Investieren in Nebenwerte

Mid Cap-ETFs: Rendite-Turbo mit Nebenwerten

Update: 07.10.2020
Auf einen Blick
  • Die sogenannten Nebenwerte, auch Small- und Mid Caps genannt, werfen langfristig deutlich höhere Renditen ab als Standardwerte. 

  • Eine Investition im Nebenwerte-Segment ist allerdings auch mit höheren Risiken verbunden als eine Anlage in Large Caps.

  • Wer sein Risiko breit streuen will, für den bieten sich spezielle Mid-Cap-ETFs an wie zum Beispiel auf den MDax oder den US-amerikanischen S&P 400 MidCap.

Sogenannte Mid Caps sind Aktien mit mittlerem Börsenwert.
iQoncept / Shutterstock.com

Für Investmentprofis sind sie das Salz in der Suppe: die sogenannten Small- und Mid Caps. Gerade in der zweiten Reihe finden sich die echten „Hidden Champions“ – die Rendite-Perlen, die nur darauf warten entdeckt zu werden. Denn viele Nebenwerte sind noch unterbewertet, da sie nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen wie die großen „Blue Chips“ und von weniger Analysten abgedeckt werden.

Was genau sind Nebenwerte?

Zu den Nebenwerten zählen üblicherweise alle Aktien, die nicht in einem Leitindex vertreten sind – wie zum Beispiel dem Deutschen Aktienindex (Dax) oder dem US-Leitindex Dow Jones. Dabei wird zwischen Micro-, Small- und Mid Caps unterschieden. „Cap“ ist die englische Abkürzung für Kapitalisierung, auch Marktkapitalisierung oder Börsenwert genannt. Bei der Berechnung der Marktkapitalisierung wird der Aktienkurs mit allen ausgegebenen Aktien multipliziert.

Unter einem „Mid Cap“ versteht man folglich ein Unternehmen mit mittlerer Kapitalisierung, analog dazu ist ein „Small Cap“ ein Unternehmen mit kleinem Börsenwert. Aktien mit einem sehr kleinen Börsenwert zählen zu den „Micro Caps“, von denen sich viele noch im Pennystock-Bereich bewegen, also eine Notierung im Cent-Bereich vorweisen.

Börsenwert von Small- und Mid Caps

Es gibt allerdings keine einheitliche Definition, ab wann man genau von einem Kleinst-, kleinen oder mittelgroßen Unternehmen spricht. Die Grenzen sind oft fließend. In den USA beispielweise haben Mid Caps in der Regel eine Marktkapitalisierung von zwei bis zehn Milliarden US-Dollar, Unternehmen mit einem Börsenwert von 300 Millionen bis zwei Milliarden US-Dollar zählen zu den Small Caps und alles darunter fällt in den Bereich Micro Caps.

Biallo-Tipp: Dividenden von bis zu zehn Prozent

Eine attraktive Alternative zu Wertpapier-Dividenden sind die Ausschüttungen von Genossenschaftsbanken. In der Spitze winken bis zu zehn Prozent Dividende – ganz ohne Kursrisiko. Manche Genossen gehen sogar bundesweit auf Mitgliederfang. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber:  Die besten Dividenden von Genossenschaftsbanken.

Hierzulande bieten die Nebenwerte-Indizes MDax und SDax eine Orientierung. Im Index der mittelgroßen Werte (MDax) reicht die Marktkapitalisierung aktuell von knapp einer Milliarde Euro (Aareal Bank) bis rund 47 Milliarden Euro (Airbus), wobei gut 40 der 60 MDax-Mitglieder eine Börsenbewertung zwischen zwei und zehn Milliarden Euro vorweisen.

Im Index der kleinen Unternehmen (SDax) beträgt die Marktkapitalisierung aktuell 165 Millionen Euro (Leoni) bis 8,5 Milliarden Euro (Traton). Die überwiegende Mehrheit – nämlich gut 50 der 70 MDax-Mitglieder – weisen einen Börsenwert von 300 Millionen bis zwei Milliarden Euro aus.

Vorteile von Mid Caps

Viele Mid Caps besetzen als Marktführer eine Nische in ihrem Zielmarkt und können einen sogenannten Track Rekord vorlegen, also eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg. Gerade der deutsche Mittelstand zeichnet sich durch Innovationskraft und hohe Markteintrittsbarrieren aus.

Mid Caps erhalten oft besseren Zugang zu Krediten als Small- oder Micro Caps, um ihr Wachstum zu finanzieren, und können aufgrund ihrer stabilen Finanzierungsstruktur wirtschaftliche Turbulenzen relativ gut abfedern. Im Vergleich zu den Schwergewichten an der Börse reagieren mittelgroße Unternehmen oft schneller und effizienter auf strukturelle Veränderungen. Auch Fusionen und Übernahmen sind bei Mid Caps häufiger anzutreffen.

Anders als Small- oder Micro Caps sind die mittelgroßen Unternehmen in ihrer Expansion schon weiter fortgeschritten und stehen nicht mehr am Anfang ihrer Wachstumskurve. Dennoch bieten sie ein höheres Wachstumspotenzial als die Standardwerte. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Mid Caps risikoärmer als Small Caps sind, aber riskanter als Large Caps

Für die Risikodiversifizierung sind Mid Caps bei Investoren besonders beliebt, weil sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wachstum und Stabilität bieten und deutlich mehr Werte zur Auswahl stehen als bei den Standardtiteln.

Zudem sind Mid Caps häufig mit einem Abschlag zu Large Caps bewertet, wodurch sich langfristig höhere Renditepotenziale ergeben. Das zeigt auch der Blick auf die vergangenen zehn Jahre (Stichtag: 30. September 2020): Während beispielweise der Dax eine durchschnittliche Rendite von 7,4 Prozent pro Jahr erzielte, legte der MDax im gleichen Zeitraum um 11,9 Prozent pro Jahr zu. Natürlich gibt es keine Garantie, dass das auch in den nächsten zehn Jahren so sein wird.

Nachteile von Mid Caps

Mid Caps bieten zwar höhere Gewinnchancen als großkapitalisierte Unternehmen, sie sind aber auch deutlich schwankungsanfälliger. Die höhere Volatilität macht sich vor allem in turbulenten Börsenphasen bemerkbar. Im Corona-Crash von Mitte Februar bis Mitte März lagen die Verluste von MDax und Dax allerdings mit jeweils rund 40 Prozent auf Augenhöhe.

Ein weiterer Nachteil ist, dass Mid Caps in der Regel ein geringeres Handelsvolumen ausweisen als Large Caps. Dadurch liegen die Spreads – also die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs – vor allem in starken Auf- und Abwärtsbewegungen höher als bei Large Caps.

Hinzu kommt, dass der Streubesitz, also der Anteil der frei handelbaren Aktien, bei Mid Caps in der Regel niedriger ausfällt als bei Standardwerten, da viele mittelgroße Unternehmen noch familiengeführt sind und große Aktienpakete von Gründern oder Management gehalten werden. Das kann ebenfalls die Handelsliquidität einschränken. Die sogenannte Marktenge führt häufig dazu, dass sich Auf- und Abwärtsdynamiken beschleunigen, weil das Angebot der handelbaren Aktien verknappt ist.

Schließlich erfordert ein Investment in einzelne Mid Caps auch eine gewisse Erfahrung. Anleger sollten mit den Grundlagen der Fundamentalanalyse vertraut sein. Im Vergleich zu den Standardwerten ist die Analystenriege bei den Mid Caps noch relativ überschaubar. Von daher können Anleger nur selten auf Gewinnschätzungen oder Kursziele von Analysten zurückgreifen und müssen sich auf das eigene Know-how verlassen.

Biallo-Tipp

Wem ein Investment in einzelne Nebenwerte zu riskant oder zeitaufwendig ist, für den bieten sich spezielle ETFs auf Mid Cap-Indizes an. Dadurch können Anleger ihr Risiko diversifizieren und nicht schlechter als der Gesamtmarkt abschneiden, allerdings auch keine Outperformance erzielen. Dennoch sind ETFs aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur und breiten Streuung ein ideales Investmentvehikel für Einsteiger.Die größten ETFs auf den MDax.

Die größten ETFs auf den MDax

ETF Fondsvolumen Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre Performance 5 Jahre
iShares MDAX UCITS ETF 1,55 Mrd. Euro 7,51 % 3,89 % 35,09 %
Deka MDAX UCITS ETF 570 Mio. Euro 7,71 % 4,42 % 36,63 %
Invesco MDAX UCITS ETF A 325 Mio. Euro 7,55 %
Quellen: eigene Recherche / Performance zum Stichtag 5. Okt. 2020 / Kurse werden bereitgestellt von Mountain-View Data GmbH / Angaben ohne Gewähr


Die größten ETFs auf europäische Mid Cap-Indizes

ETF Fondsvolumen Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre Performance 5 Jahre
iShares EuroStoxx Mid UCITS ETF      315 Mio. Euro -2,31 % -0,11 % 28,16 %
iShares STOXX Europe Mid 200 UCITS ETF 295 Mio. Euro -0,95 % 1,64 % 23,62 %
iShares MSCI EMU Mid Cap UCITS ETF 200 Mio. Euro -0,09 1,61 % 29,15 %
Quellen: eigene Recherche / Performance zum Stichtag 5. Okt. 2020 / Kurse werden bereitgestellt von Mountain-View Data GmbH / Angaben ohne Gewähr


Die größten ETFs auf US-amerikanische Mid Cap-Indizes

ETF Fondsvolumen Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre Performance 5 Jahre
SPDR S&P 400 US Mid Cap UCITS ETF 690 Mio. US-Dollar 3,89 % 10,41 % 45,14 %
Xtrackers Russell Midcap UCITS ETF 101 Mio. US-Dollar 9,03 % 22,89 % 56,41 %
iShares Edge MSCI USA Size Factor UCITS ETF 96 Mio. US-Dollar 8,97 % 21,34 %
Quellen: eigene Recherche / Performance zum Stichtag 5. Okt. 2020 in Originalwährung US-Dollar / Kurse werden bereitgestellt von Mountain-View Data GmbH / Angaben ohne Gewähr

Biallo-Tipp

Wer mit einem Fondsinvestment eine Outperformance gegenüber dem Vergleichsindex erzielen will, muss auf aktiv gemanagte Fonds setzen. Allerdings gibt es keine Garantie auf eine Überrendite. Zu den Top-Performern im Bereich "Nebenwerte Deutschland" zählen aktuell der  Alpha Star Aktien, der  Allianz German Small und Mid Cap sowie der  Velten Strategie Deutschland mit einer Zwölf-Monats-Pefrormance von bis zu 33 Prozent.

Artikel Quellen

Die im Artikel verwendeten Quellen stammen in erster Linie aus Primärquellen wie zum Beispiel Studien, Analysen, Bundesstatistiken, Geschäftsberichte oder Interviews mit Branchenexperten. Gegebenenfalls verweisen wir auch auf Originalrecherchen anderer seriöser Verlage. In unseren  Redaktionellen Richtlinien erfahren Sie mehr über die Kriterien, die wir bei der Erstellung genauer und unvoreingenommener Inhalte einhalten.

https://www.investopedia.com/terms/m/marketcapitalization.asp
https://www.investopedia.com/terms/m/mid_cap_fund.asp
https://www.lupusalpha.de/nc/privatanleger/themen/fuenf-fakten-ueber-small-mid-caps/





  Sebastian Schick


 
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