Mit ETFs und Zertifikaten in Rohstoffe investieren

Rohstoffe als Anlageklasse Mit ETFs und Zertifikaten in Rohstoffe investieren

Peter Rensch
von Peter Rensch
14.06.2019
Auf einen Blick
  • Rohstoff-Anleihen sind nicht die Anleihen von Unternehmen des Rohstoffsektors, sondern Zertifikate auf Rohstoffpreise.

  • Bei Zertifikaten besteht bei Zahlungsausfall des Emittenten das Risiko eines Totalverlusts.

  • Wer das Verlustrisiko reduzieren will, sollte sein Risiko mit Rohstoff-ETFs breit streuen.
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Wenn Sie an der Wertentwicklung von Rohstoffen partizipieren wollen, gibt es unterschiedliche Anlagemöglichkeiten, die Sie vor Ihrer Kaufentscheidung kennen sollten. Dabei gilt es, eine Anlageform zu finden, die zu Ihrer Risikoneigung passt. Denn Rohstoffpreise können je nach Markt- und Wirtschaftsentwicklungen äußerst volatil sein. Verluste sind deshalb nicht auszuschließen.

Für Kleinanleger sind Rohstoff-ETFs geeignet, die an der Börse gehandelt werden. Sie können kurzfristig gekauft oder veräußert werden. Dabei sind grundsätzlich zwei Arten von Rohstoff-ETFs zu unterscheiden: Entweder bildet der zugrunde liegende Index direkt die jeweiligen Rohstoffe ab oder er beinhaltet die Aktien von Rohstoffproduzenten.

Lesen Sie auch: Die richtige Anlagestrategie bei ETFs

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Rohstoff- oder Aktienindex als Grundlage

ETFs, die einen Rohstoff-Index nachbilden, sind von der Entwicklung der jeweiligen Terminkontrakte abhängig. Zur Nachbildung der Indizes werden ebenfalls Futures eingesetzt, aber auch Zertifikate und Swaps. Somit handelt es sich bei Rohstoff-ETFs in der Regel um sogenannte synthetisch replizierende ETFs. Hierbei kann ein spezifischer Rohstoff abgebildet werden wie beispielsweise Öl, Gold, Gas oder Kaffee beziehungsweise eine ganze Branche wie Energie oder Edelmetalle.

Weitere Möglichkeit: Der Fonds fokussiert sich auf den Index von Unternehmen, die einen bestimmten Rohstoff produzieren wie beispielsweise Energielieferanten. "Da ETFs meist in unterschiedlichen Rohstoffklassen anlegen, wird das Risiko verteilt. Und vor allem Kleinanleger sind hier gut aufgehoben, da extreme Kursschwankungen nicht die Regel sind."

Lesen Sie auch: Wie Sie mit ETCs in Rohstoffe investieren

Unterschiedliche Faktoren beeinflussen den Kurs

Als Anleger erwerben Sie einen Anteil an dem Fonds und partizipieren an der Kursentwicklung. Der Kurs ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie Umweltkatastrophen oder Wetterveränderungen, die sich auf die Ernte der Rohstoffe auswirken wie auch politische Lagen, die nicht immer vorhersehbar sind.

Emittentenrisiken spielen bei Rohstoff-ETFs hingegen eine untergeordnete Rolle. "ETF-Anbieter begrenzen dieses Risiko durch unterschiedliche Maßnahmen, indem sie zum Beispiel Sicherheiten stellen oder mit mehreren Gegenparteien arbeiten", erklärt Erik Podzuweit, Mitgründer und CEO von Scalable Capital. "Die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger durch den Ausfall einer der Parteien einen Schaden erleidet, fällt damit gering aus."

  • Biallo-Tipp: Achten Sie bei der Auswahl auf einen Rohstoff-ETF, dass dieser über einen längeren Zeitraum stabil war. Hier ist die Chance am größten, dass Sie nicht mit erheblichen Kursschwankungen rechnen müssen. Allerdings kann das wiederum zu Lasten der Rendite gehen.

Rollverluste bei Futures beachten

Synthetische Rohstoff-ETFs bestehen aus einem Mix an Futures, also Warenterminkontrakten, die in der Regel wie folgt abgewickelt werden: Bei Vertragsabschluss wird der Preis für den Rohstoffeinkauf festgelegt und der Veräußerer muss die Ware zum festgelegten Termin liefern. Bei ETFs kommt es aber nicht zur physischen Lieferung, sondern der Future wird kurz vor Laufzeitende verkauft und der Erlös wieder in den nächsten Future reinvestiert – das heißt in der Fachsprache "Rollen".

Fällt der Preis des nächstliegenden Futures niedriger aus, wird ein Gewinn erzielt (Backwardation-Situation). Handelt es sich um eine höhere Summe, liegt ein sogenannter Rollverlust vor und ein Preisaufschlag wird fällig (Contango-Situation). Dies ist zum Beispiel bei einem Öl-Future häufig der Fall.

Da Rohstoff-ETFs auch über sogenannte Swaps (Tauschgeschäfte) abgebildet werden, besteht zudem das Risiko, dass der Swap-Kontrahent nicht die versprochene Wertentwicklung des Rohstoffkorbs liefern kann. ETF-Anbieter begrenzen dieses Risiko durch unterschiedliche Maßnahmen, indem sie zum Beispiel Sicherheiten stellen oder mit mehreren Gegenparteien arbeiten.

Lesen Sie auch: MSCI World: Die besten ETFs auf den Weltaktienindex

Vor- und Nachteile von Rohstoff-ETFs

Pluspunkte:

  • flexible Veräußerung durch den Börsenhandel

  • geringe Kosten, da unter anderem kein Ausgabeaufschlag anfällt
  • niedrige Verwaltungsgebühren durch ein passives Management
  • hohe Transparenz, da die Kursentwicklung an der Börse verfolgt werden kann
  • das Anlagekapital gilt als Sondervermögen und geht bei Insolvenz des Emittenten nicht verloren

Minuspunkte:

  • eventuell hohe Volatilität
  • Kursentwicklung von vielen äußeren Faktoren abhängig wie politische Lage, Wetter etc.
  • weniger Flexibilität aufgrund des passiven Managements

Kosten:

  • Ordergebühren, Spread-  und Verwaltungskosten

Rohstoff-Anleihen als Alternative

Rohstoff-Anleihen – auch Zertifikate genannt – sind eine weitere Option, um an der Entwicklung der Rohstoffmärkte zu partizipieren. Die Produkte haben eine festgeschriebene Laufzeit und einen Rückzahlungstermin. Anleger erhalten eine regelmäßige Zinszahlung und am Ende der Laufzeit ihren Auszahlungsbetrag, der sich nach dem Basiswert richtet. Je nachdem, ob der Referenzpreis über oder unter dem Einstiegspreis liegt, erzielen Anleger einen Gewinn oder Verlust – im Extremfall einen Totalverlust.

"Rohstoffanleihen sind nicht die Anleihen von Unternehmen des Rohstoffsektors, sondern Zertifikate auf Rohstoffpreise – rechtlich gesehen also Inhaberschuldverschreibungen einer Bank", erklärt Erik Podzuweit.

Bei Rohstoffanleihen trage der Anleger das Emittentenrisiko, was im Insolvenzfall der Emittentin den Verlust der gesamten Anlagesumme bedeuten könne. "Anders verhält es sich mit Rohstoff-ETFs, bei denen ein Totalverlust aufgrund der rechtlichen Struktur als Sondervermögen eher theoretischer Natur ist."

  • Biallo-Tipp: Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative zum langfristigen Vermögensaufbau. Wie viel Rendite die digitalen Vermögensverwalter erzielen, erfahren Sie in unserem Performance-Vergleich.

Vor- und Nachteile von Rohstoff-Zertifikaten

Pluspunkte:

  • schnelle Veräußerung über den Kapitalmarkt
  • regelmäßige Zinsausschüttung
  • Anlagestrategiewechsel möglich durch aktives Management
  • Festgelegter Rückzahlungstermin

Minuspunkte:

  • Kursschwankungen durch äußere Beeinflussungen
  • Risiko des Totalverlusts bei Insolvenz des Emittenten

Kosten:

  • abhängig vom Anbieter, in der Regel Ordergebühren, Transaktionskosten und Verwaltungsgebühren

Sollen Kleinanleger jetzt eher auf Rohstoff-ETFs oder Anleihen setzen? "Grundsätzlich ist die Streuung bei ETFs größer, wodurch das Verlustrisiko im Gegensatz zu Anleihen kleiner ist. Bei Anleihen kommt hinzu, dass es bei Zahlungsausfall des Emittenten zu einem Totalverlust kommen kann", sagt Verbraucherschützerin Heyer.

Gerade Kleinanlegern empfehle sie deshalb ETFs. Sie weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass die Verbraucherzentralen bei Fragen zu Anlageklassen beraten, jedoch keine konkreten Produktempfehlungen abgeben. "Die Produktentscheidung muss der Anleger fällen. Schließlich geht es um sein Geld."

Ausgewählte ETFs auf Rohstoff-Indizes

Bloomberg Commodity Index

ETF (ISIN)WährungAusschüttungLaufende KostenEin-Jahres-PerformanceDrei-Jahres-PerformanceFünf-Jahres-Performance
UBS ETFs (IE) Bloomberg Commodity CMCI SF UCITS ETF (USD) A-accUSDThesaurierend0,34 %-10,44 % (USD)

-6,72 %(EUR)
-1,87% (USD)

3,37 % (EUR)
k.A.
L&G All Commodities UCITS ETFUSD0,20%-12,09% (USD)

-8,52% (EUR)


k.A.k.A.

Thomson Reuters / CoreCommodity CRB-Index

ETFWährungAusschüttungLaufende KostenEin-Jahres-PerformanceDrei-Jahres-PerformanceFünf-Jahres-Perfomance
Lyxor Commodities Thomson Reuters/CoreCommodity CRB TR UCITS ETF*EURThesaurierend0,35 %k.A.k.A.k.A.
Lyxor Commodities Thomson Reuters/CoreCommoditiy CRB EX-Energy TR UCITS ETF Acc*EURThesaurierend0,35 %k.A.k.A.k.A.

*Auflagedatum 21.2.2019

Rogers International Commodity Index

ETFWährungAusschüttungLaufende KostenEin-Jahres-PerformanceDrei-Jahres-PerformanceFünf-Jahres-Performance
Rogers International Commodity UCITS ETFEURThesaurierend0,70%-7,80%-2,84%-29,95%
Market Access RICI Agruculture UCITS ETFEURThesaurierend0,70%-7,53%-21,02%-22,73%
Market Access RICI Metals UCITS ETFEURThesaurierend0,60%-10,29%+6,13%+2,25%

Ausgewählte ETFs auf Aktienindizes

MSCI World Energy

ETFWährungAusschüttungKostenquoteEin-Jahres-PerformanceDrei-Jahres-PerformanceFünf-Jahres-Performance
Amundi MSCI World Energy UCITS ETF - EUR (C)*EURThesaurierend0,35%-10,78%k.A.k.A.
Lyxor MSCI World Energy TR UCITS ETF C-EUREURThesaurierend0,30%-10,64%+7,36%-10,78%
Xtrackers MSCI World Energy Index UCITS ETF 1 CUSDThesaurierend0,30%-14,10% (USD)

-10,53% (EUR)
+8,26% (USD)

+8,10% (EUR)
-23,28% (USD)

-8,19% (EUR)


Stoxx 600 Oil & Gas

ETFWährungAusschüttungLaufende KostenEin-Jahres-PerformanceDrei-Jahres-PerformanceFünf-Jahres-Performance
Xtrackers STOXX Europe 600 Oil & Gas UCITS ETF 1 CEURThesaurierend0,30%-3,22%+35,15%+10,92% 
Comstage STOXX Europe 600 Oil & Gas NR UCITS ETFEURAusschüttend0,25%-3,36%+33,12%+9,54%
iShares STOXX 600 Oil & Gas UCITS ETF (DE)EURAusschüttend0,46%-3,42%+34,54%+11,08%

Drei ausgewählte Rohstoff-ETFs

ETFWährungAusschüttungLaufende KostenEin-Jahres-PerformanceDrei-Jahres-PerformanceFünf-Jahres-Performance
Comstage Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Indes TR UCITS ETFUSD ausschüttend0,30%-9,57% (USD)

-5,81% (EUR)
+15,68% (USD)

+15,52% (EUR)
-29,77% (USD)

-15,96% (EUR)
UBS ETF (IE) CMCI Composite SF UCITS ETF (USD) A-aacUSDThesaurierend0,34%-11,30% (USD)

-7,62% (EUR)
+1,65% (USD)

+1,51% (EUR)
-33,31% (USD)

-20,19% (EUR)
BNP Paribas Easy Energy & Metals Enhanced Roll UCITS ETF EUREURThesaurierend0,49%-6,94% 

+7,61%k.A.
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ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de