Begriffe der Finanzwelt

Finanzlexikon: Was sind Zinsen?

Update: 13.05.2020
Max Geißler
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Auf einen Blick
  • Der Begriff "Zinsen" bezeichnet das Entgelt, das für eine zeitlich begrenzte Überlassung von Kapital verlangt wird.

  • Es gibt Zinsen für unterschiedlichste Geldgeschäfte. Dementsprechend verschieden sind auch ihre Funktionen.

  • Doch wie werden die Zinsen überhaupt festgelegt? Auf diese und andere "Zinsfragen" geben wir Ihnen verständliche Antworten.

Aus Geld wird mehr Geld: Der Zins ist der Lohn dafür, dass man jemandem Geld leiht.
Billion Photos / shutterstock.com

Der Name "Zins" kommt ursprünglich aus dem Lateinischen "census". Was nicht jeder weiß: Seine Geschichte reicht Jahrtausende vor Christus zurück. Dieser einschlägige Begriff aus der Finanzwirtschaft beeinflusst bis heute wichtige Teile unserer Gesellschaft – allen voran und insbesondere Geldinstitute und ihre Kunden.

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Wie funktionieren Zinsen?

Zinsen sind im Prinzip der Lohn dafür, dass man jemandem Geld leiht. Legen Sie beispielsweise bei Ihrer Bank Geld an, zahlt diese im Gegenzug für das überlassene Kapital eine Entschädigung an Sie, den sogenannten Guthabenzins. Die Bank selbst versucht, das eingenommene Geld weiter zu verleihen, zum Beispiel in Form von Krediten mit einem höheren Zinssatz, um aus der Zinsdifferenz einen Gewinn zu erzielen.

Zinsen funktionieren aber auch andersherum: Nehmen Sie bei Ihrer Bank ein Darlehen auf, zahlen Sie für das überlassene Geld Kreditzinsen an die Bank, sogenannte Sollzinsen. Im erweiterten Sinn sind auch Mieten nichts anderes als Zinsen. Denn pachtet ein Mieter Wohnraum von einem Eigentümer, zahlt er als Entschädigung einen monatlichen Mietzins. Zinsen sind also vereinfacht ausgedrückt der Preis, den man für das Borgen beziehungsweise Überlassen von Geld oder Sachwerten zahlt. Für Schuldner bedeuten Zinsen Kosten, für Gläubiger sind sie Erträge, die zu versteuern sind.

Lesen Sie auch: Die besten Festgeldzinsen und Tagesgeldzinsen

Wer legt die Höhe der Zinsen fest?

Die Höhe der Zinsen wird in Prozent berechnet und durch den Zinssatz ausgewiesen. Der Zinssatz bezieht sich dabei stets auf einen festgelegten Zeitraum, in der Regel ein Jahr. Die Höhe des Zinssatzes richtet sich nach Angebot und Nachfrage, nach der Laufzeit und dem Zweck des Darlehens beziehungsweise der Geldanlage, der Bonität des Schuldners und dem Leitzins.

Der Euro-Leitzins, der von der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt wird, hat entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Zinsen. Die Notenbanken legen den Zinssatz fest, zu dem sich Banken Geld von der Zentralbank leihen können. Damit bestimmt der Leitzins maßgeblich die Zinsen am Geldmarkt und damit die Entwicklung von Kreditzinsen und Guthabenzinsen.

Lesen Sie auch: Robert Halver zur EZB: "Leitzinsen bleiben bei null zementiert"

Mit der Senkung oder Erhöhung der Leitzinsen versucht die EZB, das Preisniveau im Euro-Raum konstant zu halten. Gleichzeitig beeinflusst die Höhe der Leitzinsen die Kreditkonditionen der Banken. Ist der Leitzins niedrig, sind auch die Kreditzinsen günstig. Da die Banken in diesem Fall weniger Zinseinnahmen verbuchen, können sie im Gegenzug auch nur geringe Guthabenzinsen auf Spareinlagen zahlen, andernfalls verdienen sie ja kein Geld mehr.

Derzeit liegen die Leitzinsen im Euroraum bei null. Signale für ein Ende des Zinstiefs sendet die Zentralbank derzeit nicht. Das sehr billige Geld soll die Wirtschaft zu Investitionen anregen und den Konjunkturaufschwung fördern. Neben dem Leitzins bestimmt die Zentralbank einen Einlagenzins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können. Dieser liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Diesen negativen Einlagenzins geben immer mehr Banken und Sparkassen an ihre Kunden weiter.

Im Ergebnis müssen Anleger für ihre Sparguthaben Zinsen an ihre Bank zahlen. Viele Landes- und Bundespolitiker fordern allerdings Minuszinsen – den sogenannten Negativzinsen – für Spareinlagen einen Riegel vorzuschieben.

Deutlicher Zinsrückgang für Sparguthaben

Leidtragende des anhaltenden Zinstiefs sind die Sparer, denn sie erzielen mit Einlagen auf Konten und Geldanlagen kaum noch Rendite. Während Girokonten bereits seit Jahren nicht mehr verzinst werden, hat das gleiche Schicksal inzwischen auch viele Tagesgeldkonten erfasst. Verzinste sich Tagesgeld vor zehn Jahren durchschnittlich noch mit knapp 1,5 Prozent, so weist der Biallo-Tagesgeld-Index heute nur noch einen Durchschnittszins von 0,10 Prozent aus. Viele Banken und Sparkassen haben ihre Gutschriften sogar komplett eingestellt.

Bei Festgeld und Sparbriefen sieht es nicht viel besser aus: Zahlten Banken für fünfjährige Festgelder beziehungsweise Sparbriefe vor zehn Jahren im Schnitt rund drei Prozent Zinsen, so liegt der Durchschnitt heute deutlich unter 0,50 Prozent – Tendenz fallend.

Positive Ausnahme ist hier aktuell die Grenke Bank, deren fünfjähriges Festgeld noch eine Eins vor dem Komma aufweist. Die anhaltenden Tiefzinsen schlagen sich auch auf den Zinseszinseffekt nieder.

  • Biallo-Wissen: Werden die Zinserträge nicht verbraucht, sondern wieder angelegt und erneut verzinst, spricht man vom sogenannten Zinseszinseffekt. Durch das "Verzinsen" der Zinsen wächst das Vermögen immer stärker. Bei hohem Zinsniveau ist die Wirkung des Zinseszinseffekts stärker ausgeprägt als bei niedrigem Zinsniveau.

Auch Banksparpläne leiden unter der anhaltenden Zinsdürre. Sparpläne mit mehr als einem Prozent Rendite haben inzwischen Seltenheitswert. Viele Banken haben ihre Angebote deshalb deutlich zurückgefahren. Bei Banksparplänen mit fester Zinszusage sticht aktuell das Angebot der Denizbank heraus, die bei zehnjähriger Laufzeit immerhin noch 1,05 Prozent Zinsen pro Jahr zahlt. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank bietet für den gleichen Sparplan gerade mal 0,05 Prozent Zinsen.

Ähnlich das Bild bei Sparplänen mit variabler Verzinsung: Viele Banken haben den beweglichen Basiszins auf ein oder zwei Zehntel Prozent Zinsen zurückgenommen. Über den Sparplan-Vergleich von biallo.de finden sich dennoch Ausnahme-Anbieter – so die CosmosDirekt, die bei zehnjähriger Laufzeit beispielsweise 1,27 Prozent gutschreibt.

Welche "Sparzinsen" gibt es aktuell?

Wie empfehlenswert eine Geldanlage für Sparer ist, hängt nicht immer allein von den Zinsen ab. Wichtig ist beispielsweise auch, wie sicher das Ersparte über die Einlagensicherung abgesichert ist, denn diese muss schließlich im Falle einer Bankenkrise einspringen. Derzeit finden Sie auf biallo.de folgende Zinsen für Geldanlagen wie Fest- und Tagesgeld:

Konten Durchschnittszins* (eff., p.a.) Bestzins (eff., p.a.) Betrag / Laufzeit Surf-Tipp
Festgeldkonto 0,24% bis zu 1,15% 10.000 Euro / 12 Monate Biallo-Festgeld-Vergleich
Tagesgeldkonto 0,10% bis zu 0,55% 5.000 Euro / 6 Monate Biallo-Tagesgeld-Vergleich

*Hier wird der Durchschnittswert aller an biallo.de gemeldeten Angebote gezeigt.
Quelle: biallo.de / Stand: 13. Mai 2020.

Attraktive Renditen derzeit nur mit Wertpapieren

Soll sich das ersparte Geld attraktiv verzinsen, kommen Sie gegenwärtig um Wertpapiere nicht herum. Bei entsprechend langem Anlagehorizont erwirtschaften Aktien, Fonds und ETFs überdurchschnittliche Renditen.

Lesen Sie auch: Die zehn wichtigsten Fragen zum Sparen mit ETFs

Wichtig ist eine ausgewogene Depotmischung aus mehreren Assetklassen sowie verschiedenen Branchen und Anlageregionen. Anleger mit wenig Zeit oder geringer Börsenerfahrung können strukturierte Produkte digitaler Vermögensverwalter nutzen, etwa von Fintego, Liqid oder Scalable.

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Günstige Kosten, satte Renditen – das versprechen sogenannte Robo-Advisor. Wenn Sie wissen wollen, wie diese digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, dann lesen Sie unseren Robo-Advisor-Ratgeber. Im nächsten Schritt können Sie mit dem Chatbot von biallo.de einen passenden Anbieter finden.

Kreditnehmer profitieren von Tiefzinsen

Freuen über das billige Geld dürfen sich alle Kreditnehmer. Sowohl für Konsumentenkredite als auch für Baudarlehen sind die Zinsen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Kosteten dreijährige Ratendarlehen vor zehn Jahren im Schnitt noch mehr als acht Prozent Zinsen, so zahlen Verbraucher heute im Schnitt nur wenig mehr als fünf Prozent. Einige Banken bieten sogar weitaus günstigere Zinsen, etwa die Deutsche Skatbank, die SWK Bank und viele PSD Banken.

Auch Immobilienkäufer dürfen sich freuen. Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen sanken binnen einer Dekade laut Biallo-Baugeld-Index von gut vier auf unter ein Prozent. Topanbieter berechnen aktuell sogar weniger als 0,50 Prozent Zinsen, so zum Beispiel die Degussa Bank und Hypovereinsbank.

  • Biallo-Tipp: Nutzen Sie Zinsvergleiche im Internet, um besonders preiswerte Darlehensgeber zu finden. Das gilt sowohl für Ratenkredite als auch für Baudarlehen. Die Ersparnis kann je nach Kreditbetrag und Laufzeit viele Tausend Euro ausmachen.

Welche "Kreditzinsen" gibt es aktuell?

Nicht nur Banken oder Sparkassen offerieren Verbrauchern für ihre Investitionen Kredite. In puncto Baufinanzierung vertrauen neben den Bankhäusern auch viele Finanzmakler und Versicherungen auf die bewährte Form der Ratenzahlung. Welche Zinsen für die bereitgestellten Gelder derzeit berechnet werden, finden Sie in der folgenden Tabelle:

Kredite Durchschnittszins* (eff., p.a.) Bestzins (eff., p.a.) Betrag / Laufzeit Surf-Tipp
Baufinanzierung 0,76% ab 0,45% 300.000 Euro / 10 Jahre Biallo-Baufinanzierung-Vergleich
Wohnkredit n/a ab 2,43%** 10.000 Euro / 48 Monate Biallo-Wohnkredit-Vergleich
Ratenkredit 5,41% ab 2,43%** 10.000 Euro / 48 Monate Biallo-Ratenkredit-Vergleich
Autokredit 5,02% ab 2,39%** 10.000 Euro / 48 Monate Biallo-Autokredit-Vergleich
Kreditkarte n/a ab 6,74% n/a Biallo-Kreditkarten-Vergleich
Girokonto-Dispo
Girokonto-Überziehung
10,13%
12,46%

 ab 4,09%
 ab 8,50%
n/a
n/a
Biallo-Girokonto-Vergleich

*Hier wird der Durchschnittswert aller an biallo.de gemeldeten Angebote gezeigt.
**Diese Angaben entsprechen dem 2/3-Zinssatz. Quelle: biallo.de / Stand: 13. Mai 2020.

Welche Arten von Zinsen gibt es?

  • Sollzins: Das sind die Zinsen, die ein Kreditnehmer für das aufgenommene Darlehen an die Bank zahlt.
  • Habenzins: Das sind Guthabenzinsen, die die Bank an Sparer für angelegtes Kapital auszahlt.
  • Nominalzins: Dieser gibt die Höhe der Zinsen (Zinssatz) an, die pro Jahr auf den Kredit anfallen.
  • Effektivzins: Dieser enthält neben dem Nominalzins weitere Kreditkosten, etwa Bearbeitungsgebühren oder Auszahlungskosten.
  • Dispositionszins (Überziehungszins): Das sind Sollzinsen, die bei der Überziehung des Girokontos fällig werden. In der Regel fallen diese überdurchschnittlich hoch aus.
  • Minuszins: Oder Strafzinsen, Negativzinsen – es gibt viele Begriffe dafür, wenn die Banken ihre Sparer zur Kasse bitten. Kunden werden in diesem Fall nicht für ihre Geldeinlage belohnt, sondern sie müssen Zinsen auf ihr Erspartes bezahlen. Im Ergebnis verlieren Anleger Geld, und zwar umso mehr, je länger sie ihr Kapital der Bank überlassen. Ursache hierfür ist der negative Einlagenzins, den die EZB von Geschäftsbanken verlangt, wenn diese bei der Zentralbank Geld lagern. Diesen Negativzins geben viele Banken inzwischen an Privatkunden weiter.
  • Realzins: Das ist der Zinsertrag, der sich unter Berücksichtigung der Inflations- oder Deflationsrate ergibt, also quasi der Nettozinsertrag einer Geldanlage.
  • Leitzins: Dieser reguliert den Geldmarkt von Staaten bzw. Währungsräumen wie der EU. Die Zinssätze der Banken orientieren sich am Leitzins. Der Leitzins wird von der jeweils zuständigen Zentralbank, etwa der Europäischen Zentralbank, festgelegt.
  • Geldmarktzins: Dieser Zinssatz findet Anwendung bei kurzfristigen Anlagegeschäften bis zu zwölf Monaten.
  • Kapitalmarktzins: Dabei handelt es um Marktzinsen für langfristige Wertpapiergeschäfte bis zu 30 oder mehr Jahren. Gemessen wird der Kapitalmarktzins anhand der Rendite von festverzinslichen Wertpapieren.
  • Hypothekenzins: Das sind Zinsen, die für ein Hypothekendarlehen fällig werden. Die sogenannten Baudarlehen sind durch die Eintragung eines Grundbuchrechts in Form der Hypothek oder Grundschuld besichert. Wegen der hohen Sicherheit für die Bank stellen Hypothekendarlehen eine der günstigsten Finanzierungsformen für Immobilienkäufer dar.




  Max Geißler
  Kerstin Weinzierl


 

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