CFD-Trading: "Unseriöse Anbieter schießen wie Pilze aus dem Boden"

Abzocke mit Trading-Plattformen CFD-Trading: "Unseriöse Anbieter schießen wie Pilze aus dem Boden"

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
18.10.2019
Auf einen Blick
  • In den vergangenen Wochen und Monaten haben uns unzählige Beschwerden über unseriöse Trading-Plattformen erreicht.
  • Nach anfänglichen Erfolgen können Verbraucher meist nur noch Verluste verbuchen. Bei Gewinnen verweigern die Anbieter dieser Plattformen nicht selten die Auszahlung.
  • Fehlt auf einer Internetseite das Impressum sowie eine EU-Lizenz, sollten bei Verbrauchern die Alarmglocken läuten.
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Die Beschwerden reißen nicht ab: In den vergangenen Wochen und Monaten hat die Redaktion von biallo.de unzählige E-Mails, Anrufe und Kommentare erhalten. Der Grund: Die unseriösen Geschäftspraktiken einiger CFD-Trading-Plattformen. Den Anlegerinnen und Anlegern wurden hohe Gewinne versprochen. Doch statt Rendite, war das Geld am Ende weg und der vermeintlich kompetente Berater nicht mehr zu erreichen.

Dabei handelt es ich nicht um Einzelfälle. "Wir bearbeiten derzeit mehr als hundert Fälle", erklärt Sarah Wagner-Arendt, Anwältin bei der Kanzlei Herfurtner, die solche Fälle schwerpunktmäßig betreut. Der Schaden belaufe sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr. Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband verzeichnet einen Anstieg solcher Fälle. "Unseriöse Anbieter schießen wie Pilze aus dem Boden", sagt Jörn Rehren, Experte für Verbraucherpolitik bei den Märktwächter Finanzen des Verbraucherzentrale Bundesverbands. So hätten die Beschwerden im vergangenen Sommer massiv zugenommen.

Biallo-Tipp

Weitere Beiträge rund um die Themen Fonds, Aktien und ETFs finden Sie in unter Welt der Börse.

Was sind CFDs?

Eine Anlagemethode scheint bei Betrügern besonders beliebt – das sogenannte CFD-Trading. Mit CFDs (contract for difference = Differenzkontrakt) können Anlegerinnen und Anleger auf die Entwicklung eines bestimmten Basiswertes – etwa einer Aktie oder einer Kryptowährung – spekulieren. Im Unterschied zu Optionen oder Futures haben CFDs keine Laufzeit. Als Kapitaleinsatz dient die sogenannte Margin – eine Sicherheitsleistung (circa ein bis zehn Prozent der Gesamtposition). Mit einer Margin von einem Prozent kann der Spekulant seinen Einsatz um den Faktor 100 hebeln. Kosten die Aktien zum Beispiel 100.000 Euro, muss er nur 1.000 Euro als Einsatz beisteuern. Den Rest übernimmt der Handelspartner des CFD-Anbieters.

Vorteil: Steigt die Position um ein Prozent, macht der Anleger 100 Prozent Gewinn (vor Gebühren). Aus 1.000 Euro Einsatz werden somit 2.000 Euro. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Gegenrichtung: Fällt der Wert der Aktien um ein Prozent, ist der komplette Einsatz verloren. Verbraucherschützer warnen Anleger eindringlich davor, in ein solches Produkt zu investieren. Bis Frühjahr gab es sogar CFDs mit Nachschusspflicht, die die Bafin dann verboten hat.

  • Biallo-Tipp: Sowohl die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) als auch die Europäische Aufsichtsbehörde ESMA warnen auf ihren Internetseiten vor Anbietern, die bereits auffällig geworden sind.

Immer die gleiche Masche

Die Masche ist meist überall identisch. Anleger werden mit einem vergleichsweise geringen Startkapital von 250 Euro geködert und gleichzeitig aufgefordert, im Bekanntenkreis die Werbetrommel für dieses Produkt zu rühren. Nach einem anfänglichen Gewinn werden im Anschluss Anleger aufgefordert noch mehr Geld in die Anlage zu pumpen. Danach herrscht Funkstille und das Depot lässt sich nicht mehr öffnen.

"Häufig werden unbedarfte Verbraucher so unter Druck gesetzt, dass sie sich nicht die Zeit nehmen, die Anbieter zu recherchieren", schildert Verbraucherschützer Rehren die Vorgehensweise. "Die Berater geben sich seriös und werfen mit hochtrabenden Begriffen um sich – mit dem Ziel, Vertrauen zu schaffen", sagt Rechtsanwältin Wagner-Arendt. Dabei würden viele Anbieter die Anrufe mittels Voice-Over-IP tätigen, um so einen falschen Standort angeben zu können.

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Lohnt sich der Gang zum Anwalt?

Nahezu alle diese unseriösen Trading-Plattformen haben ihren Sitz im nichteuropäischen Ausland. Besonders beliebt als Unternehmenssitz sind Inseln in der Karibik – also weit außerhalb der deutschen Gerichtsbarkeit. Da stellt sich natürlich die Frage, ob Verbraucher überhaupt eine Chance haben, ihr Geld zurückzubekommen.

"Soweit Verbraucher uns berichten, dass nach der Geld-Überweisung in ihrem Online-Depot kein entsprechendes Wertpapier auftaucht, hätten diese rein rechtlich Anspruch", so Rehren. Das Problem: Viele Kaufaufträge würden per Telefon abgewickelt, daher würden oftmals die Beweise fehlen. "Häufig sind Anbieter schlicht abgetaucht und die Depots nicht mehr zu finden", sagt der Experte.

"Je mehr Zeit vergeht, umso schwieriger wird es, dass eingezahlte Geld zurückzubekommen", so Wagner-Arendt.

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Ohne Bafin-Lizenz wird es schwer

Hat ein Anbieter keine Lizenz einer europäischen Finanzaufsichtsbehörde, haben Anleger nicht die Möglichkeit, sich an die entsprechende Bankenaufsicht zu wenden. "Die Anbieter ohne Lizenz schweben im luftleeren Raum und können machen was sie wollen", erklärt Wagner-Arendt. Vor allem, wenn der Unternehmenssitz nicht klar sei, würden sich bestehende Regularien nur schwer auf solche Anbieter anwenden lassen. Dann werde es für Anleger zu einer echten Herausforderung, das eingezahlte Geld von den Plattformen zurückzufordern.

  • Biallo-Tipp: Ob Anbieter eine Zulassung für die EU haben, erfahren Sie in der Unternehmensdatenbank der Bafin. Ist ein Anbieter nicht gelistet, hat er auch keine EU-Lizenz.

Sammelklage nach US-Vorbild

Viele Betroffene fragen sich, ob es sich lohnt, sich zu einer Sammelklage zusammenzuschließen. "In Deutschland gibt es kein Instrument wie eine Sammelklage", erklärt Verbraucherschützer Rehren. Die seit 2018 eingeführte Musterfeststellungsklage stelle hohe Anforderungen an die Gleichartigkeit der Fälle und der Beklagte werde nicht zur Leistung verurteilt, sondern es erfolge lediglich die Feststellung eines Rechtsverhältnisses. "Außerdem sind nur bestimmte Verbände klagebefugt." Sprich: Geprellte Verbraucher müssen in Eigeninitiative gegen den entsprechenden Anbieter vorgehen.

  • Biallo-Tipp: Sie haben mit einer Trading-Plattform schlechte Erfahrungen gemacht? Auf der Internetseite der Märktwächter Finanzen können Sie per Beschwerdeformular einen unseriösen Anbieter melden und damit andere Anleger vor einem solchen Investment schützen.

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So erkennen Sie unseriöse Trading-Plattformen

Damit Sie nicht auf unseriöses Online-Trading hereinfallen, sollten Sie auf die folgenden Punkte achten:

  • EU-Lizenz: Die Bafin warnt vor Geschäften mit Differenzkontrakten, die auf Plattformen ohne EU-Lizenz abgewickelt werden. Ob Anbieter eine Zulassung für die EU haben, erfahren Sie in der Unternehmensdatenbank der Bafin. Ist ein Anbieter nicht gelistet, hat er auch keine EU-Lizenz.

  • Sitz im Ausland: Stellen Sie sicher, dass der Anbieter seinen Unternehmenssitz nicht im Ausland hat. Das kann es Ihnen im Zweifelsfall zusätzlich erschweren, Ihr Recht durchzusetzen.
  • Freunde werben: Ignorieren Sie Aufforderungen, selbst neue Interessenten zu werben, auch wenn Ihnen hierfür hohe Provisionen oder Renditen versprochen werden.
  • Impressum: Prüfen Sie, ob die Online-Trading-Plattform ein Impressum besitzt. Tut sie das nicht, sollten Sie dort kein Geld anlegen.
  • Mangelnde Transparenz: Misstrauen Sie intransparenten und unverständlichen Geschäftsmodellen, zu denen Sie erst nach Kontaktaufnahme oder Registrierung mehr Informationen erhalten sollen.

  • Kontaktdaten: Im Impressum müssen unter anderem die Adresse, ein Vertretungsberechtigter und eine E-Mail-Adresse angegeben sein. Außerdem sollte es einen Verweis auf das Handelsregister mit entsprechender Nummer geben. 

Biallo-Tipp

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de