Familienunternehmen: Bis zu 5.000 Prozent Rendite in zehn Jahren

Kapitalmarkt-Performance Familienunternehmen: Bis zu 5.000 Prozent Rendite in zehn Jahren

Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger
20.12.2019
Auf einen Blick
  • Familienunternehmen zeigen in mehreren Studien eine bessere Performance am Kapitalmarkt als vergleichbare Konzerne.

  • Vor allem der Blick auf die Nebenwerte kann sich lohnen, wie die Beispiele von Nemetschek und Sartorius belegen – um nur einige zu nennen.

  • Allerdings kommt es auch auf die Definition an: Familienunternehmen ist nicht gleich Familienunternehmen.

 

 

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90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind inhaber- oder familiengeführt. An der Börse liegt die Quote allerdings "nur" bei 40 Prozent. Das zeigt eine Studie der TU München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen vom Sommer dieses Jahres.

Für Anleger kann es sich lohnen, die Eigentümerverhältnisse von Aktien unter die Lupe zu nehmen. Denn die Studie zeigt auch, dass börsennotierte Familienunternehmen in der Praxis rentabler wirtschaften und deren Aktienperformance oftmals besser abschneidet als bei herkömmlichen Unternehmen.

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Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, sieht bei familiengeführten Unternehmen eine stärkere Fokussierung auf nachhaltige Werte: "Eine bedeutende Familienbeteiligung am Unternehmen führt dazu, dass Entscheidungen des Vorstands gründlicher abgewogen werden und stärker auf lange Sicht und nicht auf die nächsten Quartalszahlen ausgerichtet sind. Das heißt, sie haben einen längeren Atem, denken in Generationen und wirtschaften vorsichtiger."

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Familienunternehmen genießen oftmals auch einen ausgezeichneten Ruf bei Bewerbern, Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Eine Umfrage des Edelman Trust Barometer im Jahr 2017 zeigte, dass die Deutschen Familienunternehmen deutlich stärker vertrauen als klassischen Konzernen.

Wann spricht man von einem Familienunternehmen?

Ein Familienunternehmen ist im klassischen Sinne zunächst mal ein Unternehmen, das von einer Familie gegründet beziehungsweise geführt wird. In den meisten Fällen trägt das Unternehmen dann auch den Familiennamen, dazu gehören in Deutschland beispielsweise Fielmann, Henkel und Schaeffler.

Diese Unternehmen wurden jedoch schon vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten gegründet. In diesem Sinne ändert sich naturgemäß im Laufe der Zeit auch die Eigentümerstruktur. Experten sprechen daher nicht nur von Familienunternehmen, wenn diese vollständig im Besitz der Familie sind, sondern unterscheiden zwischen mehreren Abstufungen.

Die sogenannte "Founding-Family Definition" ist in der Wissenschaft und Finanzbranche oftmals das Mindestkriterium. Diese klassifiziert eine Firma als "Familienunternehmen", wenn die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte besitzt und/oder ein Aufsichts- oder Vorstandsmandat bekleidet.

Darüber hinaus gehen Studien manchmal von strengeren Klassifizierungen aus und setzen beispielsweise 50 Prozent der Stimmrechte im Familienbesitz voraus – oder sogar noch mehr. Wenn Sie also die Performance von Familienunternehmen vergleichen wollen, ist es wichtig, auf die konkrete Definition zu achten.

Börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland

Die Zahl der Familienunternehmen mit Börsennotierung an einem geregelten Markt ist in den vergangenen zehn Jahren erheblich gesunken. Waren es 2009 noch rund 180, notierten 2018 nur noch knapp über 110 Familienunternehmen an der Deutschen Börse.

In der Regel sind Familienunternehmen, gemessen an der Bilanzsumme, deutlich kleiner als ihre Wettbewerber. Bei der Betrachtung der Umsatzerlöse wird die Differenz noch deutlicher: Der Umsatz von börsennotierten Familienunternehmen ist oft um ein Vielfaches kleiner als der von börsennotierten Unternehmen, die keine Verbindung mehr zu den Gründern haben.

So ist es wenig überraschend, dass auch die Mitarbeiterzahlen bei Familienunternehmen geringer ausfallen. Gleichzeitig ist jedoch das Beschäftigungswachstum erheblich höher.

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Unterschiede in der Kapitalstruktur

Laut Studie der Stiftung Familienunternehmen verfügen gründer- oder eigentümergeführte Unternehmen hierzulande in der Regel über eine deutlich höhere Eigenkapitalquote – im Schnitt von 42 Prozent. Im Vergleich dazu wiesen Unternehmen, die nicht im Familienbesitz sind, eine Eigenkapitalquote von durchschnittlich 28 Prozent aus. Dies hat beispielsweise bei der letzten Finanzkrise geholfen: "Wir haben beobachtet, dass Familienunternehmen besser durch die letzte Finanzkrise gekommen sind als andere Unternehmen und sich im Anschluss auch schneller erholten," erklärt Professor Kirchdörfer.

Die höhere Eigenkapitalquote ist also ein Sicherheitspuffer für Krisenzeiten, sodass familiengeführte Unternehmen eine Rezession eventuell länger und besser überstehen können. Eine These ist: Die Gründer und deren Nachkommen haben das Unternehmen aufgebaut und identifizieren sich viel intensiver auf einer persönlichen Ebene mit dem Unternehmen und wollen dies daher besser schützen.

"In unserer Studie hat sich gezeigt, dass die Renditen für Familienunternehmen eine leicht geringere Volatilität aufweisen, was ein Indikator für ein geringeres Risiko einer Aktie ist", erklärt Professor Reiner Braun, einer der Autoren der Studie.

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Erfolg von Familienunternehmen

Immer wieder sind internationale Studien zu dem Schluss gekommen, dass börsennotierte Familienunternehmen besser performen als sogenannte Nicht-Familienunternehmen. Hier kommt es allerdings auf die Details an.

Aus der Untersuchung der Stiftung Familienunternehmen wird deutlich, dass Familienunternehmen eine bessere Gesamtkapitalrentabilität vorweisen – im Fachjargon auch Retun of Assets (ROA) genannt. Sie kommen auf durchschnittlich 4,0 Prozent während die Kontrollgruppe der Studie nur auf einen Prozentsatz von durchschnittlich 2,1 Prozent kommt.

Das bedeutet, dass Familienunternehmen im Bezug auf die Vermögenswerte eine fast doppelt so gute Performance zeigen. Dieser Unterschied wird um so deutlicher, je enger man die Definition von Familienunternehmen auslegt. Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass "Familienunternehmen im Zeitraum 2009 bis 2018 signifikant besser als Nicht-Familienunternehmen abschnitten". Dies bezieht sich jedoch auf die operative Performance und nicht auf die Entwicklung am Kapitalmarkt.

Wie sieht es mit der Aktienperformance aus?

Dort sieht es komplizierter aus: "Grundsätzlich sind die Ergebnisse der Forschung in diesem Bereich nicht eindeutig. Der überwiegende Teil der Publikationen in diesem Bereich zeigt allerdings eine bessere Performance von Familienunternehmen", erklärt Professor Braun. Die Frage ist somit: Bekommen Aktionäre die bessere Performance auch zu spüren?

In der Tat konnte die Münchener Studie keine signifikante und deutlich bessere Performance bei Familienunternehmen erkennen. Dies gilt zumindest, wenn man Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen mit dem gleichen Risikoprofil vergleicht.

Dennoch besteht ein Unterschied, wenn man sich jene Familienunternehmen in der engen Definition anschaut und die Renditen auf Basis der Marktkapitalisierung berechnet. "Wenn man die marktgewichteten Renditen betrachtet, zeigt sich auch in unserem Datensatz eine bessere Aktienperformance für die Familienunternehmen nach beiden angewendeten Definitionen", erklärt Professor Braun von der Technischen Universität München.

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Familienunternehmen im internationalen Vergleich

Die Schweizer Investmentbank Credit Suisse hat im September 2018 ihre Studie "CS Family 1000" veröffentlicht, in der die weltweit wichtigsten Familienunternehmen an der Börse untersucht wurden. Rund ein Viertel der gelisteten Unternehmen kommt aus Europa und nur zwölf Prozent haben ihren Sitz in Nordamerika. Das Gros der Familienunternehmen sitzt im asiatischen Raum, nämlich über 50 Prozent.

Der starke regionale Unterschied ist jedoch, dass die Familienunternehmen in Europa und den USA deutlich größer sind als die asiatischen Wettbewerber. Im Westen sind rund zwei Drittel der gelisteten Unternehmen Mid Caps und Large Caps, während in Asien alleine mehr als die Hälfte der Unternehmen zu den Small Caps zählen.

Im Gegensatz zur Studie der Stiftung Familienunternehmen kommt die Credit Suisse zu einem anderen Ergebnis im Bereich der Kapitalmarktperformance. Sämtliche Familienunternehmen erzielten deutlich höhere Kurszuwächse als ihre Wettbewerber. Im Durchschnitt erreichten familiengeführte Unternehmen im analysierten Zeitraum eine Überrendite, das sogenannte Alpha, von mehr als drei Prozent pro Jahr.

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Die Studienautoren segmentieren jedoch auch nach großen und kleinen Familienunternehmen, was den Unterschied noch deutlicher macht: Weltweit erreichen die kleinen Familienunternehmen ein Alpha von über 7,5 Prozent pro Jahr, sind also noch einmal doppelt so erfolgreich wie der Durchschnitt aller Familienunternehmen.

Die Autoren kommen – ebenso wie die Studie der Stiftung Familienunternehmen – zu dem Ergebnis: Je stärker der Einfluss der Familie, desto besser die Performance. Die jeweilige Überrendite ist aber immer auch an den Betrachtungszeitpunkt gekoppelt. "Zudem hängt die Outperformance natürlich stark von der Kontrollgruppe, die die Credit Suisse verwendet hat, ab. Zuletzt hat die Credit Suisse auch eine andere Definition für Familienunternehmen verwendet", erklärt Professor Braun.

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Wie können Sie in Familienunternehmen investieren?

Börsennotierte Familienunternehmen sind ein wichtiger Bestandteil am deutschen Kapitalmarkt und für Anleger aus verschiedenen Gründen der Diversifikation interessant. Neben einer Direktinvestition in diese Aktien – beispielsweise Sixt, Wacker Chemie oder Fielmann – gibt es auch einige Fonds, die sich auf Familienunternehmen spezialisiert haben. Es gibt etwa den an der Münchener Börse indizierten HAFIX Index für Deutschland und Europa. Jedoch sollten Sie immer auf die Definition von Familienunternehmen achten, da diese oft willkürlich sein kann.

Der HAFIX Index akzeptiert nach eigenen Angaben auch "unternehmerisch denkende Investoren", obwohl es sich dann streng genommen nicht mehr um ein klassisches Familienunternehmen handelt. Wer einen Blick auf die Kursliste wirft, findet im HAFIX zwar Unternehmen wie Axel Springer, Henkel und Schaeffler – jedoch auch Hochtief, Tui und Volkswagen.

Der DAXplus Family-Index ist erheblich strenger ausgelegt, was die Definition eines Familienunternehmens angeht. Der Index umfasst Wertpapiere der Frankfurter Börse, bei denen die Gründerfamilie mindestens einen 25-prozentigen Stimmrechtsanteil hat oder im Vorstand beziehungsweise Aufsichtsrat vertreten ist und dabei mindestens einen Stimmrechtsanteil von fünf Prozent hält.

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Die Top-Performer der europäischen Familienunternehmen aus der Studie der Credit Suisse

Unternehmen

10-Jahres-Performance*

1. Nemetschek

4.396 %

2. Sartorius

5.078 %

3. Grenke

880 %

4. Sixt

687 %

5. Amplifon

748 %

6. Partners Group Holding

604 %

7. 1&1 Drillisch

317 %

8. Recordati

624 %

9. Kering

619 %

10. Robertet

906 %

Quellen: Thomson Reuters / Credit Suisse Research
*Performance weicht vom Studienzeitpunkt ab; aktuelle Performance nach onvista.de

Biallo-Tipp

Familienunternehmen können also eine sinnvolle Ergänzung im Depot sein und langfristig eine nachhaltige Entwicklung bieten. Eine Garantie für Kurssprünge können sie natürlich auch nicht sein. Mehrere Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass börsennotierte Familienunternehmen sicherer aufgestellt sind und oftmals zukunftsgerichteter agieren.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de