Robo-Advisor: Alle wichtigen Informationen, Daten & Fakten (11/2020) - Biallo.de
 

Robo-Advisor

  • Gebühren- und Performance-Vergleich
  • Produktdetails zu den einzelnen Anbietern
  • Bis zu 100 Risikoklassen und Anlagestrategien
Sebastian Schick
Sebastian Schick
Die meisten Robo-Advisor bieten auch Sparpläne. Somit können Anleger bereits mit geringen monatlichen Beträgen langfristig Vermögen aufbauen.

Anhaltende Niedrigzinsen machen das Investieren an der Börse zu einer verlockenden Alternative, um Vermögen langfristig aufzuwerten. Doch nicht jeder traut sich das zu und befürchtet gar unkontrollierbare Risiken. Sogenannte Robo-Advisor nehmen Sparern praktisch computergesteuert die Geldanlage weitestgehend ab.

Während der gesamten Depotsteuerung unterstützen Robo-Advisor bei der Auswahl der Anlageklassen und Fonds bis hin zum Kauf. Dabei legen sie überwiegend in Exchange-Traded-Funds (ETFs) an, sind wie auch ihre menschlichen Kollegen nicht kostenlos, aber dadurch kostengünstiger. Trotz aller Digitalisierung und Automatisierung steht aber immer der Mensch hinter den Anlageprogrammen, da gerade und nicht nur in Krisenzeiten das persönliche Gespräch kaum zu ersetzen ist.

Der erste Robo-Advisor in Deutschland ging im Jahr 2013 mit dem Anlageassistenten der Sutor Bank an den Start. Laut einer Studie von Deutsche Bank Research folgten in den vergangenen Jahren bis zu 40 weitere Anbieter. Demnach verwalteten rund 25 der deutschen Robo-Advisor bis Ende 2019 ein Kundenvermögen von vier Milliarden Euro. Im Jahr 2016 waren es gerade einmal 300 Millionen Euro. Laut Schätzungen der Unternehmensberatung Oliver Wyman soll der Markt bis 2021 auf bis zu 20 Milliarden Euro wachsen.

Mit unserem Youtube-Video erklären wir Ihnen, wie die digitalen Helfer genau funktionieren.

Was ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor (dt.: Roboter-Berater) ist – vereinfacht gesagt – ein Computerprogramm, das nach einem bestimmten Algorithmus Anlageentscheidungen trifft beziehungsweise vorschlägt.

Das Prozedere folgt einem einfachen und standardisiertem Muster: Der Kunde legt zunächst einen Anlagebetrag fest. Dann füllt er auf der Online-Plattform einen Fragebogen aus. Dabei wird der Anleger unter anderem nach seiner Risikoneigung, seinem Alter, seinen Zielrenditen und finanziellen Verhältnissen gefragt. Aus den Daten ermittelt der Computer dann nach einem bestimmten Algorithmus das Anlageprofil und schlägt die Investmentprodukte vor. Nach kostenloser Depoteröffnung bei der angeschlossenen Partnerbank kann der Anleger das vorgeschlagene Portfolio dann kaufen.

Die Mehrheit der Robo-Advisor investiert in passive Produkte, also in ETFs oder Indexfonds, die einen bestimmten Index nahezu eins zu eins abbilden. Manche Anbieter verwenden auch aktive Fonds, wo der jeweilige Fondsmanager die Titel im Portfolio auswählt.

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Grundsätzlich sind sich Experten uneinig darüber, welche Methode erfolgreicher ist. Fakt ist: Mit Indexfonds lässt sich keine Outperformance erzielen. Auf der anderen Seite schaffen es nur wenige aktive Fonds, den Gesamtmarkt zu schlagen. Der Erfolg von Letzteren hängt schließlich immer auch von der Qualität des jeweiligen Fondsmanagers ab.

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Biallo-Tipp

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Generell lassen sich die Robo-Advisor in folgende Typklassen aufteilen:

1. Finanzportfolio-Verwalter

Zu den Finanzportfolio-Verwaltern zählen alle Robos, die dem Kunden eine Komplettlösung für die Geldanlage liefern. Der Kunde muss sich nach der Ermittlung des Anlageprofils und der Anlagestrategie um nichts mehr kümmern. Der Robo-Advisor überwacht das Portfolio fortlaufend und darf eigenständig Änderungen und Umschichtungen vornehmen – gemäß den Parametern, die Kunde und Verwalter vorher vereinbart haben. Dafür brauchen die Anbieter allerdings eine Bafin-Lizenz als Finanzportfolio-Verwalter nach Paragraf 32 des Kreditwesengesetzes (KWG). Diese Erlaubnis haben die meisten Robos hierzulande. Investify hat als Äquivalent eine Lizenz der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF.

2. Finanzanlagenvermittler

Im Gegensatz zu Finanzportfolio-Verwaltern müssen Finanzanlagenvermittler grundsätzlich vor jeder Änderung oder Umschichtung des Anlageportfolios die Zustimmung des Kunden einholen. Der Vermittler darf das Depot nicht eigenständig verwalten. Seit 1. Januar 2013 benötigen Finanzanlagenvermittler eine gewerberechtliche Erlaubnis für die Beratung beziehungsweise die Vermittlung von Finanzanlagen nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung (GewO).

Robo-Advisor, die als Finanzanlagenvermittler tätig sind, vermitteln allerdings meist Dachfonds, die sich aus mehreren Einzelfonds zusammensetzen. Der Dachfonds-Manager wiederum hat – gemäß der Richtlinien im Wertpapierverkaufsprospekt – freie Hand bei der Titelauswahl. Er muss also nicht jedes Mal – wie oft in diversen Medien postuliert – bei Änderung der Portfoliozusammensetzung die Zustimmung des Robo-Advisor-Kunden einholen, sondern sich lediglich an die im Verkaufsprospekt festgeschriebenen Gewichtungen und Anlageklassen halten.

Wie bei den Finanzportfolio-Verwaltern durchläuft der Anleger bei den Finanzanlagenvermittlern ebenfalls einen webbasierten Fragenkatalog und erhält einen Anlagevorschlag gemäß seines ermittelten Risikoprofils. Die Vermögensverwaltung im rechtlichen Sinne ist allerdings bei einer kooperierenden Kapitalanlagegesellschaft ausgegliedert.

Zu den Finanzanlagenvermittlern zählen beispielsweise die Robo-Advisor TruevestEasyfolio und Growney. Daneben gibt es noch etliche kostenlose Self-Service-Anbieter wie etwa JustETF, Moneyfilter oder Diversifikator, auf die hier nicht näher eingegangen wird.

In der Umsetzung stehen Anlegern unterschiedliche Robo-Advisor-Modelle zur Auswahl:

Classic

Der klassische Robo-Advisor verfügt meist über eine Art Rundum-sorglos-Paket. Er schlägt auf Basis seiner persönlichen Präferenzen eine Anlagestrategie vor, legt das Geld eigenständig an und verwaltet das Portfolio (als Finanzportfolio-Verwalter) oder vermittelt dem Anleger eine Kapitalanlagegesellschaft (als Finanzanlagenvermittler). Mit diesem Modell kann das Investment voll und ganz in die Hände des Robo-Advisors gelegt werden, ohne dabei selbst aktiv werden zu müssen.

Hybrid

Manche Anleger wollen auf die "persönliche" Komponente nicht gänzlich verzichten. Hybrid-Advice verknüpft die Vorteile der emotionslosen Maschine mit der menschlichen Interaktion und Beratung – gegebenenfalls mit Unterstützung einer Partnerbank.

Do-it-yourself

Die Self-Service-Anbieter sind letztlich Tippgeber und der Anleger muss die Strategie selbstständig umsetzen. Üblicherweise fallen für diese Art von Robo-Advisor keine Gebühren an, die Vermögensverwaltung liegt allein in der Verantwortung des Anlegers.

Für wen eignen sich Robo-Advisor?

Liqid, den Luxus-Robo der Familie Harald Quandt, können Anleger erst ab einer Mindestanlage von 100.000 Euro nutzen, einen Sparplan gibt es nicht. Damit bilden die Berliner aber die Ausnahme. Denn, was ganz klar für die Robo-Advisor spricht: Dass Privatanleger bereits mit geringen Anlagevolumina einsteigen können. Während klassische Vermögensverwalter und Honorarberater einem oft erst ab hohen sechsstelligen Beträgen die Türe öffnen, bieten viele digitale Vermögensverwalter ihre Dienste schon für 10.000 Euro und weniger an.

Easyfolio und Growney setzen kein Mindestanlagevolumen voraus. ScalableCapital und Truevest fordern jeweils 10.000 Euro, Solidvest 25.000 Euro und Fundamental Capital 50.000 Euro. Bei den restlichen Anbietern reicht die Spanne von 500 bis 5.000 Euro. Auch in Sachen Sparplan können die Robos glänzen. VTB Invest der VTB Direkt bietet Sparpläne ab 50 Euro und Einmalanlagen ab 500 Euro. Einzelne Anbieter setzen auch hier keine Mindesthöhe voraus. Die jeweiligen Sparplan-Optionen finden Sie in der Tabelle weiter unten.

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Anlagestrategien, Risiko- und Anlageklassen

Als Anlageklassen – auch Assetklassen genannt – kommen bei den digitalen Vermögensverwaltern hauptsächlich Aktien und Anleihen zum Einsatz. Manche Anbieter investieren zusätzlich in Immobilien, Rohstoffe, Gold und den Geldmarkt. Anbieter Liqid bietet auch die alternative Anlageklasse Private Equity (dt.: außerbörsliches Eigenkapital) an.

Je nach Risikoprofil des Anlegers werden die Assetklassen unterschiedlich gewichtet. Bei einer defensiven Strategie kommen hauptsächlich schwankungsärmere Anlagen, insbesondere Anleihen zum Einsatz. Bei einer offensiven Ausrichtung kann das Portfolio zu 100 Prozent aus Aktien bestehen.

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Auch die Anzahl der Risikoklassen und Anlagestrategien variiert je nach Anbieter. Die Risikoklasse spiegelt die Risikoneigung des Anlegers wider und wird – wie bereits erwähnt – durch den Robo-Advisor anhand des Online-Fragebogens ermittelt. Jeder Klasse wird mindestens eine Anlagestrategie zugeordnet.

Während Anbieter Truevest etwa mit drei Risikoklassen und vier Anlagestrategien auskommt, hat Scalable Capital insgesamt je 23 Risikostufen und Strategien im Angebot. Bei Liqid stehen zehn Risikoklassen 30 Anlagestrategien gegenüber. Die Anzahl der Risikostufen und Portfolios sagt jedoch noch nichts über die Performancequalität des Robo-Advisors aus.

Bei der Risikosteuerung gibt es ebenfalls unterschiedliche Ansätze: Die einen steuern das Risiko passiv, die anderen aktiv beziehungsweise dynamisch. Doch wie genau unterscheiden sich diese zwei Arten des Risikomanagements und welche Vor- und Nachteile weisen sie auf?

Im Vergleich: Welcher Robo-Advisor ist aktuell der beste?

Seit Juli 2018 nehmen wir die Leistungen, Gebühren und Wertentwicklung von ausgewählten Robo-Advisorn am deutschen Markt genau unter die Lupe. Dabei bewerten wir die Anbieter anhand von drei Portfolioausrichtungen:

  • Defensiv: Das Portfolio besteht überwiegend aus schwankungsarmen Anlageklassen – wie Anleihen, Immobilien oder Geldmarkt. Der Aktienanteil beträgt maximal rund 30 Prozent.

  • Ausgewogen: Das Portfolio besteht zu etwa gleichen Teilen aus schwankungsarmen und volatileren Anlageklassen – wie Aktien oder Rohstoffe. Ziel ist dabei, eine ausgewogene Mischung zwischen geringem und hohem Risiko zu halten.

  • Offensiv: Das Portfolio besteht überwiegend aus volatileren Anlageklassen, welche auch höhere Gewinnchancen bieten. Der Aktienanteil kann bis zu 100 Prozent betragen.

Unser Vergleich stellt aktuell 19 Anbieter gegenüber. Dieses Wissen und wertvolle Tipps stellen wir Ihnen auch über unseren Chatbot zur Verfügung.

Chatten Sie mit biallo.de und finden Sie heraus, welcher Robo-Advisor Ihren Ansprüchen gerecht werden kann. Dafür müssen Sie wenige Fragen zum finanziellen Hintergrund und zur Risikofreude beantworten. Unser digitaler Assistent schlägt Ihnen dann einen zu Ihren Bedürfnissen passenden Robo-Advisor vor.

Biallo-Tipp: Wenn Sie ein Depot mit einem digitalen Vermögensverwalter eröffnen wollen oder wechselwillig sind, sollten Sie die Angebote genau vergleichen. Denn immer öfter gibt es bei Robo-Advisorn Neukundenaktionen. Unser Performance-Vergleich hält Sie hierüber genauestens auf dem Laufenden.

Aktives (auch dynamisches) Risikomanagement

Bei dieser Strategie handelt der Robo-Advisor flexibel und führt je nach Marktlage eine Umschichtung der Assetklassen durch, indem er das jeweilige Marktrisiko in die Investmententscheidung einfließen lässt. Ein gängiges Maß für die Risikodefinierung ist der sogenannte Value at Risk (VaR), den etwa die Robo-Advisor Scalable Capital, Whitebox und Robin verwenden.

Der mathematische Wert beziffert das Verlustrisiko des Portfolios. Ein VaR von 25 Prozent bedeutet beispielsweise, dass das Portfolio in einem Zeitraum von einem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent (also in 19 von 20 Jahren) nicht mehr als 25 Prozent an Wert verliert. Einfacher ausgedrückt: Der Anleger ist bereit, einmal in 20 Jahren einen Wertrückgang von mehr als 25 Prozent zu akzeptieren.

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Robo-Advisor Whitebox legt zusätzlich den sogenannten Conditional Value at Risk (CVaR) zugrunde, eine Weiterentwicklung des VaR. Der CVaR gibt neben der Verlustwahrscheinlichkeit auch die erwartete Verlusthöhe an, wenn das Portfolio den VaR-Wert überschreiten sollte.

Kritiker monieren den sehr theoretischen Ansatz der VaR-Strategie. Hauptkritikpunkt: Das Verlustrisiko lasse sich nicht durch eine Kennzahl definieren. Scalable-Gründer und Geschäftsführer Erik Podzuweit kann die Kritik zum Teil nachvollziehen: "Am Finanzmarkt weiß man nie etwas mit Bestimmtheit. Wer Ihnen hier verspricht, ich habe einen Algorithmus, der die perfekte Glaskugel ist, dann nehmen Sie am besten die Beine in die Hand und laufen!"

Dennoch könne man die Lage an den Finanzmärkten laut Podzuweit mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einschätzen: "Und genau darum geht es. Das bedeutet nicht, dass man an jedem Tag, in jeder Woche oder in jedem Jahr richtig liegt, aber à la longue lässt sich durch so ein Verfahren über mehrere Jahre ein Vorteil herausarbeiten."

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Mit Hilfe von finanztechnischen Berechnungen verändert ein auf einem Algorithmus basierendes Programm die Portfoliozusammensetzung, um die Ziele der Anlagestrategie des Kunden zu garantieren und Risiken zu minimieren. Der Algorithmus unterbreitet Vorschläge für eine mögliche Umschichtung. Je nach Anbieter werden Finanzexperten dazwischen geschaltet, die die Umschichtungsvorschläge der Software prüfen, eventuell korrigieren und anschließend freigeben.

Bei einigen Robo-Advisorn erfolgt die Umschichtung des Portfolios automatisiert, bei anderen wird per Hand umgeschichtet. Hierbei unterscheiden sich die Ansätze untereinander und auch die Anzahl der Umschichtungen.

Vor- und Nachteile des aktiven Risikomanagements:

  • Der Vorteil liegt darin, dass auf Marktentwicklungen flexibel und schnell reagiert werden kann und das jeweilige Marktrisiko berücksichtigt wird.

  • Nachteil ist der größere Aufwand, der durch die aktive Risikosteuerung der Portfolios entsteht. Zudem kann es sein, dass – abhängig von der Strategie – häufige Umschichtungen entstehen, was meist mit höheren Kosten verbunden ist, was an der Rendite nagt.

"Selbst bei einer All-in-Fee, wie wir sie anbieten, muss man daher trotzdem versuchen, unnötigen Turnover zu vermeiden, weil man bei jedem Handel den Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, auch in einem All-in-Fee-Modell verliert", erklärt Karl Hunger, Managing Director bei Liqid. "Besonders häufige Umschichtungen sind kein Qualitätsmerkmal, sondern eher ein Warnsignal dafür, dass unnötige Kosten produziert werden."

Passives Risikomanagement

Die meisten Robo-Advisor steuern das Risiko passiv. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Gewichtung der einzelnen Assetklassen im Portfolio unabhängig von sich verändernden Marktrisiken konsequent beibehalten wird.

Es findet aber in regelmäßigen Zeitabständen eine Überprüfung und – falls erforderlich – ein sogenanntes Rebalancing statt. Damit wird die Anfangsgewichtung der Anlageklassen wiederhergestellt. Viele Anbieter verwenden dafür einen bestimmten Schwellenwert: Weicht das Portfolio beispielsweise um zehn Prozent von der ursprünglichen Gewichtung ab, wird umgeschichtet. Sonst wird das Risiko-Rendite-Verhältnis nicht weiter beeinflusst.

Die passive Risikosteuerung fundiert auf der wissenschaftlichen These, dass Market-Timing für den Investor im Prinzip nicht möglich ist. "Sie können die Entwicklung nicht vorhersehen", meint etwa Gerald Klein, Gründer und Geschäftsführer des Robo-Advisors Growney. Dies gelte auch für eine mögliche Trendwende beziehungsweise den Beginn eines Bärenmarktes.

"Und was noch viel wichtiger ist: Wir können nicht voraussehen, wann der Bärenmarkt vorbei ist und man wieder in den Markt reingehen kann. Ganz im Gegenteil: Wir motivieren die Leute bei uns, dass sie drin bleiben und regelmäßig sparen", sagt Klein. "Und wenn sie regelmäßig sparen, können sie sich sogar über jeden Bärenmarkt freuen, weil sie ihn mitnehmen, um zu investieren!"

Vor- und Nachteile des passiven Risikomanagements:

  • Klarer Vorteil der passiven Risikosteuerung ist, dass sie weniger personal- und researchintensiv ist, wodurch die Vermögensverwaltungsgebühr meist etwas geringer ausfällt als bei einem aktiven Risikomanagement.

  • Nachteil ist die mangelnde Flexibilität, da es sich um eine starre Anlagestrategie handelt. Risiken werden lediglich über die Streuung auf verschiedene Märkte minimiert, was aber bei weltweiten Abschwungphasen zu ungedämpften Verlusten führen kann.

Biallo-Tipp: Sowohl mit einem passiven als auch einem aktiven Risikomanagement können langfristige Renditeerfolge erzielt werden. Unabhängig davon, welches Risikomanagement Sie bevorzugen, sollten Sie sich vor der Anlageentscheidung detailliert informieren, welche Modelle die Grundlage der Investitionsempfehlungen sind. Dabei ist es entscheidend, dass Sie Ihre Risiko- und Renditeerwartungen realistisch einstufen und sich bei der Auswahl des Robo-Advisors minutiös über Anlageschwerpunkte und Strategie informieren, um das für Sie passende Konzept zu finden.

Übersicht der aktiven und passiven Robo-Advisor

Beschreibung Beispiele
Aktive (dynamische) Robo-Advisor Diese Robo-Advisor sind jederzeit in der Lage, Assetklassen im Portfolio umzuschichten und somit auf aktuelle Marktentwicklungen zu reagieren. Zur Abschätzung des Verlustrisikos wenden einige Anbieter den Value at risk (VaR) an. Scalable Capital, Whitebox, Sutor Bank, Liqid, Truevest, Solidvest, Baloise Monviso, Fundamental Capital, Quirion, Visualvest, Cominvest, Robin, Warburg Navigator, Fidelity Wealth Expert
Passive Robo-Advisor Diese Robo-Advisor ändern nach Depoteröffnung die Zusammenstellung des Portfolios nicht. Gewählte Assetklassen bleiben auch bei veränderter Marktlage bestehen. Ginmon, Growney, Quirion, Moneyfarm, VTB Invest, Fintego, Easyfolio, Liqid, Kapilendo, Oskar, Weltinvest

Quelle: eigene Recherche, Stand: Juni 2020

Hinweis: Robo-Advisor wie Liqid sind sowohl dem passiven als auch dem dynamischen Modell zugeordnet. Diese Robo-Advisor sind in beiden Welten zu Hause und können die Anlagestrategie aktiv verändern, wobei eine persönliche Beratung beziehungsweise ein menschlicher Fondsmanager eingebunden wird.

Der Markt für Robo-Advice wächst weiter

Der Trend der digitalisierten Vermögensverwaltung kommt aus den USA. Dort starteten die Robos ihren Siegeszug im Jahr 2010. Die Anbieter der ersten Stunde – Betterment und Wealthfront – verwalten mittlerweile mehr als 16 respektive elf Milliarden US-Dollar (Stand: Juni 2019). Die im Jahr 2015 gelaunchten Robo-Advisor der traditionsreichen US-Finanzdienstleister Vanguard und Charles Schwab haben die Start-ups längst überholt. Im Vergleich dazu hinkt die Entwicklung in Deutschland noch hinterher.

Jedoch haben sich nach den jüngsten Erhebungen von Oliver Wyman die sogenannten Assets under Management (dt.: verwaltetes Kundenvermögen) der Robo-Advisor im vergangenen Jahr von 1,3 auf 2,8 Milliarden Euro hierzulande mehr als verdoppelt. "Für das laufende Jahr gehen wir von einem Anstieg auf insgesamt fünf bis sechs Milliarden Euro aus", sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. Im Jahr 2020 dürften die von den Robos verwalteten Kundenvermögen hierzulande erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro knacken. Für 2021 werden nun 15 bis 20 Milliarden Euro erwartet nach zuvor gut 30 Milliarden Euro, was gegenüber 2018 aber immer noch ein Wachstumspotential von rund 400 bis 600 Prozent bedeutet.

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Robo-Advisor erobern Banken und Sparkassen

Immer mehr etablierte Geldinstitute setzen auf die digitale Vermögensverwaltung – teils in Eigenkreation, teils in Kooperation mit bestehenden Fintechs. Deutschlands größte Direktbank ING zum Beispiel kooperiert seit September 2017 mit dem Marktführer Scalable Capital, während die Deutsche Bank einen eigenen Roboter namens Robin im Portfolio hat.

Die Sparkassen haben den Robo-Advisor Bevestor der Deka-Bank auf ihrer Website integriert. Die Genossenschaftsbanken wiederum setzen auf MeinInvest, eine White-Label-Lösung von Visualvest, dem Robo-Advisor von Union Investment. Aber auch unabhängige Anlageberater drängen mit Angeboten auf den Markt – zum Beispiel jüngst die inhabergeführte Vermögensverwaltung Kruse & Bock mit dem Robo Peningar.

Diese Banken und Asset Manager bieten eine digitale Vermögensverwaltung für Privatanleger:

  • Deutsche Bank: Robin (eigener Robo)
  • European Bank for Financial Services (Ebase): Fintego (eigener Robo)
  • Genossenschaftsbanken: MeinInvest (White-Label-Lösung von Visualvest)
  • Sparkassen: Bevestor (White-Label-Lösung der Dekabank)
  • Allianz Global Investors (AGI): Moneyfarm (Investor und Kooperation)
  • ING: Scalable Capital (Kooperation)
  • Comdirect: Cominvest (eigener Robo)
  • Quirin Bank: Quirion (eigener Robo)
  • Wüstenrot Direct: Wüstenrot ETF Managed Depot (White-Label-Lösung von Fintego)
  • Union Investment: Visualvest (eigener Robo)
  • Lloyd Fonds: LAIC Advisor (eigener Robo)
  • Kruse & Bock Vermögensverwaltung: Peningar (eigener Robo)
  • Hanseatische Portfoliomanagement GmbH: Digivestor (eigener Robo)
  • FiNet Asset Management AG (FAM): Vividam (eigener Robo)
  • VTB Direkt: VTB Invest (eigener Robo)
  • M.M.Warburg: Warburg Navigator (eigener Robo)
  • DJE Kapital: Solidvest (eigener Robo)
  • HQ Trust: Liqid (eigener Robo)
  • Patriarch Multi-Manager: Truevest (eigener Robo)
  • Sutor Bank: Sutor Privatbank Protfolio (eigener Robo)
  • Signal Iduna Asset Manager: Growney (Kooperation)
  • Hauck & Aufhäuser: Easyfolio (Beteiligung) und Zeedin (eigener Robo)
  • Volkswagen Financial Services: Whitebox (Kooperation)
  • Basler Financial Services: Baloise Monviso (Joint Venture mit Deutsche Asset Management)
  • Targobank: Pixit (eigener Robo, Technologie von Scalable)
  • Pax-Bank: Investify (Kooperation)
  • Openbank: Openbank Wealth (eigener Robo)
  • FiNet Asset Management: Vividam (eigener Robo)
  • FIL Fondsbank: Fidelity Wealth Expert (eigener Robo)
  • Baader Bank: Oskar (White-Label-Lösung von Scalable)

Biallo-Tipp:

Biallo.de hat einigen Robo-Advisor auf den Zahn gefühlt und getestet. Unter den ersten ausführlichen Porträts dieser Serie finden Sie beispielsweise die Robos Ginmon und Cominvest. Welcher dieser Anbieter letztlich das Rennen in punkto Performance macht, lesen Sie in unserem Robo-Advisor-Vergleich.

Vor- und Nachteile der automatisierten Vermögensverwaltung

Vorteile

Robo-Advisor investieren in ETFs

Üblicherweise verfolgen die Roboter-Berater einen passiven Investmentansatz. Sie setzen auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Ein ETF bildet den zugrunde liegenden Index eins zu eins ab– zum Beispiel den Deutschen Aktienindex Dax. Mit einem Indexfonds können Anleger somit ihr Risiko breiter streuen als mit der Einzelanlage in Aktien. Zudem müssen nicht alle Aktien einzeln gekauft werden, um an der Entwicklung des Index optimal zu partizipieren.

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Außerdem sind ETFs günstiger als aktiv gemanagte Fonds, da die Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent entfallen. Die Verwaltungskosten von ETFs liegen meist nur zwischen 0,1 bis 0,5 Prozent im Jahr, während aktiv gemanagte Fonds im Schnitt 1,5 bis 2,0 Prozent des Fondsvermögens verlangen. Bei einem Anlagevolumen von 10.000 Euro macht der Unterschied immerhin bis zu 150 Euro jährlich aus, die über die Performance erst wieder reingeholt werden müssen.

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Doch nicht nur die Produkte selbst sind preiswert, auch der Dienst der Robo-Advisor ist unschlagbar günstig. Viele Anbieter überzeugen zudem durch eine transparente Kostenstruktur. Es gibt keine versteckten Gebühren oder sonstige Provisionen. "In Zeiten von niedrigen Zinsen und fallenden Renten wird der Vermögensaufbau für klassische Privatanleger immer wichtiger, aber auch immer komplexer", sagt Erik Podzuweit, Mitgründer und Geschäftsführer von Scalable Capital. "Dabei sind die Kosten ein enorm wichtiger Aspekt. Selbst minimale Kostenunterschiede entscheiden maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg eines langfristigen Vermögensaufbaus."

Auch für Matthias Hübner sind die Vorteile der Robos hinsichtlich der Gebühren und Kostenstruktur nicht von der Hand zu weisen. "Unsere Untersuchung zeigt aber auch, dass die Robo-Advice-Angebote in Deutschland etwa im Vergleich zu den USA noch relativ teuer sind. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der deutsche Markt noch nicht so weit entwickelt ist", erklärt Hübner. "Auf Dauer werden sich die heutigen Gebühren-Levels bei den Robo-Advisor wohl nicht verteidigen lassen."

Verwaltungsgebühren von unter einem Prozent

Die meisten Robos in Deutschland bieten ihren Beratungsservice bereits für weniger als ein Prozent an. Vermögensverwaltung, Konto- und Depotführung inklusive. Einzige Ausnahme: Easyfolio. Wer den Anbieter von ETF-Dachfonds nutzen will, braucht entweder einen eigenen Broker oder zahlt bei der Partnerbank Ebase eine Depotführungsgebühr von zwölf bis 36 Euro im Jahr – je nach Position. Bei allen Robos schlagen zusätzlich noch Fondskosten mit durchschnittlich 0,3 Prozent zu Buche. Eventuell anfallende Transaktionskosten werden extra ausgewiesen.

Manche Anbieter staffeln ihre Servicegebühr nach Anlagebetrag: Je höher das Volumen, desto niedriger die Kosten. Andere Anbieter wiederum verlangen eine konstante Gebühr, unabhängig vom Anlagevolumen. Die aktuellen Konditionen finden Sie in der unten angefügten Tabelle.

Robos versprechen attraktive Performance

Das Renditeversprechen der Roboter-Berater bewegt sich zwischen drei und acht Prozent im Jahr – je nach Risikobereitschaft. Zwar sind Prognosen kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allerdings liefert die Realität genügend Beispiele, dass passive Indexfonds – in welche die Robos hauptsächlich investieren – oft besser abschneiden als aktiv gemanagte Fonds. Eine Auswertung des US-Indexanbieters S&P Dow Jones Indizes zeigt: Über die vergangenen 15 Jahre hinweg haben mehr als 90 Prozent aller aktiv gemanagten Aktienfonds, die in große US-Unternehmen investieren, ihren entsprechenden Vergleichsindex – den S&P 500 – nicht schlagen können.

Im vergangenen Jahr lag die Fehlerquote immerhin nur bei 66 Prozent. Ginmon-Gründer & CEO Lars Reiner gibt außerdem zu bedenken, dass private Investoren meist deutlich gegenüber dem Markt verlieren. So habe der durchschnittliche Anleger in den vergangenen 20 Jahren rund 2,5 Prozent Rendite jährlich erzielt. Ein global gestreutes Aktienportfolio schaffte im gleichen Zeitraum 6,8 Prozent.

"Der Unterschied von etwa vier Prozentpunkten pro Jahr ist bedeutsam, denn man darf die Zinseszinseffekte nicht außer Acht lassen", erklärt Reiner. Der Hauptgrund für das schlechtere Abschneiden des Menschen sei, dass dieser seine Emotionen nicht vollständig ausblenden könne. Hier hätten die Roboter-Berater den entscheidenden Vorteil, so der Ginmon-Chef. Denn die Maschinen treffen ihre Investmententscheidung völlig emotionslos.

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Nachteile

Auch Robo-Advisor nicht vor Pleite geschützt

Dass ein Robo-Advisor nicht vor einer Insolvenz geschützt ist, zeigt das Beispiel Cashboard. Das ehemalige Vorzeige-Startup musste im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Ein Schock für die Kunden. Doch die Berliner beruhigten ihre Kunden in einer E-Mail: "Kontoguthaben und Anlagen sind von der Geschäftsaufgabe nicht betroffen." Denn die Konten und Depots werden bei Ebase getrennt vom Cashboard-Vermögen geführt und unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung. Zudem gelten Fonds und ETFs als Sondervermögen und zählen nicht zur Insolvenzmasse.

Der von Cashboard versprochene Kapitalschutz und die Zinsgarantie von zwei Prozent gelten mit der Insolvenz allerdings nicht mehr. Heißt, wer mit seinem Portfolio unter der Mindestrendite liegt, hat Pech gehabt.

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Auch ein ETF selbst kann pleite gehen, oder besser gesagt der Fondsanbieter. Doch auch hier sind Anleger durch das Sondervermögen geschützt. Vorsicht gilt bei sogenannten synthetisch replizierenden ETFs. Diese bilden den jeweiligen Index nicht nur mit Aktien nach, sondern zum Teil auch mit Tauschgeschäften, sogenannten Swaps. Hier besteht das Risiko, dass der Kontrahent seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. In diesem Fall drohen hohe Kursverluste.

Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Viele Unternehmen sind noch sehr jung am Markt und können keine Belege für einen sogenannten Track-Record liefern– also eine erfolgreiche Performance über Jahre hinweg. Der eigentliche "Stresstest" steht für die Robo-Advisor noch aus. Nämlich dann, wenn die weltweiten Aktienmärkte auf Tauchstation gehen. Die entscheidende, noch ungeklärte Frage: Können Maschinen wirklich bessere Anlageergebnisse liefern als der Mensch?

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"Ich will da jetzt gar nicht spekulieren, wer beim nächsten Abschwung an den Märkten oder im schlimmsten Fall sogar beim nächsten Crash das Vermögen der Anleger besser erhält – ob das den menschlichen Portfoliomanagern gelingt oder den Robos", meint Matthias Hübner. "Aber das wird dann schon noch mal ein wichtiger Testlauf werden, ob die Robo-Advisor ihr Wertversprechen einhalten und auch in fallenden Märkten liefern können." Das Fehlen einer individuellen persönlichen Beratung birgt ebenfalls Risiken. "Bei Angeboten, die es Anlegern ermöglichen, angeblich besonders erfolgreiche Tradingstrategien zu kopieren, sollten Interessierte vorsichtig sein", warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Biallo-Lesetipp

Negativzinsen und steigende Inflation – ein gefährlicher Mix, der fleißige Sparer de facto teilenteignet. Kein Wunder, dass die Angst vor Altersarmut um sich greift. Ein Umdenken ist erforderlich. Mehr dazu lesen Sie hier: Mehr als 210 Banken und Sparkassen kassieren Negativzinsen

Wichtige Fragen und Antworten

Können auch ausländische Robo-Advisor genutzt werden?

Wer Empfehlungen eines Robo-Advisors für Geldanlagen im Ausland nutzen möchte, kann das jederzeit und weltweit tun. Der Wohnsitz ist in der Regel nicht ausschlaggebend.

Was ist bei ausländischen Robo-Advisorn zu beachten?

Wichtig ist, dass der Anleger seine Auslandsdepots vor dem Fiskus nicht versteckt. Die daraus erzielten Kapitalerträge müssen in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Nach den Offenlegungen von Paradise Papers & Co. prüfen und hinterfragen hier die Finanzämter sehr genau. Wer seinem Robo-Advisor folgt und zum Beispiel Geld in den USA oder der Schweiz anlegt, muss mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand und obendrein mit weiteren Steuerabgaben rechnen. Bis zu 35 Prozent Quellensteuer können in diesen beiden Ländern für den deutschen Anleger fällig werden, wobei ein Teil davon rückerstattungsfähig ist.

Biallo-Tipp: Nehmen Sie Empfehlungen für Geldanlagen im Ausland immer näher unter die Lupe. Unterschiedlichste Anlagemöglichkeiten, ob in ETFs oder Aktien, sind in Deutschland verfügbar und mit der gesetzlichen Einlagensicherung zudem sehr sicher. Warum also in die Ferne schweifen?

Wer haftet bei Robo-Advisorn bei einer "falschen" Beratung?

Brisant wird es, wenn Robo-Advisor dem Anleger "fehlerhafte" Empfehlungen ausgeben. Grundsätzlich trennt die Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) Robo-Advisor in automatisierte Finanzportfolioverwalter nach Paragraf 32 Absatz 1 KWG (Kreditwesengesetz) und in Finanzanlagevermittler, die nach Paragraf 34f GewO Vermögensanlagen über eine Internet-Dienstleistungsplattform vertreiben. Ergeben sich demnach für den Anleger Unterschiede bei zum Beispiel rechtlichen Haftungsvorschriften? "Zivilrechtlich gesehen gibt es aus Sicht des Anlegerschutzes und somit des möglichen Schadensersatzes bei Pflichtverletzungen keine Abweichungen des Schutzniveaus. Im Kern und gemäß den entsprechenden Pflichten bei der Verwaltung, Vermittlung, Beratung oder Aufklärung von Finanzprodukten gibt es weder für den Finanzportfolioverwalter noch für den Finanzanlagenvermittler irgendwelche Unterschiede", so Bernd Jochem, renommierter Spezialist für komplexe Fälle des Bank- und Kapitalanlagerechts der Kanzlei Rotter in München.

Allerdings bewegen sich beide Formen der Anbieter auf gefährlichem Eis, wenn eine Geeignetheitserklärung an den Kunden nicht ausgehändigt wird. "Man muss ja beachten, dass man sich hier in einem aufsichtsrechtlichen Bereich befindet. Jedoch ist es kein Automatismus, wenn ich aufsichtsrechtlich gegen etwas verstoße, dass man dann als Anleger zivilrechtlich gesehen Chancen auf Schadensersatz hat", gibt Jochem zu bedenken. Aber natürlich steht immer der Anleger und Schutz seiner Kapitalanlage im Fokus. "Wir sprechen hier von der ´anlegergerechten Beratung´. Das heißt, dass die Empfehlung, die ich als Anlageberater ausspreche, auf den Kunden zugeschnitten und geeignet sein muss – im Hinblick auf seine Anlageziele, sein Wissen, und seine Erfahrung. Das hat schon lange Bestand, genau genommen seit dem BGH-Urteil 1993 zur anlegergerechten Beratungspflicht von Banken", relativiert Bernd Jochem.

Deshalb rät die Kanzlei Fieldfisher Unternehmen im digitalen Finanzbereich generell davon ab, die "Flucht ins beratungsfreie Geschäft" anzutreten, sondern die aufsichtsrechtlichen Hürden zu nehmen, um den Kunden qualifizierte Finanzdienstleistungen ohne gesteigertes Haftungsrisiko anbieten zu können.

Dennoch halten sich Robo-Advisor eher bedeckt. Zumal ja eine Haftung entfällt, da die Anlageberatung bei vielen Portalen in den AGB ausgeschlossen ist. Jedoch verneint dieser Hinweis auf der Website eine Anlageberatung nicht. "Schließlich muss der Interessent über die Eingabemaske des Robos individuelle Angaben zu seinem Profil und Anlageverhalten preisgeben", gibt Thilo Danz von Fieldfisher zu bedenken. Auch die Bafin sieht hierin klar eine Anlageberatung und daher ist unser Fazit: Das letzte Wort hat im Einzelfall, ob es sich um eine Anlageberatung handelt oder nicht, immer der Bundesgerichtshof.

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  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de

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