Anleihe-Investment: Der Unterschied zwischen Zins und Rendite
 
Basiswissen

Anleihe-Investment: Der Unterschied zwischen Zins und Rendite

Update: 14.04.2020
Auf einen Blick
  • Bei einem Investment in Anleihen sollten Anleger nicht allein auf den Zinskupon schauen. Denn die jeweilige Rendite hängt immer auch von der Laufzeit und dem Anleihekurs ab.
Bei einem Investment in Anleihen sollten Anleger immer auch das Kursrisiko berücksichtigen.
Viktoriia Hnatiuk / Shutterstock.com
Die Anleihenmärkte haben in den vergangenen Wochen eine rasante Achterbahnfahrt hingelegt. Beispiel zehnjährige Bundesanleihe: Die Rendite markierte am 9. März ein Rekordtief bei minus 0,91 Prozent. Als sich das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens im Zuge der Coronakrise abzeichnete, war der Nimbus als "sicherer Hafen" auch für deutsche Staatsanleihen erst mal dahin. Investoren zogen ihr Geld ab, die Kurse fielen und die Rendite stieg innerhalb von nur zehn Tagen bis auf minus 0,15 Prozent.
Manche werden sich jetzt vielleicht fragen: Wieso haben steigende Renditen mit sinkenden Kurse zu tun? Das liegt darin begründet, dass Anleihen – im Gegensatz zu Aktien – Schuldverschreibungen sind und der Kurs den aktuellen Wert der Forderung widerspiegelt.

Wie sich der Kurs auf die Rendite auswirkt

Die Rendite einer Anleihe ist nicht mit dem Zinskupon (Nominalzins) zu verwechseln. Denn Erstere verändert sich stetig aufgrund der Kursschwankung, da Anleihen oder Bonds in der Regel über die Börse gehandelt werden und der Kauf- bzw. Verkaufskurs sowie die Laufzeit sich deutlich auf die Rendite auswirken.
Der Kurswert einer Anleihe wird nicht in Euro, sondern in Prozent des Nominalwerts – auch Nennwert genannt – ausgedrückt. Bei Bundesanleihen beträgt der Nennwert pro Teilschuldverschreibung 100 Euro. Diesen Betrag muss der Anleihe-Zeichner dem Emittenten – in dem Fall dem Staat Deutschland – bezahlen.
Steigt das Papier nach der Emission beispielsweise um fünf Prozent, notiert der Kurs bei 105 Prozent. Das Papier hat somit einen Wert von 105 Euro – ohne Berücksichtigung des Zinskupons. Würde der Zeichner das Papier zu diesem Zeitpunkt wieder verkaufen, läge der Kursgewinn bei fünf Prozent.
Der nächste Käufer wiederum muss fünf Euro mehr als den Nennwert auf den Tisch legen. Da der Rückzahlungskurs des Emittenten bei Laufzeitende immer der Nennwert ist, kann der Käufer seinen höheren Einsatz nur über die jährlichen Zinszahlungen wettmachen, außer er verkauft das Papier wieder zu einem höheren Kurs weiter. Allerdings besteht hier natürlich das Risiko fallender Kurse.
Anleger sollten sich deshalb von der Höhe des Zinskupons nicht blenden lassen, sondern immer auch den Kurs berücksichtigen. Liegt der Nominalzins einer Anleihe beispielsweise bei 3,5 Prozent und der Kaufkurs beträgt 105 Prozent, ergibt sich für den Investor nur noch eine laufende Verzinsung von 3,33 Prozent pro Jahr auf sein eingesetztes Kapital.
Die Berechnung lautet wie folgt: (Zinssatz x 100) / Kurswert = laufende Verzinsung. Bei einem Kaufkurs von 95 Prozent würde die laufende Verzinsung in dem Beispiel 3,68 Prozent betragen.

Haltedauer und Verkaufskurs beachten

Das sagt aber alles noch nichts über die tatsächlich erzielte Rendite beziehungsweise Effektivverzinsung aus. Denn hier fließen neben Kaufkurs und Nominalverzinsung auch der Rückzahlungskurs und die Laufzeit der Anlage mit ein.
Zurück zu unserem Beispiel: Bei einem Kaufkurs von 105 Prozent und einer Nominalverzinsung von 3,5 Prozent entschließt sich der Investor, das Papier nach zwei Jahren zu einem Kurs von 130 Prozent zu verkaufen. Damit beläuft sich die Rendite bzw. Effektivverzinsung auf 15,24 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten.
Die Formel dafür lautet: {Nominalzins [(Verkaufskurs – Kaufkurs) / Laufzeit]} / Kaufkurs x 100 = Rendite.
Wenn der Investor seine Anleihe allerdings nach zwei Jahren nur zu einem Kurs von 99 Prozent verkaufen könnte, läge die Effektivrendite nur noch bei 0,48 Prozent pro Jahr.



  Peter Hermann


 
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