Auf einen Blick
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt bei ihrer Sitzung am 11. April den Leitzins unverändert bei 4,50 Prozent. Gleichzeitig deutet sie eine Lockerung der Geldpolitik an.

  • Experten gehen nun davon aus, dass die Zinswende bei der nächsten Sitzung am 6. Juni kommen könnte. Im Laufe des Jahres dürfte es dann weitere Zinssenkungen geben.

  • Über den Leitzins nimmt die Notenbank Einfluss auf die Inflation und die Entwicklung der Wirtschaft. Wir sagen Ihnen, was das für Sparer und Kreditnehmer bedeutet. 
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Wann kommt die Zinswende? Eine konkrete Antwort auf diese Frage hatten sich Anleger und Finanzexperten von der Sitzung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag (11. April) erhofft. Doch sie kam nicht: Der EZB-Rat lege sich "nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest", machte die Notenbank nach ihrer Sitzung in einer Mitteilung klar. Sie ließ damit offen, ob sie die Zinsen – wie von vielen Experten erwartet – im Juni wieder senken wird. Gleichzeitig deutete sie jedoch eine mögliche Lockerung der Geldpolitik an. In der jetzigen Sitzung ließ die EZB die Leitzinsen aber unverändert.  

Der EZB-Leitzins ist wichtig für die gesamte Wirtschaft. Seine Höhe betrifft auch Anleger, Sparer und Kreditnehmer direkt: Denn er entscheidet mit, wie hoch die Sparzinsen beim Tages- und Festgeld sind, wie teuer der Ratenkredit ausfällt – oder wie attraktiv Aktien im Vergleich zu Zinsanlagen sind. Sollten daher die Zinsen im Juni tatsächlich sinken, würde das die Aktienmärkte beflügeln. 

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Wie hoch ist der Leitzins aktuell?  

Der EZB-Leitzins liegt aktuell bei 4,50 Prozent – so hoch wie seit Mai 2001 nicht mehr. Auf diesen Wert hat die Notenbank den Zins im September 2023 angehoben. Es war der Endpunkt einer Reihe von zehn Zinserhöhungen hintereinander. Seitdem hält die EZB den Zins konstant – auch bei Ihrer jüngsten Sitzung am 11. April 2024. 

Dabei hatte es im Vorfeld unter den Mitgliedern im sogenannten EZB-Rat durchaus unterschiedliche Meinungen gegeben. Einige Ratsmitglieder hatten sich für eine Zinssenkung bereits bei dieser Sitzung ausgesprochen. Andere jedoch, darunter auch EZB-Chefin Christine Lagarde, wollen damit noch warten. Nun könnte es darauf hinauslaufen, dass die Zinswende bei der nächsten Sitzung am 6. Juni kommt. 

 

Wie sieht die Prognose für den Leitzins 2024 aus?  

Dass die EZB den Leitzins im Jahr 2024 senken wird, scheint sicher. Von Mitte 2022 bis Herbst 2023 hatte die Notenbank ihn im Rekordtempo angehoben, um die Inflation zu bekämpfen. Preisstabilität ist das wichtigste Ziel der EZB. Erst wenn die Inflation annähernd die Zielmarke von 2,0 Prozent erreicht hat, wird die Zentralbank die Zinsen senken. Eine Lockerung der Geldpolitik sei angemessen "wenn die Inflation sich nachhaltig dem Zielwert annähert", machte die EZB nach der jetzigen Sitzung klar – ein Hinweis auf bevorstehende Zinssenkungen.

Tatsächlich ist die Teuerung zuletzt deutlich gefallen. Im März lag sie in Deutschland nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes bei 2,2 Prozent, in der Eurozone sind es 2,4 Prozent. Noch wartet die EZB daher ab: Sie will sicher gehen, dass die Inflationsraten dauerhaft niedrig bleiben. 

Bislang gehen die meisten Experten von einer Zinssenkung im Juni aus. Die Anzahl möglicher Senkungen im Jahr 2024 ist allerdings offen: Wahrscheinlich sind derzeit drei Zinssenkungen um jeweils einen viertel Prozentpunkt. Das würde bedeuten: Der Leitzins liegt zum Jahresende bei 3,75 Prozent.  

Was die EZB Leitzins-Prognose für Zinssparer bedeutet

Die Aussicht auf sinkende Leitzinsen macht sich auch bei den Tages- und Festgeldzinsen bemerkbar. Etliche Banken haben ihre Festgeldzinsen bereits gesenkt. Das gilt vor allem bei längeren Laufzeiten. Es gibt aber nach wie vor Banken, die gute Zinsen bieten. Wollen Sie daher einen bestimmten Betrag für längere Zeit – etwa fünf Jahre – sicher anlegen, sollten Sie sich jetzt noch umschauen. Bei kürzeren Laufzeiten gilt: Überlegen Sie am besten, wann Sie den Betrag wieder brauchen und suchen Sie sich einen guten Anbieter für diese Laufzeit. Beträge, die Sie ganz kurzfristig benötigen, legen Sie auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto.

Die besten Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld

Beim Tagesgeld sind derzeit bis zu 3,90 Prozent für Neukunden drin. Diesen Zins bietet die Openbank, die zur spanischen Santander-Gruppe gehört. Der Garantiezins gilt dabei für sechs Monate. Danach fällt der Zinssatz auf variable 2,80 Prozent pro Jahr. Auch die luxemburgische Advanzia zahlt Neukunden 3,90 Prozent, allerdings nur drei Monate lang. Ab dem vierten Monat liegt der Zins bei 2,10 Prozent jährlich.  

Den höchsten Festgeldzins bei einjähriger Laufzeit bietet derzeit die SBI Frankfurt. Die deutsche Tochter der State Bank of India zahlt ihren Kunden für zwölf Monate 4,00 Prozent. Sie müssen dafür allerdings mindestens 20.000 Euro anlegen. Bei zweijährigem Festgeld liegt die deutsche Pbb Direkt mit 3,75 Prozent vorne, bei der fünfjährigen Laufzeit zahlt die die niederländische Leaseplan Bank mit 3,90 Prozent den höchsten Zins. Wenn Sie so lange auf einen bestimmten Betrag verzichten können, sollten Sie ihn jetzt anlegen. Denn je näher die Zinssenkung der EZB rückt, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch die Sparzinsen nach unten gehen.

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand: 23.04.2024
 

Was ist der EZB-Leitzins?

Was aber ist genau gemeint, wenn man vom Leitzins der Europäischen Zentralbank spricht? Streng genommen gibt es nicht nur einen Leitzins, sondern drei. Sie legen fest, zu welchen Konditionen die sogenannten Geschäftsbanken – also die privaten Banken, die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen – bei der EZB Geld leihen und anlegen können.

Der Hauptrefinanzierungssatz ist dabei der wichtigste der drei Leitzinsen. Von ihm ist die Rede, wenn man vom „EZB-Leitzins“ spricht. Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld für eine Woche Laufzeit leihen. Der Hauptrefinanzierungssatz beeinflusst damit etwa die Zinsen für Kredite, die die Banken an ihre Kunden vergeben. 

Der Einlagensatz – der Leitzins für die sogenannte „Einlagefazilität“ – ist derjenige Zinssatz, zu dem die Banken überschüssiges Geld über Nacht bei der Zentralbank anlegen können. Er ist damit eine Art Tagesgeldzins für die Geschäftsbanken. Damit entscheidet er über die Höhe der Tages- und Festgeldzinsen mit, die die Banken ihren Kundinnen und Kunden anbieten.

Der Spitzenrefinanzierungssatz ist der dritte Leitzins der EZB. Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld über Nacht leihen. Der Zins dient den Banken daher dazu, sich kurzfristig finanzielle Mittel zu beschaffen. Das soll helfen, mögliche Liquiditätsengpässe bei den Banken zu vermeiden. 

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Wie wird über den EZB-Leitzins entschieden?

Die Europäische Zentralbank ist unabhängig von politischen Entscheidungen und Gremien. Sie legt daher auch ihre Leitzinsen eigenständig und unabhängig fest. Wer genau bestimmt jedoch den Leitzins? Das macht der Rat der EZB: Er berät in seinen regelmäßigen Sitzungen über die Höhe der Leitzinsen. In der Regel trifft sich der Rat alle sechs Wochen. Die nächsten EZB-Leitzins-Termine sind der 6. Juni, der 12. September 2024. Insgesamt tagt die EZB im Jahr 2024 noch fünf Mal. Die Termine der EZB-Zinsentscheidungen veröffentlicht die Zentralbank auf ihrer Internetseite

 

Welchen Einfluss hat der EZB-Leitzins auf unsere privaten Finanzen?  

Mit ihren Leitzinsen bestimmt die EZB die Konditionen, zu denen sich die Banken bei der Notenbank Geld leihen oder anlegen können. Damit beeinflusst sie indirekt die Zinsen, die Banken ihren Kundinnen und Kunden bei der Kreditvergabe und bei der Geldanlage gewähren – zum Beispiel bei Tagesgeld und Festgeld.

Was bedeutet der EZB-Leitzins für Sparanlagen?

Der Einlagensatz der EZB ist die Richtschnur für die Zinsen bei den Sparanlagen. Er liegt derzeit bei 4,0 Prozent. Für diesen Zins parken Banken, wie bereits erwähnt, über Nacht Geld bei der Notenbank. Bekommen sie also von ihren Kunden Einlagen für Tagesgeld oder Festgeld, können sie das Geld zu diesem Satz kurzfristig bei der EZB anlegen. Sinkt der Einlagensatz, bekommen die Banken für die Beträge, die sie bei der EZB angelegt haben, weniger Geld. Daher gehen dann in der Regel auch die Zinsen zurück, die die Institute ihren Kunden für Tagesgeld und Festgeld bieten. Steigt der Einlagensatz, geht es auch bei den Sparzinsen hoch.

Was bedeutet die Leitzins-Entwicklung für Baufinanzierung und Kredite?

Die Zinspolitik der EZB wirkt aber auch auf die Kreditkonditionen. Insbesondere die Zinsen für Konsumentenkredite orientieren sich am eigentlichen EZB-Leitzins, dem Hauptrefinanzierungssatz. Zu diesem Zins leihen sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld. Ähnlich wie der Einlagensatz bei den Sparzinsen ist er damit eine Art Mindestzins für die kurzfristige Kreditvergabe der Banken. Steigt der Leitzins, werden Kredite teurer. Sinkt er, können sich Verbraucher günstiger Geld leihen.

Langfristige Kreditzinsen wie etwa die Bauzinsen orientieren sich dagegen weniger am Leitzins. Sie richten sich eher nach den Renditen am Anleihenmarkt – und dabei vor allem nach den Renditen langfristiger Bundesanleihen und den Pfandbriefrenditen. Mit Pfandbriefen leihen sich Banken Geld bei Anlegern, um es als Baukredite weiter zu verleihen. Die Bauzinsen setzen sich daher aus den Pfandbriefrenditen plus einem Aufschlag zusammen.  

Wie beeinflusst der Leitzins die Inflation?

Über die Änderung bei den Spar- und Kreditzinsen nimmt die EZB Einfluss auf die Wirtschaft – und damit auf die Inflation. Was passiert dabei, wenn der Leitzins steigt? Ein hoher Leitzins dämpft die Teuerung, weil die Menschen mehr sparen. Der Konsum geht zurück. Gleichzeitig werden Kredite für Investitionen der Unternehmen teurer. Die Wirtschaft kühlt ab, das drückt aufs Preisniveau. Und was passiert, wenn der Leitzins sinkt? Niedrige Zinsen sorgen umgekehrt für mehr Investitionen und mehr Konsum. Die Nachfrage nach Gütern steigt – und damit auch die Preise.  

Ist ein hoher Leitzins also gut oder schlecht für die Wirtschaft? Das lässt sich nicht pauschal sagen. Hohe Leitzinsen bremsen einerseits die Konjunktur. Andererseits dämpfen sie die Teuerung. Aufgabe der EZB ist es dabei, die Inflation in Schach zu halten, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

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Wie hat sich der EZB-Leitzins seit 2010 entwickelt?

Einen Leitzins von 4,50 Prozent gab es seit knapp 23 Jahren nicht mehr (siehe Grafik). Der Wert ist umso bemerkenswerter, als der Leitzins davor lange Zeit bei null lag.  

Entwicklung des EZB-Leitzinses

Entwicklung des EZB-Leitzinses seit 2010.

Wie kam es zu dieser Leitzins-Entwicklung? Nach der Euro-Schuldenkrise in den Jahren 2010 und 2011 hatte die Notenbank den Zins Schritt für Schritt gesenkt. Das billige Geld sollte der Wirtschaft durch die Krise helfen. Bis zum März 2016 fiel der Hauptrefinanzierungssatz auf null Prozent. Auf diesem Niveau blieb er mehr als sechs Jahre lang bis zum Juli 2022. Dann sorgten steigende Energiepreise für so hohe Inflationsraten, dass die EZB die Leitzinsen mehr als ein Jahr lang bei jeder ihrer Sitzungen anhob, insgesamt zehn Mal in Folge.

 

Wie hoch ist der Leitzins in den USA?

Eine ähnliche Entwicklung gab es auch beim Leitzins der Fed. Die Abkürzung steht für die US-Notenbank „Federal Reserve“. Er ist für Anleger neben dem EZB-Zins der wichtigste Gradmesser für die künftige Zinsentwicklung. Die Fed hatte 2022 mit ihren Zinssteigerungen noch vor der EZB-Zinserhöhung begonnen und den Leitzins in den USA noch stärker erhöht. Die sogenannte Federal Funds Rate liegt derzeit in einer Bandbreite von 5,25 bis 5,50 Prozent. Ähnlich wie bei der EZB erwarten Anleger, dass die US-Notenbank in diesem Jahr die Zinsen senken wird. Experten gehen von zwei bis drei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte aus. Da die Inflation in den USA jedoch hartnäckiger ist, als die Fachleute zunächst angenommen hatten, könnte die Zinswende in den USA erst später beginnen als in Europa.

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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