Auf einen Blick
  • Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst die Entwicklung der Sparzinsen und der Kreditzinsen in der Wirtschaft.

  • Über den Leitzins nimmt die Notenbank daher Einfluss auf die Inflation und die Entwicklung der Wirtschaft.

  • Derzeit ist der Leitzins so hoch wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Wir sagen Ihnen, wie sich die Zinsen 2024 entwickeln dürften – und was das für Sparer bedeutet.
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Er ist wichtig für Anleger, Sparer und Kreditnehmer: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) ist mitentscheidend dafür, wie hoch die Sparzinsen beim Tages- und Festgeld sind, wie teuer der Ratenkredit ausfällt oder wie viel Zinsen Häuslebauer für ihren Baukredit berappen müssen. Doch was genau ist der Leitzins, wie hoch ist er aktuell und wie wirkt es sich auf Ihre Finanzen aus, wenn die Notenbank den Leitzins senkt oder den Leitzins erhöht? Das erklären wir Ihnen in diesem Ratgeber.

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Wie hoch ist der Leitzins aktuell?  

Der EZB-Leitzins liegt aktuell bei 4,50 Prozent. So hoch war er seit Mai 2001 nicht mehr. Auf diesen Wert hat die EZB mit Sitz in Frankfurt den Zins am 20. September 2023 angehoben. Es war der vorläufige Höhepunkt einer beispiellosen Serie an Zinserhöhungen: Zehn Mal hintereinander hatte die Notenbank davor den aktuellen Leitzins erhöht. Danach legte sie drei Mal eine Zinspause ein.

Ökonomen, Finanzmarktexperten und Anleger gehen nun davon aus, dass die Zentralbank den Zins in den kommenden Monaten wieder senken wird. Die Meinungen darüber, wann das sein wird, gehen aber auseinander.

 

Wie sieht die Prognose für den Leitzins 2024 aus?  

Dass die EZB den Leitzins 2024 senken wird, gilt als sicher. Die Notenbank hatte ihn von Mitte 2022 bis Herbst 2023 im Rekordtempo angehoben, um die Inflation zu bekämpfen. Preisstabilität ist das wichtigste Ziel der EZB. Erst wenn die Inflation nachlässt, kann die Zentralbank die Zinsen wieder senken. Tatsächlich ist die Teuerung zuletzt deutlich gefallen. Im Januar lag sie in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 2,9 Prozent, in der EU sind es 2,8 Prozent. Dennoch wartet die EZB ab: Sie will sicher gehen, dass die Inflationsraten dauerhaft niedrig bleiben.

Eine Prognose der Zinsentwicklung für 2024 ist daher schwierig. Einige Experten gehen davon aus, dass die Notenbank schon im Frühjahr die Zinsen senkt. Andere rechnen erst im Sommer damit. Und auch der Umfang möglicher Senkungen im Jahr 2024 ist offen: Die Schätzungen reichen von drei bis hin zu sechs Zinssenkungen um jeweils einen viertel Prozentpunkt. Das würde bedeuten: Der Leitzins liegt zum Jahresende zwischen 3,00 und 3,75 Prozent.  

Was die EZB Leitzins-Prognose für Zinssparer bedeutet

Die Aussicht auf sinkende Leitzinsen macht sich auch bei den Tages- und Festgeldzinsen bemerkbar. Einige Banken haben ihre Festgeldzinsen bereits gesenkt. Das gilt vor allem für längere Laufzeiten. Es gibt aber nach wie vor Banken, die hohe Zinsen bieten. Wollen Sie daher einen bestimmten Betrag für längere Zeit – fünf oder zehn Jahre – sicher anlegen, sollten Sie sich jetzt umschauen. Bei kürzeren Laufzeiten gilt: Überlegen Sie, wann Sie den Betrag wieder brauchen und suchen Sie sich einen guten Anbieter für die Laufzeit. Beträge, die Sie ganz kurzfristig benötigen, legen Sie auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto.

Die besten Tagesgeld- und Festgeld-Zinsen

Beim Tagesgeld sind derzeit bis zu 3,90 Prozent für Neukunden drin. Diesen Zins bieten etwa die Openbank und die Suresse Direkt Bank, die beide zur spanischen Santander-Gruppe gehören. Der Garantiezins gilt jeweils für sechs Monate. Danach fällt der Zinssatz auf variable 2,80 Prozent pro Jahr. Auch die luxemburgische Advanzia und die französische Stellantis Direktbank zahlen Neukunden jeweils 3,90 Prozent, allerdings nur drei Monate lang. Ab dem vierten Monat werden 1,60 respektive 1,50 Prozent pro Jahr bezahlt.  

Den höchsten Festgeldzins bei einjähriger Laufzeit bietet derzeit die SBI Frankfurt. Sie zahlt ihren Kunden für zwölf Monate 4,10 Prozent. Bei fünfjährigem Festgeld liegt die niederländische Leaseplan Bank mit 3,90 Prozent vorne. Wenn Sie so lange auf einen bestimmten Betrag verzichten können, sollten Sie ihn jetzt anlegen. Denn je näher die Zinssenkung der EZB rückt, desto wahrscheinlicher wird es, dass auch die Sparzinsen weiter nach unten gehen.

 

Was ist der EZB-Leitzins?

Doch was genau ist gemeint, wenn man vom Leitzins der Europäischen Zentralbank spricht? Streng genommen gibt es nicht nur einen Leitzins, sondern drei. Sie legen fest, zu welchen Konditionen die sogenannten Geschäftsbanken – also die privaten Banken, die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen – bei der EZB Geld leihen und anlegen können.

Der Hauptrefinanzierungssatz ist dabei der wichtigste der drei Leitzinsen. Von ihm ist die Rede, wenn man vom „EZB-Leitzins“ spricht. Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld für eine Woche Laufzeit leihen. Der Hauptrefinanzierungssatz beeinflusst damit etwa die Zinsen für Kredite, die die Banken an ihre Kunden vergeben.

Der Einlagensatz – der Leitzins für die sogenannte „Einlagefazilität“ – ist derjenige Zinssatz, zu dem die Banken überschüssiges Geld über Nacht bei der Zentralbank anlegen können. Er ist damit eine Art Tagesgeldzins für die Geschäftsbanken. Damit entscheidet er über die Höhe der Tages- und Festgeldzinsen mit, die die Banken ihren Kundinnen und Kunden anbieten.

Der Spitzenrefinanzierungssatz ist der dritte Leitzins der EZB. Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld über Nacht leihen. Der Zins dient den Banken daher dazu, sich kurzfristig finanzielle Mittel zu beschaffen. Das soll helfen, mögliche Liquiditätsengpässe bei den Banken zu vermeiden. 

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Wie wird über den EZB-Leitzins entschieden?

Die Europäische Zentralbank ist unabhängig von politischen Entscheidungen und Gremien. Sie legt daher auch ihre Leitzinsen eigenständig und unabhängig fest. Wer genau bestimmt jedoch den Leitzins? Das macht der Rat der EZB: Er berät in seinen regelmäßigen Sitzungen über die Höhe der Leitzinsen. In der Regel trifft sich der Rat alle sechs Wochen. Die nächsten EZB Leitzins-Termine sind der 7. März, der 11. April und der 6. Juni 2024. Insgesamt tagt die EZB Jahr 2024 noch sieben Mal. Die Termine der EZB-Zinsentscheidungen veröffentlicht die Zentralbank auf ihrer Internetseite

 

Welchen Einfluss hat der EZB-Leitzins auf unsere privaten Finanzen?  

Mit ihren Leitzinsen bestimmt die EZB die Konditionen, zu denen sich die Banken bei der Notenbank Geld leihen oder anlegen können. Damit beeinflusst sie indirekt die Zinsen, die Banken ihren Kundinnen und Kunden bei der Kreditvergabe und bei der Geldanlage gewähren – zum Beispiel bei Tagesgeld und Festgeld.

Was bedeutet der EZB-Leitzins für Sparanlagen?

Die Richtschnur für die Zinsen bei den Sparanlagen ist der Einlagensatz der EZB. Er liegt derzeit bei 4,0 Prozent. Für diesen Zins parken Banken, wie bereits erwähnt, über Nacht Geld bei der Notenbank. Bekommen sie also von ihren Kunden Einlagen für Tagesgeld oder Festgeld, können sie das Geld zu diesem Satz bei der EZB anlegen. Sinkt der Einlagensatz, dann sinken in der Regel auch die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld. Steigt er, geht es auch bei den Sparzinsen hoch.

Was bedeutet die Leitzins-Entwicklung für Baufinanzierung und Kredite?

Die Zinspolitik der EZB wirkt aber auch auf die Kreditkonditionen. Insbesondere die Zinsen für Konsumentenkredite orientieren sich am eigentlichen EZB-Leitzins, dem Hauptrefinanzierungssatz. Zu diesem Zins leihen sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld. Ähnlich wie der Einlagensatz bei den Sparzinsen ist er damit eine Art Mindestzins für die kurzfristige Kreditvergabe der Banken. Steigt der Leitzins, werden Kredite teurer. Sinkt er, können sich Verbraucher günstiger Geld leihen.

Langfristige Kreditzinsen wie etwa die Bauzinsen orientieren sich dagegen weniger am Leitzins. Sie richten sich eher nach den Renditen am Anleihenmarkt – und dabei vor allem nach den Renditen langfristiger Bundesanleihen und den Pfandbriefrenditen. Mit Pfandbriefen leihen sich Banken Geld bei Anlegern, um es als Baukredite weiter zu verleihen. Die Bauzinsen setzen sich daher aus den Pfandbriefrenditen plus einem Aufschlag zusammen.  

Wie beeinflusst der Leitzins die Inflation?

Über die Änderung bei den Spar- und Kreditzinsen nimmt die EZB Einfluss auf die Wirtschaft – und damit auf die Inflation. Was passiert dabei, wenn der Leitzins steigt? Ein hoher Leitzins dämpft die Teuerung, weil die Menschen mehr sparen. Der Konsum geht zurück. Gleichzeitig werden Kredite für Investitionen der Unternehmen teurer. Die Wirtschaft kühlt ab, das drückt aufs Preisniveau. Und was passiert, wenn der Leitzins sinkt? Niedrige Zinsen sorgen umgekehrt für mehr Investitionen und mehr Konsum. Die Nachfrage nach Gütern steigt – und damit auch die Preise.  

Ist ein hoher Leitzins also gut oder schlecht für die Wirtschaft? Das lässt sich nicht pauschal sagen. Hohe Leitzinsen bremsen einerseits die Konjunktur. Andererseits dämpfen sie die Teuerung. Aufgabe der EZB ist es dabei, die Inflation in Schach zu halten, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

 

Wie hat sich der EZB Leitzins seit 2010 entwickelt?

Einen Leitzins von 4,50 Prozent gab es seit knapp 23 Jahren nicht mehr (siehe Grafik). Der Wert ist umso bemerkenswerter, als der Leitzins davor lange Zeit bei null lag.  

Entwicklung des EZB-Leitzinses

Entwicklung des EZB-Leitzinses seit 2010.

Wie kam es zu dieser Leitzins-Entwicklung? Nach der Euro-Schuldenkrise in den Jahren 2010 und 2011 hatte die Notenbank den Zins Schritt für Schritt gesenkt. Das billige Geld sollte der Wirtschaft durch die Krise helfen. Bis zum März 2016 fiel der Hauptrefinanzierungssatz auf null Prozent. Auf diesem Niveau blieb er mehr als sechs Jahre lang bis zum Juli 2022. Dann sorgten steigende Energiepreise für so hohe Inflationsraten, dass die EZB die Leitzinsen mehr als ein Jahr lang bei jeder ihrer Sitzungen anhob, insgesamt zehn Mal in Folge.

Ein ähnliche Entwicklung gab es auch beim Leitzins der Fed. Die Abkürzung steht für die US-Notenbank „Federal Reserve“. Er ist für Anleger neben dem EZB-Zins der wichtigste Gradmesser für die künftige Zinsentwicklung. Die Fed hatte 2022 mit ihren Zinssteigerungen noch vor der EZB-Zinserhöhung begonnen und den Leitzins in den USA noch stärker erhöht. Die sogenannte Federal Funds Rate liegt derzeit in einer Bandbreite von 5,25 bis 5,50 Prozent. Nun erwarten Anleger und Experten, dass die US-Notenbank mit den Zinssenkungen früher beginnt als die EZB. Fed-Chef Jerome Powell hat allerdings jüngst zurückgewiesen, dass die Fed die Zinsen bereits im März senken wird. Gleichzeitig stellte er für dieses Jahr drei Zinssenkungen in Aussicht.

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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