Nebenjobs für Studierende

Studentenjobs: Wann Steuern und Abgaben anfallen

Update: 07.10.2020
Auf einen Blick
  • Viele Studenten jobben während  des Studiums oder der Semesterferien, um Geld genug zu haben. Nicht selten geschieht der Nebenjob ohne schriftlichen Vertrag.

  • Egal, ob mit oder ohne Vertrag: Sowohl Nebenjobs als auch Praktika unterliegen gesetzlichen Regelungen, an die sich beide Seiten halten müssen.

  • Bafög-Empfänger sollen  aufpassen, denn überschreiten sie die geltenden Verdienstgrenzen, wird die studentische Förderung gekürzt.
Nicht nur Büffeln im Hörsaal: In der vorlesungsfreien Zeit gehören auch Jobs zum Alltag vieler Studenten.
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Zwei von drei Studierenden jobben nebenbei, um ihre Miete zahlen oder ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Jobs sind vielfältig, doch ganz gleich, ob man als Praktikant, Aushilfe, Hilfswissenschaftler oder Werksstudent arbeitet – jede Beschäftigung unterliegt gesetzlichen Vorgaben. Diese betreffen Arbeitszeit, Arbeitsumfang, Verdienstgrenzen sowie Sozialabgaben und Steuern.

Allgemeine Regeln für Studentenjobs

  • Studierende dürfen maximal 20 Stunden pro Woche oder 70 Tage in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten, damit sie ihren Status als Student im Nebenjob nicht verlieren.
     
  • Übersteigt die Arbeitszeit die gesetzlichen Vorgaben, gelten sie als studierende Beschäftigte, was vor allem Auswirkungen auf Steuern und Sozialabgaben hat.

  • Studentische Mitarbeiter haben Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Feiertagsvergütung und bezahlten Urlaub. Dies darf per Vertrag nicht ausgeschlossen werden. Sofern es vertraglich vereinbart oder betriebsüblich ist, besteht auch Anspruch auf Weihnachtsgeld.

  • Studentenjobs werden in der Regel in Steuerklasse 1 veranlagt. Andere Steuerklassen kommen zum Tragen, wenn die Studierenden bereits verheiratet sind oder ein Kind haben. Werden mehrere Studentenjobs gleichzeitig ausgeübt, gilt für den Zweit- und Drittjob die schlechtere Steuerklasse 6.

Verschiedene Arten von Studentenjobs

Sie nennen sich Hiwi, Werkstudent, oder Aushilfskraft: Hinter all diesen Bezeichnungen verbergen sich Nebenjobs für Studierende, die in der Regel für eine begrenzte Zeit ausgeführt und mit verbilligtem Lohn vergütet werden. Beide Seiten – sowohl Arbeitgeber als auch Studierende – verbuchen dabei Vorteile: Arbeitgeber sparen Lohnkosten und Sozialabgaben; Studierende sind zumeist von Steuer- und Sozialabgaben befreit und sammeln erste Berufserfahrung.

Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Studentenjobs: Klassische Aushilfs- oder Nebenjobs finden sich meist außerhalb der Universitäten – etwa wenn Studierende in Restaurants kellnern, im Supermarkt kassieren oder als Werkstudent in einem Betrieb aushelfen. Diese Jobs werden überwiegend auf Basis geringfügiger Beschäftigung mit zeitlicher Begrenzung ausgeführt.

Demgegenüber stehen universitäre Nebenjobs – etwa als studentische Hilfskraft oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Studentische Hilfskräfte sind oft erst ein paar Semester an der Uni, haben noch keinen Studienabschluss und üben einfache Tätigkeiten innerhalb ihres Fachbereichs oder ihres Lehrstuhls aus. Wissenschaftliche Mitarbeiter, sogenannte Hilfswissenschaftler – kurz Hiwis – besitzen hingegen meist schon einen Hochschulabschluss, zum Beispiel einen Bachelor. Sie unterstützen Professoren oder Dozenten in Lehre, Forschung und teilweise bei verwalterischen Tätigkeiten. Die Arbeiten sind anspruchsvoller als einfache studentische Aushilfsjobs. Für künftige Forscher dienen Stellen als Hilfswissenschaftler oft als Sprungbrett für eine universitäre Laufbahn.

Ganz gleich, ob klassischer Aushilfsjob oder wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni: Für alle Nebenjobs gelten gesetzliche Rahmenbedingungen. Bekannt und genutzt werden vor allem drei Arten von Nebenjobs: Minijob, Midijob und kurzfristige Beschäftigung.

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Minijob: Maximal 450 Euro im Monat

Der Minijob ist die häufigste Vertragsart für Studierende. Der Vorteil besteht vor allem darin, dass die Tätigkeit brutto für netto ausgeführt werden kann, also weder Steuern noch Sozialabgaben das Gehalt schmälern. Bei der als 450-Euro-Job bekannten, geringfügigen Beschäftigung ist vielmehr der Arbeit­geber in der Pflicht: Er meldet den Studierenden bei der Minijobzentrale an und versteuert seinen Lohn pauschal. Eine Steuererklärung ist nicht nötig, da keine Steuern anfallen. Positiv: Bei Minijobbern entfällt nicht nur die Lohn­steuer, sie zahlen auch keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeits­losen­versicherung.

Aber Achtung: Übt eine Person zwei oder mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse aus und beträgt das Entgelt hieraus insgesamt mehr als die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro pro Monat, so ist keine dieser Beschäftigungen geringfügig. Damit kann die Tätigkeit steuer- und sozialabgabenpflichtig werden.

  • Biallo-Tipp:  Bafög-Empfänger können bis zu 450 Euro brutto im Monat zusätzlich verdienen, ohne dass sich der Minijob negativ auf finanzielle Förderung auswirkt.

Eine Besonderheit besteht in der gesetzlichen Renten­versicherung: Hier ­besteht für Mini-Jobber Versicherungs­pflicht. Der Eigen­beitrag bei 450 Euro Monatslohn beträgt 16,20 Euro. Die Abgabe bringt durchaus Vorteile: So erreichen Studierende dadurch schneller bestimmte Mindest­versicherungs­zeiten für Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung und sind förderberechtigt für die Riester-Rente. Wer das nicht möchte, kann sich aber von der Versicherungspflicht befreien lassen. Die Befreiung gilt dann für alle zeitgleich ausgeübten Minijobs. Anträge können Studierende unter minijob-zentrale.de, Stich­wort „Befreiungs­antrag“, stellen.

  • Sonderfall Corona-Krise: Während der Corona-Krise gelten Ausnahmeregelungen. Das Finanzamt Bayern informiert dazu: „Bei nur gelegentlichem Überschreiten der monatlichen 450-Euro-Grenze besteht grundsätzlich weiterhin eine geringfügige Beschäftigung, auch wenn die für ein Jahr maßgebende Entgeltgrenze von 5.400 Euro überschritten wird. Als gelegentlich wird ein Zeitraum von bis zu drei Monaten innerhalb eines Zeitjahres angesehen.“ Die Spitzenverbände der Sozialversicherung haben in einer Verlautbarung vom 30. März 2020 zudem festgelegt, dass analog zur vorübergehenden Erhöhung der Zeitgrenzen auch von einem gelegentlichen Überschreiten der Entgeltgrenze für Minijobs für die Kalendermonate März bis Oktober 2020 auszugehen ist. Studierende können demnach aufgrund der Corona-Krise bis zu fünf Monate Mehrarbeit leisten und dadurch die monatliche Entgeltgrenze von 450 Euro überschreiten, ohne den Status als Minijobber zu verlieren.

Kurzfristige Beschäftigung: Maximal drei Monate

Eine andere Form der geringfügigen Beschäftigung ist die sogenannte kurzfristige Beschäftigung. Wer nur in der vorlesungsfreien Zeit jobbt, kann bis zu 70 Arbeitstage beziehungsweise drei Monate am Stück arbeiten. Für solche Ferienjobs fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Diese Regelung gilt auch für Schüler mit Ferien- und Nebenjobs.

Ohne Abgaben geht es allerdings nicht. Der Arbeitgeber kann entweder pauschal 25 Prozent Lohnsteuer ans Finanzamt abführen oder das studentische Gehalt individuell versteuern. Die Pauschalbesteuerung hat den Nachteil, dass man das Geld nicht über die Steuererklärung zurückholen kann. Für Ferienjobber kann in diesem Fall die individuelle Besteuerung des Lohns die bessere Variante sein, denn es gelten hohe Steuerfreibeträge, zum Beispiel der Grundfreibetrag von 9.408 Euro für 2020. Diese Freigrenze gilt – egal ob ein Minijob, Werkstudentenjob, geringfügige Beschäftigung oder Nebenjob ausgeführt wird.

  • Ausnahmefall Corona-Krise: Die festgelegten Zeitgrenzen hat der Gesetzgeber aufgrund der Corona-Krise für den Zeitraum vom 1. März bis 31. Oktober 2020 auf fünf Monate beziehungsweise 115 Arbeitstage erhöht. Insofern können kurzfristige Minijobs im vorgenannten Zeitraum länger bestehen, ohne sozialversicherungspflichtig zu werden.

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Midijob: Maximal 20 Stunden pro Woche

Genügt eine geringfügige Beschäftigung nicht für das Studentenleben, können Hochschüler einen Midijob vereinbaren. Hier gilt eine Verdienstgrenze von 450,01 bis 1.300 Euro pro Monat. Innerhalb dieses Bereichs fallen keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung an, wenn die Höchstzahl von 20 Arbeitsstunden pro Woche nicht überschritten wird. Nur dann gilt ein Hochschüler noch als Student. Das Deutsche Studentenwerk verweist allerdings auf mögliche Ausnahmefälle: 

  • Die Wochenarbeitszeit kann 20 Stunden überschreiten, wenn die Arbeit den Erfordernissen des Studiums angepasst und untergeordnet ist (beispielsweise Beschäftigung nur am Wochenende, abends oder nachts). Die Krankenkasse muss diese Ausnahme aber genehmigen.

  • Oder, wenn mehrfach im Jahr befristete Beschäftigungen von mehr als 20 Stunden pro Woche ausgeübt werden und diese Ausnahmen innerhalb eines Zeitjahres (beispielsweise vom 12. Mai 2020 bis 11. Mai 2021) maximal 26 Wochen oder 180 Kalendertage dauern.

Eine Ausnahme besteht für Midi-Jobber in der gesetzlichen Rentenversicherung. Hier fallen, je nach Verdiensthöhe, Beiträge zur gesetzlichen Rentenkasse an. Der Beitragssatz steigt dabei mit der Höhe des Einkommens an. Beim Maximalgehalt von 1.300 Euro sind 9,3 Prozent Rentenbeitrag zu zahlen – also 120,90 Euro.

  • Wichtig: Üben Studierende einen Midijob aus, sind Sie nicht mehr im Rahmen der Familienversicherung kostenlos über die Eltern krankenversichert. Dies ist 2020 nach Angaben des Studentenwerks nur bis zu einer Einkommensgrenze von 455 Euro pro Monat möglich.

Studierende Midijobber entrichten in der Regel keine Steuern. Das liegt daran, dass sie meist die Steuerklasse I besitzen. Auch die Steuerklassen II und III sind von der Lohnsteuer befreit. Anders bei den Steuerklassen V und VI, diese unterliegen der Steuerplicht. Liegt das Jahreseinkommen unter dem Grundfreibetrag von 9.408 Euro, zuzüglich 1.000 Euro Werbungskostenpauschale und gesetzlicher Vorsorgepauschale, erhalten sie die gezahlte Einkommensteuer zurück, wenn sie im Folgejahr eine Einkommensteuererklärung abgeben. Warum sich die Abgabe einer Steuererklärung für Studenten lohnen kann, erfahren Sie in unserem gesonderten Ratgeber zu diesem Thema.

Wissenschaftliche Mitarbeiter: Im Einzelfall Tarifvertrag möglich

Hilfswissenschaftler dürfen nach dem geltenden Wissenschaftszeitvertragsgesetz maximal sechs Jahre an einer Universität oder Forschungseinrichtung beschäftigt werden. In der Regel endet der Vertrag spätestens mit der Exmatrikulation. Die Verdienstmöglichkeiten bewegen sich – je nach Bundesland und Einrichtung – zwischen gesetzlichem Mindestlohn und leicht darüber liegenden Stundensätzen.

Bislang gibt es keine bundesweit einheitliche oder tarifliche Regelung für die Hiwi-Gehälter. Oft werden Hilfswissenschaftler als geringfügig Beschäftigte angestellt, zum Beispiel mit einem Mini- oder Midijob. Eine Ausnahme ist Berlin, hier gibt es einen Tarifvertrag – andere Standorte, etwa Hamburg, kämpfen ebenfalls darum. Der Arbeitsumfang für wissenschaftliche Mitarbeiter ist begrenzt, häufig auf 20 Stunden pro Woche. Dadurch gelten Hilfswissenschaftler hauptamtlich als Student und können – je nach Vertrag – Steuervergünstigungen und Vorteile bei Sozialabgaben für sich nutzen.

Praktikant: Besser mit Vertrag

Viele Studierende leisten Praktika, um Berufserfahrung zu sammeln. Ein Praktikum benötigt nicht zwingend einen schriftlichen Vertrag, auch mündliche Absprachen gelten als Vertrag in Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches. Häufig ist es jedoch sinnvoll, einen Praktikumsvertrag abzuschließen. Bei der Art des Praktikums sind zwei verschiedene Arten zu unterscheiden:

Pflichtpraktikum: Diese Form des Praktikums betrifft meistens Studenten oder Schüler. Im Rahmen des Studiums kann das Pflichtpraktikum mit einer vorgeschriebenen Dauer zur Ausbildung gehören. In diesem Fall ist die Universität oder Hochschule Hauptarbeitgeber des Praktikanten. Folge: Bei einem Pflichtpraktikum während des Studiums besteht weder Anspruch auf Urlaub, noch Entgelt. Ebenso wenig besteht Anspruch auf ein Praktikumszeugnis. Viele Ausbildungseinrichtungen beziehungsweise Unternehmen gewähren jedoch freiwillig ein Entgelt und fertigen Zeugnisse aus.

Freiwilliges Praktikum: Bei einem freiwilligen Praktikum übernimmt ein Unternehmen die Rolle des Hauptarbeitgebers. Das Unternehmen unterliegt in diesem Fall dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), was bedeutet, dass der Praktikant Anspruch auf Urlaub, Vergütung und ein Zeugnis hat. Außerdem kann der Praktikant das Praktikum mit einer Frist von vier Wochen jederzeit kündigen.

Die Entlohnung von Praktikanten erfolgt häufig auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung. Diese liegt üblicherweise bei 450 Euro monatlich, variiert aber je nach Dauer und Umfang des Praktikums. Die Erfahrung zeigt, dass Praktika im Öffentlichen Dienst und bei Vereinen aus dem sozialen oder kulturellen Bereich oftmals ohne Bezahlung stattfinden, während Praktika in Wirtschaftsunternehmen eher bezahlt werden. Auf jeden Fall sollte die Frage der Vergütung im Vertrag geregelt sein. Dies gilt auch für die umgekehrte Variante, dass bei einem unentgeltlichen Praktikum der Verzicht auf eine Vergütung im Vertrag erklärt wird.


Bafög: Verdienstgrenze nicht überschreiten

Bafög-Empfänger dürfen nicht unbegrenzt hinzuverdienen, sonst sinkt die staatliche Förderung. Das geschieht, sobald der Hochschüler mehr als 5.434 Euro, inklusive Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, im Bewilligungszeitraum verdient. Hierbei ist zu beachten, dass der Bewilligungszeitraum in der Regel nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. Bei einer selbstständigen Tätigkeit dürfen Studierende höchstens einen Gewinn von 4.410 Euro erzielen. Wer mehr verdient, läuft Gefahr, dass die Förderung gekürzt wird. Das sollte man vermeiden, wenn das Bafög ein wichtiger Baustein der eigenen Ausbildungsfinanzierung ist.

  • Biallo-Tipp: Sind Studierende in der Familienversicherung versichert, müssen sie darauf achten, dass sie nicht mehr als 425 Euro im Monat verdienen. Sonst laufen Sie Gefahr, sich selbst in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern zu müssen.




  Max Geißler


 
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