Auf einen Blick
  • Viele Deutsche fürchten sich vor der aktuell hohen Inflation, denn sie entwertet Geld und senkt die Kaufkraft. Das betrifft auch Sparerinnen und Sparer. Liegen die Sparzinsen nämlich unterhalb der Inflationsrate, steht steht ein Verlust zu Buche.

  • Extrem niedrige Inflationsraten, bis hin zu Null- und Minusinflation, bewirken bisweilen aber das Gegenteil: Statt Geldentwertung sorgen sie für steigende reale Zinsen.

  • Sparer sollten bei ihrer Anlageentscheidung also neben den nominalen Zinsen auch immer die reale Verzinsung ihrer Geldanlage im Blick haben.

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Sparerinnen und Sparer sind derzeit nicht zu beneiden: Die Zinsen sind trotz der jüngsten Erhöhungen vergleichsweise niedrig, die Börsen launisch. Wohin also mit dem Ersparten, damit es ohne Risiko zuverlässig wächst? Eine Möglichkeit sind verzinste Geldanlagen wie Festgeld oder Sparbriefe. Sie garantieren sichere, planbare Zinsen und keine Kosten. Außerdem bietet die europäische Einlagensicherung hohe Kapitalsicherheit. Doch lohnen sich fest verzinste Geldanlagen überhaupt noch angesichts der hohen Inflationsrate von zuletzt 7,6 Prozent?

 

Was ist Inflation?

Inflation ist ein Prozess anhaltender Geldentwertung, bei dem die Preise auf breiter Front steigen. Im Ergebnis kann man sich für eine Geldeinheit immer weniger kaufen, das heißt, die Kaufkraft des Geldes sinkt. Gleichzeitig führt Inflation auch zur Entwertung von Ersparnissen, denn der Vermögenswert des Geldes sinkt mit der Zeit.

Nicht als Inflation gelten dagegen einmalige oder kurz anhaltende Preisniveauerhöhungen, wie sie durch ungewöhnliche Ereignisse eintreten können, wie etwa Missernten durch Dürrekatastrophen. Auch Preissteigerungen für einzelne Güter, etwa eine Benzinpreiserhöhung wegen einer Ölkatastrophe, gelten nicht als Inflation.

Die Inflation wird gemessen am Anstieg eines allgemein anerkannten Preisindexes. In Deutschland ist dies zum Beispiel der Verbraucherpreisindex für Deutschland. Der prozentuale Anstieg dieses Indexes innerhalb eines bestimmten Zeitraums wird als Inflationsrate bezeichnet.

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Was verursacht Inflation?

Beim Entstehen von Inflation spielt hauptsächlich die Geldmenge eine zentrale Rolle. Steht der Gütermenge einer Volkswirtschaft eine zu große Geldmenge gegenüber, kann es zu einem Nachfrageüberhang kommen. Übersteigt die Güternachfrage das Güterangebot, und kann die Wirtschaft das Angebot nicht schnell genug erhöhen, steigen die Preise. Die Folge: Inflation setzt ein. Dies geschieht vor allem in Hochkonjunkturphasen.

Eine andere Ursache für Inflationen resultiert nicht aus höherer Nachfrage, sondern durch ein geringes Angebot. Die sogenannte Angebotsinflation zeichnet sich dadurch aus, dass Preise von Produktionsfaktoren wie etwa Rohstoffen steigen. Dies kann durch ein knapperes Angebot an Rohstoffen passieren, aber auch durch staatliche Regulation, wie im Falle steigender Lohnkosten. Steigende Preise verteuern den Herstellungsprozess und damit viele Güter. Die Unternehmen sehen sich gezwungen, die Preise für ihre Produkte zu erhöhen, was zu steigenden Mehrkosten für Verbraucher führt. Müssen Verbraucher mehr für Produkte zahlen, ohne dass ihr Lohn steigt, sinkt ihre Kaufkraft. Sie erhalten nun weniger Waren für ihr Geld als zuvor. Die Angebotsinflation kann auch von außen importiert sein, etwa durch Handelskriege oder politische Krisen.

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Inflation versus Deflation: Was ist schlimmer?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Die Deflation zeichnet sich durch einen anhaltenden Rückgang des Preisniveaus aus. Dies geschieht zum Beispiel, weil sich die im Umlauf befindliche Geldmenge verringert oder das gesamtwirtschaftliche Angebot die Nachfrage übersteigt. Kontinuierlich sinkende Preise können mittel- und langfristig dafür sorgen, dass die Löhne sinken und die Arbeitslosigkeit steigt. Auslöser für Deflation können steigende Leitzinsen oder sinkende Staatsausgaben sein.

 

EZB und Inflation: Wie beeinflusst die Politik die Inflation? 

Für die Bekämpfung von Inflation und den Erhalt der Preisstabilität in Europa zeichnet die Europäische Zentralbank (EZB) verantwortlich. Das Mandat der EZB ist in den Europäischen Verträgen festgeschrieben. Die EZB hält Preisstabilität für gegeben, wenn die jährliche Teuerungsrate knapp unter zwei Prozent liegt. Diese Inflationsrate gilt vielen Politikern und den meisten Notenbankern als wünschenswert, da sie für Wachstumsimpulse sorgt, ohne Ersparnisse zu schnell aufzuzehren.

Das Inflationsziel der EZB

Um das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen, senken die Notenbanker in Krisenzeiten die Zinsen, damit die Wirtschaftsaktivität angekurbelt wird. Niedrigere Zinsen verbilligen Kredite und es kann verstärkt investiert werden, so die Theorie. Erhöhte Investitionen sorgen dann für Wirtschaftswachstum, für neue Arbeitsplätze und steigende Löhne. Diese Spirale soll die Preise steigen lassen.

Mit niedrigen Zinsen, zum Teil sogar Negativzinsen, will die EZB die Inflation wieder nach oben drücken. Dieser Kurs ist aber nicht ungefährlich: Günstigere Kredite könnten zur Überschuldung von Haushalten und Unternehmen führen. Ohne Zinsen auf das Ersparte fällt auch die private Altersvorsorge schwer. Banken verdienen kaum noch Geld an ihrem traditionellen Kreditgeschäft und gehen deswegen größere Risiken ein. Die wirtschaftliche Situation der einzelnen Euroländer unterscheidet sich aber stark. Daher gehen auch die Präferenzen für eine angemessene Geldpolitik auseinander. Für die EZB entsteht daraus ein ernstes Problem, denn sie kann nur Politik für die Eurozone als Ganzes machen, also nicht auf Einzelwünsche ihrer Mitgliedsländer eingehen.

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Berechnung Inflationsrate

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland (VPI) erfasst die Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die deutsche Privathaushalte zu Konsumzwecken kaufen. Die Veränderungen des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat wird dann als Inflationsrate bezeichnet. 

"Beim Berechnen des Verbraucherpreisindex beziehungsweise der Inflationsrate verwenden wir einen Warenkorb, der 650 Güterarten umfasst und sämtliche von privaten Haushalten in Deutschland gekauften Waren und Dienstleistungen repräsentiert. Mit welchen Gewichten diese Güterarten in den Gesamtindex einfließen, ist im Wägungsschema festgehalten", erklärt das Statistische Bundesamt (Destatis), das die Inflationsrate monatlich ermittelt. 

 

Wie hoch ist die aktuelle Inflationsrate in Deutschland?

Laut Statistischem Bundesamt lag die Inflationsrate in Deutschland im Juni 2022 bei 7,6 Prozent. Damit liegt die Teuerungsrate immerhin drei Basispunkte niedriger als noch im Mai diesen Jahres – doch nach wie vor auf historisch hohem Niveau. 

"Hauptursachen für die hohe Inflation sind nach wie vor Preiserhöhungen bei den Energieprodukten. Leicht dämpfend wirkten sich im Juni 2022 das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt auf die Gesamtteuerung aus", sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

In einem weiteren Artikel auf biallo.de erfahren Sie, was eine Rezession genau ist und welche Aktien auch in Krisenzeiten standhalten können.

 

Was ist der Realzins?

Für Zinssparer ist die aktuelle Entwicklung mehr als ungünstig, denn steigende Inflationsraten verschlechtern ihre Renditeaussichten. Ursache hierfür sind die realen Zinsen. Als Realzins bezeichnet man einen Zinssatz, der im Unterschied zum Nominalzins auch die Veränderung der Kaufkraft, das heißt die Wirkung von Inflation oder Deflation, berücksichtigt. Im Gegensatz dazu zeigt der Nominalzins nur den ausgeschriebenen Zinssatz, den eine Bank für eine Geldanlage bezahlt. Einen Überblick über die aktuellen Festgeldzinsen ermöglicht der Festgeld-Vergleich von biallo.de.

Damit ein realer Vermögenszuwachs erzielt wird, muss also die Inflationsrate niedriger sein als die Nominalzinsen. Selbst bei einem Zinssatz von fünf Prozent, aber einer Inflationsrate von vier Prozent, entsteht unterm Strich letztlich nur ein realer Zinsgewinn von einem Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss: Selbst bei sehr niedrigem Zinsniveau sind Zinsgewinne möglich, vorausgesetzt die Inflationsrate ist noch niedriger.

Die Inflation im Blick halten

Um festzustellen, ob sich eine verzinste Geldanlage lohnt, sollte man also nicht nur den nominalen Zinssatz prüfen, sondern auch den Realzins. Ein Blick auf die Inflationsrate ist demnach unabdingbar. Außerdem ist die Entwicklung des Leitzinses der EZB wichtig. Daran lässt sich ablesen, wie sich das Zinsniveau entwickeln wird. Denn der Leitzins beeinflusst das Zinsniveau am Markt und damit die Nominalzinsen der Banken. Kündigen sich hier Veränderungen an, etwa dass die EZB wie zuletzt die Leitzinsen erhöht, ist mit steigenden Zinsen in der Zukunft zu rechnen. Dies ist vor allem für Sparer wichtig, die ihr Geld langfristig zu festen Zinsen anlegen wollen. Mehrjährige Festgelder könnten bei künftigen Zinsanstiegen Renditenachteile erleiden. Wie sich Inflation auf eine Geldanlage zu Null-Prozent-Zinsen auswirkt, sehen Sie in der Tabelle weiter unten.

  • Biallo-Lesetipp: Was genau die Rendite ist und wie man sie berechnet, erklären wir Ihnen in einem weiteren Artikel.

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Welche Folgen hat die Inflation für mein Geld?

Inflation bewirkt eine kontinuierliche Geldentwertung. Das merken Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur daran, dass sie sich immer weniger Ware für das gleiche Geld kaufen können, sondern auch, wenn sie ihr Geld zur Bank bringen und verzinst anlegen. Vor allem bei längerem Anlagehorizont sind die Auswirkungen von Inflation unübersehbar. Zwei Prozent weniger Kaufkraft nach einem Jahr macht vielleicht noch nicht viel aus. Über zehn Jahre oder mehr gerechnet, bedeutet diese aber sehr wohl eine deutliche Minderung des Vermögenswertes.

Die folgende Modellrechnung zeigt, was mit 10.000 Euro Anlagekapital über 20 Jahre passiert, wenn keine Zinsen gezahlt werden und die Inflationsrate zwei Prozent beträgt. Ohne Zinserträge würde der Vermögenswert um rund ein Drittel sinken.

Grafik: So wirkt sich eine Inflationsrate von zwei Prozent auf eine Geldanlage von 10.000 Euro über 20 Jahre aus, wenn keine Zinsen gezahlt werden.

Auf der anderen Seite profitieren Kreditnehmer von anhaltender Inflation. Denn mit der Geldentwertung schrumpft auch der reale Wert von Schulden. Ist die Inflationsrate höher als der Kreditzins, zu dem sich ein Darlehensnehmer Geld geliehen hat, schmelzen seine Schulden auf wunderbare Weise dahin. Obige Tabelle gilt also im Umkehrschluss genauso für den Wert von Kreditschulden.

 

Mit welchen Geldanlagen lässt sich Inflation umgehen?

Damit die Inflation Ihr Geld nicht vernichtet, ist es wichtig, es nicht unverzinst liegenzulassen. Je nachdem, welcher Anlagetyp Sie sind und wofür das Geld gedacht ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Folgende Tabelle gibt einen groben Überblick:
 

Wofür geeignet? Vorteile Nachteile
Tagesgeld Geld, auf das man kurzfristig zugreifen kann,
zum Beispiel der Notgroschen für Reparaturen an Haus und Auto
  • Flexibilität,  Zinsatz kann mit dem Marktzins steigen
  • Sparer können rasch auf Zinsänderungen reagieren
  • je nach Einlagensicherung hohe Sicherheit
  • keine Kosten
  • aktuell vergleichsweise niedrige Zinserträge
Festgeld Geld, das für eine bestimmte Zeit nicht gebraucht wird, zum Beispiel für ein oder zwei Jahre
  • höhere Zinsen als beim Tagesgeld
  • Zinsen können nicht sinken. 
  • je nach Einlagensicherung hohe Sicherheit
  • keine Kosten
  • Anleger können nicht vorzeitig auf ihr Geld zugreifen
  • Minderrendite, wenn Geld lange festliegt und der Zinssatz während der Laufzeit steigt
Fonds und ETFs Geld, das über einen längeren Zeitraum angelegt werden sollte.
  • höhere Renditechancen als bei Tages- und Festgeld
  • bei breiter Streuung überschaubares Risiko
  • ETFs: niedrige Kosten
  • Anleger müssen schlechte Börsenzeiten aussitzen können, ansonsten kann es zu Verlusten kommen.
  • Kosten
Einzelaktien Geld, das nicht dringend benötigt wird und über einen längeren Zeitraum angelegt werden kann.
  • hohe Renditechancen
  • nur für erfahrene Anleger geeignet
  • hohe Verluste möglich
  • Kosten
Robo-Advisor Geld, das über einen längeren Zeitraum angelegt werden sollte.
  • zum eigenen Sparziel passende Anlagestrategie auswählbar
  • Sparer müssen sich kaum um ihre Anlage kümmern.
  • breite Diversifikation in Fonds und Anleihen möglich
  • niedrigere Kosten als für eine aktive Vermögensverwaltung 
  • zusätzliche Kosten im Vergleich zur Anlage durch den Anleger selbst
  • Kursschwankungsrisiko
  • Bei vorzeitigem Ausstieg besteht Verlustrisiko
 

Ausblick: So entwickelt sich die Inflation im laufenden Jahr

Die Mehrheit der Ökonomen rechnet mit einer weiter steigenden Inflationsrate – das ergab eine Umfrage unter Experten der EZB-Geldpolitik. Quartalsweise befragen die Währungshüter in ihrer "Survey of Professional Forecasters (SPF)" Ökonomen zu deren Wachstums- und Inflationsprognose. Für 2022 erwarten die Experten eine Teuerungsrate in der Eurzozone von 7,3 Prozent. 

Artikel Quellen

Die im Artikel verwendeten Quellen stammen in erster Linie aus Primärquellen wie zum Beispiel Studien, Analysen, Bundesstatistiken, Geschäftsberichte oder Interviews mit Branchenexperten. Gegebenenfalls verweisen wir auch auf Originalrecherchen anderer seriöser Verlage. In unseren  Redaktionellen Richtlinien erfahren Sie mehr über die Kriterien, die wir bei der Erstellung, genauer und unvoreingenommener Inhalte einhalten.
Die im Artikel ausgewiesenen Konditionen stammen vom jeweiligen Anbieter.
  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • Institut der Deutschen Wirtschaft
  • Statistisches Bundesamt
  • Eurostat
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Über den Autor Max Geißler
nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de. Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien). Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.
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