Auf einen Blick
  • Finanzämter prüfen automatisch, ob das Kindergeld oder der Abzug des steuerlichen Kinderfreibetrages zu einem günstigeren Ergebnis für Steuerpflichtige führt. Ist das der Fall, wird das gezahlte Kindergeld mit den Steuerfreibeträgen verrechnet und der Mehrbetrag über den Steuerbescheid ausbezahlt.

  • Steuerfreibeträge für Kinder zählen immer bei der Berechnung von Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer mit. Steuerzahler sollten deshalb für jedes Kind eine Anlage K ausfüllen.

  • Leben die Eltern getrennt oder sind sie nicht verheiratet, dürfen in den Steuererklärungen der beiden Elternteile jeweils nur die hälftigen Kindergeldansprüche eingetragen werden.
Mit der Anlage Kind können Familien und Alleinerziehende Kosten für ihre Kinder steuerlich geltend machen.
Veronica Louro / shutterstock.com

Monatlich bekommen Eltern üblicherweise Kindergeld ausgezahlt. Für das erste und zweite Kind waren es 2020 je 204 Euro (in 2020 insgesamt: 2.448 Euro je Kind plus 300 Euro einmaliger Kinderbonus = 2.748 Euro / Zeile 6 Anlage Kind), für das dritte Kind 210 Euro monatlich (insgesamt 2.520 Euro plus 300 Euro Kinderbonus = 2.820 Euro) und ab dem vierten Kind 235 Euro monatlich plus einmal 300 Euro Kinderbonus (insgesamt 3.120 Euro).

Anlage Kind: Corona-Kinderbonus & Kindergeld

Um Familien in der Corona-Krise finanziell zu entlasten, hat die Bundesregierung mit dem zweiten Corona-Steuerhilfegesetz einmalig das Kindergeld für 2020 um insgesamt 300 Euro erhöht (Kinderbonus). Der Betrag steht Familien für jedes Kind zu, für das mindestens einen Monat im Jahr 2020 Kindergeldanspruch bestand. Der Bonus wurde bereits im September 2020 mit 200 Euro und im Oktober 2020 mit 100 Euro je Kind ausbezahlt.

Kinderbonus nachträglich einfordern

Familien, die erst im Schlussquartal des Jahres Zuwachs bekommen haben, müssen für ihr Neugeborenes den Familienbonus nachträglich einfordern. Ein gesonderter Antrag ist dafür nicht erforderlich – es reicht, einfach einen Kindergeldantrag bei der zuständigen Kindergeldkasse einzureichen; der Bonus wird dann zusammen mit dem Kindergeld automatisch ausgezahlt (BMF-Schreiben vom 6.8.2020, Bundessteuerblatt 2020 Teil I S. 657). 

Achtung: Für Kindergeldanträge gilt eine Antragsfrist von sechs Monaten. Im Mai 2021 zahlen die Familienkassen einen weiteren Kinderbonus von 150 Euro je Kind aus.

Kindergeld plus Corona-Bonus oder Kinderfreibetrag?

Der Corona-Bonus bessert hauptsächlich die Familienkasse von Normalverdienern auf – Gutverdiener gehen leer aus, weil die steuerlichen Kinderfreibeträge für 2020 nicht extra angehoben wurden. Das Finanzamt prüft bei der Steuerveranlagung automatisch, ob das Kindergeld plus Corona-Bonus oder die steuerlichen Kinderfreibeträge in Höhe von 2.586 / 5.172 Euro (Ledige / Verheiratete) plus dem Freibetrag für den Erziehungs- und Betreuungsaufwand von 1.320 / 2.640 Euro womöglich zu einem günstigeren Ergebnis für Familien führt. Beide Freibeträge verringern sich für jeden Monat ohne Anspruch auf Kindergeld um ein Zwölftel.

Ab einer bestimmten Einkommenshöhe lohnen sich die Steuerfreibeträge mehr als das Kindergeld – das gezahlte Kindergeld wird dann mit den Steuerfreibeträgen verrechnet und der Mehrbetrag über den Steuerbescheid ausbezahlt.

Biallo-Tipp:

Die Steuerfreibeträge für Kinder zählen immer bei der Berechnung von  Solidaritätszuschlag und  Kirchensteuer mit. Steuerzahler sollten deshalb unbedingt für jedes Kind eine Anlage Kind ausfüllen. Leben die Eltern getrennt oder sind sie nicht verheiratet, dürfen in den Steuererklärungen der beiden Elternteile jeweils nur die hälftigen Kindergeldansprüche eingetragen werden.

Kindergeld vollständig erhalten?

Seit Anfang 2018 erhalten Eltern das Kindergeld nur noch für sechs Monate rückwirkend zum Antragszeitpunkt. Prüfen Sie, ob Sie für Ihren Nachwuchs das staatliche Kindergeld vollständig erhalten haben und reichen sie fehlende Anträge zügig ein. Gegen die Verkürzung der Kindergeldauszahlung kann man sich zur Wehr setzen. Dazu gibt es bereits ein Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichtes vom 25.9.2018 (Az. 8 K 95/18). Der Richterspruch aus Hannover ist allerdings nicht rechtskräftig – das letzte Wort hat der BFH im Revisionsverfahren unter dem Az. III R 70/18.

  • Biallo-Tipp: Der Bundesfinanzhof (BFH) hat bereits 2016 entschieden, dass Eltern auch während eines Masterstudiums ihres Nachwuchses Kindergeld erhalten können. Die Familienkasse hatte die Zahlung zunächst abgelehnt, weil sie der Meinung war, die Erstausbildung des Kindes ende mit dem Bachelorstudium. Die BFH-Richter entschieden jedoch, dass das Aufbaustudium noch zur Erstausbildung gehört (Az. VI R 9/15).

Investieren in Aktien: Besser jetzt als nie!

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    Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in der Anlage Kind

    Übernehmen Eltern für ihre Kinder, für die sie Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag haben, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, kommen diese in die Zeilen 31-40 der Anlage Kind.

    • Biallo-Tipp: Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 13.3.2018 (Az. X R 25/15) können Eltern die Krankenkassenbeiträge für die eigenen Kinder nur dann steuerlich geltend machen, wenn sie die Beiträge entweder tatsächlich unmittelbar bezahlt oder dem Kind erstattet haben und endgültig wirtschaftlich damit belastet sind. Die Gewährung von Naturalunterhalt reicht nach Ansicht der BFH-Richter dagegen nicht aus. Die Finanzverwaltung ist weiterhin deutlich großzügiger – sie akzeptiert auch Naturalleistungen als Unterhalt (BMF-Schreiben vom 3.4.2019 – Az. IV C 3 – S 2221/10/10005:005).

    Sind die Kinder älter als 25 und immer noch im Studium, haben Eltern keinen Anspruch mehr auf Kindergeld oder den steuerlichen Kinderfreibetrag. Haben sie dennoch Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge für den Nachwuchs bezahlt, können diese Kosten über die Zeilen 40-44 der Anlage Vorsorgeaufwand geltend gemacht werden.

    Alleinerziehende und die Anlage Kind

    Für berufstätige Singles mit Kind stellt die anhaltende Pandemie eine besondere Herausforderung dar. Um einen steuerlichen Ausgleich zu schaffen, hat der Gesetzgeber den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ab 2020 unbefristet von bisher 1.908 Euro auf 4.008 Euro angehoben (Zeilen 49-54). Dazu muss das Kind im Haushalt des Alleinerziehenden gemeldet sein und es darf keine weitere erwachsene Person in dem Haushalt leben. Für jedes weitere Kind gibt es zusätzlich 240 Euro.

    Was ist der Entlastungsbetrag genau und wie wirkt er sich aus?

    Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ist ein Freibetrag für die Berechnung der Einkommensteuer. Er reduziert die steuerpflichtigen Einkünfte und führt damit zu einer Senkung der Steuerlast.

    In einem Urteil vom 5.2.2015 (Az. III R 9/13) stellte der Bundesfinanzhof klar, dass ein alleinerziehender Vater den Freibetrag für seine bei ihm gemeldete Tochter auch dann erhält, wenn diese tatsächlich bereits in ihrer eigenen Wohnung lebt. Mit dem Urteil im Rücken eröffnen sich getrennt lebendenden oder geschiedenen Eltern neue Gestaltungsspielräume.

    Biallo-Tipp:

    Leben die Kinder nach der Trennung bei der Mutter, können beide Elternteile den Entlastungsbetrag kassieren, indem ein Kind beim Vater und eines bei der Mutter angemeldet wird.

    Bei angestellten Alleinerziehenden sollte der Arbeitgeber den angehobenen Betrag bereits im monatlichen Lohnabzug 2020 berücksichtigt haben – Soloselbstständige mit Anhang fordern den Freibetrag mittels Steuererklärung vom Finanzamt ab.

    • Biallo-Tipp: Nach einem aktuellen Urteil des Finanzgerichtes Niedersachsen vom 18.2.2020 (Az. 13 K 182/19) soll der Entlastungsbetrag sogar Alleinerziehenden im Trennungsjahr zustehen, wenn sie statt der gemeinsamen Veranlagung mit dem Expartner die Einzelveranlagung wählen. Das letzte Wort im Revisionsverfahren hat jetzt der BFH (Az. III R 17/20). Auch, ob der Freibetrag im Heiratsjahr für die Monate vor der Eheschließung gewährt werden kann, muss der BFH in einem gerade erst anhängig gewordenen Musterprozess noch klären (Az. III R 57/20)

    Ausbildungskosten in der Anlage Kind

    Für die auswärtige Ausbildung volljähriger Kinder sind bis zu 924 Euro zusätzlicher Freibetrag drin (Zeile 61-64). Befindet sich das Kind nach dem 25. Geburtstag noch in Ausbildung oder Studium, zahlt die Familienkasse kein Kindergeld mehr. In diesem Fall können Unterstützungsleistungen an das Kind bis zu einem Höchstbetrag von 9.408 Euro jährlich als außergewöhnliche Belastung abgezogen werden. Dieser Abzug mindert sich um eigene Einkünfte des Kindes von mehr als 624 Euro im Jahr.

    Besucht ein Kind eine Privatschule, dürfen die Eltern 30 Prozent der jährlich anfallenden Kosten, höchstens 5.000 Euro, als Sonderausgaben absetzen (Zeilen 65-67). Die Kosten für Verpflegung, Betreuung und Unterbringung werden allerdings nicht bezuschusst. Den Status der Schule als anerkannte Bildungseinrichtung und die Höhe der abzugsfähigen Ausgaben lassen sich über eine Schulbescheinigung nachweisen.

    Biallo-Lesetipp: Tipps für die Steuererklärung & Steuerformulare 2020

    Tipps & Tricks zum Steuern sparen für die Steuererklärung 2020 und was dazu die wichtigsten Steuerformulare sind, erfahren Sie in unserem  Übersichtsartikel zur Biallo-Steuerserie 2020.

    Kinderbetreuungskosten in der Anlage Kind

    Auch die Kinderbetreuung durch ein Au-pair, durch die Großeltern oder die Kindergartenkosten finden Platz in der Anlage Kind der Steuererklärung. Zu Zeiten von Corona gelten zusätzliche Sonderregelungen für das Homeschooling oder die Betreuung während eine Quarantäne.

    Corona und Steuer: Was gilt für Homeschooling und Kinderbetreuung?

    Hat sich im letzten Jahr ein Au-pair oder eine andere Betreuungskraft gegen Bezahlung um Ihren Nachwuchs gekümmert, können Sie Kinderbetreuungskosten von bis zu 6.000 Euro mit zwei Dritteln (also maximal mit.4.000 Euro) als Sonderausgaben geltend machen (Zeilen 73-79). Auch gezahlte Kita-Beiträge zählen mit. Wichtig: Das Finanzamt akzeptiert nur abgebuchte oder überwiesene Beträge. Barzahlungen – auch an nahe Angehörige – fallen durch.

    Zusatzkosten für das notwendige Homeschooling wie ein neu angeschaffter Laptop sind leider steuerlich nicht absetzbar – zumindest nicht bei den Kindern. 

    • Biallo-Tipp: Passt der eigene Job zur Laptopnutzung, können Eltern die Anschaffungskosten mit einem beruflichen Nutzungsanteil von 50 Prozent bei den eigenen Werbungskosten geltend machen.

    Abziehbar sind Kosten für Kindergarten, Krippe, offene Ganztagsschule oder Tagesmutter – nicht jedoch Kosten für Nachhilfeunterricht oder Beiträge für Sportverein und Musikschule.

    Kinderbetreuung durch die Großeltern

    Springen bei Ihnen öfter mal die Großeltern ein, wenn die Kinder betreut werden müssen? Wenn Oma und Opa häufiger die Enkel von der Kita abholen, können Eltern die Fahrtkosten dafür steuerlich absetzen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Großeltern die entstandenen Fahrtkosten mittels einer Aufstellung gegenüber den Eltern abrechnen und die Zahlung überwiesen wird. Pro Kilometer kann man 0,30 Euro ansetzen.

    Bringt man dagegen die Kinder selbst zu den Großeltern oder holt die Kleinen selbst von der Kita ab, fallen die Fahrtkosten steuerlich durchs Raster – sie sind mit dem Kindergeld oder den steuerlichen Freibeträgen für Kinder abgegolten.

    Steuerfreie Zuwendungen vom Chef: Zuschuss zu den Kindergartenkosten

    Musterprozess: Firmenchefs dürfen ihren Mitarbeitern als steuerfreie Zuwendungen Zuschüsse zu den Kindergartenbeiträgen zahlen. Ob Eltern dennoch die vollen Kita-Beiträge steuerlich geltend machen können, muss der BFH in einem anhängigen Musterprozess entscheiden (Az. III R 54/20). Nach einem vorangegangenen Urteil des FG Köln vom 14.8.2020 (Az. 14 K 139/20) sollen betroffene Eltern diese Kosten mangels eigener Kostenbelastung nicht steuerlich abrechnen können. Der unterlegene Kläger zog aber weiter vor das höchste deutsche Steuergericht. Gewinnt er, eröffnet das Steuersparchancen für alle Eltern.

    Corona und Steuer: Verdienstausfall bei Quarantäne oder Kinderbetreuung

    Eltern, die ihre Kinder in 2020 wegen geschlossener Schulen und Kitas zu Hause betreuten und deshalb nicht zur Arbeit gehen konnten oder unbezahlten Urlaub machen mussten, haben Anspruch auf Lohnersatzleistungen nach dem Bundesinfektionsschutzgesetz, eventuell auch Ansprüche gegenüber der Krankenkasse auf Kinderkrankengeld. Entsprechende Anträge sind über den Arbeitgeber oder die Krankenkasse zu stellen.

    Das gilt auch für Beschäftigte, die aufgrund einer Quarantäne-Anordnung des örtlichen Gesundheitsamtes zu Hause bleiben mussten und deshalb einen Verdienstausfall erlitten haben. Weitere Infos gibt es dazu auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums (FAQ´s zum Coronavirus). Man ahnt es schon – auch diese Leistungen müssen als steuerfreie Leistungen in der Steuererklärung für 2020 oder 2021 angegeben werden und führen eventuell zu einer Steuerrückforderung des Fiskus, weil sich der Steuersatz auf das übrige steuerpflichtige Einkommen erhöht (Progressionsvorbehalt).

    Steuererklärung für 2019 noch nicht fertig?

    Falls Sie noch an Ihrer Steuererklärung 2019 sitzen oder diese noch machen müssen, schauen Sie gerne noch einmal in unseren praktischen Steuer-Ratgeber für das Jahr 2019. Alle dafür geltenden Steuerregelungen finden Sie übersichtlich dargestellt in einer PDF zum Download unter:  Steuererklärung 2019: In Anlage K mit Kindern Steuern sparen






      Michael Schreiber

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