Auf einen Blick
  • Rund 850 Banken in Deutschland haben die Rechtsform einer Genossenschaft.
     
  • Die Genossenschaftsbanken schütteten zuletzt fast vier Prozent Dividende an ihre Mitglieder aus.

  • Einige genossenschaftliche Institute suchen bundesweit nach neuen Investoren.
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Die meisten Genossenschaftsbanken erkennt man am „eG“ hinter dem Namen. Dies steht für „eingetragene Genossenschaft“, und zwar eingetragen im Genossenschaftsregister. Die rund 850 deutschen Banken dieser Rechtsform stützen sich bei Schwierigkeiten gegenseitig. Daher hat es auch noch nie eine Insolvenz eines Geldhauses dieser Rechtsform gegeben. Wir erläutern die wichtigsten Fragen.

 

Welche Banken sind genossenschaftlich organisiert?

Das sind gut 800 Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch die Sparda- und die PSD-Banken. Die mit Abstand größte Genossenschaftsbank ist die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, die sich in erster Linie an Mitglieder der Heilberufe wendet. Sehr groß ist auch die Münchner Hypothekenbank. Die meisten VR-Banken gibt es traditionell in Bayern und Baden Württemberg. Die kleinste Genossenschaftsbank ist die Raiffeisenbank Gammesfeld mit nur einem Mitarbeiter.

 

Was unterscheidet eine Genossenschaftsbank von anderen?

Die meisten anderen Banken haben die Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG). Diese sind ihren Anteilseignern, den Aktionären, verpflichtet. Für sie wollen und müssen Sie möglichst hohe Gewinne erwirtschaften. Die Aktionäre profitieren von steigenden Aktienkursen und Gewinnen, die in Form von Dividenden ausgeschüttet werden. Die Genossenschaftsbank hingegen ist in erster Linie für das finanzielle Wohl ihrer Mitglieder da. Gewinne sollen auch erzielt werden, sind aber kein Selbstzweck.

Neben Genossenschaftsanteilen bieten VR-Banken nach der Leitzinserhöhung auch wieder Zinsen aufs Festgeld. In einem ausführlichen Artikel erfahren Sie alle wichtigen Informationen zu Festgeldanlagen bei Volksbanken.

Biallo-Tipp: Bis zu 15 Prozent Dividende

Eine sichere und interessante Alternative sind Genossenschaftsanteile von Genossenschaftsbanken. Diese bieten Jahr für Jahr attraktive Dividenden, besonders die  Genossenschaftsanteile der Volksbanken werfen hohe Renditen ab. Falls Sie vorhaben Genossenschaftsanteile zu erwerben, erklären wir Ihnen den Prozess in einer ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung in einem weiteren Artikel.
 

Wer kann Mitglied einer Genossenschaftsbank werden?

Bei allen Banken können natürliche Personen, die volljährig sind und ihren Hauptwohnsitz in Deutschland haben, Genosse werden. Ebenfalls Genosse werden können juristische Personen wie eine GmbH, UG, OHG oder KG.

Muss der künftige Genosse Kunde der Bank sein, indem er beispielsweise ein Girokonto eröffnet?

Das ist bei den meisten Geldhäusern der Fall. Bei knapp 20 Banken können Sie Genossenschaftsanteile kaufen, ohne dort ein Girokonto  zu eröffnen, einen Kredit abzuschließen oder eine Geldanlage zu erwerben.

 

Wie werde ich Mitglied einer Genossenschaftsbank?

Natürliche und juristische Personen wie eine GmbH können Mitglied werden, in dem Sie mindestens einen Genossenschaftsanteil erwerben, ihn „zeichnen“. 

Was ist ein Genossenschaftsanteil?

Der Erwerb von Genossenschaftsanteilen ist keine Geldanlage im klassischen Sinn. Dieses Investment ist vielmehr eine unternehmerische Beteiligung an einer Genossenschaftsbank. Das kann eine Volks- und Raiffeisenbank sein, aber auch eine Sparda- oder PSD Bank oder eine Hypothekenbank.

 

Genossenschaftsbank Vorteile: Welche Vorteile hat das Mitglied?

Mit der jährlichen Dividende auf die gekauften Genossenschaftsanteile beteiligt die Bank ihre Mitglieder an ihrem Geschäftserfolg. Zudem haben Anteilseigner ein Stimmrecht bei der Vertreterwahl. Die Vertreterversammlung entscheidet unter anderem wie der Gewinn verwendet und in welcher Höhe eine Dividende ausgeschüttet wird. 

Bei einer Reihe von Banken erhalten die Mitglieder einen reduzierten Preis bei den verschiedenen Girokonto-Modellen. Bei anderen sind die Beiträge verschiedener Versicherungspolicen rabattiert.

 

Ist meine Einlage im Fall einer Bankinsolvenz weg?

Rein theoretisch ja. Jedes Mitglied haftet in Höhe seiner Genossenschaftsanteile. Aber das ist in der Geschichte der Bundesrepublik noch niemals passiert. Die über 800 Volks- und Raiffeisenbanken stützen sich gegenseitig. Im Klartext: Im schlimmsten Fall ist eine Dividendenzahlung ausgeblieben, die Einlagen waren nie betroffen.

Muss ich über die Einlage hinaus bei einer Pleite haften?

In den Satzungen einiger Genossenschaftsbanken findet man eine sogenannte „Nachschusspflicht“. Die meisten Geldhäuser haben diese bereits ganz herausgenommen. Theoretisch muss ein Mitglied im Falle der Insolvenz der Bank pro Anteil noch einmal den gleichen oder sogar einen höheren Beitrag „nachschießen“. Da es aber noch nie eine Pleite einer Genossenschaftsbank gegeben hat, musste das bisher keine einzige Person tun. Einige Banken haben diese Pflicht auch deshalb noch in ihrer Satzung stehen, weil sie 2022 ohnehin bundesweit abgeschafft wird. Das gilt dann für alle angelegten Gelder.

 

Warum wirbt eine Bank überhaupt um neue Mitglieder?

Erfolgreiche Banken wollen und müssen ihr Eigenkapital erhöhen, um noch mehr Kredite als bisher vergeben zu können. Neue Mitglieder zeichnen Anteile und erhöhen dadurch das Eigenkapital.

 

Wieviel Geld kann ich in eine Genossenschaftsbank stecken?

Das legt jede Volksbank, Sparda-Bank oder PSD Bank selbst für sich fest. Die Spanne reicht von 20 Euro, die man maximal pro Person zeichnen kann, bis zu 70.000 Euro bei der Münchner Hypothekenbank. Die GLS Bank in Bochum hat gar keine Grenze nach oben. Aber: Wer sich dort unternehmerisch engagiert, muss eine Kündigungsfrist von fünf Jahren in Kauf nehmen.

Für Ehepaare gilt das Doppelte

Wenn beide Partner Mitglied werden, können sie zusammen das Doppelte investieren. Und wenn ein Ehepaar Kinder hat, kann auch jedes Kind mit Zustimmung der Eltern den gleichen Betrag investieren und Genossenschaftsanteile einer Volksbank, Sparda-Bank oder PSD Bank kaufen.

 

Genossenschaftsbanken im Vergleich: Dividende und mögliche Anlagesummen

Im Folgenden haben wir für Sie die möglichen Höchstbeträge, die Mitglieder anlegen können, und die für das Jahr 2020 ausgeschüttete Dividende verschiedenener Genossenschaftsbanken zusammengestellt. Dabei unterscheiden wir zwischen Banken, die bundesweit und denen, die regional um Mitglieder werben.

Diese Banken werben bundesweit um Mitglieder

Bank

Maximal-Summe

Dividende für 2020

GLS Bank unbegrenzt 1,00 %

Münchner Hypothekenbank

70.000 Euro

1,25 %

Raiffeisenbank im Hochtaunus (Meine Bank)

25.000 Euro

2,50%

VR Bank Niederbayern Oberpfalz

50.000 Euro

2,00 %

Sparda-Bank Berlin

26.000 Euro

0,50 %

Deutsche Apotheker und Ärztebank

12.000 Euro

2,00 %

PSD Bank Braunschweig

10.000 Euro

1,50 %

Volksbank Dortmund-Nordwest 6.000 Euro 2,50 %

Diese Banken werben regional um Mitglieder

Bank

Maximal-Summe

Dividende für 2020

Berliner Volksbank

52.000 Euro

1,75%

Harzer Volksbank

20.000 Euro

3,0 %

Kieler Volksbank

12.000 Euro

3,0%

Volksbank Riesa

12.000 Euro

1,5%

Sparda Bank West

10.400 Euro

1,50 %

Sparda Bank Hamburg

5.200 Euro

1,00 %

Quelle: Biallo.de; nach eigener Recherche; Stand: Februar 2022.

 

Kann ich Genossenschaftsanteile kündigen?

Durch die Kündigung bekommen Sie Ihr eingezahltes Geld zurück. Die Länge der Kündigungsfrist ist von Bank zu Bank unterschiedlich und ist in der Satzung geregelt, die Sie auf der Website jeder Volksbank, Sparda-Bank, PSD- oder Hypothekenbank nachlesen können. 

Bei der Volksbank Dortmund Nordwest beispielsweise gilt eine Frist von drei Monaten zum Jahresende. Bei der Raiffeisenbank Hochtaunus (Meine Bank) ist die Mitgliedschaft mit einer Frist von sechs Monaten zum Jahresende kündbar. Die maximale Kündigungsfrist lautet fünf Jahre. Die gibt es bei der GLS Bank.

Wann fließt das Geld bei einer Kündigung an mich zurück?

Habe ich zum Jahresende gekündigt, muss ich noch bis zur nächsten Vertreterversammlung im Frühjahr des kommenden Jahres warten. Dann wird die Dividende für das vergangene Jahr beschlossen. Dividende und gekündigte Anteile werden an mich überwiesen. Die Monate im neuen Jahr bis zur Ausschüttung bleiben aber unverzinst. 

 

Welche Steuern entfallen auf die Dividende?

Privatpersonen in Deutschland müssen Dividenden genauso wie Zinseinnahmen als Einkünfte aus Kapitalvermögen mit 25 Prozent Abgeltungssteuer versteuern. Hinzu addieren sich noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer.

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Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
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