Was ist ein Robo Advisor?

Der Begriff Robo-Advisor leitet sich aus den englischen Wörtern „Robot“ (Roboter) und „Advisor“ (Berater) her. Ein Robo-Advisor ist nichts anderes als eine digitale Anlagelösung, die eine automatisierte Anlageberatung mit professionellem Portfoliomanagement verbindet. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei einem Robo-Advisor um ein Computerprogramm, das Ihnen per Algorithmus ein Wertpapierportfolio vorschlägt, welches für Sie fortlaufend überwacht und bei Bedarf angepasst wird. Daher werden die Robo-Advisors alternativ auch als digitale Vermögensverwalter bezeichnet.

 

Wie funktionieren Robo Advisor?

Bevor der Robo-Advisor einen passenden Anlagevorschlag für Sie erstellen kann, braucht er zunächst ein paar Informationen, um Ihr persönliches Anlage- beziehungsweise Risikoprofil zu ermitteln. Dazu müssen Sie einen Online-Fragebogen auf der Webseite ausfüllen, mit dem der Roboter verschiedene Parameter abklopft – unter anderem Ihr Anlageziel, Ihre finanziellen Verhältnisse, Ihre Verlusttoleranz beziehungsweise Risikobereitschaft sowie Ihre möglichen Wertpapierkenntnisse und Erfahrungen. Sind Letztere nicht vorhanden, stellt Ihnen der Robo-Advisor entsprechendes Infomaterial zur Verfügung, das Sie herunterladen müssen und auch durchlesen sollten. Anschließend bestätigen Sie per Klick, dass Sie die Risikohinweise verstanden haben und akzeptieren diese.

Aus den abgefragten Daten ermittelt der Algorithmus dann Ihr persönliches Anlageprofil und schlägt ein Wertpapierportfolio vor, das zu Ihrer Risikoneigung passt. Neben ETFs können je nach Anbieter auch aktive Fonds und Einzeltitel zum Einsatz kommen. Investiert wird überwiegend in die Anlageklassen Aktien und Anleihen, es können aber auch weitere Assetklassen wie Immobilien, Rohstoffe oder etwa Geldmarktpapiere beigemischt werden.

Die Robo-Advisor haben stets mehrere Anlagestrategien beziehungsweise Risikoklassen im Programm – von sicherheitsorientiert über ausgewogen bis hin zu offensiver Ausrichtung, sodass für jeden Anleger etwas dabei ist. Grundsätzlich gilt: Je höher die Risikoklasse, desto höher fällt die Aktienquote aus. Das Portfolio mit der offensivsten Ausrichtung kann bis zu 100 Prozent aus Aktien bestehen, während das Portfolio mit der niedrigsten Risikoklasse meist nur auf einen geringen Aktienanteil von zum Beispiel zehn Prozent kommt und sich überwiegend aus defensiveren Anlageklassen wie Anleihen und/oder Geldmarkt zusammensetzt.

Die jeweiligen Musterportfolios sind meist noch mit entsprechenden Charts und Diagrammen optisch aufbereitet, sodass Sie sich noch mal in aller Ruhe einen Überblick über die Zusammensetzung der Anlageklassen sowie über die mögliche Rendite und Schwankungsbreite (Volatilität) Ihres Portfolios verschaffen können. Wenn Sie den Anlagevorschlag bestätigen, eröffnet der Robo-Advisor für Sie das Depot und ein Verrechnungskonto bei der angeschlossenen Partnerbank. Die Legitimierung erfolgt in der Regel per Post- oder Videoident. Sobald Sie Ihren Anlagebetrag eingezahlt haben, legt der Robo das Geld gemäß Ihrer gewählten Anlagestrategie an.
 

Zahlen und Fakten zum Robo Advisor Markt

Der Trend „Robo Advice“ kommt ursprünglich aus den USA. Dort gingen die ersten Anbieter im Jahr 2010 an den Start. 2014 folgten die ersten Robos in Deutschland. Mittlerweile ist das Feld hierzulande auf rund 40 Anbieter gewachsen.

Unsere aktuelle Robo-Advisor Studie zeigt: Das verwaltete Kundenvermögen – die sogenannten Assets under Management (AuM) – hat sich 2021 in Deutschland auf rund 14 Milliarden Euro verdoppelt. Bis Ende 2023 halten wir einen weiteren Anstieg auf 28 bis 30 Milliarden Euro für möglich, was einer erneuten Verdopplung auf Zweijahressicht gleichkommt.
Die Grafik zeigt, wie viel Kundenvermögen die Robo Advisor in Deutschland verwalten, wie sich das AuM in den letzten Jahren entwickelt hat und eine Prognose bis 2023.

Für unsere Studie haben wir 24 Robo-Advisor in Deutschland befragt, die rund 80 Prozent des Gesamtmarkts in Deutschland abbilden. Bemerkenswert: 70 Prozent der Befragten geben an, dass sich die Coronakrise positiv auf ihr Kundenwachstum ausgewirkt hat. Negative Auswirkungen registrierte kein Anbieter. 

Biallo-Tipp

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Weitere interessante Erkenntnisse aus unserer Robo-Advisor-Studie:

  • Das Durchschnittsalter der Robo-Kunden beträgt 47 Jahre.
  • 70 Prozent der Kunden sind männlich, 30 Prozent weiblich.
  • 58 Prozent der Kundinnen und Kunden sparen monatlich.
  • Die durchschnittliche Sparrate liegt bei 300 Euro.
  • Das durchschnittliche Anlagevolumen pro Kunde beträgt 31.000 Euro.
Die Grafik zeigt, wie viele Robo Advisor Kunden einen Sparplan nutzen, wie hoch die monatliche Sparrate und das Anlagevolumen im Durchschnitt ist.

  • 54 Prozent der Anbieter sind reine ETF Robo-Advisor.
  • 33 Prozent mischen neben ETFs auch aktive Fonds oder Einzeltitel bei.
  • 13 Prozent investieren ausschließlich in aktive Fonds oder sind Aktien-Robo-Advisor.
  • Gut 60 Prozent steuern die Portfolios aktiv, knapp 40 Prozent passiv.
  • 70 Prozent der Befragten sind nachhaltige Robo Advisor oder solche, die zum Teil nachhaltig investieren.
  • Rund 48 Prozent der Kunden wählen eine ausgewogene Strategie
  • Je risikoreicher die Strategie, desto jünger sind die Anleger.
Die Grafik zeigt, wie die Robo Advisor Kunden ihr Geld anlegen.
  • Bei zwei Dritteln der Robo-Advisor beträgt die Mindestanlage 1.000 Euro oder weniger.
  • Mehr als die Hälfte verzichtet auf die Mindestanlage, wenn Kunden monatlich sparen.
  • Die Servicegebühr der Robo-Advisor liegt im Schnitt bei 0,82 Prozent pro Jahr.
  • Aktive Robo-Advisor sind etwas teurer als rein passive Robo-Advisor.
  • Im Performance-Vergleich liegen die aktiven Robo-Advisor im Moment vorn.

Robo Advisor Studie 

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Für wen eignen sich Robo Advisor und für wen nicht?

Ziel der digitalen Geldanlage ist es, mehr Menschen Zugang zur professionellen Vermögensverwaltung zu geben, da die Mindestanlagebeträge deutlich niedriger liegen als bei Banken und klassischen Vermögensverwaltern. Außerdem soll die Computersteuerung verhindern, dass Anleger emotional getrieben handeln und dadurch suboptimale Anlageentscheidungen treffen.

Robo-Advisor eignen sich für sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene, die ihre Geldanlage nicht selbst in die Hand nehmen wollen oder können und stattdessen ein All-in-Paket favorisieren, bei dem sie sich um nichts mehr kümmern müssen – von der Anlageentscheidung über das Rebalancing bis hin zur Optimierung der Einkommensteuer.

Selbstentscheider sparen sich die Kosten für die Vermögensverwaltung, wenn sie sich selbst ein Portfolio aus ETFs und Aktien zusammenstellen. Allerdings ist gerade bei defensiven und ausgewogenen Strategien der Vorteil der Robos nicht von der Hand zu weisen, da sie das Portfolio im Hinblick fortlaufend überwachen und bei Bedarf eigenständig umschichten. Viele Robo-Advisor bieten auch  Depots für Firmenkunden oder  Kinderdepots.

Anlegerinnen und Anleger sollten bei einem Robo-Advisor auf jeden Fall einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont mitbringen. Für die kurzfristige Geldanlage sind die digitalen Vermögensverwalter nicht geeignet, da die Kapitalmärkte kurzfristig immer auch stark schwanken können.

Biallo-Tipp

Lesen Sie in unseren weiteren Ratgebern, welche  Robo-Advisor im Test am besten abgeschnitten haben und welche  Robo-Advisor mit Prämien im Moment auf Kundenfang gehen!
 

Wie sicher sind Robo Advisor?

Die Robo-Advisor agieren in der überwiegenden Mehrheit als Finanzportfolioverwalter und haben eine entsprechende Bafin-Lizenz nach Paragraf 32 Kreditwesengesetz (KWG). Sie werden daher durch die Finanzaufsicht kontrolliert.

Eine Handvoll Anbieter tritt als Finanzanlagenvermittler auf, die eine gewerberechtliche Erlaubnis für die Beratung und Vermittlung von Finanzanlagen nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung (GewO) besitzen. Sie werden bislang von den Gewerbebehörden beziehungsweise Industrie- und Handelskammern kontrolliert, sollen aber künftig ebenfalls durch die Bafin überwacht werden.

Die Kundendepots der Robo-Advisor werden getrennt bei der jeweiligen Partnerbank als Sondervermögen verwahrt. Im Fall einer Pleite des Robo-Advisors oder Depotbank genießen die Depots besonderen Schutz und fließen nicht in die Insolvenzmasse. Als Anleger haben Sie einen Herausgabeanspruch für die hinterlegten Wertpapiere.

Einlagen auf dem Verrechnungskonto sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100.000 Euro geschützt. Darüber hinaus sind einige Depotbanken noch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angeschlossen, womit die Sicherungsgrenze pro Kunde deutlich höher liegt.

Die persönlichen Kunden- und Kontodaten werden mit moderner Technologie verschlüsselt, sodass Unberechtigte keinen Zugriff auf Ihre Daten erhalten sollen. Viele Anbieter speichern die Daten auf heimischen Servern in Deutschland. 
 

Fragen und Antworten zu Robo Advisor

Können auch ausländische Robo-Advisor genutzt werden?

Wer Empfehlungen eines Robo-Advisors für Geldanlagen im Ausland nutzen möchte, kann das jederzeit und weltweit tun. Der Wohnsitz ist in der Regel nicht ausschlaggebend.

Was ist bei ausländischen Robo-Advisorn zu beachten?

Wichtig ist, dass der Anleger seine Auslandsdepots vor dem Fiskus nicht versteckt. Die daraus erzielten Kapitalerträge müssen in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Nach den Offenlegungen von Paradise Papers & Co. prüfen und hinterfragen hier die Finanzämter sehr genau. Wer seinem Robo-Advisor folgt und zum Beispiel Geld in den USA oder der Schweiz anlegt, muss mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand und obendrein mit weiteren Steuerabgaben rechnen. Bis zu 35 Prozent Quellensteuer können in diesen beiden Ländern für den deutschen Anleger fällig werden, wobei ein Teil davon rückerstattungsfähig ist.

Biallo-Tipp: Nehmen Sie Empfehlungen für Geldanlagen im Ausland immer näher unter die Lupe. Unterschiedlichste Anlagemöglichkeiten, ob in ETFs oder Aktien, sind in Deutschland verfügbar und mit der gesetzlichen Einlagensicherung zudem sehr sicher. Warum also in die Ferne schweifen?

Wer haftet bei Robo-Advisorn bei einer "falschen" Beratung?

Brisant wird es, wenn Robo-Advisor dem Anleger "fehlerhafte" Empfehlungen ausgeben. Grundsätzlich trennt die Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) Robo-Advisor in automatisierte Finanzportfolioverwalter nach Paragraf 32 Absatz 1 KWG (Kreditwesengesetz) und in Finanzanlagevermittler, die nach Paragraf 34f GewO Vermögensanlagen über eine Internet-Dienstleistungsplattform vertreiben. Ergeben sich demnach für den Anleger Unterschiede bei zum Beispiel rechtlichen Haftungsvorschriften? "Zivilrechtlich gesehen gibt es aus Sicht des Anlegerschutzes und somit des möglichen Schadensersatzes bei Pflichtverletzungen keine Abweichungen des Schutzniveaus. Im Kern und gemäß den entsprechenden Pflichten bei der Verwaltung, Vermittlung, Beratung oder Aufklärung von Finanzprodukten gibt es weder für den Finanzportfolioverwalter noch für den Finanzanlagenvermittler irgendwelche Unterschiede", so Bernd Jochem, renommierter Spezialist für komplexe Fälle des Bank- und Kapitalanlagerechts der Kanzlei Rotter in München.

Allerdings bewegen sich beide Formen der Anbieter auf gefährlichem Eis, wenn eine Geeignetheitserklärung an den Kunden nicht ausgehändigt wird. "Man muss ja beachten, dass man sich hier in einem aufsichtsrechtlichen Bereich befindet. Jedoch ist es kein Automatismus, wenn ich aufsichtsrechtlich gegen etwas verstoße, dass man dann als Anleger zivilrechtlich gesehen Chancen auf Schadensersatz hat", gibt Jochem zu bedenken. Aber natürlich steht immer der Anleger und Schutz seiner Kapitalanlage im Fokus. "Wir sprechen hier von der ´anlegergerechten Beratung´. Das heißt, dass die Empfehlung, die ich als Anlageberater ausspreche, auf den Kunden zugeschnitten und geeignet sein muss – im Hinblick auf seine Anlageziele, sein Wissen, und seine Erfahrung. Das hat schon lange Bestand, genau genommen seit dem BGH-Urteil 1993 zur anlegergerechten Beratungspflicht von Banken", relativiert Bernd Jochem.
Deshalb rät die Kanzlei Fieldfisher Unternehmen im digitalen Finanzbereich generell davon ab, die "Flucht ins beratungsfreie Geschäft" anzutreten, sondern die aufsichtsrechtlichen Hürden zu nehmen, um den Kunden qualifizierte Finanzdienstleistungen ohne gesteigertes Haftungsrisiko anbieten zu können.
Dennoch halten sich Robo-Advisor eher bedeckt. Zumal ja eine Haftung entfällt, da die Anlageberatung bei vielen Portalen in den AGB ausgeschlossen ist. Jedoch verneint dieser Hinweis auf der Website eine Anlageberatung nicht. "Schließlich muss der Interessent über die Eingabemaske des Robos individuelle Angaben zu seinem Profil und Anlageverhalten preisgeben", gibt Thilo Danz von Fieldfisher zu bedenken. Auch die Bafin sieht hierin klar eine Anlageberatung und daher ist unser Fazit: Das letzte Wort hat im Einzelfall, ob es sich um eine Anlageberatung handelt oder nicht, immer der Bundesgerichtshof.

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