Ratgeber

Falschüberweisung: So bekommen Sie Ihr Geld zurück

Update: 26.02.2019
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Unser Surf-Tipp!
Auf einen Blick
  • Wer sein Geld zurück will, sollte schnell die Initiative ergreifen. Möglicherweise kann die Hausbank dann die Überweisung noch stoppen.

  • Fällt es dem Betroffenen erst später auf, muss er die Bank des Empfängers direkt kontaktieren.

  • Bleibt eine Reaktion des Empfängers aus, hilft nur noch der Gang zum Rechtsanwalt. Denn der Geldempfänger gilt als "ungerechtfertigt bereichert".
Fehlgeleitete Überweisungen sorgen für mächtig Ärger und Frust.
Ollyy / Shutterstock.com

Beim Onlinebanking kann es schnell zu Fehlern kommen. Anders als früher muss heute jeder, der einen Fehler auf einem Überweisungsformular macht, davon ausgehen, dass der Betrag nicht auf dem richtigen Empfängerkonto landet.

Grund: "Aufgrund rechtlicher Regeln müssen Geldhäuser seit 2009 die Kontonummer nicht mehr mit dem Namen des Empfängers vergleichen", erklärt Alexander Baumgart von der ING-Diba den verringerten Kundenschutz.

Eine Folge aus dieser Veränderung bestehe darin, dass Kunden gegenüber ihren Kreditinstituten seither keinen Anspruch mehr auf die Erstattung des fehlgeleiteten Betrags haben.

Auf Einsichtigkeit des Empfängers hoffen

Nunmehr gilt: Wenn Sie ihr Geld zurückhaben wollen, sollten Sie schnell aktiv werden. Sobald Sie den Fehler bemerken, gilt es unverzüglich die Hausbank zu informieren. Unter Umständen kann sie die Falschüberweisung noch vor Gutschrift des Betrags auf dem Empfängerkonto stoppen. "Fällt der Fehler erst später auf, wird es kompliziert, weil Banken Namen und Anschrift ihrer Kunden ohne deren Zustimmung aus Datenschutzgründen nicht weitergeben dürfen", so Baumgart.

Da der Auftraggeber der Überweisung Namen und Adresse des unbeabsichtigten Empfängers nicht kenne, bleibe ihm nur eine Möglichkeit: Er muss die Bank des Empfängers direkt anschreiben, den Fall schildern und das Geldhaus bitten, den Rückforderungsbrief an den Kontoinhaber weiterzuleiten, damit dieser eine Rücküberweisung veranlasst.

Letztes Mittel: Der Gang zum Anwalt

Reagiert der Zahlungsempfänger nicht, bleibt Ihnen als Geschädigten nur der Weg zum Rechtsanwalt. Schließlich hat der Unbekannte das Geld zu Unrecht erhalten und gilt juristisch gesehen als "ungerechtfertigt bereichert".

Der Begünstigte muss das Geld wieder herausrücken, so fordert es das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Der Absender des Geldes hat nämlich einen Herausgabeanspruch (Paragraph 812 BGB). Wörtlich heißt es dort: "Wer durch die Leistung eines anderen oder in sonstiger Weise auf dessen Kosten etwas ohne rechtlichen Grund erlangt, ist ihm zur Herausgabe verpflichtet."

Zwar berufen sich im Fall einer Falschüberweisung die glücklichen Empfänger häufig auf die Regelung der "Entreicherung". Dies ist möglich, zum Beispiel wenn der Kontoinhaber gar nicht mitbekommen hat, dass sein Konto aus versehen einen zu hohen Kontostand aufweist und er das Geld bereits ausgegeben hat. Die Gerichte erlauben den Tatbestand der "Entreicherung" aber nur in seltenen Fällen.

In einem Urteil des Celler Oberlandesgerichts (Az. 3 U 11/05) warfen die Richter im zu entscheidenden Fall dem Kontobesitzer vor, er habe seine Kontoauszüge nicht regelmäßig geprüft, wozu er als Girokontobesitzer aber verpflichtet sei. Bei genauer Prüfung wäre die Falschüberweisung ansonsten ganz sicher aufgefallen. Der Mann musste die unberechtigt erhaltenen 5.000 Euro erstatten, obwohl er sie bereits ausgegeben hatte.

Falschüberweisung durch Überweisungsvorlage ausschließen

Problematisch wird es, wenn Sie als geschädigter Bankkunde Namen und Adresse des Empfängers nicht ausfindig machen können. Dann ist auch die Hilfe durch einen Rechtsanwalt nicht möglich. Im schlimmsten Fall müssen Sie das Geld abschreiben.

Biallo-Tipp

Überweisen Sie häufig Geld an denselben Empfänger, dann können Sie sich eine korrekte Überweisungsvorlage anlegen – damit entfällt das Zahlendreher-Risiko ganz von selbst.

In diesen Fällen erhalten Sie ihr Geld automatisch zurück

Füllt man den Überweisungsbogen falsch aus oder vertippt sich beim Online-Banking, heißt es noch lange nicht, dass die Transaktion automatisch beim falschen Empfänger landet. Mehrere Möglichkeiten bestehen, die eine Falschüberweisung obsolet machen:

  • Wenn Sie sich bei Eingabe der IBAN-Nummer vertippen und dadurch eine internationale Bankkontonummer entsteht, die gar nicht existiert. Dann wird das Geld nicht weitergeleitet und verbleibt auf dem Konto.

  • Wenn Sie die selbe Überweisung versehentlich doppelt tätigen. Sind Betrag und Verwendungszweck identisch, erkennt die Bank dies als Doppelüberweisung und kann das Geld problemlos zurückfordern.

  • Wenn eine unberechtigte Lastschrift vorliegt. Bucht beispielsweise ein Vertragspartner, der eine Einzugsermächtigung besitzt, einen falschen Betrag von Ihrem Konto ab, können Sie das Geld binnen acht Wochen von Ihrer Bank zurückbuchen lassen. Eine Angabe von Gründen ist nicht erforderlich. Bei ungerechtfertigter Abbuchung, etwa wenn die Einzugsermächtigung bereits gekündigt wurde, steigt die sogenannte Rückbuchungsfrist auf 13 Wochen.

Falschüberweisung – Wie verhalte ich mich als Empfänger richtig?

Was tun, wenn sich der eigene Kontostand über Nacht erhöht hat und man den Absender der Gutschrift nicht kennt? Einfach das Geld ausgeben, das ist – wie oben beschrieben – nicht rechtens. Zwei Möglichkeiten besitzen ungerechtfertigte Empfänger:

  • Sie können das Geld selbst an das Ausgangskonto zurücküberweisen. Das ist vor allem bei größeren Summen ratsam, damit keine unlauteren Absichten unterstellt werden können.

  • Oder man lässt es zunächst auf dem eigenen Konto stehen und wartet ab, bis man von seiner Bank um das Einverständnis zur Rückbuchung gebeten wird.

Bei geringen Geldbeträgen kann es vorkommen, dass Kontoinhaber den Zahlungseingang aufgrund einer Vielzahl von Transaktionen gar nicht bemerken. Wird das Geld dann unabsichtlich ausgegeben, ist das in der Regel nicht strafbar.

Das heißt aber nicht, dass man den Betrag nicht zurückzahlen muss, falls sich der Geschädigte oder die Bank im Nachhinein meldet. Eine Ausnahme besteht nur, wenn sich niemand für die Gutschrift interessiert. Nach drei Jahren ist die Möglichkeit der Rückforderung verjährt.




  Max Geißler


 

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