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Auf einen Blick

  • Aktien der Tübinger Biotech-Schmiede Curevac stehen heftig unter Druck. Grund: Der Corona-Impfstoff von Curevac liefert nicht die gewünschten Wirksamkeitsdaten.

  • Das Präparat "CVnCoV" könne nach vorläufigen Ergebnissen nur zu 47 Prozent eine Covid-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades verhindern, teilte Curevac am Mittwoch nach Börsenschluss mit.

  • Zur Börseneröffnung am Donnerstag stürzte die Aktie von Curevac um mehr als 50 Prozent ab, konnte sich im weiteren Handelsverlauf allerdings wieder etwas erholen.

  • Das Beispiel zeigt: Anleger brauchen bei einem Investment in Impfstoff-Aktien starke Nerven und sollten nicht alles auf eine Karte setzen.

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Für die Aktionäre von Curevac ist es ein Schock: Der Corona-Impfstoff des Tübinger Biotechunternehmens, an dem auch SAP-Gründer Dietmar Hopp beteiligt ist, ist offenbar nur unzureichend wirksam. Das Präparat „CVnCoV“ erzielte "eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine COVID-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades und erreichte damit nicht die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien", teilte Curevac am 16. Juni nach Börsenschluss mit. Darin spricht das Unternehmen von einer "bislang beispiellosen Umgebung mit mindestens 13 Varianten".

 

Schwieriges Studienumfeld für Curevac

In der Zwischenanalyse der zulassungsrelevanten Studie mit insgesamt 40.000 Probanden wurden insgesamt 134 Covid-19-Fälle untersucht, die mindestens zwei Wochen nach der zweiten Curevac-Impfung auftraten. Davon wurden 124 Fälle sequenziert und auf mögliche Virusvarianten untersucht. Dabei sei nur ein einziger Fall auf das ursprüngliche SARS-CoV-2-Virus zurückzuführen gewesen. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) hätten sogenannte besorgniserregende Varianten („Variants of Concern“) ausgemacht. 

"Wir hatten auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft, haben aber gesehen, dass es bei dieser beispiellosen Bandbreite an Varianten eine Herausforderung darstellt, eine hohe Wirksamkeit zu erzielen", sagte Dr. Franz-Werner Haas, Vorstandsvorsitzender von CureVac, laut Pressemitteilung. Man wolle die Studie aber auf jeden Fall bis zur finalen Analyse mit mindestens weiteren 80 Fällen fortführen. "Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern". Haas betonte zudem, "dass die Entwicklung von Impfstoffen der zweiten Generation sehr wichtig ist, da immer neue Varianten auftreten". Die Hoffnung auf die 2. Generation konnte trotzdem nicht verhindern, dass Curevac-Aktionäre am Tag darauf die Reißleine zogen und sich der Börsenwert von Curevac innerhalb kurzer Zeit auf sieben Milliarden Euro mehr als halbierte.

 

Impfplan der Bundesregierung kommt ins Wanken

Die enttäuschenden Ergebnisse von Curevac dürften auch die Impfpläne der Bundesregierung durcheinanderbringen. Denn eigentlich hatte man in Berlin erwartet, dass Curevac spätestens im Juni die bedingte Zulassung von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA erhält, das Impftempo dadurch deutlich zulegen wird und "dass im Sommer jedem in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden kann". Nach aktuellem Stand ist jedoch fraglich, ob Curevac überhaupt eine Zulassung von der EMA erhält, auch wenn das Präparat gegen bestimmte Varianten und bei jüngeren Altersgruppen laut Curevac offenbar mehr Wirksamkeit zeigt.

 

Knapp 30 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft

Stand 16. Juni hat knapp die Hälfte (49,6 Prozent) der Gesamtbevölkerung in Deutschland mindestens eine Impfung erhalten. 28,8 Prozent wurden vollständig geimpft. Zum Vergleich: Am 12. April waren es noch 6,2 Prozent vollständig Geimpfte. Das Tempo hat in der laufenden Woche deutlich an Fahrt gewonnen, da seit Montag nun auch die Betriebsärzte in großen Konzernen impfen dürfen. In den Betrieben wird überwiegend mit Biontech und Moderna geimpft. Die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) derzeit nur für die Altersgruppe ab 60 Jahren. 

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Biontech/Pfizer und Moderna als Vorreiter

Das Mainzer Biotechunternehmens Biontech und sein US-Partner Pfizer waren die ersten, die am 21. Dezember 2020 eine EU-Zulassung für ihren Impfstoff "BNT162b2" ("Comirnaty") erhielten. Danach folgten das US-Unternehmen Moderna (6. Januar 2021) und der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca (29. Januar 2021). Zuletzt wurde das Vakzin von Johnson & Johnson am 11. März 2021 zugelassen. 

Die EMA prüft neben Curevac derzeit drei weitere Impfstoffe im beschleunigten Zulassungsverfahren: das russische „Sputnik V“, „CoronaVac“ des chinesischen Pharmaunternehmens Sinovac sowie das Präparat "NVX-CoV2373" des US-Unternehmens Novavax, das in dieser Woche – im Gegensatz zu Curevac – sehr gute Wirksamkeitsdaten präsentierte.

 

Hohe Wirksamkeitsquoten der Corona-Impfstoffe

Der Corona-Impfstoff von Novavax kommt laut aktueller Studie auf eine Wirksamkeitsquote von über 90 Prozent. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna kommen auf jeweils circa 95 Prozent. Die Verabreichung erfolgt stets in zwei Dosen. Die ständige Impfkommission (Stiko) hat mit Schreiben vom 1. April empfohlen, die zweite Dosis bei beiden Impfstoffen nach sechs Wochen zu verabreichen. Bis dato lag das Zeitfenster bei drei bis sechs (Biontech/Pfizer) beziehungsweise vier bis sechs Wochen (Moderna). Durch die größeren Abstände sei "eine sehr gute individuelle Schutzwirkung als auch ein größerer Effekt der Impfung auf Bevölkerungsebene zu erzielen", heißt es in dem Schreiben.

In Sachen Logistik hat der Moderna-Impfstoff offenbar einen Vorteil: Dieser hält sich sechs Monate lang bei minus 20 Grad, bis zu 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und zwölf Stunden bei Raumtemperatur, während das Vakzin von Biontech/Pfizer nach neuesten Daten zwei Wochen lang bei minus 15 bis minus 25 Grad haltbar ist und nach dem Auftauen nur fünf Tage bei Kühlschranktemperatur stabil bleibt und zwei Stunden lang bei Raumtemperatur. Dadurch ist der logistische Aufwand für die Auslieferung höher.

Das Vakzin von Astrazeneca wird von der Stiko nur für Menschen im Alter ab 60 Jahren empfohlen. Grund sind spezifische thromboembolische Nebenwirkungen wie etwa Blutgerinnsel im Gehirn, die überwiegend bei Geimpften unter 60 Jahren auftraten. Laut RKI hat das Vakzin mit dem Namen "Vaxzervia" – unter Einhaltung des empfohlenen Abstands von zwölf Wochen zwischen beiden Impfungen – eine Wirksamkeit von bis zu 80 Prozent in allen Altersgruppen. Vorteil: Der Astrazeneca-Impfstoff kann bis zu sechs Monate im Kühlschrank gelagert werden.

Auch der Impfstoff der Johnson & Johnson-Tochter Janssen kann lange bei Kühlschranktemperatur gelagert werden – und zwar bis zu drei Monate. Weiterer Vorteil: Es ist nur eine Impfdosis nötig. Laut RKI weist das Präparat von Johnson & Johnson eine Wirksamkeit von 65 Prozent in allen Altersgruppen aus. Allerdings traten zuletzt in wenigen Fällen – ähnlich wie bei AstraZeneca – nach der Impfung bei wenigen jüngeren Personen Blutgerinnsel auf, weshalb die Stiko das Janssen-Präparat derzeit ebenfalls nur für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt.  

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Neuartige mRNA-Technologie soll es richten

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna wurden mit einer neuartigen Technologie entwickelt: Sie basieren auf der sogenannten Boten-RNA, auch "messenger RNA" (mRNA) genannt. Dabei handelt es sich um eine einsträngige Ribonukleinsäure, die genetische Informationen des Erregers enthält. Als Wirkstoffträger fungieren flüssige Nanopartikel.

Dringt diese Boten-RNA durch die Impfung in menschliche Zellen ein, baut die Körperzelle das Oberflächenprotein des Virus, auch Spike-Protein genannt, nach. Der Mensch bildet seinen Impfstoff quasi selbst. Das menschliche Immunsystem wiederum reagiert mit Antikörpern, um das Virusprotein zu eliminieren. Trifft das Immunsystem dann später auf das "echte" SARS-Cov-2-Virus, erkennt es dessen genetischen Code und kann es gezielt ausschalten. 

An einem ähnlichen Mittel forscht auch die Tübinger Biotech-Schmiede Curevac. Zur Wirksamkeitsquote des Curevac-Vakzins wurde bislang noch nichts vom Unternehmen veröffentlicht, allerdings zur Haltbarkeit. Demnach soll das Curevac-Mittel bis zu drei Monate im Kühlschrank haltbar sein.

 

DNA-basierte Impfstoffe und Vektorimpfstoffe

Verwandt mit der mRNA-Technologie ist die DNA-Technologie, die zum Beispiel das US-Biotechunternehmen Inovio einsetzt. Allerdings gestaltet sich der Vorgang etwas komplizierter: Denn die DNA-basierten Vakzine müssen direkt in den menschlichen Zellkern eindringen, um ihre Wirkung zu entfalten, während die Boten-RNA lediglich in das Zytoplasma der Zellen gelangen muss. 

Andere Impfstoffe (AstraZeneca, Johnson & Johnson, Sputnik V) bauen auf die sogenannte Vektor-Technologie. Dabei dienen Trägerviren – sogenannte Adenoviren – als Vehikel für die Information über den Erreger und die DNA des Spike-Proteins wird in die DNA des Transport-Virus eingebaut. "Bei den Trägerviren kann es sich zum Beispiel um abgeschwächte Impfviren wie das Impfmasernvirus handeln", informiert das Paul-Ehrlich-Institut. Allerdings muss auch hier die DNA erst in den menschlichen Zellkern gelangen, wo sie in mRNA übersetzt wird, um dann das Oberflächenprotein nachzubilden. Im Unterschied zu mRNA-Impfstoffen wird hier also noch ein Zwischenschritt eingefügt. Bei Ebola und Dengue-Fieber sind bereits Vektorimpfstoffe zugelassen, während mRNA- und DNA-basierte Impfstoffe in der Humanmedizin noch Neuland sind.

Weltweit gibt es bereits rund 300 Projekte, in denen Unternehmen, Institute und Universitäten an einem Mittel gegen das Corona-Virus arbeiten, heißt es vom Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa). In der entscheidenden Phase III angekommen sind laut vfa derzeit 27 weitere Impfstoffe, wovon sich vier (Curveac, Sinovac, Sputnik V, Novavax) im sogenannten Rolling-Preview-Verfahren befinden, dem beschleunigten Zulassungsverfahren der EMA.

Sehen Sie auch unser Youtube-Video mit Börsenlegende Beate Sander zum Thema Impfstoff-Aktien:


 

Enorme Beschleunigung in der Impfstoff-Forschung

Gemessen an den herkömmlichen Zeitspannen für die Entwicklung eines Impfstoffes, gehen die klinischen Studien derzeit im Eiltempo über die Bühne. Vom Beginn der Forschung bis zur Zulassung eines Impfstoffs dauert es normalerweise mehr als zehn Jahre. Im Kampf gegen Corona jedoch machen "neue Technologien und Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren eine enorme Beschleunigung möglich", heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen. Hinzu kommt die Konzentration umfangreicher Mittel im Kampf gegen Covid-19.

Die Erforschung eines Impfstoffs läuft dabei in mehreren Stufen ab. Direkt vor der Zulassung wird das Mittel in drei Phasen an Freiwilligen erprobt: In Phase I wird vor allem die Verträglichkeit des Mittels getestet. In der zweiten Phase geht es um die Dosierung des Mittels. Das Wissen um die Verträglichkeit und über die Immunreaktion der Probanden wird vertieft. 

Die Phase III schließlich ist ein groß angelegter Test zur Wirksamkeit und Zuverlässigkeit des Impfstoffs. An dieser Phase nehmen in der Regel mehrere tausend Personen in verschiedenen Ländern teil. Sie werden in zwei Gruppen geteilt. Die eine bekommt den Impfstoff, die andere ein Placebo. Der Vergleich der beiden Gruppen zeigt, wie gut der Impfstoff schützt. Ist der Test erfolgreich, erfolgt nach einer weiteren Sicherheitsprüfung die Zulassung.

Nach Angaben des vfa gibt es neben den 27 Phase-III-Projekten derzeit weitere 36 Impfstoffe in Phase II und 35 in Phase I. An den Projekten sind einige börsennotierte Unternehmen beteiligt.

 

Welche Impfstoff-Aktien haben seit Corona am besten performt?

Biontech Aktie und Pfizer Aktie

Die Mainzer Biotechnologie-Firma Biontech hat als erstes deutsches Unternehmen einen Impfstoff an Menschen getestet. Neben dem US-Konzern Pfizer kooperiert Biontech auch mit dem chinesischen Pharmakonzern Fosun Pharma, mit dem es eine klinische Studie in China durchführt. 

Am 21. Dezember 2020 haben Biontech und Pfizer die Zulassung in der EU erhalten. Zuvor gab es bereits Notfallzulassungen in Großbritannien, Kanada und den USA. Im Januar und Februar dieses Jahres folgten Australien und Japan. Am 31. März gaben Biontech und Pfizer positive Studiendaten für ihren Corona-Impfstoff "BNT162b2" bei Jugendlichen bekannt – mit einer Wirksamkeit von bis zu 100 Prozent. Am 31. Mai schließlich erfolgte die erste Zulassung für Jugendliche durch die EMA. 

Die jüngsten Erfolgsmeldungen haben der Aktie von Biontech noch mal einen deutlichen Kursschub gebracht. Seit dem 19. Februar 2020, dem Beginn der Corona-Krise an den internationalen Börsen, hat sich der Titel in Euro gerechnet mehr als versechsfacht. Die Aktie von Pfizer hat im gleichen Zeitraum dagegen gut zwei Prozent verloren.

Moderna Aktie

Eines der vielversprechendsten Unternehmen für die Impfstoff-Entwicklung sitzt in den USA: Die an der US-Börse Nasdaq notierte Firma Moderna konnte bereits im März 2020 die erste klinische Phase für ihren Impfstoff "mRNA-1273" starten, da man zuvor schon an einem Vakzin gegen ein ähnliches Virus gearbeitet hatte. Am 6. Januar 2021 erhielt Moderna die Zulassung in der EU. Zuvor hatte das Vakzin bereits Notfallzulassungen in den USA und Kanada bekommen. Die Aktie von Moderna hat sich seit dem 19. Februar 2020 nahezu verzehnfacht.

Astrazeneca Aktie

Der schwedisch-britische Pharmakonzerns AstraZeneca entwickelte zusammen mit der Universität Oxford einen Impfstoff. Wegen ihrer Erfahrung im Bereich der Ebola-Forschung hat die britische Universität eine führende Rolle in der Entwicklung eingenommen. Die EU-Zulassung des Astrazeneca-Vakzins ("Vaxzervia") erfolgte am 29. Januar 2021. Mittlerweile wird der Impfstoff bereits in mehr als 70 Ländern eingesetzt, in den USA allerdings noch nicht. 

Der Impfstoff von Astrazeneca sorgte im März für Negativschlagzeilen wegen seltener Blutgerinnsel, die nach dem Impfen vor allem bei Frauen unter 60 auftraten. Mehrere EU-Ländern pausierten die Impfung, was die Aktie zwischenzeitlich unter Druck brachte. 

Mittlerweile empfiehlt die EMA das Vakzin wieder für alle Altersgruppen, auch wenn die Stiko generell zur Impfung ab 60 Jahren rät. Dennoch sei laut Stiko-Empfehlung "nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz der zu impfenden Person" eine Impfung bei 18 bis 59-Jährigen ebenfalls möglich. Diese Option hat der Aktie zuletzt wieder etwas Auftrieb gegeben. Seit 19. Februar 2020 liegt das Astrazeneca-Papier gut sieben Prozent im Plus.

Johnson & Johnson Aktie

Auch beim Impfstoff des US-Herstellers Janssen (Johnson & Johnson) sind seltene Fällen von Sinusvenenthrombosen aufgetreten, die von der EMA geprüft wurden. Am 20. April hat die Behörde schließlich wie kurz zuvor bei Astrazeneca grünes Licht gegeben. Auch die USA hatten das Vakzin vorübergehend ausgesetzt, Ende April aber wieder freigegeben. Die schlechte Nachrichtenlage im Frühjahr erwies sich nicht gerade als Kurstreiber. Seit 19. Februar 2020 tritt die Aktie auf der Stelle.

Novavax Aktie

Das US-Unternehmen Novavax kündigte nach erfolgversprechenden Daten Mitte März an, noch im April die Zulassung in Großbritannien und den USA zu beantragen. Weil Novavax dann im Mai den Zulassungsantrag auf das dritte Quartal verschob, straften Anleger die Aktie zwischenzeitlich ab. Allerdings liegt das Papier trotz der jüngsten Rücksetzer seit 19. Februar 2020 immer noch knapp 2.000 Prozent im Plus.

Der Impfstoff von Novavax ist weder mRNA-, noch Vektorimpfstoff, sondern eiweißbasiert. Die Entwicklung gestaltet sich etwas schwieriger und dauert daher auch länger. Proteinbaiserte Impftsoffe werden bereits bei Hepatitis und Tetanus eingesetzt. Vorteil des Novavax-Impfstoffes: "NVX-CoV2373" ist ein Kobinationsimpfstoff. Er kann mit Spikeproteinen anderer Viren, wie etwa Influenza, kombiniert werden. Der Zulassungsantrag in Europa ist ebenfalls für das dritte Quartal geplant.

Curevac Aktie

Das Tübinger Unternehmen zählte neben Biontech bis vor kurzem zu den deutschen Hoffnungsträgern im Kampf gegen das Coronavirus und hat mit Novartis und Bayer namhafte Kooperationspartner an Bord. Ende April sollten eigentlich die ersten Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs veröffentlicht werden. Verständlich dass die Enttäuschung über die nun vorgelegten Ergebnisse umso größer sind. Dennoch liegt die Aktie trotz des 50-prozentigen Kursrutschs seit dem Börsengang im Sommer 2020 noch knapp 200 Prozent im Plus. Der Ausgabepreis lag am 14. August bei 16 US-Dollar, umgerechnet 13,50 Euro. Dietmar Hopp hält über seine Dievini Hopp Biotech Holding noch gut 47 Prozent der Curevac-Anteile. Der Bund ist mit knapp 18 Prozent an Curevac beteiligt.

Quelle: vfa. 

 

Investitionen in Impfstoffhersteller sind hochspekulativ

Längst nicht jede Aktie, die mit einem Corona-Impfstoff in Verbindung gebracht wird, ist auch ein Garant für hohe Kursgewinne. Das zeigen die Beispiele von Astrazeneca und Johnson & Johnson, die allerdings auch sehr breit aufgestellt sind. Generell ist bei Unternehmen, die an einem neuen Impfstoff arbeiten, Vorsicht angesagt. Selbst in der letzten Phase der Erprobung oder auch nach der Zulassung können die Impfstoffe noch scheitern. Dann strafen die Investoren die Aktien in der Regel hart ab – der aktuelle Kurssturz von Curevac spricht Bände.

Dasselbe gilt für den Fall, dass ein Unternehmen, das aussichtsreich forscht, das Rennen um den Durchbruch bei einem Vakzin am Ende doch noch gegen einen Konkurrenten verliert. Auch das kann zu herben Kursverlusten führen. Auf der anderen Seite ist mittlerweile klar: Die Welt wird im Kampf gegen Covid-19 mehrere Impfstoffe benötigen. Auch "Nachzügler" können daher mit ihrem Mittel noch erfolgreich sein.

Dennoch sind Investitionen in solche Aktien hochspekulativ. Auch dafür ist die Aktie von Biontech ein gutes Beispiel. Ihr Wert hatte sich im März 2020 zwischenzeitlich verdreifacht. Als jedoch klar wurde, dass auch andere Firmen Fortschritte bei der Impfstoff-Forschung machen, sackte der Kurs drastisch ab: Binnen zwei Tagen verlor die Aktie mehr als 50 Prozent an Wert. In den vergangenen drei Monaten allerdings hat sich der Wert fast verdoppelt. 

Wichtig: Anleger sollten nicht alles auf eine Karte setzen, sondern ihr Risiko über mehrere Titel streuen. Ein Investment im Pharma- und Biotechsektor sollte zudem nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Gesamtportfolios ausmachen. Wem ein Investment in Einzelaktien zu risikoreich oder aufwendig ist, für den bieten sich spezielle Pharma- und Biotech-Fonds und ETFs an. 

 

Sehen Sie auch unser Youtube-Video mit Uwe Sander zum Thema Impfstoff-Aktien: 


Biallo Tipp

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland bietet eine ständig aktualisierte Übersicht über die laufenden Projekte zur Coronavirus-Forschung. Dort kann man sehen, in welcher Phase der Forschung sich die Projekte derzeit befinden.

Artikel Quellen

Die im Artikel verwendeten Quellen stammen in erster Linie aus Primärquellen wie zum Beispiel Studien, Analysen, Bundesstatistiken, Geschäftsberichte oder Interviews mit Branchenexperten. Gegebenenfalls verweisen wir auch auf Originalrecherchen anderer seriöser Verlage. In unseren  redaktionellen Richtlinien erfahren Sie mehr über die Kriterien, die wir bei der Erstellung genauer und unvoreingenommener Inhalte einhalten.

https://impfdashboard.de/
https://www.pei.de/DE/service/faq/faq-coronavirus-inhalt.html
https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/faq-pressebriefing-erste-studie-sars-cov-2-impfstoff.pdf
https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov
https://www.bmbf.de/de/das-sollten-sie-ueber-impfstoffe-wissen-12724.html
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/09/30/curevac-startet-mit-naechster-impfstoff-phase
https://www.aerzteblatt.de/archiv/214122/Genbasierte-Impfstoffe-Hoffnungstraeger-auch-zum-Schutz-vor-SARS-CoV-2
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/impfen-mit-rna-oder-dna-118427/seite/2/
https://scilogs.spektrum.de/fischblog/wie-dna-rna-impfungen-funktionieren/


Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

  Andreas Jalsovec
  Sebastian Schick
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