Max Geißler
Autor
 

 
Auf einen Blick
  • Zahlreiche ETFs beziehungsweise die darin enthaltenen Wertpapiere werden nicht in Euro, sondern in Fremdwährungen wie US-Dollar gehandelt. Relevant ist dies vor allem für Anleger, die in renditestarke Werte an den US-Märkten oder in Asien investieren wollen.

  • Trotz Aussicht auf nachhaltig positive Kursentwicklungen schwingt für viele Investoren immer wieder die Sorge vor möglichen Währungsrisiken und damit einem Wertverlust ihrer Anlage im Hintergrund mit.

  • Weder die Fonds- noch die Handelswährung bestimmen den eigentlichen Wert des Investments. Ein Auge sollten potenzielle Anleger hingegen auf die Währung der abgebildeten Titel haben und auch den Kauf von währungsgesicherten ETFs in Betracht ziehen.
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Wer als Anleger in Deutschland seine ersten Schritte an der Börse macht, kauft in aller Regel zunächst deutsche Aktien beziehungsweise ETFs, welche deutsche Unternehmen beinhalten. Diese werden üblicherweise in Euro gehandelt. Man kauft, was man kennt. Das ist natürlich gut nachvollziehbar, aber auf lange Sicht keine besonders effektive Strategie, da sie gegen eine der elementaren Grundregeln für langfristig orientierte Investoren (Buy and Hold) verstößt. Nämlich das eigene Anlageportfolio möglichst breit zu diversifizieren.

 

Warum überhaupt Wertpapiere im Ausland kaufen?

Im Klartext: Wertpapiere aus verschiedenen Ländern und Branchen gehören ins Depot – allein schon, um sich vor einer negativen Entwicklung an einzelnen Märkten abzukoppeln und das individuelle Anlagerisiko zu senken.

Daneben gibt es natürlich noch einige weitere Gründe, das Ersparte nicht nur im Euro-Raum zu investieren. Zum einen wären da die durchaus beachtlichen Renditechancen. Man denke nur an Tech-Giganten wie Apple, Microsoft oder Alphabet (Google), deren Aktien im vergangenen Jahr überdurchschnittlich zulegten. Diese Aktien kann man auch an den gängigen Börsen hierzulande in Euro handeln, das nächste unbekannte Start-up im Silicon Valley jedoch ganz sicher (noch) nicht.

Wer zudem beim Thema ETFs auf eine Dividendenstrategie setzt, kommt im Prinzip auch nicht umher, auf der anderen Seite des Atlantiks zu investieren. Gerade viele US-Unternehmen gehören nämlich zum Dividendenadel: Die sogenannten Dividendenaristokraten verzeichnen über Jahrzehnte hinweg stabil steigende Dividendenrenditen und zahlen diese im Gegensatz zu deutschen Aktiengesellschaften nicht nur jährlich, sondern quartalsweise aus. Und gerade dies ist für viele Anleger sehr interessant – Stichwort passives Einkommen.

 

Aktienkurs und Währungsschwankung

Es ist zunächst wichtig zu verstehen, dass ein Börsenerfolg sich nicht primär an den Währungen von Aktien, sondern an den Aktien selbst bemisst. Der Fairness halber muss man natürlich auch hier noch erwähnen, dass Unternehmen durchaus über- oder unterbewertet sein können und selbst ein aktueller Kursverlauf recht wenig über den tatsächlichen Wert eines Unternehmens aussagt. Paradoxerweise machen sich viele Anleger jedoch mehr Sorgen um den fallenden Dollar als um die besagte Wertentwicklung des US-Unternehmens, in welches sie investieren.

Das verdeutlicht beispielsweise ein Blick auf das Papier des US-Tech-Giganten Microsoft: Zwar hat die Microsoft-Aktie im zurückliegenden Jahr in Euro gerechnet knapp fünf Prozent weniger zugelegt als in der Originalwährung US-Dollar (52,1 versus 56,8 Prozent). Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre haben Euro-Anleger allerdings einen Kurszuwachs von 1.157 Prozent mit der Microsoft-Aktie erzielt, während für US-Anleger im gleichen Zeitraum „nur“ 905 Prozent heraussprang (Dividendenzahlungen jeweils nicht berücksichtigt).

Grund für die unterschiedliche Performance: Der Euro hat in den vergangenen zehn Jahren um knapp 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Daher werden Anleger, die vor zehn Jahren bei Microsoft eingestiegen sind, beim Thema Währungsrisiko wohl nur mit den Schultern zucken.

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ETFs in USD oder Euro

Aber kommen wir nun zur Erklärung, warum die Fondswährung für Anleger ohnehin keine Rolle spielen sollte. Nehmen wir an, ein Anleger kauft einen ETF auf Unternehmen in der Eurozone zum Preis von 100 Euro, wobei die Fondswährung auf US-Dollar lautet. Der Wechselkurs liegt bei 0,90 Euro zu einem US-Dollar. Nun rechnet der in US-Dollar notierende Fonds den ETF-Kauf um. Im Depot des Anlegers liegt also der ETF-Gegenwert nicht bei 100 Euro, sondern 111,11 US-Dollar.

Anschließend weist die Depotbank des Anlegers den Betrag wieder in Euro aus, womit wir wieder bei den zuvor genannten 100 Euro Kaufpreis wären:

Fondswährung EUR Fondswährung USD
Beide ETFs halten europäische Aktien im Wert von 100 Euro pro Anteilsschein. Der Wechselkurs beträgt: 1,00 USD = 0,90 EUR.

Notiert der ETF in Euro, kostet: 1 ETF-Anteil = 100 EUR
Notiert der ETF in USD, kostet: 1 ETF-Anteil = 111,11 USD
(100 EUR werden fondsintern in USD umgerechnet: 100 geteilt durch 0,90 = 111,11)
Wert des ETF




----------------------
100 EUR
Wert des ETF
Depotbank des Anlegers rechnet die USD-Position wieder in EUR um:


(111,11 x 0,9)
-------------------------------
100 EUR

Fazit: Trotz unterschiedlicher Fondswährungen sind die Werte von ETF A und ETF B gleich groß, da beide in Aktien des gleichen Währungsraums investiert haben.

 

Bedeutung von USD bei ETFs

Die Frage lautet also nicht: "Wie viel US-Dollar bekomme ich beim aktuellen Wechselkurs für 100 Euro?" Sondern: "Wie viele Anteile bekomme ich für meine 100 Euro?" Stellt man die zweite Frage, wird schnell deutlich, warum das Währungsrisiko in diesem Fall eine zu vernachlässigende Größe ist. Da nämlich die zugrunde liegenden Titel, welche der ETF abbildet, alle in Euro notieren, trägt der Anleger auch kein Währungsrisiko. Deshalb ist es auch unbedeutend, ob der ETF im Namen nun den Zusatz "USD" oder "EUR" trägt, sprich ob die Fondswährung auf Euro oder US-Dollar lautet.  

Neben der Fondswährung spielt übrigens auch die Handelswährung – also die Währung, in der ein spezifischer ETF an einer bestimmten Börse gehandelt wird – nur eine untergeordnete Rolle für mögliche Wechselkursschwankungen. Auf der elektronischen Handelsplattform Xetra und an der Börse Stuttgart zum Beispiel werden alle ETFs in Euro gehandelt, auch wenn die Fondswährung auf US-Dollar lautet. 

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Währung der abgebildeten Titel ist entscheidend

Unabhängig von der Frage, in welcher Währung der Fonds selbst notiert oder gehandelt wird, sollten Sie ganz besonders die Währung der abgebildeten Titel im Auge behalten. Je breiter ein ETF-Portfolio diversifiziert ist, desto mehr Währungen werden abgebildet. Dadurch kann das Währungsrisiko besser in Schach gehalten werden, als wenn man nur in einem Fremdwährungsraum engagiert wäre.

Während beispielsweise bei einem ETF auf den S&P 500 ausschließlich der US-Dollar von Relevanz ist, können dies beim MSCI World Index schon über zehn verschiedene Währungen sein – unter anderem japanischer Yen, kanadischer Dollar und britisches Pfund. Allerdings ist der MSCI World immer noch stark vom US-Dollar abhängig, da US-Unternehmen im Index mit rund 70 Prozent gewichtet sind (Stand: 31. Dezember 2023).

Das bedeutet: Gewinnt der US-Dollar gegenüber dem Euro an Wert, erzielen Anleger aus dem Euroraum mit einem MSCI World ETF einen positiven Währungseffekt. Im umgekehrten Fall, wenn der US-Dollar gegenüber dem Euro abwertet, wirkt sich das renditemindernd aus.

So verbuchte der MSCI World Index in Euro gerechnet und inklusive Nettodividenden im Gesamtjahr 2023 einen Wertzuwachs von 19,6 Prozent. In der Originalwährung US-Dollar konnte der MSCI World Index (Net) dagegen um 23,6 Prozent zulegen. Grund: Der US-Dollar wertete 2023 um gut drei Prozent gegenüber dem Euro ab.

Im Jahr 2022 gab es einen positiven Währungseffekt: Ein starker US-Dollar federte die Verluste des MSCI World Index für Euro-Anleger ab. So verlor der Weltaktienindex inklusive Nettodividenden in der Originalwährung US-Dollar gut 18 Prozent an Wert, während das Minus in Euro gerechnet bei knapp 13 Prozent lag.

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ETFs mit Währungsabsicherung

Diverse international tätige Fondsgesellschaften – wie beispielsweise Amundi, iShares, Xtrackers oder Vanguard – bieten ihre ETFs auch in sogenannten "gehedgten" Varianten an, die das enthaltene Währungsrisiko ausgleichen sollen. Dabei werden Devisenschwankungen mittels Währungstermingeschäften minimiert. Entsprechende Fondsanteile haben häufig den Namenszusatz "Hedged".

Anleger sollten hier allerdings bedenken, dass es die Währungsabsicherung nicht kostenlos gibt. Die Gesamtkostenquote – Total Expense Ratio (TER), auch Ongoing Charges (OGC) genannt – wird in solchen Fällen üblicherweise marginal über den Preisen der nicht gehedgten ETF-Variante liegen. So weist etwa der "iShares MSCI World EUR Hedged UCITS ETF" (ISIN: IE00B441G979) laufende Kosten von 0,55 Prozent pro Jahr aus, während der klassische "iShares Core MSCI World UCITS ETF" (ISIN: IE00B4L5Y983) auf nur 0,20 Prozent pro Jahr kommt.

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Besonderheiten beim Hedging beachten

Experten weisen darauf hin, dass das Hedging nicht immer perfekt funktioniert, etwa wenn der Währungshedge monatlich angepasst wird und man nicht am Hedgetag selbst investiert. Zwar versuchen ETF-Anbieter das zu umgehen, indem sie das Währunghedging auf täglicher anstatt auf monatlicher Basis durchführen, aber das wiederum treibt die Kosten weiter in die Höhe.

Verbraucherschützer sehen die entstehenden Kosten durchaus kritisch, denn sie verringern die Renditechancen der ETFs. Sie favorisieren ETFs ohne Währungsabsicherung.

Biallo-Tipp: Eine weitere Möglichkeit, das Währungsrisiko zu mindern, besteht in einer größeren Diversifizierung des eigenen Depots. Anleger sollten nicht ihre gesamte Sparrate in einen Indexfonds stecken, der den US-Dollar lastigen MSCI World Index abbildet. Um eine Parität oder gar leichte Übergewichtung von Euro-Aktien zu erzielen, könnte man einen im Euro-Raum anlegenden ETF hinzufügen, etwa auf den Stoxx Europe 600.

 

Lohnen sich Währungsspekulationen?

Gewiefte Anleger könnten nun versuchen, gezielt in Aktien von Ländern und Regionen zu investieren, in denen sie sowohl Aktienkursgewinne als auch Währungsgewinne erwarten. "Vorausgesetzt, Anleger haben eine klare Vorstellung, wie sich die Wechselkurse entwickeln werden, kann es durchaus sinnvoll sein, auf entsprechende Fonds zu setzen", erklärt Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung bei der Investmentplattform Morgenfund.

Allerdings beinhalten Fremdwährungspositionen im Fonds immer ein zusätzliches Risiko, denn Wechselkursentwicklungen sind schwer vorherzusagen und Anleger können schnell daneben liegen. Insofern sind solche Spekulationen mit Vorsicht zu genießen.

 

Fazit

Es gibt keinen sachlichen Grund, einen interessanten ETF nur deshalb links liegen zu lassen, weil er in einer Fremdwährung abgerechnet wird. Orientieren Sie sich vielmehr an den wichtigen Faktoren. Der Fokus sollte neben einer positiven Wertentwicklung des Index vor allem auch auf individuelle Präferenzen ausgerichtet werden: In welchen Ländern und Branchen wollen Sie investieren? Erwarten Sie eine attraktive Dividendenrendite? Soll der ETF die Dividenden ausschütten oder lieber thesaurieren?  Behalten Sie zudem stets auch die Fondskosten im Auge und vergleichen diese mit alternativen Angeboten.

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Datenstand: 27.05.2024

In einem weiteren Artikel auf biallo.de erklären wir Ihnen, wie das sogenannte High Watermark-Prinzip funktioniert.

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Über den Autor Max Geißler
nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de. Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien). Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.
Co-Autoren:
  Björn König
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