Pfändungsschutzkonto

P-Konto: Knapp 1.200 Euro sind für Gläubiger tabu

Update: 26.10.2020
Auf einen Blick
  • Auf Antrag können Schuldner bis zu 1.178,59 Euro vor Zugriffen schützen.

  • Bei entsprechendem Nachweis von Unterhaltspflichten sind auch deutlich höhere Freibeträge möglich.

  • Für die Umstellung des Girokontos in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) darf die Bank keine Gebühren verlangen.

  • Der Kontopfändungsschutz gilt für Arbeitnehmer und Selbstständige und deren Konten.
Mit einem P-Konto können Sie die letzten Euros vor Zugriffen schützen.
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Wenn Sie Schulden haben und Gehaltspfändungen drohen, haben Sie die Möglichkeit, Ihr Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umstellen zu lassen. Dies gilt übrigens auch, wenn Sie bei der Bank ein Basiskonto führen – also ein Konto, das man nicht überziehen kann.

Wer benötigt ein Pfändungsschutzkonto?

Guthaben auf dem Pfändungsschutzkonto sind seit dem 1. Juli 2019 pro Kalendermonat bis zu einem Betrag von 1.178,59 Euro vor Zugriffen geschützt. Dieser Betrag ist die sogenannte Pfändungsfreigrenze und gilt für Sie als Einzelperson, wenn Sie keine Unterhaltspflichten für Partner oder Kinder haben.

Sie können innerhalb dieses Limits ganz normal Überweisungen tätigen, Geld abheben oder Daueraufträge vom Konto abbuchen lassen. Das heißt jedoch auch: Beträge über dieser Grenze können von einem Gläubiger gepfändet werden.

Wer bietet Pfändungsschutzkontos an?

Sie möchten Ihr Geld vor der Pfändung durch Gläubiger schützen? Dann müssen Sie Ihr Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln lassen. Dazu haben Sie ein gesetzliches Recht und Sie können das bei jeder Bank tun, die dazu verpflichtet ist. Das müssen Sie dort allerdings schriftlich beantragen. Dafür können Sie das von uns vorbereitete Formular benutzen und hier herunterladen.

Wichtig: Selbst wenn bereits eine Pfändung vorliegt, können Sie Ihr Konto noch in ein P-Konto umstellen lassen. Das muss die Bank innerhalb von vier Werktagen erledigen. Die Freibeträge für das Konto gelten sogar rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Pfändungs-Zustellung. Sie sollten immer möglichst schnell auf eine Pfändung reagieren und nicht den Kopf in den Sand stecken.


Was kostet ein Pfändungsschutzkonto?

Grundsätzlich gilt: Auch für Verbraucher mit wenig finanziellem Spielraum gibt es einige kostenlose Girokonten. Diese Konten sind entweder sogenannte Basiskonten oder Online-Konten, die nur auf Guthabenbasis geführt werden können. Welche Leistungen dabei ein kostenloses Girokonto beinhalten muss, haben Verbraucherschützer festgelegt:

  • 0,00 Euro monatliche Grundgebühr – ohne dafür einen konkreten monatlichen Geldiengang oder ein Durchschnittsguthaben zu fordern

  • 0,00 Euro für Überweisungen

  • 0,00 Euro für die Girocard (ehemals EC-Karte)

Knapp 40 Banken bieten immer noch ein kostenloses Girokonto an.

Die Umstellung Ihres Girokontos in ein Pfändungsschutzkonto kostet übrigens nichts. Und die Bank darf deswegen auch nicht einfach die Gebühren erhöhen. Dazu gibt es ein interessantes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). So hat der BGH am 12. September 2017 (Az. XI ZR 590/15) entschieden, dass für die Führung des P-Kontos kein Entgelt in Höhe von 7,00 Euro verlangt werden darf, wenn ein Girokonto mit gleichen Leistungen für 5,00 Euro bei derselben Bank angeboten wird.

Die Bank hat jedoch das Recht, Ihnen eine Kreditkarte zu verweigern oder diese zu kündigen. Das Gleiche gilt auch für einen Dispokredit. Alle anderen Leistungen bleiben bestehen. Sie dürfen jedoch nur ein einziges Pfändungsschutzkonto besitzen.

Gemeinschaftskonten muss man auflösen – erst recht, wenn die zweite Person über eigenes Einkommen verfügt. Auch deshalb, weil der Vollstreckungsschutz ein individuelles Recht ist, das sich auf eine Person bezieht. Haben zwei Personen ein gemeinsames Konto, sollten also daraus zwei separate P-Konten werden, damit beide die Freigrenze nutzen können.

Ein Kündigungsschutz für das Gemeinschaftskonto besteht übrigens nicht. Wenn die Bank Ihnen aber kündigen sollte, müssen und können Sie dort sofort ein Basiskonto eröffnen und dieses in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln. Da auch Banken dies wissen, werden die Konten in der Praxis auch meist nicht gekündigt.

Was darf gepfändet werden und was bleibt mir?

Jeder Geldbetrag über 1.178,59 Euro darf Ihnen weggepfändet werden. Beträge darunter stehen Ihnen zur Verfügung. Aber: Wenn Sie gegenüber dem Partner oder Kindern noch Unterhaltspflichten haben, steigen die geschützten Beträge deutlich an und zwar um 443,57 Euro pro Monat für die erste und 247,12 Euro für jede weitere bis zur fünften Person.

Unterhaltsberechtigte Personen

Freibetrag in Euro

1

1.622,16

2

1.869,28

3

2.116,40

4

2.363,52

5

2.610,64

Quelle: Biallo.de; nach eigener Recherche, Stand: 26.10.2020.

Wo bekommen Sie die Bescheinigung für ein P-Konto?

Im Fall von erhöhten Freibeträgen genügt es allerdings nicht, der Bank ein formloses Schreiben vorzulegen. Diese können nur auf Nachweis freigegeben werden. Dazu benötigen Sie eine sogenannte P-Konto-Bescheinigung. Diese bekommen Sie von:

  • Familienkassen
  • Sozialleistungsträgern
  • Schuldnerberatungsstellen
  • Verbraucherinsolvenzstellen
  • Rechtsanwälten

Eine Musterbescheinigung, die die Abwicklung erleichtert, wurde von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (AGSBV) und der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) gemeinsam entwickelt und kann bei der Verbraucherzentale NRW heruntergeladen werden.

So kommen Sie wieder zum normalen Konto zurück

Hat sich Ihre finanzielle Lage wieder grundlegend geändert, können Sie die Zusatzvereinbarung zum P-Konto kündigen und zum normalen Konto mit allen Rechten zurückkehren. Dies hat der BGH im Februar 2015 so entschieden (Az. XI ZR 187/13).

Sind Sie mit der Bank unzufrieden, können Sie dieses Konto auch ganz kündigen und sich beispielsweise für ein kostenloses Girokonto bei einer anderen Bank entscheiden. Sie sollten vorhandene Geldbeträge jedoch entweder selbst abheben oder auf ein anderes Konto überweisen. Tun Sie dies nicht, laufen Sie Gefahr, dass ein Gläubiger an das Geld kommt, sobald der Schutz aufgehoben ist.

  • Biallo-Tipp: Schulden kann man auch wieder loswerden. In manchen Fällen kann die Privatinsolvenz eine gute Lösung sein.






 
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