oder Einliegerwohnung drei Monate zum Monatsende).
  • Keine Pflegeleistungen.
  • Schriftlicher Vertrag.
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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Die Vertragsgestaltung

In aller Regel halten die Träger von "Wohnen für Hilfe" einen Mustervertrag zur "Wohnraumüberlassung" oder "Wohn-Partnerschaft" bereit und helfen beim Ausfüllen und dem Verfassen individueller Vereinbarungen. Wichtig ist es, im Vertrag das Zustandekommen des Mietverhältnisses im Rahmen des gemeinnützigen Projektes "Wohnen für Hilfe" und seinen sozialen Charakter hervorzuheben.

Beim Trägerverein "Die Wohnlotsen" in Flensburg etwa klingt das so: "Neben dem erklärten Mietziel: Wohnraum gegen Hilfeleistungen wird eine soziale Begegnung zwischen den Generationen, Erfahrungsaustausch, Förderung der Sozialkompetenz ermöglicht. Vermieter/in und Mieter/in gehen zur Erfüllung dieser Ziele eine Wohnpartnerschaft ein." Denn ohne die quasi ‚freiwillige Nachbarschaftshilfe‘ würde zwischen den beiden Partnern ein Arbeits- und Mietverhältnis mit wirtschaftlichem Interesse entstehen, das steuer-, sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Konsequenzen hätte.

Fließen allerdings tatsächlich Mieteinnahmen beispielsweise, weil für einen großen Raum oder eine Einliegerwohnung aus zeitlichen Gründen nicht genügend Hilfestunden geleistet werden können, müssen diese natürlich ganz regulär als Mieteinnahmen versteuert werden.

In jedem Fall sollte der Überlassungsvertrag folgende Punkte enthalten:

  • Den oder die Räume zur alleinigen Nutzung mit genauen Quadratmeterangaben.
  • Räume und Gegenstände der gemeinschaftlichen Nutzung wie Bad, Küche, Keller, Balkon/Terrasse, Garten, Garage, Waschmaschine mit evtl. Angaben von Nutzungszeiten.
  • Dauer des Mietvertrages und Kündigungsfristen.
  • Kaution und Miete.
  • Mietnebenkosten und deren Abrechnungsmodalitäten.
  • Allgemeines zu den Themen, Schlüssel, Einrichtung, Reparaturen, Renovierung bei Auszug, Tierhaltung etc.

Wichtig für eine gelungene Wohnpartnerschaft ist es außerdem, in einem Anhang die gegenseitigen Erwartungen genau zu definieren, um möglichst viele Konfliktfelder auszuschließen. Dazu gehört:

  • Die Stundenanzahl und Art der Hilfeleistung.
  • Zeiten für die Hilfeleistung (täglich, wöchentlich, zu festgelegten Zeiten, spontan).
  • Verrechnung von Stundendifferenzen am Monatsende.
  • Regelungen für die jeweilige Abwesenheit (Wochenende, Semesterferien).
  • Regelungen für den Fall von Krankheit.
  • Vereinbarungen über Besuche.
  • Gewünschte gemeinsame Freizeitaktivitäten oder Mahlzeiten.

Begleitung und Beratung

Mit Abschluss eines Vertrages ist der Job der Mitarbeiter von "Wohnen für Hilfe" aber keineswegs beendet. Sie stehen jederzeit als Ansprechpartner und Konfliktlöser auch vor Ort und für beide Seiten zur Verfügung. Gerade in der Phase des Kennenlernens werden Enttäuschungen und Missverständnisse nicht ausbleiben. Da können sie über manche Hürde helfen, bis sich das Zusammenleben eingespielt hat.

Nicht nur Senioren brauchen Hilfe

Obwohl das Konzept perfekt auf die Zielgruppen Senioren und Studenten zugeschnitten ist, haben sich im Laufe der Jahre bei den Vermittlungsstellen immer öfter neue hilfesuchende Interessenten gemeldet: Familien, Alleinerziehende oder Menschen mit Handicap. Sofern die Rahmenbedingungen stimmen und ein entsprechendes Zimmer zur Verfügung steht, werden diese Personenkreise nun auch in die Vermittlung von "Wohnen für Hilfe" aufgenommen.

Je nach Vorlieben und Lernpensum haben Studenten heute also immer öfter die Wahl zwischen einem eher ruhigen Senioren-Haushalt oder turbulentem Familienleben. Dort geht es häufig darum, ein Zeitfenster im Familienalltag abzudecken, beispielsweise weil die Eltern morgens früher aus dem Haus müssen als die Kinder oder später nachhause kommen.

Hilfe bei den Hausaufgaben, mit dem Hund Gassi gehen oder regelmäßige Abendaktivitäten ermöglichen – schon ein paar Stunden Unterstützung pro Woche können für gestresste Eltern und besonders Alleinerziehende eine enorme Erleichterung bedeuten.

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Vermittlung über Online-Plattformen

Das von den Darmstädter Studenten entwickelte Konzept und sein Erfolg basieren ganz wesentlich auf der persönlichen Vermittlung und Betreuung durch die Mitarbeiter des Projekts. Dennoch bieten zunehmend Online-Plattformen, die lediglich als Marktplatz für Zimmer- und/oder Jobangebote fungieren, als eigene Anzeigenrubrik "Wohnen für Hilfe" an. So können auf mitwohnen.org, wg-gesucht.de, room-and-care.com oder needyou-betreuerboerse.de hilfesuchende Vermieter nach arbeitswilligen Mitbewohnern fahnden und umgekehrt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf diese Weise relativ schnell WG-Partner finden, bei denen die Chemie stimmt, ist allerdings eher gering. Da sollte man doch lieber auf die Kompetenz der Mitarbeiter bei den Vermittlungsstellen von "Wohnen für Hilfe" setzen, zumal deren Service häufig kostenlos oder nur zu einer geringen Gebühr zu haben ist. Wer dennoch auf einem der Online-Portale ein passendes Angebot findet, ist gut beraten, sich hinsichtlich Vertragsabschluss und Versicherungen an die Empfehlungen der Projekt-Träger zu halten.

Besondere Varianten des "Wohnen für Hilfe" Konzepts

Gute Ideen machen Schule. So auch bei "Wohnen für Hilfe". Das Grundprinzip, verfügbaren – und in den Ballungszentren heiß begehrten – Wohnraum als Tauschobjekt einzusetzen, lässt mit veränderten Zielgruppen und Rahmenbedingungen die unterschiedlichsten Varianten sozialen Miteinanders entstehen.

Senioren helfen Senioren

Jung und Alt in einer WG – das kann sicher für beide Seiten bereichernd sein. Doch viele Senioren haben auch Bedenken, einen um viele Jahrzehnte jüngeren Menschen bei sich aufzunehmen. Neben wenig Gemeinsamkeiten und Gesprächsstoff fürchtet sich mancher vor zu viel Trubel im Haus, Übernachtungsgästen, lauter Musik oder mangelnder Ordnungsliebe.

Für sie gibt es ein Modell von "Wohnen für Hilfe", das ihren Vorstellungen vielleicht eher entspricht. Wir haben "diese Idee weiterentwickelt: Als Wohnen für Hilfe VON Senioren FÜR Senioren", schreiben Anja Dreimann und Thomas Hery auf ihrem Internetportal "Lebens-WG – Wohnen – Helfen – Leben". Ihre Vorstellungen des Projekts beschreiben sie so: "Auf Lebens-WG.net kann prinzipiell jeder Senior Wohnraum gegen Hilfe zur Verfügung stellen, der Platz für einen Mitbewohner oder eine Mitbewohnerin hat, an Kontakt zu anderen Senioren interessiert ist und im Alltag gelegentlich Unterstützung benötigt.

Hilfe gegen Wohnraum bieten können grundsätzlich rüstige Senioren oder Frührentner, die eine rentensparende, gesellige Wohnform suchen und bereit sind, einen Teil ihrer Zeit in Hilfeleistungen für andere Senioren zu investieren." Offensichtlich findet das Konzept Anklang. Fast 300 Interessierte suchen derzeit auf der Seite nach WG-Partnern.

Wer hier nicht fündig wird, hat vielleicht auf "plusWGs Wohngemeinschaften ab 50" mehr Glück. Unter der Rubrik "Wohnen für Hilfe" kann man hier sortiert nach Bundesländern oder Postleitzahl mit Umkreis-Angabe nach Angeboten suchen oder selbst eine Anzeige schalten.

Studenten bringen neuen Schwung ins Seniorenheim

Eine ganz besondere Form des Konzepts "Wohnen für Hilfe" hat die Kreuznacher Diakonie, eine 1889 gegründete kirchliche Stiftung, in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk im Saarland e.V. entwickelt. Ein ganzes Wohngebäude mit 19 Ein-Zimmer-Appartements auf dem Gelände der Generationenanlage "Am Steinhübel" steht ausschließlich Studierenden zur Verfügung, die sich als "helfende Hände" im Seniorenheim der Anlage einbringen.

Für eine reduzierte Miete sorgen sie zehn Stunden im Monat für "unterhaltsame Abwechslung und fördernde Betreuung im Alltag". Je nach Studienfach und Interessenlage treiben sie mit den Heimbewohnern Sport und Gymnastik, organisieren Ausflüge und kulturelle Veranstaltungen, kochen, gärtnern oder musizieren gemeinsam.

Die Studenten voller Elan und Ideen wurden nicht nur von den Senioren und Mitarbeitern begeistert aufgenommen. Das Konzept fand auch große mediale Aufmerksamkeit und wird sicher an weiteren Standorten der Kreuznacher Diakonie und anderer Träger Nachahmer finden.

Inklusive Wohngemeinschaften

In inklusiven Wohngemeinschaften leben Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen und Menschen ohne Behinderung zusammen. Im Gegensatz zum Leben in Heimen oder betreuten WGs hat dies für die Bewohner mit Handicap den großen Vorteil, mitten in der Gesellschaft im ganz normalen Leben anzukommen.

Die Unterstützung durch ihre WG-Mitglieder bei praktischen Dingen des Alltags wie Kochen, Einkaufen, Arztbesuchen oder Behördengängen erlaubt ihnen ein Leben in Selbstbestimmung und größtmöglicher Selbstständigkeit. In München beispielsweise hat der Verein "Gemeinsam Leben Lernen" in den letzten Jahren sieben solcher Wohngemeinschaften gegründet, drei weitere sind in Vorbereitung.

In jeder der Wohnungen leben vier Menschen mit Behinderung zusammen mit vier Studenten, die als Gegenleistung für ihre Hilfe mietfrei wohnen. Freie Plätze findet man ganz normal über WG-Börsen wie WG-gesucht.de. Wer als neuer Mitbewohner in Frage kommt, entscheiden dann natürlich alle WG-Mitglieder gemeinsam.

Ähnliche inklusive Wohngemeinschaften mit je nach Unterstützungsbedarf unterschiedlichen Belegungen gibt es in vielen deutschen Städten. Der Verein "Lebenshilfe" etwa betreibt oder unterstützt solche Wohnmodelle u.a. in Würzburg, Freiburg, Berlin, Gießen, Darmstadt-Dieburg und Dresden. In vielen anderen Städten wie beispielweise Bremen, Köln, Lüneburg, Ludwigshafen, Saarbrücken oder Hamburg sind es in der Behindertenarbeit engagierte Vereine, die als Träger inklusive Wohngemeinschaften gründen und begleiten.

Wer sich für diese Form des Wohnens für Hilfe interessiert, wird im Internet unter dem Stichwort "Inklusive Wohngemeinschaft" und dem jeweiligen Ortsnamen meist fündig. Außerdem bemüht sich die 2016 gegründete Plattform wohnsinn.org alle inklusiven WGs in Deutschland aufzulisten und liefert viele Informationen rund ums Thema, beispielsweise zur Gründung einer solchen Wohngemeinschaft.

Integrative Wohngemeinschaften

Begleitung und Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags brauchen auch sie: junge Geflüchtete, die ohne Familie in Deutschland leben. Nach einer Zeit intensiver Betreuung in Jugendhilfeeinrichtungen sollen und müssen sie durch begleitetes Wohnen zunehmend selbstständig werden und sich in das Leben in Deutschland integrieren. Neben der Betreuung durch pädagogische Fachkräfte ist dabei der Kontakt zu gleichaltrigen Deutschen besonders wichtig.

In München hat der Verein Condrobs dafür ein integratives "Wohnen für Hilfe" Projekt gestartet. In einem umgebauten ehemaligen Bürogebäude leben nun 61 unbegleitete männliche Jugendliche und junge Erwachsene in Wohngemeinschaften zusammen. Auf ihrem Weg der Neuorientierung, bei Schulbesuch, Ausbildung, Sprachkursen und Hausaufgaben werden sie von Fachpersonal unterstützt. Daneben wohnen im gleichen Gebäude in 42 Appartements Studierende, die einen Teil ihrer Miete durch Mitarbeit im Integrationsprojekt wie Freizeitaktivitäten oder Nachhilfe finanzieren können.

Das klassische "Wohnen für Hilfe" – also Jung hilft Alt – kann für Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel auch ein Weg in die deutsche Gesellschaft sein. Da sie normalerweise die Flüchtlingsunterkünfte verlassen müssen, stehen sie vor dem Problem, bezahlbaren Wohnraum zu finden. In vielen Städten beispielsweise Heidenheim und Erlangen bemüht man sich nun, Flüchtlinge über die Projekte "Wohnen für Hilfe" bzw. angelehnt an Aupair-Programme als Hilfen und Mitbewohner in deutsche Haushalte zu vermitteln - zur Förderung der Integration und gegenseitigem Nutzen.

Wohnen für Bildung

In Duisburg hat der gemeinnützige Verein "Tausche Bildung für Wohnen" eine weitere hilfsbedürftige Zielgruppe ausgemacht: sozial benachteilige Kinder im schwierigen Duisburger Stadtteil Marxloh. Ziel ist es, "die Chancengleichheit von Kindern aus prekären Verhältnissen zu verbessern, jungen Menschen ein lebensnahes, soziales Betätigungsfeld zu bieten und dadurch positiv in schwierige Stadtviertel hinein zu wirken".

Dafür erhalten Studenten kostenlosen Wohnraum und betreuen im Gegenzug als "Paten" benachteiligte Kinder "bei Hausaufgaben, Sprach- und Lernförderprogrammen sowie bei kulturellen, sportlichen und sonstigen Freizeitaktivitäten". Doch das ist noch nicht alles. Die Studenten verpflichten sich darüber hinaus, für eine vertraglich vereinbarte Stundenzahl Einrichtungen wie Sportvereine, Jugendzentren oder Schwimmbäder zu unterstützen, die den Teilnehmern des Projekts kostenlosen Eintritt gewähren. Angestrebt ist außerdem, bei sozialwissenschaftlichen Studiengängen eine Anerkennung des Bildungstauschs als Praktikum.

Die Chancen von "Wohnen für Hilfe" sind damit vermutlich noch lange nicht ausgeschöpft. Viele weitere Projekte werden auf seiner Basis entstehen und Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen zur gegenseitigen Unterstützung zusammenbringen.

Diesen Beitrag stellen wir Ihnen auch als PDF-Dokument bereit. Sie können ihn hier herunterladen: "Wohnen für Hilfe: Senioren und Studenten helfen sich gegenseitig".

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nach dem Studium der deutschen, italienischen und vergleichenden Literaturwissenschaft begann sie 1985 mit ihrer journalistischen Tätigkeit für verschiedene Magazine und Tageszeitungen mit den Schwerpunkten Kulturgeschichte, Soziales und Umweltthemen. Bei Biallo.de schreibt sie seit der Gründung 2001 über Themen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Energie und Umweltschutz.

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nach dem Studium der deutschen, italienischen und vergleichenden Literaturwissenschaft begann sie 1985 mit ihrer journalistischen Tätigkeit für verschiedene Magazine und Tageszeitungen mit den Schwerpunkten Kulturgeschichte, Soziales und Umweltthemen. Bei Biallo.de schreibt sie seit der Gründung 2001 über Themen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Energie und Umweltschutz.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de