• Sie möchten fürs Alter vorsorgen?
  • Nachhaltig investieren?
  • Steuern sparen?
  • Für Ihre Finanzen und Geldanlage einfach nichts mehr verpassen?
Wir versorgen Sie mit den interessantesten Beiträgen und Produkttests aus der Finanzwelt.
Versand zweimal pro Woche
Auf einen Blick
  • Staatliche und private Gesundheitsausgaben sind wegen der Covid-19-Pandemie deutlich gestiegen. Davon werden Aktien aus diesem Sektor auch über Corona hinaus profitieren.

  • Investoren sollten aber nicht nur darauf schauen, wer einen Impfstoff herstellt, sondern die langfristigen Vorteile der Healthcare-Branche nutzen.

  • Am einfachsten geht das über Welt-Gesundheitsfonds – ob mit passiven ETFs oder aktiv gemanagten Fonds, die den gesamten Sektor abbilden.
12

Noch vor gut zwei Jahren sagte der Name Biontech bestenfalls Branchen Insidern etwas. Heute kennt die Mainzer Biotechnologie-Firma fast jeder. Das Unternehmen ist einer von vier Herstellern, deren Impfstoffe gegen das Coronavirus derzeit in der EU zugelassen sind – neben dem britisch-schwedischen Konzern Astra Zeneca sowie den US-Herstellern Moderna und Johnson & Johnson.

Alle vier Hersteller verdienen gut an ihren Corona-Impfstoffen. Alleine Biontech hat im dritten Quartal dieses Jahres einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro ausgewiesen, der Nettogewinn lag bei 3,2 Milliarden Euro – stolze Zahlen für ein Unternehmen, das 2020 nur vergleichsweise geringe Umsätze hatte. Doch nicht nur Biontech selbst profitiert von der Impfstoff-Herstellung. Der Erfolg zieht die ganze Branche mit – und sogar die gesamte Wirtschaft. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (VfA) spricht deshalb von einem „Biontech-Effekt“ auf die deutsche Wirtschaft: Er soll 2021 für 0,5 Prozent des deutschen Wachstums verantwortlich sein.

Die Impfstoff-Entwicklung „bringe einen riesigen Schub für unsere Branche“, heißt es beim VfA. Aber nicht nur deshalb sagen Experten dem Gesundheitssektor und vor allem der Pharma- und Biotechnologie-Branche eine rosige Zukunft voraus – auch über Corona hinaus. Biallo.de erklärt, warum der Sektor so zukunftsträchtig ist – und wie Anleger davon profitieren können.

 

Weltweit mehr als 320 Impfstoff-Projekte

Biontech und die anderen drei Hersteller der in Europa zugelassenen Impfstoffe sind längst nicht die einzigen Wettbewerber auf diesem Markt. Alleine in Deutschland forschen nach Angaben des VfA mehr als ein Dutzend weiterer Firmen an Impfstoffen gegen Covid-19. Weltweit zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit mehr als 320 Impfstoff-Projekte. Davon befinden sich gut 30 bereits in der Forschungsphase III – der letzten Phase vor dem Antrag auf Zulassung des Impfstoffs.

Über kurz oder lang werden daher weitere Impfstoffe gegen die Corona-Krankheit auf den Markt kommen. Und sie dürften ähnlich positive Effekte auf die Branche und die Wirtschaft haben, wie die bisherigen Vakzine. Vor Corona setzte der globale Impfstoffmarkt rund 35 Milliarden US-Dollar um (etwa 30 Milliarden Euro). Durch die Pandemie hat sich dieses Volumen nach Schätzungen der Ratingagentur Scope etwa verdoppelt. Durch die jetzt bevorstehenden Dritt- oder Booster-Impfungen könnten noch einmal 20 Milliarden US-Dollar (gut 17 Milliarden Euro) dazu kommen.

Welche Unternehmen neben den bisher etablierten davon profitieren werden, ist aber offen. Denn Rückschläge bei der Impfstoff-Forschung sind nie ausgeschlossen. Das zeigt das Beispiel Curevac: Das Tübinger Biotech- und Pharma-Unternehmen galt lange als ein aussichtsreicher Kandidat für eine erfolgreiche Impfstoff-Entwicklung. Im Oktober dieses Jahres jedoch zog die Firma wegen geringer Wirksamkeit des Mittels die Reißleine. Nun will sie sich auf die Entwicklung eines Impfstoffs der zweiten Generation konzentrieren.

 

Einfach die ganze Branche kaufen

Auch künftig werden sich einzelne „Gewinner“ beim Impfstoff- Wettstreit nicht voraussagen lassen. Das ist für Anleger aber auch gar nicht notwendig. Jedenfalls nicht, wenn man sich den Satz des ETF-Erfinders John Bogle zu Herzen nimmt: „Suchen Sie nicht die Nadel, kaufen Sie den Heuhaufen!“ Das Zitat lenkt den Blick auf die ganze Healthcare-Branche – also auf Unternehmen, die ihr Geld mit Medikamenten und Gesundheitsleistungen verdienen. Außer Pharma- und Biotech-Firmen gehören dazu auch Medizintechnik-Unternehmen und Krankenhausbetreiber. Das Stichwort lautet: Medizin 2,0.

Der Sektor gilt dabei als defensiv und unabhängig von der Konjunktur. Für ihre Gesundheit geben Menschen kontinuierlich Geld aus – auch unabhängig von Covid-19. Die Menschen brauchen Medizin und Behandlung gegen Diabetes, Krebs, hohen Blutdruck, Herzleiden oder Allergien. Gleichzeitig wächst der Markt durch Megatrends wie den demographischen Wandel, eine wachsende Weltbevölkerung, steigende Lebenserwartung und steigende Nachfrage nach medizinischer Versorgung in Schwellenländern wegen des zunehmenden Wohlstands. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der Healthcare-Sektor ist eine solide Wachstumsbranche.

 

Biotech wächst schneller als Pharma

Die Biotech-Sparte ist dabei jener Teil des Healthcare-Sektors, der als eher riskant gilt. Allerdings profitiert die Branche auch besonders vom technologischen Fortschritt, etwa von Robotik und künstlicher Intelligenz (KI). Dadurch ist das Wachstum stärker als im klassischen Pharma-Bereich. Jedes zweite Medikament stammt inzwischen von Biotech-Unternehmen.

Allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen Biotech-Firmen und klassischen Pharma-Unternehmen. Zudem haben sich viele Pharmakonzerne an Biotech-Unternehmen beteiligt. Daher sind Anleger nicht darauf angewiesen, isoliert auf Exoten zu setzen. Und gerade für langfristig planende Investoren bietet es sich an, über den Corona-Goldrausch hinauszudenken und die Dauerbrenner der Healthcare-Branche einzubeziehen.

Novo Nordisk aus Dänemark zum Beispiel setzt gezielt auf den Markt der Diabetes-Patienten und wird damit auch dann noch lange Einnahmen erzielen, wenn sich Corona erledigt hat. Firmen wie Johnson & Johnson oder Pfizer haben solide Fundamentaldaten, ein langfristiges Wachstum und innovative Produkte. Auch der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius ist eine beeindruckende Erfolgsstory: Die Bad Homburger haben 2020 das 27. Jahr in Folge die Dividende erhöht.

 

Gesundheitssektor profitiert über Corona hinaus

Mittelbar wird der ganze Sektor von der Covid-Pandemie profitieren. Die Gesundheitssysteme erhalten vermehrt Investitionen der öffentlichen Hand, um Schwächen zu begegnen, die das Coronavirus aufgezeigt hat. Staatliche und private Gesundheitsausgaben steigen. Davon profitieren die Branche und deren Platzhirsche. Der Megatrend Gesundheit basiert damit vor allem auf drei Komponenten:

  • Es gibt immer mehr Menschen auf der Erde (Bevölkerungswachstum).
  • Immer mehr Menschen werden alt (demographischer Wandel).
  • Immer mehr Menschen können sich medizinische Behandlung leisten (steigender Wohlstand in Schwellenländern).

Die Branche ist daher krisenfest. Healthcare-Werte bieten zugleich Wachstum und Sicherheit. Dieses defensive Element zeigte sich auch bei der scharfen Corona-Korrektur im März 2020: Der Weltaktienindex MSCI World verlor im ersten Quartal fast 19 Prozent. Der Sektor „Healthcare“ im MSCI World sackte nur um gut neun Prozent ab.

 

Die größten Healthcare-Unternehmen gehören ins Portfolio

Doch was heißt das konkret für Anleger? Eine Möglichkeit ist es, auf die großen Unternehmen des Sektors zu setzen. Sie stammen etwa aus der Schweiz: Roche und Novartis. Der Medizintechnik-Riese Medtronic hat seinen Hauptsitz in Irland. AstraZeneca und GlaxoSmithKline (GSK) sind britisch, Novo Nordisk ist dänisch und Sanofi französisch. CSL kommt aus Australien. Diese Unternehmen zählen nach Marktkapitalisierung zu den 20 größten Healthcare-Werten der Welt.

Aus den USA kommen dagegen Johnson & Johnson (die Nr. 1 weltweit), Pfizer, Merck & Co., Abbott Laboratories, der Laborausstatter Thermo Fisher Scientific, Abbvie, Amgen, Bristol-Myers Squibb, Eli Lilly und Intuitive Surgical. Gemessen an ihrer Marktkapitalisierung machen alle genannten Werte zusammen fast 50 Prozent des Weltmarktes im Healthcare-Bereich aus.

Dass mittlerweile auch die großen US-Tech-Werte im Healthcare-Sektor mitmischen, zeigen die Beispiele von Apple und dem Google-Mutterkonzern Alphabet. Die neue Apple-Watch etwa überwacht die Herzfrequenz, verfügt über eine EKG-App oder misst den Sauerstoffgehalt im Blut. Stichwort: gesunder Lifestyle. Zur Alphabet-Holding gehört auch Calico (California Life Company), ein Biotech-Unternehmen. Es entwickelt Methoden gegen das menschliche Altern und kooperiert mit dem Pharma-Riesen AbbVie.

 

Anleger sollten das Risiko breit streuen

Ohne Fachwissen wird es allerdings schwierig, diejenigen Unternehmen zu finden, die vom Megatrend der Gesundheitsversorgung langfristig am meisten profitieren werden. Selbst Experten dürfte es schwerfallen einzuschätzen, wie Novo Nordisk sich gegenüber der allgemeinen Konkurrenz mit seinen Diabetes-Produkten schlagen wird. Oder ob und wann sich Bayers Übernahme von Monsanto auszahlt.

Die Lösung lautet: Fonds – egal ob in aktiv gemanagter Form oder als ETFs. Einige ausgewählte aktiv gemanagte Fonds und ETFs zeigt die Tabelle. Auf den weltweiten Gesundheitssektor können Anleger dabei etwa mit dem ETF iShares MSCI World Health Care Sector oder dem Xtrackers MSCI World Health Care setzen. Im Index enthalten sind insbesondere große Pharmaunternehmen wie Roche, Pfizer oder Merck. Er beherbergt jedoch auch das US-Unternehmen Johnson & Johnson, das neben einem Corona-Impfstoff Medikamente wie Imodium oder Hygieneprodukte wie Carefree herstellt.

Anleger, die sich – statt in einen Index zu investieren – lieber auf die Auswahl eines Fondsmanagers verlassen, haben dafür ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Breit streuende Fonds, die etwa die Ratingagentur Morningstar gut bewertet, sind der AB International Health Care Portfolio der Fondsgesellschaft AllianceBernstein oder der Bellevue Funds BB Adamant Medtech & Services, der vor allem US-Unternehmen enthält. Beide Fonds haben unter anderem die US-Firma Intuitiv Surgical im Portfolio. Sie stellt Chirurgie-Roboter her

Im Gesundheitsbereich kann dabei ein Fonds durchaus von der medizinischen Expertise seines Managements profitieren. Allerdings sind die Kosten aktiver Fonds höher als die von ETFs. Es gibt bei der Entscheidung kein Richtig oder Falsch. Vieles liegt dabei auch am jeweiligen Gusto der Anlegerin oder des Anlegers. Generell sind Themenfonds vor allem als Beimischung zum Portfolio geeignet. Der Anteil eines Themas sollte dabei nicht mehr als fünf Prozent betragen. Insgesamt sollten Themenfonds höchstens 20 Prozent der Anlagen im Depot ausmachen.

 

Auswahl aktiv gemanagter Healthcare-Fonds

Fondsname Ausschüttungsart Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre Performance 5 Jahre
BellevueBB Adamant Medtech & Services thesaurierend 20,30 % 60,52 % 131,78 %
Variopartner MIV Global Medtech P2 thesaurierend 22,61 % 62,62 % 122,35 %
AB International Health Care thesaurierend 25,34 % 60,14 % 103,99 %
APOMedical Opportunities  ausschüttend 11,68 %1 39,57 %1 67,58 %1
BlackRock World Healthscience  thesaurierend 17,52% 50,23 % 85,96 %
 

Auswahl gobal anlegender Healthcare-ETFs

Fondsname Ausschüttungsart Performance 1 Jahr Performance 3 Jahr Performance 5 Jahre
iShares MSCI World Health Care Sector UCITS ETF ausschüttend 17,66 %*,**
Xtrackers MSCI World Health Care Sector UCITS ETF thesaurierend 17,67 %** 53,25 %** 95,20**
SPDR MSCI World Health Care UCITS ETF thesaurierend 17,57 %** 53,37 %**
Lyxor MSCI World Health Care TR UCITS ETF thesaurierend 21,52 % 51,52 % 82,93 %
iShares Healthcare Innovation UCITS ETF thesaurierend 7,97 %** 60,22 %** 80,53

Quelle: eigene Recherche; Performance zum Stichtag 16. Nov. 2021M Kurse werden bereitgestellt von Mountain-View Data GmbH / Angaben ohne Gewähr; 1 Ausschüttungen in der Performance nicht berücksichtigt; **Performance in Originalwährung US-Dollar

Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

  Andreas Jalsovec
  Alexander Rudow