Aktie der Woche 

BP-Aktie: Ein Milliardär dreht den Konzern auf links

Luis Ropero
Social Media & Videocreator
Andreas Jalsovec
Redakteur
Veröffentlicht am: 24.04.2026

BP war jahrelang das Sorgenkind der Ölbranche. Jetzt mischt ein Milliardär den Konzern auf – neues Management, neue Strategie, neue Chancen. Unsere Analyse zur „Aktie der Woche" zeigt: Bei BP tut sich gerade mehr als bei jedem anderen Ölkonzern. Lohnt sich der Einstieg für Anlegerinnen und Anleger?

Manchmal braucht es jemanden von außen, der auf den Tisch haut. Bei BP war das Paul Elliot Singer. Der New Yorker Hedgefonds-Manager ist bekannt dafür, sich in angeschlagene Großkonzerne einzukaufen und dann so lange Druck zu machen, bis sich etwas bewegt. Bei Starbucks führte sein Einsteigen zum Rücktritt des CEOs. Bei BP lief es ähnlich: Singer stieg ein, der bisherige Chef musste gehen – seit dem 1. April leitet Meg O'Neill den Konzern, die fünfte BP-Chefin in nur sechs Jahren.

O'Neill hat keine Zeit verloren. Ihr Plan: BP wird auf das Wesentliche reduziert – Öl fördern, Kraftstoffe verkaufen, Kosten senken. Die ehrgeizigen Pläne ihres Vorgängers, BP zu einem Vorreiter der Energiewende zu machen, sind Geschichte. Das Erneuerbare-Energien-Ziel – bis 2030 die Kapazität auf 50 Gigawatt zu vervielfachen – hat BP still und leise beerdigt.

In unserer Reihe „Aktie der Woche" fragen wir: Kann dieser Neustart gelingen – und was bedeutet er für Anlegerinnen und Anleger?

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.

BP und das schwierige Erbe der Ökowende

BP hat in den vergangenen Jahren einen teuren Umweg gemacht. Unter dem früheren Chef Bernard Looney sollte der Konzern zum grünen Energieunternehmen werden – mit massiven Investitionen in Solar, Wind und Wasserstoff. Das Ziel war ambitioniert. Das Ergebnis ernüchternd: Die Investoren straften die Aktie ab, die Gewinne brachen ein, die Schulden stiegen. Während Chevron, ExxonMobil und TotalEnergies auf ihr Kerngeschäft setzten und davon profitierten, verlor BP den Anschluss.

Jetzt dreht der Konzern den Kurs um – und konzentriert sich wieder auf das, was er am besten kann: Öl und Gas fördern, raffinieren und verkaufen. Dazu sollen die Kosten um zwei Milliarden Dollar sinken, tausende Stellen werden gestrichen, Konzernbereiche werden verkauft. Ob das reicht, um zu Shell oder TotalEnergies aufzuschließen, ist offen. Immerhin: Wegen des hohen Ölpreises hat BP im ersten Quartal 2026 außergewöhnlich hohe Gewinne eingefahren – auch das ein Zeichen, dass im Kerngeschäft mehr steckt, als zuletzt sichtbar war. 

BP im Vergleich: Schlusslicht mit Abstand

In unserem Vergleich der fünf großen Ölkonzerne landet BP mit 4,5 von 13 möglichen Punkten auf dem letzten Platz – mit deutlichem Abstand. In den Vergleich fließen gut ein Dutzend Kennzahlen zu Gewinn, Umsatz und Aktienbewertung ein (siehe Fragen und Antworten am Ende des Artikels).

Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe

Unternehmen
Gesamtpunktzahl
TotalEnergies12,0
Chevron7,0
ExxonMobil6,5
Shell6,0
BP4,5
Quelle: biallo.de, eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 24.04.2026 

Warum BP ganz hinten liegt

Die Zahlen erzählen eine deutliche Geschichte. Der Gewinn von BP ist in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt um rund 70 Prozent eingebrochen – der mit Abstand stärkste Rückgang in der gesamten Vergleichsgruppe. Zum Vergleich: Bei Shell, dem zweitschlechtesten Wert, lag das Minus bei knapp zwei Prozent. BP hat also nicht nur ein Gewinnproblem – es hat ein strukturelles Problem.

Gewinn bei BP: Starker Einbruch – langsame Erholung

Gewinn in Mrd. Britischer Pfund, ab 2026 erwarteter Gewinn: Quellen: Yahoo Finance, Finanzen.net, Stand: 24.04.2026 

Hinzu kommt: Die Eigenkapitalrendite – also das, was der Konzern aus dem Geld seiner Aktionäre herausholt – liegt bei mageren 0,17 Prozent. TotalEnergies erzielt mit demselben Kapital eine Rendite von über 11 Prozent. Das zeigt: BP hat zuletzt ineffizient gewirtschaftet.

Kleiner Lichtblick: Das erwartete Umsatzwachstum von knapp 5 Prozent pro Jahr bis 2029 ist das stärkste der gesamten Vergleichsgruppe. Gelingt der Neustart, könnte BP tatsächlich aufholen. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kennzahlen im Überblick.

BP in Zahlen: Schwache Basis und etwas Hoffnung

Kennzahl
Was die Kennzahl zeigt

Wert

Platz im Vergleich
Erwartetes Umsatzwachstum¹Wächst der Umsatz künftig?4,92 % p.a.1/5
Erwartetes Gewinnwachstum¹Steigen die Gewinne in der Zukunft?1,04 % p.a.5/5
EBIT-Drawdown²Wie gut übersteht das Unternehmen Krisen?−39,911/5
Eigenkapitalquote³Wie solide ist die finanzielle Basis?50 %3/5
Forward-KGV⁴Ist die Aktie günstig oder teuer?14,853/5
¹Jährliche Wachstumsrate 2026–2029 im Schnitt (Analystenschätzungen); ²Größter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Mrd. GBP; ³Anteil Eigenkapital am Gesamtkapital; ⁴Kurs geteilt durch erwarteten Jahresgewinn; Quelle: Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 24.04.2026 

BP-Aktie: Günstig mit guter Dividende

Die BP-Aktie notiert aktuell bei rund 5,72 britischen Pfund (6,59 Euro, Stand 24. April 2026). Seit Jahresanfang hat das Papier deutlich zugelegt – angetrieben vom hohen Ölpreis und der Hoffnung auf den Konzernumbau (siehe Chart).

BP-Aktie: Hoffnungsträger auf Bewährung

Kurs in Britischen Pence. Quelle: Trading View, Stand Aktienkurs 23.04.2026 

Das durchschnittliche Kursziel von 20 Analysten für die BP-Aktie liegt bei 6,05 Pfund. Die Experten sehen damit ein Kurspotenzial von knapp 6 Prozent. Immerhin: Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 15 ist die Aktie günstiger als Chevron oder ExxonMobil. Und wer auf Dividende setzt, wird bedient: BP zahlt 2026 0,25 Pfund aus (0,29 Euro). Das entspricht einer Dividendenrendite von knapp 4,4 Prozent.

Das Fazit: Turnaround-Kandidat für Geduldige

BP ist ein Konzern im Umbruch – und Umbrüche dauern. Die neue Chefin Meg O'Neill hat einen klaren Plan, der Druck von Investor Singer wirkt, und der hohe Ölpreis gibt dem Konzern gerade etwas Luft. Doch die Zahlen zeigen: BP hat einen langen Weg vor sich. Ein Gewinnrückgang, wie ihn BP zuletzt erlebt hat, lässt sich nicht über Nacht mit einer neuen Strategie reparieren.

Die BP-Aktie eignet sich für: Geduldige Anlegerinnen und Anleger, die auf einen erfolgreichen Turnaround setzen – und bereit sind, dafür einige Jahre zu warten.

Weniger geeignet ist die BP-Aktie für: Anleger, die stabile Erträge und ein verlässliches Gewinnwachstum suchen. Dafür gibt es in unserer Vergleichsgruppe bessere Alternativen.

BP: Fragen und Antworten

Wie bewerten wir die Aktie der Woche?

Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.

Wie sehen die Kennzahlen für BP  im Detail aus?

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kennzahlen unserer Analyse für BP.

BP in Zahlen: Die vollständige Übersicht

Kennzahl
Wert
Platz im Vergleich
Umsatzwachstum¹0,42 %5
Erwartetes Umsatzwachstum²4,92 %1
Gewinnwachstum¹−70,62 %5
Erwartetes Gewinnwachstum²1,04 %5
EBIT-Marge³7,00 %5
EBIT-Margenwachstum³16,55 %2
EBIT-Drawdown³−39,911
Eigenkapitalquote50,00 %3
Eigenkapitalrendite (ROE)⁴0,17 %5
Kapitalrendite (ROCE)⁴8,59 %3
Forward-KGV⁵14,853
¹ Durchschnitt 2020–2025; ² Prognose 2026–2029; ³ EBIT-Marge = Verhältnis des Betriebsgewinns zum Umsatz; EBIT-Drawdown = größter absoluter Rückgang des Betriebsgewinns 2021–2025 in Mrd. Britischer Pfund; ⁴ ROE = Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss / Eigenkapital); ROCE = Kapitalrendite (EBIT / Eigenkapital + langfristige Schulden); ⁵ Forward-KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne; Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Yahoo Finance, Finanzen.net; Stand: 24.04.2026
Hinweis: Die "Aktie der Woche" ist keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert kann steigen oder fallen, und Verluste sind möglich. Die Analyse kann Fehler enthalten.

Über den Social Media & Videocreator Luis Ropero

Luis Ropero ist das Gesicht unserer Social-Media-Kanäle. Er ist verantwortlich für unseren Video-Content. Als erfahrener Videoproduzent steht er nicht nur vor der Kamera, sondern übernimmt auch die Recherche, den Schnitt und die Nachbearbeitung, damit unsere Videos ansprechend und professionell präsentiert werden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luis intensiv mit der Börse und dem Aktienmarkt – eine Leidenschaft, die er in jede Analyse und jedes Video einfließen lässt. Mit seiner kreativen Herangehensweise und seinem Blick für Details bringt er komplexe Finanzthemen auf den Punkt und macht sie leicht zugänglich. 

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