Trade Republic: Was taugt der Smartphone-Broker ohne Provision?

Wertpapierhandel Trade Republic: Was taugt der Smartphone-Broker ohne Provision?

von Björn König
23.08.2019
Auf einen Blick
  • Mit Trade Republic gibt es erstmals in Deutschland einen Smartphone-Broker, bei dem Anleger ohne Provision handeln können.

  • Das Angebot wird zusammen mit der Berliner Solarisbank sowie HSBC Transaction Services realisiert. Genutzt wird LS Exchange als elektronischer Handelsplatz der Börse Hamburg.

  • Die Kursspannen (Spreads) der Werte sind an den Referenzmarkt Xetra gebunden. Investoren können zwischen 7.30 bis 23.00 Uhr und damit länger als an der Xetra selbst handeln.
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So ziemlich jedes Kind dürfte die Geschichte von Robin Hood kennen. Dieser betrieb mit Little John, Bruder Tuck und Will Scarlet im Sherwood Forest ein durchaus einträgliches Räubergeschäft. Allerdings nicht eigennützig: Die Bande setzte sich zum Ziel, habgierige Geistliche und Adelige Nottinghams finanziell zu erleichtern und den Reichtum an Bedürftige zu verteilen.

Die bekannte Geschichte wird seit 2013 neu aufgerollt. Diesmal jedoch nicht in England, sondern im sonnigen Palo Alto Kaliforniens. Dort ging nämlich unter dem Namen "Robinhood" eine Trading-App an den Start, die genau diesem Prinzip folgt. Man kann die Metapher hier schnell erkennen: Die habgierigen Adeligen sind Broker und Banken, die den Investoren das Geld mit hohen Provisionen aus der Tasche ziehen. Und genau denen wollen die Macher der Trading-App Robinhood an den Kragen, um das Geld den Investoren zurückzugeben.

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Nun hört die Geschichte allerdings weder in Nottingham noch Palo Alto auf. Tatsächlich hat es die Idee des wohl berühmtesten Räubers aller Zeiten mittlerweile sogar bis nach Berlin geschafft. Unter dem Namen "Trade Republic" haben die ehemaligen Studierenden Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri das erfolgreiche Prinzip des provisionsfreien Wertpapierhandels erstmals nach Deutschland gebracht. Und damit sogar noch schneller, als die amerikanischen Konkurrenten von Robinhood selbst.

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Angriff auf Broker und Banken

Ganz klar, Aktienhandel in Deutschland ist maßlos überteuert. Selbst bei den günstigsten deutschen Online-Brokern geht unter sechs bis acht Euro pro Trade in der Regel gar nichts. Hohe Depotgebühren und Provisionen halten vor allem auch jüngere Menschen von der Börse fern. Doch gerade diese Klientel müsste vor dem Hintergrund eines dauerhaft niedrigen Zinsumfeldes unbedingt in Aktien investieren, um für das Alter vorzusorgen.

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Ein weiterer Punkt: Die Handelssysteme der traditionellen Banken sind hoffnungslos überaltert und nicht auf eine komfortable Nutzung an Smartphones ausgerichtet. Genau hier setzt Trade Republic an. Ein modernes System soll die Kosten senken und Investieren am Smartphone möglichst einfach und komfortabel machen. Und tatsächlich, in unserem ersten Test hinterließ Trade Republic einen wirklich angenehmen Eindruck. Der Aktienhandel in der App ist selbst für Nutzer mit keiner oder wenig Erfahrung praktisch selbsterklärend, wenn man zumindest die Grundbegriffe wie Marktorder, Limitorder, Geld- und Briefkurs versteht. Aber dazu gleich mehr.

  • Biallo-Tipp: Auch Robo-Advisor bieten dank standardisierter Geldanlage und dem Investment in ETFs ein sehr kostengünstiges Investmentvehikel an. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, erfahren Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor. Mit dem digitalen Assistenten von biallo.de finden Sie den passenden Anbieter.

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Das Angebot

Der Handel von rund 6.100 Einzelaktien und zahlreichen ETFs ist mit einer Fremdkostenpauschale von einem Euro je Order aktuell unschlagbar günstig. Hinzu kommen attraktiv lange Handelszeiten (7:30 Uhr bis 23:00 Uhr) an der LS Exchange, dem elektronischen Handelssystem der Börse Hamburg. Verfügbare Indizes sind beispielsweise der Dax, S&P 500, Eurostoxx und der Nebenwerte-Index Russell 2.000.

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Im August dieses Jahres hat Trade Republic sein Angebot weiter ausgebaut. Besonders wichtig dürfte für Anleger sein, dass nun laut Preisverzeichnis die Gebühren für eine Auszahlung ausländischer Dividenden entfallen, zudem sollen im Laufe des Jahres ETF-Sparpläne hinzukommen. Neu ist darüber hinaus ein umfangreicher Derivatehandel in Kooperation mit HSBC Deutschland. Die Produktpalette umfasst dabei 40.000 Optionsscheine und Knock-Out-Produkte.

Vom Erwerb solcher gehebelten Turbozertifikate raten wir allerdings insbesondere unerfahrenen Anlegern eindeutig ab. Knock-Out-Produkte sind keine klassischen Investitionen, sondern eine spekulative Wette, die mit einem sehr hohen Totalausfall-Risiko verbunden ist. Lediglich Zertifikate mit einer Stop-Loss-Schwelle bieten überhaupt ein Mindestmaß an Sicherheit vor dem Komplettverlust des getätigten Investments. Entsprechende Angebote sind unserer Ansicht nach insbesondere mit Blick auf die Trade Republic-Kernzielgruppe junger Anleger beziehungsweise "Millennials" mit womöglich wenig Börsenerfahrung durchaus kritisch zu hinterfragen.

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Wie günstig das Angebot von Trade Republic ausfällt, zeigt der Vergleich mit anderen Online-Brokern:

Produkt

Trade Republic

Flatex

Consorsbank

Onvista Bank (Festpreis-Depot)

Dax-Aktie

1 Euro

5,90 Euro zzgl. Börsengebühren

4,95 Euro + 0,25 % vom Ordervolumen

5,00 Euro zzgl. 2,00 Euro Handelsplatzgebühr

ETF-Sparplan/
einmaliger ETF-Kauf

derzeit nicht möglich /
1 Euro

1,50 Euro /
3,80 Euro zzgl. Fremdkosten (ausgewählte Sparpläne kostenlos)

1,5 % vom Sparbetrag / 4,95 Euro + 0,25 % vom Ordervolumen (ausgewählte Sparpläne kostenlos)

Kostenlos / 5,00 Euro zzgl. 2,00 Euro Handelsplatzgebühr (Standardgebühr außerhalb Aktions-ETFs)

Quelle: Preisverzeichnisse der Anbieter / eigene Recherche.

Der Test

Getestet haben wir die App auf einem Android-Smartphone Modell Nokia 3 mit der Version 8.1. Der gesamte Registrierungsprozess inklusive Video-Ident wurde vollständig und papierlos am Smartphone abgewickelt. Wie bei der Eröffnung eines Bankkontos war lediglich der Personalausweis nötig.

Investoren erhalten ein separates Verrechnungskonto, welches wiederum mit einem Referenzkonto verbunden wird. Von diesem Girokonto kann dann direkt auf das Verrechnungskonto eingezahlt und mit dem Guthaben gehandelt werden. Um den Überblick zu behalten, gibt es eine Watchlist mit Speichermöglichkeit für relevante Wertpapiere.

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Das Referenzkonto kann jederzeit mit einer persönlichen PUK geändert werden, die dem Kunden per Überweisung im Verwendungszweck des erstmals hinterlegten Referenzkontos mitgeteilt wird. Zu Testzwecken führten wir eine reguläre Limit-Order eines US-Einzelwertes aus. Die Kursstellung erfolgte Realtime, ebenso wurde die Order unmittelbar und fehlerfrei ausgeführt. Der gesamte Orderprozess an der LS Exchange war mit dem Direktkauf an der New Yorker Börse beziehungsweise der Xetra bei anderen Brokern vergleichbar.

Unser Fazit

Wer vor allem günstig deutsche Einzelwerte sowie breit gestreute ETFs handeln möchte, wird aktuell kaum ein attraktiveres Angebot als Trade Republic finden. Da lediglich bestimmte Fremdgebühren in Höhe von einem Euro berechnet werden, kostet eine Order nur ein Bruchteil von dem, was traditionelle Broker verlangen.

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  • Biallo-Tipp: Wer sich (noch) nicht an den Handel mit Einzelaktien traut, kann bei Trade Republic – wie bereits erwähnt – auch ETFs handeln. Einen Überblick der Top-Performer erhalten Sie in unserem ETF-Vergleich. In jedem Falle sollten Sie immer auch die Sparplan-Angebote anderer Broker im Auge behalten werden, um das individuell beste Angebot zu finden.

Interessant sind insbesondere überdurchschnittlich lange Handelszeiten an der LS Exchange sowie eine sehr schnelle Marktorder direkt am Smartphone. Lobenswert ist zudem, dass mittlerweile keine Gebühren mehr für die Auszahlung ausländischer Dividenden erhoben wird.

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Statt das Angebot um hochspekulative Produkte zu erweitern, wäre es aber aus unserer Sicht sinnvoller gewesen, die Produktpalette an ETFs deutlich zu erweitern. Eine wesentliche Beschränkung auf den Fondsanbieter Blackrock ist im Hinblick auf Angebotsvielfalt und Kosten gegenüber Mitbewerbern ein klarer Nachteil für Anleger. Wünschenswert wäre zudem ein Zugang zu weiteren Handelsplätzen und die Depotnutzung am PC/Notebook.

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Biallo-Lesetipp

Seit Jahresanfang werden Fonds anders besteuert. Anleger müssen neue Spielregeln beachten und ihre Geldanlagen neu aufstellen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: Neue Steuerregeln für Fonds.

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