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Auf einen Blick
  • Hedgefonds sind wenig regulierte Investments, die privat Investierende bei in Deutschland nur über Dachfonds erwerben können.

  • Strategie vieler Hedgefonds ist es, gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse zu setzen.

  • Spekuliert wird mit Fremdkapital, Derivaten und Leerverkäufen. Das macht große Gewinne möglich, aber auch Totalverluste.

  • Alleine die 10 größten Hedgefonds der Welt verwalteten Mitte 2020 etwa 564 Milliarden Euro.

  • Regelmäßig wird die Branche von Skandalen wie Insiderhandel, Veruntreuungen oder Missmanagement getroffen.
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Kaum eine Anlageform hat einen so berüchtigten Ruf: Hedgefonds gelten als undurchsichtige und riskante Geldmaschinen, weil sie kaum Regeln folgen und riesige Profite, aber auch dramatische Verluste bringen können. Dabei sind Hedgefonds mit gängigen Investmentfonds vergleichbar. Bei beiden versucht das Management, mit dem Geld von Anlegerinnen und Anlegern maximale Gewinne zu erwirtschaften.

Um dieses Ziel auch unabhängig von Markttrends zu erreichen, sind die Anlageklassen bei Hedgefonds aber nicht beschränkt. Neben Aktien und Anleihen dürfen sie Währungen, Rohstoffe oder Immobilien handeln. Zudem können sich Hedgefonds unbegrenzt Fremdkapital leihen und über Termingeschäfte spekulieren; im Vergleich zu klassischen Fonds, die gesetzlich stark reguliert sind, können Hedgefonds also mit allen Finanzinstrumenten arbeiten, die moderne Kapitalmärkte bieten.

Hedgefonds wurden in den frühen 1950er-Jahren für institutionell Investierende entwickelt und sind nicht öffentlich an Börsen notiert. Der Name setzt sich aus den englischen Wörtern für „absichern“ (to hedge) und Fonds zusammen. Beim ursprünglichen Konzept wurde das Kapital zur Hälfte in unterbewerte Aktien und überbewertete Dividendenwerte gesteckt. Die Strategie sollte die Aktienposition eben gegen mögliche Verluste absichern.

 

So funktionieren Hedgefonds

Die Welt der Hedgefonds ist sehr heterogen. Sie unterscheiden sich in Bezug auf Investmentklassen, Anlagestrategien oder Branchenfokus. Ihr Ansatz ist aber ähnlich: denn sie setzen oft auf steigende und fallende Kurse. So wollen sie unabhängig vom Auf und Ab der Märkte profitieren. Das Vorgehen wird als Long-Short-Strategie bezeichnet und beruht primär auf Leerverkäufen, die Hedgefonds in der Regel mit Fremdkapital finanzieren.

Wie läuft das ab? Hedgefonds bauen mit Aktien, Gold oder Anleihen sogenannte Long-Positionen auf, die an Wert zulegen sollen. Parallel werden Leerverkäufe getätigt. Bei diesen kurzfristigen Verkäufen („Short Selling“) besitzt der Fonds die Anteile gar nicht. Sie werden nur geliehen und sofort an der Börse mit der Hoffnung auf fallende Kurse wieder abgestoßen. Geht die Wette auf, können die Assets billiger zurückerworben werden. Die Differenz zwischen teurem Verkauf und günstigerem Rückkauf minus Leihgebühr ist der Gewinn. Wird mit Krediten gepokert, lässt sich der Profit zudem hebeln. Ein sogenannter positiver „Leverage“-Effekt entsteht, wenn der Zinssatz für das Kapital niedriger ist als der Gewinn.

 

Chancen und Risiken der Geldanlage

Hedgefonds sind bekannt für hohe Renditen sowie extreme Risiken. Denn Hedgefonds sammeln Anlegergeld sowie Fremdkapital ein, legen in verschiedenste Werte an und spekulieren über Leerverkäufe sowie mit Finanzkontrakten. Das Vorgehen birgt weitaus mehr Gefahren als gängige Wertpapiergeschäfte. Die Flexibilität hat aber zum Beispiel dazu geführt, dass sich Hedgefonds Anfang der 2000er-Jahre nach dem Platzen der Dotcom-Blase besser entwickelten als die Aktienmärkte. Eine Untersuchung der New Yorker Beratungsfirma Hennessee bestätigt, dass zwischen 1993 und 2010 Hedgefonds rund ein Drittel weniger volatil waren, als der US-Aktienindex S&P 500.

In der globalen Finanzkrise ab 2007 gerieten hingen viele Hedgefonds in Turbulenzen, weil Kapitalgeber Kredite drosselten und mehr Sicherheiten verlangten. Da weniger Fremdkapital für Spekulationen bereitstand, brachen die Renditen der Hedgefonds ein und Anleger zogen Geld ab. Als Folge mussten Assets überstürzt aufgelöst und massive Verluste verbucht werden. Unter anderem verloren 2007 zwei Immobilien-Hedgefonds der US-Investmentbank Bear Stearns 90 Prozent an Wert.

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Hedgefonds versus klassische Investmentfonds

Hedgefonds sind besondere Investmentfonds. Wie die Liste zeigt, bestehen aber deutliche Unterschiede.


Hedgefonds Offene Investmentfonds
Sitz Aufgrund niedriger Steuern oft in Offshore-Finanzplätzen wie den  Kaimaninseln Europäische Gesellschaften sind meist in Irland und Luxemburg ansässig
Aufsicht Deutsche Hedgefonds und Dach-Hedgefonds durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) In Deutschland durch BaFin nach Kreditwesengesetz (KWG) und Investmentgesetz (InvG)
Regulierung Keine strengen Vorschriften, aber Verbot des Insiderhandels Streng reguliert
Verwaltetes Vermögen global
Ende 2020 ca. 3,2 Billionen Euro Offene Fonds Ende 2020: ca. 53 Billionen Euro
Anlegertyp Institutionelle Anleger sowie vermögende Privatpersonen Private Anleger
Ziel Absolute und positive Rendite Bessere Entwicklung als Gesamtmarkt (Benchmark)
Anlagefokus Diverse Assetklassen Oft beschränkt auf eine Anlageklasse
Anlagemethoden Aufnahme von Fremdkapital, Leerverkäufe und Termingeschäfte möglich Kreditaufnahme in der Regel begrenzt, Leerverkäufe und Termingeschäfte nicht erlaubt
Liquidität Eingesetztes Kapital oft auf mehrere Jahre gebunden Anteile jederzeit an Börsen handelbar
Gebühren Verwaltungsgebühr von etwa 2% und eine an den Ertrag gekoppelte Erfolgsprämie, die zwischen 10 und 50% betragen kann Ausgabeaufschlag von im Schnitt 5%, Verwaltungs-, Management- und Depotgebühren sowie ggf. Performancegebühren
Transparenz Informationen nur für Anleger Öffentliche Jahresberichte und halbjährliche Info zur Wertentwicklung
 

Gibt es Hedgefonds in Deutschland?

Auch hierzulande dürfen Hedgefonds aufgelegt werden. Allerdings unterliegen sie der BaFin-Aufsicht und ihr Fremdkapitaleinsatz ist begrenzt. Sie dürfen zudem nur an professionell Anlegende vertrieben werden. Private Investorinnen und Investoren können nicht in einzelne Hedgefonds investieren, sondern nur Anteile von Dach-Hedgefonds erwerben. Das sind Fonds, die wiederum „Single“-Hedgefonds halten. Das soll das Risiko verringern. Dach-Hedgefonds sind bei uns zudem stärker reguliert. Sie dürfen keine Leerverkäufe tätigen, nur begrenzt Fremdkapital aufnehmen und nicht beliebig Derivate einsetzen.

Privatanleger können zudem auf Hedgefonds-Zertifikate setzen. Das sind Schuldverschreibungen, die die Wertentwicklung eines einzelnen Hedgefonds, eines Dach-Hedgefonds oder eines Hedgefonds-Index abbilden. Zertifikat sind indirekte Beteiligungen am Basiswert. Sie unterliegen damit zur meist hohen Risikoklasse der Hedgefonds auch dem Emittenten-Risiko.

 

Für wen sich Hedgefonds als Geldanlage eignen

Da Hedgefonds in der Regel sechsstellige Mindesteinlagen verlangen und in verschiedene Assets anlegen, kommen sie für Investorinnen und Investoren in Frage, die über ausreichend Kapital verfügen sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Risiko und Ertrag im Portfolio wollen. Aufgrund der besonderen Risikostruktur werden Dach-Hedgefonds und Hedgefonds-Zertifikate auch eher als Depotbeimischung empfohlen.

In zwei weiteren interessanten Artikeln haben wir uns die berühmtesten Hedgefonds-Manager und die fünf größten Hedgefonds angesehen.

Über den Autor Matthias Kutzscher

Matthias Kutzscher ist Experte für Energie-, Internet- und Verbraucherthemen. Der Wirtschaftswissenschaftler volontierte bei der Deutschen Presse-Agentur und schrieb als Redakteur für Rheinische Post, VDI Nachrichten, den Rheinischen Merkur sowie das Magazin DM/Euro aus dem Handelsblattverlag. Als Chefredakteur verantwortete er die Nachrichtendienste Energie & Markt sowie Energie & Handel des ET Verlags. Kutzscher ist Dozent für Journalismus und Online-Journalismus an der Axel Springer Akademie, an der Europäischen Medien- und Business-Akademie, für die School for Communication and Management sowie für Media Workshop Hamburg. Große Stärke von Matthias Kutzscher ist es, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten. Dabei kombiniert er gekonnt die Vermittlung von Fakten mit lebendigem Storytelling.

  Matthias Kutzscher
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