"The trend is your friend" Teil 1

Charttechnik für Einsteiger: Die wichtigsten Chartmuster

Update: 07.07.2020
Auf einen Blick
  • Charttechnik oder technische Analyse sind weltweit verbreitet und jahrhundertealt. Gleichwohl trifft diese Technik auf viel Kritik.

  • Technische Analyse bietet sich als Ergänzung zu anderen Analysen an. Zumindest Privatanleger sollten sie aber nicht als alleiniges Instrument für kurzfristige Trades nutzen.

  • Charttechnik verführt zum häufigen Kaufen und Verkaufen und kann so zu hohen Kosten führen.
Gerade für Neulinge auf dem Börsenparkett ist die Chartanalyse nur schwer zu verstehen.
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"I can calculate the movement of stars, but not the madness of men." Er könne die Bewegung der Sterne berechnen, aber nicht den Irrsinn der Menschen. So soll Isaac Newton gesagt haben, als im Jahr 1720 die Südseeblase platzte und er bei der Spekulation auf diesen Schwindel ein beträchtliches Vermögen verlor.

Grob gesagt geht es bei der technischen Analyse von Börsenkursen um genau diese Frage: Was nützen die nüchternen Berechnungen von Charts: von Trends, Widerständen und Formationen, wenn es um menschliche Handlungen geht?

Was macht Charttechnik? Warum ist sie allgegenwärtig und bestimmt das Handeln so vieler Praktiker im Börsengeschäft? Und warum stößt sie auf so heftige Ablehnung bei ihren Gegnern?

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Technische Analyse ist umstritten

Und es gibt einige solcher Gegner. Rund um die technische Analyse ranken sich eine Reihe amüsanter Bonmots. Der erfolgreichste Investor aller Zeiten, Warren Buffett, sagte 2005 dazu: "Als ich den Chart umdrehte und zum selben Resultat kam, merkte ich, dass technische Analyse nicht funktioniert."

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Der Ausnahme-Fondsmanager Peter Lynch ist der Ansicht: "Charts sind großartig, um die Vergangenheit vorauszusagen." Von Börsenlegende André Kostolany stammt der Satz: "Chartlesen ist eine Wissenschaft, die vergebens sucht, was Wissen schafft." Man kann sich leicht lustig machen über Chartanalyse, wie man sieht. Doch wird man ihr damit gerecht?

Beispiel eines Candlestick-Charts des deutschen Leitindex Dax. Quelle: Börse Stuttgart.

Ursprünglich war die Charttechnik gar nicht dazu vorgesehen, als wissenschaftliche Theorie die künftigen Preise von Aktien vorherzusehen. So stellte es Charles Dow heraus, der Endwickler des Dow-Jones-Index, der zu seiner "Dow Theory" ab 1884 eine Reihe von Artikeln im "Wall Street Journal" publizierte und seitdem als Begründer der technischen Analyse gilt. Charles Dow betrachtete seine Erkenntnisse als Handwerkszeug für Analysten, um generelle Markttrends besser definieren zu können. Er ging davon aus, dass Finanzmärkte sich zyklisch verhalten und die Kurse in kurz-, mittel- und langfristigen Wellen verlaufen.

Schon im Japan des 18. Jahrhunderts hatte der "Gott der Märkte", Munehisa Homma, die Preise an der Reisbörse prognostiziert, indem er die Entwicklung über lange Jahre aufzeichnete und zur Analyse Kerzencharts (Candlestick-Charts) benutzte, wie sie im Prinzip heute noch gebräuchlich sind.

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Analysiere ich technisch oder fundamental?

Die technische Analyse geht also ganz anders an ihre Betrachtungen heran als die Fundamentalanalyse. Die "Techniker" berücksichtigen allein die Kurshistorie und eventuell noch das Handelsvolumen. Anders als die Value-Investoren lassen sie die fundamentalen Faktoren außer Betracht: Betriebswirtschaftliche Daten eines Unternehmens oder das volkswirtschaftliche Umfeld spielen keine Rolle. Daraus erklärt sich auch der Standpunkt eines Warren Buffett, eines überzeugten Value-Investors, der von fundamentaler Analyse ausgeht. Auch andere Kritiker kommen aus dieser fundamentalen Schule.

Ausgangspunkt der technischen Analyse ist, dass alle entscheidungsrelevanten Informationen über Vergangenheit und Zukunft schon im Kursverlauf enthalten sind. Dadurch sollen sie Prognosen der voraussichtlichen Kursentwicklungen ermöglichen. Man geht also davon aus, dass man den Kurs aus sich selbst heraus prognostizieren kann.

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Die technische Analyse nimmt an, dass sich in Grafiken wiederkehrende Ereignisse beobachten lassen, die ähnliche wahrscheinliche Zukunftsverläufe haben. Geometrische Muster in Grafiken lassen sich danach als Richtungsanzeiger verwenden, ebenso wie rein statistische, quantitative Indikatoren. Das sind etwa Zeitreihen zu Produktion und Auftragseingängen.

"The trend is your friend"

Trendwende nach oben.

Eine Grundregel lautet: "The trend is your friend." Der Satz ist auf amerikanisch-griffige Art verkürzt. Etwas ausführlicher lautet er: Eine Richtung bleibt so lange bestehen, bis eine markante Bewegung im Kursverlauf einen Wendepunkt signalisiert. Trends können aufwärts, seitwärts oder abwärts laufen.

Charttechniker verbinden Hochs und Tiefs des Kursverlaufs miteinander und ermitteln so eine Trendlinie. Wenn der Kurschart diese Linie durchbricht – nach oben oder unten –, kann das auf ein Ende des Trends deuten. Dazu ist allerdings ein nachhaltiger Ausbruch nötig. Ein kurzer Ausreißer reicht nicht aus.

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Trendwende nach unten.

Wenn man jeden Tag den Durchschnitt der Schlusskurse von X vergangenen Tagen ermittelt, dann entsteht der gleitende Durchschnitt: Verbindet man das arithmetische Mittel etwa der vergangenen 200 Handelstage, dann sieht man "gekrümmte Trendlinien". Sie haben eine ähnliche Funktion wie die gerade genannten Trendlinien.

Allerdings dienen sie nicht der Prognose, sondern sie zeigen einen begonnenen Trend an. Liegt ein Kurs über der Durchschnittslinie, dann besteht ein Aufwärtstrend und ergo ein Kaufsignal. Umgekehrt liegen ein Abwärtstrend und damit ein Verkaufssignal vor, wenn der Kurs den gleitenden Durchschnitt unterschreitet.

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Beispiel einer 200-Tage-Linie des deutschen Leitindex Dax. Quelle: Börse Stuttgart.

Steigende 200-Tages-Linien signalisieren eine Hausse, fallende eine Baisse. Entfernt sich der Kurs weit vom Durchschnitt, deutet sich eine Trendumkehr an. Die Zeiträume lassen sich frei wählen. Gebräuchlich sind auch 90 und 38 Tage für den Durchschnitt. Kürzere Zeiträume zeigen Trendwechsel schneller an, liefern aber häufiger Fehlsignale.

Charttechniker suchen Muster

Beispiel Trendwende bei einer V-Formation.

In einem Kursverlauf treten oft markante Punkte auf, die nach oben Widerstände heißen und nach unten Unterstützung. Diese Hoch- und Tiefpunkte im Chart liegen auf einer Höhe und lassen sich verbinden. Diese Linie kann man als Grenze interpretieren, die ein Kurs nur schwer durchbricht. Je mehr solcher Hoch- oder Tiefpunkte auf einer Höhe liegen, desto stärker gilt die Unterstützung oder der Widerstand. Die technische Analyse geht davon aus, dass sich Kursverläufe wiederholen.

Wenn ein Kurs dagegen solch eine Grenze durchbricht, dann gilt das als starkes Signal dafür, dass sich so ein Durchbruch in die gleiche Richtung weiter fortsetzt, wie bei einem Dammbruch. Wird eine Unterstützung nach unten durchbrochen, dann mutiert sie zum Widerstand nach oben und umgekehrt. Widerstand und Unterstützung lassen sich auch als "Kursziel" beschreiben.

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Technische Analysten wollen immer wissen, wann ein Trend zu Ende geht. Dazu suchen sie nach Mustern in der Grafik. Solche Umkehrformationen sind Dreiecke mit spitzen Winkeln nach unten oder oben. Allerdings gibt es für einen Trendwechsel etwa bei einer V-Formation (steil runter und gleich wieder steil rauf) im Vorfeld keine verlässlichen Indikationen. Die Umkehr vollzieht sich auch sehr schnell, und wenn man den spitzen Winkel mit der Umkehr erkannt hat, ist es schon zu spät zu handeln.

Beispiel einer M-Formation.

Beispiel einer W-Formation.

Wann kehren Trends sich um?

Daher setzt man in der Praxis auf Doppel-Formationen. Die einsamen spitzen Winkel kommen auch nur selten vor. Häufiger sind doppelte Tops oder doppelte Böden. Sie gleichen mit ihren zwei spitzen Winkeln einem M (nach oben) oder einem W (nach unten). Abgesehen davon, dass solche Muster häufiger sind als einfache Dreiecke, sind sie erfreulicherweise auch zuverlässiger als Indiz für eine Trendumkehr. Ein M signalisiert das Ende eines Aufwärtstrends, ein W umgekehrt das Ende eines Abwärtstrends.

Entscheidend ist, dass bei doppeltem Top oder Boden die Kurspitzen auf einer Höhe liegen. Vollständig wird die Formation, wenn ein Kurs nach dem zweiten Top oder Boden die Zwischenspitze des M oder W überschreitet. (Es gibt auch Triple Tops oder Bottoms.) Dann heißt für technische Analysten: Der Trend hat sich umgekehrt.

Die klassische Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS).

Und wann gehen Trends weiter?

Dreh- und Angelpunkt bleibt die Frage nach dem Trend. Anders als bei den letzten Chartmustern geht es bei den nächsten um die Fortsetzung eines Trends, nicht um sein Ende. Zu solchen Fortsetzungs-Formationen gehören Dreiecke; sie entstehen, wenn ein Kursverlauf nach und nach immer weniger nach oben und unten ausschlägt, bis er auf eine Spitze am rechten Rand zuläuft. Die grundsätzliche Richtung des Trends bleibt im Dreieck erhalten, auch wenn sich der oszillierende Kursverlauf scheinbar nicht entscheiden kann. (Beim symmetrischen Dreieck – die untere Seite steigt, die obere fällt.)

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Gleich drei Spitzen hat eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Ihr schreibt man enorme Aussagekraft zu. In einem Aufwärtstrend erreicht der Kursverlauf dabei einen ersten Höhepunkt (die erste Schulter). Dann folgt ein kurzer Rücksetzer (zum Hals) und danach ein noch höheres Top (der Kopf). Sodann folgt wieder ein Rücksetzer bis auf das Niveau des ersten. Es geht wieder hinauf bis zum Niveau des ersten Höhepunkts (zweite Schulter). Hier dreht der Trend jetzt endgültig und durchbricht die Nackenlinie (das Niveau der beiden Tiefpunkte) nach unten. Typischerweise gehen bei dieser Formation die Handelsumsätze kontinuierlich zurück.

Absteigendes Dreieck.

Aufsteigendes Dreieck.

Dreiecke können auch eigene Richtungen haben, wenn die obere Seite waagerecht ist und die untere steigt (aufsteigendes Dreieck) oder umgekehrt die untere Seite waagerecht ist und die obere fällt (absteigendes Dreieck). Auf- und absteigende Dreiecke zeigen gern eine Hausse oder Baisse an. Abgeschlossen ist ein Dreieck, wenn die Kurse das Dreieck eindeutig verlassen. So ein Ausbruch wird oft von stärkeren Umsätzen begleitet.

Beispielchart einer bullishen Flagge.

Auch Flaggen zeigen die Fortsetzung eines Trend an. Sie haben Ähnlichkeit mit den Dreiecken von soeben, aber bei ihnen bleiben die Kursausschläge nach oben und unten gleich stark. Diese Formationen bilden also Rechtecke. Flaggen sind kurze Verschnaufpausen in einem übergeordneten Trend. Vor einer Flagge hat sich ein Mast gebildet, ein scharfer Auf- oder Abwärtstrend. Das Flaggentuch selbst läuft dem großen Trend kurz entgegen. Bei einem Aufwärtstrend zeigt es also nach unten und nach oben bei einem Abwärtstrend. Durchbricht der Kurs die Flagge, setzt sich der übergeordnete Trend fort. In der Regel geschieht das bei anziehenden Handelsumsätzen.

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  Alexander Rudow


 
 
 
 
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