Günstig ins Ausland überweisen

Ratgeber Günstig ins Ausland überweisen

von Björn König
14.12.2018
Auf einen Blick
  • Generell ist zwischen SEPA-Transaktionen im Euroraum sowie klassischen Überweisungen in Drittstaaten zu unterscheiden. Neben den Bankgebühren, die zwischen Sender und Empfänger geteilt werden können, sind Meldepflichten bei höheren Beträgen zu beachten.

  • Neben der eigenen Hausbank wickeln mittlerweile viele weitere Anbieter Auslandszahlungen ab. Oftmals sind die Gebühren dort nicht nur günstiger, sondern auch transparenter. Dennoch sollten die Angebote genau verglichen werden, um nicht in die Kostenfalle zu geraten.
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Der Preiskampf in vielen Dienstleistungsbranchen hat mittlerweile schon absurde Formen angenommen. Nehmen wir als Beispiel Urlaubsreisen. Das Taxi oder der Zug zum Flughafen ist oftmals schon teurer als der Flug selbst. Aber einen Reisenden ins Ausland zu transportieren müsste doch zumindest günstiger sein, als Geld von einem Inlandskonto auf ein Auslandskonto zu überweisen?

Sollte man meinen – doch selbst das muss heute nicht mehr zutreffen. Manche Banken berechnen für eine Auslandstransaktion tatsächlich Gebühren, die über den Kosten für ein Flugticket mit einer Billig-Airline liegen. Es gilt also, die Gebühren ganz genau unter die Lupe zu nehmen.

Arten von Auslandsüberweisungen

Bei Transaktionen außerhalb des Heimatlandes ist zunächst zu überprüfen, in welchem Zielland der Betrag gebucht werden soll. Grundsätzlich ist hier zwischen der meist kostenlosen SEPA sowie kostenpflichtigen Überweisungen im Außenwirtschaftsverkehr zu unterscheiden.

SEPA-Überweisungen

Zu den SEPA-Ländern gehören die (noch) 28 EU-Mitgliedsstaaten (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern), die drei EWR-Staaten Island, Norwegen, Liechtenstein sowie die Schweiz und Monaco.

Überweisungen im Außenwirtschaftsverkehr

Alle nicht genannten Länder, die weder der Europäischen Union noch dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angehören.

AWV-Meldepflicht

In Deutschland bestehen gesetzliche Meldepflichten im Außenwirtschaftsverkehr. Sie dienen vorrangig einer Erhebung der Zahlungsbilanz und Außenhandelsstatistik. Die Meldeschwelle liegt aktuell bei 12.500 Euro beziehungsweise dem identischen Betrag in entsprechender Fremdwährung.

Ausgehende oder eingehende Auslandszahlungen in zuvor genannter Höhe sind mit dem Vordruck "Zahlungsauftrag im Außenwirtschaftsverkehr" an die Bundesbank zu melden. Sollte eine entsprechende Transaktion durch den Bankkunden ausgeführt werden, weist das kontoführende Institut auf die Mitteilungspflicht hin.

Dauer von Auslandsüberweisungen

Im Jahr 2012 traten gesetzliche Ausführungsfristen für SEPA-Überweisungen und Geldtransfers im Europäischen Wirtschaftsraum in Kraft. Banken müssen somit im Sinne ihrer Kunden garantieren, dass die Transaktion innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens auf dem Zahlungskonto des Empfängers verbucht wird.

Problematisch ist für Verbraucher jedoch, dass die entsprechenden Fristen nicht für Überweisungen außerhalb des EWR gelten. Wer also häufiger Transaktionen in Drittländer ausführt, sollte sich neben dem Preis auch beim gewählten Anbieter erkundigen, in welcher Zeit die Transaktion ausgeführt wird.

Art der Auslandsüberweisung

Dauer

Überweisungen in Euro ohne Beleg

1 Geschäftstag

Überweisungen in Euro mit Beleg

2 Geschäftstage

Überweisungen in andere EWR-Währung

4 Geschäftstage

Überweisungen außerhalb des EWR

unbeschränkt

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Wie teuer eine Auslandstransaktion wird, hängt neben dem gewählten Kreditinstitut einerseits auch vom Zielland sowie einer möglichen Gebührenaufteilung ab. Besonders einfach und vergleichsweise günstig sind SEPA-Überweisungen in der EU beziehungsweise dem EWR. Gesetzlich festgelegt ist hier, dass die Transaktion nicht mehr als eine herkömmliche Inlandsüberweisung kosten darf.

Da die meisten Banken und Sparkassen Kontomodelle mit zumindest kostenfreien beleglosen Buchungen anbieten, sind für Nutzer dieser Kontenmodelle entsprechend auch die SEPA-Transaktionen ins Ausland inbegriffen.

Bei Überweisungen in Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union und des EWR können Kosten für den Absender oder Empfänger des Betrages anfallen. Zudem ist die vorab genannte Aufteilung von Gebühren möglich. In den Preisverzeichnissen der Kreditinstitute finden sich üblicherweise genaue Informationen, wie sich die Überweisungskosten zusammensetzen.

Kürzel

Bedeutung

OUR

Absender trägt alle anfallenden Kosten der Überweisung

SHA

Absender trägt nur die Gebühren für die ausgehende Überweisung bei seiner Bank. Der Empfänger übernimmt seine Kosten.

BEN

Empfänger trägt alle anfallenden Kosten der Überweisung

Günstig überweisen

Grundsätzlich ist es natürlich möglich, dass die eigene Hausbank attraktive Konditionen für Auslandsüberweisungen anbietet. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall. Gerade die traditionellen Filialbanken fallen immer wieder durch erheblich überhöhte bzw. unangemessene Transaktionskosten auf. So berechnet die Deutsche Bank für eine OUR-Überweisung im Außenwirtschaftsverkehr (Stand Oktober 2018) 1,5% des Gesamtbetrages (mind. 10 Euro) zuzüglich 1,55 Euro SWIFT-Gebühr und eine Fremdspesenpauschale von 25 Euro.

Aus diesem Grund haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend neue Anbieter, wie beispielsweise TransferWise und Azimo, auf dieses Thema konzentriert und bieten Auslandsüberweisungen zu außerordentlich günstigen Gebühren an. Allerdings hat dies auch seinen Haken: Viele Angebote sind zum Beispiel nur im Ausland oder per Smartphone-App verfügbar. Sollte es also einmal Probleme mit der Transaktion geben, kann man zur Klärung der Angelegenheit nicht einfach zur Bankfiliale gehen und der Kundenservice ist auch nicht selten nur in englischer Sprache verfügbar.

Allerdings sind die Preisunterschiede zwischen teuren und besonders günstigen Anbietern erheblich, wie ein Vergleich am Beispiel eines Überweisungsbetrags von 1.000 Euro in die USA zeigt:

Anbieter

Gebühr (1.000 € nach USA)

TransferWise

4,19 € (0,35% des Betrags + 0,70 €)

Azimo

2,99 € (Erste zwei Überweisungen gratis)

MoneyGram

34 €

Deutsche Bank (OUR-Transaktion)

41,55 €

Falsche Überweisung zurückholen

Sofern eine Auslandsüberweisung an eine falsche Kontonummer gesendet wurde, sollte der Absender auf jeden Fall zügig reagieren und sein Kreditinstitut umgehend informieren. Prinzipiell ist ein Überweisungsrückruf nämlich nur möglich, so lange die Transaktion noch nicht auf dem Konto des Empfängers verbucht wurde.

Die eigene Bank kann mit dem Versuch beauftragt werden, das Geld vom Empfänger zurückzuholen. Allerdings fallen hierfür ebenfalls von Bank zu Bank unterschiedliche Spesen an, die bei kleineren Transaktionen womöglich sogar höher als der Überweisungsbetrag selbst sind. Hier ist also genau zu überlegen, ob sich ein Rückruf überhaupt lohnt.

Auch wenn es auf den ersten Blick lästig und zeitaufwändig erscheint, sollte jede Transaktion genau auf Zahlendreher in der IBAN überprüft werden. Der Kunde hat kein grundsätzliches Recht auf Rückerstattung fehlerhafter Überweisungen. Weigert sich der Empfänger zur Rückzahlung, bleibt somit nur der Gang zum Rechtsanwalt.

Fazit

SEPA-Überweisungen in der Eurozone beziehungsweise im EWR-Raum können in aller Regel umsonst oder zumindest günstig über die eigene Hausbank abgewickelt werden. Wer jedoch häufiger in Länder außerhalb der EU überweist, ist aus Kostengründen mit einer Alternative gut beraten.

Insbesondere Spezialanbieter wie "Azimo" und "TransferWise" zeichnen sich durch verbraucherfreundliche Gebühren aus. Wer trotz hoher Spesen bei der eigenen Hausbank überweisen möchte, sollte zumindest eine Kostenaufteilung zwischen Sender und Empfänger in Betracht ziehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de