Robo-Advisor

  • Gebühren- und Performance-Vergleich
  • Produktdetails zu den einzelnen Anbietern
  • Bis zu 100 Risikoklassen und Anlagestrategien
Sebastian Schick
Sebastian Schick
Die meisten Robo-Advisor bieten auch Sparpläne. Somit können Anleger bereits mit geringen monatlichen Beträgen langfristig Vermögen aufbauen.
Robo Advisor

Robo-Advisor werden bei Privatanlegern immer beliebter. Welche Robo Advisor gibt es? Welcher Anlage-Trend zeichnet sich ab? Nutzen Sie unsere News zum Thema Robo- Advisor für Ihr Investment.

Robo Advisor

ETF, Robo-Advisor, klassische Fonds oder konservatives Tagesgeld. Wie legen Sie Ihr Geld an? Holen Sie sich wichtige Informationen und wertvolle Tipps rund um die Geldanlage in unseren Ratgebern.

Nicht nur Autos agieren bald autonom, auch die Geldanlage macht sich zunehmend selbstständig. Sogenannte Robo-Advisor legen Spargelder computergesteuert an, der Mensch entwickelt und überwacht lediglich die Programme dazu. Ein aktives Eingreifen in die Geldanlage ist im Prinzip nicht mehr erforderlich.

Die digitale Geldanlage verspricht überdurchschnittliche Gewinne bei geringen Kosten und kalkulierbarem Risiko. Anlegern gefällt die Technik, sie haben bereits mehr als zwei Milliarden Euro bei digitalen Vermögensverwaltern in Deutschland investiert. Und die Prognosen zeigen steil nach oben.

Was genau ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor (dt.: Roboter-Berater) ist – vereinfacht gesagt – ein Computerprogramm, das nach einem bestimmten Algorithmus Anlageentscheidungen trifft beziehungsweise vorschlägt.

Das Prozedere folgt einem einfachen und standardisiertem Muster: Der Kunde legt zunächst einen Anlagebetrag fest. Dann füllt er auf der Online-Plattform einen Fragebogen aus. Dabei wird der Anleger unter anderem nach seiner Risikoneigung, seinem Alter, seinen Zielrenditen und finanziellen Verhältnissen gefragt. Aus den Daten ermittelt der Computer dann nach einem bestimmten Algorithmus das Anlageprofil und schlägt die Investmentprodukte vor. Nach kostenloser Depoteröffnung bei der angeschlossenen Partnerbank kann der Anleger das vorgeschlagene Portfolio dann kaufen.

Die Mehrheit der Robo-Advisor investiert in passive Produkte, also in ETFs oder Indexfonds, die einen bestimmten Index nahezu eins zu eins abbilden. Manche Anbieter verwenden auch aktive Fonds, wo der jeweilige Fondsmanager die Titel im Portfolio auswählt.

Grundsätzlich sind sich Experten uneinig darüber, welche Methode erfolgreicher ist. Fakt ist: Mit Indexfonds lässt sich keine Outperformance erzielen. Auf der anderen Seite schaffen es nur wenige aktive Fonds, den Gesamtmarkt zu schlagen. Der Erfolg von Letzteren hängt schließlich immer auch von der Qualität des jeweiligen Fondsmanagers ab.

Generell lassen sich die Robo-Advisor in zwei Typklassen aufteilen:

1. Finanzportfolio-Verwalter

Zu den Finanzportfolio-Verwaltern zählen alle Robos, die dem Kunden eine Komplettlösung für die Geldanlage liefern. Der Kunde muss sich nach der Ermittlung des Anlageprofils und der Anlagestrategie um nichts mehr kümmern. Der Robo-Advisor überwacht das Portfolio fortlaufend und darf eigenständig Änderungen und Umschichtungen vornehmen – gemäß den Parametern, die Kunde und Verwalter vorher vereinbart haben. Dafür brauchen die Anbieter allerdings eine Bafin-Lizenz als Finanzportfolio-Verwalter nach Paragraf 32 des Kreditwesengesetzes (KWG). Diese Erlaubnis haben die meisten Robos hierzulande. Investify hat als Äquivalent eine Lizenz der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF.

2. Finanzanlagenvermittler

Im Gegensatz zu Finanzportfolio-Verwaltern müssen reine Anlagenvermittler vor jeder Änderung oder Umschichtung des Anlageportfolios die Zustimmung des Kunden einholen. Der Vermittler darf das Depot nicht verwalten. Seit 1. Januar 2013 benötigen Finanzanlagenvermittler eine gewerberechtliche Erlaubnis für die Beratung zu beziehungsweise die Vermittlung von Finanzanlagen nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung (GewO).

Nach einem webbasiertem Fragenkatalog erhält der Anleger zwar ebenfalls eine Anlageempfehlung oder ein Musterportfolio als Vorschlag. Der Kunde entscheidet aber selbst, ob, wann und wie er sein Portfolio anpasst. Diese Form der Geldanlage eignet sich nicht für Einsteiger, sondern für Leute, die schon Erfahrungen im Handel mit Aktienfonds und ETFs haben.

Zu den Finanzanlagenvermittlern zählen beispielsweise die Robo-Advisor Easyfolio und Growney. Letzterer hat bereits die Bafin-Lizenz als Finanzportfolioverwalter beantragt. Daneben gibt es noch etliche kostenlose Self-Service-Anbieter wie etwa JustETF, Moneyfilter oder Diversifikator, auf die hier nicht näher eingegangen wird.  

Für wen eignen sich Robo Advisor?

Liqid, den Luxus-Robo der Familie Harald Quandt, können Anleger erst ab einer Mindestanlage von 100.000 Euro nutzen, einen Sparplan gibt es nicht. Damit bilden die Berliner aber die Ausnahme. Denn, was ganz klar für die Robo-Advisor spricht: Dass Privatanleger bereits mit geringen Anlagevolumina einsteigen können. Während klassische Vermögensverwalter und Honorarberater einem oft erst ab hohen sechsstelligen Beträgen die Türe öffnen, bieten viele digitale Vermögensverwalter ihre Dienste schon für 10.000 Euro und weniger an.

Easyfolio, Growney, Prospery und Vaamo setzen kein Mindestanlagevolumen voraus. QuirionScalable Capital und Truevest fordern jeweils 10.000 Euro, Werthstein 20.000 Euro, Solidvest 25.000 Euro und Fundamental Capital 50.000 Euro. Bei den restlichen Anbietern reicht die Spanne von 500 bis 5.000 Euro. Auch in Sachen Sparplan können die Robos glänzen. Einzelne Anbieter setzen auch hier keine Mindesthöhe voraus. Die jeweiligen Sparplan-Optionen finden Sie in der Tabelle weiter unten.

Anlagestrategien, Risiko- und Anlageklassen

Als Anlageklassen – auch Assetklassen genannt – kommen bei den digitalen Vermögensverwaltern hauptsächlich Aktien und Anleihen zum Einsatz. Manche Anbieter investieren zusätzlich in Immobilien, Rohstoffe, Gold und den Geldmarkt. Anbieter Liqid bietet auch die alternative Anlageklasse Private Equity (dt.: außerbörsliches Eigenkapital) an.

Je nach Risikoprofil des Anlegers werden die Assetklassen unterschiedlich gewichtet. Bei einer defensiven Strategie kommen hauptsächlich schwankungsärmere Anlagen, insbesondere Anleihen zum Einsatz. Bei einer offensiven Ausrichtung kann das Portfolio zu 100 Prozent aus Aktien bestehen.

Auch die Anzahl der Risikoklassen und Anlagestrategien variiert je nach Anbieter. Die Risikoklasse spiegelt die Risikoneigung des Anlegers wider und wird – wie bereits erwähnt – durch den Robo-Advisor anhand des Online-Fragebogens ermittelt. Jeder Klasse wird mindestens eine Anlagestrategie zugeordnet.

Während Anbieter Truevest etwa mit drei Risikoklassen und vier Anlagestrategien auskommt, hat Scalable Capital insgesamt je 23 Risikostufen und Strategien im Angebot. Bei Liqid stehen zehn Risikoklassen 30 Anlagestrategien gegenüber. Prospery wartet mit 100 Risiko-Scores auf, denen jeweils eine Anlagestrategie zugeordnet ist. Die Anzahl der Risikostufen und Portfolios sagt jedoch noch nichts über die Performancequalität des Robo-Advisors aus.

Bei der Risikosteuerung gibt es ebenfalls unterschiedliche Ansätze: Die einen steuern das Risiko passiv, die anderen aktiv beziehungsweise dynamisch. Doch wie genau unterscheiden sich diese zwei Arten des Risikomanagements und welche Vor- und Nachteile weisen sie auf?

Aktives (auch dynamisches) Risikomanagement

Bei dieser Strategie handelt der Robo-Advisor flexibel und führt je nach Marktlage eine Umschichtung der Assetklassen durch, indem er das jeweilige Marktrisiko in die Investmententscheidung einfließen lässt. Ein gängiges Maß für die Risikodefinierung ist der sogenannte Value at Risk (VaR), den etwa die Robo-Advisor Scalable Capital, Whitebox und Robin verwenden.

Der mathematische Wert beziffert das Verlustrisiko des Portfolios. Ein VaR von 25 Prozent bedeutet beispielsweise, dass das Portfolio in einem Zeitraum von einem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent (also in 19 von 20 Jahren) nicht mehr als 25 Prozent an Wert verliert. Einfacher ausgedrückt: Der Anleger ist bereit, einmal in 20 Jahren einen Wertrückgang von mehr als 25 Prozent zu akzeptieren.

Robo-Advisor Whitebox legt zusätzlich den sogenannten Conditional Value at Risk (CVaR) zugrunde, eine Weiterentwicklung des VaR. Der CVaR gibt neben der Verlustwahrscheinlichkeit auch die erwartete Verlusthöhe an, wenn das Portfolio den VaR-Wert überschreiten sollte.

Kritiker monieren den sehr theoretischen Ansatz der VaR-Strategie. Hauptkritikpunkt: Das Verlustrisiko lasse sich nicht durch eine Kennzahl definieren. Scalable-Gründer und Geschäftsführer Erik Podzuweit kann die Kritik zum Teil nachvollziehen: "Am Finanzmarkt weiß man nie etwas mit Bestimmtheit. Wer Ihnen hier verspricht, ich habe einen Algorithmus, der die perfekte Glaskugel ist, dann nehmen Sie am besten die Beine in die Hand und laufen!"

Dennoch können man die Lage an den Finanzmärkten laut Podzuweit mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einschätzen: "Und genau darum geht es. Das bedeutet nicht, dass man an jedem Tag, in jeder Woche oder in jedem Jahr richtig liegt, aber à la longue lässt sich durch so ein Verfahren über mehrere Jahre ein Vorteil herausarbeiten."

Mit Hilfe von finanztechnischen Berechnungen verändert ein auf einem Algorithmus basierendes Programm die Portfoliozusammensetzung, um die Ziele der Anlagestrategie des Kunden zu garantieren und Risiken zu minimieren. Der Algorithmus unterbreitet Vorschläge für eine mögliche Umschichtung. Je nach Anbieter werden Finanzexperten dazwischen geschaltet, die die Umschichtungsvorschläge der Software prüfen, eventuell korrigieren und anschließend freigeben.

Bei einigen Robo-Advisorn erfolgt die Umschichtung des Portfolios automatisiert, bei anderen wird per Hand umgeschichtet. Hierbei unterscheiden sich die Ansätze untereinander und auch die Anzahl der Umschichtungen.

Vor- und Nachteile des aktiven Risikomanagements:

  • Der Vorteil liegt darin, dass auf Marktentwicklungen flexibel und schnell reagiert werden kann und das jeweilige Marktrisiko berücksichtigt wird.

  • Nachteil ist der größere Aufwand, der durch die aktive Risikosteuerung der Portfolios entsteht. Zudem kann es sein, dass – abhängig von der Strategie – häufige Umschichtungen entstehen, was meist mit höheren Kosten verbunden ist, was an der Rendite nagt.

"Selbst bei einer All-in-Fee, wie wir Sie anbieten, muss man daher trotzdem versuchen, unnötigen Turnover zu vermeiden, weil man bei jedem Handel den Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, auch in einem All-in-Fee-Modell verliert", erklärt Kim Felix Fomm, Managing Director bei Liqid. "Besonders häufige Umschichtungen sind kein Qualitätsmerkmal, sondern eher ein Warnsignal dafür, dass unnötige Kosten produziert werden."

Aktives Risikomanagement: Ausgewählte Anbieter im Überblick

Cominvest

Der Robo-Advisor der Comdirect analysiert anhand eines speziell entwickelten Investment-Algorithmus die Informationen der Wertpapiermärkte und nimmt bei Bedarf Anpassungen vor. Dabei werden unter anderem das Risikoprofil und die Renditeerwartungen des Kunden berücksichtigt.

"Bei Cominvest überwachen wir die Depots unserer Kunden börsentäglich. Zum einen überprüfen wir, ob die Zusammensetzung der Anlageklassen im Kundendepot noch mit der Vorgabe des zugehörigen Musterportfolios übereinstimmt", sagt Cominvest-Sprecher Geerd Lukaßen. Eine Umschichtung sei zum Beispiel erforderlich, wenn sich eine Anlageklasse deutlich besser entwickelt hat als eine andere.

"Zum anderen überwachen wir die Einhaltung der Volatilitäten, die dem jeweiligen Musterportfolio zur Risikobegrenzung zugeordnet sind. Im Rahmen des 'Wir für Sie'-Angebots überprüfen wir zusätzlich, ob die Verlustschwelle überschritten worden ist", so Lukaßen weiter.

Darüber hinaus überwachen Experten alle 16 Wochen, ob die Musterportfolios noch die passenden Anlageklassen und Gewichtungen aufweisen. Die Grundlage dafür bietet der Investment-Algorithmus. "Eine Besonderheit von Cominvest ist dabei das Zusammenspiel von Mensch und Maschine: Die vom Algorithmus erstellten Handelsempfehlungen werden von Comdirect-Experten überprüft und erst dann an die Kunden weitergegeben beziehungsweise umgesetzt."

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Liqid

Beim Berliner Robo-Advisor Liqid, der sich auf das Know-how von HQ Trust stützt, der Vermögensverwaltung der Familie Harald Quandt, können Anleger zwischen einer von Experten gesteuerten Portfolioverwaltung (Liqid Select) und zwei automatisierten Administrationen (Liqid Global und Liqid Global Impact) wählen.

Bei Liqid Select steuert ein Investment-Team die Zusammensetzung des Portfolios und überwacht fortlaufend die Entwicklung. Umschichtungen werden bei Bedarf unverzüglich durchgeführt, um Chancen durch Marktveränderungen zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Liqid Global orientiert sich an der Entwicklung der Weltregionen im Verhältnis zum Welt-Bruttoinlandsprodukt. Liegen differenzierte Wertentwicklungen vor, werden Umschichtungen durchgeführt. Dadurch wird das Chancen-Risiko-Profil optimiert, da regionale Aktienblasen umgangen werden können. Liquid Global Impact funktioniert genauso wie Liqid Global, berücksichtigt darüber hinaus aber auch nachhaltige Kriterien.

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"Liqid Global und Liqid Global Impact arbeiten mit sogenannten passiven Anlagestrategien, die typisch für Robo Advisors sind. Beide Anlagestile setzen ausschließlich auf Indexfonds beziehungsweise ETFs", sagt Kim Felix Fomm, Managing Director von Liqid. Mit den Angaben der Kunden werde dann jeweils eine individuelle Anlagestrategie entwickelt. "Sie umfasst die systematische Aufteilung der Anlage auf verschiedene Anlageklassen und ist der wichtigste Treiber der langfristigen Rendite."

Unabhängig vom Anlagestil orientiere sich die persönliche Anlagestrategie stets am gewählten Risikoprofil. "Sie ist breit diversifiziert, kostengünstig und wird ständig von unserem Investment-Team kontrolliert. Bei Marktschwankungen wird das Portfolio automatisch angepasst, damit es stets dem gewählten Risikoprofil entspricht", so Fomm weiter. "Mit Liqid Global und Liqid Global Impact profitieren Anleger auf besonders kostengünstige Art von der Anlagestrategie von HQ Trust, dem Multi Family Office der Familie Harald Quandt, Anlagestrategien, die sonst nur Hochvermögenden zugänglich sind."

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Robin

Mit Hilfe von aktuellen Kapitalmarktdaten überprüft Robin, der Robo-Advisor der Deutschen Bank, börsentäglich die Portfolios und schichtet bei Bedarf um. "Dafür analysieren die Algorithmen laufend die Kapitalmärkte und berücksichtigen gleichzeitig die Prognosen der Bankanalysten und Anlagestrategen der Deutschen Bank", sagt Oliver Dreiskämper, Leiter Robo Advisory für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. 

"Bei Anpassungsbedarf berechnet Robin eine neue Portfolio-Zusammensetzung und stellt diese speziell ausgebildeten Portfoliomanagern zur Verfügung. Diese überprüfen den aggregierten Umschichtungsvorschlag und geben ihn frei", ohne dass der Kunde aktiv werden muss. Die Häufigkeit einer Portfolioanpassung hänge vom Risikolevel sowie der Entwicklung der einzelnen Anlageklassen und den Kapitalmarktprognosen für diese Anlageklassen ab. "Zusätzliche Portfolioanpassungen können zum Beispiel dann entstehen, wenn der Kunde eine zusätzliche Einzahlung oder eine Entnahme tätigt", erklärt Dreiskämper.

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Scalable

Mehr als 30.000 Kunden vertrauen dem Münchner Robo-Advisor über eine Milliarde Euro an. Die Portfolio-Verwaltung wird durch eine eigens entwickelte Risikomanagement-Technologie dynamisch gesteuert. Durchschnittlich werden alle drei bis vier Wochen Anpassungen vorgenommen, jedoch ist grundsätzlich auch eine tägliche Umschichtung möglich. "Unsere eigens entwickelte Risikomanagement-Technologie prüft das tatsächliche Risiko unserer Kundenportfolios auf Basis der aktuellen Marktsituation und der Charakteristika der verschiedenen Anlageklassen, wobei nicht nur Volatilitäten in die Berechnungen einfließen, sondern auch Abhängigkeiten zwischen den Anlageklassen", erklärt Erik Podzuweit, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital.

Die Anlagestrategie sei langfristig orientiert und die Technologie so ausgerichtet, dass das individuell festgelegte Risiko in den Portfolios der Anleger möglichst konstant gehalten wird. Hier sieht Podzuweit ein wichtiges Unterscheidungskriterium zu anderen Anbietern: "Wir glauben nicht an starre Gewichte von Anlageklassen, wir halten das Risiko im Portfolio konstant. Wir nehmen Umschichtungen also nicht zu festgelegten Zeitpunkten vor, sondern immer dann, wenn das Risiko im Kundenportfolio nicht mehr zu der vom Kunden gewählten Risikokategorie passt." Wissenschaftliche Studien würden belegen, "dass sich diese Form des Risikomanagements nicht nur positiv auf das Durchhaltevermögen von Anlegern auswirkt, sondern auch direkt auf die Rendite"

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Solidvest

Im Gegensatz zu anderen Anbietern investiert Solidvest, der digitale Vermögensverwalter aus dem Hause Dr. Jens Ehrhardt (DJE Kapital AG), nicht in Fonds, sondern in Einzeltitel. Die Umschichtung des Portfolios richtet sich nach der jeweiligen Marktlage und wird automatisch für die Kunden durchgeführt. Nach Auffassung von Solidvest ist eine Steuerung des Anlagevermögens durch die Kunden nicht sinnvoll, da die Markteinschätzung von Experten vorgenommen werden sollte. "Die Solidvest-Portfolios sind eine Kombination aus aktivem Management unserer Analysten und Überwachung der Portfoliostruktur durch Algorithmen", sagt Klaus Pfaller, Leiter der Online-Vermögensverwaltung bei Solidvest.

Für den aktiven Teil wird auf die jahrelange Erfahrung und das bewährte Zusammenspiel des Analysten- und des Strategieteams aus dem Hause DJE Kapital AG zurückgegriffen. "Es werden Vorgaben zur Einschätzung von Aktien und Anleihen sowie weltweiten Regionen und Sektoren erarbeitet", sagt Pfaller. "Ziel ist es  – je nach Strategie – 30 Aktien- und bis zu 20 Anleihentitel herauszufiltern, deren Allokation ein global diversifiziertes Kundenportfolio unter Berücksichtigung des Rendite-Risiko-Profils und der Vorgaben des Anlegers ermöglicht", erklärt Pfaller. "Wir passen die Investitionsquote an das Marktrisiko an und steuern auch die Cash-Quote aktiv. Zeitgleich überwacht unser System automatisiert die Portfoliozusammensetzung. Dadurch sollen Risiken reduziert und das Vermögen der Kunden geschützt werden." 

Whitebox

Der Robo-Advisor aus Freiburg verfolgt eine aktive Value-Strategie, die mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und Exchange Traded Commodities (ETCs) umgesetzt wird. Bei dem Value-Ansatz, der durch Warren Buffett bekannt wurde, wird der "faire Wert" einer Anlage ermittelt. Allerdings besteht das Portfolio nicht nur aus den am niedrigsten bewerteten Anlageklassen.

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"Um ein robustes Portfolio zu erhalten, das sich nicht nur in einem, sondern in verschiedenen Marktphasen gut entwickelt, werden zur Diversifikation auch weniger günstig bewertete Anlagen beigefügt", sagt Salome Preiswerk, die gemeinsam mit Birte Rothkopf Geschäftsführerin und Gründerin ist. Die beiden haben jahrelang Finanzunternehmen strategisch und operativ beraten. Daher wissen sie genau: Menschliche Emotionen verleiten oft zu renditeschädlichen Fehlentscheidungen – gerade in Abschwungphasen – und erweisen daher Do-it-yourself-Anlegern oft einen Bärendienst. Um Letzteres zu verhindern und das angelegte Kapital zu schützen, setzt Whitebox auf ein aktives Risikomanagement.

"Wir haben eine sehr pragmatische und anlegerorientierte Sicht: Wir verstehen darunter nicht – wie sonst in der Finanzbranche üblich – die Volatilität, also die Wertschwankungen einer Anlage. Für uns bedeutet Risiko ein bleibender Kapitalverlust", erklärt Preiswerk. Denn das Ausmaß der Verlustgefahr hänge weniger von der Volatilität, sondern vor allem von der Marktbewertung ab, wie auch verschiedene Untersuchungen belegten. Hierbei kommt auch der sogenannte Conditional Value at Risk (CVaR) ins Spiel, der nicht nur das Verlustrisiko, sondern auch die erwartete Verlusthöhe misst.

Passives Risikomanagement

Die meisten Robo-Advisor steuern das Risiko passiv. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Gewichtung der einzelnen Assetklassen im Portfolio unabhängig von sich verändernden Marktrisiken konsequent beibehalten wird.

Es findet aber in regelmäßigen Zeitabständen eine Überprüfung und – falls erforderlich – ein sogenanntes Rebalancing statt. Damit wird die Anfangsgewichtung der Anlageklassen wiederhergestellt. Viele Anbieter verwenden dafür einen bestimmten Schwellenwert: Weicht das Portfolio beispielsweise um zehn Prozent von der ursprünglichen Gewichtung ab, wird umgeschichtet. Sonst wird das Risiko-Rendite-Verhältnis nicht weiter beeinflusst.

Die passive Risikosteuerung fundiert auf der wissenschaftlichen These, dass Market-Timing für den Investor im Prinzip nicht möglich ist. "Sie können die Entwicklung nicht vorhersehen", meint etwa Gerald Klein, Gründer und Geschäftsführer des Robo-Advisors Growney. Dies gelte auch für eine mögliche Trendwende beziehungsweise den Beginn eines Bärenmarktes.

"Und was noch viel wichtiger ist: Wir können nicht voraussehen, wann der Bärenmarkt vorbei ist und man wieder in den Markt reingehen kann. Ganz im Gegenteil: Wir motivieren die Leute bei uns, dass sie drin bleiben und regelmäßig sparen", sagt Klein. "Und wenn sie regelmäßig sparen, können sie sich sogar über jeden Bärenmarkt freuen, weil sie ihn mitnehmen, um zu investieren!"

Vor- und Nachteile des passiven Risikomanagements:

  • Klarer Vorteil der passiven Risikosteuerung ist, dass sie weniger personal- und researchintensiv ist, wodurch die Vermögensverwaltungsgebühr meist etwas geringer ausfällt als bei einem aktiven Risikomanagement.

  • Nachteil ist die mangelnde Flexibilität, da es sich um eine starre Anlagestrategie handelt. Risiken werden lediglich über die Streuung auf verschiedene Märkte minimiert, was aber bei weltweiten Abschwungphasen zu ungedämpften Verlusten führen kann.

Biallo-Tipp: Sowohl mit einem passiven als auch einem aktiven Risikomanagement können langfristige Renditeerfolge erzielt werden. Unabhängig davon, welches Risikomanagement Sie bevorzugen, sollten Sie sich vor der Anlageentscheidung detailliert informieren, welche Modelle die Grundlage der Investitionsempfehlungen sind. Dabei ist es entscheidend, dass Sie Ihre Risiko- und Renditeerwartungen realistisch einstufen und sich bei der Auswahl des Robo-Advisors minutiös über Anlageschwerpunkte und Strategie informieren, um das für Sie passende Konzept zu finden.

Ginmon

Um das Portfolio auch bei sich ändernden Marktbedingungen stets im Optimum zu halten, hat der Frankfurter Robo-Advisor Ginmon die Portfoliotechnologie Apeiron entwickelt. Damit werden gezielt Umschichtungen durchgeführt, wenn sich durch Marktbewegungen die Allokation des individuellen Kundenportfolios so stark verändert, dass festgelegte Grenzwerte überschritten werden. So kann sichergestellt werden, dass der Soll-Zustand wieder erreicht wird.

"Hierfür werden Wertpapiere verkauft, die relativ teuer sind und solche gekauft, die relativ günstig sind. Das Portfolio ist weniger anfällig für Blasenbildung und jederzeit optimal diversifiziert", erklärt Sarah Naegele, Investment-Analystin bei Ginmon. Die Portfolioerstellung mittels ETFs beruhe auf den Grundlagen des sogenannten Faktorinvestings. "Mit dieser Strategie können nachhaltig hohe Renditen über die Investition in die Faktoren Value und Size mit Berücksichtigung von Small Caps erwirtschaftet werden."

Wichtig sei es, die Kosten stets im Blick zu behalten: "Trading um des Tradings willen ist nicht das Ziel. Denn jeder Trade verursacht Kosten. Häufiges Umschichten ist daher keinesfalls ein Ausweis von Qualität", so Naegele.

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Growney

Der Berliner Robo-Advisor verfolgt eine passive Anlagestrategie mit regelmäßigem Rebalancing. Investiert wird ausschließlich in ETFs. "Viele Anleger setzen noch auf ein aktives Risikomanagement und erwarten davon einen Vorteil. Wir sind überzeugt, dass eine passive Anlagestrategie mit einem regelmäßigen Rebalancing und einer Qualitätssicherung der verwendeten Fonds das beste Risikomanagement für einen Privatanleger ist", sagt Gerald Klein, Gründer und Geschäftsführer von Growney.

Klein verweist auf eine Studie der US-Ratingagentur Standard & Poor's aus dem Jahr 2015, wonach sich nur 2,2 Prozent der aktiv gemanagten und in Euro gehandelten globalen Aktienfonds über eine Spanne von zehn Jahren mindestens so gut entwickelten wie ihr Vergleichsindex: "Es sei in diesem Zusammenhang angemerkt, dass die Informationseffizienz der Kapitalmärkte heute derart hoch ist, dass unserer Ansicht nach niemand mehr in der Lage ist, den Markt langfristig mit aktivem Management zu schlagen. Dafür benötigte es entweder Glück oder einen signifikanten Informationsvorteil", so der Growney-Chef. "Hätte ein Fondsmanager einen Informationsvorteil, würde das bedeuten, dass er über mehr Informationen als der gesamte Kapitalmarkt verfügt. Wir bezweifeln allerdings, dass ein Mensch diesen Kenntnisstand besitzt oder besitzen kann."

Aktives Portfolio-Management hält Klein für ein Nullsummenspiel: "Was die einen relativ zur Marktentwicklung gewinnen, müssen zwangsläufig andere verlieren. Nach Kosten – die bei aktiven Managern erheblich sein können – müssen zwangsläufig alle aktiven Manager zusammen die Marktrendite verfehlen."

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Quirion

Der Robo-Advisor der Berliner Quirin Privatbank überwacht kontinuierlich das Portfolio. Das strategische Risikomanagement stellt sicher, dass das vom Kunden gewünschte Rendite-Risiko-Verhältnis gewahrt bleibt. Bei Zielabweichungen wird das Depot unverzüglich umgeschichtet. Wenn möglich wird beim Wertpapierhandel darauf verzichtet, die Börse einzuschalten, sondern intern umgeschichtet. Ein automatisiertes Rebalancing sorgt dafür, dass Risiko- und Renditeerwartungen langfristig in der Balance bleiben. Durch Algorithmen werden die Portfolios kontrolliert und gesteuert.

"Bei Quirion setzen wir auf ein faktenbasiertes, wissenschaftliches Konzept ohne Spekulation mit maximaler Diversifikation zu niedrigen Kosten", sagt Dr. Anselm Hüwe, Senior Analyst bei Quirion. "Unsere Kunden besitzen indirekt circa 10.000 verschiedene Aktien und Anleihen, was das Risiko durch Diversifikation maximal senkt. Wir investieren nicht aktiv in Einzeltitel, sondern in den breiten Markt und setzen bei den Aktien einen Schwerpunkt auf renditeträchtige Neben- und Substanzwerte." Für seine Kunden wähle Quirion die ETFs mit den niedrigsten Gesamtkosten und der besten Performance aus.

Visualvest

Der digitale Vermögensverwalter von Union Investment passt die Allokation der Anlagestrategien bei Bedarf automatisch an, ohne dass der Kunde aktiv werden muss. Da die Anlagestrategien langfristig ausgerichtet sind, werden Umschichtungen – wenn möglich – nicht in kurzen Abständen durchgeführt. Zusätzlich findet ein regelbasiertes Rebalancing statt.

"Wir verfolgen einen langfristigen Anlageansatz und behalten die Anlagestrategien unserer Kunden sowie die Finanzmärkte dabei ständig im Blick", sagt Alexander Weber, Produkt Manager bei Visualvest. "Bei Bedarf nehmen wir aktiv Anpassungen innerhalb der Anlagestrategien vor. Dazu trifft sich unser Investment Komitee, das aus Experten von Visualvest und Portfoliomanagement-Profis von Union Investment besteht, alle paar Wochen, um zu entscheiden, ob und welche Anpassungen vorgenommen werden sollten." Im Endeffekt betreibt Visualvest also – ähnlich wie Comdirect – sowohl passives als auch aktives Risikomanagement.

Die Experten greifen auf umfangreiche Datenbestände sowie wissenschaftliche Modelle zurück. Zudem sorgt der Robo-Advisor für ein automatisches Rebalancing. "Das bedeutet, dass bei Bedarf eine Umschichtung der Geldanlage zur Wiederherstellung der ursprünglich gewählten Portfolio-Zusammensetzung vorgenommen wird", sagt Weber. "Mit dieser antizyklischen Vorgehensweise stellen wir sicher, dass die Portfolios unserer Anleger stets zu ihrem individuellen Risikoprofil passen."

Der Markt für Robo-Advice wächst rasant

Der Trend der digitalisierten Vermögensverwaltung kommt aus den USA. Dort starteten die Robos ihren Siegeszug im Jahr 2010. Die Anbieter der ersten Stunde - Betterment und Wealthfront - verwalten mittlerweile 13,5 respektive zehn Milliarden US-Dollar (Stand: Juni 2018). Die im Jahr 2015 gelaunchten Robo-Advisor der traditionsreichen US-Finanzdienstleister Vanguard und Schwab haben die Start-ups längst überholt. Anfang 2018 lagen die sogenannten Assets under Management (AuM) bei mehr als 100 beziehungsweise 25 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu hinkt die Entwicklung in Deutschland noch hinterher.

Derzeit gibt es circa 30 aktive Player auf dem deutschen Markt. Der größte Anbieter – das Münchner Start-up Scalable Capital – knackte im Mai 2018 die Marke von einer Milliarde Euro bei den AuM. Scalable hat auch den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock als Großinvestor an Bord und kooperiert mit der ING-Diba. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman vom August 2017 wird das gesamte verwaltete Kundenvermögen der Robo-Advisor in Deutschland bis 2021 von derzeit gut zwei Milliarden Euro (Stand: Juni 2018) auf dann knapp 35 Milliarden Euro ansteigen.

"Wir rechnen hier mit zusätzlichem Schwung, weil sich große Banken, Asset-Manager und auch Versicherer intensiv mit diesem Thema beschäftigen und – wenn nicht bereits geschehen – in der nächsten Zeit eigene Angebote auf den Markt bringen werden", sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. "Es wird also kaum einen nennenswerten Spieler geben, der dieses Thema komplett blank liegen lässt." Der Experte geht auch davon aus, dass ein Großteil der Assets, die in den nächsten Jahren dazukommen, vor allem von den großen Spielern vereinnahmt wird und die Start-up-Firmen dann nur noch einen kleinen Anteil ausmachen.

Robo-Advisor erobern Banken und Sparkassen

Immer mehr etablierte Geldinstitute setzen auf die digitale Vermögensverwaltung – teils in Eigenkreation, teils in Kooperation mit bestehenden Fintechs. Deutschlands größte Direktbank ING-Diba zum Beispiel kooperiert seit September 2017 mit dem Marktführer Scalable Capital, während die Deutsche Bank einen eigenen Roboter namens Robin im Portfolio hat. Die Sparkassen haben den Robo-Advisor Bevestor der Deka-Bank auf ihrer Website integriert. Die Genossenschaftsbanken wiederum setzen auf MeinInvest, eine White-Lable-Lösung von Visualvest, dem Robo-Advisor von Union Investment.

Diese Banken und Asset Manager bieten eine digitale Vermögensverwaltung für Privatanleger

  • Deutsche Bank: Robin (eigener Robo)
  • European Bank for Financial Services (Ebase): Fintego (eigener Robo)
  • Genossenschaftsbanken: MeinInvest (White-Label-Lösung von Visualvest)
  • Sparkassen: Bevestor (White-Label-Lösung der Dekabank)
  • ING-Diba: Scalable Capital (Kooperation)
  • Comdirect: Cominvest (eigener Robo)
  • Quirin Bank: Quirion (eigener Robo)
  • Wüstenrot Bank: Wüstenrot ETF Managed Depot (White-Label-Lösung von Fintego)
  • Union Investment: Visualvest (eigener Robo)
  • M.M.Warburg: Warburg Navigator (White-Label-Lösung von Elinvar)
  • DJE Kapital: Solidvest (eigener Robo)
  • HQ Trust: Liqid (eigener Robo)
  • Patriarch Muli-Manager: Truevest (eigener Robo)
  • ABN Amro: Prospery (eigener Robo)
  • Sutor Bank: Sutor Privatbank Protfolio (eigener Robo)
  • Signal Iduna Asset Manager: Growney (Kooperation)
  • Hauck & Aufhäuser: Easyfolio (Tochterunternehmen)
  • Volkswagen Financial Services: Whitebox (Kooperation)
  • Basler Financial Services: Baloise Monviso (Joint Venture mit Deutsche Asset Management)

Vor- und Nachteile der automatisierten Vermögensverwaltung

Vorteile

Robo Advisor investieren in ETFs

Üblicherweise verfolgen die Roboter-Berater einen passiven Investmentansatz. Sie setzen auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Ein ETF bildet den zugrunde liegenden Index eins zu eins ab - zum Beispiel den Deutschen Aktienindex Dax. Mit einem Indexfonds können Anleger somit ihr Risiko breiter streuen als mit der Einzelanlage in Aktien. Zudem müssen nicht alle Aktien einzeln gekauft werden, um an der Entwicklung des Index optimal zu partizipieren.

Außerdem sind ETFs günstiger als aktiv gemanagte Fonds, da die Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent entfallen. Die Verwaltungskosten von ETFs liegen meist nur zwischen 0,1 bis 0,5 Prozent im Jahr, während aktiv gemanagte Fonds im Schnitt 1,5 bis 2,0 Prozent des Fondsvermögens verlangen. Bei einem Anlagevolumen von 10.000 Euro macht der Unterschied immerhin bis zu 150 Euro jährlich aus, die über die Performance erst wieder reingeholt werden müssen.

Doch nicht nur die Produkte selbst sind preiswert, auch der Dienst der Robo-Advisor ist unschlagbar günstig. Viele Anbieter überzeugen zudem durch eine transparente Kostenstruktur. Es gibt keine versteckten Gebühren oder sonstige Provisionen. "In Zeiten von niedrigen Zinsen und fallenden Renten wird der Vermögensaufbau für klassische Privatanleger immer wichtiger, aber auch immer komplexer", sagt Erik Podzuweit, Mitgründer und Geschäftsführer von Scalable Capital. "Dabei sind die Kosten ein enorm wichtiger Aspekt. Selbst minimale Kostenunterschiede entscheiden maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg eines langfristigen Vermögensaufbaus."

Auch für Matthias Hübner sind die Vorteile der Robos hinsichtlich der Gebühren und Kostenstruktur nicht von der Hand zu weisen. "Unsere Untersuchung zeigt aber auch, dass die Robo-Advice-Angebote in Deutschland etwa im Vergleich zu den USA noch relativ teuer sind. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der deutsche Markt noch nicht so weit entwickelt ist", erklärt Hübner. "Auf Dauer werden sich die heutigen Gebühren-Levels bei den Robo-Advisor wohl nicht verteidigen lassen."

Verwaltungsgebühren von unter einem Prozent

Die meisten Robos in Deutschland bieten ihren Beratungsservice bereits für weniger als ein Prozent an. Vermögensverwaltung, Konto- und Depotführung inklusive. Einzige Ausnahme: Easyfolio. Wer den Anbieter von ETF-Dachfonds nutzen will, braucht entweder einen eigenen Broker oder zahlt bei der Partnerbank Ebase eine Depotführungsgebühr von zwölf bis 36 Euro im Jahr - je nach Position. Bei allen Robos schlagen zusätzlich noch Fondskosten mit durchschnittlich 0,3 Prozent zu Buche. Eventuell anfallende Transaktionskosten werden extra ausgewiesen.

Manche Anbieter staffeln ihre Servicegebühr nach Anlagebetrag: Je höher das Volumen, desto niedriger die Kosten. Andere Anbieter wiederum verlangen eine konstante Gebühr, unabhängig vom Anlagevolumen. Die aktuellen Konditionen finden Sie in der unten angefügten Tabelle.

Robos versprechen attraktive Performance

Das Renditeversprechen der Roboter-Berater bewegt sich zwischen drei und acht Prozent im Jahr - je nach Risikobereitschaft. Zwar sind Prognosen kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allerdings liefert die Realität genügend Beispiele, dass passive Indexfonds - in welche die Robos hauptsächlich investieren - oft besser abschneiden als aktiv gemanagte Fonds. Eine Auswertung des US-Indexanbieters S&P Dow Jones Indizes zeigt: Über die vergangenen 15 Jahre hinweg haben mehr als 90 Prozent aller aktiv gemanagten Aktienfonds, die in große US-Unternehmen investieren, ihren entsprechenden Vergleichsindex - den S&P 500 - nicht schlagen können.

Im vergangenen Jahr lag die Fehlerquote immerhin nur bei 66 Prozent. Ginmon-Gründer & CEO Lars Reiner gibt außerdem zu bedenken, dass private Investoren meist deutlich gegenüber dem Markt verlieren. So habe der durchschnittliche Anleger in den vergangenen 20 Jahren rund 2,5 Prozent Rendite jährlich erzielt. Ein global gestreutes Aktienportfolio schaffte im gleichen Zeitraum 6,8 Prozent.

"Der Unterschied von etwa vier Prozentpunkten pro Jahr ist bedeutsam, denn man darf die Zinseszinseffekte nicht außer Acht lassen", erklärt Reiner. Der Hauptgrund für das schlechtere Abschneiden des Menschen sei, dass dieser seine Emotionen nicht vollständig ausblenden könne. Hier hätten die Roboter-Berater den entscheidenden Vorteil, so der Ginmon-Chef. Denn die Maschinen treffen ihre Investmententscheidung völlig emotionslos.

Biallo-Lesetipp

Negativzinsen und steigende Inflation – ein gefährlicher Mix, der fleißige Sparer de facto teilenteignet. Kein Wunder, dass die Angst vor Altersarmut um sich greift. Ein Umdenken ist erforderlich. Mehr dazu lesen Sie hier: "Nullzinsen und steigende Inflation sorgen für Anlagenotstand"

Nachteile

Auch Robo Advisor nicht vor Pleite geschützt

Dass ein Robo-Advisor nicht vor einer Insolvenz geschützt ist, zeigt das Beispiel Cashboard. Das ehemalige Vorzeige-Startup musste im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Ein Schock für die Kunden. Doch die Berliner beruhigten ihre Kunden in einer E-Mail: "Kontoguthaben und Anlagen sind von der Geschäftsaufgabe nicht betroffen." Denn die Konten und Depots werden bei Ebase getrennt vom Cashboard-Vermögen geführt und unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung. Zudem gelten Fonds und ETFs als Sondervermögen und zählen nicht zur Insolvenzmasse.

Der von Cashboard versprochene Kapitalschutz und die Zinsgarantie von zwei Prozent gelten mit der Insolvenz allerdings nicht mehr. Heißt, wer mit seinem Portfolio unter der Mindestrendite liegt, hat Pech gehabt.

Auch ein ETF selbst kann pleitegehen, oder besser gesagt der Fondsanbieter. Doch auch hier sind Anleger durch das Sondervermögen geschützt. Vorsicht gilt bei sogenannten synthetisch replizierenden ETFs. Diese bilden den jeweiligen Index nicht nur mit Aktien nach, sondern zum Teil auch mit Tauschgeschäften, sogenannten Swaps. Hier besteht das Risiko, dass der Kontrahent seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. In diesem Fall drohen hohe Kursverluste.

Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Viele Unternehmen sind noch sehr jung am Markt und können keine Belege für einen sogenannten Track-Record liefern - also eine erfolgreiche Performance über Jahre hinweg. Der eigentliche "Stresstest" steht für die Robo-Advisor noch aus. Nämlich dann, wenn die weltweiten Aktienmärkte auf Tauchstation gehen. Die entscheidende, noch ungeklärte Frage: Können Maschinen wirklich bessere Anlageergebnisse liefern als der Mensch?

"Ich will da jetzt gar nicht spekulieren, wer beim nächsten Abschwung an den Märkten oder im schlimmsten Fall sogar beim nächsten Crash das Vermögen der Anleger besser erhält - ob das den menschlichen Portfoliomanagern gelingt oder den Robos", meint Matthias Hübner. "Aber das wird dann schon noch mal ein wichtiger Testlauf werden, ob die Robo-Advisor ihr Wertversprechen einhalten und auch in fallenden Märkten liefern können." Das Fehlen einer individuellen persönlichen Beratung birgt ebenfalls Risiken. "Bei Angeboten, die es Anlegern ermöglichen, angeblich besonders erfolgreiche Tradingstrategien zu kopieren, sollten Interessierte vorsichtig sein", warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die wichtigsten Informationen und Zahlen zu allen Robo Advisorn

Anbieter

Mindestanlage + Monatl. Sparplan

Servicegebühr

Durchschn. Fonds-Kosten

Investmentvehikel 

Robin

5.000,00 € + Nicht möglich

Für die ersten 25.000 EUR liegt die jährliche Vergütung bei 1,0%. Für Anlagevolumina zwischen 25.000 EUR und 50.000 EUR werden 0,9% p.a., ab 50.000 EUR 0,8% p.a. Vergütung fällig.

0,25% p.a.

ETFs

Fintego

2.500,00 € + 50,00 €

Unter 10.000 Euro = 0,95% p.a. / Ab 10.000 Euro = 0,75% p.a / Ab 50.000 Euro 0,45% p.a.

0,15 - 03%

Anlagestrategien setzen sich aus ETFs zusammen, die Anleihen-, Aktien- oder Rohstoff-Indizes abbilden

MeinInvest

500,00 € + 25,00 €

Jährliche Gebühr von 0,72 % auf den Vermögenswert an.

k. A.

Geldanlage besteht aus einem Portfolio, das sich aus verschiedenen aktiv gemanagten Investmentfonds der Anlageklassen Aktien, Anleihen und Rohstoffe zusammensetzen kann.

Bevestor

1.000,00 € + 25,00 €

Relax: 0,9 % jährliche Gebühr auf den durchschn. Depotbestand zzgl. Fremdkosten, Select Anlageschutz deaktiviert 0,8%, Anlageschutz aktiviert 1,0% jährliche Gebühr durchschn. Depotbestand zzgl. Fremdkosten

Deka-Relax 30: 1,29 % Deka-Relax 50: 1,26 % Deka-Relax 70: 1,23 % Select Portfolio 1: 0,63 % Select Portfolio 2: 0,64 % Select Portfolio 3: 0,64 % Select Portfolio 4: 0,58 % Select Portfolio 5: 0,38 %

Relax-Portfolios bestehend aus Aktien, Anleihen und Mischfonds oder Select Musterportfolios mit unterschiedlicher Risikoausprägung, bestehend aus ETFs und aktiven Fonds

 Investify

5.000,00 € + 100,00€ bei 1.000,00 € Einmalbeitrag

1% p.a.

basisanlage 0,25 %

ETFs, Kunde hat zusätzliche Wahl z.Bsp: "Ethisches Investieren", "Robotik" oder "Zugpferde der deutschen Wirtschaft" für persönliche Anlagestrategie

 Scalable Capital

10.000,00 € + 50,00 €

Die All in Gebühr beträgt 0.75% p.a. Hinzu kommen 0.25% für an Produktkosten für die ETFs, inklusive Geld-Brief-Spanne

0,17 % p.a. (Sind aber in den ETF Kosten von 0,25 % enthalten. Die Differenz von 0.08 % ist die Geld-Brief-Spanne, die generell für Marktteilnehmer bei Transaktionen entsteht.)

ETFs

 Cominvest

3.000,00 € + 00,00 €

0,95 % p.a.

0,20% - 0,30%

ETFs, ETCs und aktiv gemanagte Fonds

Quirion

10.000,00 € + 100,00 €

die ersten 10.000 Euro sind kostenlos, danacvh beträgt die Gebühr im Basispaket jährlich 0,48 % des zusätzlichen Anlagevolumens.

0,25%

ETFs, Indexfonds

Wüstenrot

2.500,00 € + 50,00 €

unter 10.000 EUR = 0,95% p.a., ab 10.000 EUR = 0,75 % p.a., ab 50.000 EUR = 0,45% p.a.

0,2

ETFs

 Visualvest

500,00 € + 25,00 €

monatliche Servicegebühr in Höhe von 0,05 % des Depotvermögen, entspricht 0,6 Prozent p.a.

Fremdkosten werden berechnet: Vestfolios 0,27 % bis 0,54% Greenfolios 1,16% bis 1,79% p.a.

ETFs und aktive Fonds

Solidvest

25.000,00 € + ab einem Grundinvestment von 25.000,00 € möglich. 

25.000 bis 99.999 EUR = Solidvest 0,9%p.a. & Baader Bank 05% p.a., ab 100.000 EUR Solidvest 0,8% p.a. & Baader Bank 0,3% p.a., Unabhängig von der Höhe der Anlage erhält Solidvest vom Kunden jährlich eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 10%

k.A.

Einzelaktien und -anleihen

Warburg Navigator

20.000,00 € + Nicht möglich

All-in-Fee von 1,2 % p.a.

0,40%

ETFs und aktive Fonds

 Liqid

100.000,00 € + Nicht möglich

0,50% 50.000 - 249.999 EUR, 0,45% 250.000 - 499.000EUR, 0,40 % 500.000 - 999.999 Eur, 0,35 % 1.000.000 - 2.999.999 EUR, 0,25% 3 mio - 5 Mio Eur

0,25%

ETFs, ETCs und aktive Fonds

 Truevest

10.000,00 € + 200,00 €

1,49 %: Wachstum Trend 200, 1,49 % Dynamik Trend, 1,49 ETF Trend, 1,73 % VIP Trend200

k.A.

ETFs, aktive Fonds,ETCs,Liquidität

Prospery

keine Mindestanlage + 1,00 €

Für einen Anlagebetrag unter 400.000 Euro fallen 0,69% an

0,34 - 0,93%

aktive Fonds ETFs

 Sutor Privatbank

5.000,00 € + 100,00 €

1% Konservativ, 1,5 Ausgewogen, 1,65% Dynamis, Dynamisch+ ab 9,90 Euro

0,36 - 0,52

ETFs und Anlageklassenfonds (Anleihen und Aktien)

Growney

gibt es nicht + 1,00 €

0,99% (unter 10.000 Euro)
0,69% (unter 50.000 Euro)
0,39% (ab 50.000 Euro)

0,28%

ETFs

Easyfolio

Keine Mindestanlage + 10,00 €

Vermögensverwaltung p.a. 0,66 %

0,28 % - 0,32 %

ETFs

Whitebox

5.000,00 € + 5,00 €

0,95 % bis 29.999 €
0,85 % 30.000 € - 49.999 €
0,75 % 50.000 € - 99.999 €
0,60 % 100.000 € - 249.999 €
0,45 % 250.000 € - 499.999 €
0,35 % ab 500.000 €

0,20%

ETFs

Baloise Monviso

400,00 € + min 50,00 € max. 500,00€

0,89%

k.A.

ETFs und aktive Investmentfonds

Vaamo Keine Mindestanlage + 10,00€ Bis 100.000 € 0,79% /  ab 100.000€ 0,49% / ab 200.000€ individuelles Angebot durchschnittlich 0,29% ETFs
Ginmon 1.000,00€ + 50,00€ 0,39% zwischen 0,31% und 0,41% ETFs und Aktienfonds
Fundamental Capital 50.000,00€ + nicht möglich 1% Verwaltungspauschale (+0,1% pro Transaktion max. aber 5,00€) + 12% Erfolgsgebühr (wenn am Ende des Quartals echte Gewinne entstanden sind) k.A. Aktien (ETF und Geld)

Hinweis: Sollten Sie in dieser Übersicht eine Robo Advisor vermissen, dann lassen Sie uns das bitte wissen. Gerne können Sie uns dazu eine E-Mail schreiben.

Sie wollen wissen wie viel Rendite die Robo Advisor bisher generiert haben? Dann lesen Sie unseren Ratgeber: Robo Advisor im Performance Vergleich

 

Wichtige Fragen und Antworten zum Thema Robo Advisor

Können auch ausländische Robo Advisor genutzt werden?

Wer Empfehlungen eines Robo-Advisors für Geldanlagen im Ausland nutzen möchte, kann das jederzeit und weltweit tun. Der Wohnsitz ist in der Regel nicht ausschlaggebend.

Was ist bei ausländischen Robo Advisorn zu beachten?

Wichtig ist, dass der Anleger seine Auslandsdepots vor dem Fiskus nicht versteckt. Die daraus erzielten Kapitalerträge müssen in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Nach den Offenlegungen von Paradise Papers & Co. prüfen und hinterfragen hier die Finanzämter sehr genau. Wer seinem Robo-Advisor folgt und z. B. Geld in den USA oder der Schweiz anlegt, muss mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand und obendrein mit weiteren Steuerabgaben rechnen. Bis zu 35 Prozent Quellensteuer können in diesen beiden Ländern für den deutschen Anleger fällig werden, wobei ein Teil davon rückerstattungsfähig ist.

Tipp: Nehmen Sie Empfehlungen für Geldanlagen im Ausland immer näher unter die Lupe. Unterschiedlichste Anlagemöglichkeiten, ob in ETFs oder Aktien, sind in Deutschland verfügbar und mit der gesetzlichen Einlagensicherung zudem sehr sicher. Warum also in die Ferne schweifen?

Wer haftet bei Robo Advisorn bei einer "falschen" Beratung?

Brisant wird es, wenn Robo-Advisor dem Anleger "fehlerhafte" Empfehlungen ausgeben. Grundsätzlich trennt die Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) Robo-Advisor in automatisierte Finanzportfolioverwalter nach Paragraf 32 Absatz 1 KWG (Kreditwesengesetz) und in Finanzanlagevermittler, die nach Paragraf 34f GewO Vermögensanlagen über eine Internet-Dienstleistungsplattform vertreiben. Ergeben sich demnach für den Anleger Unterschiede bei zum Beispiel rechtlichen Haftungsvorschriften? "Zivilrechtlich gesehen gibt es aus Sicht des Anlegerschutzes und somit des möglichen Schadensersatzes bei Pflichtverletzungen keine Abweichungen des Schutzniveaus. Im Kern und gemäß den entsprechenden Pflichten bei der Verwaltung, Vermittlung, Beratung oder Aufklärung von Finanzprodukten gibt es weder für den Finanzportfolioverwalter noch für den Finanzanlagenvermittler irgendwelche Unterschiede", so Bernd Jochem, renommierter Spezialist für komplexe Fälle des Bank- und Kapitalanlagerechts der Kanzlei Rotter in München.

Allerdings bewegen sich beide Formen der Anbieter auf gefährlichem Eis, wenn eine Geeignetheitserklärung an den Kunden nicht ausgehändigt wird. "Man muss ja beachten, dass man sich hier in einem aufsichtsrechtlichen Bereich befindet. Jedoch ist es kein Automatismus, wenn ich aufsichtsrechtlich gegen etwas verstoße, dass man dann als Anleger zivilrechtlich gesehen Chancen auf Schadensersatz hat", gibt Jochem zu bedenken. Aber natürlich steht immer der Anleger und Schutz seiner Kapitalanlage im Fokus. "Wir sprechen hier von der ´anlegergerechten Beratung´. Das heißt, dass die Empfehlung, die ich als Anlageberater ausspreche, auf den Kunden zugeschnitten und geeignet sein muss – im Hinblick auf seine Anlageziele, sein Wissen, und seine Erfahrung. Das hat schon lange Bestand, genau genommen seit dem BGH-Urteil 1993 zur anlegergerechten Beratungspflicht von Banken", relativiert Bernd Jochem.

Deshalb rät die Kanzlei Fieldfisher Unternehmen im digitalen Finanzbereich generell davon ab, die "Flucht ins beratungsfreie Geschäft" anzutreten, sondern die aufsichtsrechtlichen Hürden zu nehmen, um den Kunden qualifizierte Finanzdienstleistungen ohne gesteigertes Haftungsrisiko anbieten zu können.

Dennoch halten sich Robo-Advisor eher bedeckt. Zumal ja eine Haftung entfällt, da die Anlageberatung bei vielen Portalen in den AGB ausgeschlossen ist. Jedoch verneint dieser Hinweis auf der Website eine Anlageberatung nicht. "Schließlich muss der Interessent über die Eingabemaske des Robos individuelle Angaben zu seinem Profil und Anlageverhalten preisgeben", gibt Thilo Danz von Fieldfisher zu bedenken. Auch die Bafin sieht hierin klar eine Anlageberatung und daher ist unser Fazit: Das letzte Wort hat im Einzelfall, ob es sich um eine Anlageberatung handelt oder nicht, immer der Bundesgerichtshof.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de