Neue Steuerregeln für Fonds

Geldanlage Neue Steuerregeln für Fonds

von Michael Schreiber
09.05.2018
Auf einen Blick
  • Seit Jahresanfang zahlen inländische Fonds 15 Prozent Körperschaftsteuer auf deutsche Dividenden, deutsche Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien.
  • Für thesaurierende Fonds ermittelt die depotführende Stelle künftig zum Jahresende die sogenannte Vorabpauschale, auf die Anleger Abgeltungsteuer zahlen müssen.
  • Fondsanteile, die vor dem 1.Januar 2009 erworben wurden, konnten nur noch bis zum 31. Dezember 2017 steuerfrei verkauft oder an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden.
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Der Gesetzgeber hat zum 1. Januar 2018 die Besteuerungsregeln für Publikumsfonds geändert. Bis Ende 2017 wurden Fondsanleger wie Direktanleger behandelt, das hieß, nur der Anleger wurde besteuert, aber nicht der Fonds. Seit Jahresbeginn werden erstmalig in deutschen Fonds bestimmte Erträge steuerlich belastet.

Zum Ausgleich werden künftige Ausschüttungen aus Fonds und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen bei der Abgeltungsteuer für Privatanleger teilweise steuerfrei gestellt. Biallo.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Systemwechsel:

Warum wird die bisherige Fondsbesteuerung überhaupt geändert?

Die Bundesregierung wollte bestehende EU-rechtliche Risiken wegen der unterschiedlichen Steuerregeln für inländische und ausländische Investmentfonds ausräumen, früher mögliche legale und illegale Steuerschlupflöcher mit Fondsgestaltungen schließen und den steuerlichen Ermittlungsaufwand bei Publikumsfonds und den Kontrollaufwand auf Seiten der Finanzverwaltung vermindern.

Brauchten Fondssparer bisher bis zu 33 verschiedene Informationen für die Steuererklärung, werden es ab diesem Jahr nur noch vier Angaben sein, die der Fonds bereitstellen muss:

Vorteil des vereinfachten Systems: Die Depotbank kann den automatischen Einbehalt der fälligen Abgeltungsteuern jetzt auch für ausländische Fonds leisten. Damit entfällt die bisher in der Praxis sehr streitanfällige Strafbesteuerung intransparenter Fonds, die nicht alle vom deutschen Fiskus geforderten Meldedaten umfassen und pünktlich liefern.

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Inwieweit ändert sich das System der Fondsbesteuerung?

Bis Ende 2017 galt das sogenannte steuerliche Transparenzprinzip. Ein Anleger versteuerte die Erträge aus einer Geldanlage in Investmentfonds so, wie dies auch im Fall einer Direktanlage der Fall gewesen wäre. In diesem System konnten die Investmentfonds selbst bisher komplett steuerfrei agieren. Sie kassierten Zins- und Dividendenerträge sowie Kursgewinne steuerfrei ein und konnten ihre Wertpapierbestände ohne Steuerbelastung beliebig oft umschichten.

Das Finanzamt griff nur auf der Ebene der Fondsanleger zu. Diese mussten Fondsausschüttungen, thesaurierte Erträge und Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen, die sie nach 2008 gekauft haben, versteuern. War der persönliche Sparerpauschbetrag (801 Euro für Ledige / 1.602 Euro für Verheiratete) verbraucht, wurden 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig. Dazu kamen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer – je nach Bundesland beträgt sie acht oder neun Prozent der Abgeltungsteuer.

Daraus summierte sich bislang eine Gesamtsteuerbelastung auf Fondserträge von maximal 27,99 Prozent. Die Steuern wurden von der inländischen Depotbank einbehalten und an den Fiskus abgeführt. Erträge aus Auslandsdepots mussten Sparer über die jährliche Einkommensteuererklärung selbst nachversteuern.

Seit Anfang 2018 sollen Publikumsfonds und Indexfonds (ETFs) bereits auf Fondsebene auf bestimmte Erträge Steuern inklusive Solidarzuschlag in Höhe von insgesamt 15 Prozent bezahlen. Steuerpflichtig werden insbesondere deutsche Dividenden, deutsche Mieterträge sowie realisierte Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien.

Andere Erträge wie Verkaufsgewinne aus Wertpapieren, ausländische Dividenden, ausländische Immobilienerträge und Gewinne aus Termingeschäften bleiben wie bisher auf Fondsebene steuerfrei und werden erst beim Anleger versteuert. Auch Zinserträge bleiben wie bisher steuerfrei. Reine Rentenfonds sind demnach von der Reform 2018 überhaupt nicht betroffen. Unter dem Strich werden in- und ausländische Publikumsfonds künftig steuerlich gleich behandelt.

Was bedeuten die Änderungen für Fondssparer?

Da der Fonds jetzt auf einen Teil seiner Erträge selbst Steuern zahlen muss, bleiben für Fondssparer aktuell weniger ausschüttungsfähige oder reinvestierbare Erträge übrig. Um diesen Malus auszugleichen, müssen Anleger künftig nur noch auf einen Teil ihrer Fondserträge Steuern bezahlen. Der Gesetzgeber spricht hier von "Teilfreistellung".

Wie hoch fällt diese Teilfreistellung aus?

Das kommt auf den Anlageschwerpunkt des einzelnen Fonds an (siehe Tabelle). Bei reinen Aktienfonds, die fortlaufend gemäß ihrer Anlagebedingungen mindestens 51 Prozent des Fondsvermögens in Aktien investieren, wird die Freistellung für Privatanleger 30 Prozent betragen. Unternehmer, die im Betriebsvermögen Fondsanteile halten, kommen in den Genuss einer Freistellung von 60 Prozent. Bei Immobilienfonds, die fortlaufend mindestens 51 Prozent des Volumens in deutschen Immobilien anlegen, beläuft sich die Freistellung auf 60 Prozent der Erträge.

Liegt der Anlageschwerpunkt im Ausland, sind es sogar 80 Prozent. Mischfonds garantieren eine Teilfreistellung von 15 Prozent, wenn sie mindestens 25 Prozent des Fondsvermögens in Aktien investieren. Liegt die Aktienquote darunter, muss der Anleger seine Erträge ohne Abschlag versteuern. Bei Dachfonds wird auf die Fonds geschaut, in die der Dachfonds investiert. Die Teilfreistellung umfasst Ausschüttungserträge und Gewinne aus dem Verkauf oder der Rückgabe von Fondsanteilen sowie die Vorabpauschale, die künftig bei thesaurierenden Fonds ermittelt wird.

Besteuerung der Fondsanleger ab 2018

FondstypAnlagebedingungFreistellung der Erträge bei PrivatvermögenFreistellung der Erträge bei BetriebsvermögenFreistellung der Erträge bei Körperschaften
Aktienfondsfortlaufend mind. 51% des Vermögens in Aktien30%60%80%
Mischfondsfortlaufend mind. 25% des Vermögens in Aktien15%30%40%
Immobilienfondsfortlaufend mind. 51% des Vermögens in deutschen Immobilien60%60%60%
Immobilienfondsfortlaufend mind. 51% des Vermögens in ausländischen Immobilien80%80%80%
Dachfonds (Aktien)fortlaufend mind. 51% des Vermögens in Aktien; Aktienfonds gelten zu 51% ihres Wertes als Aktien30%60%80%
Dachfonds (Mischfonds)fortlaufend mind. 25% des Vermögens in Aktien; Aktienfonds gelten zu 51% ihres Wertes als Aktien; Mischfonds gelten zu 25% ihres Wertes als Aktien15%30%40%
Dachfonds (Immobilien)fortlaufend mind. 51% des Vermögens in deutschen Immobilien60%60%60%
Dachfonds (Immobilien)fortlaufend mind. 51% des Vermögens in ausländischen Immobilien80%80%80%
Quelle: BMF, eigene Recherche

Haben Privatsparer eigentlich Nachteile von der Reform?

Das kommt auf die persönlichen Verhältnisse an. Durchschnittsanleger profitieren sogar von der Reform, denn sie zahlen künftig nicht mehr, müssen sich aber weniger um Steuerfragen kümmern. Kleinsparer, die mit ihren jährlichen Kapitalerträgen den eigenen Sparerpauschbetrag nicht ausschöpfen, haben von den Teilfreistellungen keinen Vorteil, müssen aber geringere Ausschüttungen ihres Fonds hinnehmen.

Sie verlieren mit der Reform Ertragspotenzial, das für den Aufbau der privaten Altersvorsorge gebraucht wird. Das gilt auch für Steuerzahler, die mit Hilfe einer Nichtveranlagungsbescheinigung steuerfreie Kapitalerträge erzielen. Nachteile erleiden definitiv auch Sparer mit fondsgebundenen oder klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen oder Fondsanlagen im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung.

Bei all diesen steuerprivilegierten Geldanlagen läuft die Teilfreistellung der Fondserträge ins Leere, die geringeren Ausschüttungen der Fonds aufgrund der Steuervorbelastung von 15 Prozent schmälern damit voll die Ertragsaussichten dieser Produkte.

Eine Schlechterstellung gegenüber einem Direktanleger müssen künftig auch Sparer hinnehmen, die ihr Vermögen in offenen Immobilienfonds angelegt haben. Bis Ende 2017 konnten Fonds Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, die sie zehn Jahre im Bestand hatten, steuerfrei realisieren und auch steuerfrei an den Sparer ausschütten.

Seit Jahresbeginn werden auch Veräußerungsgewinne aus inländischen Immobilien besteuert, die der Fonds länger als zehn Jahre gehalten hat. Von dieser Steuerpflicht werden nur die Immobilien ausgenommen, bei denen bis zur Verkündung des Gesetzes die zehnjährige Haltefrist bereits abgelaufen war.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Muss ich jetzt für meinen Riester-Fondsparplan auch Steuern bezahlen?

Nein. Zertifizierte Altersvorsorgeverträge wie Riester- und Rürup-Fondsparpläne bleiben auch weiterhin in der Ansparphase komplett steuerbefreit. Sie sind von der Reform nicht betroffen. Das Finanzamt hält – wie bisher – erst später in der Auszahlungsphase die Hand auf.

Ich habe Anteile an einem thesaurierenden Fonds im Depot. Wie funktionierte die Besteuerung bisher?

Fonds, die wenig oder gar nichts ausschütten und die erzielten Erträge im Fondsvermögen ansammeln, werden thesaurierende Fonds genannt. Bislang wurden die übers Jahr aufgelaufenen Erträge zum Geschäftsjahresende des Fonds dem Anleger fiktiv als Ertrag zugewiesen. Die entsprechenden "ausschüttungsgleichen Erträge" mussten die Fonds bisher aufwendig ermitteln und veröffentlichen.

Wurden die Anteile eines im Inland aufgelegten thesaurierenden Fonds auch in einem Inlandsdepot verwahrt, zwackte die Depotbank nach dem Verbrauch des Sparerpauschbetrages Abgeltungsteuer ab und erteilt dem Fondssparer eine entsprechende Steuerbescheinigung. Die für die Steuerzahlung notwendige Liquidität stellte der Fonds zur Verfügung.

Wurden die Fondsanteile später mit Profit verkauft, ermittelte die Depotbank automatisch den steuerpflichtigen Gewinn und führte die fällige Steuer an den Fiskus ab. Wurden die Fondsanteile in einem Auslandsdepot verwahrt, erfolgte die Versteuerung nachträglich über die Steuererklärung des Sparers.

Wurde der thesaurierende Fonds im Ausland aufgelegt, müssen Fondssparer beim Ausfüllen der Steuererklärung für 2017 auf der Hut sein. Man erkennt diese Fonds an der Wertpapiernummer (ISIN) – statt DE als Länderkürzel für Deutschland beginnen sie beispielsweise mit LU, CH, AT, US oder IR.

Anleger mit solchen Fonds in einem in- oder ausländischen Depot müssen selbst aktiv werden und ihre laufenden Erträge in der Steuererklärung 2017 angeben, weil weder die Depotbank noch die ausländische Investmentgesellschaft Steuern an den deutschen Fiskus abführen.

  • Biallo-Tipp: Das gilt einmalig – bedingt durch die Systemumstellung – auch für ausschüttende Fonds, wenn zwischen der letzten Ertragsausschüttung im Jahr 2017 und dem Jahresende noch nennenswerte Zeit verstrichen ist. In der Jahresbescheinigung für 2017 werden diese Fondsgesellschaften "ausschüttungsgleiche Erträge" ausweisen. Diese müssen Sparer in ihrer Steuererklärung für 2017 auf dem Formular Anlage KAP (Zeile 15) von sich aus angeben und über den Steuerbescheid nachträglich die fällige Abgeltungsteuer nachzahlen. Wer diese Erträge nicht angibt, macht sich möglicherweise strafbar.

Haben Sie im vergangenen Jahr Anteile eines thesaurierenden Fonds verkauft, droht eine teure Steuerfalle: Bei Verwahrung der Fondsanteile im Inland behält die Depotbank auf den gesamten aufgelaufenen Wertzu­wachs der Wertpapiere sämtlicher Vorjahre Abgeltungsteuer, Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer fürs Finanzamt ein. Das muss das deutsche Geldinstitut sogar tun, obwohl die Kunden einen Teil der Erträge in den früheren Jahren bereits versteuert haben.

Den "schwarzen Peter" hat der Sparer. Er muss in seiner Steuer­erklärung für 2017 oder der Vorjahre die zu viel bezahlten Steuerabzüge zurückfordern. Außerdem muss er nachweisen, dass er in seiner Steuererklärung der vorangegan­genen Jahre die Fondserträge bereits abgerechnet hat. Wer hier nicht aufpasst, zahlt auf die Erträge sonst doppelt Steuern.

  • Biallo-Tipp: Bewahren Sie alle Fondsbescheinigungen, An- und Verkaufsbelege sowie die Steuerbescheide der Altjahre so lange auf, bis Sie alle Fondsanteile verkauft und alles mit dem Finanzamt abgerechnet haben. Nur so können Sie später dafür sorgen, dass Sie nicht doppelt Steuern zahlen müssen.

Was ändert sich für thesaurierende Fonds durch die Reform ab 2018?

Das System wird mit der Reform vereinfacht und völlig umgekrempelt. Die bisherige Besteuerung der "ausschüttungsgleichen Erträge" wird durch eine Vorabpauschale ersetzt. Die aufwendigen Datenermittlungen durch die Fonds entfallen. Steuern werden hier künftig auf Basis einer vorab definierten pauschalen Bemessungsgrundlage erhoben.

Die Höhe der Vorabpauschale bestimmt sich nach dem Wert des Fondsanteils am Jahresanfang multipliziert mit 70 Prozent des jährlich amtlich veröffentlichten Basiszinssatzes. Dieser Basiszins wird jährlich durch die Deutsche Bundesbank anhand der Durchschnittsverzinsung öffentlicher Anleihen ermittelt und bekanntgegeben.

Für das Jahr 2018 hat das Bundesfinanzministerium mit Schreiben vom 4. Januar 2018 den maßgeblichen Basiszinsatz mit 0,87 Prozent mitgeteilt. Die Vorabpauschale gilt mit Ablauf des Kalenderjahres als zugeflossen, für 2018 also erstmals am 1. Januar 2019. Im Jahr des Erwerbs des Fondsanteils wird die Vorabpauschale zeitanteilig ermittelt.

Beispiel:

Der Wert der Fondsanteile beträgt am 1. Januar 2018 10.000 Euro. Die steuerpflichtige Vorabpauschale errechnet sich wie folgt:
10.000 Euro x 0,87 Prozent (amtlicher Basiszinssatz) = 87 Euro x 70 Prozent = 61 Euro

Auf die errechnete Vorabpauschale wird – je nach Fondstyp – die dafür vorgesehene Teilfreistellung gewährt. Bei einem reinen Aktienfonds wären deshalb 30 Prozent (61 Euro x 30 Prozent = 18,30 Euro) steuerfrei – als steuerpflichtiger Ertrag blieben 42,70 Euro übrig. Auf diesen Ertrag von 42,70 Euro werden Steuern aber erst einbehalten, wenn der Sparerpauschbetrag von 801 Euro ausgeschöpft ist. Steuerzahlungen werden vom Konto des Anlegers ab Januar 2019 abgebucht – damit sollte man frühzeitig rechnen und für ausreichende Deckung sorgen.

Der Höhe nach wird die steuerpflichtige Vorabpauschale auf die Wertsteigerung des Fonds im Jahr begrenzt.

Ergänzung des Beispiels:

Wert der Fondsanteile am 1. Januar 2018: 10.000 Euro.
Wert der Fondsanteile am 1. Januar 2019: 10.040 Euro.
Wertsteigerung: 40 Euro.

Da dieser Wert niedriger ist als die errechnete Vorabpauschale von 61 Euro, wird die Wertsteigerung als steuerpflichtiger Ertrag angesetzt. Auch hier erfolgt noch ein Abzug der Teilfreistellung (angenommen reiner Aktienfonds: 30 Prozent Abschlag = 12 Euro). Steuerpflichtig wären dann noch 28 Euro.

Tatsächlich geleistete Ausschüttungen des Fonds mindern die Vorabpauschale gegebenenfalls bis auf null Euro. Eine negative Vorabpauschale aufgrund von hohen Wertverlusten des Fonds ist nicht möglich.

Wie werden die Steuern aufgrund der steuerpflichtigen Vorabpauschale erhoben, wenn der Fonds tatsächlich keine Erträge auszahlt?

Anders als bisher wird die notwendige Liquidität für Steuerzahlungen nicht mehr vom Fonds zur Verfügung gestellt. Fällige Steuern werden künftig vom Kundenkonto des Anlegers abgebucht. Mit Belastungen auf dem Konto müssen Sparer aber frühestens ab Januar 2019 rechnen. Denkbar ist auch eine Teilveräußerung der verwahrten Fondsanteile, um die notwendigen Gelder für die Steuerzahlung zu beschaffen.

Hier wird es darauf ankommen, ob die allgemeinen Geschäftsbedingungen der jeweiligen Depotbank einen Zugriff auf die verwahrten Fondsanteile zulassen. Werden die Anteile in einem ausländischen Depot verwahrt, muss der Anleger wie bisher seine Erträge und Gewinne in der persönlichen Einkommensteuererklärung für 2018 deklarieren.

Damit es letztlich beim späteren Verkauf der Fondsanteile nicht wieder zu einer Doppelbesteuerung der aufgelaufenen Erträge kommt, werden die bereits versteuerten Vorabpauschalen ab 2018 bei der Ermittlung des Gewinns aus dem Verkauf oder der Rückgabe der Fondsanteile mindernd abgezogen. Gegenüber dem bisherigen System stellt das eine wesentliche Vereinfachung der Steuerabrechnung für den Sparer dar.

Was passiert mit Fondsanteilen, die ich vor Einführung der Abgeltungsteuer erworben habe?

Mit der Novellierung wird auch das Steuerprivileg beschnitten. Und dieser Vorgang werde häufig missverstanden, sagt Volker Laux, Investmentfondsexperte aus Bensheim. "Mit Einführung der Abgeltungssteuer am 1. Januar 2009 galt die Regelung, dass Kursgewinne von Fonds in unbegrenzter Höhe steuerfrei sind, wenn die Fondsanteile vor 2009 erworben und mindestens ein Jahr gehalten wurden", sagt Laux. Diese – ursprünglich weder zeitlich noch der Höhe nach befristete Steuerfreiheit – wurde nun beschnitten: "Anleger, die ihre Altanteile aus Käufen vor 2009 noch über den 31. Dezember 2017 hinaus im Depot gehalten haben, wurden zum Jahreswechsel steuerlich so gestellt, als ob sie sämtliche Anteile per 31. Dezember 2017 verkauft hätten. Kursgewinne in jeglicher Höhe gelten bis zu diesem Zeitpunkt als steuerfrei vereinnahmt", betont der Experte.

Kursgewinne, die ab dem 1. Januar 2018 aus diesen Altanteilen entstehen, bleiben zunächst weiterhin steuerfrei. Überschreiten sie jedoch den jetzt neu eingeführten Freibetrag von 100.000 Euro, unterliegen diese Kursgewinne zukünftig der Abgeltungssteuer. "Genauso, wie wenn die Fondsanteile nach 2009 erworben worden wären."

Wie soll das genau funktionieren?

Der Gesetzgeber hat hier einen technischen Trick vorgesehen. Alle Fondsanteile gelten automatisch am 31. Dezember 2017 als verkauft und am 1. Januar 2018 als wieder angeschafft. Maßgeblich war dabei der am letzten Börsentag des Jahres festgesetzte Rücknahmepreis der Fondsanteils sein. Die entsprechenden Daten wurden bei der Depotbank gespeichert.

Gewinne aus Altanteilen, die bis dahin durch einen Verkauf tatsächlich realisiert wurden oder als reine Buchgewinne im Depot aufgelaufen sind, bleiben somit auch weiterhin komplett steuerfrei. Kursgewinne, die seit 1. Januar 2018 auf diese alten Anteile neu entstehen, bleiben dagegen künftig nur noch bis zu einem Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger steuerfrei.

Ehepaare, die ihre Fondsanteile in einem Gemeinschaftsdepot halten, haben damit Anspruch auf 200.000 Euro Freibetrag. Erst darüber hinaus verlangt das Finanzamt Abgeltungsteuer. Der Freibetrag kann nur im Rahmen der Veranlagung durch das Finanzamt berücksichtigt werden.

Hat der Anleger nach 2008 neue Fondsanteile erworben und führte die vom Gesetzgeber beschlossene fiktive Zwangsveräußerung zum 31. Dezember 2017 zu steuerpflichtigen Veräußerungsgewinnen, müssen die darauf entstandenen Steuern erst zu dem Zeitpunkt bezahlt werden, zu dem der Sparer seine Anteile tatsächlich verkauft. Bis dahin wird die Steuerschuld in den Daten der Depotbank gespeichert.

Wie werden Fondsanteile behandelt, die im Wege einer Schenkung oder Erbschaft ins Depot gekommen sind? Wird der Veräußerungsgewinn bei der geplanten Systemumstellung Abgeltungsteuer kosten?

Das kommt darauf an, wann der Schenker oder Erblasser diese Fondsanteile erworben hat. Die steuerliche Zuordnung zum Alt- oder Neubestand richtet sich nach dem Kaufzeitpunkt des Schenkers oder Erblassers. Hat er die Fondsanteile vor dem 1. Januar 2009 erworben, handelt es sich um privilegierte Altbestände. Kursgewinne bis 31. Dezember 2017 bleiben damit komplett steuerfrei. Daran ändert sich auch nichts, wenn diese Altbestände künftig im Wege einer Erbschaft oder Schenkung in ein Wertpapierdepot der Nachkommen übertragen werden. Auch der 100.000-Euro-Freibetrag wandert dabei mit und kann so mit einer geschickten Erbregelung vervielfacht werden.

Warum hat der Gesetzgeber den Bestandsschutz für Altanteile überhaupt abgeschafft?

Dem Fiskus waren bestimmte Steuergestaltungen seit langem ein Dorn im Auge. Kurz vor Einführung der Abgeltungsteuer zum Jahresanfang 2009 haben reiche deutsche Steuerzahler sehr große Vermögen vorwiegend in Luxemburger Fonds eingezahlt und mit diesem Trick jahrelang und in großem Stil völlig legal Steuern gespart. Vor allem diesen "Millionärsfonds" wollte der Gesetzgeber ab 2018 das Fondsprivileg nehmen.

Leider wurde der Bestandsschutz aber für alle Fondsanleger abgeschafft – es trifft also theoretisch auch die Kleinanleger. Der hohe Freibetrag von 100.000 Euro für Kursgewinne ab 2018 soll aber verhindern, dass Kleinsparer von dem Einschnitt tatsächlich getroffen werden.

Wie sollten Fondsparer auf die Neuregelung reagieren?

Zunächst gilt es, weiter Ruhe zu bewahren. Ein vorschneller Verkauf älterer Fondsanteile nur wegen der neuen Steuerspielregeln ist vielfach nicht nötig. Die neue Besteuerung für vor 2009 erworbene Fondsanteile greift nur bei größeren Vermögen, denn Kleinanleger können einen Pro-Kopf-Freibetrag von 100.000 Euro für ab 2018 anfallende Kursgewinne beanspruchen. Kursgewinne, die bis Ende 2017 angefallen sind, bleiben für vor 2009 gekaufte Fondsanteile ohnehin weiter komplett steuerfrei.

Wer Fondsanteile in diesem Jahr oder ab 2019 mit Kursgewinnen verkauft, die nach dem 1. Januar 2018 entstanden sind, muss zunächst einen Steuerabzug durch die Depotbank hinnehmen. Den Freibetrag von 100.000 Euro verwaltet nämlich das örtliche Finanzamt – die überzahlten Steuern gibt es frühestens im Rahmen der nächsten Steuererklärung zurück.

  • Biallo-Tipp:Wer mit Fonds eine größere Summe angespart hat, kann mit einem Trick den Freibetrag von 100.000 Euro vervielfachen. Dazu muss er seine Altanteile an Familienangehörige verschenken. Die Steuerfreiheit für Kursgewinne auf diese Alt-Anteile wird dabei mit übertragen. Das gilt sogar wenn die Schenkung erst jetzt – im Jahr 2018 oder in den Folgejahren – vollzogen wird. Der Kniff hat allerdings einen Haken. Das Geld ist definitiv weg – man kann es sich nicht später heimlich von seiner Verwandtschaft zurückholen. Das würde das Finanzamt als Steuerhinterziehung werten.

Überträgt man Vermögen auf nahe Angehörige, fällt dank hoher Freibeträge keine Schenkungsteuer an. Der Ehegatte kann dadurch 500.000 Euro steuerfrei erhalten, Kinder 400.000 Euro, Enkel 200.000 Euro und Urenkel immerhin noch 100.000 Euro, ohne dass Vater Staat die Hand aufhält. Die Freibeträge erneuern sich alle zehn Jahre.

Unabhängig von den geänderten Steuerspielregeln für Investmentfonds kann es sich aber lohnen, mal seine privaten Geldanlagen zu durchforsten und schlecht laufende oder teure Fonds abzustoßen und in günstigere oder besser bewertete Produkte umzuschichten. Denn eine gute Geldanlage rechnet sich unabhängig von der Besteuerung.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de