Auf einen Blick
  • Nach dem Ende der strengen Null-Covid-Politik stehen die Zeichen in China wieder auf Wachstum. Das dürfte langfristig auch am Aktienmarkt spürbar werden.

  • Eine Investition in Firmen aus dem Riesenreich bietet daher Chancen. Sie hat aber auch Tücken. Dazu gehört etwa der Dauerkonflikt zwischen China und den USA.

  • Wir zeigen Ihnen, mit welchen ETFs Sie in chinesische Unternehmen investieren können – und was Sie dabei beachten sollten.
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Der Besuch war lange angekündigt worden. Nun kam er endlich zustande: US-Außenminister Antony Blinken wurde bei seiner China-Visite auch von Präsident Xi Jinping empfangen. Es habe „Fortschritte“ gegeben, hieß es danach. Man hoffe, dass der Besuch „einen positiven Beitrag zur Stabilisierung der Beziehungen leisten“ werde. Der Aufenthalt des US-Politikers war zuvor mehrmals verschoben worden. Grund waren immer neue Spannungen und Vorfälle zwischen China und den USA – etwa ein mutmaßlicher Spionage-Ballon der Chinesen über Nordamerika.

Die ständige Gefahr einer Eskalation des Konflikts der beiden Großmächte hält Anleger oft davon ab, in chinesische Unternehmen zu investieren. Zu groß scheint die politische Unsicherheit, zu schwankungsanfällig der chinesische Aktienmarkt. Das hat auch die Corona-Krise gezeigt: Chinas Regierung verordnete dem Land eine strikte Null-Covid-Strategie und schwächte damit Wirtschaft, Unternehmen – und die Börse.

Mittlerweile hat sich der Wind jedoch gedreht. Chinas strikte Corona-Politik gehört der Vergangenheit an. Die Wirtschaft rückt wieder in den Vordergrund. Für Anleger kann sich daher der Einstieg in den riesigen Wachstumsmarkt lohnen. Am besten geht das mit sogenannten börsennotierten Indexfonds, also mit ETFs. Biallo.de erklärt, welche Chancen und Risiken es dabei gibt, wie man mit ETFs in den chinesischen Markt einsteigen kann – und welche Indexfonds dafür geeignet sind.

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Was spricht derzeit für China?

Vor allem, dass sich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation nach den drastischen Corona-Einschränkungen wieder normalisiert. Im vergangenen Dezember erklärte die Regierung die Null-Covid-Strategie für beendet. Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft sind daher wieder besser. Der Internationale Währungsfonds geht für 2023 von einem Wachstum von 5,2 Prozent aus, nach zuletzt 4,4 Prozent. Eine Stütze der Konjunktur ist der Konsum. Während der Corona-Jahre haben die Chinesen fleißig Geld auf die Seite gelegt. Die Sparguthaben chinesischer Haushalte seien zwischen 2020 und 2022 um rund eine Billion US-Dollar gestiegen, schätzt die französische Investmentgesellschaft Carmignac.

Und auch das langfristige Wachstumspotenzial ist riesig: In China leben 1,4 Milliarden Menschen – ein Fünftel der Weltbevölkerung. Das Land ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Experten rechnen damit, dass China die Vereinigten Staaten bis 2050 als globaler Spitzenreiter bei der Wirtschaftskraft ablöst. Gerade beim Konsum ist das Aufholpotenzial groß. Die Verbraucherausgaben der Chinesen liegen bei gut der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In den USA sind es mehr als 80 Prozent.

Hinzu kommt: China strebt gezielt eine weltweite Führungsrolle in Hochtechnologie-Bereichen an: bei künstlicher Intelligenz, virtueller Realität, Biotechnologie oder Solarenergie. Bei der Herstellung von Elektroautos sind chinesische Hersteller mittlerweile weltweit führend. China entwickle sich „schnell zu einer digitaleren, urbaneren, innovativeren und auf mehr Nachhaltigkeit bedachten Gesellschaft”, schreiben die Experten von Carmignac in ihrer Analyse zum chinesischen Aktienmarkt.

 

Welche Risiken gibt es?

Eines der großen Risiken für Anleger stellt der andauernde Konflikt zwischen China und den USA dar. Er mündet immer wieder in Handelsstreitigkeiten. So drohten die USA jüngst den US-Halbleiterherstellern Nvidia und AMD mit Sanktionen. Die Firmen beliefern chinesische Unternehmen mit hochmodernen Computerchips. Die US-Regierung will China jedoch von der Halbleitertechnologie abschneiden. Solche und ähnliche Handelskonflikte sorgen für Unsicherheit bei Anlegern und damit immer wieder für fallende Kurse.

Hinzu kommt die Abhängigkeit der chinesischen Unternehmen von den Entscheidungen der eigenen Regierung. So hatte Peking den großen Technologiekonzernen seit 2020 strenge Vorschriften auferlegt. Als die Staatsführung dann Ende 2022 eine Lockerung signalisierte, zogen die Aktienkurse von Internet-Konzernen wie Alibaba, Tencent oder Meituan an. Der Willkür der Regierung sind Chinas Unternehmen im Zweifel aber immer wieder ausgesetzt.

Und schließlich ist auch die Missachtung der Menschenrechte ein Risiko für Anleger: Diese werden in China „mit Füßen getreten“, heißt es bei Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation prangert Folter, Umerziehungslager, die Einschränkung der Meinungsfreiheit oder Medien- und Internetzensur an. Vor allem unter Präsident Xi habe sich die Lage verschärft, stellt die Organisation Human Rights Watch fest. Ein Land, in dem Freiheiten so massiv eingeschränkt werden, schreckt nicht nur Anleger ab. Auch für Firmen, die zunehmend an ihren ethischen Werten gemessen werden, ist das ein Risiko.

 

Wie steht es um den chinesischen Aktienmarkt?

Mittlerweile wieder besser: Zwischen Anfang 2021 und Ende 2022 hatte sich der chinesische Aktienindex Hang Seng mehr als halbiert. Grund war vor allem – wie eingangs erwähnt – die strikte Null-Covid-Politik der chinesischen Regierung. Seit dem Tiefpunkt im Spätherbst 2022 hat sich Chinas Börse erholt, verlor zuletzt aber wieder etwas an Boden.

Am chinesischen Aktienmarkt sind rund 6.000 Unternehmen notiert. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf fast 19 Billionen US-Dollar, das sind rund 18 Billionen Euro. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Marktkapitalisierung börsennotierter Firmen bei knapp 2,5 Billionen Euro. Trotz dieser Größe seien „chinesische Aktien in Portfolios und globalen Aktienindizes weiterhin unterrepräsentiert“, heißt es in der Carmignac-Analyse. So machen chinesische Unternehmen lediglich drei Prozent des weltweiten Index MSCI All Country World aus (Stand Mai 2023). Japanische Unternehmen sind mit fast sechs Prozent in dem Index vertreten, US-amerikanische mit mehr als 60 Prozent.

Ein Grund für die relativ geringe Bedeutung chinesischer Aktien im internationalen Vergleich dürfte die vergleichsweise starke Regulierung des Aktienmarktes sein. So werden unterschiedliche Arten von Aktien jeweils nur an bestimmten Börsen gehandelt. Dabei unterscheidet man zwischen Onshore- und Offshore-Aktien:

  • Onshore-Aktien: Das sind Aktien, die am Inlandsmarkt notiert sind, also nur an den Börsen in Shanghai und Shenzen. Sogenannte A-Aktien werden dabei in der chinesischen Währung Renminbi gehandelt, Währungseinheit ist der Yuan (CNY). Kaufen dürfen Onshore-Aktien nur chinesische Anleger und ausgewählte institutionelle Investoren aus dem Ausland. Daneben gibt es B-Aktien, die in ausländischer Währung gehandelt werden, also in US- oder Hongkong-Dollar.
  • Offshore-Aktien: Diese Aktien sind vor allem an der Hongkonger Börse notiert („H-Aktien“). Bis vor wenigen Jahren war der Zugang zu A-Aktien stark eingeschränkt. Daher konnten sich ausländische Investoren nur über Offshore-Aktien an chinesischen Firmen beteiligen. Heute spielt das Offshore-Segment für Tech-Giganten mit internationaler Präsenz eine Rolle, etwa für Firmen wie Alibaba oder Tencent.

Die strenge Regulierung hat zur Folge, dass ein großer Teil des chinesischen Aktienmarkts vergleichsweise wenig von der Entwicklung der weltweiten Börsen abhängt. Eine Investition in Aktien chinesischer Unternehmen kann sich daher gut als Ergänzung für ein Aktienportfolio eignen, dessen Schwerpunkt vor allem auf den USA und Europa liegt. In Einzelaktien zu investieren ist dabei allerdings für Privatanleger oft schwierig. Der bessere Weg, Chinas Firmen im eigenen Portfolio abzubilden, ist ein ETF.

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Welche China-ETFs können sich lohnen?

Es gibt eine ganze Reihe von Indizes, über die sich in den chinesischen Aktienmarkt investieren lässt. Sie bilden häufig einzelne Aktienklassen ab, wie etwa die A-Aktien. Es gibt aber auch Indizes, die alle Aktienklassen umfassen. Welchen ETF Anleger wählen, hängt daher davon ab, in welche Art von Aktien sie investieren wollen. Ein A-Aktien-Index etwa enthält nur Firmen, die an den chinesischen Inlandsbörsen notiert sind. Das hat den Vorteil, dass der Index vergleichsweise unabhängig von der Entwicklung der weltweiten Börsen ist. Auf der anderen Seite sind große chinesische Technologiefirmen wie Alibaba oder Tencent nicht im Index enthalten. Eine Auswahl an China-ETFs (siehe auch Tabelle):

  • iShares MSCI China: Der MSCI China bildet mehr als vier Fünftel der Marktkapitalisierung chinesischer Unternehmen ab. Er investiert in mehr als 700 Firmen. Enthalten sind On- und Offshore-Aktien. A-Aktien haben einen Anteil von rund 20 Prozent.
  • Xtrackers Harvest CSI 300: Der Index CSI 300 umfasst die 300 größten chinesischen A-Aktien – also Firmen, die in China ansässig sind und deren Aktien an Inlandsbörsen in chinesischer Währung gehandelt werden. Bei dem ETF können Anleger mit regelmäßigen Ausschüttungen rechnen – daher der Beiname „Harvest“ (Ernte).
  • Xtrackers FTSE China 50: Der Index bildet die 50 größten und liquidesten chinesischen Aktien ab, die an der Börse Hongkong notiert sind. Die größten Positionen im Index stellen Internetfirmen wie Alibaba, Tencent und Meituan. Unter den Top Ten sind aber auch Banken, wie die China Construction Bank oder die Bank of China.
  • UBS MSCI China ESG: Der Index enthält Unternehmen, die bei der Nachhaltigkeit vergleichsweise gut abschneiden. Das Kürzel ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (gute Unternehmensführung). Die Kriterien, nach denen Nachhaltigkeit gemessen wird, sind bei ESG-ETFs jedoch nicht besonders streng. Auch in diesem Index werden die großen Technologiefirmen am stärksten gewichtet.
  • iShares MSCI Emerging Markets: Für Anleger, die ein reines China-Investment scheuen, bietet sich der MSCI Emerging Markets an. Er investiert in Aktien aus Schwellenländern. Neben China sind das etwa Taiwan, Indien, Südkorea oder Brasilien. Chinesische Aktien machen darin rund 30 Prozent aus.

Mit diesen ETFs können Sie auf China setzen




Wertentwicklung (in Prozent)

ETF

ISIN

Anzahl Aktien¹

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

iShares MSCI China

IE00BJ5JPG56

757

-20,58

-25,82

Xtrackers Harvest CSI300

LU0875160326

300

-22,24

-2,98

12,37

Xtrackers FTSE China 50

LU0292109856

50

-20,70

-24,99

-24,81

UBS MSCI China ESG

LU1953188833

496

-20,91

-18,91

iShares MSCI Emerging Markets

IE00B4L5YC18

1286²

-3,70

10,18

9,80

¹Stand Mai 2023; ²China-Anteil 29,40 Prozent; Quelle: fondsweb.com; Kursentwicklung in Euro; Stand 30.06.2023;

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Worauf sollten Anleger bei einer Investition in einen China-ETF achten?

Die Tabelle zeigt, wie die ETFs über die vergangenen ein, drei und fünf Jahre abgeschnitten haben. Die Fonds weisen dabei fast durchweg rote Zahlen auf. Hauptgrund dafür war die lang anhaltende Null-Covid-Politik mit Lockdowns in großen Handelszentren und einem Wachstumseinbruch. Von den Fonds in der Tabelle schneidet daher noch derjenige am besten ab, der kein reiner China-ETF ist: Der Schwellenländer-ETF streut die Risiken über verschiedene Länder. Trotz des hohen China-Anteils erzielte er in den vergangenen drei Jahren ein Plus. Das Minus in den vergangenen zwölf Monaten hält sich in Grenzen.

Die Zahlen zeigen, dass eine Investition in chinesische Aktien alles andere als ein Selbstläufer ist. Anleger müssen dabei immer wieder mit Rückschlägen rechnen – nicht nur wegen möglicher Eingriffe der chinesischen Politik in die Wirtschaft. Auch das Konfliktpotenzial zwischen China und den USA ist ein Risikofaktor. Grundsätzlich gilt daher: Der Kauf chinesischer Aktien ist etwas für mutige Anleger, die mit starken Schwankungen und zum Teil deutlichen Verlusten umgehen können.

Vor allem aber sollten sie langfristig denken. Eine Investition in einen China-ETF sollte einen Zeithorizont von mindestens zehn Jahren haben – am besten mehr. Über diesen Zeitraum stehen die Chancen gut, dass die enormen Wachstumspotenziale des Landes zum Tragen kommen und sich schließlich auch im Aktienmarkt niederschlagen. Nichtsdestotrotz sollten Anleger den Anteil von chinesischen Aktien am Portfolio auf maximal fünf bis zehn Prozent beschränken.

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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