Börse für Einsteiger: Wertpapierhandel einfach erklärt

Ratgeber der Woche Börse für Einsteiger: Wertpapierhandel einfach erklärt

Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger
13.09.2019
Auf einen Blick
  • Investoren brauchen für ihr erstes Investment zunächst einmal ein sogenanntes Depot. Hier werden die Wertpapiere bei der Bank aufbewahrt.

  • Die Produktauswahl ist riesig, doch Anleger können sich auf ein paar Grundlagen konzentrieren. Die wichtigsten Anlageklassen sind Aktien und Anleihen.
  • Wer Aktien kauft, erwirbt Anteile an einem Unternehmen und dessen Erfolg. Anleihen sind ein Wertpapier zur Finanzierung des Fremdkapitals. Sie bieten einen konstanten Ertrag (Zinsen), Investoren beteiligen sich allerdings nicht an dem Erfolg des Unternehmens.

  • Ein Fonds bietet ein Investment in mehrere Aktien oder Anleihen gleichzeitig an. Das spart Transaktionskosten im Vergleich zum Kauf und Verkauf vieler einzelner Wertpapiere. Fonds haben den Vorteil der größeren Risikostreuung.

  • ETFs (Exchange Traded Funds) bilden Indizes, wie beispielsweise den Dax, eins zu eins nach und punkten durch niedrige Kosten. Dabei eignen sich für Börsen-Frischlinge vor allem ETF-Sparpläne für einen langfristigen Vermögensaufbau.
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Aktien seien nur etwas für Reiche. Dieser Mythos hält sich hartnäckig. "Dabei geht Aktienanlage ganz einfach," erklärt Uta-Bettina von Altenbockum vom Deutschen Aktieninstitut. Das DAI veröffentlicht regelmäßig Studien zu der Aktienquote von deutschen Anlegern. Das Ergebnis ist immer ähnlich: Die Deutschen investieren zu wenig in Wertpapiere. Dabei muss die Börse kein Schloss mit sieben Siegeln bleiben. Schon ein Überblick über die Grundlagen erleichtert den Einstieg erheblich. Wir zeigen Ihnen, wie Sie in wenigen Schritten an Ihre ersten Aktien gelangen.

Als neuer Investor brauchen Sie zunächst ein sogenanntes "Depot". Hier werden die Aktien – oder allgemeiner gesagt die Wertpapiere – aufbewahrt. Waren dies früher tatsächlich papierhafte Dokumente, haben Investoren heute nur noch ein virtuelles Depot bei ihrer Hausbank oder einem Online-Broker. Sowohl der Broker als auch die Hausbank bieten meistens umfangreiche Wertpapierdienstleistungen an. Die Hausbank, beispielsweise die Sparkasse, bietet darüber hinaus ein vollwertiges Angebot an Bankdienstleistungen, vom Girokonto über die Baufinanzierung bis eben zum Wertpapiergeschäft.

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Investmententscheidung: Aktien oder Fondlösungen?

Wer sein Depot eröffnet hat, steht nun vor der Frage, in welches Produkt er investieren sollte. Die Auswahl ist riesig, doch Anleger können sich auf ein paar Grundlagen konzentrieren. Die wichtigsten Anlageklassen sind Aktien (Eigenkapital) und Anleihen (Schuldverschreibungen). Wer also Aktien kauft, erwirbt Anteile an dem Unternehmen und dessen Erfolg.

Anleihen hingegen bieten einen konstanten Ertrag (Zinsen), Investoren beteiligen sich allerdings nicht an dem Erfolg des Unternehmens. Dies sind die dominierenden beiden Wertpapierarten am Finanzmarkt. Alle weiteren Finanzprodukte sind oft nur eine Variation oder Zusammenfassung dieser beiden Anlageklassen.

Zinsen statt Erfolg: Anleihen 

Anleihen sind ein Wertpapier zur Finanzierung des Fremdkapitals. Im Gegensatz zu Aktien ist das eingesammelte Kapital über Anleihen jedoch rückzahlungspflichtig und wird daher dem Fremdkapital zugeordnet. Dafür sind Anleihen mit einem Kupon ausgestattet, diesen Zinssatz bekommen Anleger auf den Nennwert meistens jährlich ausgezahlt. Eine spezielle Form sind die Nullkuponanleihen, auch Zerobonds genannt: Investoren erhalten keinen regelmäßigen Zins, dafür werden die Nullkuponanleihen deutlich unter dem Nominalwert ausgegeben.

Anleger profitieren also von einer Wertsteigerung über die Laufzeit. Anleihen von den meisten Industriestaaten und großen Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens, gelten als sehr risikoarm. Das bedeutet jedoch auch, dass die Zinsen seit einiger Zeit bei diesen Anleihen auf einem Rekordtief liegen und teilweise sogar negativ sind. Das ist für Privatanleger oftmals nicht attraktiv. Daher lohnt sich ein Blick auf die Aktien.

Am Unternehmen beteiligt sein: Aktien

Eine Aktie verbrieft das Recht an dem Eigentum einer Aktiengesellschaft (AG). Aktien können entweder zu einem Nennwert (Anteil am Grundkapital der AG) herausgegeben werden oder seit 1998 auch als Stückaktie (ohne Nennwert). Der Erwerb von Aktien berechtigt Sie zur Teilnahme an der ordentlichen Hauptversammlung einmal im Jahr und beteiligt Sie am Erfolg des Unternehmens. Dieser wird regelmäßig in Form einer Dividende ausbezahlt. Dabei fällt die Dividende nicht immer gleich aus. Die Dividende kann in Zeiten von Krisen oder einem wirtschaftlichen Abschwung auch ganz ausbleiben.

Die zwei wichtigsten Formen der Aktie sind Stammaktien und Vorzugsaktien. Während Stammaktien ihren Besitzern ein Stimmrecht pro Aktie verleihen, zeichnen sich Vorzugsaktien durch den Verzicht auf ein Stimmrecht aus, bieten aber dafür höhere Dividenden. Der Vorteil von Aktien: "Mit Aktien investieren Anleger in Produktivkapital, also in reale Unternehmen. Damit wird die Geldanlage konkret fassbar," erklärt Claudia Barghoorn, Leiterin Privatkundengeschäft und digitale Vermögensverwaltung bei Fidelity International.

Aktien von sogenannten "Blue Chips", also Unternehmen wie Microsoft, Nestle oder Siemens, sind wenig volatil und haben daher ein vergleichsweise geringes Risiko. Als Faustregel gilt: Aktien von Unternehmen, die in einem großen Index (beispielsweise Dow Jones, Dax oder TechDax) notiert sind, sind deutlich risikoärmer als Aktien, die nicht in einem vergleichbaren Index auftauchen.

Aktien, mehr Aktien, Fonds

Ein Fonds bietet ein Investment in mehrere Wertpapiere gleichzeitig an. Sie können sich also einen Korb vorstellen, den Sie erwerben. In diesem Korb sind ganz unterschiedliche Aktien enthalten. Sie müssen jedoch nur diesen einen Korb erwerben und nicht sämtliche Einzelwerte. Das spart hohe Transaktionskosten für den Kauf und Verkauf.

Viele Fonds haben einen Anlageschwerpunkt. Ein Aktienfond mit Fokus auf Asien investiert, wie der Name schon sagt, in Aktien asiatischer Unternehmen. Das bietet viele Vorteile für Anleger: Sie würden vermutlich kaum erfolgreiche Unternehmen in Asien kennen und können die Auswahl so einem erfahrenen Anbieter überlassen. Investoren müssen also nicht mühsam jede einzelne Aktie analysieren und kaufen, sondern können über einen einzelnen Fonds gleichzeitig Dutzende oder sogar Hunderte Unternehmen abdecken.

"Wer beispielsweise jeden Monat 25 Euro in einen globalen Aktienfonds mit einer erwarteten jährlichen Rendite von fünf Prozent investiert, kann sich nach 20 Jahren über mehr als 10.000 Euro freuen. So kann man sich mit der Materie vertraut machen und ausprobieren, ob und wie eine Fondsanlage zu einem passt," erklärt Claudia Barghoorn von Fidelity International. Die Rendite ist dabei eine statistische Hochrechnung. Das Rechenbeispiel trifft zwar häufig zu, eine Garantie gibt es an den Aktienmärkten natürlich nicht. Das Ergebnis könnte in der Realität abweichen – eventuell deutlich.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
S4A Pure Equity Germany
DE000A1W8960
7,88%
2.
MEAG Proinvest
DE0009754119
7,25%
3.
MB S Plus
LU0354946856
7,01%
Laufzeit: 5 Jahre

Ein “must have” für Privatanleger: ETFs

Eine besondere Form von Fonds sind sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Diese bilden einen Aktienindex nach, beispielsweise den Dax. Im Gegensatz zu anderen Fonds sucht hier kein Fondsmanager eigenständig die Aktien aus. ETFs sind fest an einen Index geknüpft und versuchen diesen möglichst genau nachzubilden.

ETFs eignen sich besonders für Privatinvestoren und zeichnen sich durch niedrige Gebühren aus. Während für ETFs eine Gebühr von oftmals weniger als ein Prozent pro Jahr anfällt, können Gebühren von klassisch gemanagten Fonds um das Drei- bis Fünffache höher liegen.

"Bei ETFs, die einen Aktienkorb wie den DAX abbilden und nicht aktiv verwaltet werden, sind die Managementkosten sehr niedrig. Für Anleger ist die regelmäßige Anlage in ETFs deshalb eine hervorragende Möglichkeit, kostengünstig und breit gestreut in den Aktienmarkt zu investieren,” empfiehlt von Altenbockum.

Lesen Sie auch: Diese Stolperfallen sollten ETF Einsteiger kennen

Nicht alle Eier in einen Korb legen

Eine Verteilung auf mehrere Einzelwerte reduziert zugleich das Risiko. Anleger setzen nicht alles auf eine Karte. Etwas professioneller ausgedrückt sprechen Experten von Diversifikation. Das bedeutet einfach gesagt, das Risiko auf möglichst viele Produkte zu streuen.

Im Optimalfall ergänzen sich die Wertpapiere sogar, sodass wenn ein Wert im Depot fällt, der andere steigt. Das lässt sich über die sogenannte Korrelation von Wertpapieren messen. Ein beliebter Portfoliomix ist beispielsweise die "Beimischung" von Gold. Gold gilt als sicherer Hafen, ähnlich wie einige Währungen (zum Beispiel Schweizer Franken).

Wenn nun die Aktienmärkte nachgaben, steigt der Goldpreis oftmals an. Wenn Sie also zuvor ein paar Feinunzen Gold gekauft haben und der Aktienmarkt nun einbricht, kann die Wertsteigerung des Edelmetalls dies auffangen.

Für Zocker: Derivate

Eine weitere Anlageklasse sind die sogenannten Derivate. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "abgeleitet". Derivate sind also eine Anlageklasse, die sich aus Produkten wie Aktien und Anleihen ableitet oder diese kombiniert. Derivate sind insbesondere für ihre Hebelfunktion bekannt. Privatanleger nutzen Derivate zum Spekulieren. Für Unternehmen dienen Derivate oftmals zur Absicherung ihrer Produkte beziehungsweise Rohstoffe.

  • Beispiel: Ein Investor hat die Wahl, in eine Aktie, zum Beispiel Daimler, zu investieren, oder über ein Derivat an dem Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens zu partizipieren. Steht die Aktie zum Kaufzeitpunkt bei 50 Euro und steigt über die Halteperiode auf 80 Euro, bedeutet dies für den Investor einen Gewinn von 30 Euro pro Aktie.

Der gleiche Einsatz (50 Euro) auf ein Derivat der Daimler-Aktie könnte aber in der Zeit einen Gewinn von weit über hundert Euro bedeuten. Wie ist das möglich? Experten sprechen von einem sogenannten Hebel. Sie investieren also nicht direkt in die Aktie, sondern in ein daraus abgeleitetes Finanzprodukt. Dieses kann beispielsweise die Entwicklung der Daimler-Aktie fünffach verstärkt darstellen.

Doch Vorsicht: Wo hohe Gewinne möglich sind, sind auch hohe Verluste möglich. Während bei Aktien ein Totalverlust vergleichsweise selten ist, enden Investitionen in Derivate häufiger mit einem recht hohen Verlust oder sogar Totalverlust. Diese Anlageklasse ist daher nur etwas für erfahrene Investoren.

Die erste Kauforder

Sie haben sich entschieden. Die Daimler-Aktie soll es sein. Doch wie kaufen Sie die Aktie nun? Viele Unternehmen haben mehrere Varianten ihrer Aktien, beispielsweise sogenannte Vorzugsaktien und Stammaktien. Diese verschiedenen Typen von Wertpapieren gilt es zu unterscheiden. Dies ist nun schwer über den Namen möglich. Daher gibt es die Wertpapierkennnummer (WKN) beziehungsweise die internationale ISIN (International Securities Identification Number).

Die eindeutige und einmalige Nummer schützt vor Verwechslungen. Die ISIN der Daimler-Aktie lautet: DE0007100000. Die sicherste Variante zum Kauf ist es, diese Wertpapierkennnummer am PC in die Ordermaske der Bank einzugeben. Dann können Sie bereits auf "Kaufen" klicken, oder einige optionale Details ergänzen.

Orderzusätze – damit auch nichts schief geht

Sie können zwar einfach nur die Anzahl der Aktie eingeben und auf "Kaufen" klicken – doch dann würden Sie ein paar wichtige Entscheidungen dem Zufall überlassen. Zu welchem Preis kaufen Sie die Aktie eigentlich? Das ist nämlich nicht immer der angezeigte Preis. Dieser ist nur der Preis, zu dem zuletzt ein Handel stattgefunden hat. Ihr Preis könnte weit davon entfernt liegen.

In der sogenannten Ordermaske können Investoren daher wichtige Details zu dem Kauf eingeben. Das Wichtigste ist natürlich die Stückzahl: Wie viele Aktien will man eigentlich kaufen? Das reicht allerdings häufig nicht – zur eigenen Sicherheit. Bei wenig liquiden Aktien, könnte es passieren, dass die Order nicht ausgeführt werden kann.

Der nächstbeste Preis könnte dann deutlich höher liegen. Das passiert jedoch im Normalfall nur bei wenig liquiden Aktien wie beispielsweise Pennystocks. Pennystocks sind Aktien, die nur wenige Cent wert sind. Der Kurs liegt also in der Regel unter einem Euro. Bei Blue Chips (also den Aktien aus dem Leitindex DAX) passiert so etwas sehr selten. Etwa in Zeiten von einem Börsencrash. Sonst ist der angezeigte Kurs oft auch nahezu identisch mit dem Abrechnungskurs.

Wer allerdings auf der sicheren Seite sein will, kann immer sogenannte Limits eingeben. Dies zeigt dem Broker den maximalen Preis, zu dem man bereit, ist die Aktie zu kaufen; oder den Mindestpreis, zu dem man verkauft. Ist ein Handel zu diesem Preis nicht möglich, wird die Order nicht ausgeführt.

Finanzmärkte sind sehr schnellebig

Wer in einzelne Aktien investiert, sollte den Überblick nicht verlieren. Kurzfristige Gewinnwarnungen oder Dividendenkürzungen können einen starken Einfluss auf die Kurse und damit den individuellen Gewinn haben. In sogenannten Ad-hoc-Meldungen müssen Unternehmen umgehend über die wichtigsten Veränderungen benachrichtigen.

Informationen, die kursbeeinflussende Wirkung haben könnten, müssen von Aktiengesellschaften in regulierten Börsensegmenten umgehend veröffentlicht werden. Details zu diesen Veröffentlichungen regelt das Wertpapierhandelsgesetz (WphG). Die Verpflichtung zur Veröffentlichung soll für eine einheitliche Informationsversorgung der Marktteilnehmer sorgen, sodass Informationsungleichheiten vermieden werden.

Die Analyse von Aktien

Wer sich etwas ausführlicher mit den Chancen und dem Potenzial seiner Aktien auseinandersetzen will, wirft einen Blick auf die Aktienanalyse. Diese beschreibt die Untersuchung des Unternehmenswertes. Die Aktienanalyse gliedert sich in die Fundamentalanalyse und die technische Analyse. In der Fundamentalanalyse wird das Unternehmen insbesondere anhand von Kennzahlen, Finanzkraft und Wachstumschancen bewertet. Die technische Analyse wertet hingegen den historischen Chart einer Aktie aus und versucht entsprechende Muster in dem Chart zu erkennen und Prognosen für die Zukunft abzuleiten.

Ziel der Analyse ist es, einen günstigen Einstiegszeitpunkt zu finden oder den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf. Wenn Analysten bei der Bewertung von einem Trend sprechen, setzt sich die Entwicklung der vergangenen Handelstage (oder Wochen bzw. Monate) noch weiter fort. Die Trendindikatoren sind dabei auch eine wichtige Grundlage für die technische Analyse. Charttechniker nutzen die Informationen von Trendlinien, um eine Umkehr des Trends frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

 Lesen Sie auch: Charttechnik für Einsteiger – was die Elliott Wellen bedeuten

Die Aussagekraft dieser Bewertungsverfahren ist allerdings in Wissenschaft und Praxis umstritten. Viele Marktteilnehmer setzen nach wie vor auf die Aktienanalyse, während insbesondere Wissenschaftler skeptisch sind. Die Markteffizienzhypothese besagt, dass alle Informationen bereits im Kurs enthalten sind und eine Chartanalyse oder Fundamentalanalyse keine weiteren Informationen liefern könnte. Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Eugen Fama stellte die Hypothese in den 1970er Jahren auf und erhielt dafür später den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
211,10
1,05%
2.
151,08
0,75%
3.
 150,56
0,75%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Investieren muss nicht kompliziert sein

Viel wichtiger, als den richtigen Zeitpunkt über die Aktienanalyse zu erwischen, ist für die meisten Privatanleger jedoch, überhaupt zu investieren. In Deutschland liegt die Aktienquote auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau. Dies ist keine neuartige Entwicklung, sondern seit Jahren konstant.

Viele Deutsche lassen ihr Vermögen lieber konservativ auf dem Bankkonto, als es in vergleichsweise riskantere Wertpapiere anzulegen. Dabei rät Barghoorn von Fidelity International: "Keine falsche Scheu vor der Börse. Eine Anlage am Kapitalmarkt ist bereits mit geringen Beträgen möglich." Und für die meisten Menschen auch sinnvoll.

Viele Wertpapiere, etwa die der großen deutschen DAX-Konzerne, sind vergleichsweise wenig volatil und bieten über Jahre eine konstante und stetige Entwicklung. Das heißt nicht, dass es kurzfristig nicht auch starke Schwankungen und Börsencrashs geben kann. Historisch betrachtet war die Entwicklung am deutschen Aktienmarkt jedoch bis auf ganz wenige Ausnahmen immer positiv.

Wer also mitten im Erwerbsleben steht oder auch gerade erst anfängt, sollte die Zeit bis zur Rente nutzen und in Aktien investieren. Eine Garantie im Leben gibt es natürlich nie. Jedoch wird das Risiko gerade von Privatinvestoren überschätzt. Wer einen Anlagehorizont von zehn, 20 oder mehr Jahren hat, hätte in der Vergangenheit (fast) immer eine positive Rendite erzielt. Denn umso länger Ihr Anlagehorizont, desto höher ist statistisch gesehen Ihre Rendite.

Gerade für Börsenneulinge ist ein ETF-Sparplan eine zeitgemäße und risikoarme Investition. Ein Sparplan ist wie ein Sparschwein für Börsianer. Viele Anleger starten mit einer monatlichen Einzahlung eines Betrages zwischen 25 und 100 Euro. Die monatliche Ansparung automatisiert sozusagen den Vermögensaufbau. Sie müssen nur die Entscheidung für einen Sparplan treffen und bauen ihr Depot jeden Monat ein Stück weiter aus.

Die Automatisierung ist wichtig, da viele Anleger sich nicht mit der Suche von Aktien beschäftigen wollen und daher oftmals auf eine Anlage verzichten. Das ist jedoch gleichbedeutend mit einer verpassten Rendite. Ein weiterer wichtiger Vorteil von Sparplänen ist der Durchschnittskosteneffekt. Langfristig können Sie sich einen attraktiven Durchschnittskurs sichern. Und Sie müssen sich keine Gedanken mehr machen über den richtigen Einstiegszeitpunkt.

Folgekosten – damit die Rendite nicht verschwindet

Ein letzter wichtiger Punkt für die Rendite sind die Kosten und Steuern. Eine besondere Kennzahl ist die Gesamtrendite des Portfolios. Sie beschreibt den Erfolg des Depots, also aller Investments zusammen. Die Rendite wird jedoch oftmals nicht nur von dem Erfolg am Aktienmarkt beeinflusst, sondern enthält gerade bei Privatanlegern eine besonders wichtige Komponente: die Kosten. Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren ist immer mit Kosten und Gebühren verbunden. Die reduzieren natürlich die Rendite des Investments.

Beispiel: Diese Auswirkungen haben Gebühren

Wenn Sie für 1.000 Euro Aktien der Firma BMW kaufen, zahlen Sie Ihrem Broker in der Regel einen Betrag zwischen fünf Euro und 50 Euro. In dem Extrembeispiel von 50 Euro muss die Aktie zunächst einmal fünf Prozent zulegen, bevor Sie den Verlust aus dem Kauf wieder ausgeglichen haben. Für den Verkauf kämen weitere fünf Prozent Gebühr dazu.

Die Aktie müsste also insgesamt erst einmal mehr als zehn Prozent zulegen, damit Sie einen wirklichen Gewinn erzielen – Dividenden-Ausschüttungen nicht eingerechnet. Angenommen die Handelsgebühr beträgt nur fünf Euro pro Trade, dann müsste die Aktie statt zehn Prozent nur noch um ein Prozent zulegen, bevor Sie bereits in die Gewinnzone rutschen. Das Beispiel zeigt, wieso Sie die Gebühren von Banken und Brokern genau vergleichen sollten.

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Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
12,51
0,50%
2.
10,00
0,40%
3.
8,75
0,35%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Nicht vergessen: Der Staat freut sich auch über Ihre Gewinne

Wenn auch nach Gebühren noch ein Gewinn übrig bleibt, gehört dieser immer noch nicht ganz alleine Ihnen. Denn auch der Staat will seinen Anteil erhalten. Die Berechnung der Steuer auf Kapitalerträge ist seit der Einführung der Abgeltungssteuer 2009 erheblich einfacher geworden. Die Bank führt die Steuer direkt ab. Sie müssen sich in der Regel nicht mehr mit den Steuern beschäftigen. Kapitalerträge, sofern sie den Sparer-Pauschbetrag übersteigen, unterliegen einem pauschalierten einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Lesen Sie auch unseren Ratgeber zum Thema Freistellungsauftrag

Der Sparer-Pauschbetrag ist ein Freibetrag für alle Anleger. Realisierte Gewinne (beispielsweise Kursgewinne oder Dividendeneinnahmen) bleiben bis zur Höhe von 801 Euro im Jahr steuerfrei. Erst über diesen Betrag hinaus fällt die Abgeltungssteuer von 25 Prozent an. Bei zusammen veranlagten Ehepartnern liegt der jährliche steuerfreie Betrag bei 1.602 Euro. Zuvor unterlagen Kapitalerträge dem individuellen persönlichen Einkommensteuersatz, nun ist der Steuersatz für alle Anleger einheitlich auf 25 Prozent fixiert.

Das erleichtert die Berechnung, sodass die Bank die Steuern automatisch ans Finanzamt abführen kann. Eine Ermittlung der Steuer auf die Kapitalerträge am Jahresende entfällt damit für Privatinvestoren. Die Abgeltungssteuer ersetzt im Wertpapierhandel seit 2009 die zuvor geltende Spekulationssteuer.

Seit 2019 können auch Privatanleger die Auswirkungen der Investmentsteuerreformspüren. Ziel der neuen Regulierung ist es, die Besteuerung von ausländischen und heimischen Fonds sowie zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds zu harmonisieren. In der Folge müssen Privatanleger teilweise eine Vorabpauschale zahlen. Die Berechnung und Abführung übernimmt jedoch die Bank. Sie als Privatanleger und Einsteiger merken die Änderungen daher kaum, zumal die Höhe der Vorabpauschale oftmals sehr gering ausfällt.

  • Biallo-Tipp: Bei der Bank einen entsprechenden Freistellungsauftrag einrichten und der Broker übernimmt den Rest für Sie.

Fazit: Eine Aktienanlage muss nicht kompliziert sein

Die Aktienanlage muss nicht kompliziert sein. Das Wichtigste: Den meisten Erfolg mit einer Wertpapieranlage haben Sie vermutlich, wenn Sie sich nicht zu viel den Kopf zerbrechen. "Langfristig geht kein Weg an Aktien vorbei," ist Barghoorn überzeugt. Und das ist nicht nur die Hausmeinung von Fidelity, sondern auch die Überzeugung vieler Wissenschaftler. Sie haben die Möglichkeit bei Ihrer Hausbank einen sehr günstigen ETF-Sparplan einzurichten.

Zwar ist Tagesgeld mit 31 Prozent nach wie vor eine der bevorzugten Geldanlagen der Deutschen, wie eine YouGov-Umfrage ergab. Doch vielleicht könnte sich das bald ändern. Wenn die Zinsen weiter so niedrig bleiben oder womöglich ins Negative fallen, werden Anleger wohl umdenken.

Biallo-Tipp

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de