Ausbildungsfinanzierung: Verschiedene Geldquellen anzapfen

Ratgeber der Woche Ausbildungsfinanzierung: Verschiedene Geldquellen anzapfen

Annette Jäger
von Annette Jäger
10.09.2018
Auf einen Blick
  • Wissen ist Macht und Bildung kostet. Eine gute Ausbildung ist das A und O für den beruflichen Werdegang. 

  • Studenten können neben dem Ausbildungsunterhalt der Eltern Bafög, ein Stipendium oder einen Studienkredit beantragen um sich das Studium zu finanzieren.

  • Auszubildende verdienen im Rahmen der Ausbildung bereits ihr eigenes Geld. Für sie ist es schwieriger, aber nicht unmöglich, finanzielle Unterstützung zu bekommen.

  • Wer finanzielle Hilfe für seine Ausbildung möchte, braucht Zeit und den darf Bürokratie und Papierkram nicht abschrecken. Immerhin handelt es sich um eine Investition in die eigene Zukunft.
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Eine gute Ausbildung soll keine Frage des Geldes sein. Vor allem Studenten können verschiedene Geldquellen nutzen, um ihr langjähriges Studium zu finanzieren. Neben dem Ausbildungsunterhalt kommen Bafög, ein Stipendium oder ein Studienkredit in Frage. Jeder kann sich daraus seinen persönlichen Finanzierungsmix zusammenstellen.

Auch für Auszubildende gibt es finanzielle Unterstützung. Da sie aber meist schon eigenes Geld verdienen, sind die Angebote nicht so umfangreich wie bei Studenten. Eines ist wichtig: Wer Geldquellen anzapfen möchte, darf keinen Papierkram scheuen. Ein bisschen Mühe ist nötig, aber der Einsatz lohnt sich, denn schließlich handelt es sich um eine Investition in die eigene Zukunft. Auf den folgenden Seiten stellen wir die verschiedenen Geldquellen vor.

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Schnellüberblick: So gelingt die Studienfinanzierung

Die wichtigste Regel bei der Studienfinanzierung lautet: Sie soll so günstig wie möglich sein. Der Student soll wenige oder – im besten Fall – gar keine Schulden machen. Aus dieser Vorgabe ergibt sich eine Prioritätenliste an Geldquellen, die Studenten anzapfen sollten.

Ausbildungsunterhalt: Er steht an erster Stelle. Eltern sind laut Gesetz verpflichtet, ihren Kindern eine angemessene Ausbildung zu finanzieren, dazu gehört auch ein Studium. Die Höhe ist in der Düsseldorfer Tabelle (Unterhaltstabelle der Familiengerichte) festgelegt. Demnach gelten 735 Euro als angemessener Bedarf volljähriger Kinder, sofern diese einen eigenen Hausstand führen.

  • Bafög: Das Bundesausbildungsförderungsgesetz ist unter Studenten in der Abkürzungsform Bafög zum Schlagwort für bares Geld geworden. Sind die Eltern finanziell nicht in der Lage, ihrer gesetzlichen Unterhaltspflicht in Sachen Ausbildung ihrer Kinder nachzukommen oder ist der Unterhaltsanspruch erloschen, können die Studierenden Ausbildungsförderung nach Bafög in Anspruch nehmen. Der Höchstsatz liegt bei 735 Euro. Die Hälfte des Geldes muss der Student zurückzahlen. 

  • Nebenjob: Auch ein Nebenjob kann eine gute Geldquelle sein, um den Ausbildungsunterhalt und/oder das Bafög aufzustocken. Einnahmen von 450 Euro monatlich sind "unschädlich", das heißt: Sie werden nicht auf das Bafög angerechnet. Aufgepasst: Übt der Student mehr als einen Minijob aus, zieht das meist das Studium in die Länge. Das rechnet sich nicht, denn dann muss der Student ja auch insgesamt längere Zeit für seinen Lebensunterhalt sorgen. Zu beachten ist auch, dass alle, die mehr als 20 Wochenstunden arbeiten, aus der studentischen Krankenversicherung herausfallen.

  • Stipendium: Stipendien gibt es mehr, als viele meinen. Und gute Noten sind nur ein Kriterium von vielen, um eines zu bekommen. So zählt auch gesellschaftliches Engagement. Ein Student sollte es nicht unversucht lassen, eines zu bekommen. Denn das Geld muss er nicht zurückzahlen. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 423 Euro im Monat.

  • Kredite und Fonds: Über Banken und Bildungsfonds können Studierende Darlehen für die Dauer ihrer Ausbildung erhalten. Sie bilden das Schlusslicht auf der Prioritätenliste, weil sie die teuerste Form der Studienfinanzierung sind. Das Darlehen samt Zinsen muss komplett nach Studienende zurückgezahlt werden. Dennoch sind sie eine gute Möglichkeit, für einen begrenzten Zeitraum eine Finanzierungslücke zu schließen. 

Ausgaben berechnen

Um zu wissen, wie viel Geld monatlich überhaupt benötigt wird, lohnt sich eine Kostenaufstellung. Bei den meisten Studenten fallen Kosten an für: Miete, Fahrten zur Uni, Ernährung, Kleidung, Lernmittel, Krankenversicherung, Telefon, Internet, Rundfunk- und Fernsehgebühren sowie Freizeitgestaltung. Dafür gaben Studenten im Durchschnitt im Jahr 2016 monatlich rund 820 Euro aus. Das zeigt die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes. Das ist freilich nur ein grober Anhaltspunkt, die monatlichen Ausgaben können stark variieren, vor allem, wenn Studenten in Städten mit hohen Mieten studieren. Die Mietkosten machen den größten Anteil an den monatlichen Ausgaben aus.

Beratung

Studenten sollten sich unbedingt zum Thema Studienfinanzierung beraten lassen. Anlaufstellen sind die jeweiligen Studentenwerke der Hochschulen. Es lohnt sich, ein wenig Vorwissen mitzubringen, um die Beratung so effektiv wie möglich zu gestalten. Zum Thema Kredite und Fonds können auch die Verbraucherzentralen beraten. Interessant ist auch der Austausch über Bafög-Foren im Internet: www.studis-online.de oder www.bafoeg-aktuell.de

Das Wichtigste zum Bafög 

Einkommensgrenzen

Bafög erhalten Studierende, wenn das Einkommen der Eltern und das Vermögen des Studierenden nicht ausreichen, um ein Studium zu finanzieren. Dann greift der Staat unter die Arme und gewährt eine Förderung. Die Förderung wird auch gewährt, etwa wenn der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern erloschen ist (wenn der Studierende über 30 Jahre alt ist).

Als Faustregel gilt: Liegt das Jahresnettoeinkommen der Eltern bei etwa 20.580 Euro, erhält der Studierende den Bafög-Höchstsatz von 735 Euro (537 Euro, wenn der Student bei den Eltern wohnt). Verfügen die Eltern über ein Jahresnettoeinkommen von 38.000 Euro, erhält der Student gar kein Bafög. Zwischen diesen beiden Jahresnettobeträgen gibt es Teilförderungen.

Das ist wichtig zu wissen:

  • Es gibt keine festen Einkommensgrenzen beim Bafög.
  • Das Vermögen des Studierenden (nicht das der Eltern) wird bei der Berechnung des Anspruchs berücksichtigt, es gilt jedoch ein Freibetrag von 7.500 Euro.
  • Bei der Einkommensberechnung gelten diverse Freibeträge. Der Familienstand, die Anzahl der Kinder in Ausbildung und andere Unterhaltszahlungen werden berücksichtigt.
  • Kindergeld wird nicht als Einkommen angerechnet.
  • Weigern sich die Eltern, Ausbildungsunterhalt zu bezahlen, kann das Bafög-Amt einen Vorschuss leisten. Das Amt holt sich den Betrag dann von den Eltern zurück. Diese Regelung gilt unabhängig von der Einkommenshöhe der Eltern.

Über einen Bafög-Rechner können Studenten einen groben Anhaltspunkt erhalten, was ihnen an Bafög zusteht: www.studentenwerk-goettingen.de.

Fazit: Es lohnt sich in jedem Fall, Bafög zu beantragen. Selbst wenn der Staat keine Förderung gewährt, erhält der Student zumindest einen groben Anhaltspunkt, was die Eltern an Unterhalt bezahlen sollten. Auch wenn nur eine Minimalförderung über das Bafög gewährt wird, zählt das. Jeder Euro macht am Monatsende einen Unterschied.

Voraussetzungen für Bafög

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Bafög zu erhalten:

  • Studierende müssen die deutsche Staatsangehörigkeit haben.
  • Ausländische Studenten müssen einen Aufenthaltsstatus haben.
  • Studierende müssen bei Bachelor-Studienbeginn jünger als 30 Jahre alt sein. Ausnahmen gelten u.a. bei Studenten mit Kindern oder bei Master-Studienbeginn (35. Lebensjahr).
  • es muss sich um ein Erststudium handeln oder
  • es muss sich um einen Master-Studiengang handeln, der auf ein Bachelor-Studium aufbaut.

  • Biallo-Tipp: Auch bei einem Fachrichtungswechsel kann weiter Bafög gezahlt werden. Wer im Ausland studieren möchte, kann Auslands-Bafög erhalten. Dafür ist allerdings ein gesonderter Antrag nötig.

Übrigens: Auch Schüler können Bafög erhalten. Meist gilt jedoch als Kriterium, das sie nicht mehr zuhause bei den Eltern wohnen. Förderung gibt es zum Beispiel beim Besuch einer Abend-Haupt-, Real- oder Gesamtschule, eines Abend-Gymnasiums, einer Berufsfachschule oder Fach- und Fachoberschule. Auch hier gilt je nach Schulart eine Höchstförderung von bis zu 735 Euro. Die Förderung ist ein Vollzuschuss und muss nicht zurückgezahlt werden. Mehr zur Förderung von Auszubildenden unter Punkt 5.

Lesen Sie auch: Bafög und Pkw: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Höhe des Bafögs und Rückzahlung

Maximal 735 Euro erhalten Studierende im Monat als Höchstsatz, wenn sie nicht mehr zuhause wohnen. Wer zuhause wohnt, erhält 537 Euro im Monat. Die Beträge setzen sich zusammen aus einem Grundbedarf von 399 Euro und einem Betrag für Unterkunft über 250 Euro (auswärts wohnen) beziehungsweise 52 Euro (bei den Eltern wohnend). Zusätzlich können 71 Euro für die gesetzliche Krankenversicherung und 15 Euro für die Pflegeversicherung gewährt werden.

Bafög erhalten Studenten zwölf Monate im Jahr für die Dauer der Regelstudienzeit von Bachelor plus Master der jeweiligen Fachrichtung (meist zehn Semester). Sie kommen so maximal auf 44.100 Euro Förderungssumme über die gesamte Studienzeit. Die Hälfte des Betrags ist ein Geschenk des Staates, die andere Hälfte muss der Studierende später zurückzahlen. Allerdings ist der Rückzahlungsbetrag gedeckelt – mehr als 10.000 Euro sind nicht zurückzuzahlen! Wer den maximalen Fördersatz erhalten hat, muss also weniger als ein Viertel der Summe zurückzahlen. Noch dazu ist das Staatdarlehen zinslos.

Die Rückzahlung des Darlehensanteils beginnt fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer und dauert maximal 20 Jahre. Die Rückzahlung ist abhängig vom Einkommen. Die Höhe der monatlichen Raten liegt meist bei knapp über 100 Euro im Monat.

Antragstellung

Der Antrag auf Bafög muss schriftlich erfolgen, Möglich ist ein Online-Antrag oder ein E-Antrag, den aber noch nicht alle Bundesländer anbieten. Beim ersten Mal ist das ein ziemlicher Aufwand, doch mit der Zeit lässt sich der Antrag, der jedes Jahr neu gestellt werden muss, routinierter erledigen.

Der richtige Zeitpunkt

Bafög kann frühestens ab dem Monat der Antragstellung gezahlt werden. Deshalb ist es ratsam, den Antrag möglichst mit Beginn der Ausbildung zu stellen. Wer ab September ein Studium an einer Fachhochschule beginnt, sollte direkt mit Beginn einen Antrag stellen. Wer das versäumt, kann bis 28. September beim Bafög-Amt einen sogenannten vorläufigen, formlosen Antrag stellen, zum Beispiel: www.studentenwerke.de.

Der vollständige Antrag muss dann nachgereicht werden. Auf diese Weise fließt das Geld noch für September. Allerdings kann die Bewilligung bei Semesterstart acht Wochen lang dauern. Diese Zeit müsste der Studierende finanziell selbst überbrücken. 

  • Biallo-Tipp: Auslands-Bafög muss mindestens sechs Monate vor dem Auslandsaufenthalt beantragt werden.

Stipendien als Finanzierungsquelle

Für wen kommt ein Stipendium in Frage?

Stipendien sind eine attraktive Finanzierungsmöglichkeit, weil der Student die Fördergelder später nicht zurückzahlen muss. Es ist wesentlich leichter ein Stipendium zu erhalten, als viele meinen. Fast jeder, der ein Ziel vor Augen hat und das anderen auch glaubhaft vermitteln kann, hat Chancen auf eine Förderung. Gute Noten sind ein Aspekt.

Aber auch auf Persönlichkeit kommt es an und soziales Engagement zählt. Manchmal genügt es auch, ein besonderes Instrument zu spielen oder sich in der Jugendarbeit zu engagieren. Ebenso kann ein bestimmter Geburtsort, die Herkunft oder der Beruf der Eltern, ein bestimmtes Studienfach oder ein Ehrenamt ausschlaggebend dafür sein, in die engere Auswahl zu gelangen. Es gibt 2.500 Stiftungen unter dem Dach des Bundesverbands Deutscher Stiftungen – die Chance ist gut, dass es genau das zum eigenen Profil passende Stipendium gibt.

So viel Geld gibt es

Im Durchschnitt haben Studenten im Jahr 2016 über ein Stipendium 423 Euro im Monat erhalten. Doch es gibt keine einheitliche Regelung, wie hoch der Fördersatz ist. Das kann jeder Förderer selbst bestimmen. Die Stipendien der Begabtenförderwerke orientieren sich am Bafög-Satz. Darüber hinaus werden auch häufig Sonderzahlungen gewährt wie Büchergeld oder ein Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung. Wer ein Stipendium erhält, kann nicht zusätzlich den vollen Bafög-Satz erhalten. Das Stipendium wird dann auf das Bafög angerechnet.

Wie findet man ein Stipendium?

In der Regel vergeben Stiftungen Stipendien. Es gibt neben den bekannten großen Stiftungen – beispielsweise den Begabtenförderwerken – eine Unmenge an kleineren Stiftungen. Sie alle verfolgen einen ganz bestimmten Stiftungszweck. Für den Bewerber ist es natürlich essentiell, in das Förderraster der Stiftung zu passen. Es gibt Stipendien für verschiedenste Bedürfnisse: für ein Studium im In- oder Ausland, für Forschungsprojekte, eine Diplomarbeit, eine Promotion, für Auslandsaufenthalte, Sprachkurse, als Zuschuss zum Lebensunterhalt oder für Sach- und Reisekosten.

  • Biallo-Tipp: Auch Unternehmen und Berufsverbände kommen als Förderer in Frage. Sie leisten im Rahmen von Stipendien finanzielle Zuschüsse zu Diplomarbeiten oder Praktika, um so ihren Nachwuchs zu rekrutieren. Es lohnt sich also, bei Interesse für einen bestimmten Fachbereich, ganz konkret bei Firmen anzufragen, ob sie Stipendien gewähren.

Um das passende Stipendium zu finden, ist ein wenig Recherche nötig. Datenbanken können dabei helfen: www.stipendienlotse.de oder www.stiftungssuche.de. Es lohnt sich auch, in der eigenen Hochschule nachzuforschen, ob hier Stipendien beworben oder vermittelt werden. Die Hochschulen sind in der Regel gut vernetzt. Ein Uniprofessor könnte auch eine Empfehlung schreiben, die man einer Bewerbung beifügen kann.

Zwei Beispiele für besondere Stipendien:

  1.  Die Zeppelin Universität in Friedrichshafen vergibt jedes Jahr Stipendien, unter anderem ganz gezielt an Studierende mit einem Bruch im Lebenslauf: an "Gründungspleitiers", wie es dort heißt, an "Studienabbrecher" und "Sitzenbleiber", an Legastheniker, "Nerds", Studierende aus Nicht-Akademiker-Familien, Studierende mit Zuwanderungsgeschichte oder Bachelor-Studenten mit Kindern.

  2. Fast 26.000 Studierende wurden im Jahr 2017 über das Deutschlandstipendium gefördert. Dabei teilen sich der Bund und private Förderer (Unternehmen, Vereine, Privatpersonen) die Stipendiums-Förderung von 300 Euro monatlich. Laut Eigenwerbung sind Erfinderreichtum, Begabung und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen (zum Beispiel für ehrenamtliches Engagement) bei den Studierenden gefragt.

http://www.zu.de/studium-weiterbildung/das-studium/stipendien-finanzierung/stipendien-ba/zu-stipendium.php

  • Biallo-Tipp: Wer die Voraussetzung sowohl für Bafög als auch ein Stipendium erfüllt, sollte dem Stipendium den Vorzug geben. Nicht nur, weil man das Geld nach Beendigung der Ausbildung nicht zurückzahlen muss. Sondern auch, weil man ganz kostenlos das Renommee, Netzwerke und Schulungen dazu erhält: Denn das Stipendium sagt nicht nur aus, dass der Student finanziell bedürftig war, sondern dass er vor allem überdurchschnittliche Leistungen erbracht hat.

Kredite und Fonds als Lückenstopfer

So funktionieren Studienkredite

Studienkredite sind sicherlich nicht geeignet, um ein komplettes Studium voll zu finanzieren. Aber als Notnagel, etwa, um einen vorübergehenden Finanzierungsengpass zu überbrücken, sind sie eine gute Lösung. Das ist allemal besser, als ein Studium wegen Geldnot abzubrechen. Wissen muss man aber, dass Kredite die teuerste Art der Studienfinanzierung sind, weil der Darlehensbetrag voll verzinst zurückzuzahlen ist.

Bei einem Studienkredit wird der Darlehensbetrag nicht auf einmal gewährt, sondern monatlich ausgezahlt. Die Rückzahlung beginnt nach einer bestimmten Frist nach Ende des Auszahlungszeitraums. Dabei ist es in der Regel unerheblich, ob der Student noch studiert, bereits arbeitet, arbeitslos ist oder kaum Geld zur Verfügung hat.

Der Studienkredit, der am meisten genutzt wird, ist der Studienkredit der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Er hat sich in den vergangenen Jahren gegenüber den Konkurrenzangeboten der Banken und Sparkassen durchgesetzt, die fast alle ihre individuellen Studienkredit-Angebote wieder vom Markt genommen haben.

Studienkredit der KfW

Den Studienkredit der KfW gibt es seit 2006. Er ist genau auf die Bedürfnisse der Studenten zugeschnitten, besticht durch vergleichsweise niedrige Zinsen und Transparenz. Studierende erhalten monatliche Raten von mindestens 100 und höchstens 650 Euro. Die Summe kann jedes Semester neu festgelegt werden. Die Summe gibt es ohne Kreditsicherheiten und unabhängig vom Einkommen. Studenten können maximal 44 Jahre alt sein, um den Kredit zu erhalten.

Nach der Auszahlungsphase gilt eine sogenannte Karenzzeit von 18 bis 23 Monaten. In dieser Zeit müssen nur die Zinsen auf den ausgezahlten Darlehensbetrag gezahlt werden (sofern nicht das Modell Zinsaufschub gewählt wurde), aber es erfolgt noch keine Tilgung. Die Karenzzeit kann auf sechs Monate verkürzt werden. In der dann folgenden Tilgungsphase wird der Darlehensbetrag in monatlichen Raten zurückgezahlt, über maximal 25 Jahre in Mindestraten von 20 Euro.

Die Verzinsung ist variabel. Jeweils zum 1. April und 1. Oktober eines Jahres werden die Zinsen für das kommende Halbjahr festgelegt. Derzeit gilt ein Zinssatz von 3,49 Prozent (Sollzins), ab 1. Oktober 2018 gilt ein neuer Zinssatz. Vereinbart der Studierende einen Festzins – das ist ab der Tilgungsphase möglich – gelten derzeit 4,25 Prozent (Sollzins) bei fünf Jahren und 4,89 Prozent bei zehn Jahren Laufzeit.

Die Zinsentwicklung schwankt seit 2007 immer wieder: den Tiefststand erreichte sie mit 3,06 Prozent im Jahr 2012, den Höchststand mit 6,5 Prozent im Jahr 2008. Eine Zinsobergrenze gibt es nicht mehr.

Rechenbeispiel: Ein Student lässt sich über 24 Monate hinweg 300 Euro im Monat als Darlehen auszahlen. Das entspricht einer Gesamtdarlehenssumme von 7.200 Euro. Bei einem Zinssatz von 3,9 Prozent Sollzins zahlt der Studierende bei monatlichen Raten von 100 Euro insgesamt rund 8.700 Euro zurück. 

Achtung: Das Rechenbeispiel geht davon aus, dass der Zinssatz über die gesamte Dauer stabil bleibt. Er kann aber durchaus variieren. 

Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes

Auch der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes ist eine Finanzierungsoption. Er steht höheren Semestern offen. Studierende ab dem dritten Semester im Bachelor-Studiengang oder im Master-Studiengang können ihn in Anspruch nehmen. Maximal 300 Euro im Monat über eine Dauer von 24 Monaten gibt es.

Der Bildungskredit wird von der Bundesregierung finanziell unterstützt, was einen sehr günstigen Zinssatz ermöglicht. Derzeit liegt er bei 0,72 Prozent (Sollzins). Die ersten vier Jahre ab der ersten Auszahlung sind tilgungsfrei, danach sind monatliche Raten von 120 Euro abzuzahlen. Der Bildungskredit ist über das Bundesverwaltungsamt zu beantragen.

Bildungsfonds

Eine Studienfinanzierung über einen Studienfonds stellt eine weitere Geldquelle dar. Bei diesen Modellen zahlt der Student später einen Prozentsatz seines künftigen Gehalts zurück. Statt fester Tilgungsraten gilt eine einkommensabhängige Rückzahlung.

Wer also später viel verdient, zahlt möglicherweise mehr zurück, als er an Darlehen bekommen hat, wer wenig verdient, zahlt durchaus auch weniger zurück, als er bekommen hat und wer gar nichts verdient, zahlt auch gar nichts zurück. So funktioniert das Modell vereinfacht ausgedrückt. Es gilt die Idee der Solidargemeinschaft: Gutverdienende tragen die Last der weniger gut Verdienenden mit.

Doch stellenweise klaffen bei Bildungsfonds Anspruch und Wirklichkeit auseinander, stellt Ulrich Müller vom Gemeinnützigen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) fest, der jedes Jahr Darlehensangebote prüft. So sind die Rückzahlungssummen zum Teil (bei sehr hohen Einkommen) immens. Das Landgericht Aachen bezeichnet sie in einem Fall als sittenwidrig und Wucher ähnlich (AZ 10 O 483/15, Quelle: Handelsblatt vom 14.8.2018), am Ende ist dann doch häufig der Bildungsfonds der Gewinner.

Deshalb lautet der Rat des CHE, bei solchen Angeboten genau zu prüfen und hinzuschauen, ob im vorgelegten Vertrag auch die Ursprungsidee des Fonds noch erhalten ist. Gut ist, wenn Beispielrechnungen über Zahlungsverläufe vorliegen und ein maximaler Rückzahlungsbetrag vertraglich garantiert ist sowie die Rückzahlung erst ab einem jährlichen Mindesteinkommen beginnt (zum Beispiel Chancen eG).

Fonds haben den Vorteil, dass sie Studierenden die Möglichkeit bieten, ein komplettes Studium im Ausland zu absolvieren oder höhere Auszahlungssummen zu erhalten. Zu den Anbietern von Bildungsfonds gehören auch die Career Concept, die Deutsche Bildung und Brain Capital.

Privatkredite

Privatkredite, auch P2P-Kredite oder Crowdlending genannt, haben in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und werden als Alternative zu herkömmlichen Studienkrediten gehandelt. Bei dieser Variante leiht sich der Student das Geld von privaten Anlegern.

Die Darlehenssumme wird auf einmal ausgezahlt, nicht monatlich. Plattformen wie www.auxmoney.com vermitteln solche Kredite. Solche Angebote sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Ulrich Müller vom Gemeinnützigen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) weist darauf hin, dass diese Kreditangebote nicht auf die Bedürfnisse von Studierenden zugeschnitten sind, es gibt keine Karenzphase bevor die Tilgung startet und die Zinssätze sind teilweise mit über zehn Prozent horrend.

Lesen Sie auch: Anlageklasse P2P-Kredit – Alternative im Anlagenotstand

Wer im Internet nach Kreditangeboten recherchiert, wird auch auf Strival treffen, ein Start-up, das sich auf Studienkredite fokussiert hat. Als Rückzahlung fallen zehn Prozent des Bruttoeinkommens an, bis der vereinbarte Rückzahlungsbetrag erreicht ist. Liegt das bei 3.000 Euro, sind 300 Euro im Monat zu leisten.

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Förderungsmöglichkeiten für Azubis

Überblick über Fördermöglichkeiten

Die meisten Auszubildenden verdienen zwar schon im ersten Lehrjahr etwas Geld. Doch häufig reicht es nicht, um damit den gesamten Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch für sie gibt es Fördermöglichkeiten, zum Beispiel die Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld.

Azubis, die Auslandserfahrung sammeln wollen, können auch ein Stipendien erhalten (zum Beispiel Hermann-Strenger-Stipendium, Leonardo da Vinci Mobilität des EU-Bildungsprogramms, siehe auch: auslandsaufenthalt.org).
Azubis kurz vor Ende ihrer Ausbildung können den Bildungskredit erhalten.

Lesen Sie auch: So sparen Fahranfänger bei der Kfz-Versicherung

  • Biallo-Tipp: Wer eine schulische Ausbildung macht, sprich, eine Berufsfachschule besucht, oder ein duales Studium absolviert, kann Bafög erhalten. Der Höchstsatz für Azubis liegt bei 590 Euro im Monat und muss nicht zurückgezahlt werden.

Berufsausbildungsbeihilfe

Diese Förderung der Bundesagentur für Arbeit, die einen Höchstsatz von 635 Euro vorsieht, erhalten Azubis, die eine anerkannte Ausbildung machen (keine schulische Ausbildung!). Zur Berechnung wird das Einkommen der Eltern oder des Partners herangezogen. Voraussetzung ist, dass der Azubi nicht mehr bei den Eltern wohnt beziehungsweise wohnen kann. Über den Rechner können Azubis ermitteln, ob und in welcher Höhe sie Anspruch auf die Förderung haben. 

Wohngeld

Wer eine schulische Ausbildung macht und deshalb keine Berufsausbildungsbeihilfe bekommt, kann Wohngeld erhalten, wenn er nicht mehr zuhause bei den Eltern wohnt. Den Antrag auf Wohngeld stellen Azubis bei ihrer jeweiligen Kommune. Azubis müssen mindestens 18 Jahre alt sein.

Biallo-Lesetipp

Lesen Sie auch den ersten Teil unserer Serie zum Thema Ausbildung und Finanzen: Worauf es bei Konten für Schüler, Azubis und Studenten ankommt

Außerdem: Ein Jahr lang im Ausland unterwegs sein – das funktioniert auch ohne dickes Sparkonto. Das sogenannte Work and Travel macht es möglich. Worauf junge Reisende alles achten müssen, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Serie.

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Annette Jäger
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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de