Girokonto

So klappt es mit dem Gemeinschaftskonto

Update: 14.02.2020
Ines Baur
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Auf einen Blick
  • Ein gemeinsames Konto empfiehlt sich für Paare und Wohngemeinschaften zur Zahlung von Kosten für den Haushalt.

  • In der Mehrzahl der Fälle wird das Konto als "Oder-Konto" geführt. Jeder Inhaber ist allein verfügungsberechtigt.

  • Beim Modell "Und-Konto" haben die Partner nur gemeinsam Zugriff auf das Konto.

Geteiltes Glück, gemeinsames Konto: Mit einem "Oder-Konto" ist jeder Kontoinhaber allein verfügungsberechtigt.
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Leben Sie mit jemanden zusammen in einem Haushalt beziehungsweise in einer Wohngemeinschaft? Dann kommen Sie um bestimmte gemeinsame Kosten nicht herum. Den Überblick können Sie mit einem Gemeinschaftskonto behalten.

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Das Gemeinschaftskonto - Eines für alle, alle für eines

Ein Gemeinschaftskonto ist ein Girokonto, über das mindestens zwei gleichberechtigte Kontoinhaber verfügen. Viele Paare, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, erledigen darüber ihre Geldgeschäfte und nutzen dieses Konto zur Zahlung sämtlicher gemeinsamer Kosten wie Miete, Versicherung, Telefon, Internet.

Das sollten Sie wissen!

  1. Das Gemeinschaftskonto können Sie als "Und-Konto" oder "Oder-Konto" führen. Beim Und-Konto können die Partner nur gemeinsam über das Konto verfügen. Beim Oder-Konto ist jeder Inhaber allein verfügungsberechtigt.

  2. Das Guthaben am Konto steht jedem Partner zur Hälfte zu (bei mehreren Personen anteilig). Dabei tut es nichts zur Sache, wer wieviel einzahlt und woher die Einkünfte stammen. Ausnahme: Man trifft andere Vereinbarungen und fixiert diese schriftlich.

  3. Die Frage: "Hast Du schon…?" fällt weg. Auf Ihrem Kontoauszug können Sie sehen, ob die Stromnachzahlung erledigt oder das Kindergeld eingegangen ist.

  4. Meistens haben die Partner schon eigene Konten. Die sollten sie auch beibehalten und ein Gemeinschaftskonto als Dritt-Konto eröffnen. So kann jeder weiterhin mit dem eigenen Geld eigene Bedürfnisse erfüllen. Ausgaben die beide betreffen, zahlt man vom Gemeinschaftskonto. Das erspart Diskussionen, wer welche Kosten übernimmt.

  5. Gemeinsames Konto bedeutet aber auch: Jeder Partner ist für jede Transaktion mitverantwortlich, Überziehung- und Dispozinsen tragen beide. Selbst bei Nichtverschulden. Darum sollten Gemeinschaftskonten nur mit Personen eröffnet werden, denen man vertraut.  

Eröffnung des Gemeinschaftskontos

Gemeinschaftskonten können Sie bei jedem Kreditinstitut eröffnen, das Girokonten anbietet. Wie viele Personen ein Konto eröffnen und in welcher Beziehung sie zueinander stehen, ist für die Bank nicht relevant. Man sollte geschäftsfähig sein und sich legitimieren können. Bei einer Filialbank geschieht die Legitimation mit Vorzeigen des Ausweises am Schalter. Bei der Online Bank ist der Identitätsnachweis via Postident-Verfahren oder Videolegitimation möglich. Besprechen Sie vor Kontoeröffnung, wie Sie das Gemeinschaftskonto führen möchten.

Tipp 1:

Entscheiden Sie sich für ein Drei-Konten-Modell. Hier hat behält jeder Partner sein eigenes Konto. Gehaltseingänge und andere Einkünfte laufen getrennt. Auf das Gemeinschaftskonto zahlt jeder monatlich einen bestimmten Beitrag. Gemeinsame Zahlungen wie Miete, Strom, Wasser, GEZ wickeln Sie über ein Gemeinschaftskonto ab. Im besten Fall über ein gebührenfreies, damit Ihnen nicht zusätzliche Kosten entstehen. Kostenfreie und günstige Konten finden Sie mit unserem Girokonto-Vergleich.

Tipp 2:

Fixkosten gehen meist am ersten des Monats vom Konto ab. Am Besten ist, man füllt unmittelbar nach Gehaltseingang das Gemeinschaftskonto auf. Hierfür empfiehlt sich ein Dauerauftrag. Wer wie viel zahlt, sollte man untereinander absprechen. Als Index dienen die Einkommen.

Das "Oder-Konto"

Verfügung:
Haftung:
EC-Karte:
Bei einem Oder-Konto sind alle Kontoinhaber voll verfügungsberechtigt. Jeder kann einzeln und ohne Zustimmung der anderen Kontoinhaber Bankgeschäfte vornehmen.
Überzieht einer der Kontoinhaber das Konto, müssen alle Partner für die Schulden gerade stehen. Kommt es zum Pfändungsbeschluss gegen einen Kontoinhaber, wird das gesamte Guthaben auf dem Gemeinschaftskonto eingezogen. Selbst wenn der andere nichts mit der Verschuldung zu tun hat.
Alle Kontoinhaber erhalten eine eigene EC- oder Kreditkarte mit PIN. So kann jeder zahlen, einkaufen oder Überweisungen tätigen. 

Das "Und-Konto"

Verfügung:
EC-Karte:
Vollmacht:
Haftung:
Beim Und-Konto können die Kontoinhaber nur zusammen agieren. Das heißt in der Praxis: Bargeld abheben, überweisen, Daueraufträge einrichten – das alles geht nur gemeinsam.
Bei einem Und-Konto haben Sie nicht die Möglichkeit, mit EC- oder Kreditkarte über das Geld zu verfügen.
Möchten Sie auf alle Fälle ein Und-Konto, sollten Sie eine Vorsorgevollmacht einrichten. So können Sie im Notfall – bei einer schweren Krankheit – die Bankgeschäfte ohne Partner erledigen. Entsprechende Vollmachten erhalten Sie vom Kreditinstitut.
Gibt es einen Pfändungsbeschluss gegen den Mitinhaber des Und-Kontos können die nicht betroffenen Kontoinhaber versuchen sich von der Haftung ausnehmen zu lassen. Hierfür müssen sie den Nachweis einer "Bruchteilsgemeinschaft" führen. Können sie das, wird nicht das gesamte Guthaben des Kontos gepfändet. Es wird nur der Teil eingezogen, gegen den der Beschluss vorliegt. Lesen Sie auch: Mit dem P-Konto sind knapp 1.200 Euro für Gläubiger tabu

Gemeinschaftskonto oder Bankvollmacht?

Eine andere Möglichkeit zusammen ein Konto zu benutzen ist die Bankvollmacht. Der Bevollmächtigte ist Stellvertreter des Kontoinhabers, handelt auf Rechnung des Kontoinhabers. Beim Gemeinschaftskonto steht jeder Verfügungsberechtigte für sich selbst ein.

Der Kontoinhaber (=Vollmachtgeber) kann die Handlungsfreiheit des Bevollmächtigten jedoch einschränken. Zum Beispiel kann er untersagen: 

  • Untervollmachten zu erteilen,
  • weitere Konten zu eröffnen,
  • einen Kredit oder das Konto zu kündigen, 
  • Kreditsicherheiten zu bestellen, 
  • eigene Kreditkarten zu beantragen. 

Der Kontoinhaber des Einzelkontos kann dem Bevollmächtigten die Vollmacht entziehen. Bei einem Gemeinschaftskonto ist das nicht möglich.

Das Gemeinschaftskonto als Depot

Möchten Sie mit Ihrem Partner ein Gemeinschaftsdepot führen, gelten im Grunde die gleichen Regelungen wie beim Gemeinschaftskonto. Das Depot lautet auf die Namen aller Kontoinhaber, jeder kann einzeln Order oder Verkäufe aufgeben. Ausnahmen gibt es bei:

  • Termingeschäften, insbesondere Finanz- oder Devisentermingeschäfte zu Lasten des Depots,

  • Erteilung und Widerruf von Vollmachten,

  • Auflösung des Depots. 

Hier bedarf es Zustimmung und Unterschrift aller Kontoinhaber.

Gemeinschaftskonto auflösen

Die Auflösung des Gemeinschaftskontos kann nur von allen Inhabern gemeinsam veranlasst werden. Zweifeln Sie an Ihrem Partner oder gibt es immer wieder Unstimmigkeiten? Dann haben Sie die Möglichkeit, das Oder-Konto ohne Zustimmung des anderen in ein Und-Konto zu wandeln.

Steuerfalle Gemeinschaftskonto

Viele Paare führen ein Gemeinschaftskonto. Das ist sinnvoll, denn gemeinsame Ausgaben wie Miete, Strom oder Einkäufe können aus einem Topf bezahlt werden.

Doch Vorsicht: Fließen größere Geldbeträge auf das Konto, kann dies zu unerwünschten Steuerzahlungen führen, entschied jetzt der Bundesfinanzhof (BFH-Urteil vom 29.6.2016, Az. II R 41/14).

Grund: Der Fiskus betrachtet die Hälfte des Geldes als Vermögenszufluss an den jeweils anderen Partner. Eine solche "Zuwendung" löst Schenkungssteuer aus.

Wilde Ehen sollten besonders aufpassen

Hellhörig werden die Finanzämter vor allem bei unverheirateten Paaren. Denn im Gegensatz zu Eheleuten, die einen wechselseitigen Freibetrag von 500.000 Euro genießen, besitzen wilde Ehen nur einen steuerlichen Freibetrag von 20.000 Euro pro Person. Überweist die Lebensversicherung des einen Partners beispielsweise 200.000 Euro auf das Gemeinschaftskonto, kann es passieren, dass der andere Partner 80.000 Euro als Schenkung versteuern muss. In diesem Fall kassiert der Fiskus 30 Prozent der Summe, also 24.000 Euro. Das Gleiche kann übrigens auch passieren, wenn Sie Ihr gut gefülltes Single-Konto oder -Depot in ein Gemeinschaftskonto umwandeln.

  • Vorsicht: Noch schlimmer kommt es für Paare, die kein Gemeinschaftskonto besitzen. Die Übertragung von Vermögen auf ein alleiniges Girokonto des Partners zählt zu 100 Prozent als Schenkung und muss – abzüglich 20.000 Euro Freibetrag – voll versteuert werden.

Was können Paare tun?

Problemlos für Paare ist ein Gemeinschaftskonto, wenn es der gemeinsamen Haushaltsführung dient und dort nur übliche Beträge wie Gehalt oder Rente eingehen. In diesem Fall wittert das Finanzamt keinen Gestaltungsmissbrauch.

Kündigen sich jedoch größere Einmalzahlungen an, etwa aus einem Erbe oder einer Lebensversicherung, dann sollten Sie ein separates Girokonto eröffnen, das einzig und allein auf den Namen des Zahlungsempfängers läuft. Mit einem Single-Konto umgehen Sie die Schenkungssteuer.

  • Biallo-Tipp: Statt eines Girokontos empfiehlt sich für das Aufbewahren größerer Geldbeträge ein verzinstes Tagesgeldkonto. Unser Tagesgeld-Vergleich zeigt, welche Bank aktuell attraktive Zinsen zahlt.

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Zugewinngemeinschaft zählt nicht

Der Güterstand der Zugewinngemeinschaft bringt Ehepaaren übrigens keine Entlastung. Der Fiskus unterstellt steuerrechtlich jedem Ehepartner sein eigenes Vermögen und veranlagt dies bei Zuwächsen entsprechend. Lediglich wenn Sie nachweisen, dass Ihr Vermögen bereits vor der Ehe Ihnen gehörte, lässt der Fiskus davon ab. Etwas anderes ist es, wenn sich Ehepartner untereinander Vollmachten für getrennte Girokonten erteilen. Eine solche Vollmacht führt nicht zur Schenkungssteuerpflicht.

Was ist im Erbfall zu beachten?

Stirbt einer der Kontoinhaber, gelten je nach Kontomodell folgende Handhabungen:

  • Beim Und-Konto tritt der Erbe an die Stelle des verstorbenen Kontoinhabers. Folglich führt der Erbe künftig gemeinsam mit dem bisherigen Verfügungsberechtigten das Konto weiter.

  • Beim Oder-Konto verfügt der Partner im Todesfall des anderen Kontoinhabers weiterhin über das Girokonto.

Die häufigsten Fragen zum Geimeinschaftskonto

Was ist ein Gemeinschaftskonto?
Ein Gemeinschaftskonto ist ein Girokonto, über das mindestens zwei gleichberechtigte Kontoinhaber verfügen.
Für wen rentiert sich das Gemeinschaftskonto?
Gemeinschaftskonten sind sinnvoll für Paare um gemeinsame Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Vereine oder Wohngemeinschaften können ihre Finanzen über das Gemeinschaftskonto regeln.  
Was ist ein Und-Konto?
Bei einem Und-Konto können nur alle Kontoinhaber zusammen agieren. Bei sämtlichen Transaktionen müssen alle Verfügungsberechtigte zustimmen.
Was ist ein Oder-Konto?
Beim Oder-Konto ist jeder Kontoinhaber alleine voll verfügungsberechtigt. Er kann einzeln und ohne Zustimmung der anderen Kontoinhaber Bankgeschäfte vornehmen.
Wem gehört das Geld auf dem Konto?
Das Guthaben auf dem Gemeinschaftskonto gehört jedem Kontoinhaber anteilig. Bei zwei Kontoinhabern jedem zur Hälfte.
Was passiert im Falle einer Scheidung?
Bei einer Trennung steht in der Regel jedem Ehegatten jeweils die Hälfte des Guthabens auf dem Konto zu. Uninteressant ist es, wer die meisten Einzahlungen geleistet hat.
Wie kündige ich ein Gemeinschaftskonto?
Der Kündigung müssen alle Kontoinhaber zustimmen. Die Kündigung sollte schriftlich erfolgen.
Kann ich ein Gemeinschaftskonto in ein Einzelkonto wandeln?
Theoretisch kann man ein Gemeinschaftskonto in ein Einzelkonto umwandeln. Dazu sollte es auf Null stehen. Doch das ist extrem umständlich. Einfacher ist es, das Gemeinschaftskonto aufzulösen und ein Einzelkonten zu eröffnen.



  Ines Baur


 

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