Genossenschaftsbanken

Dividenden von bis zu zehn Prozent

Update: 18.09.2020
Auf einen Blick
  • Mitglieder von VR-Banken kassierten vergangenes Jahr im Schnitt 4,0 Prozent Dividende. Für dieses Jahr wird eine Ausschüttung von 3,8 Prozent erwartet.

  • Erfolgreiche Geldhäuser suchen auch bundesweit nach Investoren. Ein Geldhaus lockt sogar mit einem Höchstbetrag von 45.000 Euro.

  • Die Top 40 der Banken mit den höchsten Dividenden gibt es auch als kostenlosen PDF-Download (siehe unten).
Eine VR-Bank-Filiale in Aachen.
Wirestock Images / Shutterstock.com

Negativzins? Niedrigzins? Für Carolin und Jens M. aus Lütgendortmund sind das Fremdworte. Sie haben als Kunden der Volksbank Dortmund-Nordwest Jahr für Jahr ihre Mitgliedsanteile auf den Höchstbetrag von 45.000 Euro pro Person aufgestockt. Mitte vergangenen Jahres bekamen sie die Dividende von 3,0  Prozent für das Geschäftsjahr 2018 ausbezahlt. Mit den 2.700 Euro erfüllten sie sich im September einen alten Traum: Sie fuhren mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking.

In Deutschland gibt es mehr als 18 Millionen Genossen. So haben die rund 840 Genossenschaftsbanken etwa 430 Millionen Euro an Dividenden 2019 an ihre Mitglieder ausgeschüttet.

4,0 Prozent Dividende im Schnitt

Verkehrte Welt. Einerseits haben Millionen von Bankkunden ihr Geld auf unverzinsten Giro- oder Sparkonten liegen und ärgern sich über Negativzinsen. Andererseits  freuten sich im vergangenen Jahr bundesweit knapp 20 Millionen Mitglieder der Volks- und Raiffeisenbanken (VR) über eine durchschnittliche Dividende von 4,0 Prozent auf ihre Genossenschaftsanteile. Zwei Institute schütteten sogar zehn Prozent an ihre Mitglieder aus.

Was kaum jemand weiß: Ein gutes Dutzend der genossenschaftlichen Banken hat mittlerweile die Fühler über das jeweilige Geschäftsgebiet ausgestreckt. VR-Banken, PSD- und Sparda-Banken suchen bundesweit nach neuen Mitgliedern, die sich finanziell bei ihnen beteiligen. Bei einigen von ihnen muss man noch nicht einmal Kunde sein und beispielsweise ein Girokonto eröffnen. Das finanzielle Engagement reicht völlig aus.

Wir haben die Dividendenpolitik von  knapp 800 Genossenschaftsbanken analysiert und kommen zu folgenden Ergebnissen: 

  • Die durchschnittliche Ausschüttung betrug  knapp 40 Euro pro Person 
  • Die Spanne zwischen niedrigsten und höchstem Betrag liegt zwischen 0 und 2.275 Euro
  • Der geringste Zeichnungsbetrag beträgt 20,00, der höchste 70.000 Euro pro Mitglied
  • Die Zinsspanne rangiert zwischen 0 bis zehn Prozent (zwei Banken)
  • 78 Genossenschaftsbanken geben das Regionalprinzip  auf und heißen Mitglieder von außerhalb willkommen
  • Bei 14 muss man nicht einmal  Kunde sein, um Anteile zeichnen zu können.

Gerade in Niedrigzinszeiten könnte ein solches unternehmerisches Investment für Geldanleger als Beimischung interessant sein. Genossenschaftsanteile unterliegen zwar keiner Einlagensicherung wie Tages- oder Festgeld. Andererseits stützen sich die genossenschaftlichen Institute gegenseitig. Es hat auch noch nie eine Insolvenz einer VR-Bank gegeben. Stephanie Heise, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sagt gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "Die Risiken sind äußerst überschaubar." Man könne als potentieller Bankmiteigentümer "relativ unbesorgt Anteile kaufen, erst Recht, wenn die Zahl der Anteile begrenzt ist".

In den Satzungen einiger Genossenschaftsbanken findet man eine sogenannte „Nachschusspflicht“. Die meisten haben diese bereits ganz herausgenommen. Was ist darunter zu verstehen? Theoretisch muss ein Mitglied im Falle der Insolvenz der Bank pro Anteil noch einmal den gleichen oder sogar einen höheren Beitrag „nachschießen“. Da es aber noch nie eine Pleite einer Genossenschaftsbank gegeben hat, musste das bisher keine einzige Person tun. Einige Banken haben diese Pflicht auch deshalb noch drin, weil sie ab 2022 ohnehin bundesweit abgeschafft wird. Das gilt dann für alle angelegten Gelder.

Volksbank Dortmund-Nordwest mit bis zu 1.350 Euro Dividende

Interessant - aus Geldanlegersicht - sind die bundesweit nach Investoren suchenden Genossenschaftsbanken, die zugleich namhafte Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Das ist einmal die Volksbank Dortmund-Nordwest. Wer bei ihr den höchst möglichen Betrag investierte, erhielt 3,0 Prozent Dividende. In diesem Jahr sollen es wieder 3,0 Prozent werden. Bei den Dortmundern ist der Anmeldeprozess für die neuen Genossen am einfachsten.

Deren Vorstand, Stephan Schäffer, sagt uns: „Die Volksbank Dortmund-Nordwest erzielte in den letzten Jahren ein starkes Wachstum, das fast doppelt so hoch war wie bei Vergleichsbanken. Dies ist  vor allem auf ein stark steigendes Kreditgeschäft zurückzuführen. 2019 betrug das Plus 13,0 Prozent und erreichte 618 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von fast einer Milliarde Euro.“

Stephan Schäffer, Vorstand der Volksbank Dortmund-Nordwest.

Und weiter: „Unsere Baufinanzierungen haben sich als sehr dynamischer Wachstumsmotor entwickelt. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung bietet das Plattformgeschäft eine gute Chance, auch Kunden überregional mit Bankdienstleistungen zu versorgen. Hier erfreuen wir uns sehr reger Nachfrage."

Raiffeisenbank im Hochtaunus stellt deutliche Dividendenerhöhung in Aussicht

Auch die Raiffeisenbank im Hochtaunus sucht bundesweit nach neuen Mitgliedern, die Geld bei ihr investieren wollen. Dort kann jede natürliche oder juristische Person bis zu 25.000 Euro zeichnen. Für 2018 zahlte sie 1,0 Prozent  Dividende, für 2019 sind sogar 2,5 Prozent vorgesehen. Sie engagiert sich vor allem in der gewerblichen bundesweiten Immobilienfinanzierung. 140 solcher Großprojekte wurden allein 2019 bundesweit realisiert so zum Beispiel das Wirena-Objekt mit 38 Wohneinheiten in Frankfurt.

Deren Vorstand, Achim Brunner, erläutert: „Die Investoren- und Projektfinanzierung ist ein stabiles Geschäftsfeld. Interessante Standorte bleiben interessant und Corona ändert nichts am Wohnraummangel. Im Gegenteil, die Nachfrage nach „Betongold“ in Krisenzeiten besteht beziehungsweise ist zunehmend attraktiv als Kapitalanlage.“

Achim Brunner, Vorstand der Raiffeisenbank im Hochtaunus.

Es spricht natürlich auch nichts dagegen, sich bei beiden VR-Banken zu engagieren. Machen die Ehepartner mit, sind 140.000 gut untergebracht. Geld, für das Sie bei vielen Banken schon Negativzinsen zahlen müssen. 

  • Biallo-Tipp: Warum nicht in beide Banken investieren, also in Dortmund mit 45.000 Euro und in Bad Homburg mit 25.000 Euro Mitglied werden?  Das geht übrigens auch für die Ehepartner!

Berliner Volksbank bietet ebenfalls 2,5 Prozent

Sehr interessant ist die Situation im Großraum Berlin. Dort haben wir mindestens drei genossenschaftliche Institute, die Jahr für Jahr satte Dividenden ausschütten. Die – aus Investorensicht – interessanteste Offerte kommt eindeutig von der Berliner Volksbank. Deren Kunden können bis zu 1.000 Anteile zu je 52,00 Euro zeichnen und erhielten 2019 eine Dividende von 2,5 Prozent oder 1.300 Euro pro Person. Bei einem Ehepaar mit Gemeinschaftskonto könnten es also auch 2.600,00 Euro sein. Und wer Kinder hat, kann auch für die zeichnen.

Johanna Volk von der Berliner Volksbank bestätigt uns auch ausdrücklich: „Um unsere Wachstumsstrategie im Kundenkreditgeschäft  nachhaltig zu unterstützen, besteht ein strategischer Anspruch an eine angemessene Eigenkapitalbasis. Die erfolgreiche Gewinnung von Mitgliedern und die weitere Zeichnung von Genossenschaftsanteilen stärkt diese Kapitalbasis." Sie schränkt aber gleichzeitig ein: „Eine Mitgliedschaft bei der Berliner Volksbank beinhaltet eine enge Verbundenheit mit der Region und der Bank. Daher bieten wir die Mitgliedschaft für die Menschen in unserer Region an.“

PSD Bank Berlin-Brandenburg mit drei starken Argumenten

Nicht so spannend ist die Offerte der Sparda-Bank Berlin, die zuletzt nur 1,50 Prozent auf maximal 99 Anteile zu je 52,00 Euro ausschüttete. Das macht maximal 77,22 Euro. Dazwischen rangiert die PSD-Bank Berlin-Brandenburg. Deren Offerte ist in dreierlei Hinsicht attraktiv:

  • Die Dividende betrug konstant 3,0 Prozent in den vergangenen Jahren,
  • Pro Person (!) kann man 5.000 Euro zeichnen,
  • Die Offerte wird bundesweit angeboten,
  • Man muss auch keine aktive Geschäftsbeziehung wie bei der Volksbank haben.

Diese PSD-Bank  hat anders als die meisten Mitglieder dieser Bankengruppe in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Firmenkrediten kräftig ausgebaut. Besonders stolz ist deren Vorstandsvorsitzende Grit Westermann auf den Investitionskredit, den Firmen gleich online beantragen können.

Weitere attraktive überregionale Angebote

Die Mehrzahl der genossenschaftlichen Banken fühlt sich noch ganz streng dem „Regionalprinzip“ verbunden. Das heißt: Sie machen ihre Geschäfte vor der Haustür und wildern nicht in fremden Revieren. Im Internet-Zeitalter ist das natürlich immer schwerer durchzuhalten. Immer mehr Geldhäuser pfeifen daher darauf, denn Digitalisierung kennt keine Kirchturmgrenzen. 1822 Direkt arbeitet als Geschäftszweig der Frankfurter Sparkasse bundesweit als Direktbank. Die Sparda-Bank Baden-Württemberg verkauft bundesweit Baufinanzierung.

Daher kann es einen nicht verwundern, dass immer mehr Genossenschaftsbanken überregional nach Investoren suchen: Bei ihnen können sich also auch Leute finanziell engagieren, die von weit außerhalb kommen. Zu diesen Anbietern gehören unter anderem:

  • PSD Bank Berlin-Brandenburg
  • Sparda Bank Hessen
  • Sparda Bank Berlin
  • PSD Bank West
  • VR-Bank Neu-Ulm
  • VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden
  • VR-Bank Coburg

Regional versus überregional

Der Erfolg der meisten VR-Banken liegt sicher darin begründet, dass sie fest in der Region verwurzelt sind. Sie kennen bestens ihre Kunden und deren Bedürfnisse und gehen keine unnötigen Risiken ein. Anders gesagt: Sie sind auf den ersten Blick manchmal vielleicht ein bisschen langweilig, aber dafür immer grundsolide. Mehr als 90 Prozent der über 800 Institute haben uns auf Nachfrage gesagt, dass man nur für Kunden im jeweiligen Geschäftsgebiet da sein will. Und auch nur diese dürfen bei ihnen Geschäftsanteile erwerben. Das trifft übrigens auch auf die oben genannten Top Ten zu.

Fast immer ist es auch so, dass nur jene Privatpersonen und Firmen bei ihnen Genossenschaftsanteile zeichnen können, die eine „aktive Geschäftsbeziehung“ unterhalten. Meist ist dies zumindest ein privates Girokonto oder ein Geschäftskonto. Es kann aber natürlich auch ein Kredit oder eine Geldanlage sein.

Typisch für die Mehrzahl der VR-Banken ist das, was Dr. Christina Klee, Vorstand der Erfurter Bank uns sagt: „Angestrebt wird ein kontinuierlicher organischer Anstieg der Mitgliederzahl. Und zudem die Begeisterung auch junger Mitglieder für die Rechtsform der Genossenschaft. Daher wenden wir uns auch ausschließlich an Kunden aus der Region, um die Lücken zu füllen, die eine Überalterung der Kundschaft zwangsläufig mit sich bringt.“ Pro Person kann man bei der Erfurter Bank bis zu 400 Anteile zu je 25 Euro zeichnen. 2,75 Prozent betrug die Dividende für 2018.

Wer sein Geld unternehmerisch als Beteiligung an einer Genossenschaftsbank anlegen will, sollte im ersten Schritt schauen, ob es in der Nähe ein Institut gibt, das zwei Bedingungen erfüllt:

  • Ausreichend hohes Investitionsvolumen, das sich aus der Kombination einer entsprechend hohen Stückzahl und Höhe in Euro je Anteil ergibt,
  •  Eine attraktive Dividendenhöhe.

Dafür drei Beispiele:

  1. Die VR-Bank Neu-Ulm schüttete 2019 zwar 3,00 Prozent Dividende aus. Ein Genosse kann bei den Ulmern aber nur fünf Anteile á 50,00 Euro zeichnen. Das sind bei drei Prozent Dividende und 250 Euro Einlage gerade einmal 7,50 Euro Ertrag.
  2. Lohnender sind die Voraussetzungen bei der VR-Bank München Land. Hier können Münchner zehn Anteile á 100,00 Euro zeichnen. Auf die zahlte die VR-Bank München Land vier Prozent Dividende. Wenn dort alle Familienmitglieder Genossen werden, könnte das dann schon interessant sein.
  3. Die Dividendenhöhe von zehn Prozent der Raiffeisenbank Elbmarsch ist zunächst verlockend. Doch dort kann jeder Kunde nur einen Genossenschaftsanteil von 100 Euro zeichnen.

Zudem muss jeder Investor folgendes in seine Überlegungen mit einbeziehen: Verlangt die Genossenschaftsbank eine aktive Geschäftsbeziehung, muss man bereit sein, entweder sein Girokonto dorthin zu verlegen oder ein Zweitkonto dort eröffnen. Günstige Konten kosten rund vier Euro im Monat, sodass knapp 50 Euro im Jahr unter Umständen vom Dividendenertrag abzuziehen sind.

Lesen Sie auch: Diese Banken verlangen Negativzinsen

Top Ten nach Dividendenrendite

Es sind vor allem viele kleine Volks- und Raiffeisenbanken, die ihre Mitglieder über viele Jahre mit Zinssätzen verwöhnen, die sich in der heutigen Niedrigzinsphase wohl kaum jemand im Traum vorstellen kann. Dies sind die Top Ten von Deutschlands Genossenschaftsbanken gemessen an der prozentualen Höhe ihrer ausgeschütteten Dividenden:

  • Raiffeisenbank Elbmarsch: 10,0 Prozent 
  • Volksbank Braunschweig Wolfsburg: 10,0 Prozent
  • Waldecker Bank: 9,0 Prozent
  • Raiffeisenbank Wiesedermeer: 8,0 Prozent
  • Volksbank Heiden: 8,0 Prozent
  • Volksbank Neuenkirchen-Vörden: 8,0 Prozent
  • Raiffeisenbank Gammesfeld: 8,0 Prozent
  • VR Bank Osnabrücker Nordland: 8,0 Prozent
  • Volksbank- und Raiffeisenbank Prignitz: 8,0 Prozent
  • Volksbank Heiden: 7,75 Prozent

Haben fast alle Banken eine Obergrenze in ihre Satzung eingebaut, mit wie viel Geld sich eine Person bei ihr als Mitglied engagieren will, ist das bei zwei kleineren VR-Banken anders. Bei ihnen kann man so viel Geld investieren, wie der Vorstand genehmigt. Beide haben uns gebeten, deren Namen nicht zu nennen, da man einen Ansturm von Interessenten befürchtet.

Wegen Corona sind in diesem Jahr die Vertreterversammlungen auf den Herbst verschoben worden. Viele werden virtuell stattfinden. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR) rechnet nach ersten Meldungen mit einem Durchschnittssatz von 3,8 Prozent.

  • Wichtig: Strittig ist noch, ob überhaupt in diesem Jahr Dividenden ausgeschüttet werden dürfen oder nicht. Nach einer EZB-Empfehlung sollen alle Geldhäuser bis zum 1. Januar 2021 auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten. Dagegen wehrt sich der BVR. Sein Argument: Jedes Geldhaus müsse selber wissen, ob das vernünftig ist oder nicht und dies selbst verantworten wie in der Vergangenheit auch. Wie es derzeit aussieht, hat sich der BVR mit diesem Argument durchgesetzt. 








 
 
 
 
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