Stock-Picking

Anlegen wie die Börsengurus: So investieren Einsteiger in Einzelaktien

10.12.2019
Auf einen Blick
  • Das Stock-Picking kann auch für Einsteiger am Aktienmarkt eine gute Strategie sein. Anleger sollten aber auf einige einfache Regeln achten.

  • Anfänger können dabei von den Strategien bekannter Börsengurus profitieren. Sie sollten sie aber nicht blind imitieren.

  • Wichtig ist außerdem die Mischung: Wer in Einzelaktien investiert, muss das Risiko streuen.
Welche Aktien soll ich kaufen? Anleger sollten bei der Auswahl wichtige Kennzahlen berücksichtigen. Auch das Bauchgefühl spielt aber eine Rolle.
Von suphakit73 / Shutterstock.com

Der legendäre US-Investmentfonds-Manager Peter Lynch sah seine eigene Zunft durchaus skeptisch. "Hören Sie nicht immer auf die Profis", empfahl er Aktienanlegern in seinem 1989 erschienen Buch "One up on Wallstreet". Er sei überzeugt davon, so Lynch, "dass jeder normale Mensch, der die üblichen drei Prozent seines Gehirns benutzt, bei der Aktienauswahl mindestens genauso gut, wenn nicht besser liegen kann als der durchschnittliche Börsenexperte".

Sich selbst dürfte Lynch davon allerdings ausgenommen haben. Von 1977 bis 1990 erzielte der heute 75-jährige mit seinem Fidelity Magellan Fund im Schnitt pro Jahr fast 30 Prozent Rendite. Das ist alles andere als durchschnittlich.

Lynch setzte beim Aktienkauf auf das sogenannte Stock-Picking, also auf den Kauf von Einzelaktien gut bewerteter Unternehmen. Auch für Aktieneinsteiger kann das eine gute Anlagemöglichkeit sein, meint Franz-Josef Leven, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts: "Man sollte das Geld aber über verschiedene Unternehmen streuen und nicht nur in ein oder zwei Einzelaktien investieren." Leven empfiehlt Anlegern, stets mindestens acht bis zehn Einzelaktien aus verschiedenen Branchen im Depot zu haben. "Die Mischung ist das A und O." Bevor Börseneinsteiger allerdings mischen können, brauchen sie erst einmal ein Depot.

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Das Depot: Auf die Kosten achten

Um Aktien kaufen und verkaufen zu können, müssen Anleger ein Wertpapierdepot eröffnen. Das können sie bei der eigenen Hausbank tun, bei einer Direktbank oder auch bei einem Online-Broker. Im Depot werden die gekauften Aktien, Fonds oder sonstigen Wertpapiere verwaltet. Dabei sollte man auf die Kosten achten. Viele Banken verlangen eine Gebühr für die Konto- oder Depotführung. Hinzu kommt die sogenannte Orderprovision, die für jeden Aktienkauf anfällt. Sie besteht meist aus einem Grundbetrag und einer volumenabhängigen Gebühr.

Um Kosten zu sparen, sollten Anleger einen Anbieter mit möglichst niedriger oder kostenloser Depotführung und einer geringen Orderprovision wählen. Einen Depotvergleich finden sie auf biallo.de. Für Einsteiger empfiehlt sich dabei eine Bank, die auch ein Musterdepot anbietet. So kann man sich schon einmal mit dem Handel und mit verschiedenen Aktien vertraut machen, bevor man richtiges Geld ausgibt.

Der Anlagebetrag: Nur "Spielgeld" investieren

Bevor Anleger Aktien kaufen, sollten sie sich klarmachen, wie viel Geld sie investieren möchten. "Dieser Betrag sollte für einige Jahre zur Verfügung stehen können, ohne dass man ihn irgendwann dringend braucht", rät Experte Leven. Aktien sollte man also mit finanziellen Mitteln kaufen, die man sonst nicht benötigt. Börsianer sprechen deshalb von "Spielgeld". Das ist wichtig, weil man dann schwierige Phasen an der Börse aussitzen kann, ohne sich mit viel Verlust von Papieren trennen zu müssen. "Wer eine Aktienposition verkaufen muss, wenn er dringend einen neuen Kühlschrank braucht, sollte lieber die Finger vom Aktien-Investement lassen", rät Franz-Josef Leven.

Anfänger sollten außerdem erst einmal mit kleineren Beträgen in den Aktienmarkt einsteigen. Dadurch lässt sich das Verlustrisiko gering halten. Allerdings sollte man Aktien auch nicht für Kleinstbeträge kaufen. Denn dann fallen die Order- und Depotgebühren so stark ins Gewicht, dass sich kaum noch eine positive Rendite erzielen lässt. Bei Filialbanken etwa kostet eine Order schon einmal 15 Euro. Bei einem Handelsvolumen von 1000 Euro sind das bereits 1,5 Prozent. Hinzu kommen noch anteilige Depotgebühren.

Die Aktienauswahl: Kaufen, was man versteht

Die richtige Aktie zu finden, ist die schwierigste Aufgabe für einen "Stockpicker". Experten empfehlen Einsteigern in der Regel, Aktien von solchen Unternehmen zu wählen, deren Produkte sie kennen und wertschätzen. "Es sollten Unternehmen sein, deren Geschäftsmodell verständlich ist und sich bewährt hat", sagt Franz-Josef Leven. Und: "Man sollte den Unternehmen zutrauen, dass sie damit auch weiterhin Geld verdienen." Leven rät außerdem dazu, sich das Management des Unternehmens anzusehen und sich zu fragen, ob man den Unternehmenslenkern vertraut. "Man kann sich da durchaus auch auf sein Bauchgefühl verlassen", sagt der Aktienexperte: "Letztlich geht es um die Frage: Wem möchte ich mein Geld anvertrauen?"

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Aktien, auf die beide Kriterien zutreffen, können Anleger etwa im Deutschen Aktienindex (Dax) finden. Darin sind die 30 größten deutschen Aktien-Unternehmen gelistet. Dazu gehören Firmen wie der Sportartikelhersteller Adidas, der Versicherungskonzern Allianz, der Automobilbauer Daimler oder der Energiehersteller Eon. Die sogenannten "Blue-Chip-Aktien" dieser Unternehmen können eine gute Einstiegsmöglichkeit sein. Wichtig ist dabei die Branchenmischung. "Wer schon vier verschiedene Autoaktien im Depot hat, sollte sich überlegen, ob er nicht lieber in ein Unternehmen aus einer anderen Branche investieren möchte", sagt Franz-Josef Leven.

Bevor man sich für eine Aktie entscheide, sollte man sich darüber hinaus auch einige Kennzahlen ansehen, rät Leven. So sei ein Kriterium, ob das Unternehmen eine Dividende ausschütte. "In Zeiten niedriger Zinsen kann eine hohe Dividende ein gutes Argument für eine Aktie sein", meint der Experte. Auch über das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie sollten sich Anleger informieren. Es setzt den Kurs der Aktie in Beziehung zum erwarteten Gewinn pro Anteilsschein. Das gilt als Gradmesser dafür, ob die Aktie hoch oder niedrig bewertet ist.

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Die Strategie: Lernen von den Börsengurus

Auch erfolgreiche Investoren wie Fondsmanager Peter Lynch oder der US-Investor Warren Buffett sind Verfechter von Anlagestrategien, die einfachen Regeln folgen. So riet Lynch Anlegern unter anderem, auf der Suche nach guten Unternehmen, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. Dieses "Eyes and Ears-Investment" geht davon aus, dass jeder in seinem Umfeld Unternehmen entdecken kann, in die es sich lohnt, zu investieren. Oft sind das Firmen, deren Produkte man selbst kauft, und von denen man überzeugt ist. Demnach ist es besser, Aktien von Firmen zu besitzen, hinter deren Geschäftsidee man wirklich steht, als einem geheimen und vermeintlich heißen Aktientipp für ein Unternehmen zu folgen, das man nicht kennt.

Ähnlich funktioniert die Investmentstrategie Warren Buffets: Der mittlerweile fast 90-Jährige US-Investor steckt sein Geld ebenfalls nur in Firmen, deren Geschäft er vollkommen durchdringt, und das er für zukunftsträchtig hält. Im Alter von 25 Jahren gründete Buffett eine Beteiligungsgesellschaft. Heute ist er einer der reichsten Menschen der Welt. Buffetts Anlagestrategie folgt dabei einfachen Grundsätzen. So bevorzugt er Top-Marken gegenüber No-Name-Unternehmen: Seine Lieblingsfirma ist Coca-Cola. Das Geschäft der Unternehmen sollte einfach und überschaubar sein. Buffett investiert langfristig in solche Firmen, und er schaut sich dabei auch das Management kritisch an. Fähige Unternehmenslenker sollten seiner Auffassung nach immer auch die Aktionäre im Blick haben.

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Die Investment-Grundsätze von Börsenprofis wie Lynch oder Buffet können Einsteigern helfen, sich für eine Aktie zu entscheiden. "Man sollte sie allerdings auch nicht blind imitieren", meint Franz-Josef Leven. Anleger sollten sich stattdessen stets ein eigenes Urteil über das jeweilige Unternehmen bilden - und dann entscheiden, ob es das passende Investment ist.

Rechner topfondsad
3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
DWS German Small/Mid Cap LD
DE0005152409
9,02%
Zum Chart
2.
Fondak A EUR
DE0008471012
4,12%
Zum Chart
3.
MEAG Proinvest A
DE0009754119
3,45%
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Die Mischung: Nie alle Eier in einen Korb legen

Die Anlage in eine einzelne Aktie ist risikoreicher als etwa in einen Fonds, in dem bereits sehr viele Werte enthalten sind. Anleger sollten daher das Risiko streuen. "Lege nicht alle Eier in einen Korb", lautet die dazu passende Börsenweisheit. Sie stammt vom US-Ökonomen Harry M. Markowitz. Die Idee des Nobelpreisträgers: Anleger sollten ihr Vermögen stets auf unterschiedliche Anlageprodukte verteilen. So muss man auch bei Einzelaktien darauf achten, Unternehmen aus verschiedenen Branchen zu kaufen – und aus verschiedenen Regionen. Neben deutschen Blue-Chips können daher auch bekannte Unternehmen aus dem übrigen Europa oder den USA interessant sein.

Wer sich an ausländische Firmen nicht herantraut, kann sich beim Stockpicking aber auch auf deutsche Dax-Unternehmen aus verschiedenen Branchen beschränken. Die internationale Streuung kann man dann über Fonds erreichen. Anleger sollten aber auch dabei die Kosten im Blick haben. So fallen bei aktiv gemanagten Fonds höhere Gebühren an als etwa bei börsengehandelten ETFs oder Indexfonds, mit denen Fondssparer auf breit gestreute, internationale Aktienindizes setzen können.

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Hat man eine Auswahl getroffen, sollte man dann auch länger dabei bleiben. "Aktienanlage ist eine Langfristanlage", gibt Franz-Josef Leven zu bedenken: "Ständiges Kaufen und Verkaufen sollte man vermeiden." Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass Anleger, die ihr Depot weniger oft umschichten, im Durchschnitt eher besser abschneiden als solche, die viel und oft handeln. Grund sind unter anderem die Kosten, die bei jedem Handelsvorgang anfallen. Auch in dieser Hinsicht kann man sich daher an Warren Buffett halten: Einer mit Bedacht ausgewählten Aktie sollte man möglichst lange treu bleiben, meint der Börsenguru – auch in schlechten Zeiten: "Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückgangs verkaufen würde."

Biallo-Tipp

In unserer "Welt der Börse" finden Sie weitere Informationen zu den weltweiten Aktien- und Kapitalmärkten.



  Andreas Jalsovec


 
 
 
 
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