Mit diesen Kennzahlen entschlüsseln Sie die Börse

Aktienmarkt Mit diesen Kennzahlen entschlüsseln Sie die Börse

von Andreas Jalsovec
13.11.2019
Auf einen Blick
  • Weil Zinsanlagen kaum Rendite versprechen, weichen Anleger verstärkt auf den Aktienmarkt aus.

  • Kennzahlen zu Unternehmen und Aktien helfen dabei, das richtige Investment zu finden.

  • Anleger sollten sich aber nie nur auf eine Kennzahl verlassen, sondern immer mehrere Indikatoren im Blick haben.
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Die beiden N-Wörter sind mittlerweile ein Graus für jeden Anleger: Null- und Negativzinsen bereiten all' jenen Kopfzerbrechen, die rentable Investitionsmöglichkeiten für ihr Geld suchen. Mit Zinsanlagen ist das derzeit alles andere als einfach. Viele weichen deshalb auf den Aktienmarkt aus. Dort winken höhere Renditen. Allerdings wird es bei nachlassender Konjunktur auch deutlich schwieriger, an der Börse jene Titel zu finden, die künftig Erfolg versprechen - und damit steigende Aktienkurse. Eine Hilfe können dabei die Kennzahlen sein, mit denen Unternehmen und deren Anteilsscheine an der Börse bewertet werden. Biallo.de stellt die wichtigsten vor.

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Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das KGV ist die bekannteste und vielleicht wichtigste Kennziffer, um den Wert einer Aktie einzuschätzen. Anleger sollten vor dem Kauf von Firmenanteilen stets einen Blick auf das KGV der Aktie werfen. Mit seiner Hilfe lässt sich einschätzen, ob die Aktie besonders günstig ist - oder eher überbewertet.

So wird das KGV berechnet

Das KGV erhält man, indem man den Kurs einer Aktie durch den Gewinn je Aktie teilt. Liegt der Aktienkurs also bei 50 Euro und der Gewinn pro Aktie bei vier Euro, dann beträgt das KGV 12,5. Für die Berechnung wird dabei in der Regel der erwartete Gewinn des Unternehmens herangezogen.

Das sagt das KGV aus

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt Auskunft darüber, mit welchem Vielfachen seines Gewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird. Ein Wert von 12,5 bedeutet, dass es 12,5 Jahre dauert, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat. Oder anders gesagt: Wie lange der Anleger warten müsste, bis er seinen Einsatz wieder zurückbekommt – unter der Annahme, dass der gesamte Gewinn jedesmal voll ausgeschüttet wird.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie bewertet. Keine Regel jedoch ohne Ausnahme: Ein vorteilhaftes Kurs-Gewinn-Verhältnis heißt nicht immer, dass eine Aktie auch ein Schnäppchen ist. So kann ein niedriger Aktienkurs - und damit auch ein niedriges KGV -darauf hinweisen, dass im Unternehmen etwas schiefläuft. Dann sollte man besser die Finger von der Aktie lassen. Umgekehrt können Unternehmen beim Gewinn durchaus tricksen. Hilfreich kann dann ein Blick in die Vergangenheit sein: War das Unternehmen konstant profitabel? Oder ist der hohe Gewinn nur ein Ausreißer?

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
S4A Pure Equity Germany
DE000A1W8960
7,88%
2.
MEAG Proinvest
DE0009754119
7,25%
3.
MB S Plus
LU0354946856
7,01%
Laufzeit: 5 Jahre

Kurs-Casflow-Verhältnis

Weil sich Gewinne vergleichsweise leicht schönen lassen, betrachten Aktienmarktexperten neben dem KGV oft das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). "Cashflow" bedeutet "Bargeldfluss". Der Begriff beschreibt die Zahlungsflüsse in einem Unternehmen. Damit ist das Geld gemeint, das in einem bestimmten Zeitraum in die Kasse eines Unternehmens fließt - minus der Mittel, die rausgehen. Ein positiver Cashflow zeigt an, wie liquide eine Firma ist. Ein Unternehmen kann mit dem Cashflow Kredite tilgen oder Investitionen tätigen.

So wird das KCV berechnet

Ähnlich wie das KGV erhält man das Kurs-Cashflow-Verhältnis, indem man den Aktienkurs durch den Cashflow der Aktie teilt. Das KCV kann man auch dann anwenden, wenn die Berechnung eines KGV keinen Sinn ergibt, etwa weil das Unternehmen Verlust gemacht hat. Den Cash-Flow kann man der Kapitalflussrechnung entnehmen. Diese ist Teil des Konzernabschlusses.

Das sagt das KCV aus

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis gibt an, mit welchem Faktor die Ertragskraft und die Investitionsfähigkeit eines Unternehmens an der Börse bewertet werden. Wie beim KGV gilt auch hier: Je niedriger das KCV, desto günstiger ist die Aktie. Eine Firma mit geringem Cashflow und damit hohem KCV kann langfristig Probleme bekommen, weil es ihr an flüssigen Mitteln fehlt. Umgekehrt können Unternehmen mit hohem Cashflow viel investieren und damit langfristig wachsen. Allerdings ist gerade bei jungen Unternehmen mit guten Wachstumschancen der Cashflow oft niedrig. Nicht immer ist daher ein hohes KCV gleichbedeutend mit einer Überbewertung der Aktie. Auch hier kann ein Blick in die Firmenhistorie helfen: Entwickelt sich das KCV langfristig positiv, ist das ein gutes Zeichen.

Kurs-Umsatz-Verhältnis

Bei jungen Unternehmen sind Gewinn und Cashflow oft gering oder sogar negativ. In solchen Fällen ist die Betrachtung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses (KUV) oft sinnvoller. Das gilt auch für Firmen, die stark von Konjunkturzyklen abhängig sind. Man sollte mit dem KUV daher auch nur Unternehmen derselben Branche vergleichen.

So wird das KUV berechnet

Das KUV kann man auf zwei Arten ermitteln. Zum einen so wie die beiden vorherigen Kennzahlen: Indem man den Aktienkurs durch den Umsatz pro Aktie teilt. Daneben lässt sich auch die gesamte Marktkapitalisierung - also die Zahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs - zum Umsatz des Unternehmens ins Verhältnis setzen. Bei einem Kurs von 50 Euro und einer Million Aktien liegt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens bei 50 Millionen Euro. Das ist der Börsenwert der Firma. Hat das Unternehmen einen Umsatz von 25 Millionen, führt das zu einem KUV von 2,0.

Das sagt das KUV aus

Auch beim KUV gilt: Je niedriger es ausfällt, desto preiswerter ist die Aktie. Weist etwa ein Unternehmen ein KUV von 2 auf und ein anderes ein KUV von 5, dann ist das erste besser bewertet. Der Wert des KUV macht dabei deutlich, wie hoch die Einnahmen des Unternehmens verglichen mit seinem Börsenwert sind. Hohe Umsätze deuten darauf hin, dass die Produkte oder Dienstleistungen der Firma gut nachgefragt werden. Allerdings sagt ein gutes KUV nichts über die Profitabilität oder die Liquidität des Unternehmens aus. Ist ein Markt etwa überhitzt, ist die Aussagekraft des KUV nur gering. Anleger sollten daher immer auch die anderen Kennzahlen im Blick behalten.

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Eine ergänzende Kennzahl für junge Wachstumsunternehmen ist dabei die sogenannte "Rule-of-40". Sie wird unter anderem von Wagniskapital-Gebern zur Einschätzung von Start-Ups verwendet. Dabei werden Wachstumsrate und die Rate des freien Cashflows zusammengezählt. Die Cashflow-Rate setzt den Cashflow in Bezug zum Umsatz. Liegt die Summe von Wachstums- und Cashflow-Rate über 40, gilt ein Unternehmen als attraktiv.

Ein Beispiel: Eine Firma, deren Umsatz mit 100 Prozent wächst, kann eine negative Cashflow-Rate von bis zu 60 Prozent verkraften. Das bedeutet, aus dem Unternehmen fließt mehr Geld hinaus als hinein. Hohe Umsätze rechtfertigen dieses Ungleichgewicht jedoch. Wächst der Umsatz dagegen nur noch mit 40 Prozent, sollte der Cashflow ausgeglichen sein. Das Unternehmen sollte also bei nachlassenden Umsätzen nach und nach seine Finanzkraft stärken.

Eigenkapitalrendite

Aktienanleger sollten stets darauf achten, wie ein Unternehmen mit seinem Eigenkapital wirtschaftet. Aktionäre sind schließlich Eigenkapitalgeber. Die entscheidende Kennzahl dafür ist die Eigenkapitalrendite .

So wird die Eigenkapitalrendite berechnet

Um die Rendite des Eigenkapitals zu ermitteln, teilt man den Gewinn des Unternehmens durch das in der Firma vorhandene Eigenkapital und multipliziert das Ganze mit 100. Das Verhältnis zeigt an, wie sich das eingesetzte Eigenkapital verzinst hat. Erwirtschaftet ein Unternehmen mit einem Eigenkapital von 30 Millionen Euro einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro, so beträgt die Eigenkapitalrendite vier Prozent [(1,2/30) x 100 %].

Das sagt die Eigenkapitalrendite aus

Anhand der Eigenkapitalrendite können die Eigner des Unternehmens erkennen, ob ihre Investition rentabel ist. Grundsätzlich ist es gut, wenn ein Unternehmen mit wenig Kapital viel Gewinn macht, die Eigenkapitalrendite also hoch ist. Dies zeigt, dass die Firma gut mit dem Geld der Kapitaleigner arbeitet. Zusammen mit anderen Kennzahlen kann die Eigenkapitalrendite auch Hinweise auf die weitere Unternehmensentwicklung geben. Eine niedrige Rendite kann auf überbewertete Aktiva in der Bilanz hinweisen. Dies kann in der Zukunft Wertberichtigungen nach sich ziehen. Oder die geringe Rendite deutet auf unrentabel gebundenes Kapital hin. Dies können etwa hohe Vorratsbeständen sein oder Anlagevermögen, das im Betrieb nicht mehr produktiv eingesetzt wird.

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Neben der Eigenkapitalrendite sollten Anleger auch die Eigenkapitalquote einer Firma beachten. Sie ist eine wichtige Kennzahl für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Eine Eigenkapitalquote von 100 Prozent würde bedeuten, dass keine Schulden vorhanden sind. Das gibt es allerdings so gut wie nie – und es ist auch nicht wünschenswert. Denn gerade bei niedrigen Zinsen ist es oft rentabler, für neue Investitionen Kredite aufzunehmen. Mit neuem Eigenkapital würde man dagegen auch neue Anteilseigner anwerben, mit denen man künftige Gewinne teilen muss. Die Eigenkapitalquote fällt je nach Branche unterschiedlich aus. In Wachstumsbranchen weisen die Unternehmen meist geringere Eigenkapitalquoten aus.  

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Squad European Convictions A
LU1105406398
15,72%
2.
Comgest Growth Europe Smaller Comp.
IE0004766014
15,25%
3.
Echiquier Entrepreneurs A
FR0011558246
14,18%
Laufzeit: 5 Jahre

Dividendenrendite

Die Dividende ist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft einmal im Jahr an seien Aktionäre ausschüttet. Selbst wenn eine Aktie im Kurs kaum oder gar nicht steigt, bleibt den Anteilseignern immer noch die Dividende als Gewinn aus ihrer Investition. Die Dividendenrendite zeigt dabei an, wie hoch dieser Gewinn im Vergleich zum Kurs der Aktie ist.

So wird die Dividendenrendite berechnet

Man erhält die Dividendenrendite, indem man die Dividende durch den Kurs der Aktie teilt und das Ergebnis mit 100 multipliziert. Beispiel: Ein Unternehmen zahlt drei Euro Dividende pro Aktie. Liegt der Aktienkurs bei 50 Euro, beträgt die Dividendenrendite sechs Prozent [(3/50) x 100)].

Das sagt die Dividendenrendite aus

Die Dividendenrendite gibt an, in welchem Maße sich die Investition in eine Unternehmensaktie gelohnt hat. Viele Investoren kaufen deshalb gezielt Aktien von Unternehmen, die hohe Dividenden bringen. Mindestens ebenso wichtig wie die Höhe der Ausschüttungen ist dabei allerdings ihre Entwicklung über die Zeit hinweg. Unternehmen mit einer konstant hohen Dividende dürften auch künftig vergleichsweise hohe Beträge an ihre Aktionäre zahlen. Stabile Dividenden in Krisenzeiten sind darüber hinaus ein Qualitätsmerkmal für ein Unternehmen. Allerdings: Die Höhe der Ausschüttungen hängt auch von den Investitionen ab - etwa in Forschung und Entwicklung. Unternehmen, die viel forschen oder in neue Technologien investieren, schütten oft auch wenig Gewinne aus. Die Investitionen können jedoch in Zukunft für Gewinne sorgen.

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Biallo-Tipp

Der Blick auf eine Kennziffer reicht nicht aus, um ein Unternehmen zu beurteilen. Anleger sollten verschiedenen Indikatoren beachten - und ihre Entwicklung im Laufe der Zeit.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de