Auf einen Blick
  • Neobroker sind junge Finanzfirmen, die ihren Kunden den einfachen, schnellen und vor allem kostengünstigen Handel mit Aktien, ETFs oder Kryptowährungen ermöglichen.

  • Der Vergleich von Neobrokern wie Trade Republic, Scalable oder Justtrade zeigt: Sie sind zwar alle günstig. Dennoch gibt es Unterschiede bei den Kosten – und beim Angebot handelbarer Wertpapiere.

  • Bevor Sie sich für einen Neobroker entscheiden, sollten Sie überlegen, welche Aktien, ETFs oder Kryptowährungen Sie handeln wollen – und ob Ihnen außer dem Wertpapierhandel auch noch andere Dienstleistungen wichtig sind.
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Auf der Homepage des US-Finanzdienstleisters Robinhood steht ein klares Bekenntnis: „Wir haben eine Mission“, heißt es dort: „Den Finanzmarkt für alle zu demokratisieren.“ Robinhood gibt es seit 2013. Das Unternehmen war der erste sogenannte Neobroker – ein junges Finanz-Start-up, das möglichst vielen Anlegern möglichst unkompliziert den Handel mit Wertpapieren ermöglichen will.

Mittlerweile gibt es davon einige – auch in Deutschland. Die Neobroker wollen den Wertpapierhandel günstig und einfach machen. Das gelingt größtenteils. Es gibt aber auch Dinge, auf die Sie bei den jungen Finanzfirmen verzichten müssen. Wir erklären Ihnen, was Neobroker sind, wie sie funktionieren und worauf Sie bei der Auswahl achten müssen. Außerdem vergleichen wir die Kosten und Leistungen der fünf bekanntesten Neobroker.

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Was ist ein Neobroker?

„Neo“ steht für „neu“ – und Neobroker stehen für eine neue Generation von Firmen, die Anlegern den preiswerten Handel mit Wertpapieren ermöglichen, etwa mit Aktien, ETFs, Kryptowährungen oder sogenannten Derivaten, also Optionsscheinen oder Zertifikaten

Statt auf ein möglichst breites Angebot an Handelsmöglichkeiten zu setzen, konzentrieren sich die Neobroker auf bestimmte Handelsbereiche und wenige Handelsplätze, mit denen sie kooperieren. So können sie den Kauf und Verkauf der Wertpapiere sehr günstig anbieten – oft sogar kostenlos.

Der Zugang zu Ihrem Depot läuft dabei in der Regel mobil, also etwa über eine App auf dem Smartphone. Dadurch wird der Handel einfach, schnell und intuitiv. Mittlerweile bieten die meisten Neobroker jedoch auch eine Anwendung für den PC an. Mit dem Handel per App allerdings haben die Neobroker einen Standard in der Branche gesetzt. Auch herkömmliche Banken, Sparkassen und Direktbanken bieten mittlerweile den Aktienhandel per App an – allerdings nicht so günstig.

 

Wie funktioniert ein Neobroker?

Der Wertpapierhandel bei einem Neobroker läuft nicht viel anders ab als der herkömmliche Online-Handel, wie ihn Direktbanken anbieten, etwa Comdirect oder Consorsbank. Anlegerinnen und Anleger geben ihre Order digital auf, der Neobroker leitet sie weiter zum Handelsplatz. Dort wird der Auftrag ausgeführt. Das gekaufte Wertpapier erscheint dann in der Depotübersicht, die sich etwa mit einer Smartphone-App aufrufen lässt.

Die Neobroker arbeiten dabei beim Kauf und Verkauf der Wertpapiere nur mit wenigen ausgewählten Handelsplätzen zusammen. Für jede Kundenorder erhalten sie eine Provision von den Kooperationspartnern. Nach Angaben der Verbraucherzentralen liegt diese meist bei drei Euro pro Order. Diese Rückvergütungen ermöglichen es den Neobrokern, ihren Kundinnen und Kunden den Wertpapierhandel sehr günstig, manchmal sogar zum Nulltarif anzubieten.

Neobroker bieten mit ihrer Technik aber nur die Plattform für den digitalen Handel. Sie sind keine Banken, haben also keine „Vollbanklizenz“. Deswegen werden die Kundendepots von etablierten Geldhäusern verwaltet, etwa der Baader Bank, der Sutor Bank oder der DAB BNP Paribas.

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Die fünf besten Neo Broker im Vergleich

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Neobrokern. Wir stellen Ihnen die bekanntesten vor – und vergleichen ihre Leistungen (Stand 26.08.2022). Was alle gemeinsam haben: Sie verlangen keine Depotgebühren. Unterschiede gibt es aber etwa bei den Orderkosten oder dem Angebot an gehandelten Wertpapieren. Die Neobroker im Einzelnen:

 

Scalable Broker

Das Münchner Unternehmen Scalable Capital wurde 2014 gegründet. Neben einem Robo-Advisor bietet es auch den Scalable Broker an. Über ihn lassen sich Aktien, ETFs und andere Wertpapiere über „gettex“ handeln, den Börsenplatz der Bayerischen Börse. Außerdem ist der Handel über Xetra möglich, den elektronischen Handelsplatz der Deutschen Börse. Depotbank ist die Baader Bank. Sie ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Darüber sind derzeit Einlagen bis zu einer Höhe von 19,155 Millionen Euro pro Anleger abgesichert (Stand: 29. August 2022).

Scalable bietet verschiedene Preismodelle: Der „Free Broker“ kostet keine Grundgebühr. Eine Aktienorder schlägt dann an der Börse gettex mit 0,99 Euro je Trade zu Buche. Beim „Prime Broker“ zahlen Sie einen monatlichen Betrag. Dafür kaufen Sie dann alle Aktien, ETFs oder Fonds ohne Ordergebühr – vorausgesetzt das Handelsvolumen beträgt mehr als 250 Euro. Sonst werden auch hier 0,99 Euro pro Order fällig. Die Monatsgebühr beträgt 2,99 Euro bei jährlicher und 4,99 Euro bei monatlicher Zahlweise. Auf Xetra kostet der Handel pro Order 3,99 Euro. Hinzu kommt eine Handelsgebühr von 0,01 Prozent des Handelsvolumens, mindestens 1,50 Euro.

Kosten und Leistungen von Scalable auf einen Blick

  • Kosten: Auf gettex null Euro oder 0,99 Euro je Order, abhängig von Modell und Handelsvolumen; Monatsgebühr 2,99 oder 4,99 Euro je nach Zahlweise (jährlich oder monatlich); Ordergebühr auf Xetra 3,99 Euro plus 0,01 Prozent Handelsgebühr (mindestens 1,50 Euro).
  • Mindesthandelsvolumen: 250 Euro für kostenlose Orders auf gettex im Modell „Prime“; sonst 0,99 Euro pro Trade.
  • Depotbank: Baader Bank.
  • Handelbare Produkte: 7.000 Aktien, 2.000 ETFs, 2.000 Fonds, 375.000 Derivate, 14 Krypto-ETPs.
  • Handelsplätze: gettex, Xetra.
  • Einlagensicherung: 19,155 Millionen Euro pro Kunde bei der Baader Bank (Stand: 29. August 2022).
  • ETF-Sparpläne: Alle 2.000 ETFs sind sparplanfähig. Die Sparpläne sind dauerhaft gebührenfrei. Die Mindestsparrate beträgt 1,00 Euro.
 

Trade Republic

Das Unternehmen wurde 2015 als „Neon Trading“ gegründet. 2019 startete es unter dem Namen Trade Republic als erster deutsche Neobroker und ist heute der größte Anbieter hierzulande. Bei Trade Republic fällt keine Ordergebühr an, allerdings fällt für jede Order eine Fremdkostenpauschale von 1,00 Euro an.

Gehandelt wird auf LS Exchange (LSX), dem elektronischen Handelssystem an der Börse Hamburg. Die LSX ist die Börse mit den längsten Handelszeiten (7:30 Uhr bis 23:00 Uhr). Die Spreads sind laut Trade Republic an den Referenzmarkt Xetra gebunden, soweit dort gehandelt wird (9:00 bis 17:30 Uhr).

Bei einem Ausfall der LSX weicht Trade Republic für den Handel von Aktien und ETFs auf den elektronische Wertpapierbörse Tradegate aus. Der Krypto-Handel erfolgt über die Bankhaus Scheich Wertpapierspezialist AG.

Trade Republic verfügt als einziger Neobroker über eine Vollbanklizenz. Das Depot der Anleger wird bei der Trade Republic Bank geführt. Verwahrt werden die Papiere bei der Depotbank HSBC Deutschland. Dabei gilt die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro pro Anleger.

Kosten und Leistungen von Trade Republic auf einen Blick

  • Kosten: 1,00 Euro Fremdkostenpauschale pro Order.
  • Mindesthandelsvolumen: keines.
  • Handelbare Produkte: 10.400 Aktien und ETFs, 300.000 Derivate, gut 50 Kryptowährungen (physisch), keine Fonds.
  • Handelsplätze: LS Exchange (alternativ: Tradegate), Bankhaus Scheich Wertpapierspezialist AG.
  • Einlagensicherung: 100.000 Euro pro Kunde bei der Trade Republic Bank GmbH.
  • ETF-Sparpläne: Die 2.400 ETF-Sparpläne sind dauerhaft kostenfrei. Die Mindestsparrate beträgt 10,00 Euro.
 

Finanzen.Net Zero

Finanzen.Net Zero gibt es seit 2021. Zwei Jahre zuvor hatte das Unternehmen den „Gratisbroker“ übernommen und später dessen Namen geändert. Bei FinanzenNet Zero ist der Wertpapierhandel kostenlos, wenn die Order mehr als 500 Euro beträgt. Darunter kostet jeder Trade einen Euro. Gehandelt wird ausschließlich über die Börse gettex. Depotbank ist auch hier die Baader Bank.

Bislang bietet Finanzen.Net Zero nur die Möglichkeit, über ETPs in Kryptowährungen zu investieren. In Kürze soll auch der gebührenfreie Handel mit physischen Kryptos möglich sein. Interessierte können sich bei Finanzen.Net Zero in eine Warteliste eintragen.

Kosten und Leistungen von Finanzen.net Zero auf einen Blick

  • Kosten: null Euro ab 500 Euro Handelsvolumen, darunter 1,00 Euro.
  • Mindesthandelsvolumen: 500 Euro für den gebührenfreien Handel mit Aktien, Fonds und ETFs; sonst 1,00 Euro pro Trade.
  • Handelbare Produkte: 7.500 Aktien, 2.000 ETFs, 3.300 Fonds, 490.000 Derivate, Kryptowährungen (bislang nur ETPs).
  • Handelsplätze: gettex.
  • Einlagensicherung: 19,155 Millionen Euro pro Kunde bei der Baader Bank (Stand: 29. August 2022).
  • ETF-Sparpläne: Die mehr als 500 ETF-Sparpläne sind kostenfrei. Die Mindestsparrate liegt bei 25 Euro.
 

Justtrade

Der Frankfurter Neobroker Justtrade ist seit 2019 am Markt. Das Unternehmen ist der Online-Ableger der Hamburger Sutor Bank, einer unabhängigen deutschen Privatbank. Sie kooperiert bei Justtrade mit dem Fintech JT Technologies. Die Sutorbank ist auch die Depotbank von Justtrade. Sie ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Die zusätzliche Sicherungsgrenze pro Einleger beläuft sich auf 852.000 Euro (Stand: 29. August 2022).

Ähnlich wie Finanzen.Net Zero verzichtet der Neobroker beim Wertpapierkauf auf Gebühren. Allerdings gilt für Käufe stets die Mindestordergröße von 500 Euro. Gehandelt wird über die Handelsplätze LS Exchange, Quotrix und Tradegate Exchange. Quotrix ist das elektronische Handelssystem der Börse Düsseldorf. Tradegate Exchange mit Sitz in Berlin wird unter anderem von der Deutschen Börse und der Börse Berlin betrieben.

Kosten und Leistungen von Justtrade auf einen Blick

  • Kosten: null Euro.
  • Mindesthandelsvolumen: 500 Euro.
  • Handelbare Produkte: 7.300 Aktien, 1.500 ETFs, 500.000 Derivate, Kryptowährungen, keine Fonds.
  • Handelsplätze: LS Exchange, Quotrix, Tradegate Exchange.
  • Einlagensicherung: 852.000 Euro pro Einleger bei der Sutor Bank.
  • ETF-Sparpläne: Justtrade bietet derzeit rund 200 Sparpläne an, davon gut 100 ETF-Sparpläne. Die Ausführung ist kostenlos. Die Mindestsparrate liegt bei 25 Euro.
 

Smartbroker

Smartbroker gehört zur Wallstreet Online Capital AG. Sie ist vor allem bekannt für Finanzinformationen, bietet aber auch Wertpapierdienstleistungen an. Smartbroker hat deutlich mehr Handelsmöglichkeiten als andere Neobroker. Das Unternehmen ist allerdings eher eine Mischform aus Direktbank und Neobroker.

Handeln lässt sich bei Smartbroker an allen deutschen Handelsplätzen und an ausländischen Börsen in 19 Ländern. Alle dort angebotenen Aktien, ETFs, Fonds, Derivate und Kryptowährungen (ETPs) kann man über Smartbroker kaufen und verkaufen. Eine App gibt es dafür aber bislang noch nicht.

Smartbroker verlangt eine einheitliche Gebühr von 4,00 Euro je Order. Bei einigen Börsen reduziert sich diese jedoch oder fällt ganz weg, wenn das Handelsvolumen über 500 Euro liegt. Die Depotbank von Smartbroker ist die DAB BNP Paribas, eine Marke der französischen Großbank BNP Paribas.

Einlagen bis 100.000 Euro sind über den französischen Einlagensicherungsfonds (Fonds de Garantie des Dépôts et de Résolution) gesetzlich garantiert. Darüber hinaus ist die BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland auch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeschlossen. Die zusätzliche Sicherungsgrenze beläuft sich auf 90 Millionen Euro pro Kunde (Stand: 29. August 2022).

Kosten und Leistungen von Smartbroker auf einen Blick

  • Kosten: 4,00 Euro je Order; ab 500 Euro Ordervolumen auf gettex ohne Orderentgelt, 1,00 Euro auf LS Exchange, null Euro für Derivate.
  • Mindesthandelsvolumen: 500 Euro für gettex und LS Exchange
  • Handelbare Produkte: alle auf den verfügbaren Handelsplätzen angebotene Produkte.
  • Handelsplätze: alle deutschen Handelsplätze und Börsen in 19 weiteren Ländern.
  • Einlagensicherung: 90 Millionen Euro pro Einleger bei der BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland (Stand: 29. August 2022).
  • ETF-Sparpläne: Derzeit gibt es 530 ETF-Sparpläne. Davon sind 180 gebührenfrei. Die übrigen kosten je Ausführung 0,20 Prozent der Sparplanrate, mindestens 0,80 Euro.
  • Die Mindestsparrate liegt bei 25 Euro.
 

Was unterscheidet Neobroker von Onlinebrokern?

Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn der Übergang zwischen beiden ist fließend. Allgemein gilt: Jeder Neobroker ist auch ein Onlinebroker, aber nicht jeder Onlinebroker ist auch ein Neobroker. Der Hauptunterschied zwischen beiden: Bei Onlinebrokern ist das Angebot an Handelsplätzen und damit an handelbaren Produkten deutlich größer.

Internet-Broker wie S-Broker, Maxblue, Comdirect, Consorsbank oder Flatex bieten Zugang zu den meisten deutschen und vielen ausländischen Handelsplätzen. Bei Neobrokern fehlt diese Angebotsbreite. Sie beschränken sich auf wenige Handelsplätze. Der Vorteil: Die Neobroker können oft deutlich geringere Kosten beim Wertpapierhandel bieten als herkömmliche Onlinebroker.

Schlanke Kostenstrukturen erreichen Neobroker aber auch dadurch, dass sie lediglich die Plattform für den Handel zur Verfügung stellen. Sie sind keine Banken. Onlinebroker der ersten Stunde wie Comdirect, DAB oder Consorsbank bieten ihren Kunden dagegen parallel zum digitalen Wertpapierhandel auch Bank-Dienstleistungen – etwa ein Girokonto. Dieser Service fehlt bei den Neobrokern. Für das Gehalt und die täglichen Geldgeschäfte benötigen deren Kunden daher ein Referenzkonto bei einer anderen Bank.

 

Wie sicher sind Neobroker?

Bei der Sicherheit müssen die Kunden der Neobroker keine Abstriche machen. Für Einlagen auf Verrechnungskonten gilt in jedem Fall die staatliche Einlagensicherung. Darüber sind Einlagen in Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Außerdem sind die Depotbanken oft auch freiwilliges Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Das garantiert den Anlegern eine noch deutlich höhere Absicherung.

Im Übrigen gilt auch für die Neobroker: Die Papiere im Depot der verwahrenden Bank sind Sondervermögen. Sie sind also Eigentum der Anleger und fallen auch bei einer Pleite des Neobrokers oder der depotführenden Bank nicht in die Insolvenzmasse.

Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften (zum Beispiel Dividenden, Ausschüttungen, Verkaufserlöse) sind durch die gesetzliche Anlegerentschädigung geschützt. Diese deckt 90 Prozent Ihrer Forderungen aus Wertpapiergeschäften ab, maximal 20.000 Euro.

 

Neobroker – Vorteile und Nachteile für Anleger

Der größte Vorteil der Neobroker ist der einfache Zugang zum Wertpapierhandel: Per App lassen sich Aktien oder ETFs quasi nebenbei handeln. Hinzu kommen die geringen Gebühren. Selbst verglichen mit den ohnehin schon guten Konditionen herkömmlicher Onlinebroker sind die Neobroker noch günstiger. Aber auch bei ihnen gibt es Unterschiede. Zwar bieten sie den Handel oft zum Nulltarif an. In der Regel ist das aber an Bedingungen geknüpft. Wer bei Scalable komplett kostenfrei ordern will, muss eine Monats- oder Jahresgebühr zahlen. Bei Justtrade und Finanzen.Net Zero ist ein Mindestvolumen erforderlich.

Als Anleger sollten Sie außerdem bedenken: Kostenfreie Orders bedeuten nicht, dass der Kauf eines Wertpapiers unterm Strich kostenlos ist. Bei ETFs und Fonds etwa fallen jährlich laufende Gebühren an. Und es gibt Fallstricke bei den Kosten: So ermöglichen Neobroker Ihnen zwar den Handel außerhalb der Börsenöffnungszeiten. Sie können also auch frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit oder spätabends auf dem Sofa noch Aktien kaufen. Allerdings sind die Kurse zu diesen Zeiten nach Angaben der Verbraucherzentralen „systematisch schlechter als während des regulären Börsenhandels“. Soll heißen: Wenn Sie zu ungewöhnlichen Zeiten kaufen, bekommen Sie unter Umständen einen schlechteren Kurs. Darauf sollten Sie ein Auge haben.

Ein Nachteil der Neobroker kann überdies das im Vergleich zu Onlinebrokern deutlich geringere Angebot sein. Beim Neobroker handeln Sie meist über einen bestimmten Handelsplatz. Die Kaufkurse an diesem Handelsplatz können unter Umständen höher sein als anderswo – und die Verkaufskurse niedriger. In der Fachsprache wird die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs auch Spread genannt. Allerdings konnte die Stiftung Warentest in einem Test der Neobroker Anfang 2022 beim Kauf keine „nennenswerten Aufschläge“ gegenüber dem Xetra-Handel feststellen.

Insgesamt ist die Anzahl handelbarer Produkte bei den Neobrokern zwar geringer als etwa bei Onlinebrokern. Sie dürfte aber für den normalen Privatanleger noch immer ausreichen. Allerdings unterscheiden sich die Anbieter auch hier. So reicht die Zahl möglicher ETF-Sparpläne je nach Anbieter von gut 100 bis zu 2000. Fonds lassen sich überdies nicht bei allen Neobrokern kaufen und verkaufen.

 

Fazit und Empfehlungen von biallo.de

Die Wahl des richtigen Neobrokers hängt immer auch von Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ihrer Handelsaktivität ab. Fragen Sie sich: Welche Papiere will ich wie häufig handeln und welche Handelsplätze sind mir wichtig? Und vergleichen Sie die Kosten für den Handel auch mit denen eines klassischen Onlinebrokers. Danach können Sie entscheiden, welcher Anbieter für Sie die bessere Wahl ist. 

Von den genannten Neobrokern erhalten Scalable und Trade Republic von uns das Prädikat „empfehlenswert“. Beide Neobroker sind unserer Meinung nach als Erstdepot für Börsenneulinge geeignet. Während Scalable Capital mit rund 2.000 Produkten die größte Auswahl an kostenlosen ETF-Sparplänen bietet, hat Trade Republic die Nase bei den kostenlosen Aktiensparplänen vorn (2.500 Stück). Zudem können Sie bei Trade Republic in echte Kryptos investieren, bei Scalable sind Krypto-Investments bislang nur über den Umweg ETNs möglich. Dafür können Sie bei Scalable auch aktiv gemanagte Fonds kaufen und verkaufen.

Den äußerst liquiden und transparenten Handelsplatz Xetra bietet wiederum nur Scalable an. Allerdings kostet ein Trade dann mindestens 5,49 Euro. Trade Republic gibt über den Handelspartner LSX eine Liquiditätsgarantie, dass die Spreads während der Xetra-Handelszeiten (9:00 bis 17:30 Uhr) nicht schlechter, wenn nicht sogar besser ausfallen. Zudem offeriert die LSX die längsten Handelszeiten in Deutschland bis 23 Uhr.

Unterm Strich bewegen sich beide Neobroker in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis auf Augenhöhe – auch wenn beide Anbieter unterschiedliche Gebührenmodelle verfolgen. So können Sie bei Scalable im Modell „Prime Broker“ Aktien ab einem Volumen von 250 Euro ohne Ordergebühr traden. Für Beträge darunter oder im Basismodell „Free Broker“ werden 0,99 Euro je Ausführung berechnet. Bei Trade Republic kostet jeder Trade einen Euro, unabhängig vom Volumen oder der Handelsaktivität.

Für Aktien-Vieltrader, die nicht auf eine Trading-App angewiesen sind, sondern ausschließlich über Desktop handeln wollen, ist auch das Angbeot von Smartbroker einen Blick wert. Dort können Sie ab einem Volumen von 500 Euro im Direkthandel über gettex kostenlos traden. Dazu stehen Ihnen gegen Aufpreis alle deutschen Börsen und 19 ausländische Handelsplätze zur Verfügung.

Grundsätzlich gilt: Neobroker sind am ehesten für Kundinnen und Kunden geeignet, die einfach und schnell an der Börse agieren wollen – und kein Problem damit haben, dass das Angebot an verfügbaren Börsenplätzen unter Umständen eingeschränkt ist. Legen Sie dagegen Wert auf eine große Auswahl an Börsenplätzen oder auf einen Broker, der Ihnen auch Bankdienstleistungen bietet, sind Sie womöglich bei Allround-Anbietern wie ING oder DKB besser aufgehoben.

Nachfolgend stellen wir Ihnen noch zwei interessante Ratgeber zum Thema Geldanlage aus unser Bibliothek vor:

Depotübertrag: So klappt der Depotwechsel: Für einen Depotwechsel kann es verschiedene Gründe geben. Wer mit seinen Wertpapieren zu einer anderen Bank umzieht, muss einige Besonderheiten beachten, um nicht unnötig Steuern zu zahlen. So bleiben Anleger auf der sicheren Seite – und können mit geschickten Depotüberträgen Steuern sparen.
Basiswissen Fonds: Wer fürs Alter sparen möchte, kommt an Fonds kaum vorbei. Sie bieten die ideale Möglichkeit,
langfristig Vermögen aufzubauen und bringen viele Vorteile mit sich: Die Geldanlage ist flexibel,
Anleger können jederzeit über ihr Geld verfügen, Fonds streuen das Risiko breit, Börsentiefs
gleichen sich in der Regel über die Jahre hinweg aus, und Anleger müssen sich nicht ständig um ihre
Geldanlage kümmern.
Auch wenn alle über die Börse fachsimpeln – viele werden sich wohl eingestehen müssen, dass sie
in Wirklichkeit nicht so hundertprozentig wissen, was genau ein Fonds ist, welche Arten es gibt, wo
die Unterschiede liegen, wo man Fonds kaufen kann und worauf man achten sollte.
Genau dafür haben wir diesen Ratgeber verfasst. „Basiswissen Fonds“ erklärt das kleine Einmaleins
dieser Art der Geldanlage. Und Sie erfahren auch, warum eine Investition in Fonds trotz Börsenkrise, verursacht durch das Coronavirus, nicht obsolet geworden ist. Wer bisher noch nicht in diese
Wertpapierart investiert, ist danach hoffentlich ermutigt, den Schritt zu wagen.
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Über den Autor Redaktion

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