Auf einen Blick
  • Ab dem 27. Dezember soll in Deutschland der Startschuss für die Corona-Impfungen fallen. Der Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer wird dann zuerst in Pflegeheimen verabreicht.

  • Voraussetzung ist, dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff am 21. Dezember zulässt, was sehr wahrscheinlich ist. Auch das Vakzin der US-Firma Moderna könnte bald in Europa eine sogenannte bedingte Zulassung erhalten.

  • Weltweit gibt es derzeit rund 230 Projekte, in denen Unternehmen, Institute und Universitäten an einem Mittel gegen das Coronavirus arbeiten.

  • Die Kurse der am Aktienmarkt notierten Pharma-Unternehmen verzeichnen zum Teil Gewinne von mehreren Hundert Prozent. Rückschläge in der Entwicklung können jedoch Kursstürze zur Folge haben. Anleger sollten vorsichtig sein.
Das Mainzer Biotechunternehmen Biontech und sein Partner Pfizer haben grünes Licht für ihren Corona-Impfstoff erhalten.
Ascannio / Shutterstock.com

Nach dem Weihnachtsfest folgt die Impfstoff-Bescherung: Vom 27. Dezember an sollen in Deutschland die ersten Personen gegen das Coronavirus geimpft werden. Diesen Starttermin teilte die Gesundheitsministerkonferenz jetzt mit. Zuvor hatte Gesundheitsminister Jens Spahn die Minister darüber informiert, dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am kommenden Montag, 21. Februar, eine Entscheidung über die Zulassung des Impfstoffs der beiden Unternehmen Biontech und Pfizer fällen wird. Ein positives Ergebnis ist sehr wahrscheinlich.

Gibt die Behörde grünes Licht, dann könne man „innerhalb weniger Tage“ eine Genehmigung für alle Staaten der EU und des Europäischen Wirtschaftsraum erteilen, teilte die EMA mit. In Deutschland sollen zunächst rund 400.000 Impfdosen ausgeliefert werden. Pflegeheime haben dabei Priorität. Bis Ende März 2021 rechnet das Gesundheitsministerium mit elf bis 13 Millionen Dosen.

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Biontech und Moderna an der Spitze

Die Mitteilung vom voraussichtlichen Impfstart in Deutschland ist eine von vielen guten Nachrichten, die es derzeit fast täglich zu den Corona-Impfstoffen gibt. Das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer haben dabei bislang die Nase vorn. Biontech hat auch in den USA bereits eine Notfallzulassung für seinen Impfstoff mit dem Namen „BNT162b2“ erhalten. Dort sollen ab Montag die ersten Massenimpfungen beginnen. In Großbritannien wird der Impfstoff schon seit Anfang Dezember verabreicht. Als erstes Land in Lateinamerika will Mexiko ab Ende nächster Woche seine Bevölkerung mit dem Mittel impfen.

Auch der Impfstoff des US-Herstellers Moderna dürfte bald in mehreren Ländern zum Einsatz kommen. In den USA steht das Mittel „mRNA 1273“ ebenfalls vor einer Notfallzulassung. Noch am Donnerstag will die US-Arzneimittelbehörde FDA darüber beraten. Eine Zulassung an diesem Freitag sei wahrscheinlich, hieß es. In Europa will die EMA am 12. Januar über die Zulassung des Moderna-Mittels entscheiden. 

Trotz der positiven Nachrichten sackten die Aktienkurse von Biontech und Moderna zuletzt deutlich ab. Marktbeobachter werteten die Rückgänge aber vor allem als Gewinnmitnahmen nach dem Eintreten der erwarteten positiven Ergebnisse, nach dem Motto: "Sell on good news". Auch andere Impfstoffaktien erlitten zuletzt Kursverluste. In jedem Fall belegt das teilweise heftige Auf und Ab der Kurse, wie volatil die Titel sind. Anleger brauchen hier auf jeden Fall starke Nerven.

Hohe Wirksamkeitsquoten der Corona-Impfstoffe

Dabei zeichnen sich nach bisherigen Studienergebnissen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna durch eine hohe Wirksamkeit aus. Der Bontech-Impfstoff schneidet sogar noch einen Tick besser ab: Die Erfolgsquote liegt bei 95 Prozent, während der Moderna-Impfstoff auf eine Wirksamkeitsquote von 94,1 Prozent kommt. Auch neuere Daten zum Moderna-Mittel bestätigen laut US-Arzneimittelbehörde dessen hohen Wirkungsgrad. Die Verabreichung erfolgt jeweils in zwei Dosen –  im Abstand von drei bis vier Wochen. Der volle Impfschutz wird circa eine Woche nach der zweiten Dosis erreicht.

Allerdings gibt es beim Moderna-Impfstoff offenbar einen logistischen Vorteil: Dieser sei nämlich bis zu 30 Tage bei Kühlschranktemperatur haltbar, während das Vakzin von Biontech/Pfizer nach bisherigen Erkenntnissen nur fünf Tage bei Kühlschranktemperatur stabil bleibt und für längere Zeiträume bei minus 70 Grad gekühlt werden muss. Dadurch ist der logistische Aufwand für die Auslieferung höher.

Biontech und Pfizer wollen noch in diesem Jahr bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen produzieren. 1,3 Milliarden Dosen seien dann für nächstes Jahr geplant. Die EU hat sich bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen vertraglich gesichert. Moderna will 2021 zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dosen herstellen, wovon bis zu 160 Millionen für die EU reserviert sind. 

Weitere Rahmenverträge der EU bestehen mit AstraZeneca (bis zu 400 Mio. Dosen), Sanofi-GSK (bis zu 300 Mio. Dosen), Janssen (bis zu 400 Mio. Dosen) und Curevac (bis zu 405 Millionen Dosen).  

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Neuartige mRNA-Technologie soll es richten

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna wurden mit einer neuartigen Technologie entwickelt: Sie basieren auf der sogenannten Boten-RNA, auch "messenger RNA" (mRNA) genannt. Dabei handelt es sich um eine einsträngige Ribonukleinsäure, die genetische Informationen des Erregers enthält. Als Wirkstoffträger fungieren flüssige Nanopartikel.

Dringt diese Boten-RNA durch die Impfung in menschliche Zellen ein, baut die Körperzelle das Oberfächenprotein des Virus nach. Der Mensch bildet seinen Impfstoff quasi selbst. Das menschliche Immunsystem wiederum reagiert mit Antikörpern, um das Virusprotein zu eliminieren. Trifft das Immunsystem dann später auf das "echte" SARS-Cov-2-Virus, erkennt es dessen genetischen Code und kann es gezielt ausschalten. 

An einem ähnlichen Mittel forscht auch die Tübinger Biotech-Schmiede Curevac, an der auch SAP-Gründer Dietmar Hopp beteiligt ist. Zwar ist die Entwicklung hier noch nicht so weit fortgeschritten wie bei Biontech und Moderna, allerdings soll der Impfstoff von Curevac eigenen Angaben zufolge bei fünf Grad Celsius bis zu drei Monate stabil bleiben. Außerdem soll die Verwendung bis zu 24 Stunden bei Raumtemperatur möglich sein. Das würde den logistischen Aufwand für die Impfstoff-Auslieferung erheblich reduzieren.

DNA-basierte Impfstoffe und Vektorimpfstoffe

Verwandt mit der mRNA-Technologie ist die DNA-Technologie, die zum Beispiel das US-Biotechunternehmen Inovio einsetzt. Allerdings gestaltet sich der Vorgang etwas komplizierter: Denn die DNA-basierten Vakzine müssen direkt in den menschlichen Zellkern eindringen, um ihre Wirkung zu entfalten, während die RNA lediglich in das Zytoplasma der Zellen gelangen muss. 

Andere Impfstoffe, wie der des britisch-schwedischen Pharma-Riesen AstraZeneca, bauen auf die sogenannte Vektor-Technologie. Dabei dient ein anderes Virus als Vehikel für die Information über den Erreger. „Bei Vektorimpfstoffen wird das Genmaterial in harmlose Trägerviren eingebaut, die als Impfstoff injiziert werden. Bei den Trägerviren kann es sich zum Beispiel um abgeschwächte Impfviren wie das Impfmasernvirus handeln“, informiert das Paul-Ehrlich-Institut. Bei Ebola und Dengue-Fieber seien bereits Vektorimpfstoffe zugelassen, während mRNA- und DNA-basierte Impfstoffe in der Humanmedizin noch Neuland sind.

Weltweit gibt es bereits rund 230 Projekte, in denen Unternehmen, Institute und Universitäten an einem Mittel gegen das Corona-Virus arbeiten, heißt es vom Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa). In der entscheidenden Phase III angekommen sind laut vfa nach Moderna und Biontech/Pfizer noch ein Dutzend anderer Projekte. In den nächsten Monaten könnten daher noch weitere Unternehmen eine bedingte Genehmigung für ihre Mittel erhalten. Auch Curevac kündigte jetzt den Start der Phase III für seinen Impfstoff an.

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Enorme Beschleunigung in der Impfstoff-Forschung

Gemessen an den herkömmlichen Zeitspannen für die Entwicklung eines Impfstoffes, läuft das Verfahren dabei derzeit extrem schnell ab. Vom Beginn der Forschung bis zur Zulassung eines Impfstoffs dauert es normalerweise viele Jahre. Im Kampf gegen Corona jedoch machen „neue Technologien und Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren eine enorme Beschleunigung möglich“, heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen. Hinzu kommt die Konzentration umfangreicher Mittel im Kampf gegen Covid-19.

Die Erforschung eines Impfstoffs läuft dabei in mehreren Stufen ab. Direkt vor der Zulassung wird das Mittel in drei Phasen an Freiwilligen erprobt: In Phase I wird vor allem die Verträglichkeit des Mittels getestet. In der zweiten Phase geht es um die Dosierung des Mittels. Das Wissen um die Verträglichkeit und über die Immunreaktion der Probanden wird vertieft. 

Die Phase III schließlich ist ein groß angelegter Test zur Wirksamkeit und Zuverlässigkeit des Impfstoffs. An dieser Phase nehmen in der Regel mehrere tausend Personen in verschiedenen Ländern teil. Sie werden in zwei Gruppen geteilt. Die eine bekommt den Impfstoff, die andere ein Placebo. Der Vergleich der beiden Gruppen zeigt, wie gut der Impfstoff schützt. Ist der Test erfolgreich, erfolgt nach einer weiteren Sicherheitsprüfung die Zulassung.

Nach Angaben des vfa gibt es neben den zehn Phase III-Projekten derzeit weitere fünf Projekte in Phase II und knapp ein Dutzend in der kombinierten I/II Phase. An den Projekten sind einige börsennotierte Unternehmen beteiligt.

Wettlauf um einen Corona-Impfstoff

Die Mainzer Biotechnologie-Firma Biontech hat als erstes deutsches Unternehmen einen Impfstoff an Menschen getestet. Neben dem US-Konzern Pfizer kooperiert Biontech auch mit dem chinesischen Pharmakonzern Fosun Pharma, mit dem es eine klinische Studie in China durchführt. Biontech und Pfizer haben nach Großbritannien auch in den USA und Kanada die Notfallzualassung erhalten. Neben Europa lauen weiter Prüfungen, zum Beispiel in Japan und Australien. Die jüngsten Erfolgsmeldungen ließen die Aktie deutlich steigen, allerdings in hoher Schwankungsbreite. Seit dem 19. Februar, dem Beginn der Corona-Krise an den internationalen Börsen, hat sich der Titel in Euro gerechnet fast verdreifacht. Die Aktie von Pfizer hat im gleichen Zeitraum dagegen gut sieben Prozent verloren.

Eines der vielversprechendsten Unternehmen für die Impfstoff-Entwicklung sitzt in den USA: Die an der US-Börse Nasdaq notierte Firma Moderna konnte bereits Mitte März die erste klinische Phase für ihren Impfstoff „mRNA-1273“ starten, da man zuvor schon an einem Vakzin gegen ein ähnliches Virus gerarbeitet hatte. Ende Juli wurde dann eine große Phase-III-Studie aufgelegt. Nun soll der Impfstoff in den USA kurz vor der Zulassung stehen. Auch in Europa, Kanada, Israel oder Singapur könnte es bald Freigaben geben. Die Aktie von Moderna hat sich seit dem 19. Februar mehr als versechsfacht.

Das gemeinsame Impfstoff-Projekt der Oxford-University und des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca befindet sich mit dem Impfstoff „AZD1222“ ebenfalls in der Phase III. Vor kurzem hat AstraZeneca eine Wirksamkeitsquote von durchschnittlich 70 Prozent angegeben. Das Unternehmen plant einen Antrag auf beschleunigte Zulassung in den USA. In Europa wurde der Antrag bereits eingereicht. Wegen ihrer Erfahrung im Bereich der Ebola-Forschung hat die britische Universität eine führende Rolle bei der Erforschung eines Impfstoffs eingenommen. Ende April stieg AstraZeneca als Produktions- und Vertriebspartner in das Projekt ein. Die Aktie von AstraZeneca hat seit dem 19. Februar in Euro gerechnet allerdings kaum zugelegt.

Auch der nationale chinesische Pharmahersteller Sinopharm forscht zusammen mit dem chinesischen Wuhan-Institut an einem Mittel gegen Covid-19. Das Unternehmen hat eine Phase-III-Studie in China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain gestartet. Sie soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Neuere Daten deuten auf eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 86 Prozent hin. Bereits jetzt soll das Mittel an fast einer halben Million Menschen getestet worden sein – unter anderem an Studenten. Der Aktienkurs der Firma hat in Euro gerechnet seit 19. Februar mehr als ein Drittel an Wert eingebüßt. 

Der US-Hersteller Janssen (Johnson & Johnson) ist mit seinem Impfstoff ebenfalls bei den letzten klinischen Tests angelangt. In der EU läuft bereits das Zulassungsverfahren für das Mittel. Der Konzern hat dafür vorgezogen erste Ergebnisse eingereicht. In der Phase-III-Studie werden bis zu 60.000 Freiwillige in den USA, Südamerika, der Ukraine und den Philippinen getestet. Eine Phase-II-Studie läuft in den Niederlanden und Deutschland. Die Aktie von Johnson & Johnson liegt seit 19. Februar jedoch knapp elf Prozent im Minus.

Nach einem Impfstoff sucht auch das US-Unternehmen Novavax. Die ersten Studien mit Freiwilligen laufen seit Mitte Mai in Australien. Sie wurden mittlerweile auf die USA und Südafrika ausgedehnt. Noch im laufenden Jahr soll die Zuverlässigkeit des Mittels „NVX-CoV2373“ in einer großen Phase-III-Studie mit 30.000 Teilnehmern überprüft werden. Der Gewinn der Novavax-Aktie schlägt derzeit alle Rekorde: Seit Beginn der Corona-Krise hat sich der Kurs in Euro gerechnet mehr als verdreizehnfacht.

Das Tübinger Unternehmen Curevac kommt mit den Studien zu seinem Impfstoff „CVnCoV“ zwar erst jetzt in die entscheidende Phase III. Das Unternehmen gehört jedoch neben Biontech zu den deutschen Hoffnungen im Wettlauf um ein Corona-Gegenmittel. Curevac peilt eine Zulassung für das dritte Quartal 2021 an. Das Unternehmen war erst Mitte August an die US-Börse Nasdaq gegangen. Der Ausgabepreis lag am 14. August bei 16 US-Dollar, umgerechnet 13,50 Euro. Seither hat sich der Wert des Papiers in etwa versiebenfacht.

Im Gegensatz zu Moderna und Biontech arbeitet Curevac bei seinem mRNA-basierten Impfstoff mit natürlichen, nicht mit chemisch modifizierten Bausteinen. „Wir haben hier eine starke Patentposition“, sagte Dietmar Hopp Anfang September im Interview mit dem Handelsblatt. Hopp hält über seine Dievini Hopp Biotech Holding immer noch gut 47 Prozent der Curevac-Anteile. Der Bund ist mit knapp 18 Prozent beteiligt.

Quelle: vfa.

Forschung an Medikamenten gegen Corona

Neben der weltweiten Forschungsanstrengungen bei Impfstoffen werden dringend auch Medikamente zur Behandlung der Akutfälle benötigt, die an "SARS-Cov-2" erkrankt sind. Parallel forschen Unternehmen daher auch an Medikamenten zur Behandlung der Krankheit. Oft sind es Heilmittel, die schon gegen andere Krankheiten zugelassen sind: „Sie umzufunktionieren kann schneller gelingen als eine grundständige Neuentwicklung“, heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen.

Allerdings fließt derzeit bei weitem nicht so viel Geld in die Medikamentenforschung wie in die Suche nach einem Impfmittel. Mediziner und Medikamentenhersteller haben das zuletzt deutlich kritisiert. So finanziert etwa die hessische Firma Biotest die Forschung an seinem Medikament "Trimodulin" ganz aus Eigenmitteln. Das aufwendig aus Blutplasma hergestellte Trimodulin hilft gegen schwere Lungenentzündungen. Die Firma testet derzeit in einer klinischen Studie, ob das Mittel auch bei Covid-19-Patienten wirkt. Der Kurs der Biotest-Aktie stieg seit Beginn der Corona-Krise um gut 20 Prozent.

Das US-Unternehmen Gilead Sciences ist ein führender Anbieter von Aids-Medikamenten. Gileads Anti-Virus-Wirkstoff Remdesivir wurde von der US-Arzneimittelbehörde FDA offiziell zur Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassen. Gilead will es künftig unter dem Namen „Veklury“ vertreiben. Eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation hatte zuletzt jedoch Zweifel an der Wirksamkeit von Remdesivir aufkommen lassen. So sei etwa die Auswirkung auf die Sterblichkeit der Patienten gering. Der Kurs der Gilead-Aktie liegt im Vergleich zum Beginn der Corona-Krise derzeit mehr als 22 Prozent im Minus.

Auch das kleine US-Unternehmen Cytodyn forscht an einem Corona-Medikament. Es hat einen Antikörper-Wirkstoff gegen HIV und Brustkrebs entwickelt. Die Firma prüft, ob das Mittel Leronlimab gegen das Coronavirus wirksam ist, auch im Bereich der Spätfolgen. Der Aktienkurs von Cytodyn gewann seit dem 19. Februar fast ein Viertel.

Investitionen in die Firmen sind hochspekulativ

Längst nicht jede Aktie, die mit einem Corona-Impfstoff oder -Medikament in Verbindung gebracht wird, ist auch ein Garant für Kursgewinne. Das zeigen die Beispiele. Generell ist bei Unternehmen, die an einem neuen Medikament oder Impfstoff arbeiten, Vorsicht angesagt. Selbst in der letzten Phase der Erprobung oder auch nach der Zulassung können solche Medikamente noch scheitern. Dann strafen die Investoren die Aktien in der Regel hart ab. 

Dasselbe gilt für den Fall, dass ein Unternehmen, das aussichtsreich forscht, das Rennen um den Durchbruch bei einem Impfstoff am Ende doch noch gegen einen Konkurrenten verliert. Auch das kann zu herben Kursverlusten führen. Auf der anderen Seite ist mittlerweile klar: Die Welt wird im Kampf gegen Covid-19 mehrere Impfstoffe benötigen. Auch „Nachzügler“ können daher mit ihrem Mittel noch erfolgreich sein.

Dennoch sind Investitionen in solche Aktien hochspekulativ. Auch dafür ist die Aktie von Biontech ein gutes Beispiel. Ihr Wert hatte sich im März zwischenzeitlich verdreifacht. Als jedoch klar wurde, dass auch andere Firmen Fortschritte bei der Impfstoff-Forschung machen, sackte der Kurs drastisch ab: Binnen zwei Tagen verlor die Aktie mehr als 50 Prozent an Wert. 

Ein ähnliches Muster ließ sich auch zuletzt beobachten: Nach der ersten Erfolgsnachricht am 9. November gewann der Titel fast 30 Prozent an Wert, verlor nach einer Erfolgsmeldung von Moderna wieder bis zu 20 Prozent und zeigt sich weiterhin äußerst volatil. Diese Achterbahnfahrt des Kurses ist ein Zeichen dafür, dass solchen Aktien derzeit ein Spielball von Spekulanten sind.

Wichtig: Anleger sollten nicht alles auf eine Karte setzen, sondern ihr Risiko über mehrere Titel streuen. Ein Investment im Pharma- und Biotechsektor sollte zudem nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Gesamtportfolios ausmachen. Wem ein Investment in Einzelaktien zu risikoreich oder aufwendig ist, für den bieten sich spezielle Pharma- und Biotech-Fonds und ETFs an. 

Biallo Tipp

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland bietet eine ständig aktualisierte Übersicht über die laufenden Projekte zur Coronavirus-Forschung. Dort kann man sehen, in welcher Phase der Forschung sich die Projekte derzeit befinden.

Artikel Quellen

Die im Artikel verwendeten Quellen stammen in erster Linie aus Primärquellen wie zum Beispiel Studien, Analysen, Bundesstatistiken, Geschäftsberichte oder Interviews mit Branchenexperten. Gegebenenfalls verweisen wir auch auf Originalrecherchen anderer seriöser Verlage. In unseren  redaktionellen Richtlinien erfahren Sie mehr über die Kriterien, die wir bei der Erstellung genauer und unvoreingenommener Inhalte einhalten.

https://www.pei.de/DE/service/faq/faq-coronavirus-inhalt.html
https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/faq-pressebriefing-erste-studie-sars-cov-2-impfstoff.pdf
https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov
https://www.bmbf.de/de/das-sollten-sie-ueber-impfstoffe-wissen-12724.html
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/09/30/curevac-startet-mit-naechster-impfstoff-phase
https://www.aerzteblatt.de/archiv/214122/Genbasierte-Impfstoffe-Hoffnungstraeger-auch-zum-Schutz-vor-SARS-CoV-2
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/impfen-mit-rna-oder-dna-118427/seite/2/
https://scilogs.spektrum.de/fischblog/wie-dna-rna-impfungen-funktionieren/





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