Aktienhandel

Riskante Wette: So funktionieren Leerverkäufe

Update: 09.07.2020
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Auf einen Blick
  • Beim Zahlungsdienstleister Wirecard haben sogenannte Leerverkäufer beim Absturz der Aktie viel Geld verdient.

  • Mit dem "Short Selling" setzen Anleger darauf, dass der Kurs einer Aktie sinkt. Sie handeln dabei mit Wertpapieren, die ihnen gar nicht gehören. Stattdessen leihen sie die Aktien aus.

  • Leerverkäufe ohne Wertpapierleihe sind in der EU verboten. Doch es gibt Möglichkeiten, Aktien zu handeln, ohne die Wertpapiere im Depot zu haben.
Handy mit Wirecard-Symbol: Die Finanzaufsicht Bafin hatte im vergangenen Jahr zeitweise Leerverkäufe der Wirecard-Aktie verboten. Das Verbot wurde dann aber wieder aufgehoben.
Ascannio / Shutterstock.com

Der 18. Juni dieses Jahres war für sogenannte Leerverkäufer ein Festtag. Sie hatten darauf spekuliert, dass der Aktienkurs des Zahlungsdienstleisters Wirecard fallen würde. Und an diesem Tag stürzte die Aktie regelrecht ab: Der Kurs fiel von 104 Euro auf 35,90 Euro - ein Minus von mehr als 65 Prozent. Zuvor war bekannt geworden, dass bei dem Unternehmen 1,9 Milliarden Euro verschwunden waren.

Er habe an diesem Tag in einer halben Stunde rund 750.000 Euro verdient, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters nach dem Kursrutsch einen Börsenhändler. Auch dieser hatte mit Leerverkäufen – sogenanntem "Short Selling" – auf einen Kursrückgang gesetzt. Schon zuvor hatten Short Seller bei Wirecard immer wieder für Unruhe gesorgt. Doch wie funktionieren solche Geschäfte – und was sind die Risiken dabei?

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Wette auf den Kursverfall einer Aktie

Mit einem Leerverkauf wetten Anleger auf den Kursverfall einer Aktie. Sie handeln dabei mit Wertpapieren, die ihnen nicht gehören. Stattdessen leihen sie sich die Aktien gegen eine Gebühr und verkaufen sie anschließend. Nach einer bestimmten Zeit kaufen sie die Papiere wieder ein und geben die geliehenen Papiere zurück. Sinkt bis zu diesem Rückgabedatum der Kurs, bekommen sie das Wertpapier günstiger, als sie es verkauft haben. Die Differenz ist der Gewinn der "Short Seller" – abzüglich einer Leihgebühr. "Diese richtet sich unter anderem danach, wie volatil die Aktie und wie hoch die Nachfrage ist, das Papier zu leihen", sagt Andreas Lipkow, Spezialist für Aktienhandel bei der Comdirect Bank. Bei der Wirecard-Aktie etwa war die Leihe zeitweilig sehr teuer, weil viele Händler auf einen Kursverfall setzten und das Papier leihen wollten.

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Wer es allerdings schaffte, bis zum 18. Juni Wirecard-Aktien zu leihen, sie dann zu verkaufen und nach dem Kursverfall wieder zurückzukaufen, der machte mit jeder Aktie einen stattlichen Gewinn. Der Leerverkäufer muss dabei dieselbe Stückzahl an Aktien wieder zurückgeben, die er geliehen hat. Dabei handeln die Short Seller ihre Wertpapiere oft in Zeiträumen von wenigen Tagen. Das muss aber nicht immer der Fall sein: "Je nach Strategie kann ein Leerverkauf auch einmal ein Jahr dauern", sagt Experte Lipkow.

Rechner topfondsaw
3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
MSIF Global Advantage A USD
LU0868753731
18,55%
Zum Chart
2.
ABAKUS New Growth Stocks
LU0418573316
18,30%
Zum Chart
3.
MSIF Global Opportunity AH EUR
LU0552385618
15,54%
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Ungedeckte Leerverkäufe sind verboten

Ein Leerverkauf, dem eine Leihe des Wertpapiers zugrunde liegt, heißt "gedeckter Leerverkauf". Daneben gibt es "ungedeckte Leerverkäufe". Sie sind eine verschärfte Form des Leerverkaufs: Die Verkäufer haben in diesem Fall die Wertpapiere noch nicht einmal geliehen. Möglich ist das, weil im Handel mit Aktien in Deutschland die Regel "t 2" gilt. Das bedeutet: Wird am Tag t ein Geschäft abgeschlossen, erfolgt die tatsächliche Buchung im Depot des Anlegers erst am übernächsten Tag.

Verkauft ein Shortseller also an einem Vormittag eine Aktie und kauft sie am Abend zurück, werden beide Vorgänge erst zwei Tage später verbucht. "Der Anleger war also an diesem Tag mit diesen Aktien ,short'. Aber im Grunde merkt das keiner, weil die Positionen zum Buchungszeitpunkt wieder ausgeglichen sind", sagt Andreas Lipkow. Theoretisch kann auf diese Weise ein Vielfaches einer Aktie gehandelt werden. Weil dies auch starke Kursverwerfungen nach sich ziehen kann, sind ungedeckte Leerverkäufe in der Europäischen Union seit der Finanzkrise 2008 verboten.

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Hintertüren beim ungedeckten Leerverkauf

Allerdings gibt es durchaus Broker wie etwa Sino, ViTrade oder Interactive Brokers, die ungedeckte Leerverkäufe zumindest innerhalb eines Tages ermöglichen. "Wenn man die Aktien allerdings länger als einen Tag halten will, organisiert der Broker eine Leihe für den Anleger", erläutert Andreas Lipkow, der selbst lange im Aktienhandel tätig war.

Darüber hinaus gebe es am Markt auch noch andere Möglichkeiten, Aktien zu handeln, ohne sie zu leihen – etwa über Derivate auf die Papiere: "Das ist eine Hintertür, über die ungedeckte Leerverkäufe ebenfalls möglich sind." So können Anleger etwa mit hochspekulativen und komplizierten Differenzkontrakten (CFDs) Leerverkäufe tätigen, ohne den zugrunde liegenden Vermögenswert zu leihen.

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In jedem Fall sind Leerverkäufe ein hochriskantes Geschäft – auch, wenn sie über eine Wertpapierleihe laufen. Denn statt zu fallen, kann der Wert einer Aktie auch steigen und das letztlich unbegrenzt. Verkauft ein Anleger daher seine geliehenen Aktien, weil er auf einen Kursverfall spekuliert – und steigt der Kurs dann, muss er die Papiere unter Umständen mit großem Verlust zurückkaufen. Leerverkäufe sind daher stets auch eine gefährliche Wette.




  Andreas Jalsovec
  Sebastian Schick


 

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