Krise, Krieg und schwankende Börse: Welche Aktien und ETFs bleiben stabil, wenn Märkte verrückt spielen? Resiliente Aktien stammen von Unternehmen mit stabilem Geschäft, starker Marktstellung und solider Bilanz. Sie können Depots in der Krise stabilisieren. Spezielle ETFs bieten Zugang zu solchen widerstandsfähigen Firmen.
Mit diesen Aktien und ETFs kommen Sie gut durch Krisen
Es sind keine leichten Zeiten für Anleger am Aktienmarkt. Der ungelöste Konflikt zwischen dem Iran und den USA sorgt weiter für Unsicherheit an den Börsen. Viele Anlegerinnen und Anleger überlegen sich daher: Welche Aktien oder ETFs sind in unsicheren Zeiten die richtigen? Eine Antwort darauf lautet: die Aktien „resilienter“ Unternehmen. Wir sagen Ihnen, was damit gemeint ist – und wie Sie solche widerstandsfähigen Aktien und ETFs finden.
Was sind resiliente Aktien?
Der Begriff Resilienz stammt aus der Psychologie. Er steht für die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge gut zu überstehen – und unter Umständen sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Der Begriff lässt sich auf Unternehmen übertragen – und damit auch auf deren Aktien: Gerade in Krisenzeiten hänge „die Aktienauswahl maßgeblich von der Resilienz eines Unternehmens ab“, sagt etwa Ortay Gelen, Vermögensverwalter bei Axia Asset Management.
Resiliente Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie wirtschaftliche Abschwünge oder geopolitische Unsicherheiten gut meistern und vielleicht sogar einen Vorteil daraus ziehen – also etwa Marktanteile gewinnen, andere Unternehmen übernehmen oder gar den Gewinn steigern. Das stützt den Aktienkurs und bringt Stabilität ins Portfolio.
Woran erkennen Anleger resiliente Unternehmen?
Widerstandsfähige Unternehmen bringen bestimmte Merkmale mit. Dazu gehört unter anderem ein robustes Geschäftsmodell, das auch in Krisen für gute Umsätze und Gewinne sorgt. Anlegerinnen und Anleger, die resiliente Aktien finden wollen, sollten auf diese Kriterien achten:
Stabiles Geschäftsmodell: Das Unternehmen stellt Produkte her, die auch in der Krise benötigt werden, also etwa Nahrungsmittel, Medikamente oder Strom.
Starke Marktstellung: Ein hoher Marktanteil schützt vor Konkurrenz. Ähnliches gilt für dauerhafte Wettbewerbsvorteile etwa durch Patente. Solche Vorteile nennt man auch „Burggraben“.
Gute Kapitalrendite: Unternehmen mit einer dauerhaft guten Rendite auf das eingesetzte Kapital nutzen ihre Ressourcen effizient. Eine hohe Rendite belege „die Stärke und Preissetzungsmacht eines Unternehmens“, sagt Experte Gelen.
Solide Bilanz: Dazu gehören geringe Verschuldung und hohe Liquidität. Konzerne mit wenig Schulden können auch in der Krise investieren. Mit guter Liquidität überstehen Firmen Krisen aus eigener Kraft – ohne Notverkäufe oder Kredite.
Verlässliche Dividenden: Viele resiliente Unternehmen zahlen auch in Krisen stabile oder sogar steigende Dividenden an ihre Aktionäre aus. Dies gilt als Hinweis, dass sie Krisen erfolgreich gemeistert haben.
Was sind Beispiele für resiliente Aktien?
Nicht auf jedes Unternehmen treffen alle Kriterien zu. Unternehmen und Aktien jedoch, die möglichst viele erfüllen, können ein Depot in Krisenzeiten stabilisieren. Anlageexperte Gelen nennt beispielhaft drei Unternehmen und Aktien mit Widerstandskraft.
Der Softwarekonzern Microsoft profitiert vom hohen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen durch Abo-Modelle wie etwa für Office 365 oder Windows. „Für viele Unternehmen ist ein Verzicht auf diese Systeme selbst in Krisenzeiten kaum möglich“, sagt Gelen.
Der Hersteller von Industriegasen Linde schließt mit seinen Kunden oft jahrzehntelange Verträge ab. Steigende Energiepreise werden dabei automatisch an die Kunden weitergereicht. Das macht das Geschäftsmodell widerstandsfähig.
Der Luxusartikelkonzern LVMH führt Marken wie Louis Vuitton oder Dior. Deren Produkte reagieren weniger sensibel auf konjunkturelle Abschwünge, die Kunden ändern ihr Kaufverhalten in der Krise üblicherweise nur wenig. LVMH habe deshalb eine „starke Preissetzungsmacht“, meint Experte Gelen. Dennoch hat die Aktie zuletzt deutlich verloren. Nicht jede resiliente Aktie ist also immer krisenfest.
Wie finden Anleger resiliente ETFs?
Privatanleger, die nicht gezielt nach einzelnen, resilienten Aktien suchen wollen, können auf ETFs mit widerstandsfähigen Unternehmen setzen. So gibt es spezielle ETFs, die starke Marken oder Qualitätsfirmen mit hoher Rendite und stabiler Bilanz enthalten. Die folgende Tabelle zeigt einige ETFs mit resilienten Aktien.
Beispiele für resiliente ETFs
| ETF (ISIN) | Performance 2026 | Performance 1 Jahr | Performance 3 Jahre | Beispiele von Unternehmen¹ |
| iShares Edge MSCI World Quality Factor (IE00BP3QZ601) | 5,50% | 21,13% | 54,63% | Apple, Nvidia, Microsoft, Visa |
| Xtrackers MSCI World Consumer Staples (IE00BM67HN09) | 5,19% | 2,45% | 8,47% | Wallmart, Procter & Gamble, Coca Cola |
| iShares Edge MSCI Europe Minimum Volatility (IE00B86MWN23) | 4,84% | 10,60% | 32,14% | Shell, ENI, Total Energies, KPN |
| SPDR S&P U.S. Dividend Aristocrats (IE00B6YX5D40) | 7,02% | 12,70% | 19,76% | Verizon, Reality Income, Chevron |
| Zum Vergleich: iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) |
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| Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon |
Dabei setzt etwa der iShares-ETF „MSCI World Quality Factor“ auf Aktien mit hoher Eigenkapitalrendite, stabilem Gewinn und geringer Verschuldung. Der „MSCI World Consumer Stables“ enthält Konsumgüter-Hersteller mit starken Marken. In Minimum-Volatility-ETFs wie dem „MSCI Europe Minimum Volatility“ finden sich Aktien, deren Kurse wenig schwanken. Und der „Global Dividend Aristocrats“ ETF investiert in Unternehmen, die ihre Dividende über viele Jahre hinweg steigern konnten.
Im krisenreichen Jahr 2026 schneiden dabei drei der vier ETFs (zumindest leicht) besser ab als ein ETF auf den Weltindex MSCI World. Deutlich mehr Rendite hat 2026 der Dividenden-ETF geliefert. Über ein und drei Jahre allerdings liegt der Welt-ETF bei der Performance vorne. Am ehesten hält noch der „MSCI World Quality-Factor“ ETF mit. Dennoch gilt: Trotz des Renditerückstands der resilienten ETFs über ein und drei Jahre kann es sein, dass die ETFs in fallenden Märkten besser als der Weltindex performen.
Für wen sind resiliente Aktien geeignet?
Für alle, die ihren Aktienanteil am Depot stabiler aufstellen möchten. Die robusteren Geschäftsmodelle resilienter Unternehmen helfen, Schwankungen an der Börse abzufedern. Wer etwa auf nachhaltige Dividendenzahler setzt, erhält regelmäßig Ausschüttungen, die mögliche Kursverluste im Depot etwas ausgleichen können.
Allerdings sind die Wachstumschancen resilienter Unternehmen meist nur moderat. Anlegerinnen und Anleger verzichten daher mit diesen Aktien oder ETFs unter Umständen auf Rendite – vor allem in guten Marktphasen. Resiliente Aktien oder ETFs sind also eher eine Beimischung fürs Depot. Die Basis sollte ein Welt-ETF sein: Je breiter dieser ist, desto resilienter ist die Anlagestrategie insgesamt.



