Auf einen Blick
  • Die Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg zahlte vor kurzem eine Dividende von 15 Prozent, um die Nullrunde im vergangenen Jahr auszugleichen.

  • Bei immer mehr VR-Banken kann man überregional Genossenschaftsanteile zeichnen. So können Kunden Negativzinsen umgehen und stattdessen satte Dividenden einstreichen.

  • Die Raiffeisenbank im Hochtaunus und die Volksbank Dortmund-Nordwest locken mit jeweils 2,5 Prozent Dividende auf 25.000 beziehungsweise 6.000 Euro pro Person. 
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Negativzins? Niedrigzins? Für Carolin und Jens M. aus Lütgendortmund sind das Fremdworte. Sie haben als Kunden der Volksbank Dortmund-Nordwest Jahr für Jahr ihre beiden Mitgliedsanteile auf den Höchstbetrag von 45.000 Euro pro Person aufgestockt, mittlerweile beträgt dieser 6.000 Euro. Ende November 2020 bekamen Sie zusammen – wie im Jahr davor auch – 2.700 Euro ausgezahlt. Nachdem sie sich 2019 den Traum von der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking erfüllt hatten, wollen sie wegen Corona jetzt noch keine Pläne schmieden. In diesem Jahr werden es wohl nur 2.250 Euro werden, da die Genossenschaftsbank die Dividende leicht auf 2,5 Prozent absenken will.

 

Fast vier Prozent im Schnitt

Verkehrte Welt. Einerseits haben Millionen von Bankkunden ihr Geld auf unverzinsten Giro- oder Sparkonten liegen und ärgern sich über Negativzinsen. Andererseits freuen sich bundesweit rund 20 Millionen Mitglieder der Genossenschaftsbanken Jahr für Jahr über satte Dividenden auf ihre Genossenschaftsanteile. 2021 schütteten die VR-Banken durchschnittlich fast 4,0 Prozent aus. Im vergangenen Jahr waren es nur gut zwei Prozent, weil ein Drittel aller Genossenschaftsbanken wegen Corona keine Ausschüttung vornahm.

Hier ein paar Highlights an Ausschüttungen aus dem letzten Jahr (2021):

  • Den höchsten Satz von 15,00 Prozent gab es bei der Volksbank Braunschweig Wolfsburg, auf zehn Anteile á 50 Euro.
  • Auf Platz 2 rangiert die Volksbank Bakum mit 12,5 auf drei Anteile á 110 Euro, gefolgt von der Raiffeisenbank Rastede mit 12,00 Prozent auf zwei Anteile á 300 Euro.
  • Acht Prozent – seit 25 Jahren – zahlte wiederum die Budenheimer Volksbank, auf nur einen Anteil á 100 Euro.
  • Den höchsten Betrag vergab die Raiffeisenbank im Hochtaunus (Meine Bank) mit 1.250 Euro bei einer Dividende von 2,5 Prozent auf einen Höchstbetrag von 50.000 Euro pro Person und steht bundesweit für ein finanzielles Engagement offen. Der Höchstbetrag wurde in 2022 auf 25.000 Euro reduziert.

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Dividenden und deren Sicherheit

Und hier erfreuliche Ergebnisse für das Jahr 2020 von Banken, die neue Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet aufnehmen, ohne dass man ein Konto eröffnen muss:

  • Die Raiffeisenbank Hochtaunus (Meine Bank) hält die Dividende konstant mit 2,5 Prozent auf maximal 25.000 Euro (ab 2022) pro Person.
  • Die Volksbank Dortmund-Nordwest zahlte eine Dividende von 2,5 auf maximal 6.000 Euro pro Person.
  • Die Münchner Hypothekenbank zahlte immerhin 1,25 Prozent auf 70.000 Euro, nachdem ihre Mitglieder letztes Jahr leer ausgingen.
  • Die Deutsche Apotheker- und Ärzte Bank zahlt 2,0 Prozent auf 12.000 Euro.
  • Die GLS Bank zahlte 2021 immerhin 1,0 Prozent für das Geschäftsjahr 2020 aus.

Gerade in Niedrigzinszeiten könnte ein solches unternehmerisches Investment für Geldanleger als Beimischung interessant sein. Genossenschaftsanteile unterliegen zwar keiner Einlagensicherung wie Tages- oder Festgeld. Das heißt: Im Falle einer Insolvenz wäre die Einlage verloren. Andererseits stützen sich die genossenschaftlichen Institute gegenseitig. Es hat auch noch nie eine Insolvenz einer VR-Bank gegeben. 

In den Satzungen einiger Genossenschaftsbanken findet man eine sogenannte "Nachschusspflicht". Die meisten haben diese bereits ganz herausgenommen. Was ist darunter zu verstehen? Theoretisch muss ein Mitglied im Falle der Insolvenz der Bank pro Anteil noch einmal den gleichen oder sogar einen höheren Beitrag "nachschießen". Da es aber noch nie eine Pleite einer Genossenschaftsbank gegeben hat, musste das bisher keine einzige Person tun. Einige Banken haben diese Pflicht auch deshalb noch drin, weil sie ab 2022 ohnehin bundesweit abgeschafft wird. Das gilt dann für alle angelegten Gelder.

 

Raiffeisenbank im Hochtaunus verdoppelt Anlagebetrag

Die Raiffeisenbank im Hochtaunus (Meine Bank) sucht bundesweit nach neuen Mitgliedern, die Geld bei ihr investieren wollen. Für das Geschäftsjahr 2020 hat die Vertreterversammlung wie in den Vorjahren auch eine Dividende von 2,5 Prozent beschlossen. Wer seinen Anlagebetrag zurückhaben möchte, kündigt mit einer Frist von sechs Monaten zum Jahresende. Das sieht eine Satzungsänderung vor, die die Bank ebenfalls kürzlich auf den Weg gebracht hat.

Die Raiffeisenbank im Hochtaunus (Meine Bank) engagiert sich vor allem in der gewerblichen bundesweiten Immobilienfinanzierung. 140 solcher Großprojekte wurden allein 2019 bundesweit realisiert so zum Beispiel das Wirena-Objekt mit 38 Wohneinheiten in Frankfurt. Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Hochtaunus, erläutert: "Die Investoren- und Projektfinanzierung ist ein stabiles Geschäftsfeld. Interessante Standorte bleiben interessant und Corona ändert nichts am Wohnraummangel. Im Gegenteil, die Nachfrage nach 'Betongold' in Krisenzeiten besteht beziehungsweise ist zunehmend attraktiv als Kapitalanlage." 

Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Hochtaunus.

Tipp: In einer ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung auf biallo.de erklären wir Ihnen, wie Sie Genossenschaftsanteile bei der Raiffeisenbank im Hochtaunus erwerben können.

 

Höchstbeträge in München und Bochum

Fast alle Genossenschaftsbanken begrenzen die Maximalsumme, die ein Mitglied zeichnen kann. Die Münchner Hypothekenbank, der Baufinanzierungspartner der Volks- und Raiffeisenbanken, lässt mit 70.000 Euro momentan den Höchstbetrag zu. Für 2018 schüttete sie 3,25 Prozent aus, was einem Maximalbetrag von  2.275,00 Euro entsprach. Für das letzte Jahr wird es in diesem Jahr immerhin eine Dividende von 1,25 Prozent geben.

Die ökologisch-orientierte GLS-Bank kennt gar keine Begrenzung nach oben. Sie sucht auch überregional nach Mitgliedern, die sich unternehmerisch an ihr beteiligen.  Im Video-Interview sagte uns deren Vorständin Aysel Osmanoglu, warum sie das Geld gut gebrauchen kann: "Wir würden uns richtig freuen, wenn Sie uns mit Eigenkapital fluten könnten. Denn das ist die wirkungsvollste Art, Investitionen zu tätigen, also in die Zukunft  zu investieren." Für 2019 und 2020 schüttete die Bank 1,0 Prozent Dividende aus. Wer sich hier finanziell engagieren will, sollte dieses Investment langfristig sehen. Die Kündigungsfrist beträgt fünf Jahre.

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Berliner Volksbank mit 1,75 nach 2,0 Prozent

Sehr interessant ist die Situation im Großraum Berlin. Dort haben wir mindestens drei genossenschaftliche Institute, die Jahr für Jahr satte Dividenden ausschütten. Die – aus Investorensicht – interessanteste Offerte kommt eindeutig von der Berliner Volksbank. Deren Kunden können bis zu 1.000 Anteile zu je 52,00 Euro zeichnen und erhielten für 2019 eine Dividende von 2,0 Prozent oder 1.040 Euro pro Person. Für 2020 gab es immer noch 1,75 Prozent.

Johanna Volk von der Berliner Volksbank bestätigt uns auch ausdrücklich: "Um unsere Wachstumsstrategie im Kundenkreditgeschäft nachhaltig zu unterstützen, besteht ein strategischer Anspruch an eine angemessene Eigenkapitalbasis. Die erfolgreiche Gewinnung von Mitgliedern und die weitere Zeichnung von Genossenschaftsanteilen stärkt diese Kapitalbasis." Sie schränkt aber gleichzeitig ein: "Eine Mitgliedschaft bei der Berliner Volksbank beinhaltet eine enge Verbundenheit mit der Region und der Bank. Daher bieten wir die Mitgliedschaft für die Menschen in unserer Region an."

 

Attraktive Offerten auch bei Sparda- und PSD-Bank in Berlin

Interessant ist auch das Angebot der Sparda-Bank Berlin. Sie hat nämlich die Zahl der maximalen zu zeichnenden Anteile von 99 auf 500 Stück erhöht. Das macht dann insgesamt 26.000 Euro pro Person aus. Nach 1,50 Prozent für das Geschäftsjahr 2018 wurden zuletzt in den vergangenen beiden letzten Jahren jeweils 0,50 Prozent ausgeschüttet. 

Die PSD-Bank Berlin-Brandenburg bietet in dreierlei Hinsicht ein attraktives Angebot:

  • Die Dividendenrendite lag 2020 bei 2,5 nach 3,0 Prozent ein Jahr zuvor.
  • Pro Person (!) kann man 5.000 Euro zeichnen.
  • Die Offerte wird bundesweit angeboten.
  • Man muss auch keine aktive Geschäftsbeziehung wie bei der Volksbank haben.

Diese PSD-Bank hat - anders als die meisten Mitglieder dieser Bankengruppe - in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Firmenkrediten kräftig ausgebaut. Besonders stolz ist deren Vorstandsvorsitzende Grit Westermann auf den Investitionskredit, den Firmen gleich online beantragen können.

 

Weitere attraktive überregionale Angebote

Die Mehrzahl der genossenschaftlichen Banken fühlt sich noch ganz streng dem "Regionalprinzip" verbunden. Das heißt: Sie machen ihre Geschäfte vor der Haustür und wildern nicht in fremden Revieren. Im Internet-Zeitalter ist das natürlich immer schwerer durchzuhalten. Immer mehr Geldhäuser pfeifen daher darauf, denn Digitalisierung kennt keine Kirchturmgrenzen. 1822 Direkt arbeitet als Geschäftszweig der Frankfurter Sparkasse bundesweit als Direktbank. Die Sparda-Bank Baden-Württemberg verkauft bundesweit Baufinanzierung.

Daher kann es einen nicht verwundern, dass immer mehr Genossenschaftsbanken überregional nach Investoren suchen: Bei ihnen können sich also auch Leute finanziell engagieren, die von weit außerhalb kommen. Zu diesen Anbietern gehören unter anderem:

  • PSD Bank Berlin-Brandenburg
  • Sparda Bank Hessen
  • Sparda Bank Berlin
  • PSD Bank West
  • VR-Bank Neu-Ulm
  • VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden
  • VR-Bank Coburg
 

Regional versus überregional

Der Erfolg der meisten VR-Banken liegt sicher darin begründet, dass sie fest in der Region verwurzelt sind. Sie kennen bestens ihre Kunden und deren Bedürfnisse und gehen keine unnötigen Risiken ein. Anders gesagt: Sie sind auf den ersten Blick manchmal vielleicht ein bisschen langweilig, aber dafür immer grundsolide. 

Mehr als 90 Prozent der über 800 Institute haben uns auf Nachfrage gesagt, dass man nur für Kunden im jeweiligen Geschäftsgebiet da sein will. Und auch nur diese dürfen bei ihnen Geschäftsanteile erwerben. Das trifft übrigens auch auf die unten genannten Top Ten zu.

Fast immer ist es auch so, dass nur jene Privatpersonen und Firmen bei ihnen Genossenschaftsanteile zeichnen können, die eine "aktive Geschäftsbeziehung" unterhalten. Meist ist dies zumindest ein privates Girokonto oder ein Geschäftskonto. Es kann aber natürlich auch ein Kredit oder eine Geldanlage sein.

Typisch für die Mehrzahl der VR-Banken ist das, was Dr. Christina Klee, Vorständin der Erfurter Bank uns sagt: "Angestrebt wird ein kontinuierlicher organischer Anstieg der Mitgliederzahl. Und zudem die Begeisterung auch junger Mitglieder für die Rechtsform der Genossenschaft. Daher wenden wir uns auch ausschließlich an Kunden aus der Region, um die Lücken zu füllen, die eine Überalterung der Kundschaft zwangsläufig mit sich bringt." Pro Person kann man bei der Erfurter Bank bis zu 400 Anteile zu je 25 Euro zeichnen. Für 2019 und 2020 zahlte die Bank immerhin noch 2,0 Porzent. 

Wer sein Geld unternehmerisch als Beteiligung an einer Genossenschaftsbank anlegen will, sollte im ersten Schritt schauen, ob es in der Nähe ein Institut gibt, das zwei Bedingungen erfüllt:

  • Ausreichend hohes Investitionsvolumen, das sich aus der Kombination einer entsprechend hohen Stückzahl und Höhe in Euro je Anteil ergibt.
  • Eine attraktive Dividendenhöhe.

Drei Beispiele

  1. Die VR-Bank Neu-Ulm schüttete 2019 noch 3,00 Prozent und für 2020 immerhin 2,00 Prozent Dividende aus. Ein Genosse kann bei den Ulmern aber nur fünf Anteile á 50,00 Euro zeichnen.

  2. Lohnender sind die Voraussetzungen bei der VR-Bank München Land. Hier können Münchner zehn Anteile á 100,00 Euro zeichnen. Auf die zahlte die VR-Bank München Land für 2018 noch vier Prozent Dividende, aktuell sind es nur 2,00 Prozent.

  3. Die Dividendenhöhe von zuletzt zehn Prozent der Raiffeisenbank Elbmarsch ist zunächst verlockend. Doch dort kann jeder Kunde nur einen Genossenschaftsanteil von 100 Euro zeichnen.

Zudem muss jeder Investor Folgendes in seine Überlegungen mit einbeziehen: Verlangt die Genossenschaftsbank eine aktive Geschäftsbeziehung, muss man bereit sein, entweder sein Girokonto dorthin zu verlegen oder ein Zweitkonto dort eröffnen. Günstige Konten kosten rund vier Euro im Monat, sodass knapp 50 Euro im Jahr unter Umständen vom Dividendenertrag abzuziehen sind.

 

Top Ten nach Dividendenrendite 2021

Es sind vor allem viele kleine Volks- und Raiffeisenbanken, die ihre Mitglieder über viele Jahre mit Zinssätzen verwöhnen, die sich in der heutigen Niedrigzinsphase wohl kaum jemand im Traum vorstellen kann. Dies sind die Top Ten von Deutschlands Genossenschaftsbanken gemessen an der prozentualen Höhe ihrer 2021 ausgeschütteten Dividenden (für das Geschäftsjahr 2020):

  • Volksbank Braunschweig Wolfsburg: 15,00 Prozent
  • Volksbank Bakum: 12,50 Prozent
  • Raiffeisenbank Rastede: 12,00 Prozent
  • Volksbank Bremen-Nord : 11,20 Prozent
  • Volksbank Rhede: 10,50 Prozent
  • Raiffeisenkasse Erbes-Büdesheim und Umgebung: 10,00 Prozent
  • VR-Bank Spangenberg-Morschen: 10,00 Prozent
  • Raiffeisenbank Altlofsheim-Hagelstadt: 8,00 Prozent
  • Raiffeisenbank Gammesfeld: 8,00 Prozent
  • Volks- und Raiffeisenbank Prignitz: 8,00 Prozent

Haben fast alle Banken eine Obergrenze in ihre Satzung eingebaut, mit wie viel Geld sich eine Person bei ihr als Mitglied engagieren will, ist das bei zwei kleineren VR-Banken anders. Bei ihnen kann man so viel Geld investieren, wie der Vorstand genehmigt. Beide haben uns gebeten, deren Namen nicht zu nennen, da man einen Ansturm von Interessenten befürchtet.

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Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
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