Aktie der Woche 

Unilever-Aktie: Ein Konzern erfindet sich neu

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 11.05.2026

Unilever verkauft seine gesamte Lebensmittelsparte mit Knorr, Hellmann’s und Aromat – und setzt künftig auf Beauty und Pflege. Der Plan klingt mutig. Ob er aufgeht, ist offen. Die Aktie bietet zumindest Wachstumspotenzial, eine günstige Bewertung und eine gute Dividende.

In der Schweiz formiert sich der Widerstand: „Aromat ghört dr Schwiiiz“ heißt die Bürgerinitiative, die der Unternehmer Michael C. Oehl dort gegründet hat. Mehr als 15.000 Schweizer haben sich ihm schon angeschlossen. Sie wollen verhindern, dass das Gewürzmittel Aromat – für manche Schweizer ein Kulturgut – in amerikanische Hände fällt.

Hintergrund für den Protest: Der britische Konsumgüterkonzern Unilever hat seine gesamte Lebensmittelsparte an den US-Gewürzkonzern McCormick verkauft. Neben Aromat gehören dazu Marken wie Knorr Fertigsuppen oder Hellmann's Mayonnaise. Das Eisgeschäft mit Magnum und Ben & Jerry's hat Unilever bereits Ende 2025 als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht.

Was aussieht wie ein Ausverkauf, ist für Konzernchef Fernando Fernández ein strategischer Neustart. Der 60-jährige Argentinier wirbelt das fast 100 Jahre alte Unternehmen gründlich durcheinander. Unilever soll zum reinen Beauty- und Pflegekonzern werden. Körperpflege, Wellness, Haushalt – das sind die neuen Säulen von Unilever. Lebensmittel gehören nicht mehr dazu.

In unserer Reihe „Aktie der Woche" fragen wir: Ist das ein kluger Plan – oder ein riskanter Traditionsbruch? Und was bedeutet das für die Unilever-Aktie?

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

Unilever: Schlankheitskur mit Risiken

Die Logik hinter dem Umbau: Lebensmittel sind ein Niedrigmargen-Geschäft. Beauty und Pflege bringen deutlich mehr Gewinn pro Produkt. Hinzu kommt der Zeitgeist. Urbanisierung, steigende Einkommen in Schwellenländern, der Trend zu einem gesunden Lebensstil – all das begünstigt Pflege- und Wellnessprodukte.

Doch der Umbruch hat Konsequenzen: Nach dem Verkauf der Lebensmittelsparte schrumpft der Unilever Umsatz von gut 50 auf rund 38 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Künftig ohne Knorr und Co.

Quelle: Handelsblatt

In Deutschland, wo Unilever einmal 30.000 Beschäftigte hatte, bleiben nach dem Abschied von Knorr gerade noch rund 1.000 Mitarbeiter übrig. In der Belegschaft herrsche laut Betriebsrat „große Verunsicherung“, schreibt das "Handelsblatt".

Denn auch die neue, schlanke Unilever muss sich in einem hart umkämpften Markt behaupten: gegen Henkel mit Persil und Schwarzkopf, gegen Beiersdorf mit Nivea – und gegen Procter & Gamble mit Ariel und Head & Shoulders. Nicht alle Aktien- und Kapitalmarkt-Analysten sind daher überzeugt, dass die neue Unilever auch eine Erfolgsgeschichte wird.

Unilever im Vergleich: In der Spitzengruppe

In unserem Vergleich der fünf großen Konsumgüterkonzerne erreicht Unilever 9 von 13 möglichen Punkten – gemeinsam mit Procter & Gamble und Coca-Cola liegt der Konzern damit an der Spitze. In den Vergleich fließen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz und Aktienbewertung ein (siehe auch Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe

Unternehmen
Gesamtpunktzahl
Platzierung
Unilever9,01
Procter & Gamble9,01
Coca-Cola9,01
Henkel8,04
Nestlé5,05
Quelle: biallo.de, eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 08.05.2026

Unilever-Kennzahlen: Starke Rendite

Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Auf der Habenseite: Das erwartete Umsatzwachstum von gut vier Prozent pro Jahr ist das stärkste der gesamten Vergleichsgruppe – die Wachstumsmärkte in Schwellenländern wie Indien, wo Unilever im ersten Quartal 2026 um 5,7 Prozent zulegte, machen sich hier bemerkbar. Auch die Eigenkapitalrendite von über 33 Prozent ist beeindruckend – nur Coca-Cola arbeitet effizienter mit dem Kapital seiner Aktionäre. Bei erwarteten Gewinnwachstum liegt Unilever im Mittelfeld (siehe Grafik).

Gewinn bei Unilever: Solides Wachstum erwartet

Gewinn in Mrd. Euro, ab 2026 erwarteter Gewinn. Quellen: Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 08.05.2026

Auf der Sollseite: Das Umsatzwachstum der vergangenen fünf Jahre war praktisch null. Und die Eigenkapitalquote von nur 24 Prozent ist die niedrigste in der Gruppe. Unilever arbeitet also stark mit Fremdkapital – das macht den Konzern anfälliger in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Unilever in Zahlen: Wachstum mit Schwächen

Kennzahl
Was die Kennzahl zeigt
Wert
Platz im Vergleich¹
Erwartetes Umsatzwachstum²Wächst der Umsatz künftig?4,21 % p.a.1/5
Erwartetes Gewinnwachstum²Steigen die Gewinne künftig?6,44 % p.a.3/5
EBIT-Drawdown³Wie gut übersteht das Unternehmen Krisen?−2,5 Mrd. Euro3/5
Eigenkapitalquote⁴Wie solide ist die finanzielle Basis?24 %5/5
Forward-KGV⁵Ist die Aktie günstig oder teuer?16,392/5
¹ 1/5 = Platz 1 von 5; ² Jährliche Wachstumsrate 2026–2029 (Analystenschätzungen); ³ Größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Mrd. Euro; ⁴ Anteil Eigenkapital am Gesamtkapital; ⁵ Kurs geteilt durch erwarteten Jahresgewinn; Quelle: Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 08.05.2026

Unilever-Aktie: 18 Prozent Potenzial

Die Unilever-Aktie notiert aktuell bei rund 43,72 Britischen Pfund (Stand 08. Mai 2026). Das durchschnittliche Kursziel von 17 Analysten liegt bei 51,54 Pfund – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 18 Prozent. Dennoch schwächelte der Kurs in den vergangenen Wochen deutlich (siehe Chart).

Unilever-Aktie: Deutlicher Schwächeanfall

Kurs in britischen Pence (100 Pence = 1 Pfund); Quelle: Trading View, Stand Aktienkurs 07.05.2026

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,39 auf Basis des erwarteten Gewinns ist die Unilever-Aktie die zweitgünstigste in der Vergleichsgruppe – günstiger als Coca-Cola oder Procter & Gamble. Dazu kommt eine Dividendenrendite 2026 von rund 3,9 Prozent. Beides spricht derzeit für die Aktie.

Das Fazit: Mutige Wette auf die neue Unilever

Unilever ist ein Konzern im Aufbruch – aber auch im Umbruch. Der Abschied von Knorr, Magnum und Hellmann's ist ein Traditionsbruch, der nicht alle überzeugt. Die neue Unilever muss erst beweisen, dass sie als reiner Beauty- und Pflegekonzern stärker wächst als bisher. Der Umbau schafft aber auch Klarheit: Schlankere Konzerne lassen sich besser führen – und werden oft auch besser bewertet. Sie sind aber mitunter auch anfälliger für Krisen.

Die Unilever-Zahlen zeigen das stärkste erwartete Umsatzwachstum der Gruppe, eine hohe Eigenkapitalrendite und ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis – das ist eine solide Ausgangslage. Das 18-Prozent-Aufwärtspotenzial laut Analysten macht die Aktie zu einer der interessantesten in unserer Konsumgüter-Vergleichsgruppe. Der laufende Konzernumbau birgt aber Risiken.

Die Unilever-Aktie eignet sich für: Anlegerinnen und Anleger, die auf einen erfolgreichen Konzernumbau setzen und ein attraktiv bewertetes Papier mit Dividende und Kurspotenzial suchen.

Weniger geeignet ist die Unilever-Aktie für: Anleger, die Stabilität und eine solide Eigenkapitalbasis als Voraussetzung für eine gute Kursentwicklung sehen – und keine Geduld für einen mehrjährigen Umbau mitbringen.

Nächste Woche analysieren wir Procter & Gamble – den US-Giganten mit den stärksten Margen in unserer Vergleichsgruppe.

Unilever: Fragen und Antworten

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Wie sehen die Kennzahlen für Unilever im Detail aus?

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kennzahlen unserer Analyse für Unilever.

Unilever in Zahlen: Die Übersicht

Kennzahl
Wert
Platz im Vergleich
Umsatzwachstum¹−0,08 %5
Erwartetes Umsatzwachstum²4,21 %1
Gewinnwachstum¹1,21 %4
Erwartetes Gewinnwachstum²6,44 %3
EBIT-Marge³20,00 %3
EBIT-Margenwachstum³2,97 %3
EBIT-Drawdown³−2,5 Mrd. €3
Eigenkapitalquote24,00 %5
Eigenkapitalrendite33,16 %2
Kapitalrendite24,52 %2
Forward-KGV416,391
¹ Durchschnitt 2021–2025; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter absoluter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Mrd. Euro; 4 Forward-KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 08.05.2026.
Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

Co-Autoren

Andreas Jalsovec
Redakteur

So verdient Ihr Geld mehr

Der Newsletter von biallo.de ist eine exzellente Entscheidung, wenn es um Ihre Finanzen geht.

Wir freuen uns darauf, Ihnen mit Ihrer Zustimmung interessante Inhalte, Empfehlungen und Werbung von uns und unseren Partnern zu schicken, die genau auf Ihre Interessen zugeschnitten sind. Um dies zu ermöglichen, analysieren wir, wie Sie unsere Website nutzen (z.B. Seitenaufrufe, Verweildauer) und wie Sie mit unseren E-Mails interagieren (z. B. Öffnungs- und Klickraten). So erstellen wir ein Nutzungsprofil, das Ihnen die relevantesten Inhalte liefert, und ordnen Sie in passende Werbezielgruppen ein. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit widerrufen, z. B. über den Abmeldelink im Newsletter. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.