So investieren Privatanleger in den deutschen Mittelstand

Mittelständische Unternehmen So investieren Privatanleger in den deutschen Mittelstand

Alexander Rudow
von Alexander Rudow
13.12.2019
Auf einen Blick
  • Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und kann ein interessantes Investment sein.
  • Es ist schwierig, direkt in den Mittelstand zu investieren. Indirekt geht das über Beteiligungsgesellschaften mit mittelständischen Portfolios.
  • Die Beteiligungsgesellschaften verfolgen unterschiedliche Strategien für verschieden Geschmäcker.
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"Dieses Investment ist kleiner als etwas, das wir normalerweise tun würden, aber es ist ein Türöffner. Ich mag es, dass wir den Code für Deutschland geknackt haben." Das sagte der legendäre Investor Warren Buffett im Namen seiner Holding Berkshire Hathaway, als er Anfang 2015 "Louis Motorrad" übernahm, ein Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand. Die Kaufsumme von 400 Millionen war für Berkshire in der Tat ein "kleiner Fisch", wie auch Buffett betonte. Jedoch ging es bei der Akquisition um mehr als diese Summe, nämlich um den "Türöffner" und das "Knacken des Codes" für den deutschen Mittelstand.

Buffett sucht nach dem "German Mittelstand"

Berkshire Hathaway investiert ja auch in den USA längst nicht nur in bekannte Größen wie Coca Cola, Wells Fargo oder American Express – im Portfolio befinden sich auch viele US-amerikanische Mittelständler wie Möbelproduzenten, Süßigkeitenfabrikanten, Schuhhersteller, Teppichbodenhersteller oder Regionalzeitungen. Sie alle werfen solide Renditen ab. Inzwischen sucht Warren Buffett also auch nach dem "German Mittelstand". Da ist er nicht allein. Chinesische Investoren haben angekündigt, vermehrt deutsche Mittelständler aufkaufen zu wollen, und tun das auch: China kauft seit einigen Jahren deutsche Mittelstandsbetriebe im großen Stil.

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Woher kommt dieses Interesse? Was macht den "German Mittelstand" aus? Und was ist das eigentlich genau? Grob gesagt: Es sind kleine und mittlere Unternehmen, bei denen Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko in einer Hand liegen. Man spricht auch von Eigentümer- und Familienunternehmen mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Davon gibt es rund 3,5 Millionen in Deutschland. Das Institut für Mittelstandsforschung setzt die obere Grenze der Beschäftigten bei 500 und des Jahres-Umsatzes bei 50 Millionen Euro. Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten und maximal zwei Millionen Euro Jahresumsatz zählen danach als Kleinstunternehmen. Firmen mit bis zu 49 Beschäftigten und höchstens zehn Millionen Euro Jahresumsatz gelten als klein. Mittlere Unternehmen haben danach bis zu 499 Beschäftigte und machen maximal 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Nach dieser Definition macht der Mittelstand in Deutschland 99,6 Prozent aller Unternehmen aus. In den Unternehmen des deutschen Mittelstandes arbeiten 58,5 Prozent der Beschäftigten. Sie erwirtschaften 35 Prozent aller Umsätze. Von dort stammen 81,8 Prozent aller Auszubildenden.

Das sind beeindruckende Zahlen. Sie illustrieren: Es gibt nur Weniges, was über die Jahrhunderte national und international so nachhaltig segensreich gewirkt hat wie der unternehmerische Mittelstand. Er bezeichnet eine ganze Kulturform, eine Form gesellschaftlicher Selbstorganisation, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Nach einem viel verwendeten Ausdruck ist der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Der deutsche Begriff "Mittelstand" wurde deshalb als Geisteshaltung, als Lebenseinstellung, als Erfolgsprinzip in vielerlei Sprachen übernommen. Er wurde nicht übersetzt. Über den "German Mittelstand" schreiben Newsweek, Economist, The Guardian und Financial Times, L‘Express, Le Figaro und Le Monde, El Pais, Bloomberg und Harvard Business Review. Sie alle verwenden seit vielen Jahren den deutschen Begriff "Mittelstand".

Wie kann der Privatanleger in den Mittelstand investieren?

Für den Privatanleger ist der Mittelstand ebenso attraktiv wie für die Legende Warren Buffet oder die Investoren aus China. Nur haben Kleinanleger ein Problem: Auf welchem Weg kann und soll man in den Mittelstand investieren? Über die Börse ist das direkt nicht möglich. Denn schon die kleinsten Unternehmen im SDax haben ein Vielfaches der Jahresumsätze, bei denen man noch von Mittelstand im obigen Sinne spricht. Ganz zu schweigen von den noch größeren Small Caps etwa im US-amerikanischen S&P 600 oder im Russell 2000. Die nennen sich zwar "klein" oder "Nebenwerte", aber eben nach Maßgabe börsennotierter Aktiengesellschaften.

Und damit ist leider auch über ETFs kein Investment in das möglich, was hier mit Mittelstand gemeint ist. Denn diese Indexfonds bilden ja nur die Börsenindizes ab, und die sind leider eine Nummer zu groß für den "German Mittelstand". Ist das also das Aus für Privatanleger? Oder kann man auch als Kleininvestor quasi unter dem Radar der Börsennotation fliegen und die Perspektiven des Mittelstandes nutzen? Und wie sieht es dabei mit der Diversifikation aus?

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Indirektes Fliegen unter dem Radar

Man kann als Privatmensch an der Börse mittelbar in kleine und mittlere Unternehmen investieren: indem man sich Unternehmen sucht, die ihrerseits in Mittelständler investieren: die Beteiligungsgesellschaften und Holdings. Diese wiederum werden oft an der Börse gehandelt, und man kann mit ihnen auf einen ganzen Strauß von Mittelständlern setzen.

In Deutschland spukt bei solchen Formen von Kapitalbeteiligung immer noch Franz Münteferings Diktum von den "Heuschrecken" durch viele Köpfe. Der sagte 2005 in einem Interview: "Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir."

Wie meinte Müntefering das mit den Heuschrecken?

Anlass für das Statement des damaligen SPD-Vorsitzenden war die Übernahme von Grohe, einem Hersteller von Sanitärprodukten. Ende 2004 hatten die Beteiligungsgesellschaft TPG (Texas Pacific Group) und eine Tochter der Credit Suise den Sanitär-Hersteller übernommen. Dabei finanzierten sie den Kauf über Kredite, die sie Grohe anschließend aufluden. Das Unternehmen musste Darlehen und Zinsen aus der Firmenkasse zahlen.

Ein weiteres abschreckendes Beispiel für Beteiligungsgesellschaften ist die Tätigkeit der Arques AG, die in den Nullerjahren als "der Highflyer schlechthin" gehandelt wurde. Für die Arquana International Print & Media erwies sich die Beteiligung durch Arques als fatal, weil Arques kaum in sein neues Unternehmen investierte. Man stellte sich vor, dass Arquana allein durch eigene Kapitalerhöhungen am Börsenmarkt gesunden solle. Als Restrukturierer erwies sich Arques nicht nur als Heuschrecke, sondern als Totengräber: Anfang 2008 meldete Arquana Insolvenz an. Arques hatte auf einen lukrativen Exit geschielt. Heraus kam ein früher Exitus. Das Beteiligungsunternehmen hatte sich an einer Branche versucht, die es nicht kannte. Den Scherbenhaufen versuchte Arques dann noch mit Hilfe einer Briefkastenfirma zu verbergen.

Hilfe bei der Unternehmensnachfolge

Seit diesen abschreckenden Beispielen gilt "Heuschrecke" im Deutschen als Schimpfwort für Private-Equity-Gesellschaften oder anderes Beteiligungskapital. Diese Vorstellung unterstellt Beteiligungsgesellschaften kurzfristige oder überzogene Gewinnerwartungen. In diesem Zusammenhang nennt man gern auch Hedge- oder Geier-Fonds. Diese Sichtweise ist aber so verkürzt, dass sie falsch ist. Warum?

Nun, wenn man sich die Finanzinvestoren in Deutschland ansieht, die im Bereich der Unternehmensnachfolgen tätig sind, dann entdeckt man die Heuschrecken-Klischees nicht mehr. Stattdessen taucht die Lösung eines Problems auf, bei dem Beteiligungsunternehmen vielen Mittelständlern helfen können: die Nachfolge der Unternehmensleitung. Viele Mittelständler haben Probleme, einen Nachfolger zu finden. Jahr für Jahr stehen etwa 22.000 Übergänge an.

Beteiligungsgesellschaften als neues „Zuhause“ für Mittelständler

Die Gründer möchten meist am liebsten, dass Firma und Chefsessel in der Familie bleiben – sprich: an Tochter oder Sohn übergehen. Denn Familienunternehmen denken langfristig. Wo Finanzinvestoren auf die Quartalszahlen schauen, da denken Gründer und ihre Familien in längeren Zeiträumen und zwar oft auch schon an die nächste Generation und den Erhalt des Unternehmens. Oft erweist sich dieser Weg aber als schlecht vorbereitet, überhastet oder schlicht falsch. Oder die Generation der Gründer hat keine Kinder.

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Hier kommen Beteiligungsgesellschaften ins Spiel. Etliche von ihnen denken langfristig und sind ein neues "Zuhause" für die Mittelständler. Die Identität der übernommenen Gesellschaften bleibt dann gewahrt (Marken, Namen oder Unternehmenskultur). Solch eine Verantwortung kann auch gegeben sein, falls ein späterer Verkauf der Beteiligung vorgesehen ist. Es gibt verschiedene Strategien für Beteiligungsgesellschaften.

Verschiedene Strategien einer Beteiligung

Falls eine Strategie keinen Exit bei der Beteiligung vorsieht, hat der mittelständische Gründer Sicherheit im Hinblick auf das Schicksal seines Lebenswerkes. Und hier kommt dann wieder der Gedanke an Warren Buffett und Berkshire Hathaway ins Spiel: sich durch Vertrauen einen Vorteil gegenüber anderen, möglicherweise zahlungskräftigeren Interessenten zu verschaffen und langfristig zu investieren.

Das Universum der Beteiligungsgesellschaften lässt sich grob einteilen in:

1. kurz- bis mittelfristig und Rendite getrieben,

2. Spezialsituationen ohne langfristige Absicht und

3. langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung.

Kurz- bis mittelfristige Investitionen

Von den Unternehmen der 1. Gruppe (kurz- bis mittelfristige,  Rendite getriebene Investitionen) tauchten im Jahr 2005 zwar die Unternehmen Apax, Blackstone und KKR in der "Heuschrecken"-Debatte auf, und sie sind auch heute noch tätig. Aber sie investieren in Large-Cap-Unternehmen, die hier keine Rolle spielen.

Bei den Investoren dieser Gruppe, die in den Mittelstand investieren, fällt die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) aus Frankfurt am Main auf, ein Mitglied im SDAX. Sie ist ein Abkömmling der Deutschen Bank. Als inzwischen eigenständiges Unternehmen hat die DBAG sich mittlerweile an über 300 Unternehmen beteiligt. Eine beeindruckende Zahl, die einen großen Erfahrungsschatz ausweist. Die durchschnittliche Haltedauer für Investments der Deutschen Beteiligung im eigenen Portfolio liegt bei fünf Jahren.

Die Deutsche Beteiligung und ihre Fonds

Die DBAG legt in Abständen Fonds auf, an denen sich Investoren beteiligen können (Private Equity). Für die Beratung erhält die DBAG eine Vergütung. Außerdem investiert sie in gut positionierte mittelständische Unternehmen mit Entwicklungspotential. Sie legt einen Schwerpunkt auf die Industriesektoren, in denen der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich besonders stark ist. Mit ihrer Erfahrung, dem Know-how und dem Eigenkapital stärkt die Deutsche Beteiligung die Unternehmer ihres Portfolios darin, eine langfristige Strategie umzusetzen. Ihr Ziel ist die strategische Weiterentwicklung und der anschließende Verkauf.

Sind alle Unternehmen in Fonds verkauft, erhalten die Investoren ihr Kapital samt Gewinn zurück. Sodann wird ein neuer Fonds aufgelegt. Hervorzuheben bei der DBAG ist eine Eigenkapitalquote von über 90 Prozent, also eine hohe finanzielle Stabilität und Bonität. Außerdem ist für Interessenten an der Deutschen Beteiligung zu erwähnen, dass der Drogerieunternehmer Dirk Rossmann größter Einzelaktionär ist und seine Position auch stetig ausbaut.

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Zurzeit besitzt die DBAG Anteile an 29 Unternehmen. acht davon stammen aus dem Sektor IT, Medien und Telekommunikation, drei aus der Konsumgüter-Branche, zwei sind Automobil-Zulieferer, ein Unternehmen gehört zum Dienstleistungs-Sektor, zwei erbringen Industriedienstleistungen, eines entstammt der Medizintechnik, drei dem Maschinen- und Anlagenbau und neun fertigen industrielle Komponenten. Das Portfolio ist also breit diversifiziert. Seit 2016 zahlt die Deutsche Beteiligung eine stabile Dividende. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt stattliche 4,35 Prozent.

Spezialsituationen ohne langfristige Absicht: Aurelius

Kommen wir nun zur zweiten Gruppe: Investitionen in Unternehmen in Spezialsituationen ohne langfristige Absicht. Das bekannteste Beispiel ist Aurelius aus Grünwald bei München. Gut in Erinnerung ist Börsianern noch die Short-Attacke des US-Hedgefonds Gotham City vom März 2017. Gotham kritisierte in seinem Bericht vor allem die zu hohe Bewertung einzelner Unternehmensbeteiligungen von Aurelius. Dadurch halbierte sich der Aurelius-Aktienkurs. Das Management kündigte zur Abwehr zwei Aktienrückkauf-Programme an und eine Dividendenerhöhung. Die Vorwürfe von Gotham City stellten sich im Nachhinein als falsch heraus.

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius kauft strauchelnde Unternehmen (Restrukturierungsfälle) oder Randaktivitäten großer Konzerne, wenn diese sie nicht weiterbetreiben. Aurelius findet niedrig bewertete Aktiva und will sie nach einigen Jahren mit Gewinn veräußern. Die Aktie ist im m:access der Börse München notiert. Aufgrund der Konzernstruktur und der Vorgehensweise von Aurelius beim Kauf, der Entwicklung und dem Verkauf von Beteiligungen wird Aurelius in den Medien bisweilen als deutsche Berkshire Hathaway bezeichnet. Man nimmt sich Warren Buffett also auch hier zum Vorbild.

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Die Aurelius-Gruppe teilt sich in fünf Sparten, wovon eine, die Aurelius Wachtumskapital, eine langfristig orientierte Beteiligungsgesellschaft ist (Evergreen-Modell), die in Nachfolgelösungen und kleine, profitable mittelständische Unternehmen investiert ("gut positionierte, mittelständische Unternehmen aller Branchen"). Neben Kapital für Investitionen und Wachstum will man das Management der erworbenen Gesellschaften durch die eigene Erfahrung unterstützen und dabei helfen, geplantes Wachstum zu realisieren und operative Potenziale zu heben. Aurelius versteht sich nicht nur als Investor, sondern auch als unternehmerisch erfahrener, kompetenter und unabhängiger Sparringspartner, der das Management nachhaltig unterstützt. Seit 2005 hat die Aurelius Group über 80 Unternehmenskäufe durchgeführt.

Bavaria Industries und Blue Cap: spezialisiert auf Sanierungsfälle

Bavaria Industries aus München ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständische Unternehmen übernimmt, wenn man bei ihnen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Das bedeutet auf Deutsch: Man ist spezialisiert auf Sanierungsfälle und kauft Firmen, die kurz vor dem Kollaps stehen. Die Ausfallquote ist hier relativ hoch, aber wenn ein oder zwei Übernahmeobjekte die Kurve kriegen und wieder Tritt fassen, sind die Renditen in diesen Fällen sehr hoch – analog zu den niedrigen Einstiegskursen bei Pleitekandidaten. Erwähnenswert ist, dass der Vorstand von Bavaria gut 90 Prozent seines eigenen Vermögens in der Holding konzentriert und daher großes Interesse daran hat, den Wert der Bavaria weiter zu steigern. Die Situation ist insofern durchaus zu vergleichen mit mittelständischen Familienbetrieben.

Blue Cap aus München ist im dortigen m:access und im Scale der Börse Frankfurt gelistet. Die Beteiligungsgesellschaft investiert überwiegend in süddeutsche Mittelständler und konzentriert sich dabei auf sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und Firmen mit ungelöster Nachfolge. Die Töchter werden eigenständig und unternehmerisch geführt. Im Portfolio befinden sich elf Mittelständler aus den Bereichen: Beschichtungs-, Klebstoff-, Kunststoff-, Medizin-, Metall- und Produktionstechnik. Das Geschäftsmodell von Blue Cap ist nicht ganz risikolos, aber wenn die Neupositionierung der günstig erworbenen Töchter gelingt, winken hohe Gewinne.

Mutares restrukturiert Turnarounds

Mutares aus München erwirbt mittelständische Unternehmen in Turnaround-Situationen und restrukturiert sie. Das Geschäftsmodell ist dem von Aurelius ähnlich. Die Beteiligungsgesellschaft hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 25 Unternehmen erworben und mehrere verkauft. Das Portfolio umfasst derzeit zwölf Unternehmen aus den Segmenten: Automotive & Mobility, Engineering & Technology, Goods & Services. Die Aktien von Mutares werden im Scale-Segment der Börse Frankfurt gehandelt. Ein Schwerpunkt der Beteiligungen liegt in Frankreich.

Die GBK Beteiligungen aus Hannover passt nicht richtig in eine der drei Gruppen. Auf der einen Seite investiert man in erfolgreiche Unternehmen, auf der anderen Seite arbeitet man mit Exit-Strategien. GBK konzentriert sich auf Gesellschaften, die für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar liegen. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an. GBK hat eine interessante Aktionärsstruktur: 26,6 % hält Rossmann, 15 % Friss, eine weitere Beteiligungsgesellschaft, 11,3 % die Hannover Finanz, 2,3 % das Bankhaus Warburg, und 44,8 % befinden sich im Streubesitz. GBK beteiligt sich an Produktions, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen. Im Portfolio befinden sich aktuell rund 30 Mittelständler aus der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, dem Transport und der Logistik, dem Maschinen- und Anlagenbau, dem Handel und E-Commerce und dem Dienstleistungssektor.

Langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung: Buy & Hold

Kommen wir zur dritten Gruppe: langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung. Hier ist zuerst die Indus Holding aus Bergisch Gladbach zu nennen. Wie der Name sagt, ist sie eine Industrieholding. Sie beteiligt sich langfristig an Firmen des Mittelstands im deutschsprachigen Raum und ist im SDAX gelistet. Man beteiligt sich an Unternehmen, die besonders erfolgreich in ihren Nischenmärkten sind, also an unbekannten Weltmarktführern – den sogenannten "Hidden Champions". Die Devise lautet: Buy & Hold & Develop – Kaufen, halten, entwickeln. Ziel ist also die langfristige Steigerung des Unternehmenswertes. Ankeraktionärin der Indus Holding ist die Versicherungskammer Bayern mit knapp 20 Prozent der Aktien.

Indus hält aktuell ein Portfolio aus 47 Unternehmen aus folgenden fünf Bereichen: elf aus Bau/Infrastruktur, neun aus Fahrzeugtechnik, zwölf aus Maschinen- und Anlagenbau, fünf aus Medizin- und Gesundheitstechnik und zehn aus Metalltechnik. Die Beteiligungsgesellschaft erwirbt überwiegend inhabergeführte Unternehmen. Diese Tochtergesellschaften agieren operativ und wirtschaftlich weiterhin selbständig. Den steigenden Cashflow nutzt Indus, um damit weitere Beteiligungen übernehmen zu können. Dieser Geschäftsansatz bringt der Holding Pluspunkte bei immer häufiger anstehenden Nachfolgelösungen im Mittelstand, da viele Firmengründer ihr Lebenswerk gerne in gute Hände legen möchten und dabei vor klassischen Finanzinvestoren zurückschrecken.

Indus engagiert sich in den Wirtschaftsbereichen, in denen der deutsche Mittelstand sich über Jahrzehnte eine weltweite Führungsrolle erarbeitet hat. Da Hidden Champions weltweit reüssieren, begleitet die Holding seine Unternehmen auch auf anderen Kontinenten und außerhalb der DACH-Region. Die Politik ist es, nicht in Quartalen zu denken, sondern in mehreren Jahren. Die Töchter sollen die Zeit haben, sich zu entwickeln und Chancen wahrzunehmen, ohne vierteljährige Erfolge vorweisen zu müssen.

Ähnlichkeiten zur Streuung bei ETFs

Eine Investition in Beteiligungsgesellschaften wie die DBAG oder Indus Holding ähnelt der in einen ETF, mit dem man in diesem Fall breit gestreut in dem Mittelstand investiert. Dabei kann man sich die Expertise der Beteiligungsgesellschaften zunutze machen. Die breite Streuung eines Portfolios ist vorteilhaft: Der Anlagebau etwa ist immer wieder konjunkturellen Zyklen unterworfen. Dagegen geht es im Gesundheitsbereich in der Regel stabiler zu.

Eine Holding hat auch die Funktion, ihre Töchter zu beraten. Sie kann ihren Portfolio-Unternehmen auch als Sparringspartner zur Verfügung stehen und das Controlling übernehmen. Das kann davor bewahren, in eingefahrene Strukturen zu verfallen, statt über kontinuierliches Unternehmertum Neues zu wagen. Gleiches gilt für die Organisation von Wachstumskapital. Ein Mittelständler kann sich hier mit einer erfahrenen Holding im Rücken auf das operative Geschäft konzentrieren, auch wenn es um Expansion ins Ausland geht.

Gesco mit einer besonderen Geschäftsphilosophie

In dieselbe Gruppe wie Indus gehört Gesco aus Wuppertal, gelistet im Prime Standard der Deutschen Börse. Sie engagiert sich in den Bereichen Gesundheit, Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugtechnik und Metallverarbeitung und Kunststoffe. Wie bei Indus konzentriert man sich auf wirtschaftlich gesunde Unternehmen des industriellen Mittelstands, die ohne Exit-Absicht in die Gruppe aufgenommen und weiterentwickelt werden, langfristig also. Ebenso wie bei Indus sucht man sich Übernahmekandidaten mit geringer Verschuldung, breiter Abnehmerstruktur, stabilem Geschäftsmodell, guter Position in einer Nische und Orientierung mehr am Cash-Flow als am Gewinn – als Ausweis dafür, was tatsächlich in der Kasse verbleibt.

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Gesco ist an 18 Unternehmen beteiligt. Eine Besonderheit dieses Unternehmens ist ein Teil seiner Geschäftsphilosophie: Die Geschäftsführer einer Tochter sollen selbst einen Anteil von zehn bis 20 Prozent des übernommenen Unternehmens erwerben. Den Rest hält Gesco. Die Geschäftsführung haftet also mit eigenem Kapital. Die Idee dahinter ist, dass die Leitung der akquirierten Firma auch ein eigenes finanzielles Interesse am Unternehmenserfolg hat. Das soll riskante oder unüberlegte Entscheidungen unwahrscheinlicher machen und dadurch das Risiko der Holding verringern.

Max Automation und MBB: Mittelstand im Prime Standard

Die MAX Automation aus Düsseldorf ist seit 2015 im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet. Ankerinvestor mit knapp 35 Prozent der Aktien ist die Günther-Gruppe aus Hamburg. Sie engagiert sich in den Kernsegmenten Umwelttechnik und Industrieautomation. Die Exportquote liegt bei 60 Prozent. Max Automation ist aktuell an sieben Unternehmen beteiligt. Eines zählt zum Bereich Process Technologies, fünf zu Evolving Technologies und eines zu Environmental Technologies.

MBB ist eine Beteiligungsgesellschaft aus Berlin. Das Kürzel MBB geht zurück auf Messerschmitt-Bölkow-Blohm. Die Aktien werden im Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt. Bemerkenswert ist, dass die beiden Gründer bis heute die mehrheitlichen Eigentümer der Gesellschaft sind. MBB konzentriert sich auf den Erwerb und das Management mittelständischer, technologiefokussierter Industrieunternehmen. Man strebt dabei eine langfristige Zusammenarbeit und keinen Wiederverkauf an. Man setzt auf Wachstum durch den Kauf neuer Unternehmen und die Wertsteigerung der bestehenden Beteiligungen und hält ein bodenständiges Portfolio aus sieben Unternehmen.

Die ältesten Beteiligungen (seit 2003) sind Delignit (Holzwerkstoffe) und OBO Werke (Kunststoffe für den Modell-, Werkzeug- und Formenbau). Hanke Tissue (seit 2006) ist ein führender Hersteller bedruckter Servietten. DTS (seit 2008) ist auf Cloud-Computing spezialisiert, und CT Formpolster (seit 2010) produziert Schaumstoffe. Die Aumann AG (seit 2012) ist ein Maschinen- und Anlagenbauer. Friedrich Vorwerk (seit 2019) ist im Rohrleitungsbau tätig. Schließlich sei noch angemerkt, dass MBB-Gründer Christof Nesemeier das Jahr 2019 bereits Ende November als das beste der Unternehmensgeschichte bezeichnete, aufgrund von drei erfolgreiche Zukäufen, soliden Geschäftszahlen und sehr guten Zukunftsaussichten.

Potential aus Schweden – und die Qual der Wahl

Last but not least sind die Schweden zu erwähnen: Seit dem 24. September 2019 befindet sich EQT Partners aus Stockholm an der Börse. Die Gesellschaft gehört zu 23 Prozent der schwedischen Familie Wallenberg. Sie ist eine der größten Private-Equity-Gesellschaften in Europa. EQT kauft oder finanziert über seine Fonds vor allem gut positionierte mittelständische Firmen und versucht deren Marktposition nachhaltig zu entwickeln. EQT verwaltet mit Stand Februar 2018 insgesamt 17 aktive Fonds und investiert in 170 Unternehmen.

In Beteiligungsgesellschaften steckt ebenso viel Potential wie im Mittelstand. Die Gesellschaften bieten den Vorteil von Expertise und einer breiten Streuung. Wenn man sich entscheidet, in Beteiligungsgesellschaften zu investieren, stellt sich die Frage nach der Auswahl. Dieser Artikel konnte die in Frage kommenden Kandidaten nur kursorisch anreißen. Auf welche Unternehmen man also setzt, muss sich aus weiterer Recherche ergeben. Grob lässt sich sagen, dass Frühphasen- und Problem-Investoren sicherlich höhere Risiken und höhere Schwankungen aufweisen als Konglomerate, die auf stetige Entwicklung setzen. Aus Sicht einer Buy & Hold-Strategie sind Beteiligungsgesellschaften der dritten Gruppe zu bevorzugen: langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung. Wer aber auf häufigere Umschichtungen und einen stetigeren News-Flow setzen möchte, für den kann auch ein Unternehmen aus der zweiten Gruppe interessant sein, wie Aurelius. Schließlich steht ein eigener langfristiger Investitionsansatz auch nicht einem Engagement bei der Deutschen Beteiligung entgegen.

Biallo-Tipp

Wenn man selbst langfristige Geldanlage betreibt (buy & hold), dann fährt man nicht verkehrt mit Beteiligungsunternehmen, die langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung betreiben.

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Alexander Rudow
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geboren 1972 in Münster/Westfalen, ist Jurist. Während seines Studiums und anschließenden Referendariats schrieb er außerdem als freier Journalist für verschiedene regionale Tageszeitungen, nach Absolvierung des zweiten Staatsexamens arbeitete er einige Zeit als Anwalt in eigener Kanzlei. Darüber hinaus war er in einer Warschauer Kanzlei tätig. Ebenfalls in Warschau unterrichtete er Deutsch als Fremdsprache am Österreich-Institut.

Mittlerweile hat er ins Verlagswesen gewechselt und arbeitet als Lektor und freier Autor sowohl von Sachbüchern als auch in der Belletristik.

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geboren 1972 in Münster/Westfalen, ist Jurist. Während seines Studiums und anschließenden Referendariats schrieb er außerdem als freier Journalist für verschiedene regionale Tageszeitungen, nach Absolvierung des zweiten Staatsexamens arbeitete er einige Zeit als Anwalt in eigener Kanzlei. Darüber hinaus war er in einer Warschauer Kanzlei tätig. Ebenfalls in Warschau unterrichtete er Deutsch als Fremdsprache am Österreich-Institut.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de