ETFs und aktive Fonds: Ausschüttend oder thesaurierend?

Vermögensaufbau ETFs und aktive Fonds: Ausschüttend oder thesaurierend?

Peter Rensch
von Peter Rensch Max Geißler
15.11.2019
Auf einen Blick
  • Ausschüttende Anteilklassen dienen dem Anleger zur Erwirtschaftung regelmäßiger Erträge.

  • Thesaurierende Anteilklassen behalten die erwirtschafteten Erträge ein, um diese automatisch zu reinvestieren.

  • Mit der Reform des Investmentsteuergesetzes wurde die sogenannte Cash-Flow-Besteuerung umgesetzt.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Angesichts anhaltender Zinsdürre und nicht unerheblicher Börsenrisiken haben Fonds, die Dividenden oder Zinsen ausschütten, einen großen Vorteil: Sie gewähren regelmäßig einen sicheren Ertrag.

Bei Investmentfonds – aktiv wie passiv – können Anleger zwischen zwei Varianten wählen: Ausschüttung oder Thesaurierung. Bei der ersten Variante erzielen Anteilseigner Erträge aus Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen, die in der Regel jährlich ausgeschüttet werden. Über die ausgeschütteten Erträge können sie frei verfügen.

Bei der zweiten Variante werden die Erträge automatisch wieder in den gleichen Fonds reinvestiert, sprich thesauriert. Anleger erhalten also keine Ausschüttung, sondern der Investitionsschwerpunkt liegt auf einer permanenten Wertsteigerung ihrer erworbenen Fondsanteile und einem langfristigen Vermögensaufbau.

Lesen Sie auch: Die besten ETFs auf den MSCI World Index

Pro und Contra der zwei Fondsvarianten

Ausschüttende Fonds

  • Vorteil: Regelmäßige Erträge, die Ihnen frei zur Verfügung stehen und in andere Anlageformen investiert werden können, was die Diversifikation Ihres Vermögens ermöglicht.

  • Nachteil: Nach der Ausschüttung müssen Sie neue rentable Investitionsmöglichkeiten für die Erträge finden, bei denen gegebenenfalls weitere Gebühren anfallen. Darüber hinaus ist wegen der Ausschüttung der Erträge bei Ihrem Fondsanteil mit keiner großen Wertsteigerung zu rechnen.

Thesaurierende Fonds

  • Vorteil: Keine Extragebühren bei Reinvestition der Erträge in neue Fondsanteile. Teils enormer Wertzuwachs durch Anstieg des Fondsvermögens.

  • Nachteil: Keine Ausschüttung der Erträge und ein erhöhtes Verlustrisiko bei fallenden Kursen, da alle Erlöse reinvestiert werden.

Biallo-Tipp: Legen Sie Wert auf einen langfristigen Vermögensaufbau, sind thesaurierende Fonds dafür am besten geeignet, da ein kontinuierlicher Vermögensaufbau im Vordergrund steht. Geht es Ihnen um regelmäßige Ertragsauszahlungen, sind ausschüttende Fonds die bessere Variante.

Lesen Sie auch: Investieren in Dividenden-ETFs

Wie verhält sich die Rendite?

Bei der Ermittlung der Fondsrendite spielen die Erträge eine wichtige Rolle. Es gilt die Grundregel: Nur bei thesaurierenden Fonds entspricht die von den Fondsgesellschaften ausgewiesene Rendite dem tatsächlichen Wertzuwachs. Bei ausschüttenden Fonds kommt es darauf an, was Sie als Anleger mit den vereinnahmten Erträgen machen. Investieren Sie diese umgehend in den gleichen Fonds, erzielt er am Ende in etwa die gleiche Performance wie ein thesaurierender Fonds. Lediglich die Kaufgebühren schmälern den Nettogewinn.

Konsumieren Sie jedoch die Erträge oder investieren sie diese anderweitig, etwa in Festgeld oder Tagesgeld, fällt die Fondsrendite zurück. Der Zinseszinseffekt kann bei ausbleibender Wiederanlage von Zinsen oder Dividenden nur unzureichend für Sie arbeiten.

Hinweis: Dass die Performance von thesaurierenden und ausschüttenden Fonds in Vergleichen meist identisch erscheint (s. Tabelle unten), hat damit zu tun, dass unterstellt wird, dass die Dividenden bei ausschüttenden Fonds direkt reinvestiert werden. Die Performance ist dann quasi nur ein theoretischer Wert.

Neue Steuerregelungen für Fonds

Seit Anfang 2018 gilt die Reform des Investmentsteuergesetzes, wonach alle Fonds anhand einer Jahrespauschale besteuert werden. Ziel dieser neuen Regelungen ist es, Depotbanken und Anleger den Aufwand für die Versteuerung zu vereinfachen. Der Sitz der Fondsgesellschaft spielt bei der Versteuerung ebenso wenige eine Rolle wie die Verwendung der Dividenden – also ob sie ausgeschüttet oder thesauriert werden.

Im Zuge der Investmentsteuerreform müssen nun alle Anleger 26,375 Prozent Abgeltungsteuer (ohne Kirchensteuer) von der neu eingeführten Vorabpauschale zahlen, die jedoch direkt von der Depotbank abgeführt wird. Somit müssen die Fondserträge nicht mehr bei Ihrer Steuererklärung angeben werden. Bei der Vorabpauschale handelt es sich um einen Basisertrag, den der Fondsanbieter anhand einer vorgegebenen Rechenformel bestimmen muss.

Lesen Sie auchSo funktioniert die neue Investmentsteuer

Bei thesaurierenden Fonds entfällt die Steuer, wenn am Jahresende keine positive Wertentwicklung vorliegt. Bei ausschüttenden Fonds müssen in diesem Fall nur 70 Prozent der Erträge versteuert werden. Bei beiden Fondsarten entfällt die Quellensteuer.

"Mit der Reform des Investmentsteuergesetztes wird die sogenannte Cash-Flow-Besteuerung umgesetzt. Das bedeutet, dass grundsätzlich der gesamte Zahlungsstrom aus einem Fonds an die Anleger steuerpflichtig ist", sagt Markus Temme, Pressesprecher von Union Investment. "Ausschüttungen sind damit vollständig steuerpflichtig, es sei denn, für den Fonds existieren sogenannte Teilfreistellungen."

Neue Regeln bei ausländischen Fonds

Die Vorabpauschale wird am Anfang des Folgejahres entweder durch Belastung des Kontos oder durch den Verkauf von Fondsanteilen beglichen. "Neu ist, dass auch bei ausländischen thesaurierenden Fonds jährlich Steuer abgeführt werden kann, wenn der Fonds in einem inländischen Depot gehalten wird", sagt Temme. "Eine regelmäßige Angabe der steuerlichen Erträge in der Steuererklärung des Anlegers entfällt somit."

Die Vorabpauschale kann laut Temme auch anfallen, wenn ein ausschüttender Fonds – gemessen am offiziell veröffentlichten Basiszins – zu wenig ausgeschüttet hat. "Daher strebt Union Investment für die ausschüttenden Fonds grundsätzlich eine Mindestausschüttung pro Jahr in Höhe der Vorabpauschale an."

Lesen Sie auch: Wie Anleger Verluste steuerlich geltend machen können

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
211,10
1,05%
2.
151,08
0,75%
3.
140,49
0,70%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Einige Fondsgesellschaften haben aus der Reform des Investmentsteuergesetzes Konsequenzen gezogen. So hat die Deka zum Beispiel etliche thesaurierende Fonds mittlerweile auf Ausschüttung umgestellt. "Denn bei thesaurierenden Sondervermögen fällt bei positiver Wertentwicklung die Vorabpauschale an, die nicht vom Fonds abgeführt werden kann, sondern vom Anleger selbst aufgebracht werden muss, zum Beispiel über die Belastung des Girokontos", heißt es von Seiten der Deka.

 

 

Drei ausgewählte thesaurierende ETFs im Vergleich

ETF ISINPerformance 1 JahrPerformance 3 JahrePerformance 5 Jahre
iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc)IE00B4L5Y98314,23 % (USD)

16,71 %
(EUR*)

41,97 % (USD)

39,94 %
(EUR*)
46,61 % (USD)

66,10 %
(EUR*)
Xtrackers MSCI World Index UCITS ETF 1CIE00BJ0KDQ9214,21 %
(USD)

16,68 %
(EUR*)
42,03 %
(USD)

40,00 %
(EUR*)
46,05 %
(USD)

65,48 %
(EUR*)
Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETFLU178154117914,05 %
(USD)

16,23 %
(EUR*)
Quelle: eigene Recherche / Performancedaten: onvista.de
*umgerechnet in Euro

Drei ausgewählte ausschüttende ETFs im Vergleich

ETF ISIN Performance 1 JahrPerformance 2 JahrePerformance 3 Jahre
iShares MSCI World UCITS ETF (Dist)IE00B0M62Q5813,90 %
(USD)

16,37 %
(EUR*)
40,94 %
(USD)

38,89 %
(EUR*)
44,82 %
(USD)

64,02 %
(EUR*)
HSBC MSCI WORLD UCITS ETFDE000A1C9KL812,39 %
(USD)

15,64 %
(EUR*)
42,69 %
(USD)

40,37 %
(EUR*)
45,36 %
(USD)

63,68 %
(EUR*)
UBS ETF (LU) MSCI World UCITS ETF (USD) A-disLU034028516113,93 %
(USD)

16,11 %
(EUR*)
40,93 %
(USD)

38,88 %
(EUR*)
44,30 %
(USD)

63,48 %
(EUR*)
Quelle: eigene Recherche / Performancedaten: onvista.de
*umgerechnet in Euro

Lesen Sie auch: Wo das eigentliche Währungsrisiko bei ETFs liegt

Fazit: Ob thesaurierend oder ausschüttend – bei der Auswahl von Fonds kommt es auf Ihre Anlagestrategie an. Wollen Sie regelmäßige Ertragsausschüttungen oder präferieren Sie einen nachhaltigen Wertzuwachs? Steuerlich gibt es durch die Reform des Investmentsteuergesetzes keine bedeutenden Unterschiede mehr zwischen beiden Fondsarten.

Lesen Sie auch: Die richtige Anlagestrategie bei ETFs

Biallo-Lesetipp

Wer seine Geldanlage nicht selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo Advisor eine geeignete Alternative. Hier gibt es Vermögensverwaltung, Depotführung, Transaktions- und Fondskosten bereits für unter einem Prozent des Anlagevolumens. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Peter Rensch
Peter Rensch
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Peter Rensch
Peter Rensch

ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Peter Rensch
Peter Rensch

ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de