Gian Hessami
Autor
 

 
Auf einen Blick
  • Die sogenannten Schwellenländer, auch Emerging Markets genannt, versprechen langfristig hohes Wachstum.

  • Die Gruppe der wirtschaftlich aufstrebenden Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) erweitert im kommenden Jahr ihren Mitgliederkreis. Dies könnte weitere Schwellenländer in den Investmentfokus rücken.

  • Anleger können mit regionenspezifischen Emerging Markets Fonds und ETFs an den Wachstumschancen der Schwellenländer partizipieren.
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Bei der Geldanlage gibt es ein eisernes Gesetz: Anleger sollten ihr Kapital auf verschiedene Vermögenswerte verteilen. Wer sein Risiko reduzieren möchte, ist also gut beraten, in verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen zu investieren. Damit setzen Investoren nicht alles "auf eine Karte".

Beispiel Anlageklassen: Sollte zum Beispiel der Aktienmarkt einbrechen, können Anleihen oder Immobilien das Depot stabilisieren, da diese sich nicht im Gleichklang mit Aktien entwickeln. Dadurch können die Verluste des Aktienmarktes reduziert oder sogar kompensiert werden.

 

Schwellenländer als Diversifizierung

Auch innerhalb einer Anlageklasse wie Aktien liegt es nahe, sein Risiko auf verschiedene Werte, Branchen und Regionen zu verteilen. So fokussieren sich hierzulande viele Anleger häufig auf dem heimischen Markt wie den Dax, der die 40 wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen enthält – dies führt zu Klumpenrisiken. 

Auch gibt es Anleger, die hauptsächlich etablierte entwickelte Märkte wie die USA, Europa und Japan im Visier haben. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber auch hier gilt das Diversifikationsprinzip: Investments auf mehrere Schultern verteilen. Neben den Industrieländern sollten Anleger auch weniger entwickelte Regionen auf dem Radar haben. Ein Musterbeispiel dafür sind die Schwellenländer, im Fachjargon "Emerging Markets" genannt, zu Deutsch: "Aufstrebende Märkte". Damit sind Regionen gemeint, die industriell noch nicht so weit fortgeschritten sind wie die etablierten Märkte. Gleichzeitig holen sie den "Rückstand" in vergleichsweise schnellem Tempo auf.

In Asien gehören zum Beispiel Staaten wie China, Indien, Indonesien, Südkorea, Taiwan und Thailand dazu. In Afrika und Vorderasien sind es Ägypten, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. In Lateinamerika werden oft Brasilien und Mexiko genannt. Aber auch osteuropäische Länder wie Polen, Russland, Tschechien und Ungarn zählen zur Kategorie der Emerging Markets.

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Der Boom der BRIC-Staaten: Brasilien, Russland, Indien und China

Für großes Aufsehen sorgte Ende 2003 eine Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs, die genau vier Länder als Anlageziel in den Vordergrund hoben: Brasilien, Russland, Indien und China. Aus den Anfangsbuchstaben wurde ein Akronym erschaffen, dass mehrere Jahre für einen regelrechten Investmenthype sorgte: BRIC. Die Idee dahinter: Die Volkswirtschaften dieser Länder haben unterschiedliche Stärken wie etwa wichtige Rohstoffe (Brasilien), riesige Energievorkommen (Russland), informationstechnische Dienstleitungen (Indien) und industrielle Fertigung zu niedrigen Löhnen (China).

Die Goldman-Sachs-Ökonomen sorgten bei Anlegern für große Aufmerksamkeit mit der These, dass es den BRIC-Staaten gelingen könnte, 2041 zusammen ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu erreichen, das höher ist als das summierte BIP in den USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien (G7 ohne Kanada). Die Analysten der damaligen Allianz-Investmenttochter DIT sahen es Ende 2005 als "realistisch", dass die BRIC-Wirtschaftskraft spätestens 2050 mit den G7 mithalten könne.

Damals wie heute machen die vier Länder rund 40 Prozent der Weltbevölkerung von derzeit 8,045 Milliarden Menschen aus. Laut Schätzungen des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hat Indien in diesem Jahr China als bevölkerungsreichstes Land abgelöst. Demnach kommt Indien zur Jahresmitte auf 1,4286 Milliarden Menschen, während es in China geschätzt 1,4257 Milliarden sind. Dahinter folgen Brasilien mit rund 216 Millionen und Russland mit 144 Millionen Menschen. 

Die These der Goldman-Studie: Durch die hohe Anzahl der dort lebenden und arbeitenden Menschen haben die Länder die Möglichkeit, den Rückstand ihrer Wirtschaftskraft im Zuge der Industrialisierung und des wachsenden Wohlstands gegenüber den entwickelten Ländern schnell wettzumachen.

 

BRIC, BRICS und BRICS plus

Ende 2010 erhielt neben Brasilien, Russland, Indien und China außerdem noch Südafrika eine Einladung, um erstmals bei den jährlichen BRIC-Treffen teilzunehmen. Seit diesem Treffen im Frühjahr 2011 nennt sich die Gruppierung BRICS. Die fünf aufstrebenden Volkswirtschaften sehen sich als Gegenpol zu den westlichen Industrieländern. In mehr als 30 Abkommen und Absichtserklärungen haben die BRICS-Partner die rechtlichen Grundlagen für ihre Zusammenarbeit in mehreren Bereichen wie dem Finanz- und Bankensektor, bei Zöllen, in Wissenschaft und Technologie oder der Wettbewerbspolitik geregelt. Auch eine neue goldgedeckte Gemeinschaftswährung ist offenbar im Gespräch, die den US-Dollar als Weltleitwährung ablösen soll. 

Bei ihrem jüngsten Treffen in Südafrika im August 2023 verständigten sich die Länder darauf, ab dem 1. Januar 2024 neue Mitglieder aufzunehmen. Ab diesem Tag werden dem Bündnis ebenfalls Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Argentinien, Ägypten und Äthiopien angehören. Die Erweiterung, auf die vor allem China drängte, soll dem Block mehr globales Gewicht verleihen. Die Gruppe will sich dann "BRICS plus" nennen. Dutzende weitere Staaten haben zudem zuletzt ihr Interesse bekundet, dem Bündnis künftig beizutreten.

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Entwicklung der Schwellenländer nicht vom globalen Markt abgekoppelt

Das Prinzip der damaligen BRIC-Investmentanalyse von Goldman Sachs gilt auch heute noch für das neue Bündnis: Die im Vergleich zu den Industrieländern hohen Wirtschaftswachstumsraten einiger Schwellenländer bieten eine Grundlage für dort überdurchschnittlich steigende Aktienmärkte. So begünstigt die steigende Rohstoffknappheit ressourcenreiche Schwellenländer. Investmentexperten glauben, dass die Emerging Markets künftig stärker wachsen als die Industrieländer, was sich ihrer Ansicht nach auch an den Börsen widerspiegeln müsse. Zugleich ist klar, dass nicht jedes Schwellenland der BRICS-Gruppe ein aussichtsreicher Kandidat für wirtschaftliches Wachstum ist. Bestes Beispiel ist das alte Mitglied Russland, das mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine Investoren eher abschrecken als anlocken dürfte.

Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass Schwellenländer selbst mit formidablen Wachstumsperspektiven an den Märkten unter die Räder geraten können. So kehrte nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 an den Emerging Markets schnell Ernüchterung ein. Denn auch sie blieben von der schweren globalen Finanzkrise nicht verschont. Anleger verloren mit BRIC-Investments in den Jahren unmittelbar nach dem Ausbruch der Finanzkrise viel Geld. Im vergangenen Jahr schließlich drückte der starke US-Dollar auf die Stimmung, da viele Schwellenländer in US-Dollar verschuldet sind.

Gleichwohl ist es nach wie vor sinnvoll, die Emerging Markets im Blick zu haben, um das Portfolio zu diversifizieren. Noch immer locken verschiedene Regionen mit großen Wachstumsaussichten. Zugleich ist klar, dass die Schwellenländer keine Garantien für erfolgreiche Investments bieten. Eine Strategie könnte es beispielsweise sein, den größeren Teil der Aktienpositionen auf die entwickelten Regionen der Welt zu setzen und einen kleinen Teil auf die Emerging Markets zu verteilen.

 

Mit ETFs an Emerging Markets partizipieren

Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs) bieten interessante Möglichkeiten, auf die Märkte der Schwellenländer zu setzen – ohne sich ausführlich und ständig mit einzelnen Ländern der Emerging Markets beschäftigen zu müssen. ETFs bilden die Performance von ganzen Märkten ab. Beispielsweise kann ein ETF die Entwicklung des Leitindex eines Landes nachbilden. Der große Vorteil von ETFs ist, dass Fondsmanager bei ihnen keine aktive Vermögensverwaltung betreiben müssen. Sie kaufen und verkaufen also nicht ständig Aktien, um ihre Fondsstrategie zu verfolgen. Dadurch zahlen Anleger bei Indexfonds deutlich weniger Gebühren als bei klassischen Investmentfonds.

Wegen der hohen Risiken bei Schwellenländer-Titeln empfiehlt sich eine möglichst breite Streuung. Ein Indexfonds-Klassiker ist der MSCI Emerging Markets. Der Index bildet aktuell die Wertentwicklung von mehr als 1.400 Unternehmen aus 24 Schwellenländern ab. Das enspricht rund 85 Prozent des investierbaren Kapitals eines jeden Mitgliedslandes. Im Jahr 2021 mussten Pakistan und Argentinien den Index verlassen, weil beide Länder bestimmte Aufnahmekritierien nicht mehr erfüllten. Im Frühjahr 2022 flog Russland aus dem MSCI Emerging Marktes Index, weil russische Aktien infolge des Russland-Ukraine-Kriegs nicht mehr an den internationalen Börsen gehandelt werden konnten und deren Wert quasi auf null gesetzt wurde. Allerdings hatte Russland zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur noch einen geringen Anteil von knapp zwei Prozent am Schwellenländer-Index. 

Bei den globalen Aktienindizes MSCI All Country World (ACWI) und FTSE All-World sind die Schwellenländer bereits mit jeweils circa zehn Prozent gewichtet. Dabei deckt der MSCI ACWI mit knapp 3.000 Unternehmen rund 85 Prozent des global investierbaren Kapitals ab. Beim FTSE All-World sind es mit rund 4.200 Unternehmen sogar 90 bis 95 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung. 

Wer den Anteil der Schwellenländer im Portfolio höher gewichten will, für den ist eine Kombination aus einem MSCI World ETF und einem MSCI Emerging Markets ETF eine Option. Je nach Risikoneigung kann die Gewichtung zum Beispiel mit 20 bis 30 Prozent Emerging Markets und 70 bis 80 Prozent MSCI World angesetzt werden. Mit unseren Biallo-Musterportfolios können Sie ebenfalls an den Emerging Markets partizipieren. 

 

China ist Schwergewicht im MSCI Emerging Markets Index

Chinesische Aktien sind mit aktuell gut 30 Prozent am stärksten im MSCI Energing Markets vertreten. Danach folgen Taiwan mit rund 15 Prozent, Indien mit gut 14 Prozent und Südkorea mit mehr als zwölf Prozent. 

Zu den am stärksten enthaltenen Branchen zählen aktuell die Finanzwerte (knapp 22 Prozent), Informationstechnologie (gut 21 Prozent) und Nicht-Basiskonsumgüter (rund 14 Prozent).

Die drei größten Aktienpositionen bilden der taiwanesische Chiphersteller TSMC (6,26), der chinesische Tech-Gigant Tencent (4,00 Prozent) und der südkoreanische Elektronikriese Samsung (3,70 Prozent).

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Die besten Emerging Markets ETFs

Mit einem Investment in den MSCI EM Index über ETFs nehmen Anleger auch an den Dividenden der Unternehmen teil, egal ob ausschüttend oder thesaurierend. Im Folgenden stellen wir Ihnen drei Emerging Markets ETFs vor, die in den vergangenen drei Jahren die beste Performance erzielt haben. 

Wichtig: Die aufgeführten Wertpapiere dienen lediglich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines bestimmten Finanzinstruments dar!

Aktienfonds  ISIN Performance laufendes Jahr  Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre Performance 5 Jahre
 Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF  IE00BTJRMP35  3,82 %  -6,90 %  4,03 %  11,44 %
 SPDR MSCI Emerging Markets UCITS ETF  IE00B469F816  3,94 %  -5,37 %  4,24%  11,33 %
 iShares MSCI EM UCITS ETF  IE00B4L5YC18  3,91 %  -6,71 %  4,50 %  11,23 %

Quellen: eigene Recherche; Comdirect, fondsweb.com / Wertentwicklung (KAG-Kurs) laut fondsweb.com zum Stichtag 30. August 2023 in Euro / Angaben ohne Gewähr

 

Risiken der Emerging Markets

Bei all den Chancen, die die Schwellenänder bieten, sollten Anleger nicht die Risiken übersehen. Ein Unsicherheitsfaktor ist zum Beispiel das Währungsrisiko. Aktien, die in der Währung des jeweiligen Landes notieren, können gegenüber dem Euro sehr stark schwanken. Sollte zum Beispiel der chinesische Renminbi gegenüber dem Euro an Wert verlieren, kommt es für Anleger aus dem Euroraum zu Währungsverlusten.

Außerdem schwanken die Aktienkurse in den Emerging Markets häufig stärker als etwa bei Aktien aus den Industrieländern. Darüber hinaus können politische Unsicherheiten und mangelnde Rechtssicherheiten in den Schwellenländern zu erheblichen Problemen führen. Beispielsweise ist das Risiko einer Enteignung von Investoren durch die Verstaatlichung von Unternehmen in den Emerging Markets grundsätzlich höher als in den westlichen Industriestaaten.

Fazit

Aktien aus Schwellenländern bieten oft hohe Renditechancen. Zugleich sind diese Märkte oft schwankungsanfälliger (volatiler) als in den entwickelten Märkten. Anleger, die dies berücksichtigen und nicht alles auf eine Karte setzen möchten, können ihr Depot mit ETFs und klassischen Fonds beimischen, die sich auf die Schwellenländer beziehen und so ihr Portfolio diversifizieren.
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Über den Autor Gian Hessami

Gian Hessami ist freiberuflicher Finanzjournalist. Er schreibt unter anderem für „Börse Online“, „Euro am Sonntag“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)“ und das „Handelsblatt“ rund um das Thema Geldanlage. Dabei stehen die Perspektive des Anlegers sowie die Chancen und Risiken der Investments im Vordergrund. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004. Bei Investments fokussiert er sich auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Darüber hinaus hat er sich auf Derivate wie Zertifikate und Hebelprodukte, beispielsweise Optionsscheine und Knock-out-Papiere, spezialisiert.

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