Auf einen Blick
  • Im April und Mai schütten gut zwei Drittel der 30 Dax-Unternehmen ihre Dividenden aus.

  • Infolge der Coronakrise hat sich das Gesamtvolumen der Dividenden zwar weiter reduziert, die Ausschüttungsquote allerdings erhöht.

  • Dividendenjäger wittern bereits ihre Chancen. Dennoch sollten Anleger das Kursrisiko nicht außer Acht lassen.
Die Dividendenjäger wittern derzeit ihre Chancen.
Quelle: REDPIXEL.PL / Shutterstock.com

Die Dividendenhochsaison steht vor der Tür: Im April und Mai werden zahlreiche Unternehmen ihre Hauptversammlungen abhalten und ihren Aktionären eine Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr vorschlagen. Allerdings nagt die Coronakrise weiter an den Ausschüttungen.

Die DZ Bank geht zum Beispiel davon aus, dass die knapp 100 HDax-Unternehmen – also alle Unternehmen aus Dax, MDax und TecDax – in diesem Jahr rund 40 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten werden. Das ist ein Rückgang von drei Prozent zum Vorjahr, wo das Volumen bereits um 16 Prozent rückläufig war – und fast 20 Prozent weniger als im Rekordjahr 2018.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Zentralbank Finanzunternehmen empfohlen, keine Dividende auszuschütten. Diese Empfehlung gilt für dieses Jahr nicht mehr. Der Rückgang zum Vorjahr hat also in erster Linie mit den Gewinnrückgängen im Krisenjahr 2020 zu tun.

Allerdings sinken die Dividenden laut DZ Bank weniger stark als die Gewinne. Grund sei die höhere Ausschüttungsquote. "Während die deutschen Unternehmen im Durchschnitt der letzten 16 Jahre rund 43 Prozent der Gewinne ausgeschüttet haben, ist die Quote zuletzt auf fast 60 Prozent angestiegen", schreibt DZ Bank-Analyst Michael Bissinger in einer Studie von Anfang Februar.

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Eine sichere und interessante Alternative zu Wertpapierdividenden sind  Genossenschaftsanteile von  Genossenschaftsbanken. Diese bieten Jahr für Jahr attraktive Dividenden, besonders die  Genossenschaftsanteile der Volksbanken werfen hohe Renditen ab.

Bissinger geht auch davon aus, dass die Gewinne infolge einer starken Konjunkturerholung in den nächsten beiden Jahren wieder deutlich ansteigen werden: "Damit sind die Aussichten für steigende Dividenden in den nächsten Jahren gut." Der Ausblick auf die nächsten Jahre sei vielversprechend. "Das bisherige Rekordniveau von 2018 sollte in zwei Jahren wieder erreicht werden", so Bissinger weiter.

Dividendenrenditen niedriger als im Vorjahr 

Die Kursrallye der vergangenen Monate hat dafür gesorgt, dass die Dividendenrenditen trotz der höheren Ausschüttungsquoten im Moment niedriger ausfallen als noch vor einem Jahr, als die Kurse infolge des Börsencrashs deutlich am Boden lagen. Die derzeit höchste Dividendenrendite im deutschen Leitindex Dax bietet die Aktie von E.on. Der Energieversorger will seinen Aktionären auf der Hauptversammlung am 19. Mai eine Dividende in Höhe von 0,47 Euro (Vorjahr: 0,46 Euro) vorschlagen. Gemessen am Xetra-Schlusskurs vom 24. März liegt die Rendite aktuell bei 5,14 Prozent.

Siemens und Infineon haben Ihre Dividenden für das Geschäftsjahr 2020 bereits ausgeschüttet. Im Gegensatz zu E.on haben beide Konzerne ihre Ausschüttungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesenkt. Siemens von 3,90 Euro auf 3,50 Euro, Infineon von 0,27 auf 0,22 Euro. Legt man die Schlusskurse an den Tagen der Hauptversammlung (3. und 25. Februar) zugrunde, dann lagen die Renditen bei 2,57 beziehungsweise 0,62 Prozent. Die Vergleichswerte im Vorjahr betrugen 3,43 respektive 1,24 Prozent.

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Die höchsten Dividendenrenditen im Dax (Top Ten)

Unternehmen Erwartete Dividende 2021 (Vorjahr) Dividendenrendite* Hauptversammlung
E.on 0,47 € (0,46 €) 5,14 % 19.05.2021
BASF 3,30 € (3,30 €) 4,72 % 29.04.2021
Allianz 9,60 € (9,60 €) 4,52 % 05.05.2021
Munich Re 9,80 € (9,80 €) 3,75 % 28.04.2021
Bayer 2,00 € (2,80 €) 3,73 % 27.04.2021
Deutsche Telekom 0,60 € (0,60 €) 3,59 % 01.04.2021
Deutsche Post 1,35 € (1,15 €) 3,03 % 06.05.2021
Vonovia 1,69 € (1,57 €) 3,02 % 16.04.2021
HeidelbergCement 2,20 € (0,60 €) 2,95 % 06.05.2021
RWE 0,85 € (0,80 €) 2,61 % 28.04.2021

Quelle: eigene Recherche / Angaben ohne Gewähr.
*bezogen auf den Xetra-Schlusskurs vom 24. März 2021 


Die höchsten Dividendenrenditen im MDax (Top Ten)

Wer kurzfristig hohe Renditen abstauben will, sollte seinen Blick immer auch auf die sogenannten Nebenwerte richten. Beim MDax oder SDax winken traditionell höhere Rendite als beim großen Bruder Dax. Allerdings zeigen sich die Small- und Mid Caps auch schwankungsanfälliger als die Blue Chips – vor allem in unruhigen Börsenzeiten.

Unternehmen Erwartete Dividende 2021 (Vorjahr) Dividendenrendite* Hauptversammlung
Freenet 1,65 € (0,04 €) 8,22 % 18.06.2021
Telefonica Deutschland 0,18 € (0,17 €) 7,59 % 20.05.2021
Aareal Bank 1,50 € (0,00 €) 6,42 % 18.05.2021
Hochtief 3,93 € (5,80 €) 5,36 % 06.05.2021
Uniper 1,37 € (1,15 €) 4,40 % 19.05.2021
Evonik 1,15 € (1,15 €) 3,85 % 02.06.2021
Grand City Properties 0,82 € (0,82 €) 3,76 % 30.06.2021
Alstria Office REIT  0,53 € (0,53 €) 3,63 % 06.05.2021
TAG Immobilien 0,88 € (0,82 €) 3,56 % 11.05.2021
Aroundtown 0,22 € (0,14 €) 3,54 % 30.06.2021

Quelle: eigene Recherche.
*bezogen auf den Xetra-Schlusskurs vom 24. März 2021 


Die höchsten Dividendenrenditen im SDax (Top Ten)

Unternehmen Erwartete Dividende 2021 (Vorjahr) Dividendenrendite* Hauptversammlung
Takkt 1,10 € (0,00 €) 8,81 % 11.05.2021
Bilfinger  1,88 € (0,12 €) 6,12 % 15.04.2021
RTL Group 3,00 € (0,00 €) 5,88 % 28.04.2021
Hamborner REIT 0,47 € (0,46 €) 5,20 % 29.04.2021
DWS Group 1,81 € (1,67 €) 4,88 % 09.06.2021
DIC Asset 0,70 € (0,66 €) 4,63 % 24.03.2021
Talanx 1,50 € (1,50 €) 4,16 % 06.05.2021
Schaeffler Vz. 0,25 € (0,45 €) 3,51 % 23.04.2021
Wacker Neuson 0,60 € (0,00 €) 3,44 % 26.05.2021
Baywa 1,00 € (0,95 €) 2,84 % 11.05.2021

Quelle: eigene Recherche.
*bezogen auf den Xetra-Schlusskurs vom 24. März 2021 


Die höchsten Dividendenrenditen im TecDax

Im TecDax, dem deutschen Leitindex der Technologiewerte, finden sich auch Freenet, Telefonica Deutschland und die Deutsche Telekom unter den Spitzenreitern. Gewöhnlich fallen die Dividendenrenditen im TecDax allerdings etwas niedriger aus als im Dax, MDax und SDax, da hier auch viele Wachstumsunternehmen, die sogenannten Growth-Aktien vertreten sind. 

Die Siemens-Medizintechniktochter Siemens Healthineers hat ihre Dividende in Höhe von 0,80 Euro bereits ausgeschüttet (Vorjahr 0,80 Euro). Gemessen am Xetra-Schlusskurs am Tag der Hauptversammlung (12. Februar) lag die Rendite bei 1,94 Prozent.

Unternehmen Erwartete Dividende 2021 (Vorjahr) Dividendenrendite* Hauptversammlung
Freenet 1,65 € (0,04 €) 8,22 % 18.06.2021
Telefonica Deutschland 0,18 € (0,17 €) 7,59 % 20.05.2021
Deutsche Telekom 0,60 € (0,60 €) 3,59 % 01.04.2021
Software AG 0,76 € (0,76 €) 2,14 % 12.05.2021
Varta 2,50 € (0,00 €) 2,04 % 17.06.2021
SAP 1,85 € (1,58 €) 1,80 % 12.05.2021
Siltronic 2,00 € (3,00 €) 1,45 % 29.04.2021
Cancom  0,75 € (0,50 €) 1,45 % 29.06.2021
United Internet  0,50 € (0,50 €) 1,41 % 27.05.2021
New Work  2,59 € (2,59 €) 1,16 % 19.05.2021

Quelle: eigene Recherche.
*bezogen auf den Xetra-Schlusskurs vom 24. März 2021 

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Hohe Dividendenrenditen lohnen sich nicht immer

Anleger sollten allerdings nicht nur auf die Dividendenhöhe beziehungsweise Rendite achten. Denn Letztere ergibt sich immer aus der Dividende dividiert durch den aktuellen Kurs. Das bedeutet: Sinkt der Aktienkurs, steigt die Rendite – und umgekehrt. So kann es durchaus sein, dass eine Aktie nur deshalb eine hohe Dividendenrendite erzielt, weil der Aktienkurs zuvor deutlich gesunken ist.

Beispiel RWE: Die Aktie des Stromversorgers hat 2018 durch eine hohe Sonderausschüttung eine stattliche Dividendenrendite von 8,5 Prozent erzielt (aktuell: 2,61 Prozent). Wer allerdings Anfang 2008 bei Kursen um die 100 Euro eingestiegen ist, liegt trotz aller seither erzielten Dividendenzahlungen immer noch gut 40 Prozent im Minus. Zwar summieren sich die Dividendenzahlungen mit der diesjährigen Ausschüttung auf insgesamt rund 25 Euro je Aktie. Allerdings beträgt der Kursverlust seit Anfang 2008 trotz der jüngsten Erholung immer noch knapp 70 Prozent beziehungsweise fast 70 Euro.

Natürlich ist das Ganze nur eine Momentaufnahme und hängt immer auch vom durchschnittlichen Kaufkurs ab. Wer beispielsweise die Tiefs von RWE nach der Fukushima-Katastrophe 2011 oder im Corona-Crash vor einem Jahr genutzt hätte, um seinen Einstiegkurs zu verbilligen, hätte durch die höheren Dividendenrenditen und Kurssteigerungen mittlerweile seine Bilanz deutlich aufpoliert, wenn nicht sogar ins Plus gedreht.

Lesen Sie auch: Mit diesen Kennzahlen entschlüsseln Sie die Börse

Biallo-Tipp

Wenn Sie sich die Dividende eines börsennotierten Unternehmens noch für dieses Jahr sichern wollen, müssen Sie die Aktie spätestens am Tag der Hauptversammlung (HV) im Depot eingebucht haben. Am ersten Handelstag nach der HV wird die Aktie "ex-Dividende" gehandelt. Das bedeutet, die Ausschüttung ist bereits im ersten Kurs berücksichtigt. Es kann aber durchaus sein, dass das Papier trotz Dividendenabschlag im Plus notiert oder im ungünstigsten Fall noch deutlicher im Minus steht. Die eigentliche Dividendenzahlung erfolgt in der Regel am dritten Geschäftstag nach der HV. Die Ausschüttung bleibt auch dann in vollem Umfang erhalten, falls Sie die Aktie direkt im Anschluss wieder verkaufen.

Welche Dividenden-Kennzahlen noch wichtig sind

Mindestens genauso wichtig wie die Dividendenrendite sind Kontinuität und Wachstum bei den Ausschüttungen. Die sogenannten Dividendenaristokraten schaffen es über Jahrzehnte, ihre Dividende kontinuierlich anzuheben. Bislang gelang das nur einem einzigen Dax-Mitglied: dem Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius.

Der Konzern hat kürzlich die 28. Dividendenerhöhung in Folge angekündigt. Fresenius will seinen Aktionären auf der virtuellen Hauptversammlung am 21. Mai eine Dividende von 88 Cent vorschlagen (Vorjahr: 84 Cent). Das ist zwar "nur" eine Dividendenrendite von 2,42 Prozent. Allerdings hat sich der ausgeschüttete Betrag in den vergangenen knapp 30 Jahren von damals umgerechnet 0,02 Euro auf nunmehr 0,88 Euro mehr als vervierzigfacht, was im Schnitt einer jährlichen Steigerung von rund 14 Prozent entspricht.


Kontinuität zahlt sich langfristig aus

Eine exzellente Dividendenhistorie spiegelt sich meist auch langfristig im Aktienkurs wider. Denn kontinuierlich steigende Dividenden lassen auf stetiges Gewinnwachstum schließen, was von der Börse in der Regel honoriert wird. So konnte sich die Fresenius-Aktie von 2009 bis 2017 in der Spitze mehr als verachtfachen. Allerdings muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass das Papier auf Drei-Jahres-Sicht rund 30 Prozent im Minus steht.

Auch wenn Fresenius eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Leitindex ist, was die Dividendenpolitik angeht, gibt es dennoch einige Dax-Unternehmen, die eine ähnlich gute Performance bei der Ausschüttung vorweisen. Folgende Dax-Mitglieder haben ihre Dividende in den vergangenen 14 Jahren maximal einmal gesenkt, sonst immer angehoben oder stabil gehalten.

Dividendenaristokraten im Dax

Unternehmen Dividendenhistorie (2007-2020) Dividendenwachstum (2007-2020) Erwartete Dividende 2021 Hauptversammlung  Dividendenrendite*
Allianz Zehnmal erhöht, zweimal stabil, einmal gesenkt (2009) 3,80 auf 9,60 € 9,60 € 05.05.2021 4,52 %
BASF Elfmal erhöht, einmal stabil, einmal gesenkt (2010) 1,50 auf 3,20 € 3,30 € 29.04.2021 4,72 %
Bayer Zehnmal erhöht, dreimal stabil 1,00 auf 2,80 € 2,00 € 27.04.2021 3,73 %
Deutsche Post Achtmal erhöht, viermal stabil, einmal gesenkt (2009) 0,75 auf 1,15 € 1,35 € 06.05.2021 3,03 %
Fresenius Dreizehnmal erhöht 0,19 auf 0,84 € 0,88 € 21.05.2021 2,42 %
Henkel Zehnmal erhöht, dreimal stabil 0,50 auf 1,85 € 1,85 € 16.04.2021 1,97 %
Munich Re Zehnmal erhöht, dreimal stabil 4,50 auf 9,80 € 9,80 € 28.04.2021 3,75 %
SAP Zehnmal erhöht, zweimal stabil, einmal gesenkt (2013) 0,46 auf 1,58 € 1,85 € 12.05.2021 1,80 %
Siemens Neunmal erhöht, viermal stabil 1,45 auf 3,90 € 3,50 €** 03.02.2021 2,58 %

Quelle: eigene Recherche.
*bezogen auf den Xetra-Schlusskurs vom 24. März 2021
**Dividende 2021 bereits ausgeschüttet 

Dividendenfonds als Alternative

Natürlich sollten Anleger immer auch die langfristigen Wachstumsperspektiven eines börsennotierten Unternehmens im Blick haben. Zudem ist die Einzelanlage in Aktien risikoreicher als ein Investment in einen Aktienkorb. Deshalb ist eine breite Streuung beim langfristigen Vermögensaufbau unverzichtbar. Setzen Sie also nicht alles auf eine Karte, sondern legen Sie mehrere Titel in einen Korb.

Wenn Ihnen das Stock-Picking zu kompliziert oder zeitaufwendig ist, können Sie auch auf einen dividendenorientierten Aktienfonds setzen, wie etwa den DWS Top Dividende oder den KBC Equity Fund High Dividend. Letzterer ist thesaurierend. Das bedeutet, die Dividendenzahlungen werden nicht ausgeschüttet, sondern erneut angelegt. Dadurch kommt es zum Zinseszinseffekt.

Auch unter den börsengehandelten Indexfonds gibt es kostengünstige ETFs, die ausschließlich in globale Dividendentitel investieren, wie etwa der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats, der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yieldoder der iShares Stoxx Global Select Dividend. Allerdings sollten Anleger hier das Währungsrisiko beachten.

Mit einem ETF auf den Dax partizipieren Sie ebenfalls an den Dividendenzahlungen seiner Mitglieder. Denn der deutsche Leitindex wird als sogenannter Performanceindex berechnet. Das heißt, in die Berechnung fließen auch die Dividenden und deren Wiederanlage mit ein.

Im Unterschied dazu berücksichtigt der weniger bekannte Dax-Kursindex die Reinvestition der Dividenden nicht und notiert deshalb auch niedriger. Den sogenannten DivDax gibt es ebenfalls als Kurs- und Performanceindex. Er beinhaltet die 15 Dax-Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen. Der iShares DivDax ETF bildet den DivDax-Kursindex nahezu eins zu eins ab und schüttet die Dividenden aus.

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  Sebastian Schick
  Kevin Schwarzinger

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