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Auf einen Blick
  • Einige deutsche Unternehmen zahlen steuerfreie Dividenden aus. Doch der Geldsegen hat Vor- und Nachteile.

  • Für die Ausschüttung greifen die betreffenden Unternehmnen auf ihre Kapitalreserven zurück – und nicht wie bei Dividenden eigentlich üblich auf erwirtschaftete Profite aus ihrem eigentlichen Geschäft.

  • Ob die Dividenden am Ende wirklich steuerfrei einkassiert werden können, hängt einzig davon ab, wann man die Aktien gekauft hat.
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Knapp 45 Milliarden Euro an Dividenden schütten Unternehmen aus Dax, MDax und SDax in der diesjährigen Hauptversammlungsrunde an ihre Aktionäre aus. Das sind knapp fünf Prozent mehr als im Krisenjahr 2020. Der warme Regen hält für einige Aktiensparer auch noch eine besonders angenehme Überraschung bereit, denn manchmal landet die Dividende sogar brutto für netto auf dem Verrechnungskonto. Der Fiskus bekommt nichts ab, wenn Unternehmen wie etwa die Deutsche Telekom das Füllhorn ausschütten. Doch ist das wirklich so und wie funktioniert das? Droht am langen Ende eine böse Überraschung?

Die meisten börsennotierten deutschen Firmen sind von dem Phänomen gar nicht betroffen. Entweder weil sie an ihre Aktionäre gar keine Dividenden auskehren oder weil sie erzielte Profite vergangener Jahre an ihre Aktionäre ausschütten. Diese zahlen nach Verbrauch des Sparerpauschbetrages von 801 für Ledige beziehungsweise 1.602 Euro für Verheiratete pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer.

26,375 Prozent muss also jeder Sparer berappen, bei Kirchenmitgliedern sind es effektiv 27,99 Prozent, die Vater Staat einstreicht. Den Steuereinbehalt nimmt die Depotbank direkt vor – als Privatinvestor braucht man sich um nichts zu kümmern, um seine Steuerpflichten zu erfüllen.

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Exoten im Dividendenregen

Manchmal muss man aber auch nichts versteuern. Eine Handvoll deutscher Firmen zahlt teilweise schon seit Jahren steuerfreie Dividenden aus und lässt damit Börsianer-Herzen höherschlagen. Wie so oft im Leben hat der Geldsegen Vorteile, aber auch seine Tücken. Diese Unternehmen greifen für die Ausschüttung nämlich auf ihre Kapitalreserven zurück und nicht – wie bei normalen Dividenden üblich – auf erwirtschaftete Profite aus ihrem eigentlichen Geschäft.

Genau genommen sind es Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen und Einlagen früherer Jahre, die hier an die aktuellen Unternehmenseigentümer in Form einer "Dividende" wieder zurückfließen. Die Depotbank zwackt auf die Auszahlungen weder Abgeltungsteuer noch Solidarzuschlag oder Kirchensteuer ab. Auch ein erteilter Freistellungsauftrag wird nicht angeknabbert – das verschafft Luft für andere üppige Erträge.

Die Dividende landet zwar steuerlich ungeschmälert auf dem Bankkonto des Anlegers. Aufmerksame Börsianer bemerken jedoch bei einem sorgfältigen Blick auf ihr Wertpapierdepot einen anderen Effekt. Zeitgleich mit der Auszahlung der Dividende werden die im Depot ausgewiesenen Einstandskurse für die Aktien der Firma um genau den gleichen Betrag gekürzt.

 

Steuerfrei oder Steueraufschub?

Ob die Dividenden am Ende wirklich steuerfrei einkassiert werden können, hängt einzig davon ab, wann man die Aktien gekauft hat. Wer Deutsche Wohnen, Telekom und Co. (siehe Tabelle unten) vor 2009 ins Depot gelegt hat, freut sich jetzt in der Zinsflaute über kernige und tatsächlich steuerfreie Dividenden, weil der gesamte Aktienbestand für den Fiskus unerreichbar im steuerfreien Bereich geparkt ist.

  • Biallo-Tipp Auch wer derartige Altbestände von seinen Vorfahren erbt, ist fein raus. Man übernimmt mit dem Erbe auch den ursprünglichen Kaufzeitpunkt und die Anschaffungskosten der Aktien. Die Steuerfreiheit wird so auf die nächste Generation weitergegeben.

Schlechter dran sind Aktionäre, die die Blue Chips erst ab 2009 erworben haben. Nach der Einführung der Abgeltungsteuer fiel die einjährige Spekulationsfrist. Neu erworbene Wertpapiere-Kursgewinne sind seit Anfang 2009 zeitlich unbegrenzt steuerpflichtig. Da die (erst mal) steuerfreien Dividenden von dem ursprünglich gezahlten Kaufpreis für die Aktien abgezogen werden, erhalten diese Anleger genau genommen nur einen Steueraufschub bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich von ihren Aktien trennen.

Abgeltungsteuerpflichtig ist dann der realisierte Kursgewinn, der sich aus der Differenz zwischen dem erzielten Verkaufspreis und den um die erhaltenen Dividenden gekürzten ursprünglichen Anschaffungskosten für die Aktien ergibt.

An- und Verkaufsspesen für die Wertpapiertransaktionen werden dabei steuermindernd einbezogen. Langfristanleger müssen bereits dann Steuern auf die Dividenden zahlen, wenn die Ausschüttungen der Kapitalreserven die eigenen Anschaffungskosten für die Wertpapiere im Depot rechnerisch aufgezehrt haben.

  • Biallo-Tipp: Den Tag, an dem Steuern fällig werden, bestimmen Aktionäre selbst. Das richtige Timing hilft also dabei, die aufgeschobene Steuerlast später ganz zu vermeiden oder zumindest in erträglichen Grenzen zu halten. Steuerfüchse legen den Verkaufszeitpunkt in Jahre, in denen sie mit anderen Wertpapieren Verluste erzielt haben, die man mit dem Verkaufsgewinn verrechnen kann. Sinn kann auch ein Verkauf nach dem Eintritt in den Ruhestand sein, wenn das Gesamteinkommen und damit der eigene Steuersatz nicht mehr so hoch sind wie im Erwerbsleben.
 

Hauptversammlung bringt Klarheit

Nur bei wenigen Unternehmen steht schon definitiv fest, dass sie auch dieses Jahr wieder ihre Dividende komplett "steuerfrei" auszahlen – darunter die Dax-Schwergewichte Deutsche Wohnen und Telekom, die ihre Hauptversammlungen für das vergangene Geschäftsjahr bereits hinter sich haben. Viele andere schütten ihre Kapitalreserven nur anteilig aus – der Rest der beschlossenen Dividende kommt dann aus tatsächlich erwirtschafteten Gewinnen. Bei der Mensch & Maschine SE blieben Mitte Mai deshalb nur knapp 87 Prozent der Dividende in Höhe von einem Euro steuerfrei. Bei der TAG Immobilien, die ihre Aktionäre am 11. Mai zur virtuellen Hauptversammlung lud, waren es von 0,88 Euro je Aktie nur 0,64 Euro, der Differenbetrag von 0,24 Euro unterlag dagegen der Abgeltungsteuer. Auch bei Geratherm Medical (virtuelle Hauptversammlung am 11. Juni) ist mit 0,28 Euro der überwiegende Teil der vorgeschlagenen Dividende für 2020 (0,40 Euro) steuerpflichtig. 

Hat ein Aktionär seinen Sparerpauschbetrag aufgebraucht, behält die Depotbank von diesem Teil der Dividende Steuern ein. Alle in der Tabelle (s. u.) aufgeführten Unternehmen haben für das vergangene Jahr Ausschüttungen aus den Kapitalreserven gezahlt oder angekündigt. Ob und in welcher Höhe sie das auch künftig tun werden, steht noch nicht fest. Interessierte Anleger sollten sich daher vor dem Kauf im Internet noch einmal auf den neuesten Informationsstand bringen. 

Planbar festgelegt hat sich dagegen das Management der Deutschen Pfandbriefbank. In einer Pressemeldung vom 16. April 2019 verkündete die Bank, dass die Ausschüttungen der nächsten fünf bis sieben Jahre aus den Kapitalrücklagen fließen werden und damit für deutsche Anleger zunächst einmal steuerfrei bleiben. Eine erste Tranche von 0,26 Euro wurde am 18. Mai 2021 bereits ausgezahlt – mehr Dividende darf die normalerweise in Sachen Ausschüttungen spendable Bank aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen für das Bankengewerbe nach den Vorgaben der Bankenaufsicht nicht auskehren. Das Management hat aber für das zweite Halbjahr eine weitere Teilzahlung angekündigt, falls die Corona-Pandemie dann überwunden sein sollte.

 

Steuer-Manko für Ausländer

Auch ausländische Unternehmen schütten gelegentlich keine Gewinne, sondern Kapitalrücklagen aus. Darunter tummeln sich grundsolide Banken wie die UBS Group aus der Schweiz ebenso wie der norwegische Lachszüchter Mowi oder die US-Altenheimvermieter Omega Healthcare und HCP Inc. Sie alle haben in der Vergangenheit Kapitalreserven an Aktionäre ausgeschüttet und diesen dabei saftige Renditen bis zu acht Prozent beschert. Auf den Bescheinigungen der Bank tauchen dabei unterschiedliche Begriffe wie "Return of capital" (Omega Healthcare, HCP Inc.), "Kapitalherabsetzung" (Mowi) oder "Emissionsprämie" (UBS AG) auf. 

Mit zweierlei Maß

Einen Vorteil haben die speziellen Auslandsdividenden – weder die Eidgenössische Steuerverwaltung der Schweiz noch der amerikanische oder norwegische Fiskus behält auf diese Art von Ausschüttungen eine Quellensteuer ein. Die deutsche Depotbank zwackt allerdings von den Dividenden ausländischer Firmen Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls noch Kirchensteuer ab. 

Der Fiskus begründet die unterschiedliche Handhabung bei in- und ausländischen Dividenden mit der Spezialvorschrift des § 27 Absatz 8 aus dem deutschen Körperschaftsteuergesetz. Danach können inländische und sogar im EU-Raum ansässige Firmen ihr Eigenkapital ohne Steuerabzug an die Aktionäre ausschütten. Die Regelung soll aber nicht für Firmen aus Drittstaaten wie USA, Schweiz oder Norwegen gelten (BMF-Schreiben vom 4.4.2016, Az. IV C 2 – S 2836/08/10002). Eine klare gesetzliche Regelung gibt es jedoch nicht.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mittlerweile in mehreren Verfahren rechtskräftig entschieden, dass Aktionäre von Drittstaaten-Firmen steuerfreie Kapitalrückzahlungen erhalten können (u.a. BFH-Urteil vom 13.7.2016 – VIII R 47/13 und vom 10.4.2019 – I R 15/16). Das Finanzgericht Düsseldorf hat mit Urteil vom 24.8.2018 (Az. 14 K 564/16 E) rechtskräftig entschieden, dass die Kapitalrückzahlungen Schweizer Firmen steuerfrei bleiben. Der Haken: Das BMF hat seine maßgebenden Anwendungsschreiben immer noch nicht an die neue Rechtsprechung angepasst – deutsche Depotbanken behalten deshalb weiter munter Abgeltungsteuer auf die eigentlich steuerfreien Ausschüttungen ein. 

  • Biallo-Tipp: Fordern Sie zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer über die Einkommensteuererklärung zurück, in dem Sie die Anlage KAP ausfüllen. Belegen Sie die Auskehrung von Kapitalreserven anhand der von der Depotbank ausgestellten Dividendenbelege und eventueller Zusatzinformationen über die Website der ausschüttenden ausländischen Gesellschaft. Spielt das Finanzamt dann immer noch nicht mit, legen Sie Einspruch ein und verweisen auf die klare Rechtsprechung des BFH.


 

Deutsche Aktien mit steuerfreien Dividenden

Aktiengesellschaft Branche HV-Termin WKN Dividende Kurs Rendite
Verbio Biokraftstoff 29.01.2021 A0JL9W 0,20 € 39,22 € 0,51%
Edel Medien 25.03.2021 564950 0,10 € 2,98 € 3,36%
TTL Immobilien 26.03.2021 750100 0,20 € 2,50 € 8,00%
Deutsche Telekom Telekommunikation 01.04.2021 555750 0,60 € 17,09 € 3,51%
Vonovia Immobilien 16.04.2021 A1Ml7J 1,69 € 51,78 € 3,26%
DEMIRE Immobilien 28.04.2021 A0XFSF 0,62 € 4,21 € 14,73%
GEA-Group Anlagenbau 30.04.2021 660200 0,85 € 35,20 € 2,41%
Jost-Werke LKW-Zulieferer 06.05.2021 JST400 1,00 € 55,40 € 1,81%
Alstria Office Reit Immobilien 06.05.2021 A0LD2U 0,53 € 14,43 € 3,67%
Mensch und Maschine* Software 11.05.2021 658080 1,00 € 61,20 € 1,63%
Berentzen Getränke 11.05.2021 520160 0,13 € 6,26 € 2,08%
TAG Immobilien* Immobilien 11.05.2021 830350 0,88 € 24,23 € 3,63%
Deutsche Pfandbriefbank Finanzen 12.05.2021 801900 0,26 € 10,06 € 2,58%
3U Holding Beteiligungen 20.05.2021 516790 0,05 € 3,24 € 1,54%
Telefonica Deutschland Telekommunikation 20.05.2021 A1J5RX 0,18 € 2,29 € 7,86%
IVU Traffic Telematik 27.05.2021 744850 0,20 € 17,50 € 1,14%
LEG Immobilien Immobilien 27.05.2021 LEG111 3,78 € 117,70 € 3,21%
Hapag-Lloyd Logistik  28.05.2021 HLAG47 3,50 € 153,40 € 2,28%
Deutsche Wohnen Immobilien 01.06.2021 A0HN5C 1,03 € 44,95 € 2,29%
Instone Real Estate Immobilien 09.06.2021 A2NBX8 0,26 € 25,80 € 1,01%
Jenoptik Technologie 09.06.2021 A2NB60 0,25 € 23,62 € 1,06%
Pferdewetten.de Glücksspiel 09.06.2021 A2YN77 0,26 € 19,60 € 1,33%
Berliner Effekten Finanzen 10.06.2021 522130 1,00 € 85,40 € 1,17%
Geratherm* Medizintechnik 11.06.2021 549562 0,40 € 11,00 € 3,64%
Deutsche Euroshop Immobilien 18.06.2021 748020 0,04 € 18,56 € 0,22%
Freenet Telekommunikation 18.06.2021 A0Z2ZZ 1,65 € 21,99 € 7,50%
Fonterelli Beteiligungsgesellschaft 23.06.2021 A1TNUU 0,20 € 2,92 € 6,85%
MLP Finanzen 24.06.2021 656990 0,23 € 7,23 € 3,18%
U.C.A. Beteiligungen 01.07.2021 A12UK5 3,20 € 23,20 € 13,79%
Mineralbrunnen Überkingen Getränke 07.07.2021 661400 0,30 € 16,20 € 1,85%
TLG Immobilien Immobilien 2. Halbjahr  A12B8Z 1,16 € 26,25 € 4,42%
RCM Immobilien Immobilien steht noch nicht fest A1RFMY 0,07 € 2,12 € 3,30%

Quelle: eigene Recherche; Onvista.de; Kurse vom 21.05.2021; * Dividenden nur teilweise steuerbefreit (siehe Erläuterung im Text)

Über den Autor Michael Schreiber

Hat Steuerrecht studiert und ist als Diplom-Finanzwirt (FH) seit 35 Jahren Finanzbeamter, davon seit 24 Jahren Betriebsprüfer und seit 2009 Sachgebietsleiter in einem Finanzamt für Großbetriebsprüfung. Seit 1991 schreibt er nebenberuflich über Steuer- und Geldanlagethemen. Seine Schwerpunkte sind dabei steuerliche Gestaltungsfragen, Geldanlagen im Wertpapier- und Immobilienbereich, Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie allgemeine Verbraucherthemen rund um die Themen Geld, Versicherungen, Miete, Recht, Verkehr, Ehe und Familie.

  Michael Schreiber
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